die Unterschriften seien echt. Es liefen zmn Schluß für 90 000 Mk. Wechsel auf Schulte, die Warenschulden betrugen aber nur 16 000 Mk. Hierzu erklärt Kosbadt, daß, da Schulte des Schreibens unkundig sei, ihn: Blankoaccepte bergelegt wurden. Einen Wechsel von Schulte habe er nicht gefälscht; das müsse aus de r Geheimbureau. Terlindens geschehen sein. Terlinden sagt aus. Schulte habe ihm nie Vorhaltungen über falsche Wechsel, wohl aber über zu viele gemacht- Terlinden behauptet, daß er eines Abends einen Wechsel mit einer tauschend nachgeahmten Unterschrift Schultes sah. Er will aus dem Verhalten Kosbadts, den er zur Rede stellte, geschlossen haben, daß dieser die Fälschung begangen habe. Kosvadr bestreitet dies. Die weitere Verhandlung betrifft den Wechselverkehr mit Kaufmann Seven aus Essen, der slch in ähnlicher Weise abspielte, tote der mit Schulte. Den Wechselvertehr selbst soll Kos- badt geleitet haben. Terlinden will davon nichts wissen. Seven ist nach Angabe Kosbadts 56 000 bis 58 000 Mk. für Waren schuldig geblieben. Von ihm liefen beim Zusammenbruch gegen 800 000 Mk. Wechsel. Hierauf verliest der Vorsitzende verschiedene Briefe an Seven, die sämtlich von Kosbaldt und Lerlürden unterschrieben sind. Terlinden aiebt zu, einen Bries an Seven geschrieben zu haben. Er Habe jahrelang blindlings unterschrieben. Alle Briefe habe er gar nicht unterschreiben können. Kosbadt erklärt, daß er alle Briese auf Terliirdens Anordnung geschrieben habe. Seven Jci nicht schreibgewandt gewesen. Er schickte deshalb Blankoaccepte ein. Dann werden Briefe vorgelesen, in denen Briefbogen mit Sevensftrmen zum Zweck fälsch^- licher Anfertigung von Bestellbriesen erberen wurden. Kosbadt behauptet, die Briefe im Austrage Terlindens geschrieben zu haben. Terlinden bestrertet dies. Hierauf legt der Vorsitzende zwei Wechsel vor, die gefälscht sein sollen. Terlinden erklärt, die Unterschriften auf den Wechseln von Kosbadt seien gefälscht. Dies wird von Kosbadt bestritten. Terlinden behauptet ferner, Kosbadt gestand Seven gegenüber dte Fälschungen ein, giebt aber zu, die Begleitschreiben für dre Wechsel geschrieben und mit der fingierten Unterschrift Bathes versehen zu haben. Im Lause der Jahre seien vielleicht fünf Millionen Mark Dietzsche Wechsel gelaufen. Kosbadt behauptet elf Millionen. Terlinden muß auf vorgelegte Briefe zugeben, daß dadurch die Banken getäuscht werden sollten, was aber nur em Geschäfts- manvver war. Einige Geschäftsbücher wUl Kosbadt nicht kennen, namentlich ein Kassenbuch. Terlinden behauptet, Kosbadt ließ es verschjwinden. Der Vorsitzende stellt aus den Geschäftsbüchern von 1893 bis 1896 fest, daß die an die Banken versandten Bilanzen gefälscht waren. Terlinden schiebt auch hier die Schuld nur Kosbaldt, der die IUchtig- keit bescheinigte. Terlinden will sorgfältige Bilanzen au- geordnet haben, wobei der F-abrikbetrieb nüjen sollte. Die Verhandlung wurde sodann aus morgen vertagt.
Schweidnitz, 1. Juli Vom Schwurgericht wurde der Getreidehändler Theodor Schneider wegen betrügerischen Bankerotts, -Unterschlagung und Betrug zu 2i/a Jahren Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust, sein Bruder Georg Schneider wegen Konkurs-Vergehens und Betrugs zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt. Di' Unterbilanz betrug 550000 Mart bei 90ü 00Q Mark an gemeldeten Forderungen.
Universitäts-Nachrichten.
Bad Käsen, 1. Juli. Dem Vernehmen nach hat der Kösener S.-C. beschlossen, sich ein eigenes K o r p s h a u s, und zwar am Fuße der Rudelsburg, zu erbauen. Zwecks Erwerbung einer Baustelle schweben Verhandlungen mit dem Landwirt Wurzel in Saaleck, dessen umsangreiches Gartengrundstück ins Auge gefaßt ist.
Göttingen, 30. Juni. Zum Prorektor der hiesigen Universität für das Jahr vom L September 1903 bis dahin 1904 ist der Direktor der chirurgischen Klinik und Polcklinik, Geh. Medizinalrat Dr. Heinrich Braun gewählt worden. Braun, geboren 1847 zu Beerfelden in Hessen, studierte in Gießen und Berlin. Von 1871 bis 1874 Prosektor am anatomischen Jnstüut und Assistent am physiologischen Institut in Gießen, habilitierte er sich 1872 für Anatomie in Gießen und war von 1874 ab Assistenzarzt der chirurgischen Klinik in Heidelberg. 1875 habilitierte er sich für Ehirurgie und wurde 1878 Extraordinarius. 1884$ dirigierender Arzt der chirurgischen Abteilung des städtischen Krankenhauses in Mannheim, wurde Braun am 1. Oktober 1884 als ordentlicher Professor der Ehirurgie imd Direktor der chirurgischen Klinik nach Jena berufen und blieb in dieser Stellung bis 1888, um dann in gleicher Eigenschaft bis 1890 in Alarburg tätig zu sein. 1890 bis 1895 wirkte er als Nachfolger von Professor v. Mikulicz (jetzt in Breslau) in Königsberg. An Stelle des nach Berlin berufenen Professors Dr. Franz König kam Braun 1895 nach Göttingen.
Kunst und Wissenschaft.
München, 30. Juni. Heute begann in Anwesenheit des Prinzen Ludivig die Hauptversammlung des Vereins deutscher Ingenieure. Nachdem der Vorsitzende, Generaldirektor Oechelhäuser-Dessau, die Versammlung begrüßt hatte, hieß der Minister des Innern, Frhr. v. Feilitzsch, die deutschen Ingenieure namens der bayerischen Regierung willkommen. Es folgten Begrüßungsansprachen des Generaldirektors Ebermayer namens der bayerischen Staatsbahnverwaltung, des Bürgermeisters Borschi namens der Stadt München und vieler anderer. Der Rektor der Technischen Hochschule in München, Dyck, gab bekannt, daß die Hochschule folgende Ingenieure zu Ehrendoktoren promovierte: Oechelhäuser und Peters-Berlin, Rieppel--Nürn- berg, Kraus-München und Miller-München. Nach Beendigung der Begrüßungsansprachen teilte der Vorsitzende mit, daß in der heutigen Versammlung die Grashofdenkmünze an den Ober- baudirektor Frantzius-Bremen verliehen werden sollte, der aber vor wenigen Tagen verstorben sei. Die Teilnehmer erhoben sich zu Ehren des Andenkens des Verstorbenen. Peters-Berlm erstattete den Jahresbericht. Pros. Sch moller-Berlin hielt emen Vortrag über das Maschinen-Zeitalter im Zusammenhang mit dem Volkswohlstand, der sozialen Verfassung und der Volkswirtschaft. Am Nachmittag wurden verschiedene technische Anlagen und Fabriken besichtigt. Am Abend war im Hostheater Festoorstellung. Für morgen ist ein Ausflug nach Augsburg geplant.
Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Berliner Börse vom 1 Juli 1903.
(Mitgeteilt von der Bant für Handel und Industrie, Gießen.)
Wie schon lange ersichtlich war, neigt unsere Börse eher dazu, die allgemeine (Situation als beruhigt und einigermaßen geklärt zu betrachten; selbst die Schwankungen, denen die New-Porker Börse während der letzten Wochen ausgesetzt war, vermochten nur geringen Einfluß aus unseren Markt auszuüben. Nachdem nunmehr auch jenseits des Ozeans die Ruhe wieder hergestellt zu sein scheint, sieht man hier keinen Grund mehr, die Beivegung zu hemmen. 1 Seit langer Zeit herrschte heute wieder zm ersten Male Interesse
für die Aktien unserer leitenden Banken. Gestern bereits wurden im Anschluß an die besseren Berichte aus den Jndustriebezirken Schaaffhausenscher Bankverein Aktien stark begehrt und auch heute wandte sich das allgemeine Interesse diesem Effekt zu, da man demselben große Gewinne an industriellen Unternehmungen nachrechnet. Ebenso zogen Diskonto, Deutsche und Darmstädter beträchtlich an. Auf dem Montanmarkt herrscht besondere Kauflust für Kohlenwerte, wohl im Zusammenhang mit den Gerüchten betr. des Kohlensyndikals. Renten und Bahnen im Einklang mit der Gesamttendenz ebenfalls fest, andauerndes Interesse zeigte sich für Lübecker und Gotthardbahn.
Privat-Diskont 3% Prozent.
Anfangs- u. Schlußkurse.
Oest. Kredit .... 208.— 208.50
Deutsche Bank . . . 210— 211.25
Darmstädter Bank . . 136.10 136.90
Bochumer Guß . . . 173.60 174.40
Harpener Bergbau . . 179.80 180.10
Schluß-Tendenz: fest.
— 3</rProz. Mainzer Stadtauleihe von 1891. Zum Börsenhandel sind 4 735 600 All. auf 3*/t Prozent abgestempelte Mainzer Schuldverschreibungen Lit. M. zugelassen worden. Dieselben sind gleich den alten 3Vrprozentigen Schuldverschreibungen lieferbar.
Markte.
Limburg a. d. L., 24. Juni. Fruchtmarkt. Durchs schnittspreise pr. Malter. Roter Weizen 14.00 Mk., Weißer Weizen 00.00 Alk., Korn 11.50 Mk., Gerste 9.00 Mk., Hafer 7.10 Mk., Erbsen 0.00 Alk., Kartoffeln 0.00 Alk.
Arbeiterbewegung.
Genua, 1. Juli. Tie Kohlenhändler beschlossen die Arbeiteraussperrung. Von morgen ab hört die Kohlenladung im Hafen auf.
Famiticn-Uachrichten.
Verlobte: Lisi Kellerhoff und Regierungs-Asseffor Oskar Knebel, Mainz.
Vermählte: Albert Feuchtwanger, Lina Feuchtwanger, geb. Bruchfeld, Darmstadt.
Gestorbene: Gutsbesitzer Backhausen, Königl. Premierleutnant a. D., Gut Nettehammer bei. Weißenthurm a. Rh. — Frau Prof. Bertha Billardt, geb. Heckler, Darmstadt.
Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen.
Höchste Temperatur am 29. Juni bis 1. Juli 22,6° C.
Niedrigste , , 29. , , L , 10,5° C.
Juli 1903.
Barometer auf 0° reduziert
Temperatur der £nft
Absolute Feuchtigkeit
Relative Feuchtigkeit
Windrichtung
Windstärke
Wetter
1.
236
755,0
22,0
9,9
50
W.
2
Sonnenschein
1.
926
754,4
17,4
10,7
72
NNE.
1
Heller Himmel
2.
725
753,9
16,2
9,9
72
NE.
2
Sonnenschein
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