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2.6.1903 Erstes Blatt
 
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Dienstag 2. Juni 1903

153. Jahrgang

Erstes Blatt.

Ubrefie für Depeschenr «nzetger Sieben. A<rasprrchan1chilib Nr. 6L

Nr. 126

tsigktch außer Sonntag».

Dein Siebener An-eiger werden im Wechsel mH dem hessische« Landwirt die Gietzeier Zawlliea- blätler viermal in der Woche be (gelegt

Rouuwn-drnck a. Ver­lag der Brüh l'schea Un rvers.-Luch- u. Stetw- bruderei (Üied ch ürrben)

und Druckerei:

GietzenerAnzeigerN

w General-Anzeiger v ** sSSSji

Anttr- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW

Volitische Wochenschau.

Gieße«, 2. Juni.

Pfingsten ist nun vorüber Diesmal war's ein wahres Hochfest des Frühling-, überall Frühlingszauber und Früb- lingsduft, blauer Himmel, lachende Sonne, fröhliche Herzen, schmunzelnde Wirte, wimmelnde Wälder, über­füllte Eisenbahnzüge, schwinende Radler rc. Prangend in Schönheit und leuchtender Farbenpracht luai der durch die blitzenoen SounensUahlen überaus vielfältige Schmuck des Waldes und der Flur, ein köstlicher Rahmen für die Feier des Pfingstfestes. Richt mehr ahnungsvoll knospender Frühling, sondern verheißungsvoll blühender, glühender Sommer, wallendes Dörnfeld, reichsprosscnde Saat, liebet einermüdendes Gleich maß der Tage" haben wir nicht Lu klagen. Dem trubelvollen Jubeltage unseres Re g i ment- folgt in diesen Tagen der große San ge r- wettstreit in Frankfurt, zu dem sich Menschen­ströme aus allen Teilen des Reiches und nicht -um wenigsten auch aus unserem Lande ergießen werden. Ter Politiker aber richtet fein ganzes Interesse auf die nahenden Reichstagswahlen. Äämc es auf Großsprecherei und Läruunachen an, so müßten die Soziackemokraten oder die extremen Agrarier und Antisemiten die künftige Situa­tion im deutschen Reichstage beherrschen. Aus den ver­schiedensten Gegenden mehren sich die Klagen übef die Unmanierlich leit namentlich der ,/Nenofsen" in Wählerver­sammlungen. Ätanchen, der sonst aus allgemeiner llnzu- friedeicheit vielleicht im Sozialdemokraten den Vertreten seinerInteressen" sieht, weil er schon froh,, wenn immer nur opponiert wird, wird doch wohl dies Be­nehmen verbunden mit ihrem lieber mut und ihrer Selbst­beweihräucherung bestimmen, nach einer würdigeren Ver> tretuna seiner Interessen im deutschen Parlament Umschau zu halten. Heber das seelige uralte Bohneulied geht auch das Selbstlob der Herren Köhler, Bindewald und Konsorten in ihren Wahlversammlungen und Flugblättern. Ten Kroaten und Slavoniern wollen wir's doch nichv gleichtun. Tiese lassen gegen die Regierung und gegen die Magyaren fröhlich Gewehr und Sensen spielen. Und doch haben sie den mildernden Umstand für sich, daß chre Wut von der magyarischen Ueberhebung schwer gereizt ist. und sie keinen Kampf gegen die eigenen Volksgenossen, sondern gegen eine Fremdh^rschast führen.

Jenseits des Wassers hatte man es anfangs für gut gefunden, zu gleicher Zeit das amerikanische Mittel­meergeschwader zur Begrüßung Loubets abzuschicken,u nsere Einladung nach Kiel aber glatt abzulehnen. Die Proteste der öffentlichen 'Meinung in Teuhschland haben aber schließ­lich geholfen. Roosevelt will die guten Beziehungen^ die der deutsche Kaiser ihm so eifrig und so ostentativ an­trägt, dock nicht leichtsinnig verscherzen. So ist denn das Geschwader, das zur Regatta nach Kiel kommt und ergent- lich nur die Erwiderung auf den Besuch des Prinzen Heinrich in Amerika ist, feierlich in Berlin angekündigt und um noch ein Schiff, als es für gewöhnlich enthält, vermehrt worden. Immerhin doch etwas. Aber in dieser Ankündig­ung nun eine besondere Höflichkeit zu sehen,ben neuesten diplomatischen Sieg des glorreichen Speck v. Sternbnr^ das will mis denn doch nicht recht in den Sinn. Es heißt doch höchstens so viel:Paßt ordenllich auf, damit ihr euch später nicht beklagt: jetzt erwidern wir in einem Auf­wasch einmal alle eure Höflichkeiten."

Wie groß stehen wir dagegen den von Amerika zer­zausten und gedemütigten und zudem auch in ihrer Geistes- frirtnrr immer mehr niedergehenden Spaniern gegm-

über da! Sie hatten den Prinzen Heinrich, der mit feinem Geschwader nach dem Atlantischen Ozean fuhr, sogar ein geloben, nach Madrid zu kommen, lind wie herzlich toarb er da ausgenommen, sodaß sogar der Neid unserer eng­lischen Vettern Wachgerufen wurde. Dian wittert ein deutsch-französisches Bündnis". Tas arme Spanien! Es ist ja auch ganz von Gott und der Welt verlassen. Nicht einmal Frankreich interessiert sich noch für seine Zukunft, die schon lange nicht mehrauf dem Wasser" sondern nur noch im benachbarten Marokko liegt. England schaut aber MS seinen Schießscharten im Felsen von Gibraltar gespannt nach der spanischen Festung Ceuta hinüber. Eswünscht" nicht, daß Spanien dort wieder das einhole, was e- ihm in Gibraltar genommen hat. Wir glauben nicht, daß Prinz Heinrich viel hohe Politik im Schlosse von Madrid, in den Orangengärten von Aranjuez oder in der Stiergefechts-Arena von Carabanchcl mit dem jungen Könige getrieben hat. Er neigt gar nicht dazu, und der Spanier feiert <uuch viel lieber Feste als daß er sich in der Sommerhitze über weltpolitische Kombinationen den Kopf zerbricht. Spanien enthüllte in Gegenwart des Prinzen Heinrich in Albuera, wo es gemeinsam mit Portu­giesen und Engländern unter Wellington 1811 napoleonische Truppen aufs Haupt schlug, ein Denkmal für seine Helden. ES hat Spanien vielleicht Freude gemacht, daß hierbei gerade ein deutscher Prinz Deutschland hat ihm ja so lange nichts Boses mehr getan zugegen war, der frühere englische Bundesgenosse aber nicht vertreten war. Man hat in Spanien gar kein Mitgefühl dafür gehabt, daß John Bull Sehnsucht hatte, dort curch eine Rolle zu spielen.

Ter von Chamberlain beabsichtigte Tarif­staatsstreich fäl)ri fort, in ganz England den ausschließ­lichen Gegenstand des Interesse- zu bilden und hat ein Chaos von Meinungsäußerungen hervorgerufen, aus denen sich keinerlei Schlüsse auf die endgiltige Entscheidung dieser Frage ziehen lassen. Nur soviel scheint allgemein zugegeben, daß die Regierung die Schiffe hinter sich verbrannt hat und verpflichtet ist, sobald wie möglich auf der Basis des Cham- berlainschen Projekts an das Land au appellieren, daß die unionistische Partei damit ihr Ende erreicht hat und ganz neue Parteien aus den Trümmern der alten hervor­gehen werden, daß ferner der Kamps langwierig werden und keine der neuen Parteien sich mit einer Wahlniederlage für besiegt erklären wird und daß endlich Chamberlains Zukunft als Staatsmann an den Erfolg des Tarif sta-ats- streicheS absolut gebunden ist. Die Arbeiterführer sind auf da- entschiedenste gegen die Vorschläge Chamberlains. Man glaubt an eine Spaltung der unionistischen Partei und an eine Wiedervereinigung der liberalen Partei. Auch eine Anzahl konservativer Parlamentsmitglieder will Chamber­lains Vorschläge ebenfalls bekämpfen. Jedenfalls stellt Chamberlain Großbritannien vor ein neues weltpolitisches Problem. Hugh Cecil schwärmt bereits im englischen Parla­ment, daß das jetzt übermütige Deutschland einst um unser Bündnis werde flehen müssen. Ehe das Antritt, kann man erst einmal dem erregten Durcheinander mit einiger Gelassenheit znschauen, das die Chamberlainsche Parole von London bis iDtelboume, von Calcutta bis i'Rontreal all­überall, wo Briten wohnen, hervorgerufen hat.

In der inneren deutschen Politik ist der Antrittsbesuch des neuen Leiters der bayerischen Regierung v. Podewils in Berlin, von wo er bereits wieder nach München zurückge­kehrt ist, Anlaß geworden, offiziös das gegenwärtig sehr gute Einvernehmen zu betonen, das zwischen Bayern und der Reichsregierung herrsche. In den Unterrebungen des Mi­nisterpräsidenten Frhrn. v. Podewils mit den Berliner leitenden politischen Persönlichkeiten soll auch die Frage

der Main-San ali sie rung erörtert worden sein. Wenn es auch zu verbindlichen Abmachungen dabei nickt kommen konnte, allein schon weil die Ressortminister Budde und Frhr. v. Ichcinbaben zu den Unterredungen nicht zuge­zogen werden konnten der eine ist krank, der andere war von Berlin fern - so besteht doch die Hoffnung, daß diese Frage nunmehr ihrer Lösung entaegengeführt uni) in absehbarer Zeit der insbesondere vom Prinzen Lud­wig, dem bayerischen Thronfolger, ersehnte GroßschiffahrtS- weg geschaffen werden wird. Gleich nach der Abreise deS Frhrn. v. Podewils von Berlin ist der Reichskanzler Graf Bülow nach Holstein ab gereift auf das seinem Vetter v. Godeffroy gehörige Gut Lehmkuhlen, wo er die Pstngst- woche zu bleiben gedenkt.

Im übrigen |inb diplomatische Verhandlungen nicht öffentlich wie Gerichtsverhandlungen. Da war daS Urteil klarer, das man sich über ben Fähnrich Hüssener aus den Verl)andlungen bilden konnte. Hüssener ist kein Thpu S, sondern viel eher ein Phänomen, ein Unikum. Jedenfalls aber wird die Bestrafung des unreifen Menschen, die die zweite Instanz wohl nicht abschwächen wird, eine dauernde Warnung vor leichtfertigem Waffengebrauch im ^rieben für alle Angehörigen des Heeres und der 'Karine sein.

Etwas mehr Klarheit ist auch in die Angelegenheit deS Prinz en Aren berg gekommen. Er ist in der Tat durch Bestechung zu einer beferen Behandlung im Gefängnis gekommen. Sein Prozeß soll jetzt wieder aufgenommen werden, denn er war schon, als er dem von ihm ge­töteten Neger mit dem Ladestock im Gehirn herum bohrte, angeblichnicht mehr zurechnungsfähig". Es gibt Jdeoloaen, die alle Verbrechen auf Geistesstörung zurückführen wollen. Das hat man auch an dem Prozeß der Kindesmörderin Baronesse v. Seckendorf beobachtet. Es ist bekannt, daß Prinz Arenberg früher als Kürassier in Münster allerhand Sinnlosigkeiten beging und deshalb von seinen Verwandten schon nach Aftika abgeschoben wurde. Wird der Beweis llcpp und tLar erbracht, nun so wird niemand länger be­fürworten, daß der Irre 15 Jahre im Gefängnis bleibt. Dennoch wird man sagen müssen: der Familienehre der Arenbergs ist diese Geisteskrankheit immerhin gelegen ge­kommen. . . .

Are Jubiläumsfeier in Petersburg.

Petersburg, 1. Juni.

Kanonensalut kündigte am Freitagmorgen den Beginn der Jubelfeier des zweihunbertjährigen Be­stehens der Stadt an. In feierlichem Zuge wurde das Boot Peters des Großen aus bem Petershäuschcn zum Peter-Denkmat gebracht. Vorau fuhr ein Dampfer mit der Geistlichkeit und dem Erlöserbilde. Dann kam die Barke mit dem Boot Peters des Großen, der eine Flotille von Dampfern, Jachten, altertümlichen Galeeren und Ruderboote folgte. Als vor der Festung auf dem Boote Peters die Kaiserstandarte gehißt wurde, erdröhnte Ka- nonensalut und sämtliche Schiffe salutierten und legten bunten Flaggenschmuck an. Beim Winterpalais vereinigte sich die Geistlichkeit mit der dort harrenden Kirchenprozession und setzte den Wog nach der Jsaakskathebrale fort. Truppen bildeten Spalier, darunter befanden sich, Kompagnien der unter Peter dem Großen gebildeten Regimenter, auch des jechigen Wiborgschen Regiments, dessen Chef Kaiser 'Wil­helm II. ist, mit Fahnen aus der Zeit Peters des Großen. Unter dem Gesang der Kirchensänger passierte die Prozession den Admiralitätsquai und zog unter Glockengeläute zur Kathedrale, in der die Würdenträger, das diplomatische Korps, die auswärtigen Deputationen und Vertreter der

Säoger-Zöettstrctt in Zlranksnri a. M.

(Vorbericht.)

Frankfurt, 1. Juni.

Tausende von ftöhlichen Ausflüglem hat das pracht­volle Pfingstwetter ans Frankfurt hinausgeführt, aber noch unendlich viel größer war der Strom der Besucher, der cm beiden Festtagen aus der Umgegend hereinflutete. Gall es doch, die nahezu vollendeten Vorbereitungen für ben Empfang des Kaisers und der Kaiserin zu beschauen und ui bewundern. Und da gabs viel zu bewundern!

Auf dem Bahnhof selbst haben der Bebraer uni) der Wiesbadener Bahnsteig einfachen, aber würdigen schmuck erhalten. Die Eingänge sind portalartig mit Draperien in Rot und Violett überzogen und über dem Querbalken riebt sich oben Laubgewinde hin, in das farbige elektrische Leuchtkörper verteilt sind, und in dessen Mitte der preußische und der deutsche Adler, von einer Kaiserkrone überragt, an gebracht sind. Von hier bi-, zu den Geleisen sind Arrange­ments von Topfgewächsen und Blumenflor verteilt. Dor dem Südportal, durch das die Majestäten heranstreten, sind quirlandenumwundene Flaggenmasten errichtet, wäh­rend an der Hauptsront bereits Vorbereitungen zur Illu­mination getroffen sind. Auf dem Bahnhofsplatz haben die großen Lichtträger Verzierungen durch Embleme der Tom und Gesangskunst erhalten, im übrigen zeigt der Platz vorwiegend gärtnerischen Schmuck. Die Einmündungen der Zufahrtstraßen nach der Stadt sind hier durch reich versierte Qbelisken markiert. .. _

Am Eingang zur eigentlichen ^tstratze, Ecke der Scharn- horftstraße, erhebt sich eine in Weiß gehaltene mit goldenem Eichenlaubgewinde und Blumen veizieite Ehrenpforte, die von einer goldenen Lyra gekrönt wird Knabenfiguren sttitzen diese mit der einen Hand, während sie in der anderen Palmenzweige tragen. Die Straße bis zur Wilhelmsbrucke umsäumen wieder Obelisken. Ans der Blicke selbst Md die Saternenträger in zierliche Obelisken mit ®ra-ftCT7ieTl und Festonschmuck verwandelt. Am jenseitigen Bruckentopf

endlich ist ein mächtiger Triumphbogen von 30 Meter Höhe und 17 Meter Lichtweite errichtet. Der obere Teil des Bogens erinnert an die Formen einer großen Prachtgondel, bereu Kiel und Heck zu beiden Seiten an den Ecktürmchen hervorragen. Ter Turmaufbau ist mit Leiern geziert und von der Kvlossalfigur einer Siegesgöttin gekrönt, die den einziehenden Sängern Lorbeerkränze entgegenreicht. Von der Brüstung dieses Aufbaues, hinter welcher Bläser auf- gestellt 'werden sollen, die das Kaiserpaar begrüßen, fällt auf der Frankfurter Seite ein sieben Meter langer Teppich mit dem Frankfurter Adler herab, auf der Sachsenhäuser Seite ein solcher mit bem viergeteilten Sachsenhäuser Schild. Der Torbogen selbst ist innen blau gefeldert. Tas Ganze macht einen trotz der massigen Formen gefälligen Eiiidruck.

Von hier ziehen sich laubumwundene Flaggenmasten bis zum Festplatz, wo die Straßendekoration mit zwei Kvlossal-Obelisken wirksamen Abschluß ftndet.

Zu erwähnen ist noch die Untermainbrücke, über die das Kaiserpaar der Rückweg zum Bahnhof führen wird. An ben decken Brückenaufgängen erheben sich in Nischen von lebeickem Grün bie doppelt-lebensgroßen Büsten von Brahms und Schumann auf der Frankfurter und von Mendelssohn und Schubert auf der Sachsenhäuser Seite. Auf der ganzen Brückenstrecke sind dann die großen Masten der elektrischen Straßenbahn mit Guirlanden verbunden und mit Fahnengruppen geschmückt. Weiter tragen sie je ein großes Banner von Gockbrokatstoff mit Porträt und Namen eines um den deutschen Männergesang besonders verdienten Komponisten.

Auf dem Festplatz selbst erhebt sich inmitten prächtiger gärtnerischer Schmuckbeete, die mit einem Kostenaufwande von 165 000 Mk. nach Plänen des Bauinspektors Wicke mit Unterstükung durch den Stadtbaumeister Jos. Richter und den Architekten Steinbichler erbaute Festhalle, bie neben ben für die Majestäten bestimmten Räumlichkeiten, den Logen für das Gefolge, die Preisrichler und den Ausschuß, und den Zimmern für bie Sänger insgesamt 7664 Sitzplätze für Zuhörer enthält. Sie bietet, mit iurem schlanken, bie

Kaisergemächer enthalteicken Turm-Vorbau in der Mitte, ein Bild einfacher, solider Eleganz und vollendeter archi- teltonischer Formenschönheit. Hier ist mit geringen Mitteln geradezu Hervorragendes geleistet, nicht nur in Bezug auf Schönheit, sondern auch auf Sicherheit und Bequemlichkeit der Besucher.

Das Innere der Halle ist ebenfalls einfach und würde­voll gehalten. Tie Giebelseiten schmücken zwei 20 Meter lange und 7 Meter hohe Fenster von imitierter Glas­malerei. Das Podium bietet Platz für 1700 Sänger und 120 Musiker. Tie Schallmuschel ist umrahmt von einem mächtigen Lorbeerstab mit vergoldeten Rosen. Darüber erhebt sich eine Zlolossalgruppe in Flachrelief auf himmel­blauem Grunde, Apollo, Gesang und Poesie verkörpernd, modelliert von Snody. Die Logenbrüstungen schmücken kost­bare Teppiche.

Reicheren Schmuck haben nur die Kaiserloge und bie daranstoßenden kaiserlichen Gemächer erhalten. Tie Loge des Kaiserpaares n't taubengrau drapiert, breite Goldborte umrahmt die Wandfecker, den Plafonds schmückt ein antikes Deckengemälde. Die Loge wird flankiert von zwei von Franz Rittweger modellierten hoheitsvollen weib­lichen Jdealgestalten, die goldenen Lorbeer und Sietzes- palmen tragen. Ueberfpannt ist die Loge nach bem Saal zu von einem mit Kaiserkrone, Straußenfederbüscheln und gockgestickteu Lambrequins geschmückten purpurfarbenem Baldachin. Bon der Loge führt eine doppelseitig angelegte Treppe in den Saal hinaus. Aus ihr sollen bie Vertreter der preisgekrönten Vereine zur Empfangnahme der Preise in die Kaiserloge hinaufsteigen. Tie Logenbrüstung schmückt ein riesiger Aar auf antikem mit Lorbeergehängen ver­zierten Schild.

Vor der Loge liegt der Empfangssaal der Majestäten, der mit seinem pracktvollen Portalschmuck, seinen mit rotem Lammet umt Brokat bespannten Wänden mit kost­baren Gemälden ans dem Privatbefitz hiesiger Patrizier­familien und seinen herrlichen Möbeln aus eben solchem Besitz, seinen Spiegeln und -Lustern ruhig und wahrhaft