Ausgabe 
2.12.1903 Zweites Blatt
 
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Dor der ßröffnuvg des Derchstugs.

Die erste Rede im neuen Reichstag wird von einem der schweigsamsten Mitglieder des Hauses gehalten werden, vom Abg. v. Winterfei d-Menkm (kons.). Dieser einige sechzig Jahre alte uckermärkischc Landedelmann ist bekanntlich Alters­präsident und gehört dem Reichstage seit langer Zeit an, eine ehrwürdige kleine Gestalt mit weißem Knebelbart und blauen Brillengläsern. Rednerisch betätigt hat sich Herr v. Winter­feld nur äußerst selten, aber zur Stelle gewesen ist er alle­zeit. Wenn die 143 neu in den Reichstag Gewählten in dieser Beziehung den Alterspräsidenten sich zum Cluster nehmen .wollten, dann wäre das Leidwesen der Beschlußunfählgkeit aus der Welt geschafft, denn die parlamentarischeStamm* Mannschaft" würde die zur Beschlußfähigkeit erforderliche Zahl voll machen. Zutreffend dürste aber wohl die Annahme |ein, daß man auch unter den neuen Männern verschiedene be­merken wird,die nicht da sind". Für den Anfang freilich kann auf guten Besuch gerechnet werderr. Es hat feinen Reiz, sich an die parlamentarische Luft zu gewöhnen. .Gießens neuer Vertreter, Kommerzienrat Heyligenstaedl, zu deffen Ehren hier neulichunter Ausschluß der Oeffent- lichkeit" ein Abschiedsessen stattgefunden haben soll, wird der Eröffnungsfeierlichkeit beiwohnen.

Der neue Reichstag wird ein neues parteipolitischs Ge­bilde aufweisen, bie Fraktion der Lothringer, die sich durch Abzweigung von den Elsäffern konstituiert und aus vier Abgeordneten besteht, deren verhältnismäßig bekanntester der vorn Kaiser mehrfach ausgezeichnete Baron de Schmid ist. Ein besonderes Interesse wendet fiel erklärlicherweise der äußersten Linke zu, die in Stärke von 81 Mann auf den Plan tritt und unterschiedliche Ueberraschungen im Schilde führen soll. Alan spricht beispielsweise von einem Verlangen nach Wiedereinführung der alten Bestimm­ungen der Geschäftsordnung. Der Sozialdentokratie eine Vizepräsidenten stelle zu bewilligen, ist das Zen­trum, das die Entscheidung in der Hand hat, jedenfalls nicht geneigt. DieFraktion Bebel" wiederum wird nicht willens fein, diese Ablehnung ohne weiteres hinzunehmen. Es dürften also gleich in den ersten Tagen intereffante Dinge hch begeben.

Ein Berliner Mitarbeiter schrei bt uns:

Kaum, daß der Reichstag begonnen und seinBureau" gewählt haben wird, bewilligt er sich wieder ein paar Tage Ferien, abgesehen von dem katholischen Feiertag am 8. Dez. Die Unterbrechung wird damit begründet, daß die Fraktionen ihre Stellungnahme zur ersten Lesung des Etats vorbereiten wollen. Demgemäß dürfte die Etatsdebatte erst am 10. Dezember ihren Anfang nehmen. Rian kann eine minde­stens achttägige Dauer dieser Erörterungen voraussetzen. Richt nur ist das Material an Wünschen, Beschwerden, Anfragen ein gewaltiges, wie selten; vor allem muß mit der gesteigerten Redelust der verstärkten äußersten Linken gerechnet werden. Der Dresdener Parteitag gicbt andererseits den bürgerlichen Parteivertretungen Stoff genug zu Bemerkungen. Die Mög­lichkeit freilich ist ziemlich gering, daß bei dieser Gelegenheit die leidenschaftliche Fehde in den Reihen der Sozialdemokratie eine Fortsetzungvor allem Volk" finden könnte. Auf dies brüchige Eis taffen sich die Genoffen nicht locken oder es müßte denn demDiktator" Bebel auch hier das fort* reiß ende Temperament einen Streich spielen. Ein Gericht- Halten Bebel's würde von der Gruppe Vollmar-Bern- stein-Heine nicht ohne wuchtige Erwiderung bleiben. Parlamentarier also, die etwa ein solches Schauspiel offenen Bruderzwistes herbeizuführen trachten, brauchen es nur darauf anzulegen, denWächter von Küßnacht" zu reizen. Daß die äußerste Linke darnach trachtet, vor der Etatsberatung im verschwiegenem Fraktionszimmer die Differenzen zur Schlichtung zu bringen, ändert an der Situation nicht viel. 9)ian hat ja gesehen, wie nach dem Dresdener Parteitag, der doch die denkbar gründlichsteAussprache" brachte wenn man diesen harmlosen Ausdruck hier anwenden will em doppelt grimmiger Ton angeschlagen wurde. Roch eins kommt hinzu, um zu vermuten, daß das ThemaSozialdemokratie", mit oder ohne Reserve der äußersten Linken, einen breiten Raum in der Etatsdebatte einnehmen wird. Fast alle anderen Par­teien haben durch die Sozialdemokratie bei den Wahlen Ein­buße erlitten, und das regt Verlangen an, Abrechnung zu ,halten.

Jer Zi"chsyaus>alls-Ktat

für 1904 schließt in Einnahme und Ausgabe mit 2460 735 004 Mark (mehr 43 706 092 Mk.); die fortdauernde n Aus­gaben betrugen 2 057 047 075 Mk. (mehr 59 817 552 Mk.) und zwar für das Auswärtige Amt 15 552 207 Mk. (mehr 734 458 Mk.), das Reichsumt des Innern 68995157 Mk. (mehr 5 686 680 Mk.), das Reichs he er 579 267 585 Mk. (mehr 4 014 367 Mk.), das Reichsmilitärgericht 549 630 Mk. die Marine 99 827 620 Mk. (mehr 6 558366 Mk.), die Reichs­schuld 105 312 550 Mk. (mehr 6 228330 Mk.), den allge­meinen Pensionsfonds 78867320 Mk. (mehr 132? 362 Mk.), den Reichsinvalidenfonds 41 621 3b9 Dlurk (weniger 7 382 350 Mk ), die Eisenbahnverwaltuna 71460 500 Alk. (mehr 4 642 200 Mk.).

$ie einmaligen Ausgaben betragen 403687921) Mark (weniger 16111460 Mk.), davon im -ordentlichen Etat 174 551 765 Mk. (weniger 45 398 800 Mk.), und zwar für die Kolonialverwaltung 17 2861,6 Mk., das Reichsheer 38880 307 Mk. (weniger 4 507 279 Mk.), das Reichsmilitär­gericht 16 000 Mk., die Marine 88 024 370 Mk. (mehr 6 564 358 Mk.), im außerordentlichen Etat 229136164 (mehr 29 287 340 Mk.), die Eisenbahnverwaltung 6 851 500 Mk.; und zwar für das Reichs he er 32631230 Mk. (mehr 2 89? 647 Mk., die Marine 50 685 000 Mk. (mehr 3 510 000 Mark), die Eisenbahuvecwuttung 14 491600 Mk. (mehr 2 0dl 600 Mk.), dieo st a j i a t i s che Exp e di tio n 14 104 712 Mark (mehr 1 776 886 Mk.). Tectung des Fehlbetrages im ordentlichen Etat 1902 30 608622 Alk., Zuschuß zu den einmaligen Ausgaben des ordentlichen Etats 59 500000 Mark (weniger 12602 415 Mk.).

Aus den Einnahmeri ist zu erwähnen: Zölle und Ver­brauchssteuern 811 6ö2 980 Ml., Post- und Telegraphenver­waltung 480 144 130 Alk. (mehr 2)3924 030 Alt.), Eisenbahn- verwulrung 96 305 700 Mk. (mehr 8426100 Mk.-, Reicks* invalidenfonds 42 502 624 Mk. (weniger 6 441 125 Alk.), Al a - tritutarb eiträge 577645860 Mk. (mehr 11,89 626- Mark), Anleihe 214 713 352 Mk. (mehr 20018897 Mk.). Tie Ueberwei,ungen bleiben hinter den Malrnularbeiirägen um 23 714 850 Mk. (weniger 49 374 Mk.) zurück. Ter Eiaisgesetz- entwurf ermächtigt den Reichskan-lex, 214 713352 Alk.

im Wege des Kredits flüssig zu machen. Tiefe Summe " setzt sich laut Denkschrift zusammen aus den außerordentlichen Bedürfnissen des Reichs- amrs des Innern, des Reichsschatzamts, der Post- und Tete» graphenverwaltung, des Reichsheeres, der Marine, der Reichseisenbahnen und der Expedition nach O st - a s i e n , sowie aus Deckung des FebLbetrags im ordent­lichen Etat 1902, andererseits aus dem Zuschuß zu den einmaligen Ausgaben des ordentlichen Etats, wozu folgen­des zu bemerken: Tro,'- der größten Sparsam­keit fehlen zur Teckung' dieser Ausgaben 83 2 1 4 8 6 0 Mk.; davon übernahmen die Bundes­staaten an ungedeckten Al atrikular beiträgen 23 714 860 Mk., während der Rest von 59 500 000 M k. den Betrag des Anlcihezu schuss es darstellt. Da )d)iou 1902 und 1903 die Bundesstaaten sich außer Stande erklärten, mehr als rund 24 Millionen Matrikutaubeiträge zu tragen und seit 189 9 bereits über 95i/z Mil­lionen ungedeckter Matrikularbeiträge dem Reiche zuführten, ergibt sich, daß bis zur Besserung der Reichseinnahmen nochmals auf eine Anleihe zu - r ü rf g e g r i f {e n werden muß, so unerwünscht eine solche Maßnahme auch vom Standpunkt einer gesunden Finanz­wirtschaft ist.

Bon den 23 714 860 Mk., die das Reich aus seinen eigenen Einnahmen nicht aufzubringen vermag, wird wohl der Reichstag ein paar Millionen herunterstreichen, aber auch der Rest bliebezu tragen peinlich". Mehr beiläufig wird die Bemerkung gemadjt, daß das Reich ohne eine Besserung in seinen Einnahmen seine steigenden Bedürfnisse lncift bestreiten könne. Bedeutung für einen nahen Zeit­punkt scheinen danach die Steuerproiekte nicht zu haben.

Zum Schluß führt die Denk,chRst aus: Den vielfachen Wünschen auf Ein ko mm env e rb e s serun gen für Beamte steht die Erwägung entgegen, daß jedes H-eraus- greijen einzelner Klagen erfahrungomäßig zu weiteren Be­rufungen fuhrt, sowie daß auch Rückwirkungen auf die Bundesstaaten zum Teil in verstärktem Maße ein tret en müßten. Ganz besonders war bei der eben dargelegten Finanzlage dringend geboten, eine Erhöhung des Personal^ aufwands seruzuhatten. Eine Ausnahme ist für die ge- ringft besoldeten ünierbeamten gemacht, wo ein besonders dringendes Bedürfnis und Berufuiig zu gun ft en anderer im Reichsdienst nicht erwartbar ist. Ter Ansangssatz von 700 Mk. soll iept allgemein auf 800 Mk. er­höht werden. Der Mehrbedarf beträgt zusammenl 717 85. Mark.

Aus den Bemerkungen zum Etatentwurf ist noch hervor­zuheben, daß abweichend von der bisherigen Hebung zur Deckung des Fehlbetrages im ordentlichen Haushalt für 1902 3o 608 622, beim außerordentlichen Etat unter Kap. 16 der einmaligen Ausgaben eingestellt sind.

Ter Etat der R e i ch s s ch u 1 d weift solgende Ziffern auf: Einnahmen 13 700 Mark fortdaueriide Ausgaben, 105 312 550 Mk. (mehr 6 228330 Mk.), und zwar für Ver­waltung 532 500 Mk., für Verzinsung 104 780 000 Mk. (mehr 6 511700 Mk.). Tie 3h2proz. Reiwsichuld erfordert zur Ver- ziiisung 43 400 000 Mt., die 3proz. 53 505 000 Mk. (mehr 5 070 000 Mk.), die Verzinsung der zur Deckung des An- lechebedarss bestimmten Mittel 6 375000 Mk. (mehr 1441 760 Mark), sowie der zur vorübergehenden Verstärkung der ordentlichen Betriebsmittel der Reichshaupttasse aufge­nommenen Mittel 1 500 000 Mk.

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Nachdem Oberst Pavel durch seine Expedition zum Tschadsee die Gebiete im äußersten Nordosten Kameruns der deutschen Herrschaft unterworfen und dem Handel erschlossen hatte, wurde dieRiger-Benuß-Tschadsee-Expedition dorthin entsandt, um vom Standpunkte des Kaufmanns jene Gegenden zu erkunden. Die Expedition ist vor kurzem nach Deutschland zurückgekehrt. Lieber ihre Aufgaben und die Er­folge, die sie erzielt hat, äußerte sich Konsul Vohsen in einei Tischrede, die er auf dem Festmahl des Kolonialrats hielt; er sagte: Die Niger-Benue-Tschadsee-Expedition wurde von Herrn Bauer geführt und hatte die Aufgabe, den Niger- Benuö zu befahren, Erfahrungen zu sammeln und dann zu versuchen, den Tschadsee zu erreichen und über die wirtschaft­lichen Verhältnisse des Gebiets eine genaue Auskunft zu geben, woraus wirtschaftliche Unternehmungen in diesem Gebiete ein- sctzen können. Die Expedition ist mit dem Resultat zurück­gekommen, daß die Wasserstraßen des Niger und Benns für deutschen Handel absolut frei sind, daß die Transitbestimm­ungen geregelt sind, daß Stationen auf dem englischen Niger- Mfer eingerichtet werden dürfen, wo deutsche Waren nieder- gclegt werden können; sie kam ferner mit dem Resultat zu­rück, daß ein Pachtvertrag fix und fertig ist, und daß Faktoreien an den bedeutendsten Punkten des Niger jederzeit errichtet werden können, um auf den internationalen Strömen den Handel und die Kultur in unser deutsches Benuegebiet zu tragen. Die Expedition hat ferner festgestellt, was dort zu holen ist, daß sowohl der Baumwollbau gefördert werden kann, wie auch Tabakbau möglich ist, und über die Pro­dukte und Waren, die dort gehandelt werden können, die nolwendigsten Informationen beigebracht. Ich glaube, wir müssen dem Expeditionsführer, wie auch feinen Begleitern» den Herren Edlmgen und v. Waldow für die treue Arbeit sehr dankbar sein.

Vermischtes.

* Im Lause des Prozesses Kwilecki meldeten einige Blätter, daß die auf das Datum der Geburt des un­ehelichen Sohnes der Cäcilie Parcza, verehelichten Meyer, Bezug habenden Angaben in den Krakauer Tauf­büchern ausradiert feien und daß der Geburtsschein des jungen Parcza mit anderen Geburtsscheinen auch aus dem Ilalistischen Amte in Krakau spurlos verschwunden fei. Auf Grund amtlicher Erhebungen ist nun feügestellt, daß nicht nur der Geburtsschein des genannten Kindes ordnungs­gemäß in den Geburtsbüchern der Pfarre bet St. Maria in Krakau eingetragen ist, sondern auch die Anmeldung dieser Geburt im Krakauer statistischen Amte ordnungsgemäß auf­bewahrt wird. Gegen das freisprechende Urteil im Kwilecki- Prozeß wird die Staatsanwaltschaft keine Revision ein­legen. Das Urteil wird demgemäß heute (Mittwoch) abend Recht straft erlangen. Das Verfahren, das gegen Frau von Koczorowsky und Frau Kacmareck während der Haupt­verhandlung wegen Begünstigung eingeleitet wurde, ist ein­gestellt worden.

* Die Schreckenstat einer wahnsinnigen Mutter erregt in Köpenick die Gemüter. Dort hat heute

vormittag die Frau des Arbeiters Biester in einem Anfall? von Jrrsucht ihr dreijähriges Töchterchen durch Messer­stiche in den Hals getötet und dann Selbstmord versucht. Die Wahnsinnige hat sich erhebliche Verletzungen zugefugt.

Gerichtssaal.

Als zweiter Dippold entpuppte sich, wie bereits kurz gemeldet, der 15 Jahre alte Kontorlehrling einer Eisengießerei und Maschinenfabrik zu Liegnitz namens Alfred Hütter. Am 25. Juli in der Mittagsstunde lockte er den siebenjährigen Jander mit der Bemerkung:Kleiner, willst Du Dir etwas verdienen? Du kriegst zehn Pfennig", auf eine Wiese. Hier zog er einen Zettel aus der Tasche und las dem Kleinen vor:Knaben und Aiädchen düften die Wiese nicht betreten bei 5 Mark Strafei* Und weiter fragte er:Soll ich Dich nun anzeigen oder bestrafen?" Da der Kleiiie fein Geld hatte, so entschied er sich für die Strafe. Der Angeklagte schnitt sich nun eine Gerte ab und hieb dem Knaben so lange auf das Gesäß, bis er nicht mehr konnte, wohl eine h a l b e S t u n d e lang. Ter Kleine schrie jämmerlich: da aber drohte Hütter:Wenn Du nicht ruhig bist, so werfe ich Dich in den Teich." Dann entliefe er ihn mit der Weisung, daheim ja nichts zu jagen. Dies war dem Kinde aber unmöglich, es wurde krank, und der Arzt fand, daß das ganze Gesäß mit Schwielen bedeckt mar; auch stellte er eine Rückenmark- erschütterung fest. Der kleine Jander ist erst nach einer Woche genesen. Ani 29. Juli traf der Angeklagte den 11 Jahre alten Walter Fechter in der Mittagsstuiide, und am selben Tage abends den ebenso alten Erich Feist, die er in ganz ähnlicher Weise peinigte, sodaß auch diese beiden längere Zeit nicht zu >itzen vermochten. Tie Nachforschungen nach dem Täter bücbeu lange erfolglos. Eines Tages aber ging der kleine Jander die Wilhelmstraße entlang und bemerkte, wie sein ehemaliger Peiniger ans dem Fenster eines Hauses sah. Schnell lief er zur Mutter und diese ließ durch die Polizei den Täter zur Verant* mortung ziehen. Vor Gericht verteidigte sich Hütter sehr gewandt: er sei von den Kindern arg gereizt worden; wo immer er sich nur gäbe sehen lassen, seien sie hinter ihm hergelaufen, hätten ihn be- ichimpjt und mit Sternen beworfen, und da habe er sich etwa sechs oder sieben Uebeltaier herausgesucht, um an ihnen ein Exempel zu Itatuieren. Tas waren aber, roie die Beweisaufnahme ergab, Aus- ceden. Der Verteidiger führte aus, daß Hütter sich wahrscheinlich m einem Zustande krankhafter Störung seiner Geistestätlgkeit be-- lunden habe, durch welche seine freie Willensbestimmung aus­geschlossen wäre, und beantragte, ihn auf seinen Geisteszustand iintersuchen zu lassen. Das Schöffengericht lehnte aber diesen An­trag mit der Begründung ab, es habe die feste Ueberzengung, daß der Angeklagte im Vollbesitz seiner Geisteskräfte sei. Gegenüber dem nur auf 60 Mark Geldstrafe lautenden Strafantrag des Amtsanwalts erkannte der Gerichtshof auf drei Monate Gefängnis.

Eingesandt. =

Für Form und Juhaa u^c. uhul oicser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Gießer oder Gießener?

Es ist im schönen Hesfenland Ganz neuerdings ein Kampf entbrannt, In dieser Saure-Gurken-Zeit Em ganz wohlfeiler Zeitvertreib.

Wie man wohl die Bewohner nennt Von Gießen, die Ihr alle kennt, Tut man jetzt mit der Feder sechten Und auch am Biertisch eifrig rechten.

Um gütlich diesen Streit zu schlichten, Der Sprache Dunkel Euch zu lichten, Das sich gesenkt auf Eure Stadt, So höret denn auf meinen Rat:

SagtGießener" im allgemeinen! So wills grammatisch richtig scheinen, Doch meint Ihrn ur d i e Spießer, So nennt sie ruhigGießer"!

E i n Lauterbacher.

Krieskasten der Redaktion.

(Anonyme Anfragen bleiben nnberückfichtigt.)

Ein Staatsbeamter. Ihr Wunsch soll in den nächsten Tagen möglichst ersüllt werden.

Gegen Schnnpsen ist der SchnupfenätherForman" anzu­wenden, der ärztlicherseits mehr­fach alsgeradezu ideales Schnupfenmittel" bezeichnet wird. Bei leichtem Schnupfen For- man-Watte(Dose30Pfg.),bei starkem Schnupfen Forman-Pastillen (50 Pfg.), zum Inhalieren mittels Riech­gläschens. Wirkung frappant: Bei beginnendem Schnupfen fast unfehlbar. In allen Apotheken Man frage seinen Arzt. 8125

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