Nr. 80
Erscheint '«glich duner Sonntag«.
Dem «Siebener Anzeiger werden im wechsel mit dem Kessilchen tanbrolrt die •itfjtntr Kamillen* blätter viermal in der Woche deigelegt.
IRotationebrucf u. 'Oer- lag bet Brüh l "leben Umoert.-Buch- u.Siem- biu<feiei(Uiet1d)Urben) .Itebaftion, Itrpebinon und Truderei: Lcholftrahe 7.
Äbiefle tüt Develchen: Anzeiger «leben.
Aernivr«van«a>l>>b^tr 5t.
TamStag 4. April 1908
153. Jahrgang
Erstes Blatt
vezu g «p reiSr mviiailich 75^1^ menet- jährlich 'Dlt. 2 20. durch Ylbbole» u. Hipeigfiellen monatlich 65 "UL; durch die Bost 'Dlf.t.— menel- lätvl. anelcbU Beucllg. Annahme von Lnzetge« für die iaae*miminet bi« vormittag« 10 Ube. ^eilenptet«; total 12*Ü1W autivaue ttv 15*ft.
H<e tarn mo 11 um Hhr den pohL and aQgem, Teil U 4U111 f o nie ,€iabt and t'anb* and J^encbttliiai“. Auaust Göh. hn den 7ln- »eiaentetl: Oan« Beck.
GiehenerAnzeiger
General-Anzeiger 67 **
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eiehen
Kaiser Milycim in Kopenl-ugeo.
Kopenhagen, 8. April.
Tie Leitung „Politiken" schreibt: „Ter Lniser ist gestern vom Lünig uhü der Kopenhagener Bevölkerung mit Feier- Iidjfeit utU) heriilichkeit elnpsangen worden. Cd war prachtvolle- Wetter, Feslstirnmnng lag über der Stadt und atlc suhlten, daß der Besuch de» Kaisers ein Ereignis von anderer Art sei, a l S ein g ewöhnlicker dürften- besuch. Mit großem 3nterc||e wird man die-Reden leien, die bei der Lasel gewechselt wurden. Die Rede dcS Kaifets ist ein Zeugnis von der großen oradoriscüen Begabung des Kaisers Tie überströmende Bewunderung gegenüber dem Könige und dem stammoerwandteu dänischen Bolte wird sicher die selbstverständliche Würdigung finden, die eine so große Liebenswürdigkeit hervorruft.' Wie dasselbe Blatt meldet, lieg sich der 5Vai|er nach der La fei die Gäste vorstctlen und bewegte sich zwischen denselben ml. irößter Liebenswürdigkeit. Es ist nlt^l zu viel gesagt, bau auut ein einziger Gast war, mit dem der Kaiser nicht ge- peochcn hätte. Bcsotider- unterhielt sich der Kaiser mit teil beiden Präsidenten des Reichstages und dem nun feil* Präsidenten, mit dem er über mehrere fragen der auswär- llgen Politik sprach. Mit dem ztonsesiurnariuS sprach bet Kaiser über kirchliche Verhältnisse hterzulairde. Während gewöhnlich derartige GaladttterS biS 1U llhr dauern, dauerte das gestrige bis 11 Uhr.
^eute vormittag halb 10 Uhr fuhr der Kaiser in Begleitung des Krotipeinzcn und deS Prinzen Waldemar im o|lenen Lagen durch die Stabt nach Deut Museum für nur« d.sche Altertümer. Der Kaiser bes.chtig^L un.ee Führung der Direktoren Müller uno Mollcrup mit großem Inter- esse die prähistorische Abteilung deS Nationalmuseums und die für mitti-laltertiche Kirchenkanst und begcw sich alsdann ins Lhorwaldfen^Museum, wo er vom Kammerherrn Mel- dahl und Inspektor Haubcrg geleitet wurde. Der Besuch der Museen dauerte ungefähr zwei Stunden. Um 11 Uht besuchte der Kaiser mit dem Kronprinzen, dem Prinzen Waldemar sowie großem Gefolge das Berkausslager der lönigl. dänischen Porzellanmanusaktur, wo er vom Direktor Talaas, Proscsior Krog und dem Mitgliede des kontrollbomitecd, Apocheker Bettzvn, empsangen wurde. Um halb 12 Uhr machte der Kaiser der Kronprinzessin einen Besuch, bald darauf empfing der Kaiser den Besuch des Königs in seinen Appartements.
Um 1 Uhr begab sich der Kaiser zum Frühstück beim deutschen Gesandten V. Schoen. Beim Frühstuck sag der Kaiser zwischen Frau v. «ck-oen und dem k'onseckspräsi- bemen Deunzer. Dem Kaiser gegenüber saß der deutsche Gesandte. Tie Tafel war mit frischen Blumen und seltenem Pvizellan geschmückt. Im Anschluß an daS Frühstück empjing der Kaiser in der Wohnung deS deutschen Gesandten den Borstand deS BereiitS deutscher Reick-Sange- höriger. Bon LrdensauSzeichnungen werden bekannt- Konjeilspräsident Deunzer erhielt das Großkrcuz des Üioten Adlerororns, kommandierender Admiral Uldall den Stolen Adlerorden 1. Kl., Generaldirektor Kammerherr ftrag den Kroneitorden 1. Kl., Kricgsminister Madsen den Kroncn- orden 1. Kl-, Marineminister Ioehnle den Lronenordeu 1. kl.
Um 3 Uhr nachm. begab sich der Kaiser in Begleitung deS Kronprinzen, dcS Prinzen Waldemar und der Herren des Gefolges und Eheend.enstcs nach Klampenborg, wo königliche Wagen waneten, in denen die Herrschaften durch den Tiergarten nach dem Jagdschloß Eremitage fuhren. Rach Iuroer B.sichtigang bc»letucit wurde tue Tour durch den Tiergarten nach der Fortune kar^gesetzt, dann kehrte man durch die WalsSschlucht zum Bc.h.thas zurück, wo ein Caiiderzng die Herrschaften nach Kopenhagen zurückbrachte. Bon h.cr auS wurde der AuSslug nach dem königlichen Dacht- fiub jorlgcfetzt, wo auf bet Langen Linie" das neue Klubhaus bcs.chtigt wurde.
Heute abend nahm der Kaiser an einem von dem Kronprinzen und der Kronprinzessin gegebenen Festmahl teil, zu dem gegen 400 Einladungen ergangen waren. — Ter Kaiser verlieh den Prinzen Karl und Harald von TLnemark den Schwarz.n Adlerorden. Bor der Abcndtafel empfing der Kaiser den deutschen Gesandten v. Schoen.
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Zu den gestern bereits ton unS mitgeteiftrn Trink- fprüchcn schtcwt die „Rordd. Allg. Ztg.": Tie Worte, die Der König dem Kaiser alS WilllouiMenruf bargeboten habe, würden in Deutschland lebhaften Widerhall wecken. Ter Kaiser habe in seiner Erwiderung den Empfindungen Ausdruck Verliehen, die in alten Schichten des deutsck-en Do.k.S für den ch.würdigen Monarchen deS Tänenretches gehegt werden. Richt nur in ihren politischen Beziehungen, sondern auch in ihrem idealen Schaffen könnten beide Rationen nur gewinnen, wenn sie die zwischen ihnen bestehende Kulttirgememschaft fortgesetzt enger gestalteten. DaS offiziöse Blatt schließt mit j.lgendcn Worten: Daß bet Besuch des Kaisers dazu beitragen möge, solche Bande fester und freundschaftlicher zu knüpfen, ist unser aufrichtiger Wunsch
Jte AüLLcyr £. K K. des i-ro.,Herzogs aus Znöico,
Die „Darmst. Ztg." w.omet Lr. Königl. Hoheit folgenden Degrüßungsartikel:
„Leine Königliche Hoheit der Großher-og kehren heute nach mehrmonatiger Abwesenheit in die Residenz zurück. CS wac em schneidend kalter Bintermorgen, alS der italie- rische Schnellzug den hohen LandeSherrn nach sonnigeren Gestaden führte; von Marseille war daS Reiseziel der sTrne Erient wo in btt altberuhmten Residenz der indischen Herrscher, Delhi, die denkwürdige Bertündigung der Krönung des Königs unter geradezu märchenhafter Prachtem-
foltuna statisand, woran dann eine hochintcrelsaiiie Steife durch Indien und das Wunderland der Phramiden sich anschloß. ES war Seiner Königlichen Hoheit beschiedcn, nut cegeui Geiste und hohem Interesse eine Fülle großartiger Eindrücke und Erlebnisse in dem fernen Lande auszuiiehmen, und Erfahrungen zu sammeln, die fruchrbringeno sich er- weifen dürften. Ein fehr^ glücklicher Stern waltete übet oer ganzen Reise, aus der Seine Königliche Hoheit dec Groß- heczoa sich stets deS besten Wohlseins erfreuen tonnten, und beute hat bad treue hessische Volk bie große Freude, oen hohen Landesherrn iu erwünschtem Wohlsein in die Haupt- und Residenzstadt zuruckkehren äu sehen. Freudig schlagen Ihm bie Herzen entgegen, und die begeisterte Aus- »iahme, die Seine Königliche Hoheit in der festlich ge- schmückten Residenzstadt fmoen werden, wird den Grundton oer Stiuintung dcS ganzen LcssenlandeS bilden, das dem angestammten Fürsten heute begrüßend huldigU Auch uns sei cs gestaltet. Seiner Königlichen Hoheit unserem alt- oerchrten Grußherzog zunt heui.gt.it Tage eui ehrerbietigstes Willurmmcn cnigegenzubringen."
Bon unserem Darmstädter Bureau erhalten wir vom 3. b. M. svlgeiide Meldung:
Bel heiterem FruhliNoswetter und Sonnenschein ist heute nachmittag 8% Uhr Se. iiunigL Hoheit von seiner großen Iiidiensahrt wieder hierher zurückgekehrt. In den ,östlich geschmückten Straßen der Stadt herrschte ein außerordentlich regeS Leben, der freie Plap vor den beiden Bahnhöfen war nut Tauseitdcn von Mensihen dicht besept, bie tKn ^rußhcrzog bei feinem Erscheinen mit stürinlfchen Hurra- rufen begrüßten. Ter Gro^Herzog faij augerordentlich ivohl und start von der Sonne gebräunt aus. Er trug Eivit- Ucibung uiü) fuhr in einer leichten offenen Doppeckuleiche allein, bie freudige Begrüßung deS PublikuniS In den Straßen burch fortgefepteS Lüften beS jckpvarzen Schlapp- Hutes freundlichst erwidentd. Im Fürstenzimmer bcS Matii- ^eckar-eüahnhufes hauen sich zur Begrünung Sr. Äönigl. Hoheit die hier lueilcnbcn Berwaiidten cingu|unben, Prinz uni) Prinzessin Joseph von Battenberg, Gras und Gräfin Erbach-Sachnberg, Prinz Albert von Sck-leöwig-holsteui, ferner Lbersihosinarjei-alt Frhr. v. Westerweller, Sberstall- mcister Frhr. v. Riedesel, Frgr. Röder v. DrcrSburg, Staats- Minister Dr. Rothe, Lberbürgermcister Morneweg u. a. ni. Tie Begrüßung am Bah.choj war f.hc herzlich. Der Großherzog umarmte feine Berwandten und küßte sie, während ec die übrigen Persönlichkeiten mit einem Händedruck begrüßte. Die Freude in der Stadt über die nun glücklich erfolgte Rückkehr des Landesherrn ist allgemein.
Endlich sck-reibt unser Dr. M.-Üorre,pondeiit:
Im H o s l h e a t e r gab man am Abend Paulton- DlurnenthalS Sa-wank „Ntobe" bei stark beseptem Hause. Im ersten Rang war die Hosgefellfchaft vollzäblig erschienen. Im eLtlrifcßcn Lichtglanz etstrah.te plüpliu- der Zuschauer- raum, alS das Zeichen zum Beginii der Borstellung ge- geten wurde uird Großherzog Ernst Ludwig den Platz in ,einer Loge einnahm uno ün 9uinien der Seudl von einem Beigeorduelen begrüßt wurde. Daö Orchester spielte die 'Aülu)naU)miuie, wUche die Anwesenden stehend anhürten. Ter Großyerzog sieht sehr gut aus. Tie iiwische Lust hat seiner an und für sich gesunoc» Gcsichtssarbe einen beäun- iichen Ton mitgeteilL Der hohe Herr su-ieu sich in Mitte seiner loyalen Hessen recht behaglich zu suhlen tutb brachte oen burl.Slen Bühilenvorgangen des Schwankes, um bifien drastische Wirkung sich bcsv'tdetS Frl. Liu^ldbeim unb Herr Eonradi toerblciü ntachtcn, sichtliches WohUvollen ent» pcgeiL
K.k „^luyhükbrf in der -wetten Kummer.
1L 13. Darmstadt, 8. Slpril.
Die Prüfung der Wahlakten bildet bei den meisten parlamentartschcu Körpctsck^jten eine wichtige und schwierige Aufgabe. Ta die Abgeordnetenlammer über ihre eigenen Angelegenheiten multomntcji souveram ijt, so Hal sie auch altem und unabänderlich durch ihre Siiinmen- mehrheit über die Giltigkeit der einzelnen Mandate zu entscheiden. Sie laut durch den Wahlausschuß die voui Wahlkommissar socg.ältig vcnvahrten Wahiackcn einer gc- naucu Prüfung duru-zichen und teilst bann ihre Entschlieg- ung meist nach ben Anträgen des Ausschus,eS. In der zweiten Kamn^r ist es aber diesmal wesentlich anders gekommen.
Es handelte sich bei ben gegenwärtigen Dahlprufungen besonders um sechs Mandate, bie der Abgg. Ulrich, Läng, Langenbach, Dr. Heiden reich, Orb und Hirfct-el. Qkgcn bie Wahl Ulrichs war betanntlich ein Protest der C||cnbad#er vereinigten Burgerparteien rin» gebracht wurden, weil bei dessen Wahl eme Anzahl Personen mitgestimmt hatte, bie zwar schon brei Jahre in Hessen aniufjig waren, aber buch nicht den Bestimmungett oer Berfa,s^ngSurtunoe gemäß daS Staatsburgerrecht er- worben habcti. Man erwirbt zwar i.ach der reichsgesctz- lichcn Bestimmung nach dre.j^h.igem Aufenthalt in euieui Bundesstaate die Staatsangehörigkeit desselben, aber naa) den hessischen Lanoesge,ctzen noq nicht b.e Cuali- jikation als Staats durger. Staatsbürgcrrccht, das eine Voraussetzung des Wahlrechts uno der Wahlf^higlctt zur zivetten Kammer bildet, verpflichtet nach krt. lüo der tkq.-utL zur Vuiri|iung dcS Be.f^,f^i gS- und Hu.d.gung»- ecdes, uno an bie xx^unmung i,t gcvui.ben, daß der xx> treffende keinem fremden Unterranenoeroanoe angehören dürfe. (ÄtL 14 der Berf.-Urt.) Der WahlauS,chuß hat fcch nun mit dec Ecactecung oec Fcage dec ^taa,-,a.igeho.igt^it sehr eingeyend bif-zün^t uno s^t.e^.ia,' dayin e.it,ch^eoen, oaß un^r der Bezeichnung „fremder Uiitertanenv^^öand" nur der außerdeut,a-e ver,mnden loerden fol.e. ).un Hal iroat auch die Äanißier dem vom Wahm^ssu^Utj g^.e.l.en motivierten Knircg auf GcktigkeitSertmrung utc ^uhl zu
gestimmt, allein sie ist auf die Materie selber nid>t ein* nen, sondern Hal wohl zumeist nur auS dem Grunde
: Giltigkeit votiert, weil bei der großen Stimm i- mehrheit Uliick-s die Beteiligung nichtbcssischer Staatsbürger überhaupt nicht ins Gewicht gefallen wäre. Die Großh. Regierung, an die sich der Ausschuß mit dem Ec- suchcn um Mitteilung ihrer Aufsasjung über die Sache wendete, hat die Beantwortung der Anfrage mit der Bemerkung abgelehnt, daß sie sich in fpeziecl bie Kammer angehende GejetzesauSlcgungen vorerst nicht einlassen tuulle. Die Streitfrage ijt somit wohl fürs erste durch ben kammer- beschluß erledigt, aber noch lange nicht bcfmUlö aus der Welt geschafft.
Bei der Wahl der beiden Darmstädter Abgeordneten hat die Frage der StaaiSbürgerquallsikation eben* jalls eine Rolle gcsp.elt. Aber da hier Die Wahl der meisten Wahlmuttner nut nut 1—4 Stimmen Mehrheit erfolgt war, und die behördlichcrseits angestellten Untersuchungen ergaben, daß NiittDestens 20 nia-the,s.sche rejp. nicht am Orte wohnende Staatsangehörige mckgestimmt hatten, so mußte schon aus Gruud dusec Tatsack-e die Wahl kassiert werden, was betaiiiiilich auch einstimmig geschehen ist.
BiS soweit hatte sich das Kapitel Wahlprüfungen In der zweiten Kammer in ganz lot-mer Weise erledigt, aber Dann wurde cs interessant. Die Wahl deS Abg. Dr. H e i d e n- reich war von vier Ausschußmitgliedern für ungiltig er klärt worden, während nameuL der drei übrigen iLdtQuebec Die GilligteUSerlmruttg beantragt wurde. Eine Debatte war darüber »licht beliebt worden, und bei der Abstimmung votierte eine erhebliche Mehrheit für die Giltigkeit der Wahl. OJian horte während dieses Vorganges auf der Ioutitalistentribotte bereits ein leichtes Ausdiitzeu im Wetter* zucken da unten am Kammechotizont verspüren tonnen, aber bei der nun begonnenen Beratung über das Wahl* Mandat des Abg. Ocv-Ossenbach-Land brach da- Un* gewitter los. c nalioualliberale Abg. E r k hatte den oon der Ausschußmehcheit (vier Milglteoer) gestellten Antrag auf Giltigteitserllärung noch mündlich näher begründet, der Mittderheusberick-terpatter Abg. Pennrich glaubte sich mit seinem jchri,liichen Bericht begnügen zu tonnen und schwieg. Schon hatte sich Präsident Haas von Ieinem Sitz erhoben, um nut den ublick-en Worten: „Wir kommen zur ub|ummung" die Entsa-eidung herbetzu- ,uhren, da schnellte urplötzlich In grimmer Wut Herr Ulrich in die ^ohe: Er have nur aus die mündliche Begründung deS Antrags bvr Minderheit warten wollen, aber nun konstatiere er, daß er den Direkten Kuhhandel", der unter den Parteien iui Hause getrieben weroe, sehr klar ouichfchaue. Ohne vom Präsidenten daran gehindert zu werden, griff der Redner dann emgeherrd aus die Wahl Hcidenreia-s zurück und suchte darzutun, daß zwischen -Je a l i 0 n a 111 b c r a l e n und Zentrum ein geheimes '21b lo m nie n gctrojsen worden fei, dergestalt, oaß das Zentrum fite Heidenreich stimmen würde, wenn Die Ratioiwllrberalen gegen die 4xxu>l Orbs votierten. Damit war der Sturm eut|e||dt Ter ruhigen Darlegung de- Abg. v. Brentano, daß lediglich die jlaguuueii aosicht* Uuj.n Eksetzesverrepungen in B.eoec seine Partei veranlassen wurden, jur den Mtuderheiisailtrag zu stimmen, wurde ebeiijowenig wie bie allzu ausführlichen Darlegungen deS 21bq. Pennrich über den Standpuntt der Minderheck eine ern,Arche Beachtung seckens der Genossen gejchentt. Am nächsten Tage nahmen dann der Reihe nach nochmal- vier Genossen, Dr. Doord, Eramer, Haas-Mainz und Ulrich, sowie Dr. Gut fleisch daS Wort, um für die Anerkennung der Wahl Lrds zu pratdieren, und den „Kuhhandel" darzutun, aber joioohl 21bg. v. Brentano, wte Abg. Graf Oriour blieben bei der Versicherung, Dan von irgend welchen geheimen Abmachungen gar lerne Rede fein tonne, ihre Parteien würd.it leotgltch aus Grund des Ausjchußbeiichts für die Uttgiingkeit i.unnien. Und das geschah denn auch, und ba sich auch die oberhefsischen 21bgeoroneten mit zwei Ausnahmen diesem Vorgehen ai.schloßen, jo blieben im ganzen nur 10 Stimmen zu Gunsten Oros übrig.
Es lag wohl in der Absicht des Präsidenten, ben letzten Tag des Beisammenseins vor Ostern noch mit einem allgemeinen Frühschoppen zu feiern, lvvzu auch fein Geburtstag und oer ihm aus Anlaß deoiztene Blumen* strautz die erwünschte Beranlasjuzig geboten hätte. Aber da lam noch die xoah 1 Hir,chets zur Beratung, und damit erst die größte Ueberrafchung des TageS. Vutte Abg. drunter hierbei nicht das Wort ergrifjen, so wäre wahischcinlich jede Debatte über die Wahr HirjchelS unterblieben. Herr Eramer fühcke sich aber gemüßigt, notb einmal die Rocke der gewännen Unschuld zu spieten und mit sittlicher Eiitrüpung dte Erlrärung adzugcben, daß er, nachdem waS er gestern und heute un Hau,e erlebt, mit seinen Freunden gegen die Gcktigteit stimmen würde, DaS schlug Dutn Faß den Boden aus. Tenn nun trat Abg. Dr. Schmitt vor und erzählte, erst schüchtern, dann immer bestimmter, von ernem Gceucyt un ^au|e, die Sozialdemokraten seien zu einem Patt mit den Antisemiten bereit gewesen, berart, baß sie für Hirschel liimmcn rockten, wenn die Gc,Uinungsgeiiossen des Dep- lercn jur Lrös Dahlgiltigkrit stimmen würden. Ta Abg. Tr. David bie ltcoite.-e Enthüllung wiederum mit Ent- rüstung alS eine „oock,tänoig haltlose Unterstellung" zu- cuaiüiJ, so ließ Abg. Dr. Schmitt das schwerste Geschütz aujfahc^n in de. Pei,on vcs Tbg. x-ähr, der denn auch — Der Rot gehoichLno, nicht Lern eigenen Triebe — mit aller Offenheit eczcchcke, wie jich dec Sachoerhack abgespielt hat. Tie p'ost entrüsteten Genossen schäumten nun vor Wut; jie fuujitn et|t aozuleugnen, da.m wenigstens sich als die un|"u/utuig.n uno <>eii«y.teii hmzustecken. 'über der Zen- truiii»,uh..c Dr. Lu,huu ließ niuvt locker $iit aller Ruhe uno '^..ihternhrit — le tann son,i auch leicht erregt werden! — stekte er au, G.uno der be.ckmmlen Erklärungen deS


