Ausgabe 
3.11.1903 Erstes Blatt
 
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153* Jahrgang

Erstes Blatt.

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Nr. 258

Hrscheirrt täglich außer Sonnlags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfifchen Landwirt die Gießener Familien» blätter viermal in der Woche deigelegt.

Rotationsdruck tu Ver­lag bei vrüh 1 'scheu Unioers.-Guch- u. Stein» d ruck erei (Pietsch Erdens Redaktion. Expedition und Druckerei:

Gchulstratze 7. kldresse für Depescheni

Anzeiger Gießen.

Fernlprechanschluß Nr. 51.

Dienstag 3. November 1903 vezngs-reiSi monattich75Ps., oiertcl» jährlich Mk. 2.20; durch Adhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch

diePost Alk. 2.viertel» sährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen üx die LageLnurnmer olfl vormittags 10 Uhr. ZettenprrtS: lokal 12 Pf^ auSwärtS 2V Plg.

rlZerantwoetlich für den polil. and ollgem, Teil: P. SBtttfo: tüt r etabt und &mb* und , GerichtSsaal*; August Götz, tüi den An­zeigenteil: Hans Beck.

Aus Kutatz ves LOjayrigeu Fienhjubltäums des AeichsvtMkprästo.nten Ir. Aoch

überbrachte am Nüontag, tote aup Berlin W. L. B. meldet, bei Staatssekretär des Innern den Roten Adlerorven erster Klasse mit Eichenlaub. Ter Großh. hessische Gesandte Dr. o. '^ieidhardt überreichte das Groß kreuz des hessi­schen Verdienstordens Philipps des Großmütigen. Lec Senat von Bremen überreichte ei.nen Ehrenrrnnk aus oent Ratskeller, der -Senat von Hamburg die hamdurgischL Ehrendenkmünze irr Gold. Im Lause des Tages waren Kur Beglückwünschung u. a. erschienen: der Fknauzminister, der Handelsminister, der Staatssekretär des Reichs) chatzamkes Freiherr v. Stengel, die Präsidenten des Reichseiseubatzn- amtes, der Seehandllrng und der Zerttralgenossenschufts- kasse. Namens der Mikglleder des Zenttataiisscyuj)is der Reichsbank überreichte Kommerzienrat Frentzet 1J4 6uü Rik. zur Begründung einer Stiftung für hiljsbedürf- rrgeBeamtederReichsbantundderenHinter- blrebene. Auch von außerhalb gingen dem Reicysbank- vräsidenten zahlreiche Ehrungen zu. Bon der rechts- und staatswissenschMstlichen Fakultät der Universität Straß­burg wurde Dr. Koch die Würde eines Doktors der Staatswissenschaften honoris causa verliehen.

Bei dem Festmahl zu Ehren des Präsidenten des Reichs- bankdirettoriums Dr. Koch hielt Reichskanzler Graf Bü­low eine längere Ansprache, in dec er etwa aussührte:

Gern vereinigen wir uns, unr den Ehrentag des treff­lichen Mannes zu feiern, dessen Lebensarbeit srch im Herzen des deutschen Gekd-verkehrs vollzogen hat. Ich möchte für meinen Teil Se. Exzellenz den ^räschenteu Dr. Koch nur als lebenden Zeugen und Mitbegründer des ge­waltigen Aufschwungs in Anspruch nehmen, der sich ansprägt in dem Unterschied zwijd)eu den Ziffern der deut­schen Geld wirt sch ast beim Beginn der Laufbahn unseres Dr. Koch und dem gegenwiirtigen Geschästsumsang der Reichsbant. Die Grund äuge, auf der solche Erfolge möglich sind, ist die gesamte Bcsti-assenyell unserer Volks­wirtschaft. Ich glaube und hoffe mich-dabei in Ueberein-

Laien anbahneu. _. m

Mät eher als die für die geistige Ideife des Publl- rums in n-ediziniZchcn Fra-gm etwas o^rftichie Ä:lehrunA drrrch Vorträge, lvürden m. E. voiistumUche Ärtrtcl, imü) beiiei Zeitschriften auf diesem Gebiet zum Ziel fuhren können, weiche allein dem Zwecke der Auftmruug des Voiles dienen müßten. S^iei könnte ein Brieskaften, oer allerdinas wohl recht viel Raum einnehmen würde, segens­reich wirren Ich loill diesen Gedanien aber nicht iverter

zu erwarten steht.

Wenn mau also dem Kranken, welcher vielleicht bei einer Lungenentzündung in Fieberdelirien liegt und über Stechen in der Seite klagt, es nickst verübeln kann, wenn er den un- erjüllbaren Wunsch nach rascher Besserung und Heilung hat, so wäre schon viel gewonnen, wenn die Angehörigen wuszten, daß diese Krankheit neun Tage dauert, daß in dieser Zeit eine wesentliche Besserung nicht zu erwarten ist, daß vcel- nrehr die Hauptaufgabe des Arztes in der Kräftigung des Herzens besteht, welches dabei der ungeheuren ihm durch Anschoppung der Lunge erwachsenen Mehrarbeit sehr leicht unterliegt und daß am 9./10. Tage in der Regel unter starkem Schweißausbruch die Krisis eiintritt, welche zum Leben oder zum Tode führt.

Dabei ist es völlig belanglos, daß nebenbei eine Rippen- fellentzündung besteht, denn diese ist fast--rnll jeder Lungeu- entzünduug vergesellschaftet.

Sind die Angehörigen von diesen Dingen nicht unter­richtet, ziehen sie einen zweiten Arzt zu, oder wechseln während der ihrer Ansicht nach nicht erfolgreichen Behand­lung den Arzt, so findet per neuzugezogene Arzt eine Lungenentzündung und eine Rippenfellentzündung. Nun ist der sichere Beweis erbracht, daß der erste Arzt eine wich­tige Komplikation übersehen hat. Darin liegt auch wohl der mangelnde Erfolg der Behandlung begründet. Denn siehe da, am 7. Tage wurde der neue Arzt zugezogen und unter seiner vortrefflichen Behandlung war die Krankheit bereits binnen zwei Tagen behoben.

So kann es bei mangelndem Vertrauen, inangelndem Verständnis und der Fülle von Vorurteilen, welche dem Arzt die Ausübung seiner Tätigkeit erschweren und ver­leiden, häufig gehen und es geht auch häufig so zu.

Wir können eben nicht die Krankheit, sondern müssen den Kranken behandeln, und werden nach dem Erfolg bewertet. Dieser aber hängt in Wirklichkeit zumeist nickst vom Arzt und seiner Kur, sondern von Umständen ab, welche bei jeoem Kranken verschieden sind, wie Sitz und Ausdehnung der LraullM, sonst gesunder oder bereits kranker r esp. geschwächter Organismus, Lebensweise, Beruf, Konfllturion, soziale Stellung u. a., sodaß man tatsächlich zwei Fälle der gleichen Krankheit fast nre miteinander ver­

Man kann also gerechterweise auch den Arzt für den (&> folg oder Mißerfolg der Behandlung in d^ Regel nutzt v er an Uv örtlich machen, tut es aber sehr hmrftg.

Würdigt man diese Tatsache entsprechend und zieht man die richtigen Schlüsse daraus, so wird manches klar wer­den, was bisher Unverstand tich schien und zu Mißveb.stand- Nissen Äulaß gab, und manches Unrecht, das man in Aedanken und Worten beut Arzt getan hat, wird vermieden werden.

Ich habe ftüher, als junger Mediziner, die Aussuhr- ungem eines höheren Osftziers belächelt und ihnen wider- sprochen, welcher es für ein schweres Unrecht hielt, daß die medizinisa-en Fachausdrücke dem Lacen unverständlich seien. Heute muß ich anerkennen, daß es nur heilsam für uns Aerzte und für" das Publikum sein konnte, wenn man »ichen Ausführungen seines Arztes folgen, [ie ver- n könnte. Daß Vies niM möglich ist, liegt allerdings am wenigsten an den fremden Sprachen entlehnten Ter- mircis tecyniciS. Es liegt vielmehr an dem Mangel der aröbften, grundlegerrden Begriffe vom rnenschllchen Körper, ten Funktionen seiner Organe und den Grundbegriffen der Heilkunde im Publikum. Um bcm abzuhelscm, smd be­erende Vorträge, zu:täck)sst bei einem gebildeten Laieu- m-Ltikum sehr zu empfehlen. Man hat ia berells mrt der Beleuwung weiterer Kreise in der die Grurwregelu für ein Leben umfassenden Hygiene erfolg- reicknm Anfang gemacht. Samariter- und Krankenträger- turie, Ausbildung von freiwilligen Pflegerinnen sur den Krieasfall, die vorgeschriebene Belehrung dec Elsenbahn-

ausjpinnen. Wer würde eine solche Zeitschrift lesen? So viel Optimist bin ich leider nicht, um anzünehmen, daß die Wichtigkeit der hier angeregten Frage alle Schichten der Bevölkerung in absehbarer Zeik zu durchdringen ver­mag. Und wenn ich selbst bei den gebildeten und geistig höher stehenden Schicksten diese Einsicht voraussetzen müßte, wer findet heutzutage die Zeit neben seiner politischen und seiner Fachzeitung noch solche Allotria zu lesen? Und doch wären sie wohl zunächst der gangbarste Weg, um dem Ziele näher zu kommen. .. .

Aehnlicheu Zwecken dienen ja aucp beispielsweise die Volkshellstätten für Lungenkranke, Gutkemplerorden, Alko­hol- und Nwrph mmenkz iehungsanst alt en usw. zum Teil im Nebenzweck.

Auch in ihnen sollen durch Aufklärung über das Wesen der Krancheit und über ihre Bedeutung die Pa­tienten aufgeklärt und zu einem gesundhellsgemaßen Leben erzogen werden. Hierin liegt der Hauptwert solcher Anstalten, denn die Heitersolge jiiid im Verhälluis leider nickst so zahlreich, als im Interesse der Vollsgesundhell zu hoffen wäre. Diesen Zweaen dienen auch Vorträge und . Zeitschriften auf den erwähnten Spezialgebieten, denen deswegen ein lebhafteres Interesse entgegengebracht wird, als ich es für meme Zweäe erhoffen zu dürfen glaube, weil sie Heilungsuchende, jedenfalls Kratike als Publikum also eme mächtige Triebfeder im Egoismus haben, während für meine Zweae lediglich das etwas übersländige Gebiet der sozialen Fragen um eine, wenn auch eine wichtige, bereichert wird.

Der Leser, welcher meinem Gedankengange völlig ge«. folgt ist, wird von selbst den einzig richtigen Weg finden, welcher aus dieser Finsternis heraussuhrt auf ebenere Bahnen. 'Nickst bei den Kranken dürfen wir ansangen, auch ist es nicht immer angenehin mid häufig erfolgtos, ein­gefleischte Vorurteile zu zerstören.

Der werdenden Generation, der Schuhugend müssen diese Begriffe im Anschauungsunterricht, in der Naturkunde usw. beigebracht werden. Ein Hauptscy>aden unserer heuti­gen Erzieyungsinslltute liegt darin, daß fie über gelehrtem üirimstrams vielfach das 'Nächstliegende urid Notwendigste vergessen. Was nutzt uns die genaue Kenntnis vieler Vogetarten urcd des Magenlabyrüllhes der Wiederkäuer, der Schlangenhäutung uiib des Eioechsenschwanzes, der Ge- bitzforuien und der Gesäßjchwielen, wenn wll nicht alles ats Vorbereiturig für dre Kenntnis unseres eigenen Orga- uismuS betrachten. Auf jene Dinge aber wird zuviel Zell verloandt mW für dre Hauptsache gebricht es später an derselben. Und doch kaml oie Naturgeschichte des Men­schen, wenn ich so sagen darf, auö Büchern nnd ohne Modelle mW Interpretation, wie fie später nur dem augeyerwen Mediziner wieder zur Verfügung stehen, über­haupt nicht gekernt werden, während uns die übrigen er- loahnten Daten das tägliche Leben eigenllich ständig vor Augen führt.

Ich will damit nicht jene ersterivähnten Kenntnissi als überflüssig hmsteklen. Ich wllk nicht mit Steinen aus die Gymnasien werfen, ich wlll auch dre Lehrer weder be- kewigen, noch ihiien chren ohnehin schrveren Beruf noch verleiden; ich will nur Hinweisen auf den natnrgeschjicht- lichen Unterricht an höheren Bikdungsanstakten^ für die heramvachsende Jugend. Das genügt!

Ich bm noch nicht all gerrug, uni meine Ideale und die Hvsfiiung auf bessere geilen gänzlich ausgeben zu dürfen. Helfen Sie mit, verehrte Le,er, soweit es m Ihrer Maast steht, diese Hoffnungen zn verwirklichen und Sie werden nicht nur uns Aerzten, sondern unserem Volke und der Menschheit einen großen Dienst erweisen.

beamten und -Arbeiter durch die Bahnärzte, tragen wohl auch etwas dazu bei.

Wer wenn man namentlich den letztgenannten Bestreb­ungen in ihren Erfolgen nachzuforschen in der Lage ist, fo ergibt sich doch ein recht klägliches Resultat. Wohl ist eine Brauchbarkell für die jeweils verschiedenen Zwecke zu erreichen, wohl ist eine gewisse Dressur erzeugt, aber dre Verrichtungen entspringen eben nickst dem Verständnis. Leicht läßt sich ja begreifen, daß es unmöglich ist, einem Laien in kurzer Frist von einigen Wochen oder auch Mo­naten das beizubringen, was der Arzt erst nach mindestens 5bjährigem Studium zu beherrschen verrnag.

So smd solche Vorträge und Kurse, zumal sie mehr das dankbare Gebiet der Hygiene, Wundbehandlung rc. mn- assen und das weniger erfolgversprecherwe der inneren Äiedizin höchstens in eurigen typischen Bildern zeigen, meist aber nur im allgemeinen bezw. der Pflege rc. berühren, ohne reckst in die wiakerie einzrwringen, für die angestrebten Zwecke eher von schädlicher Wirkung.

Leute, welche solchermaßen ausgebildet sind, ohne die nötige aus Bildung und Erziehung beruhende Selbstzucht zu besitzen, maßen sich gar zu leicht ein Urteil in diesen Dingen an, zu welcheru sie naa) Lage der Verhältnisse absolut nicht befugt noch befähigt sind. Sie konnten sich wohl mit dem ärztkichen Leiter der Vorträge oder Kurse auf Grund ihrer Dressur verständigen, nicht aber mit jedem beliebigen anderen Arzt und insbesondere nicht auf dem Gebiete der inneren Äiedizin. Der augenfällcgste Beweis hierfür sind die Pflegerinnen, Schwestern usw. in Heilanstallen. Die­selben verstehen vollkommen ihre Aufgabe zum Heil der Leidenden und Kranken, sie wissen sogar technische Aus­drücke und die Bedeutung gewisser Symptome zu verwerten. Gkeichwohl fehlt ihnen auf Grund der mangelnden Aus­bildung in diesem Zweige das Verständnis siir dre patho- kogisch anatomischen Grurrdlagen der Erkrankung und damll für den tieferen Zweck dessen, was sie tun. Daher werden ie sich nie mit j ed em Arzt über derartige Dinge verstän­

digen können.

Wohl aber wird ihnen in den Augen des Publikums der Schein anhasten, sie, die täglich jahraus jahrein im Krankensaal tätig sind, müßten mit den Krantherten und ihreur Wesen vollkommen vertraut sein. Sie werden z. B. in befieuudetem Kreise oder iu ihrem jeweiligen Aufent­haltsort zu Rate gezogen. Sie kennen wohl im besten Fakte das Krankheitsbrkd oder ein ähnliches und erinnern sich, in welcher Weise sie ähnliche Fälle zu verpflegen hatten. Sie wenden, bona sioe wollen wir natürlich an» nehmen, diese Manipulationen auch auf den ihnen über­tragenen Fall an.

Mir brauchen dabei gar keine Pflichtverletzung in­sofern anzunehmen, ob der Arzt eigentlich auf 'Anraten der Pflegerin, Schwester oder dgl. hätte zu Rate gezogen werden müssen. Wir brauchen nur ein llein wenig ge­schmeichelte Ellert und können dabei rnhig eine schein­bar ganz ungefährliche Erkrankung annehmen.

Es ist ja leider auch rechtlich nur dann etwas da­gegen einzuwenden, daß dckchtärzte Kranke 'behandeln, wenn eine Schädigung des Kranken der Erfolg ist, und dem Arzt ohne Approbation" eine Fahrläfjigteit nachgewresen

werden kann.

So kommen wir ganz folgerichtig auf das Gebiet des sog. Kurpfuschertums. Die belehrten Krankenträger, Sa­mariter, Pflegerinnen oder Schwestern sehen ihre Tätig­keit jeweils erfolgreich. Die Dressur ist, um beim Bilde zu bleiben, eine ferme. Was liegt näher als die W- nahme, daß der Geist der Medizin leicht zn fassen fei Freilich wird dabei außer acht gelassen, daß die Aus­bildung solcher Perjonen sich eben nur auf einzelne Zweige entsprechend dem besonderen Zweck und rm übrigen höch­stens auf die Umrisse des Baumes der Erkenntnis er­strecken kann. , .,

Kurz, es wird auf diesem Wege leicht zu einer Unter­schätzung der ärztlichen Gesamt-Wissenschaft kommen, die zwar noch heute durchstudiert die große und lleine Welt, für welche aber der Satz heute nicht mehr zutrifft, daß fie leicht zu fassen sei. . /_^p .

So koinmt es dann, daß hier em Schäfer, dort em Pastor, eine Hebamme, ein Ferkelschneider plötzlich den Berus in sich entdeckt zum Wunderdoktor. Und so komm: es auch, daß solchen Leuten, lvelche in ihrem Spezialfach äußerst tüchtig jein mögen, seitens des Publikums Ver­trauen entgegengebracht wird Das große Heer oer chro­nisch, der mcheikbar Kranken, der neurasthenischen Männer und der hysterischen Frauen wird stets dankbarer Anberer eines neuen Meteors am medizinischen Wünderhimmel fern. Freilich kann es daneben auch Vorkommen, daß Kranke durch solche wirllich gehellt werden oder zu einem Zell- pnnkt nahe der Krisis in die Behandlung eines Wuiider- dottors kommen, s-odaß die Besserung nach vielleicht mehr­wöchiger (z. B bei Typhus^ scheinbar erfolgloser Behand­lung auf die Künste des Naturarztes zuruckgeführt wird, während fie eben nur dem nallirlichen Verlaus euksprrngt.

Daß durch solche Götzen dem leidenden Publikum und der Wsisenschaft selten ein Nutzen, dem Ansehen und der materiellen Stellung der staatlich approbierten Aerzte aber auf jeden Fall erheRich-er Schaden erwächst, sei nur neben­bei erwähnt. Denn es sollen diese Zeilen ja in erster Linie eine bessere Verständigung zwgchen Aerzten und

Wie kann das Wolk zu einer gerechten Ke- urteiluug ärztlicher Leistungen erzogen werden?

Von einem prakt. Arzte.

Original-Artikel desGießener Anzeigers".

Wenn man über die Gründe nachdenkt, welche den Pa­tienten vielsach mit seinem Arzte unzufrieden sein lassen, so müssen dieselben in letzter Linie darin geftmden werden, daß der Kranke Anforderungen an den Arzt stellt, denen er so wenig wie seine Wissenschaft genügen kann.

Selbstredend hat der Kranke das begreiflichss Inter­esse,-gllchst schnell gesund zu werden. Und er meint, daß ihm sein Arzt hierfür die Mittel, seien es nun Medika­mente oder physikalisch-diätettsche Diaßnahmen, verordnen könne und müsse. Es ist eben eine weitverbreitete Ansicht, daß es für jede Krankheit besondere Heilmittel gebe, wäh­rend es tatsächlich nur drei speziftsch, das heißt auf die Krankheit als solche wirkende Arzneimittel gibt, nämlich das Antipyrin für die Malaria, das Quecksilber für die Lues, und die Salicylsäure für den Gelenkrheumatismus. In neuerer Zell haben sich hierzu noch verschiedene Heilsera, so das Tetanus- (Starrkrampf-), das Hundswut- (Lyssa-h und das Dipytheriesernm gesellt.

Diese Mittel sind dazu besttmmt, das Hebel an der Wurzel zu fassen, doch! ist auch bei ihnen die Wirkung nur eine unter bestimniten Voraussetzungcri, zu denen in erster Linie ihre ftüyzellige Anwendung gehört, prompt und sicher einttetende.

Alle übrigen Krankhetten werden im Gegensatz zu dieser spezifischen Behandlung symptomattsch behanöell, das heißt die Symptome der Krankheit, welche dem Kranken lästig, namentlich aber gefahrdrohend find> werden durch geeignete medikamentöse, diätetische und hygienische Vorschriften be­kämpft und dadurch versucht, die inneren Organe in einer Weise im Gleichgewicht zu halten, daß die Kräfte und das Leben bis zu dem Zeitpunkte erhalten werden, zu welchem ein Wheiieu des trarikhajken Prozesses erfahrungsgemäß