Ausgabe 
4.2.1903 Erstes Blatt
 
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den Ruf als Nachfolger des nach Heidelberg berufenen Prof. Dr. Dieterich angenommen.

** Provinzial-Siechenhaus. Die Arbeiten zur inneren Einrichtung des Provinzial-Sicchenhauscs schreiten rüstig vorwärts, überall wird die letzte Hand angelegt. Am Samstag sind die Schreiner- und Schlosserarbeitcn re. ver­geben worden, während die Lieferung von 200 Betten vor einiger Zeit bereits an die Möbel- und Bettenfabrik von Th. Brück hier übertragen wurde.

** Vo m Städtebundtheater. Herr Hermann St ei ngoetter, derzeit Oberregisseur und stellvertreten­der Direktor am Stadttheater Erfurt, ist, wie wir hören, zum Direktor der Städtebundthcaters Hießen-Marburg- Nauheim aus 61 Bewerbern gewählt worden. Das auf neuer Grundlage zu führende Unternehmen soll in vor­nehmem künstlerischem Stile geführt werden. Herr Stein- goetter, der sich speziell der künstlerischen Seite des Unter­nehmens widmen wird, wird in der Direktionsführung durch seinen Bruder F. A. Steingoetter unterstützt werden, der die geschäftliche Seite wahrnehmen wird.

* Berliner buntes Theater. Uns wird ge­schrieben:Einen hervorragenden Kunstgenuß bringt uns das Auftreten des Direktors spritz Unger mit seinem Berliner bunten Theater. Derselbe gastierte bereits im vorigen Jahre im Saale der Turnhalle, und dieses Gastspiel hinterließ da­mals einen überaus günstigen Eindruck. Wir haben allen Grund zu glauben, daß bie für Sonntag, den 8. Februar und Montag, den 9. Februar angekündigten Gastspiele in der Turnhalle sich eines sehr zahlreichen Besuches zu erfreuen haben werden. In den Städten Iserlohn, Soest, Dortmund, Bochum re. spielte das Ensemble vor ausverkauften Häusern.

** In der Arbeiter-Kolonie Neu-Ulrich st ein befanden sich Ende Januar stellen- resp. arbeitslos 128 Mann.

(?) Allendvrs a. d. Lda., 3. Febr. Der hiesige Briegerverein hielt am Sonntag abend anläßlich des Geburtstags des Kaisers im Lüllschen Saale eine Festlich­keit ab, welche sich eines großen Besuchs zu erfreuen hatte. Der Vorsitzende hielt die Festrede, die iu ein Hoch auf den Kaiser ausklang. Das Festprogramm war sehr reich­haltig; es brachte u. a. mehrere Theater- und Konziert­stücke, die vielen Beifall fanden. Ein Tanzkränzchen bildete den Schlutß des Festes.

Hungen, 3. Febr. Die Generalversammlung des Ge- Mgelzuchtvereins beschloß, eine Zucht st ation reiner weißer Italiener Hühner zu errichten. Bon einer Ausstellung in Hungen soll in diesem Jahre abgesehen werden.

§§ D armstad t, 4. Febr. Die gestern abend statt­gehabte Generalversammlung des National- libe ralen Vereins unter Leitung des Herrn Justizrat S ch m e e l vollzog nach Erstattung des Jahresberichtes und der Rechnungsablage die Ergänzungswahl des Vorstandes; der langjährige frühere Reichst«gsÄg. Geh. Justizrat Dr. Osann wurde yim Ehrenmitglied ernannt. Alsdann be­schäftigte sich die Versammlung noch mit der bevorstehenden Reichstagswahl und faßte mehrere diesbezügliche Beschlüsse.

Offenbach, 3. Febr. Um die Frage der Offen­haltung der Schaufenster an Sonntagen zu besprechen, hatte auf gestern abend der hiesige Detaillisten­verein eine Versammlung einberufen. Um es vorweg zu sagen, wurde nach der Debatte ein Antrag, sich gegen bie Offenhaltun g der Schaufen st er auszusprechen, angenommen. Der Referent Kegelmanu äußerte sich etwa folgendermaßen: Der Vorstand des Detaillistenvereins habe sich gegen die Offenhaltung ausgesprochen. Zunächst hatte die GießenerHandelskammer eine diesbezüg­liche Eingabe gemacht, war aber damit von der Großh. Re­gierung abgewiesen worden; darm habe sie sich an die Stadt Gießen gewandt; diese habe sich der Sache ange­nommen und erneut eine Eingabe an den hessischen Landtag gemacht, sowie andere Städte zur Teilnahme an der Ein­gabe ausgefvrdert. Worms und Mainz hätten sich derselben bedauerlicherweise (!) bereits angeschlossen, während die Stadtverordnetenoersammlung von Offenbach, beschlossen habe, die Handelskammer zu einer gutachtlichen Aeußerung zu bestimmen. Diese habe ihm, dem Redner, die Eingabe zur Begutachtung übergeben. Der Vorstand des Detail-» listenverems, mit dem er darüber beraten, habe beschlossen, eine Versammlung einzuberufen. In der Diskussion über bie Gießener Eingabe meinte der Kaufmann Jung, daß ein Offenhalten der Schaufenster keinen Zweck habe und nur den Besitzern viel Unzuträglich ketten und Unbequemlichkeiten machen würde. Bei Gießen und Frankfurt seien die Verhältnisse anders; nach Offenbach aber kämen Sonntags keine Landleute. Und selbst roeirn sie kämen, so würden sie doch nicht deshalb in der Woche wieder Her­kommen, um sich einen Gegenstand Lu kaufen, den sie Sonntags im Schaufenster gesehen Haven. Der Referent Kegelmanu betont sodann die Gründe, warum der Vor­stand des Vereins dagegen war. Erstens würden von der Maßnahme nur die in den Hauptstraßen gelegenen Geschäfte Vorteil, die abseits gelegenen kleineren Geschäfte aber Nach­teil haben. Zweitens würde es der Anfang einer Durch­löcherung der Sonntagsruhe sein, weil entweder der Ge­schäftsinhaber oder einer seiner Leute zu Hause bleiben müsse, wenn man nicht einem Hausgenossen die Schlüssel anvertrauen wolle. Denn des Nachts die Schaufenster offen zu lassen, sei zwar in großen Städten, nicht aber in Offen­bach angängig. Für Offenbach sei auch kein Bedürfnis vor­handen, weil kein Landvolk herkommt; die Offenbacher selbst aber gehen Sonntags entweder nach Frankfurt oder in die freie Natur. Auch die Kosten für die Ladeninhaber würden sich erhöhen. Die auf der Sonnenseite Wohnenden würden zweifellos im Nachteil sein. Der jetzige Zustand sei das Bild der richtigen, absoluten Sonntagsruhe. Zur Weihnachtszeit seien auch in Offenbach die Schaufenster prächtig dekoriert, trotzdem laufen die Leute nach Frankfurt. Also einen nrate- rietten Nutzen würden die Ladeninhaber nicht haben. Der Kaufmann Marx erklärte, daß er im Gegensatz zu den Vorrednern sehr für die Eingabe sei. So öde sei es an Sonntagen denn doch nicht m Offenbach; man brauche nur die Viebererstraße zu betrachten (Um die große Bedeutung des Offenhaltens der Schaufenster an Sonntagen ermessen zu können, ist allerdings ein höherer Standpunkt erforderlich, als ihn der Offenbacher Derailliftenvereui cinninimt. Und wenn Gießen die Spitze in den Bestrebungen für das Offenhalten der Schaufenster eingenommen hu, so ist das ein schöner Beweis dafür, daß Gießen nicht mehr em Kräh­winkel ist, dessen Horizont nicht über die Stadtmauern hinausreicht.)

Mainz, 3. Febr. Die allgemeinen Wünsche hinsichtlich per Neuregelung der Sonntagsruhe im Handelsge­werbe haben die städtische Deputation für sozialpolitische Angelegenheiten beschäftigt. Die Hauptpunkte sind 1 einer Beratung unterzogen worden. Es würden denr , m

Fabrik-, Engros-, Bank- und Warenagentur-Geschäften, so­wie in der Zeitungsspedition Handlungsgehilfen und -Lehr­linge an Sonntagen nur vormittags und zwar nicht länger als zwei Stunden beschäftigt werden dürfen. Für die Fest­setzung dieser Stunden wird wohl die Zeit von 7 bis 9 Uhr vormittags in Betracht kommen. Als Verkaufszeit für Laden­geschäfte und Verkaufsstellen aller Art würden an Sonn- und Festtagen im allgemeinen die Stunden von 101]1 Uhr vormittags bis 1 Uhr nachmittags bestimmt werden, während am ersten Oster-, Pfingst- und Weihnachtsfeiertage die Ge­schäfte geschloßen sein sollen. Ausnahmen würden eintreten für Verkaufsstellen von

Milch, Fisch- und Fleischwaren an Son- u. Festtagen am 1. Oster-, Pfingst- und

Weihnachts-Feierlag

51 Uhr. 59 und 1012 Uhr.

Kartoffeln, Gemüse, Obst- und Spezereiwaren

79 u. 10V21 Uhr. 79 Uhr.

Back- und Konditoreiwaren

53 Uhr. 59 und 10^12 Uhr.

Tabak, Zigarren und Rauchutensilien

IO*/, 4 Uhr. 101/212 Uhr.

Roheis vom 1. Mai bis 30. September 51 Uhr. Pfingsten von 51 Uhr.

Roheis vom 1. Oktober bis 30. April

69 Uhr. Ostern u. Weihnachten von 79 Uhr. Für Zeitungen, Bücher u. s. w. an Bahnhöfen unbeschränkt. Für den Hausierhandel wären dieselben Stunden freizugeben, wie für die jeweils in Betracht kommenden offenen Laden­geschäfte. Handlungsgehilfen und -Lehrlinge dürften außer in den vorerwähnten, für den Verkehr mit dem Publikum an Sonn- und Festtagen freigegebenen Stunden nicht be­schäftigt werden und in den Geschäftsräumen nicht anwesend sein. (Wenn die Vorschläge der Mainzer soz.-pol. Deputation in manchen Punkten wohl noch, begründeten Anträgen aus interessierten Kreisen entsprechend, modifiziert werden dürsten, so besitzen sie im allgemeinen doch eine so große Bedeutung auch für das Handelsgeiverbe in Gießen, daß eine einge­hende Beachtung derselben den für Gießen in Betracht kommenden Kreisen nur empfohlen werden kann.)

Mainz, 3. Febr. In Wiesbaden entwendete ein kaum zehn Jahre alter Knabe seiner Mutter einen größeren Geld­betrag und fuhr damit hierher nach Mainz. Er besuchte auch eine Wirtschaft, wo er natürlich ausfiel. Man folgte ihm und nahm ihn schließlich in Kastel am Bahnhof fest. Die Polizei verständigte telegraphisch die Mutter des Schlingels, die ihn dann gestern abend bei her Polizei abholte.

Worms, 3. Febr. Beim Beginn der heutigen Stadt­verordnetensitzung gab nach derWormser Ztg." Ober­bürgermeister Köhler folgende Erklärung ab: Die Großh. Bürgermeisterei hat wegen der angeblich im städtischen Krankenhause stattgehabten Vorkommnisse eine Unter» suchung eröffnet, deren Ergebnis der Stadtverordneten-Ver- sammlung demnächst bekannt gegeben wird. Die Großh. Bür­germeisterei spricht zugleich im Interesse des städtischen Kran­kenhauses die Ermattung aus, daß die öffenlliche Meinung mit ihrem Urteil in der fraglichen Angelegenheit bis zur Beendigung dieser Untersuchung zurückhalten werde. Medi­zinalrat Dr. Salzer hatte die Absicht, diese Angelegenheit heute öffentlich zur Sprache zu bringen, stand aber davon ab. Im Auftrage und im Namen der Erben des am 16. Juli in Patts verstorbenen Arztes Dr. LeopoldOrden- stein, wurde der Stadt Worms, in welcher der genannte Verstorbene seine Jugend verlebt hat, zum dauernden An­denken ftiftungsgemäß ein Kapital von 2000 Mk. übergeben, welches zinstragend angelegt werden soll. Die eingehenden Zinsen sollen alljährlich durch den Stadtbibliothekar nach Beratung mit dem Aerzte-Verein zur Anschaffung medizinischer Wette verwendet, durch einen Eintrag als zur Ordenstein- Stiftung bezeichnet und der Paulusbibliothek (medizinische Abteilung) einverleibt werden. In heutiger Stadtverordneten­sitzung wurde die Stiftung angenommen.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der physikalische Verein Frankfurt a. M. erhielt folgende Melonng aus Bingen: In der Nacht vom 1. auf den 2. Februar um 2 Uhr 39 Min. wurde hier ein ziemlich heftiges Erdbeben wahrgenommen. Die Erschütterung dauerte ca. 56 Sekunden. Man konnte nach dem Getöse meinen, eine Erdmasse stürzte im Erdinnern ein. Die Wahrnehmung wurde dem Berichterstatter durch sieben Personen bestätigt.

Vermischtes.

* Dortmund, 14. Febr. Gestern abend wurden auf den Privatsekretär des kürzlich verhafteten Bankdirektors Hermann Wulff zwei Schüsse ab gefeuert, die ihr Ziel verfehlten.

* Essen, 3. Febr. In Hamborn im Kreise Ruhrort wurde abermals eine große Falschmünzerwerk statt entdeckt. Die Falschmünzer, frühere Bergarbeiter und ein Schlosser wurden verhaftet.

* Hamburg, 3. Febr. Ter DampferXenia", auf der Fahrt nach Shields-Boston, ist unweit Aberdeen gesunken. Der Kapitän und 24 Mann wurden gerettet, ein Heizer und der dritte Maschinist ertranken.

* Luxemburg, 3. Febr. Eine furchtbare Feu­ersbrunst zerstörte das Kohlenlager der Firma Kani- vetz. Der Schaden beträgt über eine Million.

* Die größten Grundbesitzer in Preußen. Wir haben neulich hier angeführt, daß der Kaiser 83 Güter sein eigen nennt. Diese haben in Wald und Feld einen Gesamtumsang von 98 740 Ha und liefern einen Grundsteuer-Reinertrag von 516 631 Mark im Jahre. Dem Kaiser folgen im Güterreichtum der Fürst von Pleß mit 75 Gütern (51112 Ha. Gesamtumfang und 324 042 Mark Grundsteuer-Reinertrag), der Herzog von Ujest mit 52 Gü­tern (39 742 Ha. Gesamtumfang und 233 301 Älark Grund­steuer-Reinertrag), der Herzog von Ratibor mit 51 Gütern (33 096 Ha. 274 627 Mk.) und schließlich König Georg von Sachsen, der im Königreich Preußen 50 Güter mit rund 31000 Ha. Gesamtumfang besitzt.

* D i e Begnadigung eines Duellanten wird aus München gemeldet. Ter Prinzregent hat den belgischen Generalkonsul Steub, nachdem derselbe 14 Tage seiner breimonatigen, ihm wegen Zweikampfs 3ucnan1u.ii Fest­ungshaft verbüßt, begnadigt.

Genchlssaul

2. Gieße«, 3. Febr. Strafkammer. Den Vorsitz fühtt Landgeruptsbirektor Bücking, die Staatsanwaltschaft vertritt Staats­anwalt Reuß. Ein wegen Diebstahls vielfach vorbestrafter Mensch, der Taglöbner Emil Z. von Gießen, wird aus der Unter- suchungshast vorgeführt. Er ist geständig, am 5. Januar aus dem unverfchlossenen Gartenhäuschen des Apothekers D. einige Patronen entwendet zu haben. Er würde wahrscheinlich noch mehr gestohlen haben denn er ist ein Gewohnheitsdieb wenn nicht die Zeugin Pf. gerade in das Häuschen gekommen wäre. Er gab zuettt an, wegen des Regens in das Häuschen gegangen zu jein, um Schutz zu suchen, heute meint er, er habe dies ans Furcht vor dem Mädchen getan, das er gesehen habe. Tas Gericht erachtet jedoch für voll erwiesen, daß er von vornherein in Tiebstahlsabsicht in das Häuschen gegangen ist und verurteilt ihn zu der geringsten Strafe oon_ drei Monate n Gefängnis, entsprechend dem Antrag des Staats- anwalts. Tie Untersuchungshaft wird ihm ganz angerechnet. Durch Urteil des Schöffengerichts Homberg war die Anna L. von Elpenrod wegen Beleidlgnng zu einer Geldstrafe von 30 Mk. ver­urteilt worden. Sie hatte gegen die Privatklägerin Dorothea G. in Elpenrod Widerklage erhoben und erzielte deren Verurteilung in eine Geldstrafe von 20 Mk. Das Schöffengericht erachtete für sestgestellt, daß die Widerbeklagte die Aeußerung getan habe:Wer so em schlechtes Mensch gemeint war die Angeklagte Anna L. im Hause hat, ist selbst noch schlechter." Auch eine zweite Aeußerung hielt das Schöffengericht für erwiesen. Beide bezogen sich auf den der Verurteilung der Anna L. zugrunde liegenden Vottall, wonach die L., die auf Grund eines anonymen Briefs in eine Untersuchung wegen Fruchtabtreibung verwickelt mar, die Dorothea G. und deren Mann beschuldigte, biejen anonymen Brief geschrieben zu haben. Gegen ihre Verurteilung oerfolgt heute die Dorothea G. Berufung. Sie erreicht die A u f h e b u n g des schöffengerichtlichen Urteils, soweit sie verurteilt ist, und ihre F r e i s p r e ch u n g. Das Berufungsgericht ist der Ansicht, daß die erste Aeußerung in der Art, wie sie behauptet wurde, nicht erwiesen sei, zumal sie nur von einem Zeugen bestätigt wurde, der sie selbst vom Hörensagen hatte. Tie zweite Aeußettrng hält das Gericht für festgestellt; es billigt aber der Widerbeklagten den Schutz des § 193 zu (Wahr­nehmung berechtigter Interessen), beim sie enthielt die Zurückweisung der Beleidigung, deren sich die Anna L. schuldig gemacht hatte und wegen bereu sie auch rechtskräftig verurteilt worben ist. Hierbei stellt bie Kammer ausbrücklich fest, baß weder in der ersten noch in der zweiten Instanz irgend etwas zu Tage getreten sei, was bie Frau G. im Licht ber Schwatzhaftigkeit erscheinen lassen tonnte, ober ben Verbacht, ben anonymen Brief geschrieben zu haben, auch nur im entferntesten begrüubete.

1. Gießen, 4. Febr. Kriegsgericht. Berufung gegen ein Urteil bes Kriegsgerichts, bas am 25. Januar hier tagte, hat ber Gerichtsherr eingelegt. Es hanbelt sich um bie Angelegenheit eines Unteroffiziers unb eines Gemeinen, bie sich f. Zt. im Neuen Schützenhof unb später an ber Ecke ber Grünberger- unb Land­mannstraße abgespielt hat. Wie wir berichteten, wurde ber Unter­offizier, der betrunken war, wegen wörtlicher unb tätlicher Be- leibignng in je einem Fall zu 1 Woche Arrest, ber Gemeine aber wegen Ächtungsverletzung zu 4 Wochen strengen Arrestes verurteilt. Diese Angelegenheit wirb nun vor bem Ober-Kttegsgettcht noch ein­mal verhanbelt werben.

Arbeiterbewegung.

Charlcroi, 3. Febr. Ein neuer A u s st an b der Glas­arbeiter steht bevor. Die Glasfabriken von Marirnont haben burch Maueranschläge bekannt gemacht, baß vom 1. Februar ab eine Lohnrebuzierung von 15 Proz. erfolgen soll. Falls bie Bebtngungen nicht angenommen werben sollten, würben bie Fabriken am L März geschlossen werben. Da diese Bedingungen von ben Arbeitern nicht acceptiert werden, ist ein Streik unausbleiblich.

Amsterdam, 3. Febr. Heute Abend fand in ber großen Börse eine Versammlung von 4000 Arbeitern statt, welche im Dienste ber Stabtgemeinbe stehen unb 17 verschiebenen Zweigen des öffentlichen Dienstes angehören. Tie Versammlung beschloß, dem Bürgermeister bie Forberungen ber verschiedenen Kategorien ber Arbeiter zu über­reichen und Beantwortung derselben vor nächstem SDlontag zu ver­langen. Sollten bie Forberungen abgelehnt werden, so soll am Montag Abend in einer neuen Versammlung in ber Börse über den Eintritt in ben Generalausstanb beraten werben.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

SchuckertAllgemeine ClektrizitätS « Gesellschaft. Die Hamb. Nachr." können von authentischer Seite mitteilen, baß ber Schuckert-Gesellschaft wie ber Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft aus bem Unternehmen in Valparaiso Umwanblung der Pkerde- bahn m eine elektrische Bahn 2c. zusammen für etwa 6 Mill. Mk. Aufträge zufallen bürsten. Das für den Ausbau erforberlid)c Kapital von 10 Mill. Mk. werbe 311m großen Teile in Chile unb England aufgebracht. Die Elektrizitäts-Gesellschaften seien dabei nur mäßig beteiligt.

Schisssnachrichten.

Nordbeut scher Lloyd.

In Gießen vertreten durch Earl Loos, Kirchenplah.

Bremen, 2. Febr. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Doppelschraubenbampfer ,23ranbenburgä, Kapitän E. Wolters- borff, vom Norbbeutschen Lloyb in Bremen, ist gestern 2 Uhr morgens wohlbehalten in Newyott angenommen.

Krieskasten der Reduktion.

(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.)

Stockhausen. Wir fbnncn Berichte über Begebenheiten, wie Sie sie uns niclbcn, nicht aufnehmen, wenn es in ben Berichten stets heißt:wie man hört" oberes soll geschehen fein" u. s. w. Wir können nur bestimmte unb birefte Berichte gebrauchen, für die unsere Herren Berichterstatter uns gegenüber auch die Verant­wortung für bie Richtigkeit übernehmen.

. 102.90 . 93.10 . 102.95 . 93.10 . 101.20 . 100 50

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3V>°/° 3%

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51.90

32.55

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135.20

46.00

4l/g /o Chinesen . . . Electric, tichuckert . . Nordd. Lloyd . . Kreditaktien . . .

Diskonto-Kommandit. . Darmstädter Bank . . Dresdener Bank . . . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatöbahn . . Lombarden .... Gottharabahn .... Laurahütte.....

Bochum......

Harpener*.....

Tendenz: ruhig

4% Ungar. Goldrente . 4°/ Italien. Rente . .

41/7 56 Portugiesen . . SO/ Portugiesen. . . .

1% C. Türken . . .

Türkenlose.....

4% Griech. Monopol.-Anl. 4l!,% äussere Argontiner

25.80 . 92.80 . 92.50 . 97.20 . 221.10 . 198.00 . 141.00 . 150.30 . 162.50 . 149.50 . 16.30

181.50 . 218. . 185.40 . 173.50

3% Oberheesen

4% Oesterr. Goldrente

Reichsanleihe do.

Konsols do . .

Hessen

4',.56 Oesterr. Silberrente 101.20

" * - . 102.50

Telephonischer Kursbericht.

IFraukiart w. 4. Februar 19U3 3u/o Mexikaner . . . !

Neueste Meldungen.

Originaldrahtn'.eldungen des Gießener Anzeigers.

Berlin, 4. Febr. Das Kaiserpaar ließ den sechsjährigen spanischen Pianisten Pepita Ariola, der bekanntlich augenblicklich unter der Leitung von Nikisch ausgebildet wird, zu sich ins Schloß kommen, um das Wunderkind zu hören. Für heute nachmittag ist Pepito nochmals von der Kaiserin eingeladen, damit er auch mit der Prinzessin Viktoria Luise spiele. Leonca- vallo h-atte einem italienischen Blatte mttgeteilt, daß