Ausgabe 
2.12.1903 Erstes Blatt
 
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allen grn§ei* Büh"-- si^f^vtmrg angenommen und AUW LeU schon gegeben. Nach der Meinung der Kritik ist eS das seit Jahren größte Theatercreignis. In Anbetracht der großen Kosten, welche die ersten drei Vorstellungen verur­sachten, und des ebenfalls sehr teuren Triest Bastspiels am 6. Januar 1904 wird die Vorstellung ohne Gast statt- finden, zumal sich daS Stück mit unseren einheimischen Kräften sehr gut besehen läßt. Wir fügen dieser Mitteilung hinzu, daß "dieser Tage wegen der Aufführung von Beycrleins Zapfenstreich" (Buch-Verlag: Vita in Berlin) über das Stadttheater zu Magdeburg der Militärboykott verhängt worden ist. In Berlin, Frankfurt, Leipzig, Wiesbaden, Köln rc. ist das Stück ganz unbeanstandet geblieben.

* Aus dem Bureau des Stadttheaters. Noch­mals sei auf das am Donnerstag stattfindendeSalome"* Gastspiel desSalons für alle Kunst" hingewiesen, das in Dekorationen und Ausstattung etwas ganz Eigenartiges bietet. Auf vielfaches Ersuchen, die interessante Aufführung vonMaria von Magdala" auch zu gewöhnlichen Preisen zugänglich zu machen, hat sich die Direktion entschlossen, Heyse's Werk am Freitag als 7. Freitags-Abonnenrents- vorslellung nochmals in Szene gehen zu lassen. Die Auf­führung geht in genau derselben Ausstattung wie bei der Premiöre vor sich.

Militärkonzerte. Manschreibtuns: Der Philo- fophenwald mit der Leib'schen Wirtschaft ist stets ein gern besuchter Platz, das bewies wieder das von unserer Regi- mcnlsnlusik am vergangenen Sonntag veranstaltete Konzert. Trotz ungünstiger Witterung war der große Saal fast über­füllt. Die Kapelle ließ ihre munteren Weisen erklingen und Musikdirektor Krauße spendete reiche Zugaben dem dank­baren Publikum. Für nächsten Sonntag den 6. Dezember soll nun ein zweites Militärlonzert folgen und zwar zwei Teile Streichmusik und ein Teil Militärmusik, zu welchen unter anderen berühmte alte Armee-Märsche mit von Musik­direktor Krauße eigens dazu komponierten Fanfaren für Heroldtrompeten zur Aufführung gegangen werden.

* Konzerte der Kapelle des 13. Husaren- regiments aus Mainz finden nm nächsten Sonntag, und abends, im Neuen Sa al bau statt. Die Kapelle Hal, nach Dlättermetdungen zu urteilen, diesen Sommer u. a. in Norderney mit großem Erfolge konzertiert. Der DirU gent, Stabstvompeter Otto Heinrich soll auch ein vortreff­licher Pisronbläser sein.

Dreizehn Monate auf der Zugspitze." Seit Beginn des Jahres 1900 wird des deutschen Reiches höchster Gipfel, die Zugspitze, noch um ein geringes überragt von einem wuchtigen Turmbau, und im Ium desselben Jahres eröffnete dann die kgl. bayerische meteorologische Zentral­station ihr reich ausgestattetes Observatorium. Hier, 2965 Meter hoch, ist seitdem ständig ein Assistent dieser Anstalt als

I Schwägerin je einen Nevolderschuß abgeseuert hatte, vhne diese aber getroffen zu haben. ~

vermischtes.

* Berlin, 2. Dez. Dem ,Fotolanz." zufolge har auf den Militär schießständ en in der Jungs emheide nach Beendigung der Schießübungen der L Komp, des 5. Garde- reginrents ein Rekrut, ein gebürtiger Westfale, welchem der Unteroffizier einstweilen das Gewehr übergeben hatte, durch Versehen einen Kameraden erschossen. Die Untersuchung zur Aufklärung der Schuldfrage ist einge­leitet.

* Plauen i. Vgt., 1. Dez. Gestern abend wurde die Rentiere Dannenberg von ihrer abends heim- kehrenden Tochter mit zerschmettertem Schädel in ihrer Wohnung t o t aufgefunden. Ein Einbrecher, welcher anscheinend überrascht wurde, hatte die alte Frau mit einem stumpfen Gegenstand niedergeschlagen, dann die Wohnung durchsucht und teilweise ausgeplündert. Der Täter i|t un­bekannt.

* Paris, 1. Dez. Dem aus dem Hnmbertprozeß bekannten Romain Daurignae wurde in der Gefängnis­zelle eine Zündholzschachtel mit Doppelboden abge- nornmen, die Edel st ei ne von großem Werte enthielt.

* B i l s e. Der im Forbacher Prozeß zu 6 Monaten Gefängnis verurteilte Leutnant Bilse ist nicht beurlaubt, sondern wieder in das Militärgesangnis zurückgeführt worden, wo er noch vollständig als Offizier behandelt wird. Die Ent­scheidung des Kaisers über das Gnadengesuch ist noch nicht ergangen.

Kunst und Missrnschusl.

Stock Holm, 2. Dez. Em Gericht, das in literarischen Kreisen immer mehr Glauben findet, besagt, daß der literarische Nobelpreis zwischen Hendrik, Ibsen und B y o e r n s o n ge­keilt werde. Dies soll Grund dafür sein, daß Byoernson sächsle Woche in Stockholm als Gast seines Schwiegersohnes, des Staats' mmisters Sigurd Ibsen, zubringen wird. Byoernson wird am 10. Dez. persönlich den Nobelpreis entgegennehrnen, während Sigurd Jbjen denselben mit seinem Vater in Empfang nehnien wird.

Paris, 1. Dez. In der medizinischen Akademie berichteten mehrere Aerzte über ihre praktischen Erfahrungen mit dem Tuberkulose-Serum Tr. Marinorek s. Professor Tieulasoy, der sieben Fällen oon Lungen- und Kehlkopi-Tuperkutose behandelte, spricht dem neuen Serum jede günstige Wirkung ab, dagegen beobachtete der Chirurg Monod bet allen damit behandelten Kranken eine Besserung. Es handelte sich dabei ausschließlich um lokale Tuberkulose, unb Monod hält sich berechtigt, seine Versuche fortzusetzen. Tr. Eornil befragt Dieu- lafoy, ob er im Auswurf der Behandelten eine Abnahme der Bazillen beobachtet habe und ob er von weiteren Versuchen abrate. Dieulaioy antwortet, er habe nur feine klinischen Beobachtungen mitgeteilt, es komme ihm jedoch nicht zu, em abschließendes Urteil zu fällen. Die Doktoren Ledentu und Hallopeau berichten noch aber mehrere von ihnen ohne besonderes Reiullat bebanbelte Falle.

wissenschaftlicher Beobachter tätig, der also nicht blos im Sommer, wo Tausende von Touristen den Blick von dieser Hochwarte genießen, sondern auch im Winter, wenn die blitzende Schnee- und Eisdecke Bergspitzen und Täler über­zieht und jedes Leben rings erstarrt ist, von aller Welt ab­geschnitten, seines Amtes waltet. Erster Leiter des Observa­toriums war der in Alpenvereinskreifen bereits vorher wohl bekannte Joseph Enzensp erger, der dann später dem eben heimgekehrten deutschen Südpolarunternehmen sich anschloß und auf den Kerguelen im vorigen Jahre von der tückischen Krankheit der Wissenschaft und seinen Freunden zu früh ent- riffen wurde. Sein Nachfolger auf der Zugspitze wurde unset junger oberhcsstscher Landsmann, Albert Peppler, der von August 1901 bis September 1902 diesehohe" Stelle inne hatte. Ueber die Tätigkeit und Erlebnisse während dieser 13 Monate wird Peppler, der gegenwärtig an unserer Universitär seine Studien vollendet, morgen, Donnerstag, in der Alpen­vereinssektion Gießen einen Vortrag halten, zu dem auch Gästen der Zutritt gestattet ist.

Hungen, 1. Dez. In einer Versammlung von Ver ckehrs-Jnterejsenten sprach dieser Xag-e Rechtsanwalt Sand- ftnann. Eine Verbesserung der Verkehrsverhält- 'riisse der Linie Hungen-Friedberg ließe sich er- fterchen durch Einlegung eines Zuges, der etwa um 1/2 1l Uhr vormittags in Hungen in genannter Richtung abginge, 4)ielleicht tönne man den gegenwärtig etwas früher ab gehenden Güterzug später legen und diesem einige Per fvnenwagen an hängen; dadurch hätte man dann auch An schluß nach Frankfurt und Ncmhetm. Diejenigen B-wohnei der Wetterau, welche in Hungen Geschäfte zu erledigen hätten, könnten sich somit von 8.55 vorm. bis 111/2 Uhr hier aushalten, ohne wie seither 6 Stunden hier bleiben zu müssen. Ferner wäre außer dem um 2.50 nachm. ab gehenden Zug ein solcher wünschenswert, der etwa 5.20 ab ginge und in Friedberg ebenfalls Anschluß nach Frank- furt und Nauheim hätte. Endckch könnte man den morgens .6.03 Uhr von Berstadt nach Friedberg abgehenden Zug auch von Hungen ab laufen la Jen. Um für den einen meljr eingelegten Zug einen Gegenzug zu erhalten, könnu etwa ein solcher um 11 % Uhr in Friedberg abgehen, um 'etwa um 12y2 Uhr in Hungen einzutreffen. Ter abendliche .Arbeiterzug Friedberg-Bcrfiadt könnte bann etwa 7% Uhr 'abends in Friedberg abgehen und hätte hier Anschluß -nach Gießen, Nidda und Nl.ua e. Jetzt, wo der Hungener ^Bahnhosumbau vor der Tür steht, wären diese Wunsche Wohl am besten zu berücksichtigen und eine derartige Ver- kehrsverbesferung am leichtesten durchzusühren. Im Anschluß hieran wurde ein Gemeinnütziger Verein zur Förderung der Interessen von Hungen gegründet. (Nach der H. Landpost.)

h. Mainz, 2. Dez. (Eigener Drahtbericht.) Heute mittag ist bei der Er, ai) wähl zum Landtage für den verstorbenen Abg. Philipp Haas der Redakteur an derMainzer Votksztg." Adelung gewählt worden A. hat bekanntlich erst vor einigen Tagen das Gefängnts verlassen, in dem er drei Monate wegen Majestäts -- bete i b i g u n g zugebracht hat. Heute vormittag etwa um 11 Uhr trug sich eine heftige Benzinexplosivm in der M 0 h r e n ap 0 th e ke zu. EinPrvvis 0 r wurde aus die Straße geschleudert. Beherzte Arbeiter laschten das Feuer fajnell durch Ueberwcrfen von Decken Ter Verletzte wurde nach dem Nochushospital gebracht. Man hegt ernste Besorgnisie für fein Leben. Der Luftdruck war so stark, daß zahlreiche Fengerscheiben benachbarter Häuser zerbrachen.

KleineMitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Darmstadt hat sich der Milch­händler Sch. in einer Hof racke in der Roßdörser'straße durch einen Revolver,chuß in die rechte Schlafe seicht ent­leibt, nachdem er vorher daselbst auf seine Frau und feine

Cbrrutilslnau

Gießen, 2. Dez. Gestern verurteilte die hiesige Straf- fommer den stud. med. vet. E. N. von Merzenich wegen Körperverletzung mit gefährlichem Werkzeug zu 2 Monaten Gefängnis, der rnedrigslen zulässigen Gefängnis,träte, wobei 4 Wochen Untersuchungshaft in Alirechiiung gebracht wurden. Der Haftbefehl wird aufgehoben. Ter Verurteilte hat in der Nacht vom 2. auf den 3. November nachts 2 Uhr an der Ecke der Bahnhofstraße und Neustadt auf den Kellner Lehnnurid zivei Schüsse abgegeben, wovon der eine den L. im Rücken verletzte. R. wilt in Vlohucbr gehandelt haben, weil ein Kollege des L. einen Kommilitonen von ihm niedergeschlagen hat, wozu zu befürchten war, daß L. ebenfalls tätlich werden würde. Ter Verhandlung lvohnte eine große Zahl von Studeiilen bei.

Kassel, 2. Dez. Ter F ö r st e r Johann Heinrich Fischer- Friedewald, der am J5. Juni bei einem Retlkontre aus der Larid- iiraße den mit ihm veriemdelen Kaufmann Rudolf Peter erschoß, >vurd e vom Schwurgericht f r e i g e s p r 0 ch e n.

Berlin, 1. Tez. Vor der dritten Strafkammer des Landgerichts I stand heute der s 0 z. - d e m. Reichstagsab­geordnete D r. H e r z f e l d wegen Verstoßes gegen § 1U8 des Strafgesetzbuches, weil er im Ium bei der Reichslags-Hauplwcchl in Rostock und bei der Stichwahl im ersten Berliner Wahlkreis nochmals wählte. Ter Angeklagte führt aus, er hätte einen doppelten Wohnsitz in Rostock und in Berlin. Er war in beiden Orten in b i e Wählerlisten eingetragen und überzeugt, daß es sich bei der Haupt- und Stichwahl um zivei selbständige Rechtsgcschchte hanole. Ter Staatsanwalt führte ans, nach § 7 des Reichstm.swahigesctzes könne man nur an einem Orte wählen. Tuich die einmalige Ausübung werde aas Wahlrecht erschöpft, daher sei die Stiafbarteit des Aiigeklagten zii bejahen. Dieser setzte sich über die Schranlen des Gesetzes hin­weg, um seiner Partei zu dienen. Dies fei em unehrenhaftes Verfahren, weshalb er 4 Monate Gefängnis und 1 Jahr Ehr­verlust beantrage. Tr. Herzfetd wurde zu 14 Tagen Gefäng - 111 § verurteilt.

Handel und Heilirhr. Volliüivnlschast.

Berliner Börse vom 1. Dezember 1903.

(Mtgeteilt von der Bank für Handel uiü) Industrie, Gießen.)

Ter feste Schluß der gestrigen Börje gab der Provinz Anlaß, .Realisierungen vorziiiiehmen, wodiirch die Kurie im allgemeinen nicht das Lilveau der gestrigen Llachbörse halieii konnten. Von Baiikaktlen erfuhren Temsche bei lebhaftem Verkehr eine wesent­liche Steigerung, wozu die Tlvideiideiischätzung von 12 pEt. die Anregung gab. Von sonstigen Werten sind Schifsahrlsaktien, Lübecker und vor allem Dynamits Trust Shares als sehr fest zu erivähnen. Die gute Stimmung für amerikanische Werte hielt auch oeute an und entwickelte sich später iioch weiter, als auch London yohe Kurse melöete. Ter Kafja-Jndustriemarkl zeigte ziemlich un­veränderte Tendenz.

Prioal-Diskont 38/8 Prozent.

Anfangs- u. Schlußkurse.

Oest. Kredit.... 216.60 216.25

Deutsche Bank . . . 221.90 223.10

Darmstädter Bank . . 147.75 147.87

Bochumer Guß . . . 188.60 188.40

Harpener Bergbau . . 206.80 206.37

Tendenz: Fest.

Eleitrizitäts-Jndustrie. Wenn nun auch die neueste Fusion in der deulich<n Elettrizitäts-Jlidustrie ihren Abschliiß ge- faitben hat, so wird mir noch die Elektrizitäts-Aktien Gejellschc^. vorm. W. La^ m yer u. Eo. m Frankfurt a. M. allem steuen, d. h. geivisjermaßen auf einem Jsolirfchemel sitzen. Es ist jedoch mit einiger Sicherheit anzunehnien, daß sich die Lahmeyer-Gejelljchait in nicht zu ferner Zelt der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft Union" anschlievl. Dann liegt die ganze Eleklrlzitatslndustrie Deutschlands nur noch bei zwei großen Gruppen, die sich wohl bis zu einem gewissen Grade Konkurrenz machen werden, jedoch nicht bis zu einem für beide Teile schädlichen Wettbewerb.

Bautaktien und Industrie. Jetzt, liachdem sich die erste Erregung über Die große Jnleretzengemeuischast gelegt hat, fommt man zu der lleberzeugung, daß auch die anderen Bankaktien in diesem Jahre gut gearbeitet haben inid Jntereße verdienen. Kurz, cs wird als sicher angenommen, daß die Banken ihre diesjährigen Rechiiungsabschlüsse durch stattliche, bei der Abstoßung allerer Effektenbeitäiide erzielten Gewinne angenehm zu gepalten in der Lage sein werden. Es ist mcht zu bestreiten, dag am verschiedenen 3nöu|trieaebieten eine erfreuliche Koniunlturbesserung bereits ein­

getreten ist, daß ein Umschwung auf anderen Gebieten sich anJ bahnt. Tie Verhältnisse des Geldmarktes sind durchaus dazu an­getan, L la haasse gerichtete Bestrebungen zu unterstützen, und aus diesen Momenten erklärt es sich, daß trotz der Zurückhaltung der berufsmäßigen Spekulation durch die Käiife des Kapitallsten- pnblikums die Aufwärtsbewegung des KursniveauS weiter geför­dert wird. Es wird zwar die Lage der Eisenindustrie in düsteren Farben geschildert, doch wird derartigen pessimistischen Auslassungen sehr wenig Beachtung geschenkt, weil man all­gemein annimmt, daß sie weniger diwch die tatsächlichen Verhältnisse gerechtfertigt werden, als den Zweck verfolgen, die auf Errichtung des Stahlwertsverbandes abzielenden Bestreb­ungen durch Hinweis auf die absolute Notwendigkeit dieser Jnstitiltion behufs Rettung der sonst in schwerste Bedrängnis geratenden deutschen Erseiiindustrie zu fördern. Derartige Ausführungen wird man noch ost zu hören bekommen, bis es wie beim Kohlen- syndikat geht: Im letzten Moment kommt die Geschichte zu stände, wenn sie auch anfangs noch auf etwas wankendem Grunde steht.

ZZnetkasten.

Grnnberg. Nach den Vestimmimgen des Einkommensteuer gesetzes ist eme neue Einkommensteuer-Erklärung abzugeben, wenn die Versetzung in eine höhere Klasse ersorderlich wird. Eine Kapitalremensteuererkläriing ist abzugeben, wenn die Kapitakzinsen 100 Alk. betragen, bezw. wenn die Zunahme 100 Mk. und mehr betragt. Die Abgabe der VermögenssteuerertlärungenAist zwar nur bei der erstmaligen Veranlagung des Pflichtigen unter gewissen Voraussetzungen erforderlich, doch empfiehlt sich, was auch all­gemein geschieht, zur Vermeidung unrichtiger Veranlagungen re. auch die Abgabe dieser Erklärungen bei Vermögensverschiebungen. Was die Frage anlangt, ob die Pflichtigen verbunden sind, der Steuerbehörde Anzeige über die Herkunft von Vermögenszuwachs aus Lotteriegeivinn rc. zu machen, so liegt die Sache so, daß zu­nächst eine Verpflichtung hierzu nicht besteht. Wenn indessen seitens der Veranlagungskonimission oder des Vorsitzenden im Wege der Beanstandung bestimmte Fragen gestellt werden, so ist es für den Pflichtigen zur Vermeidung gewisser Rechtsnachteile ratsam, die gewünschte Äusklärung zu geben. Mit ein paar Worten läßt sich übrigens die vorliegende Frage kaum beantworten, am besten holen Sie 'sich die gewünschte Auskunft mündlich beim Großh. Steuer-' Kommissariat ein.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Donnerstag den 3. Tezember, abends 8 Uhr, im unteren Konfirmandensaale, Kirchstraße 9; Bibe 1 stunde. Apostel­geschichte 5, 17 und folgende Veile. Pfarrer Schwabe.

Freitag den 4. Dezember, nachmittags 5 */, Uhr in dem Kon- sirmandensaale der Johanneskirche: Vereinigung der konfirmierten Biädchden der Lukasgemenide.Pfarrer Euler.

Nruckte Atelvuliaeri.

Orrginaldrahtmeldnttgen des Gießener Anzeigers.

Berlin, 2. Dez. Ein Z us a m m e n st -0 ß zweier! Güterzüge erfolgte auf dem Potsdamer Rangier- bahn Hose. Ein Güterzug, der aus dem Hauptbahnhofe ausgefahren war, LoUidierte mit einem leeren Güterzuge, Oer umrangiert werden sollte. Infolge des Zusammen­fiohes, der ziemlich heftig war, wurden mehrere Wagen und die Lokomotiven beider Züge nicht unerheblich be­schädigt. Der Unfall erfolgte durch falsche Weichenstellung, ^erjouen sind nicht verlebt.

Frankfurt a. M., 2. Dez. Die Stadtverordneten- Versammlung genehmigte nach längerer Debatte einen neuen Trambahntaris. D-cmach Werben für alle Personen unter 2000 Jahreseinkommen, ausgenommen Be­amte, Wochenkarten zu einmaliger Benutzung täglich einer Strecke bis zu 3 Km. zu 30 Pjg., für zweimalige Benutzung einer gleichen Strecke zu 80 Pjg. und Monatskarten für oeliebige Benutzung einer Strelle von 3 Km. für 5 Mk. ausgegeben. Die Kurten dürfen nur an Werktagen benutzt werden. Tie Jahresabonnements wurden erhöht.

Königsberg, 2. Dez. Bei der gestrigen Reichst tags-Ersatzwayl Goldap - S^altupönen-Darkehmen wurde für den verstorbenen Abg. v. Sperber Regierungs­rat Kr e t fy (kons.) mit großer Mehrheit gewählt.

Paris, 2. Dez. Gerüchtweise verlautet, der Archi­var Gribelin, welcher d.e Fälschungen der Do­kumente im Dreyjus -Prozeß begangen haben soll, habe heute nachl Selbstmord verübt. Eine Bestätigung oer Nachricht war in früher Viorgenstunde noch nicht zu erhalten.

Belgrad, 2. Dez^ Hier herrscht große Aufregung, weil man in zahlreichen Kreisen von einem neuen Um­stürze spricht, den die Königsmörder planen. Eine Rede Maschins in der Ossiziers-Schule, worin er den Königsmord verherrlicht, gilt als symptomatisch. Angeblich sind die Verschwörer erbittert über König Peter, der sich von ihnen abzuwenden sucht und drohen seine Abdankung und die Einsetzung einer Regent­schaft an. Als Regenten weroen Maschin, Avakumivitsch und Misitsch genannt.

Kiew, 2. Dez. Zur Aburteilung der 29 Teilnehmer an den Unruhen War ein Gericht von Universi­tätsprofessoren eingesetzt. Am 22. November war die er,re Gerichtssitzung, zu der 16 Studenten zitiert waren. Neun Waren erschienen, gaben jedoch keine Aussagen. Am 30. November war der Eintritt zur Universität nur gegen Vorweisung eines Billets gestattet. Eine Gruppe Studenten verweigerte die Vorweisung, erbrach trotz der Anwesen- yeit der Polizei die Haupttür, drang unter Lärm und Gesang in das Gebäude und richtete Ver­wüstungen an. 100 Kosaken und zwei AbteUungen P 0 l i z i si e n zerstreuten die Studenten. Gegen 1 Uhr war oie Ruye wieder hergesrellt. Zu den Vorlesungen kamen nur wenig Studenten. Mehrere Professoren ließen krankheitshalber die Vorlesungen absagen. Wegen der Unruhen Wurde die auf heute angesetzte Dotcor- promotion abgesagt. Auf Befehl des Kurators sind die Vorlesungen au der Universität und den Lehr^Ufsansialten außer an den Kliniken bis zum 3. Januar unterbrochen.

Washington, 2. Dez. General Reyes dementiert die Meldung aus Bogota, wonach die kolumbijche Junta die Ermordung des dortigen amerikanischen Ge- schäftsträgers verfügt habe.

Telephonischer Kursbericht

37j0/o Reiohbanieihe . . 102.10

3" do. . . . 91.15

3V,% Konsole .... 102.20

4°, j do.....91.15

$7te/fl Heesen .... 100 80 )*/3% Oberheseen . . . 100.00 496 Oeeterr. Goidrecte . 102.85 4* b% Oeeterr. Silberrente 101.20 -196 Ungar. Goldrente . . 100.25

Italien. Rente , . . 103.65

4- Portugieser » . . 64.40 u/ l ortug.osen.....32.70

1 % C. Türaon .... 37.15

l'ürkenluse . . . . . 143 40

4°/o Griech. Monopo.-Anl. 44.80

4* l * * 4/a% äussere Argentiner 42,90 |

8'/u Mexikaner .... 26.20 4Vs k Chinesen . . . . 91.10 Electric, oct.uckert . . . 111.00 Nordd Lloyd . . . . 105.00

Kreditaktien . . . f . 216.10 Diskonto-Kommandit. . . 197.80 Darxnstädhr Bank . . . 147.50 Dresdener Bank . . . . 159.10 Beniner Handelsges. . . 165.10 Oesterr. Staat.bahn . . . 145.40 Lombardon.....17.30

Uottharabahn .... 18950

Laurai ütte...... 239.80

Bochum ....... 188.50 llarpouer .... . 206.00

Tendenz: stüL