wärtig in den Straßen von Paris schon häufig. Die Wärterin fitzt rückwärts und bedient den Motor, desien Uebersetzung, zur Beruhigung seis gesagt, nur eine sehr mäßige Geschwindigkeit zuläßt. Nun wird man bald in den Zeitungen lesen r „Gesucht wird ein Kindermädchen; jene, die mit der Lenkung eines Benzinwagens vertraut find, bevorzugt".
"Wie man in Newyork rasiert. Aus Newyork wird gemeldet: Die Barbiere Newyorks wurden durch nachfolgende Kundmachung des Gesundheitsamtes in Aufregung versetzt: 1. Vor Bedienung einer Person hat der Raseur seine Hände in heißem Wasser mit Seife gründlich zu waschen. 2. Der Gebrauch von Alaun und anderer astringenter Mittel in Stückform ist untersagt. Wenn bei Blutungen angewendet, sind pulverisierte Präparate aufzutragen. 3. Gebrauch von Puderquasten ist verboten. 4. Kein Handtuch darf mehr als einmal gebraucht werden, ohne wieder gewaschen zu werden, b. Gebrauch von Schwämmen ist untersagt. 6. Seisbürsten, Schalen und Becher sind nach jedesmaligem Gebrauch für eine Person gründlich zu reinigen. 7. Kämme, Bürsten, Rasiermesser, Scheren sind nach jedesmaliger Verwendung in kochendem Wasser oder entsprechendem Desinfektionsmittel gründlich zu säubern. 8. Kein Barbier — außer er ist lizensierter Arzt — darf Hautkrankheiten behandeln. 9. Der Fußboden ist täglich gründlich zu reinigen, Einrichtungsstücke und sämtliches Holzwerk staubfrei zu halten. 10. Für kaltes und warmes Wasser ist vorzusorgen. 11. Diese Verordnung ist in jedem Lokal an auffallender Stelle zu affichieren. — Newyork hat über 5000 Barbiere, darunter viele mit 5 Cents-Taxe.
• Ueber Lebenslauf und Ende eines vielgenannten Abenteurers wird der „Tägl. Rundsch." aus München berichtet: Eugen Pfanneustiel, der frühere Geheimsekretär des Fürsten Ferdinand von Bulgarien, ist vorige Woche in Prüfening bei Regensburg an Lungenschwindsucht gestorben. Pfannenstiel war der Sohn eines hohen fürstlichen Thurn- und Taxrs'schen Beamten. Er besuchte in Regensburg das Gymnasium, mußte aber schlimmer Streiche wegen die Anstalt verlassen. Nachdem er sich zu Hause in neueren Sprachen ausgebildet, ging er nach Sofia und bekam dort durch Vermittelung einer Schauspielerin die Stellung eines Sekretärs beim Fürsten Ferdinand. Bald hatte er sich das Vertrauen seines Herrn derart erworben, daß er zum Geheimsekretär aufrückte. Schöne Tage waren es, die der junge, hübsche, hochbegabte Mann in der bulgarischen Hauptstadt verlebte, um so mehr, als Fürst Ferdinand seinem Vertrauten ein wahrhaft fürstliches Einkommen zu- wendete. Um so größer war das Aufsehen, als Pfannenstiel eines Tages mit seiner ^Gönnerin, der schönen Schauspielerin, plötzlich verschwunden war, und mit ihm eine namhafte, dem Fürsten gehörige Geldsumme. Das Paar trieb sich nun ziellos in der Welt herum, bis das Geld aufgebraucht war. Dann machte Pfannenstiel auf den Namen seines früheren Herrn, indem er sich immer noch als fürstlicher Geheimsekretär ausgab, beträchlliche Schulden, u. a. auch bei dem Betriebsleiter des Gasthofs „Vier Jahreszeiten" in München, dem er eine größere Summe zu entlocken verstand. Damit brante er nach Paris durch. Dort wurde er verhaftet und nach München ausgelieftrt, hier aber vom Landgericht freigesprochen. Fürst Ferdinand, dem es, wie es hieß, um Wiedererlangung wichtiger, von Psannenstiel entwendeter Papiere zu tun war, soll damals die erschwindelten Gelder voll ersetzt haben. Pfannenstiel wandte sich dann nach Athen, wo er als politischer Vertreter auswärtiger Blätter tätig war. Trotz dem für Lungenkranke so günstigen Klima machte die Lungenschwindsucht, die er sich nach seiner Aussage im Untersuchungsgefängnis zugezogen, rasche Fortschritte. Er kehrte ins Vaterhaus zurück, wo er vergangene Woche der Krankheit im Alter von nur 28 Jahren erlag. (£r war in der letzten Zeit sehr in sich gekehrt und fest entschlossen, für den Fall seiner Wiedergenesung ein neues Leben zu beginnen.
Grrichtssaal.
Das Reichsgericht über dasnächtlicheKlavier- spielen. Ob das nächtliche Klavierspielen als Ruhestörung oder grober Unfug aufzufasseu sei, kommt auf die Umstände an. Werden dabei die Fenster des Klavierspielers geöffnet und das Spiel bis in die dunkle Nacht fortgesetzt, so liegt ohne Zweifel nächtliche Ruhestörung vor, welche polizeilich verfolgbar ist. Sieht man aber, daß eine Absicht obwaltet, etwa durch stümperhaftes, übermäßig lautes, immer dasselbe Stück wiederholendes Spielen die Umgebung zu ärgern, oder in erheblicher Weise zu belästigen, so liegt grober Unfug vor, welcher nach § 320 Ziff. 11 geahndet wird. Zuständig ist die Ortspolizeibehörde, das Bezirksamt bezw. das Schöffengericht
Kandel und Verkehr. UMswittschast.
Berliner Börse vom 1. September 1903.
(Mttgetellt von der Bant für Handel und Industrie, Gießen.)
Ohne irgend besonders nennenswerte Schwankungen gestaltete sich der heutige Börsenverkehr zu einem äußerst ruhigen. Auf dem Ultimomarkt waren die Umsätze äußerst gering; nur in Dynamite Trust Shares war das Geschäft angeblich auf Glasgower Käufe bei steigendem Kurs etwas lebhafter. Türkenwerte konnten sich von ihrem gestrigen Rückgang nicht erholen, doch war die Stimmung lür dieselben wesentlich beruhigt, besonders da Paris eher Kauflust zeigte. Der Kassamarkt zeigte durchaus gute Haltung.
Privat-Diskont 37s Prozent.
Oest. Kredit. « ♦
Deutsche Bank
Darmstädter Bank Bochumer Guß . Harpener Bergbau .
Schluß-Tendenz: ziemlich fest.
Anfangs- u. Schlußkurse.
. 204.10
204.20
. 211.40
211.50
. 137.00
136.77
. 187.90
187.62
. 182.20
182.10
Auszug uus Leu ArcheMHera -er Stadt Gießen.
Evangelische Gemeinde.
. . Getraute. Matthäus gemeinde. Den 22. August. Heinrich Trechsler, Flaschendierhandler zu Gießen und Karoline Ehrrsnane Pausch, geb. Kramer, Witwe des Lackierers Friedrich Pausch zu Gießen. Denselben. Wilhelm Glock, Tapezier und Polsterer zu Gießen und Jakobine Marie Katharine Bickel, Tochter des Kirchendieners und Schuhmachermeisters Leonhard Bickel zu Gieszen. Lukasgemeinde. Den 22. August. Dr. nied. Otto August Friedrich Ulmer, prakt. Arzt zu Sachsenberg in Waldeck und Auguste Amalie Elisabeth Nordmann, Tochter des Kgl. Eisenbahnverkehrsinspektors Gottfried Konrad Nordmann zu Gießen. Jo- Ha n ri e s g e m e i n d e. Den 20. August. Heinrich Müller, Taglöhner zu Gießen und Elisabeth Rehbein, Tochter des verstorbenen Taglöhners Jatöb Rehbem zu Herzfeld. Den 22. August. Jakob Fischer, Wuwer, Fahrkartenailügeber zu Gießen und Katharine Auguste Mathilde Funk, Tochter des verstorbenen Lehrers Johannes Funk zu Garbenteich.
Getaufte. Matthäusgemeinde. Den 21.Aug. Dem Tnglöhner Georg Schmidt eine Tochter, Katharine Karoline, geb. den 1. Juli. Den 23. August. Dem Fabrikarbeiter Georg Eijen- brandt eine Tochter, Helene Karoline, geb. den 28. Juli. Denseloen. Dem Schreinermeister Georg Haubach ein Sohn, Georg Wühelm Karl, geb. den 27. Juli. Marcusgemeinde. Den 23. Aiig. Dem Maurer Ludwig Frey eine Tochter, Emma, geboren den 12. Juli. Denselben. Dem Bahnarbeiter August Fourier eine Tochter, Emma Katharir^, geb. den 25. Juni. Denselben. Dem Kaufmann Johannes Garche ein Sohn, Kurt, geb. den 3. August. Denselben. Dem Fuhrmann August Kratz ein Sohn, Karl, geb. den 10. Juli. Denselben. Dem Schlaffer Heinrich Simon Günther ein Sohn, Ludwig, geb. den 1. Juni. Lukasgemeinde. Den 23. August. Dem Hilfsbahnwärter Heinrich Fritzms ein Sohn, Willi, geboren den 25. JE. Denselben. Dem Bräuer Heinrich Weber ein Sohn, Friedrich Wilhelm Karl, geb. den 13. Juli. Denselben. Dem Metzger und Wirt Phllipp Senkler eine Tochter, Elisabeth, geboren den 30. Juli. Denselben. Dem Stationsgehilfen Karl Christ eine Tochter, Bertha Emilie Frieda, geb. den 4. Aug. Den 27. Aug. Dem Wirt Phllipp Kleiß eine Tochter, Gretchen Paula, geboren den 22. Juli. Johannesgemeinde. Den 28. August. Dem Taglöhner Jean Schmidt ein Sohn, Karl Eduard Philipp, geboren den 3. Juni.
Beerdigte. Matthäusgemeinde. Den 23. August. Karl Reinig, Sohn des Heizers Johann Reinig, 23 Jahre ach starb den 21. August zu Bad Wildungen. Lukasgemeinde. Den 23. August. Eberhard Einhäuser, Lademeifter i. P., 68 Jahre alt, starb den 21. August. Denselben. Heinrich Kiefer, Metzgerineister, 51 Jahre oü, starb den 20. August. Johannesgemeinde. Ten 25 August. Robert Haas, Rentner, 50 Jahre alt, starb den 22. August. Denselben. Margarete Dietz, geb. Fauerbach, Witwe des Rentners Jean Dietz, 67 Jahre alt, starb den 23. Aug. Den 27. Aug. Anna Hohl, Tochter der Katharine Hohl, 19 Jahre alt, starb den 25. August. Militär gemeinde. Den 23. August. Gustav Dietrich, Unteroffizier, Hoboist der Leibtompagnie des Jnf.- Regts. Kaiser Wilhelm, 21 Jahre alt, starb beit 21. August.
HsttrÄüeust der rsraelitrschen Keligionsgesrüschast.
Samstag, den 5. September 1903.
Freitagabend 6.35 Uhr. Samstag Vormittag 8 Uhr. Nachmittag 4 Uhr.
Sabbathausgang 7.50 Uhr.
Wochengottesdienst: Morgens 6L0Uhr, abends 6.30 Uhr.
Temperatur der Lahn und der Luft
am 3. September 1903.
Nach Reaumur gemessen mittags zwischen 12 und 1 Uhr. Wasser 17°, 2uft 22".
Albert Rübsamen.
Neueste Melöuugeu.
Ortginaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.
Berlin, 3. Sept. Anläßlich der Ernennung des österreichischen Kaisers zum englischen Feldmarschall sand ein Depeschenwechsel zwischen Kaiser Franz Josef und Lord Roberts statt.
Berlin, 3. Sept. Wegen Aufreizung zum Klassenhaß, Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze, Gotteslästerung und Beschimpfung der christlichen Religion und anderer Religions-Gesellschaften standen gestern zwei Anarchisten, der 25 jährige Redakteur Grunwald und der Ciseleur Imhof aus Mannheim vor der 1. Strafkammer des Landgerichts I. Es handelt sich um 2 Artikel, die in der von Grunwald redigierten anarchistischen Wochenschrift „Neues Leben" erschienen sind. Der Staatsanwalt beantragte gegen Grunwald 6, gegen Jmhpf 3 Monate Gefängnis. Der Gerichtshof sprach Imhof frei, da dessen Verfasserschaft nicht ftir genügend erwiesen erachtet wurde. Grunwald wurde wegen Gotteslästerung, Religions-Beschimpfung und Aufreizung, aber nicht wegen Aufforderung zum Ungehorsam zu 3 Monaten Gefängnis unter Anrechnung von einem Monat Untersuchungshaft verurteilt. Er wurde aus der Haft entlassen.
Wildpark, 3. Sept. Die Kaiserin ist gestern abend IO1/2 Uhr nach Merseburg abgereist,
Erfurt, 3. Sept. Der Kaiser und der Kronprinz sind heute vormittag 9i/2 Uhr hier eingetroffen.
Bochum, 3. Sept. Bei dem Brande einer Wirtschaft in Hoentrop wurden die Wirtin und ein Dienstmädchen schwer und 5 andere Personen leichter verletzt. Nach der Bewältigung des Feuers wurde noch ein Mann durch eine Gas- Explosion verletzt.
Königshütte, 3^Sept. Graf Henkel v. Donnersmark hat aus unbekannten Gründen dem Ober schlesischen Volkstheater die bisher gewährte Subvention von 3000 Mk. für die nächste Spielzell entzogen.
Hamburg, 3. Sept. Jacques Lebaudy ist hier auf einem Wörman-Dampfer von Las Palmas kommend, eingetroffen. Er stieg in einem Hotel ab, verließ aber die Stadt bald wieder in einem Automobil. Wie verlautet, will Lebaudy in Deutschland einen Dampfer chartern sowie Leute für sein Unternehmen anwerben. Mr seine in Las Palmas liegende Jacht sucht er einen deutschen Kapitän.
Leipzig, 3. Sept. Der Kaiser traf gestern abend 11.30 Uhr auf dem Dresdener Bahnhofe ein. Der Hoszug wurde sofort mij die Berbindungsbahn geleitet und auf ein Nebengleise rangiert, wo er während der Nacht stehen blieb. Der Kaiser brachte die Nacht in seinem Salonwagen zu. Heute morgen 6 Uhr fuhr der Hofzug nach Erfurt zur Kaiserparade weiter.
Crimmitschau, 3. Sept. Der Streik der Textilarbeiter wird wahrscheinlich schon zum Schluß der Woche beendet sein. Die Streikenden erhalten nur unzulängliche und unpünkUiche Unterstützung. Es hat sich daher bereits eine Kommission der älteren Arbeiter gebildet, welche Verhandlungen mit den Arbellgebern anknüpste.
Metz, 3. Sept. Der Erlaß des Kaisers, der den Statthalter auffordert, mit den allerschärfsten Mttteln dem gegenwärtigen Zustande der Wasser-Versorgung von Metz ein Ende zu machen, macht unter der Bevölkerung einen guten Eindruck.
L. London, 3. Sept. Antisemitische Ruhestörungen melden „Daily Graphic" und „Daily Expreß" aus Dowlais in Südwales. Eine größere Anzahl Juden, meist polnischer und rumänischer Herkunft, ist in dortigen Schieferbrüchen beschäftigt. Die irischen und auch die andern Arbeiter sind damit unzufrieden und weigern sich vielfach, mit den Juden zusammenzuarbeiten. Die ersten Anzeichen einer ernsten Lage, die sich inzwischen bedrohlich gestaltet hat, traten am 31. August auf. An diesem Tage wurden zwei jüdische Arbeiter auf der Landstraße angegriffen. Am nächsten Tage wurde eine Abteilung von 20 jüdischen Arbeitern an derselben Stelle belästtgt. Sie leisteten mutig Widerstand, bis sich eine feindselige Volksmenge ansammelte, vor der sie fliehen mußten. Mehrere von ihnen wurden bei dem Zusammenstoß verletzt, darunter einer ernstlich. Später sammelte sich eine große Menschenmenge vor der Einfahrt in die Schieferbrüche an, um dort das Erscheinen per jüdischen Arbeiter abzuwarten.
Die Leute wurden mit Steinen bombardiert. Gestern kamen' 300 von ihnen aus Mrcht nicht zur Arbeit. Eine starke Polizeimacht gab chnen dann Gelett und blieb den ganzen Tag im Dienst.
London, 3. Sept. In ganz England ist ein furcht, barer Orkan niedergegangen, nachdem in den letzten Tagen starke Hitze geherrscht hatte. Die niedergegangeuen Regengüsse verursachten vielfach lleberschwemmungen. Der Schaden ist bedeutend. Die Ernte ist fast völlig vernichtet.
Portsmouth, 3. Sept. Ter veraltete KüsteupanHer „Delisle" wird Freitag von den englischen Unterseebooten angegriffen werden. Es handelt sich um ähnliche Schießversuche, wie sie in Frankreich bereits stattgefunoen haben.
Clermont Ferrand, 3. Sept. Zwei ernste Zwischenfälle haben sich während der Ma n öv er ereignet. Vorgestern, als das 92. Infanterie-Regiment in der Nähe von Tourelle manövrierte, fielen mehrere Kugeln in der Nähe einer Grupp e Offiziere nieder. Unter den Offizieren befand sich auch der Oberst. Das Manöver wurde sofort abgebrochen. Gestern ereignete sich ein ähnlicher Vorfall bei demselben Regiment. Eine Kugel wurde gegen einen Offizier angefeuert und dadurch auch mehrere Soldaten gefährdet. Das Regiment wurde in die Kaserne zurückgeführt. Eine sttenge Untersuchung ist eingeleitet. Man vermutet einen Racheatt.
Ma dri d, 3. Sept. Villaverde Dementiert die Nachricht, daß ein Handelsvertrag zwischen Frankreich und Spanien bereits in San Sebastian abgeschlossen worden sei.
Mailand, 3. Sept. In der Gola'schen Spitzen- fabrik brach gestern abend Feuer aus, welches das ganze Gebäude ergriff. Feuerwehr und Truppen waren sofort zur Stelle, trotzdem konnte der Brand bis Mitternacht nicht unterdrückt werden. (
Triest, 3. Sept. Der gestern aus Laurenzo Maxquez in Triest eingetroffene Lord Milner versichette auf Be- ftagen, daß der Stand der politischen Lage in Süd - afrika günstig sei. Die noch bestehenden Schwierigketten seien nicht unüberwindlich. Sie erforderten nur Zeit und Geduld.
Wien, 3. Sept. Großes Aufsehen erregt eine Budapester Meldung, wonach die Kriegsverwattung beabsichtige, bei Fortdauer der Obstruktion die Dienstzeit, die gegenwärtig 3 Jahre beträgt, dadurch zu verlängern, daß die Mannschaften nach Ablauf des dritten Jvhres sofort zur Abdienung ihrer Reserveübung herangezogen werden. Die Maßnahme ist gesetzlich zwar zulässig, dürste aber Unruhen Hervorrufen.
Wien, 3. Sept. Der König von England verließ heute morgen 10.10 Uhr mit der Westbahn Wien und begab sich direkt nach L 0'n d 0 n. Wie verlaittet, soll der Kaiser den König vor der Abreise zum Admiral de^r ö st reichi sch-ungarisch en Flotte ernannt haben. — Der Kaiser begibt sich heute abend nach Budapest, wo er bis zum 9. Oktober bleiben wird. Die Aussichten zur Beilegung des ungarischen Konfliktes sind sehr gering. Die Unabhängigkeitspartei beabsichtigt, die Frage der ungarischen Kommandosprache zur Parteifrage zu machM.
Budapest, 3. Sept. Von der Direktion der ungarischen Levante-Seejchiftahrtsgesellschast wird Positiv versichert, daß bis jetzt kein An hält vorhanden ist, daß die Explosion aus dem Dampfer ,HL>aschrapu" mit einem politischen Attentat in Verbindung steht.
Belgrad, 3. Sept. Das Mitglied des Jnsurrekttons- komitees Radew^ ein Vertrauensmann von Boris Sarafow, ist in geheimer Sendung hier ettrgettoffen.
Belgrad, 3. Sept. In dem Dorfe Wllajet Ueskueb wurde derPriesterJoskim von bulgarischenCommutatschis ermordet, weil er sich weigerte, sich der revoluttonären Regierung anzuschließen.
Sofia, 3. Sept. Prof. Michailowski erklärte in einer macedonischen Versammlung, dqß angesichts des großzügigen Deutschtums ein Zusammengehen aller Slawen, vor allem der Serben und Bulgaren, notwendig sei. Weiter erklärte er, die Kriegserllärung der .Türkei müsse man aus Gründen der Notwechr als unvermeidlich betrachten.
Havanna, 3. Sept.' Die Unterhandlungen zwischen Frankreich und Kuba.zwecks Abschlusses eines Handelsvertrages sind beendet.
L. Newyork, 3. Sept. Der Präsident der Universität Neumexiko, Tight, hat eine Besteigung des Orota- berges in Bolivien, des höchsten Gipfels der Anden, ausgeführt, was bisher noch niemand gelungen war.
Telephonischer Kursbericht.
Jcrankinrt a. Ni.. 3. September 1903.
372% Reichsanleihe . . 101.60 30/0 do. ... 89.60 37,% Konsole «... 101.20 3% do......89.80
3%% Hessen .... 100.20 372% Oderhessen . . . 99.20 4% Oesterr. Goldrente . . 102.45
47s % Oesterr. ßilberrente 100.40
4% Ungar. Goldrente . . 99.90
4% Italien. Rente . . . 102.80 472% Portugiesen . . . 49.60 8°/ Portugiesen.....30.80
1 % C. Türken .... 34 00
Türkenlose......127.—
4% Griech. Monopol.-Anl. 43.80
3% Mexikaner ... 27.25 47s% Chinesen .... 92.25 Electric. Schuckert . . . 96.20 Nordd. Lloyd . . . . 101.25
Kreditaktien .... 203.10 Diskonto-Kommandit. . . 187.20 Darmstädter Bank . . . 137.00 Dresdener Bank .... 146.50 Berliner Handelsges. . . 153.60 Oesterr. Staatsbahn . . , 140.20 Lombarden . . . . . 16.50 Gotthardbahn ..... 189.00 Laurahütte...... 229.75
Bochum . ...... 180.90 Harpener......182.00
47?% äussere Argentiner
41.90
Tendenz: schwach.
Alicc-Kochschule.
Der Koch-Kursus beginnt 6606
am 2t. September.
Anmeldungen in der Schule bei Fräulein Renner vom 18. September an. — Eine Freistelle ist zu vergeben.
Statt besonderer Anzeige
Die Geburt einer
ochter zeigcm ergebenst cm
Reg.'Affeffor Justus Reimherr und Frau W
W
geb. Haller.
m 6614
Gießen, den 2. September 1903.


