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2.10.1903 Erstes Blatt
 
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Nr. »31

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt dre Gießener Familien- blätter viermal in der Woche bergelegt.

biotattonH druck tu Ver» lag. der Brühl'schen Uaivers.-Buch» u, Stein» Uurfnti (Pietsch Erden)

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Erstes Blatt.

153. Jahrgang

Freitag ».Oktober 1903

GietzenerAnzeiger

M General-Anzeiger "

Amts- und Anzeigeblatt für den Meis Gießen

Bezugspreis» monatlich 75Pf^ otertel- iährlich DU. 2.20; durch Abhote- u. Zweigstellen momyltd) 6o Ps.; durch die Post DU. 2. oiertei» fährt, ausschl. Beslellg. Annahme von Anzeigen für dle Lagesnummer bis vormUtagS 10 Uhr. üettenprei»: total 12 Pf, ouSwdtiÄ 20 Wg.

für den poltt and allgem, Teil. P. Wittko: für .Stahl und Land^ und ,Gerich1«saal't 21 au ft Gütz; tüt den An» -eigenteil: pan« Beck.

OEZ

Gießen, den 29. September 1903.

Betr.: Die auf öffentlichen Gebäuden zu führenden Landesflaggen.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

a« die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.

Die auf Staatsgebäuden zu führende Staatsflagge ist hinfort bei Neuanschaffungen nach einem neuen Muster an­zufertigen, das bei uns eingesehen oder auch auf Verlangen Ihnen zur Ansicht zugesandt werden kann. Sie ist für Staatsgebäude und öffentliche Gebäude bestimmt, insofern nicht im einzelnen Falle (so z. B. für unbewohnte Gebäude, Ruinen, Türme) die Anbringung einer einfachen rot und weißen Fahne genügt.

Tr. Breidert.

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Politische Tagesschau.

Jesuiten und Bundesstaaten.

Man schreibt uns aus Berlin, 1. Oktober:

Durch die geharnischten Erklärungen auf der Haupt­versammlung des Evangelischen Bundes in Ulm ist die Jesuitenfrage erneut in scharfe Beleuchtung ge­rückt. Die Stellungnahme des Bundes in dieser Frage kommt ebensowenig überraschend wie die Behauptung der Zentrumspresse, die Mehrheit der evangelischen Bevölkerung stehe nicht hinter dem Evangelischen Bund, sondern hinter den evangelischen Reickistagsabgeordneten, die für Anf- hebung des § 2 des Jesuitengesetzes gestimmt haben. Im übrigen wird sich ja bald Herausstellen, ob für diese Auf­hebung auch im neuen Reichstag eine überwiegende Majo­rität vorhanden ist. Der Jesuitenantrag des Zentrums kommt, aller Wahrscheinlichkeit nach, bereits im Dezember im Reichstage erneut zur Verhandlung. Interessanter als das Votum der Volksvertretung wird natürlich die Erklär­ung des Grafen Bülow sein, der sich in der unerguicklichen Rolle eines Mannes sieht, dem es nicht gelungen ist, ein gegebenes Versprechen einzulösen. Doch es wird anderer­seits dem Grafen Bülow über das Peinliche der Situation hinweggeholfen werden, und zwar von niemand anderem als vom Zentrum. Ein hervorragendes Mitglied dieser Partei äußerte kürzlich, der Zorn des Zentrums bei dieser Gelegenheit werde nicht auf den Reichskanzler, sondern auf hie Regierungen der 'Bundesstaaten, mit Ausnahme Preu- ,ßens und Bayerns, sich entladen, weil diese Regierungen offenbar von der Absicht geleitet seien, hier Preußen und Bayern im Bundesrat niederzustimmen. Das Zentrum werde diesrstal kategorisch fordern, daß die Bundesrats- bevollmachtigten dieser Staaten im Reichstag das Wort ergreifen zur Präzisierung der Stellungnahme ihrer Re­gierungen. Ob dieser kategorische Appell Erfolg haben wird, ist zweifelhaft. Das Zentrum dürfte allenfalls die Ge- .nugtuung erhalten, die Herren vom Bundesrat am Re- 'gierungstisch zu sehen. Bei den früheren Jesuiten-Jnter- pellationen ließen sich die Regierungen immer nur durch einige Geheimräte im Hintergrund der Estrademarkieren".

In weitem Felde.

Ein Berliner Mitarbeiter schreibt uns untarnt 1. Okt.: Der Handelsvertrags verein hat, wie gemeldet, öeschlossen, von der Auflösung einstweilen abzu­sehen. Er hat allen Grund dazu, denn die Anzeichen deuten darauf hin, daß die Handelsvertrags frage länger auf der Tagesordnung stehen wird, als man bisher glauben konnte. Wenn man von den demnächst beginnenden Verhandlungen zwischen Deutschland und der Schweiz absieht, dann ist von einem Fortschreiten eigentlich nur zu berichten in den Ver­handlungen mit Rußland. Ohne zeitweilige Stockungen geht es indessen auch hier nicht ab. Ein gut Stück weiter zurück sind die Verhandlungen mit Oesterreich-Ungarn. Die Wiener Regierung hat wohl einen Zolltarif aus gearbeitet, aber die politischen Verhältnisse in den beiden Reichs- Hälften sind so verworren, daß es sich zurzeit nicht ab­sehen läßt, wann der Zolltarif in den Parlamenten zur Erörterung und Verabschiedung wird gelangen können. Das Zustandekommen dieses Tarifs wie des dazu gehörigen Tarifgesetzes aber ist für Oesterreich-Ungarn die Voraus­setzung für die Einleitung von Handelsvertragsverhand­lungen. Ganz im Hintertreffen steht Italien, dessen Poli­tiker sich über den deutschen Zolltarif so sehr ereifert hatten. DerKreuzztg." wird aus Rom, anscheinend aus diplomatischen Kreisen, mitgeteilt, daß Italien in der Han- delsvertragsfrage fast nichts vorbereitet habe. Was bis- ber geleistet sei, beschränke sich auf Untersuchungen des! Direktors der Banca d'Jtalia über Verhältnisse und Be­dürfnisse von Handel, Industrie und Ackerbau, eine Studie, die überdies nur zur Belehrung der Regierung dienen und den Handelskammern nicht zugleich zugänglich gemacht wer­den solle. Bei dieser Sachlage ist k a u m a n z u n e h m e n, daß der Reichstag in die Lage kommen wird, vor Öftern mit einem der größeren Handelsverträge sich zu beschäftigen. Auch diese Neuregelung der Handels­beziehungen mit England dürfte vorher kaum spruchreif sein. So deutet altes darauf hin, daß die erste Ta-gung des neuen Reichstages sich bis in den Sommer hinein erstrecken wird.

Chamberlain und Balfour über LebeusmittelzöLe.

Zu den Neudruck-Artikeln, die von dem^Daily Tele- gravv" veröffentlicht wurden unter dem TitelReichs- rezivrorität, eine Studie über die Fiskatpolitik", schrieb Chamberlain eine Vorrede, in der er die Artikel eine überzeugende Anklage gegen ^rglands gegenwärtiges ein-

ker freien Einfuhr nennt, das jetzt klare Zeichen des Versagens gezeigt habe. Chamberlain weist De? Jßorrefce die tz egnerische Behauptung zurück, daß die Frskalreformer alle Nebel der Antikornzoll- zeiten wieder heraustzubeschwören und die breiten Massen der Bevölkerung dem Hungertod aus­zusetzen bereit seien. Die Gegner der aus der Vorzugsbe­handlung sich ergebenden Lebensmittelzölle ließen die Tat­sache absichtlich außer acht, daß ein großer Teil der Staatseinnahmen schon jetzt aus den gab en von Lebensmitteln und Getränken stanrme, deren Hauptmasse von den arbeitenden Klassen verbraucht werde. Der Behauptung, daß der gan ze Betrag des neuen Zolles von den Konsumen­ten bezahlt werde, stehe die Lehre der hervorragend­sten modernen Wirtschaftspolitiker entgegen, die von den Erfahrungen bestätigt werde, welche in Schutzzollländern, wie Deutschland und Frankreich, gemacht worden seien. Auch für die Behauptung, daß die Lebensmittelzölle hohe sein würden, sei kein Grund vorhanden. Jeder Lebensmittel­zoll, der eingeführt werden wird, wird gering sein und wahrscheinlich ganz sicher, aber zum Teil vom Aus­land getragen werden, die den Arbeiterklassen entstehende Mehrausgabe wenn eine solche wirk­lich entsteht wird ausgeglichen werden durch eine gleich­wertige Ermäßigung anderer, für die Arbeiterklassen ebenso notwendigen Arftikel für den Lebensunterhalt. Andererseits können die Tarife nach dem Gesichtspunkte hin revidiert werden, daß die Zunahme des Handels unserer eigenen Untertanen und besten Kunden, sowie die Kaufkraft unserer ausländischen Wettbewerber gesichert wird, was beides un= serem Volke mehr Beschäftigung und größere Nachfrage nach unserer eigenen Arbeit verschafft. Wenn die Nachfrage nach den Arbeitskräften zunimmt, müssen auch die Arbeitslöhne steigen, und schließlich werden wir auch ein großes Stück zur Einigung des Reiches vorwärts gekommen sein, und den ersten Schritt getan haben zu freiem Handel mit der übrigen Welt.

In einer Rede, die Premierminister Balfour in der Zusammen kirnst desLandesverbandes der konservativen Vereinigungen" luelt, führte er u. a. aus :

Der Freihandel sei ein leerer Name, eine eitle Farce. Cobden habe sich niemals etwas von einem modernen Trusy- system träumen lassen, das unter dem Schutzzollwesen aust- gerichtet sei, das dem englischen Kapital wie den englip schen Arbeitern Schaden zugefügt habe. Für den gegenwär­tigen Stand der Dinge wisse er kein Heilmittel, wohl aber wisse er ein Palliativmittel. Eine Nation, die sich ihre Macht, zu verhandeln, beraube, könne nicht gute Geschäfte machen! Er verlange von dem Lande, daß es der Regier­ung Freiheit, zu unterhandeln, gebe. Er glaube nicht, daß das Land zur Einführung der Nahrungsmittelbesteuerung bereit sei. Bei dem gegenwärtigen Stand der öffentlichen Meinung sei eine Lebensmittelbesteuerung nicht innerhalb der Grenzen der praktischen Politik gelegen. Damit später niemand sagen könne, daß er unklar geredet habe, sagte er, daß er den handelspolitischen Zustand der beiden letzten Jahrzehnte zu ändern wünsche. Er wünsche den Schaden zu mildern, der England durch feindliche Tarife angetan sei. Sein Heilmittel werde Fein vollständiges sein, selbst wenn es in seinem ganzen Umfang versucht würde, und es könne nicht in seinem ganzen Umfange versucht werden, weil das Land eine Nahrungsmittelbesteuerung nicht dulden werde.

Wie übrigens aus London gemeldet wird, verlautet dort, daß Lord Miln er es abgelehnt habe, die Erb­schaft CH am berlains anzutreten. Er kehrt nach Südafrika zurück. Lord Kromer, der bisherige Gesandte tn Kairo, soll zum Satatssekretär für die Kolonien ernannt werden. Eine offizielle Bestätigung dieser Nachricht liegt jedoch noch nicht vor.

Dr. Solf.

Aus kolonialen Kreisen wird uns ge­schrieben:

Das Unzutreffende der Meldung vom bevorstehenden Rücktritt des Gouverneurs von Samoa, Dr. Solf, ist bereits festgestellt. Von einer Dr. Solf nahestehenden Seite wird oazu mitgeteilt, daß in den letzthin aus Samoa ein- gegangenen Nachrichten von einer Amtsmüdigkeit des Gon- verneurs nicht die Rede ist. Wohl aber spreche Dr. Solf darin von seiner Bereitwilligkeit, erforderlichen Falles so­fort die Reise nach Deutschland anzutreten, um dem Reichs­kanzler, der Kolonialverwaltung und dem Reichstag gegen­über sein Verhalten aus Samoa persönlich rechtfertigen zu können. Eine Aufforderung, nach Deutschland zu kommen, das er vor nicht langer Zeit verlassen hat, dürfte an Dr. Sols wohl schwerlich ergehen. Dem Grafen Bülow, Dr. Stübel und wohl auch dem Reichstag dürften die schrift­lichen Darlegungen des Gouverneurs genügen, die aller­dings voraussichtlich zum Gegenstand einer eingehenden Erörterung gemacht werden.

Deutsch?? Reich.

Berlin, 1. Okt. Wie, L .Kiel telegraphiert wird, geht auf Befehl des Kaiser^ oas SchulschiffMoltke" in Abänderung des Reiseplanes für die Zeit vom 1. bis 5. d. M. nicht nach K o n st a n t i n o p e l.

Die Wiedervereinigung d e r p f ä l z i s ch e n Bundesbauern mit der nationalliberalen Partei war Beratungsgegenstand auf einer am letzten Sonn­tag in Neustadt a. d. H. abgehaltenen Sitzung des er­weiterten Provinzialbundesvorstandes. Die Rückkehr zur nationalliberalen Partei wurde von der Mehrheit dieser ofsiziellen, von der Berliner Zentralleitung natürlich stark

beeinflußten Vol^vertreter vorläufig ab gelehnt. Es wurde eine Resolution gefaßt, in der es heißt:Der Landes- Vorstand betrachtet sich als einen integrierenden Teil des gesamten Bundes der Landwirte, und weist jeden Versuch, denBund in der Pfalz" aus dieser allgemein deutschen Vereinigung^ der Laudwilte zu lösen, zurück, wobei er er­klärt, daß für ihn keinerlei Veranlassung vorliege, jetzt irgend welche Abmachungen zu treffen." Aus diesemjetzt" wird wohl'nicht mit Unrecht entnommen, daß der Bundes­vorstand sich darüber klar ist, daß der Wiedereintritt, wenn nicht der bündlerischen Organisation, so doch der dem Bunde angehörenden Landwirte in die nationalliberale Partei auf die Dauer nicht aufzuhalten fein wird.

DerVorwärts" veröffentlicht eine Zuschrift Go ehr es vom 1. Oktober, nach welcher derselbe durch ein Schreiben an das Bureau des Reichstags und an den Parteivorstand sein Mandat .zum Reichstage nie­derlegt. Dies wird mit dem Mißtrauen, dem er feit Jahren in Parteikr eisen begegnet, namentlich mit den auf den Berliner Parteiversammlungen vom 29. September gegen ihn gerichteten Eingriffen begründet.

Kiel, 1. Okt. Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen haben sich heute abend zu den Hochzeitsfeierlich- keiten nach Darmstadt begeben.

Hamburg, 1. Okt. In der gestrigen Bürgerschafts­sitzung teilte Senator Oswald mit, es seien Vorbereitungen im Gange, wie sich >zweckmäßigst eine spezielle Beitrags­leistung der Interessenten zu den Kosten der Korrektion der Unterelbe herbeiführen lasse. Diese Maßnahme be­ruht nach unserer Jnformatimr auf der Erwägung, daß für sehr große Schiffe, denen die Korrektion des Flußlaufes in erster Linie zu gute komme, zugleich auch eine Ersparnis der Unkosten dadurch erzielt wird, daß Leichterungen, Fahr­unterbrechungen und dergleichen vermieden werden, ^ic Beisteuer der Interessenten würde also die Form einer be­sonderen Donnen ab gäbe für Schiffe von sehr großem Tief­gänge annehmen können.

Rostock, 1. Okt. Die dänische JachtDanebrog" passierte um 2i/2 Uhr Wctrrremückde, ohne anzulegen, und fuhr nach Gjedser, wo die dänischen 5)errschasten an Land steigen werden. Der Großherzog und die übrigen Fürstlich­keiten sind gegen 4 Uhr nachmittags von hier nach Schwerin ab gereift Gegen 1.30 Uhr kehrten die dämschen Herr­schaften vom Mhlosie nach demDanebrog^^ zckrück. Der Grpßherzog, Prinz Heinrich her Niederlande und Herzog Friedrich von Mecklenburg geleiteten die hohen Gäste zum Landungsplätze. DerDanebrog" ging alsbald in der Richtung nach Warnemünde in See.

Köln, 1. Okt. Hier ^ist rmumehr auch ein Aerzte- streik aus gebroch en. Sämtliche Kassenärzte verlangen ein Mindesthonorar von 3 Mk. pro Mitglied und Jahr mit der Bestimmung, daß Beschwerde^! nur durch eine Kom­mission, die aus Aerzten 'und Kassenmitglledern besteht, unter Leitung von unparteiischen Sachverständigen beigelegt werden. Nachdem die Kassenvorstände das Verlangen der Aerzte abgelehnt haben, haben sämtliche Aerzte ihre Kün­digung eingereicht.

München, 1. Okt. Prinzregent Luitpold richtete ein Telegramm an den Zaren nach Wien, worin er für die Auszeichnung des ersten Ehevauxleger-Regiments, dessen Inhaber der Zar ist und das dieser auf der Durch­reise in Nürnberg auf den Bahnhof befohlen halte, herz­lichen Dank sagt. Gestern fand zu Ehren des hier ütfogni6> weilenden Königs von Rumänien Familientafel statt.

Ein bayerisches Verkehrsministerium soll am 1. Januar 1904 in Tätigkeit treten. Seinem Ressort werden zugeteilt werden: die Staatseisenbahnen mit den ihnen an gegliederten Verwaltungszweigen, nämlich dem Betriebe des Ludwig-Tonau-Main-Kmrals, der Bodensee- dampfschiffahrt und der Kettenschleppschissahrt auf dem Maine; b) die Posten und Telegraphen nebst dem Telephon- Wesen; c) die Aufsicht über die 'Privateisenbahnen einschließ­lich der Straßenbahnen; h) die Beaufsichtigung des Schiff­sahr tsbetriebes auf Binnenseen, Flüssen und Kanälen.

2 er BayerischeLandwirtschastsrat hat zur Frage der F l e i s ch v e r s o r g u n g nachstehenden Beschluß, einstimmig gefaßt: /

Unter Bezugnahme auf die Zentralversammlung vom 28. September 1903 erklärt der Bayerische Landwirtschasts- rat: 1. die Viehzucht Bayerns befindet sich zurzeit in einem erfreulichen Zustand, der die Fleischversorgung des Landes unbedingt gewährleistet. 2. Den Wünschen ein­zelner Städte, namentlich Münchens, nach einer ver­mehrten Zufuhr von Groß-Schlächtvieh erster Qualität wird durch Gewährung der Einfuhr von Schlachtrindern aus Oesterreich-Ungarn genügend entsprochen. 3. Wenn auch in der Zentralversammlung vom 28. September d. I. einige M einun gsver schie denheit en über die Erweiterung der bestehenden Einfuhrbedingungen für Zug- und Nutz­vieh aus dem Auslande zum Ausdruck kamen, so hegt der Bayerische Landwirtschaftsrat mit Rücksicht auf die bezüglichen bestimmten Aenßerungen des Staatsministers des Innern, Frhrn. v. Feilitzsch, das feste Vertrauen, daß die verbündeten Regierungen niemals den Schutz der deutschen Viehbestände aus dem Auge taffen werden.

Der Bauer nbun d für Altbayern, der öa9 Oktober- fest zu einer Gen eralver sa mm lun g, benützte, hat beschloffen, sich mit dem Bund d er Landwirte nicht zu ver- guicken, aber ihn auch nicht zu bekämpfen, wenn er den Bauernbündlern nichts in den Weg legt. Eingesetzt wurde eine Kommission, welche die liebem ahme der ge­samten Schul la st en auf den Staat beraten und dazu Vorschläge machen soll.

Gestern fand eine große sozialdemokratische Versammlung statt, in welcher über den Dresdener Parteitag verhandelt wurde. Die Grundstimmung aller