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03/02/1903 Zweites Blatt
 
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Sammlungen Heruler Delegierten gutgchcißen. DerEls. Volksbote" veröffentlicht heute diesen Statutenentwurf, in dem es heißt: Insbesondere fordert die Partei auf poli­tischem Wege Gleichstellung El saß-Lothringens mit den anderen Bundesstaaten, allgemeines, gleiches, geheimes, direktes Wahlrecht für den Laudesausfchuß, freiheitliche Reformen des Vereins- uni) Versammlungsrechts.

Ausland.

Windsor, 2. Febr. Der König ist an einer mit Hiebererscheinnngen verbundenen Erkältung erkrankt und mutz das Zimmer hüten.

Paris, 2. Febr. (Kammer.) Maujau bringt einen Gesetzentwurf ein, nach dem die Dauer der Hebungen der Reservisten und Mannschaften der Territorialarmee um die Hälfte herabgesetzt werden soll. Ferner be­antragt Maujan eine Abänderung zu dem Gesetze von 1889 über die Rekrutierung der Armee, nach der jedem Sol­daten jährlich ein Monat Urlaub zustehen soll. Diese beiden Reformen würden j ä h r l i ch eine Erspar­nis von etwa zwanzigMillionen ergeben, dabei aber die Ausbildung der Truppen tu keiner Weise beein­trächtigen. Auf Antrag Maujans selbst werden diese beiden Gesetzentwürfe an die Armeekommifsion verwiesen. Bei dem KapitelVerpflegung der Soldaten" wird ein Kredit von 1 200 000 Frcs. zur Verabreichung von Wein und ein Kredit von fünf Millionen Fres. bewilligt, um den Ankauf von frischem und geräuchertem Fleisch zu erleichtern. Sooann lehnt die Kammer einen Antrag Dejeante auf Abschaffung der Militärgeistlichen und einen Antrag Bouveri auf Abschaffung des kirch­lichen Begräbnisses von Soldaten ab.

Aus Stadl und Land.

Gießen, den 3. Februar 1903.

Die zweite Kammer der Landstände tritt zu ihrer 4. Sitzung am Donnerstag, den 12. Februar, vor­mittags 10 Uhr, zusammen. Auf der Tagesordnung stehen zunächst die Wahlen der Abgeordneten von Worms, Alsfeld, Pfeddersheim, Bingen, ReinheimGroß-Umstadt, Gießen, LauterbachSchlitz, LaubachSchotten, Mainz, Oppenheim OsthofenWörrstadt, Michelstadt, DieburgGroß-Umstadt, LorschGernsheimZwing en berg, ButzbachBad-Nauheim und HerbsteinUlrichstein. Zur vorläufigen Beratung im Plenum in Gemäßheit des Artrkels 33 und 35 der Geschäfts­ordnung stehen alsdann u. a.: Antrag der Abg. Köhler (Langsdorf) und Genossen, Sammelausgabe der sämt­lichen zur Zeit im Großherzogtum Hessen giftigen Gesetze, Verordnungen rc. betreffend, Antrag der Abg. Erk und Bähr, Verlegung der Haltestelle Ranstadt an der Linie GießenGelnhausen betreffend, Antrag des Abg. Leun, die Gebühren für die Fortführung der bisherigen Grund­bücher betreffend, Vorstellung des Oberbürgermeisters Mecum zu Gießen, Sonntagsruhe im Handels­gewerbe betreffend, Vorstellung der ehemaligen hessischen Unteroffiziere, die Unteroffizier - Sterbe- und Witwenkasse betreffend, Vorstellung der Großh. hessischen Domanialfor ft warte, Erhöhung ihres Diensteinkommens betreffend, Vorstellung der Steueraufseher des Groß- Herzogtums, Gehaltsaufbesierung und Versetzung in die achte Klaffe der Zioilftaatsdiener betreffend, Vorstellung der H o ch- bauaufseher und Kreisstraßenmeister, anderweite Regelung ihrer Gehaltsverhältniffe betreffend. Sodann die Regierungsvorlagen, den Hauptvoranschlag der Staats- Einnahmen und -Ausgaben für das Etatsjahr 1903/4 be­treffend, sowie Nachträge und Berichtigungen hierzu.

** Gedenktafel für Hermann Schiller. Wie wir bereits kurz mitt elften, hat sich zur Ehrung des am 12. Juni 1902 verstorbenen hervorragenden Gießener Schul­mannes und Historikers Geheimrat Hermann Schiller ein Komitee gebildet, das aus Kollegen, Schülern, Freunden und Verehrern des Verewigten besteht. Geplant ist die An­bringung einer marmornen Gedenktafel mit dem Bildnis Schillers in der Aula des hiesigen Gymnasiums, an dessen Spitze Prof. Schiller 23 Jahre lang mit bekanntem außer­ordentlich großem Erfolge gestanden hat. Das Großherzogl. Ministerium hat seine Genehmigung bereits erteilt Beiträge nimmt die Geschäftsstelle des Gieß. Anz. entgegen und wird sie dem Schatzmeister, Rechtsanwalt Rosenberg, zustellen.

* Gastspiel Christians. Im Interesse unserer Leserschaft machen mir darauf aufmerksam, daß morgen die 6. Vorstellung des Theatervereins stattsindet. Es gelangt Grillparzers »Jüdin von Toledo" mit Rudolf Christians vom kgl. Schauspielhause in Berlin zur Darstellung.

** Besitzwechsel. Verkauft wurde das Hotel-Restau­rant Riegelmann an Herrn Karl Kobel in Oberursel für den Preis von 87 000 Mk.

** Der Geflügel- und Vogelzuchtverein Gießen und Umgegend hielt gestern nachmittag im Etablissement Steins Garten eine Generalversammlung ab, die verhältnismäßig nicht sehr stark besucht war. Aus dem erstatteten Geschäftsbericht über das ab gelaufene Vereins­jahr ist zu entnehmen: Der Verein besteht seit sechs Jahren, während welcher Zett er bemüht war, der Geflügelzucht nicht nur unter seinen Mitgliedern, sondern auch weit über deren Kreis hinaus das nötige Interesse zu verschaffen. Es wurden zu diesem Zwecke im abgelaufenen Jahr folgende Zuchtstationen unterhalten, von denen Eier zu Brutzwecken an die Interessenten zu mäßigen Preisen abgegeben wurden: 1. Philosophenwald 1.10 rebhf. Italiener. 2. Röthges bei Laubach 1.3 rebbf. Italiener. 3. Birklar 1.10 schwarze Mi­no rka Neugegrundet wurden 4. Auf der Hardt bei Gießen Vereinszuchtstation 1.2 weiße Wyandottes. 5. Heibertshäuser Hof 1.6 rebhf. Italiener. 6. Pulvermuhle Gießen 1.2 Em­dener Gänse. 7. Allendorf a. L. L2 Peking-Gnten. Außer­dem unterhält der Verein in eigener Zuchtstation auf der Hardt b. Gießen 2.20 schwarze Minorka, 2.20 rebhf. Italiener. So gerüstet, hofft man auch in der kommenden Brutzeit allen Wünschen hinsichtlich der Bruteier gerecht zu werden. Der Verein zählt 152 in Gießen und 52 auswärts wohnende, im ganzen also 204 Mitglieder, gegen 187 im Vorjahr. Eine überaus rege Bereinstätigkeit wurde auch im Jahre 1902 entfaltet. Der Verein besitzt in seiner Zuchtstcttion auf der Hardt in seinem Inventar für Aussteltungszwecke, sowie in seinen Zuchtstämmen und dem vorhandenen ca. 600 Mk. betragenden Barvorrat ein Vermögen von 5379,87 Mk., auf dem allerdings noch eine Schuld von 932 Mark lastet. Während von dem Wert der Anlage bet Zuchtstatiou pro Jahr 5 Proz. abgeschrieben wttd, beträgt die Abschreibung

von dem Ausstellungsinventar 10 Proz. Die in der Versammlung vorgenommene Auslosung von Anteilscheinen an der Zuchtstation ergab als Resultat, daß die Nummern 5, 60, 28, 26, 47, 41, 11, 29, 40 und 4 am 1. April d. I. vom Bankhause A. Heichelheim mit je 25 ML bezahlt werden. Bei der Wahl des Vorstandes wurde der Weinhüudler Aug. Schwan als 1. Vorsitzender wieder- und der Apotheker S ch w i e b e r als 2. Vorsitzender neugewählt. Als Schrift­führer wurde Kaufmann Louis Hanau wieder-, als Rechner Restaurateur Aug. F e l s i n g neugewählL Brauereibesitzer Georg B i ch l e r wurde als Materialverwalter wieder- gewählt. Die Wahl der Beisitzer fiel auf Kohlenhändler Schäfer, Lehrer Schneider-Heuchelheim, Kvnr.Rüb- f am e n, Schuhmachermeister Erb und S t o h r jr. Es er­folgte noch die Wahl der Revisoren und der Mitglieder der Zuchtstation. Die Versammlung beschloß, innerhalb vier Wochen an einem Wochentage abends eine wettere General­versammlung ab^uhalten, in der außer einer Berichterstat­tung über die lÄgebnisse der Zuchtstation auf der Hardt Anträge beraten und beschlossen werden sollen, welche dem Verbände der Geftügelzüchtervereine unterbreitet werden sollen.

(?) Grünberg, 2. Febr. In der Nacht von Samstag auf Sonntag gerieten zwei hiesige Burschen in Stteit, wobei der eine durch Messerstiche schwer verletzt wurde.

ge. Neuhaus (bei Homberg a. d. Ohm), 31. Jan. Der letzte Eisenbahnzug der Sttecke Kirchhain - Nieder- Gemünden mußte heute abend gegen 9 Uhr an der Halte­stelle Neuhaus infolge Undichtwerden des Kessels längere Zeit märten. Der Zugführer schickte einen Beamten nach Hom­berg a. d. Ohm zurück, um von dort per Telegramm eine Ersatzmaschine von Nieder-Ofleiden zu bestellen. Ehe der Beamte zurückgekehrt war, hatte der Maschinenführer den Defekt am Kessel selbst notdürftig beseitigt, und so konnte der Zug die Station Nieder-Gemünden noch rechtzeitig zum An­schluß nach Fulda erreichen. Diejenigen Passagiere aber, welche nach Gießen Anschluß suchten, konnten ihn nicht mehr erreichen.

Rd. Darmstadt, 2. Febr. Am 25. Januar wurde in der Gemarkung See heim, Kreis Bensheim a. Bg. die Leiche eines unbekannten jungen Mannes an einem Baume hängend aufgefunden. Die näheren Umstände lassen auf Selbstmord schließen. Der Unbekannte wahr­scheinlich Israelit war etwa 20 Jahre alt, 1,57 cm grüß, mittelkräftig, von schlanker Statur, hatte schmales, gelbliches Gesicht, etwas gebogene Nase, braunes, dichtes Kopfhaar, desgleichen buschige Augenbrauen, Anflug von dunklem Schnurrbärtchen, gut erhaltene Zähne. Bekleidet war er mit hellgrauem Sackrock, gleicher Weste, dunkler Hose, schwarzem, weichen Filzhut, defekten Zugsttefeln, braunem Ueberzieher mit Sammetkragen, rötlicher Halsbinde, weißem, schmutzigen Vor­hemd und weißem zerrissenen leinenen Hemd. Letzteres war M. P. und ein weißes Taschentuch mit I. M. gezeichnet. In feinem Besitz befand sich ein auf den Namen »Otto König" aus Neu Heine von Adolf Salus in Pilsen am 1. Februar 1900 ausgestelltes Lehrzeugnis, sowie ein in böhmischer Sprache ausgestellter Heimatschein, datitt 12. August 1896 für Otto König, Handelskommis, geboren 1882. Auf dem Heimatschein befinden sich Stempel Heidelberg, Karls­ruhe, Hannover.

§ Langenhain, L Febr. Gestern abend kurz vor 7 Uhr hörte man in unserem sonst so stillen Dorfe Feuer- lärm. Es brannte in der gefüllten Scüeune unseres Mit­bürgers Georg Ludwig; mit verheerender Geschwindigkeit hatten die Flammen das Gebälk der Scheuer und den an­stoßenden Teil des Wohnhauses ergriffen. Unsere Feuer­wehr vermochte nicht zu hindern, daß die verschiedenen Ge­bäude des Ludwig zerstört wurden. Der Brandschaden ist groß, wird aber meist durch .Versicherung ersetzt Mit Aus­nahme des Wohnhauses sind alle Gebäude, also Scheune, Stallgebäude und Schuppen, ein Raub der Flammen ge­worden.

Frankfurt, 4. Febr. Ein betrübender Unglücksfall hat sich am Freitag abend in Rödelheim zugetragen. Die zehnjährige Tochter des Bäckermeisters Simon wurde von der Familie gegen 8 Uhr vermißt Sofort stieg der Verdacht auf, daß das Mädchen einem Verbrecher zum Opfer gefallen fei. Die freiwillige Feuerwehr, viele Vereine und Privat- perfonen aus Rödelheim streiften sogleich am Freitag Wald und Feld ab. Auch das Nied-Ufer wurde abgesucht, doch vergeblich. Am Samstag wurde wieder eine sorgfältige Durch­suchung der Nied vom Hozzegarten bis zu den sieben Bergen unterhalb der Eifenbahnbrücke veranstaltet. Ein Weißbinder- meister untersuchte bort mit einer langen Hakenstange einen Weidenbusch und entdeckte dabei ein Bein der armen Kleinen. Es kostete viele Mühe, die Leiche aus dem Weidenbufch herauszubringen. Mehrere der Suchenden waren in dem Momente so ergriffen, daß sie augenblicklich die Schreckens- ftätte verließen. Nach oberflächlicher Besichtigung waren Spuren eines Sittlichkeitsverbrechens vorhanden. Die Leiche wurde nach der Leichenhalle des Rödelheimer Friedhofs verbracht und die Staatsanwaltschaft sofort be­nachrichtigt. Wie uns heute ein Telegramm meldet, wurde der 32jährige Gärtner Strack aus Rödelheim als der Tat verdächtig, verhaftet.

Kassel, 2. Febr. Eine furchtbare Katasttophe ereig­nete sich infolge Entgleisung eines Motorwagens der elektrischen Straßenbahn. In der Marktgaffe sprang der Wagen durch Versagen der Bremse aus, gerade an einer scharfen Kurve, raste die steil abfallende Straße hinab, über­fuhr eine alte Dame, Gattin eines Kaufmannes, der beide Beine abgetrennt wurden. Die Unglückliche gab schon nach mehreren Stunden den Geist auf. Ein Kmd wurde eme Strecke geschleift und erlitt erhebliche Verletzungen. Fahr­gäste, die abgesprungen waren, wurden unbedeutend verletzt.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der Kriegerverein in Rödgen feiert am 21. und 22. Juni feine Fahnenweihe, verbunden mit lOjährigem Stiftungsfest.

Vermischtes.

* Kiel, 2. Febr. Der die hiesige Universität besuchende Sohn des Direktors der Marine-Schule, Kapitän zur See, Ehrlich, ist im Düstembrocker Gehölz erschossen aufge­funden worden.

* Rom, 2. Febr. Der König hat Marconi wegen seiner Fabnenflucht begnadigt; er kann jederzeit seiner Militär­pflicht genügen.

Paris, 2. Febr. Baron Rothschild hat den amertTa* nischen Jokay O'Kohinoor auf 4 Jahre mit einem Iahres- gehalt von 125 000 Franks engagiert. In Nanterre drangen Zollbeamte in die Wohnung eines Weinhändlers, welcher seit längerer Zeit einen schwunghaften Schmuggel mit Tabak und Zigarren betrieb. Die Zollbeamten be­schlagnahmten eine soeben eingetroffene Sendung von 200 Kilogramm Tabak, 7000 Zigarren und 20 000 Zigaretten. Der Weinhändler konnte sich flüchten.

San Nemo, 2. Febr. Die ehemalige Kronprin­zessin von Sachsen soll einem hier zirkulierenden Gerücht zufolge eine Reise nach Salzburg zu ihrem Vater planen. Als Termin dieser Abreise sei der nächste Donners­tag bestimmt. Falls der nicht sehr wahrscheinliche Plan zur Ausführung käme, würde Giron in Me ntone bleiben.

Unglücksfälle. Im Berliner Vororte Reinicken­dorf tötete die Arbeitersfrau Hlllar ihre 6jährige Tochter mit einem Rasiermesser und erhängte sodann sich selbst. Man nimmt an, daß sie die Tat in Geistesstörung verübte. Bei einem Gefängnisbrande in Rehna in Mecklen­burg kam ein Gefangener um. In einer Arbeiterwohnung in Altona explodierte eine Petroleumlampe. Ein Kind wurde getötet, ein anderes verletzt. Bei einer Dynamit- Explosion auf der ZecheEwald" bei Essen wurde ein Bergmann getötet und einer schwer verletzt. Auf Malcolm-Island brannten die Gebäude der sinnifchen Ansiedler nieder. Elf Personen wurden getötet und fünf­zehn verletzt.

* Kronprinzessin Luise. Wie derFränk. Cour." mitteilt, verlangte man in Mentone von der früheren Kron­prinzessin vou Sachsen einen Heimatschein oder doch Aus­weispapiere über ihre Person. Solche besitzt die Kron- prinzeffin nicht, und wohl auf höhere Weisung hat sich die österreichische Behörde geweigert, sie auszustellen, da die Ge- burts- und Ehematrikel dem Archiv des kaiserlichen Hauses einverleibt sind. Dott roeigerte man sich ebenfalls, der ehe­maligen Kronprinzessin jeden Ausweis über ihre Heimat und Gebutt auszustellen, um ihr den Uebertritt zu einem evan­gelischen Bekenntnis und eme Verehelichung mit Giron zu erschweren. Die frühere Kronprinzeffin hat sich nun an ihren Vater mit der Frage gewandt, ob sie wirklich seine eheliche Tochter sei, und, wenn dies der Fall, mit wel­chem Rechte man ihr den Namen dessen zu tragen verbieten könne, dessen leibliche Tochter sie sei und als dessen eheliches Kind sie in den Kirchenbüchern und Gebutts- regiftem eingetragen ist. Sie schreibt:Ich verzichte auf Rang und Titel, und habe nur die Absicht, das Recht der ehelichen Tochter des Großherzogs von Toscana zu Derlei- digen. Wenn ich es bin, fo dürfen mir die Papiere darüber nach dem Gesetz von meiner Heimat nicht oerroeigert werden. Man hat in dem ganzen Verfahren immer betont, streng nach dem Gesetz handeln zu wollen. Man soll dies beweisen, denn ein Gesetz, das die Frau aus ihrem Heimats- und Geburts­land aus Ehescheidungsgründen einfach ausweist, sie heimat­los macht, gibt es nicht. Ich werde mein Recht nicht als Frau des Kronprinzen von Sachsen, sondern als die durch Ausschließung zur Bürgerin erhobene, eheliche Tochter meines Vaters suchen und erzwingen." (??)

Diebstahl im Zarenpalast. Nach einer Meldung auS Petersburg ist im kaiserlichen Palast ein bedeutender Diebstahl verübt worden. Es wurden wertvolle Gobelins entwendet; die umfassendsten Nachforschungen sind im Gange.

Gettchlssaai.

R8. Leipzig, 2. Febr. Reichsgericht. Recht unliebens» würdig scheint sich in M a a r der Verkehr zwischen den jungen Burschen und Mädchen gestaltet zu haben. Als eines Tages einige junge Mädchen aus dem Orte nach ihrer Spinnstube gingen, wurden sie von mehreren einer anderen Spinnstube zugehörigen jungen Burschen verfolgt und mit Steinen beworfen, so daß sie unterwegs in ein Haus flüchten mußten, und zwar wollte die eine grade durchs offene Fenster Umschau nach ihren Verfolgern hallen, während die anderen zwei auf der zum Obergeschoß hinaufführenden Treppe standen, als bte eine der letzterwähnten, von einem Stein­wurf getroffen, laut aufschrie. Tie am Fenster stehende Maria Helfenbein wandte sich daraufhin nach ihrer verletzten Gefährtin um, als ihr selbst ein Holzstück von 2 Fuß Länge und 23 Finger dick ins Gesicht flog, so daß ihr Auge heftig blutete. Die Verletzte war infolge davon vier Wochen krank, und jetzt noch ist die^ Seh­kraft auf dem Auge erheblich gemindert, auch leidet das Mädchen immer noch an heftigem Kopsweh. Für diese Rohhell wurde der Landwitt Konrad Weller am 2. September vor. I. von der Ferienstrafkammer des Landgerichts Gießen wegen Körper- Verletzung mittels eines gefährlichen Werkzeuges zu einer Gefängnis­strafe von einem Monat oeruxieilt Trotz seines Leugnens erblickte der Gerichtshof in ihm den Täter, da er sich über den Fall in der Folge sehr altertert zeigte und u a. auch geäußert hatte: wenn das Mädchen blind würde, werde er sich erschießen. Der erste Richter stellte weiter fest, daß ein Stück Holz von derartigen Dimensionen als gefährliches Werkzetrg anzusehen sei, zumal wenn es einem Menschen mit aller Wucht gegen das Gesicht geschleudert werde. Der Angeklagte focht das Urteil mit dem Rechtsmittel der Revision an und rügte zur Rechtfertigung derselben Verletzung materieller Rechtsnormen, insbefondere durch Sßerlennung des Rechtsbegrists des gefährlichen Werkzeugs sowie des Begriffs des Vorsatzes, indem er noch weiter aussührte, tuenn man nach jemand werfe, brauche man deswegen doch noch lange nicht die Absicht zu haben, ihn zu treffen; es sei doch mindestens ebensogut denkbar, daß man nut den Willen darauf gerichtet habe, den anderen zu erschrecken. I" Uebereinftimmung mit den Ausführungen und bem Anträge des Reichsanwalts erkannte jedoch der erste ©traffenat au, Ver- roerfung der Revision des Angeklagten und überbürdete bem Beschwerdeführer die Kosten seines Rechtsmittels.

Handel und Verkehr. UMswirlschast

An der Berliner Börse ist der Antrag gestellt worden, 10 000 000 Mk. neue Akllen der Deutschen Bank m Berlin Nr. 175 000 bis 183 331 i 1200 Mk. und Nr. 183 332 d 1600 Mk. mit Dividendenberechtigung vom 1. Januar 1903 ab zum Börsen- handel zuzulassen.

In der letzte« Generalversammlung des Dortmunder Bauk-Bereius wurde die sofort zahlbare Dividende für das ab­gelaufene Geschäftsjahr aus 6 pCt. festgesetzt.

Magdeburg, 2. Febr. Für das verflossene Jabr l)at der Ausichtsrat der Magdeburger B e r g w erks-Gesellschast be­schlossen, eine Dividende von 35 pCt. vorzuschlagen.

Märkte.

Gießen, 3. Febr. Marktbericht. Ans dem heutigen Wochemnarki kosteten: Butter pr.Psd. 0,800,SO Mk., Hühnereier 1 St. 78 Pfg., 2 Stck. 0000 Pfg., Gänseeier 0000 Pfg^ Enteneier OVP,g., Käse pr.Stck. 58 Pf., Kasematte2Stck. 5-6Pfg., Erbsen pr.Lller 21 Pfg., Linsen pr. Liter 32 Pfg., Tauben pr.Paar 0,701,00Mk., Hühner pr.Sll 1,00-1,40 Mk., Hahnen pr. Stück 0,80-2,50 Alk., Enten pr. Stuck 2,002,50 Alk., Gänse pr. Pfd. 5460 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pstlnd 6176 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 6066 Pfg^ Schweine-