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02/09/1903 Erstes Blatt
 
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Nr. $105

TrscheiA t tägrich außer S onntags.

Dem Gieß« rerAnzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Glesien« m Kamillen' blätter viemnal in der Woche beigelegt

Rotationsd« ^ck u. Ver­lag der Br ühl'schen Untoers.-Br i(f)»u.©tein- druckerei(P'!etschErben- Reüaktto». Eroedition

Gchalstr aße 7.

Adresse für Depesche:,r «uzetger « "etz-n.

Fernsprcchanschl ußNr.51.

Erstes Blatt. 153. Jahrgang Mittwoch 2. September 1903

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Kietzener Anzeiger eenmWligeiger " ES

Amts- md Anzeigeblatt für den Kreis Sichen WtzZ

KSEaCTPTHmffliriri T ilifi |i iiii jul tu .in iij *** zeigentetl: Han« Beck.

KeKanntmachung.

Betr.: Das Großherzoglich Hessische Regierungsblatt.

Die bis 1898 erschienenen Jahrgänge des Großherzog- lichen Regierungsblattes sollen von heute ab, so lange der Vorrat noch reicht, zu ermäßigten Preisen verkauft werden, und zwar:

die Jahrgänge

statt bisher zu

jetzt zu

18211837

Mk. 2.

Mk. 0.60

18381^877

5.

1.

18781898

5.

2.

Hauptteil

18781898

2.

0.60

Beilage.

Bestellungen nimmt die unterzeichnete Buchhandlung ent-- gegen.

Darmstadt, 21. August 1903.

Die Buchhmrdlung Großherzoglichen Staatsverlags.

Kklranntmnchuilg.

Die unterm 14. Juli 1903 angeordnete Sperre der Sandgässe, zwischen Marktstraße und der StraßeIn Löber's Hof", wird hiermit aufgehoben.

Gießen, den 2. September 1903.

Großhierzogluhes Polizeiamt Gießen.

WoviarchrnzusammcnKünste.

Ter Umstand, daß König Christian von Däne­mark in diesem Herbste sein vierzigjähriges Re­gie r u n g s j u b i 3 ä u m .feiert, bringt eine Monarchen- zusammenkunst auf Schloß Fredensborg für Mitte Sep­tember. Tic Zahl' der fürstlichen.ste wird außerordent­lich groß sein; albe Erwarteten treffen ein, nur von einem Kommen Kaiser Wilhelms war bisher nicht die Rede.

König Christians erster Gast ist Prinz Georg von Grie­chenland, der Generalgouverneur von Kreta.In wenigen Tagen trifft das Sech Westernpaar, die Kaiserin-Witwe Maria F e o d o r o w n a von Rußland und Königin Alexandra von England, in Fredensborg ein, und gleichzeitig w ird K ö nig Georg von Griechenland erwartet. Am 9. September wird dann König Oskar von Schweden mnd Norwegen dem Nachbarmonarchen einen Besuch abstattten, und vom 16. bis 20. September wollen der K a i s e z und die Kaiserin von Rußland in Fredensborg Aurfenthalt nehmen, um direkt von hier nach D a r m st a d t , zu reisen. Gleichzeitig soll König Ed u a r d von E n g land kommen wollen. Endlich wird noch ein seltener Gapt eintreffen: die Königin-Mutter von Italien, die sich augenblicklich auf einer Nordland­reise befindet, hat ihren Besuch auf Fredensborg für den 10. September angemeldet.

Es liegt nahe, arczunehmen, daß das Zusammentreffen |o zahlreicher gekrönter Häupter in diesem Falle lediglich als eine Familienzusammenkunft zu betrachten ist, um­somehr, als einige bac aus dem dänischen Schlosse Fredens­borg versammelten Monarchen wenige Tage später in D armst ad t bei den Hochzeitsfeierlichkeiten der Prin­zessin Alice von Battenberg mit dem Prinzen Andreas von Griechenland, die dort am 6. und 7. Oktober stattfinden, wie uns heute ein Privattele- gramm aus Darinstadt meldet, wiederum miteinander zusammen treff em. Einen Versuch, der M o n a r ch e n- begegnung in Darmstadt politische Bedeut­ung z u zu s ch r e i b a n , hat vor einigen Tagen das Kopen­hagener OrganPolitiken" gemacht. Das Blatt stellt den Prinzen Georg von Griechenland, den General­gouverneur von Kreftr, in den Mittelpunkt des Interesses und meint, es handiie sich sozusagen um eineVersetzung" des Prinzen von Kreita nach Macedonien. Auf Kreta seien geordnete Zustände erreicht, und die Vereinigung der Insel mit Griechenland fei nur noch eine Frage der Zeit. In Macedonien aber k'dnnten sich die Verhältnisse sehr bald so entwickeln, daß d-ie Mächte daselbst für einen christlichen Fürsten als Kommissar Verwendung hätten, und Prinz Heorg rechne mit trieser Möglichkeit.

Wir unsererseits glauben weder an eine.politische Be­deutung der Tage von Fredensborg noch der von Darm­stadt. Unser DarmMoter Privattelegramm hat folgenden Wortlaut:

sd. Darmstadt, 2. Sept. Zu den Ho chzeits feier lich- teiten am 6. und 7. Oktober liegen hier bisher die end- giltigen Zusagen folgender Fürstlichkeiten vor: des Kaisers von Rustand, des Großfürsten Sergius, des Prinzen­paares Heinrich vmr Preußen, der Könige von Griechen­land und DünemaÄ und des Prinzen von Wales. Kaiser Wilhelm hat eiiijc Zusage noch nicht hierher gelangen lassen.

Also König Gduard wird nicht selber in Darmstadt anwesend sein, sondern sein Sohn, der englische Thronfolger, wcrd ihn rertrete-a, und des Kaisers Kommen ist noch un­bestimmt. So darss bei einem solchen Familienfeste auf poli­tische Beratungen von Wichtigkeit leineswogs gerechnet werden.

Ter Besuch d«s Zaren in Wien wird, tote eine halb- offizielle Korrespondenz aus diplomatischen Kreisen er- sährt, bereits für Anfang September erwartet.

Volttische Tagesschau.

Die Ergebnisse des Reichshaushaltsetats.

TerReichsanzeiger" veröffentlicht die Ergebnisse des Reichshaushaltsetats für das Rechnungsjahr 1902. Danach ergibt der Finanzabschluß der Reichshauptkasse einen Fehlbetrag gegen den Etat von 30 7 2 2 5 2 1,6»4 Mk. (21 988 127,74 Mk. Mindereinnahmen und 8 734 393,90 Mk. Mehrausgaben). Von den Mehrausgaben sind hervor­zuheben: beim Auswärtigen Amt 693 000 Mark, beim Reichsheer 1 93 3 000 Mk. (Es waren nämlich bei den fortdauernden Ausgaben 3 262000 M?., bei den einmaligen 297 000 Mk. mehr erforderlich, während 1626 000 Mk. Mehr­einnahmen aüfgekommen Md.) Die Mehrausgaben der Marin ev e r w alt u n g betragen 7 28 000 Mark. Bei den eigenen Fonds des Reichsschatzamts ist eine Er­sparnis von >971000 Mk. zu verzeichnen. Tie Mehreinnahmen aus dem Mün^wesen belaufen sich aus 1 9210Ö0 Mk. Tie Verwaltung der Reichsschuld erforderte eine Mehrausgabe von 2 926 000 Mk. und die des Reichsinvaalidenfonds eine solche von 2 001000 Mk. infolge der verstärkten Fürsorge für die Kriegsinvaliden. Bei den ordentlichen Einnahmen sei bemerkt: Die Zölle und die Tabaksteuer brachten ein Mehr von 13 860000 Mk. gegen den Etat, die Ver- brauchsabgabe für Branntwein ergab eine Minder­es n n a h m e von 3 253 000 Mk. und die Reichsstempelabgabe eine solche von 2 203000 Mk.; diese den Bundesstaaten zu­stehenden Steuern ergaben einen Mehrertrag von 8 404 813,57 Mk., welcher zur Tilgung der durch den Rerchs- haushaltsetat von 1903 bewilligten Zuschußanleihe zurück­behalten wird. Die durch das Gesetz vom 9. März 1902 eingeführte Schaumweinsteuer brachte 2 750000 Mk. ein, die Brennsteuer weist eine Mehreinnahme von 4 818 000 Mark aus. Mindereinnahmen ergaben: Die Zuckersteuer 16 731000 Mk., die Maischbottichsteuer 917 000 Mk., die Brausteuer 2 464 000 Mk., die Wcchselstempelsteuer 738000 Mark. Bei der Post- und Telegraphenverwaltung beträgt der Ausfall 3 397 000 Mk., die Verwaltung der Reichs- eisenbahnen hat einen Mrnderüberschuß, von 644000 Mk., die Reichsdruckerei einen Mehrüberschuß von 647 000 Mk. Tie Einnahmen aus dem Bankwesen weisen einen Minder­ertrag von 9 093000 Rck. Üuf.

Deutschland contra Chamberlain.

TerDaily Expreß" bringt ein angebliches Cirkular eines deutschen Professors, der natürlich unge^ nannt bleibt, worin deutsche Großsirmen zu Geld­beiträgen zur Bekämpfung Chamberlains in den englischen Wahlen ersucht werden. Ter Anonymus schlägt die Errichtung offizieller deutscher Preßbureaus in London und eine Subventionierung des Kobdenklubs vor, ferner die Bestechung englischer Poli­tiker und eine regierungsseitige Bedrohung des Projektes kolonialer Preserenzzölle mit prohibitivem Zoll auf eng­lische Güter. Tas angebliche Cirkular erklärt Deutsch­land für den Erben der englischen Kolonien und ruft aus:Tie deutsche Erbschaft wird vernichjteh, wenn Chamberlain feine imperialistischen und fiskalischen Projekte ausführt, welche die gegenwärtige hilflose Samm­lung der stagnierenden Nationen in ein yomogencres fort­schrittliches Reich, verwandeln würden. Kein Mittel und keine Kosten sollten gespart werden, um Chamberlain zu vernichten."

Tas Machwerk charakterisiert sich selbst als Mystifi­kation oder Ausbruch eines. chauvinistischen Narren.

Tie Publikation durch denDaily Expreß" wäre kaum der Meldung würdig gewesen, aber einzelne Chamberlain- Blätter fallen schon begierig darüber her und nehmen den Rus aus:Wer nicht für Cyamberlain stimmt, stimmt für den deutschen Na tionalfeind."

Deutsches Keich.

Berlin, 1. Sept. Bei günstigem Wetter fand heute die große Parade des Gardekorps statt, die der Kaiser abnahm. Derselben wohnte die Kaiserin mit dem Prinzen Joachim und der Prinzessin Viktoria Luise, die hier anwesenden Fürstlichkeiten und die fremdherrlichen Offiziere bei. Nach dem Abreiten der Fronten folgte ein zweimaliger Vorbeimarsch. Der Kaiser hielt die Kritik ab, und kehrte dann an der Spitze der Fahnen und Standarten nach dem Schloß zurück.

Wie derRcichsanz." meldet, hat der Kaiser die Generalobersten von Hahnke und Graf Häseler zu Mitgliedern des preuß. Herrenhauses auf Lebenszeit berufen.

In dem Telegramm, welches der bayrische Minister- wäsident Frhr. v. Podewils anläßlich der Ernennung des Freiherrn v. Stengel zum Reichsschatzsekretär an den Reichskanzler Grasen Bülow sandte, gibt er seiner Freude darüber Ausdruck, durch den Vorschlag dieser Wahl einen erneuten Beweis der vertrauensvollen Beziehungen haben geben zu könpen,^ welche Preußen und Bayern zum Frommen des Reiches verbinden.

Aus das Telegramm, in dem Pfarrer Dr. Nau­mann den Vorsitzenden des liberalen Wahlvereins Direk­tor Schrader über das Ergebnis des national- ozialen Parteitages Mitteilung machte, hat Schrader ein Antworttelegramm gesandt, in welchem er 'eine große Freude über den Anschluß von 111 national- ozialen Delegierten an die Freisinnige Vereinigung und die zuversichtliche Hossnung ausspricht, daß,wer in einmüti­gem, eifrigem Zusammenwirken den Ernfluß des Liberalis­mus bestärkt, die Schassung fteiheitttcher, sowie sozialfort- 'chrittlichcr Gesetze und Maßnahmen fördern und dadurch Deutschlands Größe und innerem Frieden dienen werde.

Vom 9. bis 12. September tagt in Straßburg i. E. der Deutsche Anwaltstag. Seine Tätigkeit wird sich vornehmlich mit dem Bericht der Kommission über die zur Gründung einer Ruhegehalts-, Witwen- und Waisenkasse vor­gelegten Vorschläge befassen. Als weitere interessante Punkte der Tagesordnung seien hervorgehoben: Mittel zur Abkürzung der Zivilprozeßdauer; über die Stellung der Verteidigung im Strafprozeß und ferner die Frage, ob und inwieweit eine Bestrafung uneidlicher falscher Zeugen­aussagen anzustreben sei.

Die Taufe des Linienschiffes L wird aus Wunsch des Kaisers der Großherzog von Hessen vollziehen.

München-Gladbach, 1. Sept. Wie Lic. Weber in einer Versammlung evangellscher Arbeiter mitteilte, wird demnächst eine Ze n t r a l st e l l e für dasevange- l i s ch e Deutschlan d mit dem Sitz Berlin errichtet wer­den, um durch soziale Reform die soziale Re­volution zu überwinden. Beteiligt sind u. a.: die evangelischen Psarrervereine und Lehrervereine, der Evange­lisch-soziale Kongreß,' der Teutsch-evangelische Frauenbund, die Allgemeine Konferenz der Sittlichkeitsvereine und der Gesamtverband evangelischer Arbeitervereine Deutschlands.

Metz, 1. Sept. Tie fortgesetzt von der Typhusgefahr bedrohten Gesund heitsverhältnisse der Stadt Metz haben vor wenigen Tagen den Kaiser zum Einschreiten veranlaßt. Er entsandte folgendes Telegramm an den Statthalter Fürsten Hohenlohe-Langenburg:

Wiederum, wie in den letzten Jahren, ist in Metz, vorläufig in der Zivilbevölkerung, eine Typhusepi- demie ausgebrochen, welche die Garnison ernst­lich gefährden kann. Sie hat ihren Ursprung in der schlecht verwahrtenBouillon-Quelle" und ihrer in un­erhörtem Zustande befindlichen Leitung. Diese Sachlage ist lediglich Schuld derStadtverwaltungMetz, welche absolut nicht zu energischem Handeln bezüglich ihrer Wasserversorgung sich entschließen kann. Laut Nteldung der Kommission, welche im Vorjahr die sani­tären Verhältnisse in Metz und Umgegend untersuchte, darunter Exzellenz von Leuthold und Koch sind die Zustände geradezu himmelschreiend und empö­rend; trotz allen Trängens und Protestierens des Ge­neralkommandos des 16. Armeekorps, welches andauernd auf die schwere Gefahr für das Militär hingewiesen und das Wasser als unbrauchbar bezeichnete, hat die Stadt nichts ernstes getan! Tas ist nun nicht länger angängig! Im Kriegsfälle würden diese Zustände eine Katastrophe unvermeidlich zur Folge haben. Ich er­suche Ew. Durchlaucht umgehend mit den aller- schärfsten Mitteln den Zuständen ein Ende zu machen, und die Stadt zu ihrer Pflicht zu zwingen.

Wilhelm.

Hierauf depeschierte Statthalter Fürst Hohenloye sofort an den Metzer Stadtvorstand, daß, wenn nicht schleunigst Abhilfe geschaffen würde, die Sanierungsarbeiten von der Landesverwaltung auf Kosten der Stadt in Angriff genom­men werden würden. Am 30. ging dem Statthalter vom Bürgermeister in Metz die Meldung zu, daß mit den Sanier­ungsarbeiten begonnen fei.

Konstanz, 31. August. Der Großherzog von Baden empfing heute aus der Mainau den Präsidenten des gestern in Basel geschlossenen Z i o n i st e n - K o n g r e s s e s, Dr. Theodor Herzl-Wien, in längerer Audienz.

Kolonialpost.

Aus Bremen wird gemeldet, daß der Norddeutsche Lloyd plant, im deutschen Bismarck-Archipel, und zwar in der Blancolbucht zwischen Matupi und Mala- gunan, einen gegen die Pafsatwinde geschützten Hafen und Pieranlagen herzustellen.

Ausland.

Paris, 1. Sept. Eine Abordnung der Gesundheits­kommission wird sich in nächster Zeit nach Deutsch­land begeben, um die Fragen der Wasserversorgung, der Bekämpfung der Tuberkulose und der epidemischen Krankheiten, sowie der Ernährung und Fleischversorgung des deutschen Heeres zu studieren, in welchem die Zahl der Todes­fälle geringer als in der französischen Armee ist. Die Kommission begiebt sich über Aachen, Düsseldorf und Hamburg nach Berlin. Auch Dresden, Leipzig, Frankfurt und Straßburg sollen besucht werden.

Petersburg, 1. Sept. Amtlich wird bekannt gegeben» daß der Präsident des Ministerkomitees, v. Witte, in den Reichsrat berufen worden ist.

Rew-Pork, 1. Sept. DieNew Port Times" melden aus Costarica: In Panama ist wegen Ablehnung des Hay-Herran-Vertrages eine Revolution ausgebrochen. Die Indianer haben sich erhoben. Die früheren Anhänger des Generals Herrera warben in den Bergen 1000 Mann an. Die Regierungstruppen von Panama, deren Zahl weniger als 1500 beträgt, sollen der Revolution günstig gesinnt sein weil sie schlecht bezahlt sind.

Kus dem Klient.

Tie Preßpolitiker in Newport sind sich noch nicht einig, was die in die türkischen Gewässer beorderten amerikanischen Kriegsschiffe nunmehr zu voll­bringen haben, da es keinen Gesandrenmorv zu sühnen gibt. TieWorld" will bei dieser Gelegenheit reinen Tisch ge­macht, d. h. si inici)c amerikanischen Forderungen an die Türlei beigeli.ieben wissen, eventuell unter Blockade der