Nr. 52
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Schulst ratze 7. ilbtefle tüt Deoeicheni Anzeiger «letzen. fr™1prrchanfd)lu64ii 61.
Erstes Blatt.
153. Jahrgang
Dienstag 3. März (903
GietzenerAnzeiger
*J' General-Anzeiger v
Amk- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
monatlich 7b Ps^ otertek tfibdid) Ml 2.20, durch Abhole- u. Zweigstellen monaihd) 60 M.t durch dtePost 9)3.2.— otenek läbrl aulid)L vestellg. Annahme von Anzeigen füt di, iageenumma di» vormittag» 10 Uhr.
ZeilenorelS lokal lltik eulreärt» 80 Ps^
Ce ta n i i»e <th d)i tüt den poltL a. aügem, teil B Wittko. tül .Stadt und Land' und lLerrchtSsaal' Inti Plato, füt den An- geifleiuetl £>an» B,(L
Politische Tagesschau.
Der umstrittene Schienenweg.
Man schreibt unS aus Berlin, den 2. März:
Die Meldung, daß die Regierung die Verabschiedung der ostafrikanischen Eisenbahnvorlage noch in der laufenden Session wünsche, hat in parlamentarischen Kreisen einigermaßen überrascht. Der Gouverneur Ostafrikas, Graf Götzen, ist allerdings vor drei Wochen gelegentlich des Be- grüßungsabendS, den die deutsche Kolonialgesellschaft thm und dem Gouverneur Leut wein zu Ebren veranstaltete, mit Entschiedenheit für den Bahnbau eingetreten. Doch die Regierung hat hmgenommen, daß die Zentralbahn-Garantie- Vorlage, obgleich Graf Bülow sie s. Zt. persönlich im Reichstag einführte, nach langwierigen Verhandlungen, immer neuen Bemängelungen und Aenderungen in der Kommission schließlich .kaltgestellt" wurde. Diese Pasiivität der Regierung einer Vorlage gegenüber, die angeblich die Bedeutung einer Lebensfrage für die Kolonie hat, mußte im Reichstag die Annahme erwecken, daß. auch der Negierung Bedenken über die Zweckmäßigkeit des Zentralbahnprojekts gekommen seien. Solche Bedenken waren wohl seitens des Parlaments, wie auch aus kolonialen Kreisen laut geworden. Letztere beispielsweise empfehlen an Stelle der Route Daressalaam- Mrogoro eine südlichere Linie von der Küste zum Ryasia- See mit Gabelung von Uhehe zum Tanganyika, und zwar ohne Zinsgarantie vom Reich, aber mit Landkonzesiionen ausgestattet. Kurzum, man betrachtete bisher im Reichstag die Garantievorlage in dieser Form und für die laufende Sesiion als abgetan. Ob die Regierung trotz alledem die Erledigung vor den Neuwahlen wünscht, wird sich ja bei der Beratung des Kolonialetats Herausstellen. Sicher ist, daß die Stimmung des jetzt besonders . abstrichfrohen * Zentrums nicht zur Bewilligung hinneigt. Schon der Etat für Ostafrika, das ist zu berücksichtigen, enthält eine Eisenbahnforderung, nämlich die erste Rate von einer Million Mark zur Fortführung der Usambarabah-n bis Mombo, dem Ort, welcher den Hauptteil West-Usambara aufschließt, wie die dem Etatstitel beigegebene Erläuterung besagt. Die Rate ist bereits zweimal vom Reichstag abgelehnt worden; sollte sie diesmal bewilligt werden, so würde dies wohl auf Kosten des Zentralbahnprojektes geschehen.
5>ie Enteignung des Geländes für die neuen Kliniköauten.
P. Gießen, 2. März.
Am Samstag wurde vor dem Provinzial-Ausschuß wegen der Enteignung von Gelände zur Erbauung einer Augen- und einer Chirurgischen Klinik weiter verhandelt. Es handelte sich zuerst um die Frage, ob zur Errichtung dieser Anstalten gerade das in Rede stehende Gelände erforderlich sei, was die Eigentümer desselben bekanntlich bestreiten. Als sachverständige Zeugen waren wieder der Direktor der Augenklinik Pros. Dr. Dossius und der Direktor der Chirurgischen Klinik Prof. Dr. Poppe r t erschienen. Ferner ist von Justizrat Hirschhorn, dem Vertreter der Balser-Stiftung und der Galls Erben, als Sachverständiger Regierungsbaumeister Sardemanst-
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Marburg geladen worden. Rechtsanwalt Grünewald stellte dann noch in Aussicht, daß er folgende Sachverständige zu laden beantragen werde: Medizinalrat Köhler-Offenbach, Professor Rehn-Frankfurt a. M., Kranken Hausverwalter Muhlot daselbst, sowie die Professoren Riegel und Psannen- stlle.
Rechtsanw. Grünewald überreicht einen Plan über ein anderes Projekt und betont, daß das Gelände, welches er für die geplanten Bauten Vorschläge, zum großen Teil im Besitz der Stadt Gießen sei und daher leicht und wohl ohne Enteignung erworben werden könne. Gemeint ist als Bauplatz das Terrain zwischen den bestehenden Kliniken und der „Schönen Aussicht" an der Cholerabaracke. Rach diesem Vorschlag würden durch eine Fahrstraße, von der verlängerten Klinikstraße abgehend, die neu zu erbauenden Institute von den schon bestehenden Kliniken getrennt sein. An der verlängerten Klinikstraße ist die Augenklinik gedacht, während die neu anzulegende Parallelstraste zur Klinikstraße als Zugang zur, hinter der Augenklinik zu errichtenden Chirurgischen Klinik dienen würde. Rechtsanwalt Katz befürwortet gleichfalls das Grünewaldsche Projekt, und empfiehlt in zweiter Linie ein anderes Projekt, nämlich die Errichtung der Neubauten auf der linken, nördlichen Sette der Klinikstraße, aber Wetter oberhalb von dem von der Baubehörde in Anspruch genommenen Gelände. Rechtsanwalt Nornhold schlägt noch vor, die zu errichtenden Anstalten nach Klein-Linden zu hinter der Psychiatrischen Klinik zu erbauen. Rechtsanwalt Grünewald fuhrt zu seinem Vorschläge aus, daß er nicht bestreite, daß Der Operationssaal der Chirurgischen Klinik Nordlicht haben müsse. Demzufolge sei der Haupteingang zur Chirurgischen Klinik nach der neu gedachten Parallelstraße der Klinttstraße hin auzulegen.
Bauinspektor Becker erklärt, daß jeder der gemachten Vorschläge eine wesentliche Verschlechterung der Lage der Kliniken bedinge. Das vorliegende Staatsprojekt sei die beste Lösung, und man habe nach dem Gesetz nicht nötig, sich eine Verschlechterung der Plazierung dieser Bauten gefallen zu lasten. Der Vertreter der staatlichen Baubehörde unterzieht dann den Borscblag Grünewald einer Krttik. Der Platz auf dem höchsten Punkte des Settersberges fei, well allen Winden ausgesetzt gerade für die Augenklinik, die nach diesem Projett dorthin zu stehen komme, vollständig ungeeignet. Die Straße entlang der Psychiatrischen Klinik weiter zu führen, um damit einen direkten Zugang zu der an dieser Straße gedachten Chirurgischen Klinik zu schaffen, sei nicht diskutierbar, der Staat würde dies, un Interesse der Patienten der Psychiatrischen Klinik, nie zugeben können. Wolle man dem Grünewaldschen Plan aber folgen, dann wäre ein Zugang zur Chirurgischen Klinik nur auf Zickzackwegen möglich, und dies wäre oei einem Bau, der 3/i Millionen Mark und mehr koste, unverständlich. Man würde dies, wolle man diesen Bau so wie vorgeschlagen, stellen, nicht begreifen. Bauinspektor Becker legt alsdann die Gründe dar, die gegen die Errichtung der neuen Kliniksbauten auf dem von Rechtsanwalt Katz in zweiter Linie vorgeschlagenen Gelände zwischen Wilhelmstraße und zu verlängernder Klinikstraße, oberhalb des vom Staat in Anspruch genommenen Terrains, sprechen. Infolge des dort stärker ansteigenden Geländes böten sich für die Errichtung eines so großen Baues wie die Chirurgische Klinik umso mehr Schwierigkeiten, je wetter derselbe nach oben geschoben werden solle, während durch Terrainregulierung nur unvollkommene Abhllse zu schaffen sei. Ebenso wüchsen die Schwierigkeiten für die Zugängigmachung der Augen
klinik infolge der wesentlich vermehrten Steigung, lieber den anderen Vorschlag brauche, so fährt Bauinspektor Becker fort, er wohl kein Wort zu verlieren. (Sbenfogut wie an jene Stelle könne man die Bauten auch nach Mein-Linden stellen. Redner erläutert dann den Mitgliedern des Provin- zial-Ausschusses an Hand der Pläne die ganze Disposition Des vom Staate genehmigten Bauprojekts. Der Platz, wohin das Projekt Grünewald Die Augenklinik verlege, jei der denkbar ungünstigste für die Patienten, die hier Heilung suchen wollen. Auf dem höchsten Punkt des Berges würden Die Augen tranken den ihnen überaus gefährlichen Zugwinden, und zwar von allen Seiten ausgesetzt jein. Außerdem sei aber als ausschlaggebend zu berücksichtigen, daß jeder Plan, der die Kliniten von der Frankfurterstraße als der Hauptstraße, und damit vom Bahnhofe entfernter verlege, eine Verschlechterung des Projekts bedeute. Die Entfernung vom Bahnhof betrage aber 500 Meter bis zu dem Eingang der Chirurgischen Klinik, bei dem Grünewald- schen Projekt 500 Nieter mehr als beim staatlichen, und es bedeute dies bei der Steigung 7—10 Minuten, bei einem Kranken etwa i/4 Stunde Wegs. Schon die Konkurrenz der Kliyiken der nahen Universität Marburg und der Krankenhäuser von Frankfurt a. M., wo man sogar jetzt beabsichtige, ebenfalls für Lehrzwecke eine Kranken- Klinik zu schaffen, bedinge eine möglichst bequem erreichbare Stelle für unsere Institute. Es liege im Interesse der Universität, aber auch im Interesse der Stadt Gießen, den Kranken von außerhalb unsere Kliniken bequem und leicht zugänglich zu machen. Nachdem das Gutachten der Lokalt'ommission, welches den Platz zwischen Klinik und Wllhelmstraße als den geeignetsten Bauplatz für die Kliniken bezeichnet, verlesen inoroen war, erfrört Rechtsanwalt Grünewald: Das von ihm vorgeschlagene Projekt habe den Vorzug, daß die geplanten Anstalten, fern vom Straßenlärm errichtet werden. Diesem Vorteil gegenüber spiele eine um 4—5 Minuten größere Entfernung Dom Bahnhof keine Rolle. Rechtsanwalt Grünewald stellte erneut den Antrag, die von ihm benannten Sachverständigen zu laden und bittet den Proviuzialaus- schuß, schon jetzt Deren Ladung beschließen zu wollen. Nach einer kurzen Pause in der Verhandlung erklärt Provinzial^ Direktor Dr. Breid er t, der den.Vorsitz führt, der Prov.- Ausschuß habe beschlossen, daß sämtliche vorgeschlagenen Sachverständige zu Samstag den 14. März d. I i den Provinzial - Ausschuß geladen werden sollen. .. zrat Hirschhorn erklärt, daß die hier ins Treffen geführte Entfemungssrage unwesentlich fei Es drehe sich doch nur um Anstalten für Lehrttvecke und nicht für Heilzwecke. Bisher habe es auch nicht an Krankenmaterial für Lehrzwecke gefehlt. Die Frage, die allein hier zu prüfen sei, sei nach seiner Ansicht rein technischer Natur, wobei besonders zu berücksichtigen sei die Lage der vorhandenen anderen medizinischen Institute, besonders aber auch die baulichen Verhältnisse der Stadt Gießen und deren Entwickelung in der Zukunft. Man vergesse ganz und gar. daß die Fortführung der Ludwigstraße, welche ohne Frage nach Eröffnung der neuen Augen- und Chirurgischen Kliniken weiter geführt werde, für diese eine werwolle Verbindung mit den in Frage kommenden Gebäuden Aula, Bibliothek usw., sowie auch mit einem ganzen Stadtteil bilde, und daß auch durch diese verlängerte Straße ein Teil des Verkehrs den Kliniken zugefühct werde, so daß eine Ueberlaftung der Klinikstraße durch den Bettieb der Chirurgischen Klinik nicht zu befürchten sei, wie man von
Feuilleton.
Die „Neue Musik-Zeitung" (Verlag von Carl Grüninger in Stuttgart) hat sich in Musikerkreisen längst Anerkennung und Geltung verschafft. Ihre ungewöhnliche Verbreitung und volkstümliche Beliebthett verdankt sie dabei aber noch dem besonderen Umstande, daß sie als „illustriertes Familienblatt" auch der gesamten gebildeten Mett überhaupt, wo nur immer Liebe zur Tonkunst und Interesse für das musikalische Leben zu finden ist, Anregung, Unterhaltung und Belehrung in gemeinverständlicher Form zu bieten versteht. So giebt es denn in der Tat kein anderes Blatt, welches in gleicher Melle wie die „Neue Musik-Zeitung" den Bedürfnissen des Musikfreundes und den Ansprüchen des Fachmannes zu genügen vermochte. Hervorgehoben seien beispielsweise folgende Aussätze: Persönliche Erinnerungen an Brahms, Em Oratonenentrourf von Goethe. Urteile bedeutender Männer über Mozarts Ton Giovanni, Die Musik des Urwaldes, Ein neuer Klavier- spielapparat, Bachs Orgelwerke in Klavierbearbettungen: außerdem eingehende biographische Artikel (nebst Portrats) über Isadora Duncan, Hans Psitzner u. a. Ferner brachte die , Neue Musik-Zeitung" Erzählungen, Feuilletons, kritische Besprechungen über Neuheiten im Opernhause, tm Konzert- faale auf dem Musikalienmarkte, zahlreiche Notizen aus dem Musikleben der Gegenwart, Anekdoten aus der Künstler- Welt und Texte für Liederkompvnisten. Endlich enthält jede Nummer Illustrationen, Mufttbeilagen (Lieder, Klavier- und Ensembleslücke). Zu erwähnen Ware noch der Briefkasten, der den Abonnenten Minke und Ratschlage erteilt uno kompositorische und literarische Versuche einer Beurteilung unterzieht. Trotz dieser unvergleichlichen Reichhaltigkeit beträgt der Abonnementspreis pro Vierteljahr (6 Nummern) nur 1 Mk. — Probenummern Derjenbet an Jntereffenten jede Buch- und Musikalienhandlung. ..
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so kommen wir bei der Durchsicht vom Hundertsten ins Tausendste. Zu unseren beiden Stichwörtern zurückkehrend, erfahren wir in 8 Zeilen, daß „Astilbe" zur Gattung der Saxifragazeen gehört, wie sie aussieht, blüht, in welchem Verbreitungsgebiet sie anzutreffen ist, sowie auch, daß eine aus Japan emgeführte Art oei uns als Zierpflanze gebeizt. Unb in 550 Zeilen ist Otto von Bismarck geschildert, sein Werden und Wirken, und damit auch im großen Umriß die Geschichte seiner Zett, wir finden seine literarischen Werke und die Schriften verzeichnet, die sich mit ihnen beschäftigen, endlich auch die hauptsächlichste über BiS- rnrref selbst entstandene Literatur. Ein interessantes Kunstblatt mit vier verschienenen Bismarckbildnissen ist dieser Abhandlung 6eigegcben. — Wir haben bei Erwähnung der beiden Artikel den ihnen zugeteilten Raum mit 8 und 550 Zeilen festgestellt, weil in her Raumfrage dre größte Schwierigkeit für ein Lexikon und die größte Meisterschaft gerade des Meyerschen Werkes liegt. Das Unbedeutende llrrz, bas Wichtige ausführlich zu behandeln, erscheint freilich als etwas durchaus Selbstversiändliches. Aber nur selten lassen sich die Mertverhältnisse so leicht gegeneinander ab schätz en, wie in bem Fall „Ästilbe-Bismarck". Allen Wissensck'atten bis ins einzelne ben ihnen aebührenden SRaum zuzuweisen; unter bem vielen Neuen das wirklich Bedeutende als solches zu erkennen und das oft recht anspruchsvoll aiuftretenbe Unbedeutende auf feinen wirklichen i£ert zurüllzuführen; bei Wahrung des Gesamtumfanges dafür zu sorgen, daß die Abhandlungen der ersten Bände fick nicht aus Kosten der letzten ausdehnen: das sind Aus- goben, Die an die Urteilsfähigkeit der Reoallion dtt höchsten Anforderungen stellen, die aüer auch im „Großen Meyer" mustergültig gelost smd. — Nur schwer widerstehen wir der Versuchung, auch noch über die Farbendruck- und Holz- schnllt^Tafeln sowie über die ausgezeichneten Karten-Bei- lagen zu spreu-en. Doch unser Raum ist gemessen, und fügll. mcioz" ererbe diese Dinge am besten von jedem iclvst ueuriC ■ genhett dazu bieten die Buchhandlungen.


