Ausgabe 
3.9.1903 Zweites Blatt
 
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Industrie-und Handelsstaat diese Folgen viel­leicht uoch an Wichtigkeit. Schon in dern ersten Ar­tikel ihres Spezialkorrespondenten sei genügend bewiesen, daß die AufschriftMade in Germany" nicht länger eine herabsetzende Bedeutung habe.

Ein inneres Sedan.

Dem deutschen Liberalisiuus wünscht Dr. I. Johann­sen in der MünchnerFreistatt" mit folgenden treff­lichen Worten ein inneres Sedan: Was not tut, ist Arbeit, Arbeit und noch einmal Arbeit! Schon einmal schien der Liberalismus in den Gemütern der Vielen festen Fuß gefaßt zu haben. W war in den Jahren nach dem Kriege 1870/71. So ist z. B bei der ersten Wahl zum Parlament des neuen Deutschen Reiches im Reichstagswahlkreise Augs- burg-Schwabmünchen-Wertingen ein Nationalliberaler ge­wählt worden Im Jahre 1871 aber hatte eine elementare Flutwelle die LÄhler aus dem Alltagsgeleise in die Höhe gehoben, und mit einem Male waren sie nationalliberal gewesen, oder hatten urcnigstens geglaubt, es zu sein. Von jener Höhe sind die Wähler wieder in das Alltags- getriebe zurückgesunken. Lehrreich ist es, sich zu vergegen­wärtigen, wie damals, 1871, die Erhebung zustande ge­kommen war. Damals hatte die n a t i o n a l l i b e r a l e Partei Agitatoren, wie sie sie nie wieder besessen hat. Ihre Namen? Sie hießen Weißenburg, Wörth, Bazeille, Sedan, Paris und Orleans. Diese Schlachten waren es, diese Siege und das zu ihrer Erringung vergossene Blut und dann die Neugründung des Reichs. Wodurch aber waren jene Erfolge erzielt? Sie sind nicht in den Schoß gefallen, sondern durch eine un­geheure Kräfteanspannung und Hingabe errungen. Das brauchen wir wieder. Wir brauchen ein inneres Sedan. Nicht morgen können wir es erwarten. Auch das äußere Sedan ist nicht durch eines Tages Arbeit gewonnen wor­den. Die Zeiten der Vorbereitung waren vorhergegangen. Und auch die allgemeineWehrpflicht brauchen wir. Heute steht ein großer Teil gerade der Gebildeten abseits und beteiligt sich am politischen Leben und am Wirken für den Staat nicht. Diese Gebildeten gehören auf die liberale Seite. Wo denn sonst liegen die Garantien der Freiheit, die sie lieben? Sie müssen sich einreihen in das große Heer, das für die Geistesfreiheit kämpft. Was heute noch unpolitisch ist, schließe sich dem politischen Leben an,' tue dies aber in der Ueberzeugung, daß man auch in der Politik, wie in anderen Künsteu, erst lernen müsse und nicht' als Meister vom Himmel falle. Eine gegnerische Or­ganisation bekämpft man, indem man ihr eine Or gani- sation entgegenstellt; nachher, wenn der Sieg er­rungen und keine Gefahr mehr vorhanden ist, ein Fall, der so leicht nicht eintritt, mag ja die Organisation sich wieder auflösen.' Darum organisiere sich, wer bisher dem ParteilÄreu fernsteht. Ein griechisches Gesetz bestrafte den Bürger mit dem Tode, der iu kritischen Zeiten nichr Partei ergriffe. Wenn dieses Gesetz bei uns iu Deutschland gelte, mußten viele Bürger vom Leben zum Tode gebracht werden.

Deutsches Keich.

Berlin, 2. Sept. Der Kais er hat aus Anlaß seiner Anwesenheit bei den 'Herbstmanövern des 4. und 11. Armee­korps einer Anzahl von Reichsbeamten Auszeichnungen vetliehen, die heute imReichsanz." veröffentlicht werden.

Die Kaiserin benachrichtigte den Professor von Bram ar in in Halle, daß sie diesen Samstag die Ab- teilung für Kinder in der chirurgischen Klini.k zu Halle b e j uchen werde.

Dem^Berl. Tgbl." zufolge wird heute die Spiel­bank in Mor esnet geichlossen, nachdem auch die belgische Regierung ihr Einverständnis erklärt hat.

Zu dem Spionagefall in Ars meldet das Berl Tagebl.", daß zwei Granaten auf der Feste ,Kron­prinz" entwendet und über Pagn.y nach Paris geschafft wurden. Die Schuldigen sind geständig.

Lübecks 2. Sept. Heute mittag fand unter großer Beteiligung ' des Senats, der Bürgerschaft, der Behörden, zahlreicher Vereine und der Schulen die feierliche Enthüllung des von Hans Hundrieser geschaffenen Bismarck de uk- mals statt. Nachdem Rechtsanwalt Vermehren die Fest­rede gehalten hatte, übernahm Bürgermeister Klug daä Denkmal namens der Stadt und brachte ein Hoch auf den Kaiser ams.

Stuttgart, 2. Sept. In seiner heutigen Schluß­sitzung hak der internationale Verband zum Studium der Verhältnisse des Mittelstandes sich endgiltig konstituiert und den händigen Sekretär I. Stevens, Direktor im belgffchen Ministerium für In­dustrie und Arbeit in Brüssel, gewählt. In den Zentralaus­schuß wurden als Vertreter Deutschlands gewählt Dr. Hei­lt gen st ädt, Präsident der preußischen Zentralgenossen­schaftskasse in Berlin, und Professor Gießler in Stutzt- gart, der sich auch bereit erklärte, die Präsidialgeschäfte bis zur endgiltigen Präsidentenwcchl, die'erfolgen soll, sobald der Zentralausschuß vollständig sein wird, zu führen.

Kirche und Schule.

Das gewerbliche Unterrichtswesen ist in Hessen sehr ausgedehnt. Nach der soeben erschienenen statisti­schen Zusammenstellung giebt es in Hessen z. Zt. 167 ge­werbliche Unterrichtsanstalten mit 511 Lehrkräften und 11 887 Schülern. Die Gesamtausgaben dafür betrugen im abgelaufenen Jahre 443 361 Mll, darunter 294 878 Mk. Gehalt für die Lehrer.

Ausland.

Haag, 2. Sept. Die Vertreter der interessierten Mächte begaben sich vorgestern in das Gebäude des stän­digen Schiedsger ich ts Hofes, wo sie vom Minister des Aeußern, Melvil van Lyndeu, und dem Generalsekretär des Schiedsgerichtshofes Dr. Ruyssenaers empfangen wur­den. Der zum Schiedsrichter ernannte russische Justtz?- minister Murawiew erklärte vorweg, daß er der einzig anwesende Schiedsrichter sei, daß er aber gern die Aus­führungen der beteiligten Delegierten entgegennehmen werde. Darauf schlug der englische Vertreter Cohen vor, daß der Gerichtshof die Sitzung vertage, obgleich er gegen eine sofortige Aufnahme der Verhandlungen nichts einzu­wenden habe. Mo. Veigh erwiderte im Namen Vene­zuelas, daß er in eine Fortsetzung des Verfahrens nicht einwilligen könne, da das Schiedsgericht nicht aus den im Protokoll vorgesehenen drei Schiedsrichtern zusammen­gesetzt sei. Niemand habe durch Protokoll ein Recht er­halten, das Verfahren in irgend einem Punkte umzugestal- teu oder abzuändern. Schiedsrichter Murawiew erklärte darauf, das Schiedsgericht sei nicht ordnungsmäßig

zusammengesetzt und öle Sitzung nichtoffiziell. Der Vertreter Frankreichs ersuchte um Protokollierung der Verhandlungen. Veigh widersetzte sich dem Verlangen aus den oben von ihm angeführten Gründen, erklärte aber, der Generalsekretär des ständigen Schiedsgerichtshofes sei vollständig wmpetent zur' Abfassung des nicht offiziellen Protokolls. Murawiew vertagte darauf die Sitzung. Generalsekretär Ruyssenaers setzte auf Antrag Frankreichs ein unoffizielles Protokoll der Verhandlungen in englischer und französischer Sprache auf, welches von allen Vertretern der beteiligten Mächte genehmigt wurde, mit Ausnahme desjenigen von Venezuela, welcher den Sitzungssaal bereits verlassen hatte. Dieses Protokoll wird allen beteiligten Mächten zugestellt werden.

Paris, 2. Sept. Jaques Lebaudy erklärte einem Vertreter desJournal" in Las Palmas, die Gefangen­nahme der fünf französischen Matrosen sei ein glückliches Ereignis, well daourch die Frage des Sahara-Reiches in der Oeffentlichkeit erörtert werde. Ob man wolle oder nicht, das Reich sei begründet und das Bestehen desselben bereits von der Republik Liberia anerkannt worden, was nach und nach auch von den übrigen Mächten geschehen werde. Die betreffenden Matrosen seien übrigens' durch eigenes Verschulden in Gefangenschaft geraten.

Wien, 2. Sept. Wie nunmehr festgestellt ist, trifft der Zar am 29. d. Mts. in Wien ein. Im Laufe des Vormittags besucht er die Kaisergruft und stattet dann den Erzherzogen Besuche ab. Mittags ist in der Hofburg beim Kaiser Dejeuner. Nachmittags erfolgt die Abfahrt nach Eisenerz zu den Hofjagden. Der Aufenthalt in Eisenerz wird vier Tage dauern. Am 4. Oktober erfolgt die Rück­reise nach Wien, wo ein einstündiger Aufenthalt geplant ist. Graf Lamsdorff und Goluchowski werden sich eben­falls nach Eisenerz begeben. Dort werden die weiteren Beschlüsse' in der Balkan frage gefaßt. (?) Ursprüng­lich war ein längerer Aufenthalt in Wien geplant.

"Trieft, 2. Sept. Der Oberkommissar'in Südaftika Miln er ist heute früh aus Laurenzo Marques hier ein- getroffen. Nach eintägigem Aufenthalte begibt sich Milner nach Wien, wo er mehrere Tage verbleibt und von wo er zum Kur gebrauch nach Karlsbad geht.

Helsingfors, 2. Sept. Der Polizeibürgermeister in Wiborg, Södenchjelm, der frühere Polizeibürgermeister Eckarson und Oberleutnant Aminos wurden aus Finland ausgewiesen.

Aer mazedonische Aufruyr.

Tie Pforte teilte den diplomatischen Vertretungen nftt, daß Anschläge auf die Gebäude der fremden Missionen und Konsuln zu befürchten seien, weshalb deren schärfere Ueberwachuug notwendig sei. Solche werde durch Polizei und Gendarmerie, sowie duxch die Mann­schaft eigener Stationsschiffe und aridere Kräfte durchge- suhrt. Nachrichten über alarmiereiide Ereignisse in Adr ia- nopel (tne Stadt soll danach in Flammen stehen) wurden bisher weder durch Konsularmeldungen, noch Meld­ungen der Pforte bestätigt. Auch der Geschäftsverkehr be­ginnt durcy die Alarrmrachrichten über ein angebliches Ultimatum der Pforte au Bulgarien und den bevor­stehenden Ausbruch des Krieges zu leiden. Mitteil­ungen der Pforte berichten den ^Lonsuln, die Ban den - Vorfälle im August ergeben folgende Verlustzisfern: 110 9 Tote und 30 Verwundete der Komitatschrs, 312 Tote und 19 Verwundete der Soldaten. Tie Gendarmen hatten 80 Tote und 19 Verwundete, die mohammedanischen Torfeinwohner 86 Äote und 3 Verwundete.

Nach ^Nachrichten aus Monaftir begannen Ende der vorigen Woche die Operationen größeren Umfangs zur Säuberung der vier Bandenmittelpunkte in Nevesha, Vlacho- lliszura, auf den Höhen von Peristery und Smilevo. Gegen Nevesha, welches die Komitadschis vor kurzem besetzten^ nachdem sie Die hundert Mann starke Garnison nieder ge­macht hatten, wurden vier Bataillone und eine.halbe Bat- terie von Florina entsandt, Nach 'heftigem Angriff, bei welchem auch die Geschütze tätig waren, wurde Nevesha gewonnen, §iach Llacholliszura gingen von Kastoria sechs Bataillone ab. Tie Straße, welche von Vlacholliszura be­herrscht wird, wurde erst nach einem den ganzen Lag dauernden Kampf genommen. Es heißt, daß auf beiden Seiten die Verluste bedeutend seien. Gegen die Höhen von Peristery, die Hauptsitz der Komitees sein sollen, wurden von Florina fünf Bataillone, von Monastir fünf Bataillone und zwei Batterien vorgeschickt. Tie umfassende Operation ist anscheinend nicht gelungen, da die.südliche Kolonne zu spät eintraf. Alan meint, daß die Komiteebanden Zeit fanden, zu flüchten. Die ganze Hochebene Gourde durchsucht, ohne auf Komitadschis zu stoßen. Nach Smllevo sind von sMbalci drei, von 'Ntonastir vier Bataillone abgegangen. Tie Operation ist gut gelungen, Banden von über 300 Komitadschis sollen aufgerieben sein. Unter Leitung von Pasir Pascha wird weiterhin tatkräftig gegen die Banden vorgegairgen. Bei Presba wurden zwei Dörfer nieder- gebrannt.

Gegenüber einer Meldung, das maeedonische Komitee verbreite die Nachricht, daß der Sultan, durch Deutschf- land beeinflußt, an Krieg denke, betont die Köln. Ztg.", offenkundig bezwecke doch diese Ausstreuung, Teutschland als Hetzer zum Kriege hinzustellen. Die deutsche Politik habe "kein anderes. Ziel, als Erhaltung des Friedens solange als möglich, und deshalb sei jene Aus­streuung eine Lüge. Niemals habe man in Deutschland daran gedacht, noch Oel in die Flammen zu gießen. Die leitenden Kresse wie die öfsÄtliche Meinung seien darin ganz einig. 2üenn es laut gewünscht werde, daß die Pforte dem anarchMschen Treiben ein Ende machen solle, so gehe dies aus der Anschauung hervor, daß wirtliche Reformen nur.glich seien, nachdem das Bandenunwesen aufgehört habe.

Nach weiteren Meldungen bestätigt sich die Nachricht von der Zerstörung des Klosters Procher Przinski'nicht Behufs Einbringung eines Teils der Kriegskosten in Maee- donieu wurde der Bevölkerung eine neue Steuer auf- erlegt und zwar bis zu 1000'Piaster pro Kopf.

Tem BlatteFraneais" zufolge hat eine unter dem Kommando Danews stehende bulgarische Bande das Pro­viantamt von Temotiku bei Adrianopel in die Lust gesprengt. Dasselbe enthielt 20000 Säcke Mehl.

Ails Swö! und Lanö.

Gießen, 3. Sept. 1903.

** Apotheken. Nachdem vor vier Wochen an der Schulstraße der Grundstein zum Neubau für den neuen Univ.- Apothekenbauzum goldenen Engel" gelegt worden ist, wurde heute die Urkunde feierlichst eingemauert. Die Apotheke ist seit dem 16. Jahrhundert im Hause Kirchenplatz 12 betrieben und im Jahre 1650 schon Universitäts-Apotheke geworden.

Nach Fertigstellung de§ Neubaues wird die Apotheke dorthin verlegt werden. ,, . . _

** Dem Spediteur Adam hrer wurde der Trans­port sämtlicher zur Landwirtschaftlichen Aus­stellung bestimmten Güter übertragen.

* Automobil-Rennen. Wre nur bereits kurz mit* teilten, ist beabsichtigt, im Juni nächsten Jahres das Auto­mobil-Rennen um den Gordon-Bennett-Preis von Hom­burg aus stattstnden zu lassen. Es liegt dem em Vorschlag des dortigen Oberbürgermeisters v. Marx zu Grunde, welcher auch den Kaiser kürzlich dafür zu interessieren wußte. Die projektierte Bahn ist: SaalburgKanonenstraße Schmiüen WeilburgGießenButzbachFriedbergScwlbmg» Vor­standsmitglieder des Frankfurter Automobil-Klubs wollen dieser Tage auf dieser Strecke zu diesem Zwecke eine Probe­fahrt unternehmen.

** Zucker und Bienen. Nicht nur in den Haus­haltungen und anderen Kreisen wird die Verbillrgun.g des Zuckers, die durch das am 1. d. M. erfolgte In­krafttreten der Brüsseler Zuckerkonvention herber­geführt wird, auf das freudigste begrüßt, sondern auch die Imker .haben ihre Freude hieran. Ist doch derFrucht­zucker" das' beste Ersatzmlltel für Bienenhonig zur Biencn- fütterung, auch bemerkenswert im Preise ermäßigt worden. Tie erste Honigernte war gut bis recht gut. Die Bienen haben aber nicht wieder die leer gewordenen Räume zu füllen vennocht, und so muß zur Nachfütterung ge­schritten werden. Je eher diese geschieht, desto besser. Die jetzigen schönen Tage des September eigenen sich vortreff­lich hierzu.

* Genters Bergstraße-Führer. Im Darmstädter Reiseführer-Verlag von K. P. Genter ist vor kurzem ein illustrietter Führer für die Bergstraße und den vorderen Odenwald erschienen, der auch für viele unserer Leser von Interesse sein dürfte. Der Geuter'sche Führer behandelt die Geschichte und Sage der Burgen. Ohne sich auf Weit­schweifigkeiten einzulassen, unter Vermeidung jeglichen Balastes in Gestalt langer Reihenfolgen und Geschlechternamen und Jahreszahlen, bringt GeutersBergstraße-Führer" bei jeder Burg das Wesentliche ihrer Geschichte und erzähll auch in Kürze Sagen, die auf den Rittersitz Bezug haben. Ueber dem Geschichtlichen ist selbstverständlich auch der Hauptzweck, das Führen, nicht vergessen; das kleine handliche Buch orientiert durchaus in erschöpfender Weise über alle Spazier­gänge und Ausflüge, die sich in dem Gebiet unternehmen lassen. Der Preis des mit 35 Ansichten und einer zwei­farbigen Karte ausgestatteten Führers (60 Pfg.) ist äußerst billig auf Massenabsatz berechnet.

Darmstadt, 2. Sept. S. K. H. der Großherzog empfingen am 2. September u. a. den Provinzialdirektor Dr. Breidert von Gießen, den Beigeordneten Cursch- mann von Gießen, den Leutnant der Landwehr-Kavallerü 1. Aufgebots Wenzel, kommandiert beim Jnf.-Regimenl Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, ffowie den Kaiser­lich Russischen Ministerresidenten Fürsten Kudascheff.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der Rendant der Spar- und Vorschuß­kasse in Berleburg wurde verhaftet. Er soll 60 000 2Jif. veruntreut haben.

Vermischtes.

Berlin, 2. Sept. DemBerl. Lokalanz." wird aus New-Pork gemeldet: Das KanonenbootSkorpion" kollidierte bei der Einfahrt in die Marinewerft mit einem Schleppdampfer. DerScorpion" wurde noch an die Pier bugsiert, sank dann aber. Der an Bord weilende Admiral Barker und die Mannschaft konnten ans Land springen.

*Der Vesuv befindet sich fortgesetzt in lebhafter Tätigkeit. Vorgestern wurden in der Umgebung des Vulkans zwei leichte Erdstöße wahrgenommen.

* Sprachliche Uebertreibungen.Nein, es ist doch entsetzlich!"Was denn, liebe Minna?"Ach, denke dir, Mutter, der Kuchen ist abscheulich geworden. Und ich hatte doch so schrecklich genau aufgepaßt. Und die riesig vielen Eier, die ich dazu genommen hatte! Es ist mir furchtbar peinlich, da doch heute meine Freundin Bertha kommt, und die ist so fürchterlich genau auf Kuchen. Ach, wenn ich doch noch schnell etwas anderes Her­richten könnte; aber die Zeit ist zu meinem Entsetzen schon kolossal weit vorgerückt. Ach, Mrckter, ich ärgere mich unbeschreiblich darüber! Bei meiner Freundin habe ich kürzlich so entzückend schönen Kuchen gegessen, und ich freute mich schon unsäglich daraus, mich zu revanchieren. Und nun? Ach, es ist zum Verzweifeln! Doch halt, Mütterchen, ich hab's! Eine großartige Idee! Es fällt mir gerade ein, daß Bertha so unendlich gern..." Doch, ich muß die Entwickelung dieser großartigen Idee der un­glücklichen Minna selbst überlassen, denn ich weiß nicht, was Bertha so unendlich gern ißt. Ich beabsichtige ja selbstver- lich auch gar nicht, mich in die Küchenkünste meiner ver­ehrten Leserinnen einzumischen; dazu habe ich einen viel zu großen Respekt vor denselben. Was ich sagen wollte, ist kurz dieses: Die vielen gesperrt gedruckten Wörter sind in dieser Verbindung sehr unschöne und gedankenlose Auswüchse unserer lieben Muttersprache, und sie sollten nur dort ge­braucht werden, wo etwas wirklichentsetzlich",fürchterlich", riesig",entzückend" usw. ist. Ein Mord ist entsetzlich, aber das Mißraten eines Kuchens ist doch höchstens ärgerlich. Ein Berg in den Alpen ist riesig, was man von fünf oder sechs Eiern doch eigentlich nicht behaupten kann.

* Der Zahnarzt im Löwenkäfig. Eine gefällt» llche Operation gefährlich für den Operateur und nicht für den Pattenten wurde unlängst von Prof. A. L. Princehorn' unter Beistand des Wärters Frank Heeley in inner amerikanischen Menagerie vor genommen. , Jack"^ der größte Löwe, litt seit mehreren Tagen an Zahiiweh/ und da man befürchtete, daß das Tier toll werden würde wie dies im Falle eines Löwen der Barnnmjchen Menagerie M sch eh en ist, beschloß man das Tier von dem schmerzhaften Zahn zu befteren. Äcmn.setzte Jack, nachdem man ihn mit Decken feftgebunden hatte, in Chloroform getauchte «chwamme vor. Das Betaubnngmittel wirkte, und in kurzer Zeit gelang es, den defekten Zahn zu finden und aus dem Kiefer zu losen. Erne Viertclitunde spater erwachteJack- aus feiner Betäubung und schien die Empsinduna zu haben daß er von der Qual befreit sei. ö ü ) ,

. ' M°t°risch betriebene Kinderwagen sieht man, wie die FachzeitschristThe Motor Cyele" schreibt, gegen-