türkischen Häfen und Anwendung von Repressalien gegen den türkischen Handel. Dieser unvernünftigen Anregung stefit eine vernünftige gegenüber, nämlich die der „Evening Post", die den Präsidenten Roosevelt ausfordert, die Schiffe zurückzuziehen. Ties ist auch vom Standpunkte der europäischen Mächte, die auf dem Balkan interessiert sind, nur zu wünschen. Durch ein rigoroses Vorgehen der Vereinigten Staaten gegen die Pforte würde die orientalische Frage in der bedenklichsten Weise kompliziert, wie sich denn überhaupt das Auftreten des amerikanischen Elements im Orient als unheilvoll erwiesen hat. Daß die Verhandlungen der Mächte mit der chinesischen Negierung nach den Wirren sich in die Länge zogen, war bekanntlich gleichfalls den amerikanischen Quertreibereien aufs Konto zu setzen. Vielleicht ist Präsident Roosevelt doch noch besonnen genug, sich nicht mit politischen Abenteuern in Europa zu befassen. Immerhin ist die Hoffnung darauf gering angesichts der hartnäckigen Konsequenz, mit der die amerikanischen Vertreter trotz aller türkischer Dementis die Sache als ernsthaft beurteilen. Staatssekretär Hay erhielt von dem amerikanischen Konsul in Beirut, Raondal, das erste direkte, vom 31' August datierte Telegramm, lautend: „Der A n s ch l a g aus das Leben Magelsens ist fehlgeschlagen. Er ist demselben nur mit knapper Not entgangen und trug keine Verletzungen davon."
Ein von Belgrad aus verbreitetes Gerücht, daß das macedonische Komitee die Ermordung eines eng lisch en Konsuls oder eines englischen Zeitungskorrespondenten .sowie ein Bombenatten tat gegen die in Mon astir befindliche amerikanisch e Mission beschlossen hätte, wird von feiten des Komitees als eine böswillige Erfindung bezeichnet. Im Gegenteil sei kürzlich beschlossen worden, den Bandenführern aufs strengste ein- zulchärsen, Ausschreitungen gegen die christliche Bevölkerung sowie gegen die Fremden zu vermeiden und diese nach Kräften zu schützen. Ferner verlautet, das macedonische Komitee habe seine Forderungen selbst an die allerhöchste türkische Stelle gerichtet. Die Ueberwachung des Jildis und und des Zentraldepartements wurde' deshalb neuerdings verschärft. Auch dre russische Botschaft soll Drohbriefe erhalten haben. — Nachrichten aus Adrianopel zufolge, ist der Kommandant von Kirküisse, Wehbi Pascha, abgesetzt und durch den Generalstabsoberst Jsrnai Bey, der zum Generalmajor befördert worden ist, ersetzt.
Ein Dorf im Bezirk Tibre im Wilajet Monastir ist angezündet worden. Es wird fortgesahren, die Dörfer in der Gegend von Kaza und Sischewo einzüäscher«. — Nach gestrigen telegraphischen Mitteilungen aus türkischer Quelle sollen mehrere Banden auf Beschluß der jüngst in Sofia stattgehabten Versammlung der macedonischen Komitees vorbereiten, die Grenze bei Küstendil und Bidwitza zu überschreiten. Im Verlaufe des bei dem Dorfe Smi- lewo im Bezirk Kazzagostos, Wilajet Monastir, stattgehabten Zusammenstoßes wurde eine 60 Mann starke Bande gänzlich aufgerieben. Während 9 Tagen sind im Wilajet Monastir über 300 Komitadschi getötet und verwundet worden. Bei Tirnowo fanden drei N a ch t kä m pf e statt. Seit der Ankunft des Kommandanten der Artillerie aus Adrianopel, Schukri Pascha, ist die Verfolgung der Banden wesentlich wirkungsvoller. Einige kleine Truppen- und Gendarmerieabteilungen aus Kirkilisse und Tirnowo werden seit Beginn der Bewegung vermißt. Es wird geglaubt, daß jie sich in den Gebirgs- und Waldgegenden verirrt haben. Tie Abwanderung der Bewohner des Grenzgebietes nach Kirki- lisse dauert fort. — Komiteebanden griffen seit dem 18. August drei Grenzwachthäuser an und steckten diese in Brand. Von den 25 Mann der Besatzung retteten sich 9.
Tas Strumitzagebiet befindet sich nunmehr ebenfalls in vollem Aufruhr. Hierdurch wird die Situation für Bulgarien kritisch.
Aus Konstantinopel wird noch der „Frkf. Ztg." berichtet: 200 Bulgaren, unter denen die Polizei vier Mitglieder des Komitees gefunden haben will, wurden verhaftet. Bei Monastir wurde eine große bulgarische Bande aufgerieben, 20 Insurgenten wurden getötet.
_Jn Petersburger diplomatischen Kreisen verlautet, daß Rußland demnächst die Frage wegen Ernennung eines christlichen Gouverneurs für Macedonien bei den Vertragsmächten anregen werde.
Das Fest der Thronbesteigung des Sultans wurde am 1. d. M. in Konstantinopel in feierlicher Weise begangen. Es verlief ohne Zwischenfall. Bei dem aus diesem Anlasse stattfindenden Empfange hielt der ökumenische Patriarch im Namen sämtlicher erschienenen Oberhäupter der verschiedenen Kirchengemeinden eine Ansprache, in der er unter anderm sagte: Indem wir unser Antlitz mit Abscheu von den Uebeltätern abwenden, und ihre Handlungen nicht billigen, vertrauen wir auf das Wohlwollen Ew. Majestät.
Die internationale Bereinigung zum Studium der Wittelstandsfrage.
Stuttgart, 1. Sept.
Der internationale Mittelftandskongreß zu Antwerpen hatte eine Kommission mit der Aufgabe betraut, zur Konstituierung eines internationalen Verbandes für den Mittelstand und Errichtung einer internationalen Sammelstelle des aus den Mittelstand bezüglichen Materials die vorbereitenden Schritte zu tun. Tie Kommission hat zahlreiche Autoritäten verschiedener europäischer Staaten auf dem Gebiete der Mittelstandsfrage nach Stuttgart zu einer Versammlung eingeladen. An den Beratungen, die heute begannen, nahmen u. a. teil: als Vertreter des Ministeriums des Innern Ministerialdirektor v. Mosthaf, Präsident Heiligenstädt, Direktor der preußischen Zentral-Ge- nossenschaftskasse, als Vertreter des Landesverbandes bayerischer Handwerkergenossenschaften Dr. Kroidl^ Professor Blondel-Paris, Ministerialdirektor Stevens-Brüssel, Professor Brants-Löwen re. Ministerialdirektor Stevens als Liel der Vereinigung, das Material über alle Mrttelstandsfragen und alle sich mit der Mittelstanös- srage beschäftigenden Bücher zu sammeln. Bei der Beratung der Statuten empfiehlt Präsident Heiligen städ t i)te Ausdehnung der Arbeiten sowohl auf den städtischen als den ländlichen Mittelstand, denn bei dem ausgebildeten x ä äb un^_ allgemein geübten Freizügigkeit
E^blstandes ließen sich städtischer und ländlicher gar Nicht trennen. Aus einem Kataster über das ganze Gel- nojtenschaftsweseri in Deutschland, das gegen Ende dieses oder anfangs nächsten Jahres erscheinen werde, ergebe sich, dag eme solche Unterscheidung unmöglich k Man accep- .daraufhin die Ausdehnung der Adelten auf den ländlichen und städtischen Mittelstand.
Die hauptsächlichsten Bestimmungen der Statuten des neuen Verbandes besagen: „Zum Studium und zur Er- rterung der Mittelstandsfrage wird eine internationale i
Vereinigung gegründet, in welcher die Behandlung konfessioneller und politischer Fragen selbst dann ausgeschlossen bleiben soll, wenn sie die Interessen des Mittelstandes zu berühren scheinen. Ter Verband verzichtet auf jede Propaganda zu Gmlsten eines Reformprogramms und auf jede Beeinflussung der bestehenden Interessengruppen für die allgemeinen und persönlichen Studien seiner Mitglieder. Der Verein kann auch die Veranstaltung von Kongressen unterstützen, die Nichtmitgliedern zugänglich sind."
Tas Präsidium des Verbandes wechselt alle drei Jahre unter den dem Verbände angehöreuden Ländern. Für die nächsten drei Jahre wurde es Teutschland übertragen, nach,- dem die belgischen Vertreter abgelehnt hatten.
In der Nachmittagssitzung fuhr der neu gegründete Verband in der' Beratung der Statuten fort. Die Arbeit des Verbandes ist in der Weise gedachh, daß die Mitglieder des aus je zwei .Vertretern der verschiedenen Länder bestehenden Ausschusses das Material in den Ländern sammeln und an das Sekretariat, dessen Sitz in Brüssel ist, ein senden. Mit dem Sekretariat ist eine Zeutralbibliothek und ein Archiv verbunden. Eine Veröffentlichung des Ma- terials erfolgt nach Weisungen des Ausschusses.__________
Aus Atadt und Lund.
Gießen, 2. Sept. 1903.
* * S. K. H. der Großherzog wird, wie wir hören, am 10. d. Mts. um 12 Uhr hier eintreffen, sich sofort zur landwirtschaftlichen Ausstellung begeben, bis etwa 2 Uhr dort verweilen, an dem Essen teilnehmen und wohl um 3 Uhr etwa unsere Stadt wieder verlassen.
* * Die in Gießen einquartierten 118er werden am Donnerstag, den 3. September, im Garten des Neuen Saalbaus ein großes Extrakonzert veranstalten. Die Kapelle hat bereits am Sonntag in Klein-Linden gezeigt, daß sie hohen Anforderungen gewachsen ist. Bei ungünstiger Witterung findet das Konzert im Saale statt.
* * Die 117er aus Mainz werden am Samstag dem 5. September im Jagdschlößchen zu Dutenhofen konzertieren.
* * Haupttreffer. Ein erheblicher Teil des Haupttreffers, 25 000 Mark, der Gothaer Lotterie fiel auf Nummer 11602 in die Kollekte des Hauptkollekteurs Werler in Gießen.
* * Ein Eisenbahnunfall hat sich gestern, wie uns ein Mitreisender mitteilt, zugetragen. Der fahrplanmäßig 5.45 abends von Frankfurt a. M. nach Kassel abgelassene Personenzug hatte kaum den Bahnhof Frankfurt verlassen, als ein anscheinend in den 30er Jahren stehender Mann von der Böschung aus sich über die Schienen legte, wobei ihm der Kopf abgefahren wurde. Mit Ausnahme der letzten vier Wagen ging der ganze Zug über die Leiche hinweg. Es entstand eine Zugverspätung von nur ca. 6 Minuten.
X Kinzenbach, 1. Sept. Die reiche Zwetschen- e rnte, die uns die Gunst des Wetters in Aussicht stellt und einigermaßen das fast gänzliche Fehlen der Aepfel verschmerzen läßt, scheint sehr frühe ihren Anfang zu nehmen. Kaurn zeigen die Zwetschen das erste Blau, so beginnt auch schon eine starke Nachfrage. Auswärtige Händler wetteifern im Kaufpreis miteinander, indem sie die Zwetschen schon in Waggonladungen aufkaufen. Während in der vorigen Woche ür den Zentner 2.80 Mk. geboten rvurden, hat sich in diesen Tagen ihr Preis schon auf 3.30 Mk. erhöht. Bei solchen: Angebot schlagen unsere Landleute so viel los als sie abernten können.
k- Lich, 1. Sept. Tie Weiterführung der nahezu vollendeten Bahnstrecke Butzbach-Lich über unsere Stadt hinaus bis Grünberg beschäftigt schon jetzt die in Betracht kommenden Gemeinden sehr lebhaft. In aller Kürze soll in unserer Stadt eine Versammlung der Bürgermeister der Gemeinden Nieder-Besfingen, Ober-Bessingen, Münster, Ettingshausen, Queckborn und Grünberg stattfinden. Auch die Landtagsabgeordneten werden daran teilnehmen. Erst nach Weiterführung bis'Grünberg wird die Bahn ihren vollen Wert erhalten und für den Bergbau und die Industrie ein neues Gebiet erschließen. Queckborn besitzt ein großes Holzschnerdewerk und bedeutende Lungsteinbrüche, Ettingshausen und Ober-Bessingen sind reich an vorzüglichen Basaltlagern, und bei Münster liegen Braunkohlen. Tie Gemarkungen Ettingshausen und Nieder-Bessingen besitzen viel Roteisenerze; die Gruben mußten vor Jahren infolge zu hoher Transportkosten eingestellt werden. Alle diese Bodenschätze würden durch die Bahnstrecke an Wert gewinnen, den betreffenden Gemeinden Verkehr und Industrie und den Bewohnern Verdienst bringen.
-i- Friedberg, 1. Sept. Heute fand die Entlassung der Kandidaten des evangel. Predigerseminars statt. Das Seminar wurde im abgelaufenen Semester von 18 Herren besucht, von welchen 12 entlassen wurden. Voraussichtlich treten nur sechs Kandidaten ein. — Nächsten Sonntag findet auf der städtischen Seewiese ein großes Jugendfest verbunden mit Sedanseier statt. — In Bruch en-Brücken brach gestern nachmittag Feuer aus, wobei die mit Getreidevorräten gefüllte Scheune des Gemeindeeinnehmers ein Raub der Flammen wurde.
Z Schotten, 1. Sept. Kreisstraßenmeister Hohenadel t mit dem heutigen Tage in den Ruhestand getreten. Nahezu 35 Jahre stand er im Dienste des Kreises. Den Rest seines Lebens gedenkt er bei seinem Sohne (Uhrmacher Hohenadel) in Vilbel zu verbringen.
-h- Vom oberen Vogelsberge, 1. September. Der Hagelschaden, den das Unwetter vorige Woche verursachte, i't größer, als man anfangs dachte. Jeden Tag begehen Taxatoren der verschiedenen Hagelversicherungen die Felder. Viele Landwirte erhalten ganz ansehnliche Beträge.
Darmstadt, 1. Sept. Seine Königliche Hoheit der G r o ß h e r z o g wohnten gestern vormittag auf dem Truppenübungsplätze den Besichtigungen der Infanterie-Regimenter Nr. 115 und 168 durch den Herrn Kommandierenden General bei.
RB. Darmstadt, 1. Sept. Die Großh. Landesbrand küsse wird auch in diesem Jahre wieder ansehnliche Beträge aus ihren Ueberschüssen an alle diejenigen Gemeinden Hessens verteilen, welche eigene Wasserleitungen besitzen und die für die Benutzung bei Bränden erforderlichen Hydrantenanschlüsse eingerichtet haben. Es ist bekanntlich statutenmäßig ein Teil des Ueberschusses an diese Gemeinden zu überweisen, der als Beitrag zu den Kosten des Feuerlöschwesens derselben bestimmt ist. Für Darmstadt soll diesmal der zu überweisende Betrag aus den Ueberschüssen sich auf etwa 30 000 Mk. belaufen.
-k- Mainz, 1. Sept. Eine s ozia ld e m o kr a ti s ch e T e l e g i e r t e n v e r s a rn in l u n g des Wahlkreises Mainz-
Oppenheim beschloß . betreffs des Rei ch s t a g s p r ä di ums, die Angelegenheit der Reichstagsfraktioiu zur Erledigung zu überweisen. Ferner nahm die Versammlung eine Resolution an, nach welcher die alljährlicsie Maifeier auf Temonstrationsversammlungen am Abend beschränkt werden soll. — Wie die „M. N. Nachr." wissen wollen, werde der Raubmörder Tetrojs, der anfangs dieses Jahres in Sponsheim seine Tun ie beraubt und ermordet hat und dieserhalb zum Tode verurteilt wurde, kommenden Samstag hin gerichtet werden., da der Großherzog die Begnadigung versagt habe. Eine Bestätigung der Mitteilung bleibt abzuwarten. — Die Eröffnung der hiesigen T h e a l e r s a i s o n findet am 15. September statt und zwar mit Gorkis „Nachtasyl", dem als erste Opernvorstetluug Wagners „Walküre" folgt. Tue alsdann zunächst zur Aufführung gelangenden Werke si.td der Wajsenschmied, Loqe^Mn, Traviara, Trompeter, Vogelhändler, Landstreicher, Hochtourist, Liebesschaukel und Romeo und Juliei
sc. Wiesbaden, 1. Sept. Louis A otha trifft nächste Woche zu längerem Kurgebrauche h ier ein. Er nimmt in der Villa „Prinzessin Luise" Wohn ung. In der Villa wohnt schon sett längerer Zeit Bothas Schwester.
sc. Hanau, 1. Sept. In Mittelbucyen ertränkte sich die Frau des Cigarrenarbeiters W. Kaiser I. in einer Jauchengrube. Als Motiv der Tal. wird längere Krankheit angegeben.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Nach dem Monatsbericht der Arbeiterkolonie Neu- lllrichstein für August befanden sich dort Ende August stellen-, bezw. arbeitslos 52 Mann. — Der neue Oberpräsident von Hessen-Nassau, v. Wi.ndheini, ist in den Ehrenausschnß des Stenographen-Verbandes Stolze- Schrey für den bevorstehenden Stenographenkag in Frankfurt a. Dl. eingetreten. — Die Enthüllung des Grabdenkmals für den verstorbenen Ehrenbürger deic Stadt Frankfurt a. M., Staatsmiuister Dr. v. Miquel, auf dem Frankfurter Friedhof hat der Aiagistrat auf den 8. September, abends 6 Uhr, festgesetzt. — Das Königl. Proviantamt in Hanau hat mit dem Ankauf von Roggen und Hafer begonnen; auch wird der Ankauf von Heu, Roggen-Flegel- und Roggen-Maschineustroh nach Aiaßgabe der verfügbaren Räume fortgesetzt. Die Lieferungen haben frei Magazinhof Hanau auf Gefahr des Verkäufers zu erfolgen.
Mrmljchtrs.
* Berlin, 2. Sept. Ter Berliner Preßklub hielt gestern eine Sitzung ab und beschl oß, das von den Direktoren der P v m m e r n b a n t seinerz/.it ausgeuommcne Tarlehen im Betrage von 25000 Ml. zucückzuzahlen. Der Vorstand wurde beauftragt, der nächsten Sitzung die er- orderlicheu Vorschläge zu machen uno durch Umfrage sest- zuslellen, mit welchen Beiträgen die Mitglieder des Klubs an der Aufbringung der Summe sich beteiligen wollen.
* Kottbus, 1. Sept. In der letzten Nacht tötete der Seemann Friedrich Krause seine Geliebte, die Kellnerin Klara Schioni, und daun sich selbst durch Revolverschüsse in den Kopf.
* T h o r n, 1. Sept. In der Mellienstraße in der B-rom^ berger Vorstadt smd sieben Personen unter typhusver- d ä ch t i g e u Ersa-cinungen erkrankt.
* Paris, 1. Sept. In der Ortschaft Mont Faucon kamen bei einem Brande zwei Frauen in den Flammen um.
I Paris, 1. Sept. Am Hause s3tuc Lahan Dir. 4 wurde ein Bo mbenattentat vollführt, d as sich als ziemlich ungefährlich herausgestellt hat und wahrscheinlich auf die Beraubung der nahe gelegenen r u rn ü n i s ch e n K i r ch e abzielte. Ter Explosionstörper, der zwar einen Menschen hätte töten können, aber zu einer größeren Beschädigung nicht geeignet war, bestand aus einer mit Eisendraht umwickelten Kiste, die wahrscheinlich mit Pulver und Kugeln gefüllt war. Man glaubt, es mit einem anarchistischen Attentat zu tun zu haben. Als de:r Hausverwalter die Bombe nachdem Kommissariat trug, kam ein Unbekannter heran und wollte die Bombenkiste ausgeliefert haben; er ließ gegen den Verwalter Drohungen aus, als die Uxber- lassuug der Kiste verweigert wurde.
I Gmunden, 1. Sept. In Kaltenbachwildrriß tm Traunfleingebiet ist ein Herr aus dem Gefolge der Königin von Spanien ab gestürzt; er ist schwer verletzt.
INewyork,l. Sept. An der Sndküste Kubas richtet eine unbekannte Krankheit Verheerungen an; sie tritt schlimmer aus, als das gelbe Fieber.
* Wellington, 1. Sept. In Wiuauge fand eine. Geiser-Eruption statt. Vier Damen, welche von dem tödlichen Wasser überschüttet wurden, wurden getötet.
* Wilderer. Wie aus Halle a. d. S. berichtet wird, wurde in der vergangenen Nacht der Gemeindevorsteher Bentmann aus Zschiefewitz bei Bitterfeld von zwei Wilderen, welche er verfolgte, durch zwei Schüsse tödlich verwundet. Beutmann schleppte sich nach einer Wohnung, wo er verstarb.
I Bankdieb st a h l. Nach einer Züricher Depesche )er „Frkf. Ztg." wurden einem Ausläufer an der Kasse der Nationalbank 15000 Franks gestohlen. Der Dieb konnte entweichen.
I Ein Gegner des Rasse n - S e l b st mordes. Stephen A. Reeves in New-Albany im Staate Indiana hat dem Gouverneur Turbin die telegraphische Meldung erstattet, daß er von seiner Gattin zum d r i t t e n ma le mit Zwillingen beschenkt worden sei. Ter Gouverneur übermittelte nach der „Voss. Ztg." die Depesche des stolzen Vaters dem Präsidenten Roosevelt mit einem Begleitschreiben, worin es heißt, das T.'legramm bilde einen weiteren schlagenden Beweis dafür, daß die guten Be- wochuer des Staates Indiana scharfe Gegner des vom Prä- identen kürzlich so streng verurteilten^ „Rassen-Selbstmor- des" seien.
Wericktssaal,
* * Gießen, 2. Sept. Strafk ammersitzunq vom 1. Sept. Der Forstwart-Aspiraitt Karl A l b r a n d , der Stein- Hauer Rödling, der Dienstknecht Theodor Mattern und Robert Karl hatten sich vor der Straskanuner wegen beschimpien- den Unfugs und Störung des G o t t e s d i e n st e s durch Erregung von Lärm, verübt an: Eharfreita-.g in der Kirche zu Schwickartshausen, zri verantworten Das Gericht faßte jedoch nur eine von Rödling während des Gottesdienstes getane rohe Aeuße- rung als beschlwpfenden Unfug am und verurteilte ihn 51t einer Gefängnisstrafe von 5 Tagen; die Angeklagtem Mattern und Karl erhieltet! wegen groben Untugs Geldstrafen von je 15 Mk. - der Aligeklagte A l b r a n d wurde i r e i g e s p r 0 ch e 11. - Der Dl'enst- knecht Kasiiuir Knot h von Bernhardt, bedienstet gewesen bei Landwirt Hunke in Grebenau, Hal einem armen Mitbediensteten 17 Mk. und feinem Dienstherrn einen Kopfbezug vou 2 Mk ent- wendet. Mit Rücklicht aus die stattliche "Anzuhl von Vorstrafen


