Ausgabe 
4.3.1903 Erstes Blatt
 
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von Schadenbach, Kr. Alsfeld, welcher früher eine RsLhr vrm Jahren hier gewirkt hat, hielt gestern abend in einer vom hiesigen Kriegerverein anberaumten öffentlichen Versammlung rm Auftrage des KriegerverbandesHassia" einen Vortrag überUnsere Kolonien in Afrika." Reicher Beifall lohnte Herrn Volk für seine fleißige und gediegene Arbeit. In einer kürzeren Ansprache wußte derselbe Redner die Ver­sammelten nochmals zu begeistern für Kaiser und Reich, wie für die Bestrebungen der Kriegervereine, ganz besonders die ihnen noch fernstehenden ehemaligen Soldaten zum Beitritt ermunternd. Den durch den Vortrag etwa erweckten patriotischen Gefühlen wurde heute nachmittag gleich ein ge­höriger Dämpfer aufgesetzt durch eine vom sozialdemo­kratischen Wahlkomitee in der nämlichen Wirtschaft ver­anstaltete Volksversammlung, in welcher ein Herr Georg Beckmann von Gießen überdie bevorstehende Reichstags- wahl" referierte.

§§ Ulrichstein, 1. März. Heute fand hier eine zahl» reich besuchte Eisenbahnversammlung der Interessenten des Ohm- und Fuldatals statt, zu der auch Geheimrat Schönfeld von Schotten erschienen war. Die Debatte war ziemlich erregt und dauerte über zwei Stunden. Rach dem neuen Projekt, das hauptsächlich dem Feldatal zu Gute käme, würde von Unter selb er tenrod aus über Ehrings­hausen die Linie nach Niedergemünden auf die ober- hessische Bahn einmünden und zwar etwas bessere Sieigungs- verhältnisse aufzuweisen haben wie das Projekt von Mücke, dafür aber auch länger sein und darum bedeutend teurer werden. Es würde nämlich die Baulinie um 6 Kilometer länger werden, wozu noch eine Bettiebslime.von Ehrings­hausen bis Mücke mit 137$ Kilometer käme. Rach hef­tigem Wortgefechte einigte man sich schließlich dahin, es wollen beide Projekte der Regierung wieder vor- gelegt und derselben die Entscheidung überlassen werden, welcher Linie iin allgeineinen Interesse der Vorzug zu geben sei.

Frankfurt a. M., 3. März. DaSFrankfurter Journal" geht am 10. März auf die Firma I. G. Holtz- warts Rachf. S. Minjon, Verleger der BlätterJntelli genz- blatt" undFrankfurter Nachrichten" über, deren bisherige Haltung durch diese Uebernahme keine Aenderung erfährt.

Frankfurt a.M., 2.März. Kongreß der deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechts­krankheiten. Als Festgabe für die von auswärts kom­menden Teilnehmer des Kongreffes ist eine Festschrift her­gestellt worden, die ein Bild der Verbreitung und des wirt­schaftlichen Einflusses der Prostitution und der Geschlechts­krankheiten in Frankfurt geben soll. Etwa 20 Acrzte sind an der Abfassung der Schrift beteiligt. Außer statistischen Darlegungen, die sich auf die hiesigen Krankenhäuser, die Garnison und die Ortskrankenkaffe beziehen, enthält sie die Ergebnisse einer Umfrage bei den hiesigen Aerzten über die Zahl der von ihnen behandetten Geschlechtskranken und deren

Kotten, Mitteilungen über die ärztliche Untersuchung der Prostituierten, eine Geschichte des Rochusspitals und eine aus­führliche historische Darstellung über die Rolle der Prostitution in der Stadt. Eine weitere aus Anlaß des Kongresses ent­standene und der Gesellschaft gewidmete SchriftGeschlechts­krankheiten und Rechtsschutz" ist von Prof. Flesch und Rechts­anwalt Dr. Ludwig Wertheimer verfaßt.

Kleine Mitteilungen aus Hess en und den Nachbarstaaten. In Hanau wurde seit einigen.Tagen der Kaufmann A. Rößler vermißt. Am 2. d. M. wurde er als Leiche aus der Kinzig gezogen. Es liegt Selbstmord vor, jedoch hat man keinen Anhaltspunkt für die Motive zu der Tat. R. war tüchtig im Geschäft und stand im Begriff, sich in den nächsten Tagen zu verheiraten. Für die Hochzeit waren alle Vorbereitungen bereits getroffen.

Kandel und Verkehr. yollisuiirtfdjßft.

Die Bank für Handel und Industrie (Darmstädter Bank) verofferulicht soeben ihren Bericht über das 50. Geschäfts­jahr 1903.

Ter Bruttonutzen beträgt pro 1902 die

Summe von............ Mk. 15 895 716.68

hiervon ab die Handlungsunkosten und Steuern

mit............... 2 675 954.22

sllcL 13 219 762.46 nachdem vorher Mk. 849 562.35 auf Engagements früherer Jahre zu Lasten des Nutzens auf Lperationskonlo abgeschrieben sind. In obiger Summe ist der Gewinn enthalten, welcher aus der Ueber- nahme der Bank für Süddeutschland im Umtausch gegen unsere Aktien erflossen ist. Dieser Gewinn beträgt Mk. 4 389 794.11, sodaß das Resultat des regulären Geschasts im Jahre 1902 Bit. 9 679 530.70 betrug. Aufsichtsrat und Direktion schlagen daher auf Grund dieser Ergebnisse der Generalversammlung am 2. 9lpril die Verteilung einer Dividende von 6 pEt. vor, welche bezüglich der Tan- tiömeit den Betrag von Alk. 8 982 184.53 beansprucht, während der Nutzen aus der Bank für Süddeutschland verwendet wird: zur Ausfüllung der gesetzlichen Reserve (Mk. 481 388.51), zur Rückstellung wegen Defraudation Rebler (Mk. 750 000.) zur Abbuchung der erwähnten Konsortialverluste (Alk. 849 562.35) uiid zil einer beson­ders vorsichtigen Bewertung des Operalionskontos durch Abbuchung von Alk. 2 400 000.. Die Transaktion mit der Breslauer Tis- kontobank, welche im Uebrigen den gehegten Erwartungen entspricht, kommt im Berichtsjahre nicht zur Abrechnung.

Berlin, 2. März. Der Auisichtsrat der Diskonto-Ge­sellschaft beschloß eine Dividende von 8,5 pEt. aus das Kam- mandukapital von 130 Mill. Mk. gegen 8 pEt. im Vorjahre, nebst ein Viertel der Dividende von 8,5 pEt. = 2 auf die neu aus° gegebenen 20 Mill. Alk. Kommandltanteile vorzuschlagen. Ter Bruttogewinn beträgt 19 156 736 'SIL gegen 16 932 350 Alk. im Vor­jahre. Ter Reingewinn betragt 13 915 769 Mk. gegen 12 340 948 Mk. im Vorjahre.

Wegcliu u. Hübner. In der kürzlich abgehaltenen ordent­lichen Generalversammlung der Wegelrn u. Äübner, Maschinen­fabrik und Eisengießerei Akt.-Ges., waren 33 Aktionäre zirka 1 800 009 Mk. Aktienkapital vertreten. Es wurde die Bilaiiz und das Geiviiin- und Verlust-Konto genehmigt und die sofort zahlbare Dividende aus 9 pEt. festgesetzt.

Konversion der 4pCt. Württembergischen Staats­anleihe. Der Würtlembergische Finanzmimsler hat Öen Land- standen einen Gesetzentwurf vorgelegt, belr. die Umwandlmrg der

4 pEt. Staatsanleihen von 1891 92 in eine 3 7, vEt. Don dieser Anleihe sind schon rund 34,7 Mill, im Umlauf.

Au der Berliner Börse sollen 2 633 000 Mk. 37$% Schuld­verschreibungen der Trabt Minden vom Jahre 1903 in Verkehr gebracht werden. Verstärkte Tilgung und Gesanimt-Kündigung sind bis 1. Juli 1910 ausgeschlossen. Die Stücke lauten über 2000, 1000, 500 und 300 Mk.

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