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• rfd)ei*t ««glich außer Sonntag«.
Dem ® iefeener Anzeiger werben tm Wechsel mit dem Krsfische« Landwirt die rtehener Kamillen, blätter viermal in der Woche betgelegL
Rotation«brurf n. Verlag der Brühl 'schen llnwer1.-Buch-u.Stel»- bruderet (Pietsch Erben) Redaktion. <fcn*t>ittxNi unb Druckerei: echalßratze 7.
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Donnerstag 4. Juni 1903
Erftes Matt.
153. Jahrgang
GietzenerAnzeiger
** General-Anzeiger * * * * v
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
ye-ng«prer«tt mouallid)7bPi.. viertel« jährlich Mk. 2JO; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Ps.; durch diePost Wit. 2.— viert el- lährL auSschl. Bcstellg. Annahme von Anzeigen üi die Zaflrtnnmmec iS oormUlag« 10 Uhr. . ctlenpreit; total 12^ aueroärtl 20 Pig.
Beranlwortiich tüt den poltL unb aÜgcm. 'Zell; P. IBtltto: für .Stadt und tianb* und -(ßcncbtflfaaT; Huauft Götz; tüx den Anzeigenteil: Han« Beck.
Volttische Tagesschau.
Eine scharfe Absage
^at auf einer in Geislingen abgehalteneu 44. Wcmderver- sammlung wiirtternbergis ch er Landwirte der Minister des Innern v. Pischek an den Bund der Landwirte gerichtet.
Ter Minister stellte fest, daß die heutigen Forderungen deS Bundes der Landwirte entschieden weiterglchend seien, als die vor drei Jahren von den landwirtschaftlichen Gau- Verbänden ausgesprochenen Wünsche, die ihre Verwertung tm Zolltarif gesunden hätten. Tas möge teilweise vielleicht daher kommen, daß die Lage der Landwirtschaft nicht besser geworden sei. In der Hauptsache aber bestätige sich hier die alte Erfahrung, „daß der Appetit mit dem Essen komme", und die Begehrlichkeit der Landwirte sei durch die Agitation >er bezahlten Wortführer des Bundes der Landwirte gewachsen Tem Frieden sei es nicht dienlich, solche besoldeten Agitatoren zu bestellen, die keine Versöhnung, sondern Verschärfung dec Gegensätze brächten. Ter Minister sei nicht allein für die Landtvirtschaft da, sondern müsse auch für Handel, Gewerbe und Sozialpolitik sorgen. Selbst wenn es möglich wäre, soviel Getreidp zu bauen, wie Württemberg brauchte, müßte Württemberg doch noch viele andere Tinge einführen und diese müsse der Import bezahlen. Darum müsse die Regierung auch aus die Erhaltung einer kräftigen Exportindustrre bedacht sein, wenn die Lebenshaltung der Bevölkerung nicht zurückgehen solle.
Die neueste« Goldfunde in Deutsch-Ostafrika.
Kürzlich in englischen Blättern aufgccauchte Meldungen besagen, wie wir berichteten, daß in Deutschs) st afctka neuerdings reiche Goldfunde gemacht worden sind. Me goldhaltigen Felder sollten sich« nach den Berichten etnxi sechs Lagemärsche von Muauza am Südufer des Viktoria- Sees befinden. Als Beweis für die reichen Erträge wurde gemeldet, daß die vorn Süoen nach Mombassa ftBritisch- Ostafrika) gehenden Schiffe mit Goldsuchern aus Transvaal angefiUlt seien, und daß die Züge der britischenllganda- bahn, bte nach dem Viktoriasee führt, gleichfalls mit solchen Leuten besetzt seien. Eine amtliche Meldung über neue Goldfundc liegt bisher nicht vor. Falls die neuentdeckten goldbergenden Felder einen ganz außergewöhnlichen lGoldreichtum aufweisen würden, ist wohl anzunehmen, daß eine solche Meldung bereits telegraphisch über» miltelt worden wäre. Es ilst bekannt, daß in Deutsch-Ost- ajcika seit längerer Zeit Gold gefunden wird, und daß hierfür besonders das Gebiet südlich des Viktoria-Sees in Betracht kommt. Es braucht deshalb nicht in Zweifel gezogen zu. werden, dc.z bet Muanza Goldfunde in letzter Zeit gemacht worden sind. Von wirtschaftlicher Bedeutung für die Kolonie können solche Goldfelder nur dann sein, wenn die Gewinnung des Edelmetalls und die Ausfuhr sich lohnend gestaltet, wenn also, die Kosten des Abbaus nicht größer sind als der aus der Verwertung erzielte Gewinn. Tie Entscheidung hierüber kann aber erst nach einer eingehenden Untersuchung gefällt werden, die bis jetzt natürlich noch nicht begonnen hat. Die Mitteilung, daß die Goldgräber von Britrsch-Ostafrika auf deutsches Gebiet kommen, um nach Gold zu suchen, kann durchaus zutrefsen, da für das deutsche und englische Kolonialgebiet die allgemeine Schürsfreiheit besteht. Bewohner von Deutsch-Afrika können also ebenso in Englisch-Ostafrika nach Edelmetallen suchen, wie englische Untertanen in den Gegenden am Vittoria- See. Ausgenommen sind hiervon selbstverständlich die Landstrecken, für welche besondere Konzessionen bereits vergeben sind.
'Wahlbeweguug.
— Nach einer Meldung aus Breslau hat der im Wahlkreise Geutheu-Tarnowih vorn Zentrum für die Reichstagswahlen aufgestellte polnische Bergmann Kr o - lik seine Kan didatur zurückgezogen. Diese Kandidatur stieß bei der deutschen Wählerschaft auf lebhaften Widerstand, und der von dieser Seite aufgestellte Amtsgerichtsrat A n t h e s ch wurde auch von den deutschen Anhängern der Zentrumspartei offen unterstützt.
ßvangclisch sozialer Kongreß.
R.B Darmstadt, 3. Juni.
Heute dormittag 9i/i Uhr begann der 14. Evangelisch-soziale Kongreß seine offiziellen Verhandlungen im städtischen Saalbau, der mit der Tribüne dicht beseht war. Unter den Anwesenden bemerkten wir Staatsminister Rothe, Justizminister Dr. Dittmar, Ooer- konsistorialpräsident D. Buchner, mehrere Ministerialräte und andere hohe Staats- und Kirchenbeamte, ferner Oberbürgermeister Morneweg und dazu viele namhafte Ge- lehrte aus Berlin, Leipzig, Köln, Marburg, Stuttgart, Heidelberg, Karlsruhe rc. Prof. Dr. Harnack begrüßte nach Gebet und Gesang namens des Aktionsausschusses die so zahlreiche Versammlung und führte aus, daß die deutschen Regierungen mit großem Eiscr die evangelisch-sozialen Bestrebungen unterstützten. Deutschland stehe oamit in ganz Europa obenan. Bei dec Lösung der sozialen Aufgaben kämen besonders drei Faktoren in Betracht: Besitz, Bildung und Gesinnung. Die Entwicklung der sozialpolitischen Aufgaben auf dem Boden des Evangeliums müsse das ernste Streben aller sein. Es sei notwendig, durch das Wort auf die Sache zu wirken, Dkensch zu Mensch und Herz zu Herzen näher zu bringen, damit ein sozialpolitischer Geist das ganze deutsche Volk durchdringe. In diesem Sinne wolle auch heute der Kongreß an die Arbeit gehen zum Wohle und Segen unseres Vaterlandes. (Lebh. Beifall.)
Hierauf nahm Herr Staatsminister Rothe das Wort zu etwa folgender Ansprache:
Das verehrte Komitee des Kongresses hat die Freundlichkeit gehabt, auch die Großh. Regierung zu dem Kon- grefse einzulaben. Ich danke zugleich im Flamen meiner Kollegen für diese Anfmerllo'.n^ir.. Die Großh. Regierung darf wohl für sich das Zeugnis in Anspruch nehmen, den sozialen Fragen alle gebührende Sorge zuzuwenden und redlich bemüht zu sein, auch ihrerseits zur Lösung der sozialen Aufgaben nach besten Kräften beizutragen. Aber sie kann nach ihrer Auffassung diese Aufgabe nur lösen, wenn sie selbst in allen sozialpolitischen Fragen die vollste Objektivität bewahrt und auch jeden Anschein einer Partei- nähme nach der einen oder anderen Seite hin vermeidet. Wenn somit auch die Vertreter der Regierung nur als Gaste der Versammlung beiwohnen, so werden doch nach dem vorliegenden Programm die Verhandlungen so viel des Interessanten bieten, daß sie uns auch als Zuhörern reiche Anregung und Belehrung geben werden. Ich begrüße deshalb den 14. Evangelisch-soziaten Kongreß in Darmstadt namens der Großh. Regierung und wünsche Ihren Verhandlungen den besten Verlauf.
Weitere Begrüßungen und Sympathieversicherungen sprachen Oberkonftstorialpräsident D. Buch ner namens des Großh. Oberkonsistoriums, Oberbürgermeister Morneweg namens der Stadt Darmstadt, der Rektor der Universität Gießen, Prof. D. Krüger, der etwa folgendes ausführte:
Daß er als evangelischer Theologe und als langjähriges Mitglied des Kongresses gern herbeigeeilt fei, verpetze sich von selbst; er sei aber auch von den Kollegen der alten Ludovieiana au der Lahn beauftragt worden, die Versammlung hier herzlich zu begrüßen, trotz der anfangs gehegten Bedenken, denn die Ziele des Kongresses seien
doch mit politischer Natur. Seine Ausgaben seien aber auch so groß und ergaben, daß jeder Zweifel darüber, ob man hier mitarbeiten dürfe, schwinden mußte. Sollen doch seine Bestrebungen dazu dienen, das deutsche Volk mit einer gesunden sozialen Anschauung zu durchsäuern. Er hätte gewünscht, einen Extrazug von Studierenden gleich hierher bringen zu können, damit sie aus dem Munde ihrer Lehrer selber die goldenen Worte zu hören bekämen. Er hoffe, daß wieder die Zeit nahe, in welcher die Professoren hinauS- trcten aus ihrer Studierstube und in3 praktische Leben eingreifen. Damals war cs der nationale Gedanke, der in den Herzen der Deutschen geweckt wurde. Jetzt stehe Deutschland nach außen hin kräftig und stark da, aber im Innern frißt mancher Feind an ihm. Da solle es Aufgabe der Professoren fein, in der Tiefe die Liebe zu dem sozialen Gedanken zu erweckem Quod bonum felix fauftumque fit!
Ferner sprach noch Prof. Rath gen namens der Universität Heidelberg und je ein Vertreter des Evangelischen Arbeitervereins, des Vereins für Bodenreform und des Evangelischen Bundes. Dann nahm Prof. Dr. Wilhelm Herrmann-Marburg das Wort zu seinem Vortrag über: „Die sittlichen Gedanken Jesu in ihrem Verhältnis zu der sittlich-sozialen Bewegung der Gegenwart". Der berühmte Marburger Theologe besprach dieses Thema in einem außerordentlich geistvollen, fesselnden und über zwei Stunden dauernden Vortrag, dem er die folgenden Thesen zu Grunde legte:
1. Die sittlichen Gedanken Jesu stehen nirgends in Gegensatz zu der sittlich notwendigen Kulturarbeit.
2. Tie Annahme eines solchen Gegensatzes beruht auf einer falschen Auffassung des Sittlichen und einer falschen Deutung von Worten Jesu.
3. Die auf vielen Seiten für undurchführbar oder für revolutionär gehaltenen Forderungen eines Verzichts auf Besitz und Macht sind Hinweise auf Gefahren, mit denen die Kultur auf jeder Stufe das sittliche Wollen bedroht.
4. Sie sind tiiber auch Forderungen, die jede sittliche Gesinnuiig aus sich entwickeln muß.
5. Tie sittlichen Gedancen Jesu sind weder veraltet noch zu hoch für unser Verständnis, denn sie sind das wahrhaft lebendige in der fitllich-fozialen Lebensbewegung der Gegenwart.
An den mit stürmischem Beifall aufgenommenen Bor« trag schloß sich noch eine längere, lebhafte Diskussion an, in der namentlich Prof. Dr. Delbrück-Berlin seine in verschiedenen Punkten von der des Hauptredners abweichende Anschauung iiäher darlegte. Weiter beteiligten sich an der Debatte, auf die wir wegen Raummangels hier nicht näher eingehen können, noch Pfarrer Dr. Christlieb-Freistädt in Laden, Dr. Weinel-Bonn, Pfarrer Freudlieb- Ulrichstein, Privatdozent Pe ts ch-Würzburg und Kandidat Walter Kia sing. Der Versammlung schloß sich ein gemeinschaftliches Mittagessen im Saalbau an.
Tie Nachmittagssitzung zeigt wiederum einen dichtbesetzten Saal. Geh. Rat Prof. Dr. Adolf Wagner sprach über das Thema „Tas ethische und soziale Moment in Finanzen und Steuern." Es sch nicht zu leugnen, so führte der Redner aus, daß alle Angelegenheiten der Fi, nanzen und Steuern mit den politischen Fragen und sozialen Momenten in engster Verbindung stehe. Ein Hauptgrund, daß das heilige römische Reich deutscher Nation in Trümmer ging, war der, daß es nicht gelang, eine geordnete SUuerDerfapung zu schaffen. Auch fiir die polirische Gegenwart sind die Steuern von ganz eminenter Bedeutung, ja es hängt die Existenz von Reich und Staat von der Leitung der Steuern und Finanzen ab. Die Festlegung der öffenllichen Mittel und Einkünfte für die allgemeinen Inte reffen der Gesamtheit ist eine Errungenschaft des 19. Jahrhunderts, das Anzapfen der Finanz- kasscn durch die Fürsten hat durch Festsetzung bestimmter
Der Sänger-Wettstreit in Iranstsnrt a. W.
Fran kf ur t, 3. Juni.
Das Kaiserwetter, das man nach dem Verlauf der Pfingsttage zu erwarten berechtigt war, ist leider ausge- blieben. Nach den ausgebreiteten Gewittern des gestrigen Tages regnete es die ganze 'Nacht hindurch, und der heutige Morgen glich eher einer trübseligen Bormittagsstimmung als einem frohen Festtage. Bleigrau wölbte sich der Himmel und bei empfindlich kühler Temperatur fiel anhaltender Sprühregen. Schlaff und feuchtschwer hingen die Fahnen und Flaggen herab, in den Laubgewinden perlten dicke Regentropfen, und wo man noch für die Illumination die letzte Hand anlegte, geschah es in der Befürchtung, daß möglicherweise alles noch im ureigensten Sinne des Wortes zu Wasser werden könnte. t t
Erft gegen mittag ließ der Regen nach. Zwar blieb der Himmel bedeckt, aber eine frische Brise aus Westen setzte ein unb trocknete alles schnell, sodaß bald auf den zahlreichen Fahrzeugen, die über die Toppen geflaggt m der Nähe der Wilhelrnsbrücke vor Anker lagen, die Flaggen unb Wimpel wieder ebenso luftig flatterten, wie in den Straßen dec Stadt. Auch die Straßen wurden bald wieder belebter und je näher der Abend hecanrückte, desto größer wurde das Gedränge auf den in der Mhe des Bahnhofes liegenden Straßenzügen. „ _ . ,
ö©eaen 6' > Uhr Härte jub das Wetter auf, unb bald zeigten jidj b'ie festlich geschmückten Straßen in herrlichem sonnenitfiein Tie iwsperrnng begann um Vti Uhr. Die Ebrentonwaanic, die dem Bataillon des Prinzen Friedrich Ll entnommen war, riiteu. die ^hnhofshalle em und nahin aus den, großen Querperroii, Ausstel ung.
Die Schulen. Vereine und das zur Lpalrerbildung zuge. zogene MiUtar hatten ihre Aufstellung gegen i llhr be. enLet. Um diejc Zeit traf auZ nute Schwadron des Ulanen
regiments Nr. 6 vor dem südlichen Ausgange des Bahnhofes ein. Die Menge, die den nicht abgesperrten Teil des Bahnhofsplatzes besetzt hielt, wuchs mehr und mehr an, doch war die Ordnung musterhaft. Pünktlich um 7.10 Uhr lief der aus 10 Magen bestehende kaiserliche Sonderzug unter Trommelwirbel in die Bahnhofshalle auf Perron 2 ein, wo sich zur Begrüßung eingefunden hatten: Prinzessin Friedrich Karl von Dessen, die Schwester des Kaisers, der komm. General des ib. 2lrmeekorps General d. Infanterie o. Lindequist, der Stadtkommandant Generalleutnant o. Stülpnagel, die übrige Generalität, Ob er Präsident Gras Zedlitz-Trützschler, Pollzeipräsident v. Müffling, Oberbürgermeister Adickes, der zum erftenmale die goldene Amtskette angelegt hatte, Mitglieder des Konsularlorps, der Eisenbahndirektion usw. Nachdem die allerhöchsten Herrschaften dem 5. Wagen entstiegen inaren, begrüßten der Kaiser und die Kaiser in zuerst die Prinzessin Friedrich Karl sehr herzlich, darauf den General o. Lcndequist, den Oberpräsidenten und den Oberbürgermeister Adickes, sowie die übrigen zum Empfange Erschienenen.
Nach der Vorstellung begaben sich die allerhöchsten Herrschaften,' gefolgt von den Prinzen Eitel Friedrich in der Uniform des 1. Garderegiments z. F., Adalbert in Dta- rineuulform und dem Herzog von Sachsen-Eoburg und Gotha, der Husaretrunifocm angelegt hatte, zum Querperron. Tie Kaiserin und die Prinzess tn mit den Hofdamen gingen ins Fürstenzimmer, wahrend der Kaiser in Jnscm- terieuniform mit dem komm. General die Front der Ehren- kompagnie abschritt und darauf den Vorbeimarsch entgegennahm. Auf dem rechten Flügel hallen die bireften Vorgesetzten Aufstellung genommen, darunter der Bataillons- tomrnandeur Prinz Friedrich Karl, den der Kaiser beim Abschreiten herzlichst begrüßte. Nach einmaligem Vorbeimarsch begab sich der Kaiser unter stürmischen Hochrufen der die nördliche Bahnhofshalle besetzt hallenden Menge ins
Fürstenzimmer, von wo aus er mit der Kaiserin den ersten Wagen bestieg und eskortiert von einer Schwadron Ulanen unter dem brausenden Jubel der auf den Straßen angesammelten Menschenmenge zur Festhalle an der Forst- hansftraße fuhr. Im zweiten Wagen saßen die Hofdamen, im dritten folgten die Prinzen Eitel Friedrich und Adalbert, im vierten der Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha und im fünften das Prinzenpaar Friedrich Karl. In weiteren Wagen saß das Gefolge.
Fortsetzung im Hauptblatt.
Berlin, 3. Juni. Leute vormittag versammelte sich tat Langendeckschen Sause die deutsche Gesellschaft für Ch ir urgie zu ihrer Jahrestagung. Ter Vorsitzende, Professor Kuester-Marburg eröffnete die Tagung mit einer längeren Ansprache. Stach Erledigung des geschäftlichen Teils begann der wissenschasiliche Teil der Tagesordnung, für den 91 Vorträge an- gemeldel sind.
Berlin, 3. Juni. Im sitzungssaale des Reichstags fand heute die erste Sitzung des fünften internationalen Kongresses für angewandte Chemie statt. Anwesend waren Staatssekretär Posadowskn, Kultusminister Tr. Stubt, Ministerialdirektor
v. Althoff und tm Auftrage des Kaisers Prinz Friedrich Heinrich. Ter Präsident Profenor Witt schlug den Text eines mit Beifall mitgenommenen Huldigungstelegramms an den Kaiser vor. Sodann hielt Staatssekretär Gras Posadowsky im Namen der Reichsregierung cme Ansprache. Tte Materie zu erforschen und zu beherrschen, sei die Ausgabe der Chemie, deren Lösung ihr in fortschreitendem Maße gelungen sei. Er betonte die Leistungen der Chemie für die Industrie und für die Landwirtschaft und bte große Verbilligung der Crzeugungskosten durch sie. Auf dem Festzeichen des Kongreffes feien die beiden Halbkugeln des Erdballes abgebtldet, eme Bekundung des stolzen Bewußtseins der chemischen Wissenschaft, <aß sie aus da- Kulturlebeii der gesamten Welt ihren geistigen und wirtschaftlichen Einfluß ausübe. In dem Symbol fei auch die gastfreundliche Hoffnung auf eine Teilnahme der Vertreter der Wiyenjchaft und der Praxis aller Rulturlänber diesseits und jenseits des Ozeans am Kongresse ausgesprochen Redner schloß mit


