Ausgabe 
2.4.1903 Zweites Blatt
 
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recht wohl zufrieden. £um Zeichen dessen habe er geruht, dem Kvmmlssionsmitglied, Landgerichtsrat Dr. Schäfer, die Krone zum Ritterkreuz L Kl. des Verdienstordens Phi­lipps des Großmütigen, und dem Ingenieur Schiele das Ritterkreuz 1. Kl. dieses Ordens zu verleihen. Er über­reichte den beiden Herren die Auszeichnungen persönlich, und beglückwünschte sie, und die übrigen Anwesende:! schlossen sich dem an.

ES erfolgte hiernach die Führung der Geladenen durch die Räumlichkeiten der Anstalt. Sie geschah in drei Ab­teilungen durch Geb. Oberbaurat v. Weltzien, Landgerichts­rat Dr. Schäfer und Baurat Diehm. Wir besichtigten zu­nächst die Küchenbauten, die TampskockMche mit allerlei zweckentsprechenden Vorrichtungen und Apparaten. Aus beiden Seiten befanden sich die Speiscausgabestellen für Männer und Frauen mit den dazu gehörigen kleinen Räu­men. Sehr sehenswert und in ihren Errichtungen vollauf zufriedenstellend war auch die aroße DcunpfwajchHiche, deren Wasch- und Wringmaschinen elektromotorisch getrieben und uneingeengt gehandhabt werden können. Trockenapparatc sind in den Nebenraumen aufgestellt, in denen sich auch PlaH für Ausbesserungsarbeiten vorfindet. In unmittel­barer Verbindung mit diesen Kücheneinrichtungen befinden sich im Erdgeschoß drei große Kessel der Dampfheizung Hinter den Küchengebäuden liegt ein der Beschäftigung arbeitsfähiger Kranken dienendes lleineSWirtschaftsgebäude.

Tann folgten wir unserem Führer nach einem der eigentlichen Krankenhäuser. Es giebt deren je eines aus beiden Seiten des Verwaltungsgebäudes, das hinter dem Hauvteingang an der Licherstraße steht. Diese Krankenhäuser betritt man, wie alle derartigen Anstalten, mit einem Gefühl der Unbehaglichkeit und Bekümmernis. Tie armen Kranken müssen sich, trotz der Fürsorge, die für sie getroffen wird, doch manchmal recht verlassen Vorkommen. Aber was getan werden konnte, ist geschehen: die Wohn- und Schlafräume sind einfach und schmucklos, aber sie genügen in jeder Hin­sicht den notwendigen Bedürfnissen und den Anforderungen der Hygiene. Im oberen Stockwerk, im großtn Speiseraum, sanden wir schon Insassen, eilte, gebrechliche Männer. Wie niedergedrückt und unbehilflich stand dort am Fenster der Alte und legte seine Hand scheu auf das Fensterbrett; wie scharf und fragend musterten uns die weißhaarigen Leute, die da auf der Bank an der Wand saßen! Man dachte un­willkürlich an Uhdesche und Liebermannsche Gemälde. Die ganze Einrichtung erinnerte daran: lange Tische und ein­fache Stühle. Für Zuführilng frischer Luft, für Reinlichkeit und Ueberwachung ist genügend Sorge getragen. Bäder und Bcausezellen befinden sich unten.

In jedem dieser Krankenhäuser findet sich Platz für 120 Personen. Das eine ist für Männer, das andere für Frauen bestimmt. Bei jedem dieser Gebäude befindet sich noch eine kleine Anstalt für solche Pfleglinge, deren Zustand Absonderung von den übrigen erfordert. Heute ist das Siechenhaus aufnahmefähig für zusammen 280 Kranke.

Im Derwaltungshause sahen wir unten das Pienst- zimmer der Verwaltung, das Aerztezimmer mit Operations­tisch rc., dabei die Wartezimmer für die Kranken. Eine Treppe hoch wohnen besser situierte Kranke. Einen Stock höher ist die Wohnung des Verwalters.

Die Anstalt wird in den dahin gehenden Bedürfnissen durch Zentralheizung, Wasserleitung, Ventilation rc. auss Beste versorgt. Das Schmutzwasser wird zunächst provi­sorisch in Gruben geführt; später erfolgt der Anschluß an die städtische Kanalisation.

Wir verließen das Siechenhaus mit der Ueberzeugung, daß damit in der Tat einem großen Bedürfnis auf die beste Weise gedient ist. Auch das Aeußere dec Gebäude läßt nichts zu wünschen übrig. Gefällig und sauber im Anstrich und zierlich im Wechsel der angesetzten Rokovo- glebel, stehen o'ie Häuser da draußen im Freien aus der Höhe und in der Nähe des Waldes.

Nach der offiziellen Eröffnung der Anstalt begaben such die Geladenen noch zu einem geselligen Zusammensein in Steins Garten. Tabei hielt F i u a n z m i n i st e r G n a u t h eine kleine Ansprache, in der er ebenfalls des Interesses des Landesfürsten gedachte und ein Hoch auf Kaiser und Groß­herzog ausbrachte. Landgerichtsrat Dr. Lchäfer verfehlte nicht, am Geburtstag des großen Kanzlers die Erinnerung an ihn wachzurufen und die Anwesenden auszusordern, durch Erheben von ihren Sitzen das Andenken Bismarcks zu ehren. Iustizrat Tr. Gutfleisch würdigte namens des Provin­zialausschusses die Verdienste des Geheünrats v. Weltzien und brachte ein Hoch auf ihn aus, worauf sich der Geeyrte erhob und seinen Dan( ausfprack> Mit einem Hoch des Provinzialdirektors Tr. B r e i d e r t aus den Finanzminister war auch diese Festlichkeit beendet.

Hntclguung des Klinikgelaudes vor dem Arovinzial-Ausschuß.

(Schluß aus dem L Blatt.)

Iustizrat Hirschhorn citicrt die neuesten Entscheid­ungen des Reichsgerichts, danach liegt bei Enteignungen Baugelände vor, wenn nach der natürlichen Entivickelung der Stadt, nach den örtlichen Verhältnissen, in absehbarer Zeit die Möglichkeit besteht, dalß das Terrain Baugelände wird und dann ist die Entschädigung auch für Bauland zu gewähren. Der Geh. Iustizrat Jockel habe vom Verkehrs^ Publikum gesprochen. Der Redner fragt, ob denn der Bauunternehmer Winn, die Architekten Stein L Meyer u. cl, welche sagen, es handele sich um wertvolles Dillengelände, nicht Leute seien, die zum Verkehrspublilum gehören. Der Bauunternehmer Winn habe für Planksches Gelände c 15 Mark geboten und dafür war es dem Eigentümer nicht verkäuflich, oder sei man auf der Gegenseite der Meinung, Winn habe nur zum Spatz geboten. Die Frage, ob das Quartier, welches man enteignen wolle, ohne die Projekte der Kliniken nicht schon bebaut wäre, sei nach der Beweis­aufnahme nur zu bejahen; denn das glaube wohl niemand, daß man in der StephanSmark oder gar in die Schwarzlach vornehme Villen errichten würde, die letzten Wochen hätten doch bewiesen, daß für solche Bauten in Gießen ein Bedürfnis vorliege. Wenn aber der Staat mit seinen Projekten der­artige Situationen schafft, wie links der Franksurterstraße für das Gelände zwischen Wilhelm- und Klinikflraße, bann habe er auch die Pflicht, volle Entschädiguna zu geben, falls er dasselbe wegnimmt. Iustizrat Herschhorn geht dann auf die Rechtfertigung der Forderungen der von ihm ver­tretenen Eigentümer ein. Dem Rentner Scbwan seine Par­zelle liege dicht angrenzend an Planks Gelände, wofür man 8 Mk. geben wolle, und die- grenzt an DoströmS Stück Lund, für welches 19 Mk. pro Meter bezahlt worden seien. Die wolle man diese Preisunterschiede von Gelände, welche- dicht beieinander liege, rechtfertigen. ES sei unbereck^ gt, Schwan 3 Mk. wen g-w zu g.b.n c.ls Piank und b.eTe.n wieder 11 Mk. weniger als Boström. ES fei ganz und gar ur.btoi^|- kich, wie man Geläntx, daS man mit 5 Mk. bezahlt habe, .welche- aber oben an der Sckjöne« AuZsicht liege, vergleichen

wolle mit dem Planffchen, mit dem Schwan sch en, mit dem Gailschen Gelände oder mit dem der Balser-Stiftung. Er habe schon einmal erklärt, die Balserstiftung wolle kein Geld, sie brauche es nicht. Müsse sie es aber nehmen, so sei sie gezwungen, dafür wieder Gelände angrenzend an das­jenige ihrer Besitzung, welches man ihr nehmen wolle, zu erwerben. Sie könne solches aber nur haben von dem An­lieger, von Gails Erben, denen sie für den Meter 19 Mk. bezahlen müsse, denselben Preis, den die Balserstiftung ver­lange für das Land, welches sie für die Kliniken abtreten solle. Die Gegenseite habe darauf hingewiesen, daß die Stadt Gießen für die Kliniken Parzellen zu 5 Mk. für den Meter abgetreten habe. Wie könne man diesen Umstand al& Beweis heranziehen. Die Kommune habe ein Interesse daran, daß Kliniken gebaut würden, und wenn, wie es ge­schehen, bie Stadt dem Staat Gelände halb schenkt für ilniversitätszwecke, so bietet doch dieser Umstand keine Ana­logie für private Verkäufe. Haubach habe sein Gelände oben an der Frankfurterstraße viel zu billig an den Staat überlassen. Wenn ein Geländekundiger, wie Haubach, ein seiner Mutter gehöriges Grundstück am Riegelpfad denMeter mit 15 Mk. verkauft habe, was auch nicht zu hoch sei, so entsprächen 5 Mk. für das in Frage kommende Kliniks­gelände auf keinen Fall dem wahren Wert. Die Vcrgleich- zifsern wiesen darauf hin, daß die Lokalkommission zu niedrig taxiert habe. Die Eigentümer seien im vorliegen­den Falle sämtlich angesehene Gießener Bürger, die zum größten Teil daS Gelände ererbt oder schon lange im Besitz haben, und nicht Geländespekulanten. Iustizrat Hirschhorn bittet den Provinzialausschuß, die von seinen Klienten ge­forderten Entschädigungen diesen als angemessen auch zu­zusprechen.

Darauf spricht Rechtsanwalt Katz. Er begründet ein­gehend die Forderung von Gabriel, der 122 OÖO Mark für seine Besitzung verlangt. Was dem Professor Boström recht war, das müsse für Herrn Gabriel auch billig sein, meint RechtSanw. Katz. Wenn dieser seine Freude an dem Stück Gartenland hatte, so sei sein Klient mit seiner Be­sitzung eng verwachsen. Es sei Väter Erbe, von dem er sich trennen solle, es ist sein Haus, in dem ec groß ge­worden. Jeden Baum habe er pflanzen und gedeihen sehen, und von Jahr zu Jahr Müde, Geld und Arbeit Darangeroenbet, aus seinem Garten das zu machen, was er tatsächlich geworden fei, die schönste und wertvollste Obstplantage in der ganzen Stadt. Es sei überhaupt nicht möglich, daß der Fiskus seinen Klienten den Gegenwert geben könne, für dessen Besitzung, die ihm ans Herz ge- wachsen, von der er sich nicht trennen wolle, es sei nicht möglich, das zu entschädigen. Aber wenn es sein müsse, wenn Herr Gabriel die Besitzung hergeben müsse, dann solle der Staat den Mann auch reichlich und voll entschädigen wie es das Gesetz wolle. Die Lokalkommission sage, das Haus seines Klienten sei nur 27 000 Mark wert. Architekt Meyer, ein Mann, der von der Sache was ver­stehe, habe bekundet, daß ein solches Haus nur für 35 000 Mark zu erbauen sei. Das ganze Gelände zwischen Klinik- und Wilhelmstraße habe die Anwactsckjaft, Baugelände zu fein, schon darum, weil in den amtlichen Plänen die Straßen als ProjeÜe eingezeichnet worden seien. Der Ver­treter Gabriels verweist auf den von ihm zu den Akten Überreichten Plan und beantragt wiederholt, den Geo­meter Wißner darüber zu hören, ob diese Planzeichnung mit Projektierung der Straßen von ihm amtlich gefertigt sei. Auch Professor Riegel habe bestätigt, daß entlang dem Gelände Gabriels eine Straße vorgesehen gewesen. Wer die Verhältnisse der Stadt Gießen kenne, der werde zugestehen müssen, daß es sich bei der geplanten Ent­eignung nicht nur um Baugelände, sondern sogar um bevorzugtes Baugelände hanoele und darüber sei er mit feinem Kollegen Hirschhorn einig, wären die Kliniken nicht in Sicht gewesen, dann wäre das Quartier längst zur Be­bauung geöffnet und auch schon bebaut Wenn er für Gabriels Gelände für den Meter 15 Mark verlange, so sei dies nach Maßgabe der Verhältnisse nicht zu hoch und es müsse dieser Betrag auch bewckligt werden. Auch darin habe sein Kollege Hirschhorn recht, Jöckels ablehnender Standpunkt bezüglich einer Entschädigana der Lbsibäume und Umfriedigungen sei irrig. Nach der feststehenden Praxis des Provinzialausschusies würde hier volle Ent­schädigung zu erfolgen haben. Wenn der Bauinspektor Becker behaupte, baß sich das Anwesen seines Klienten bei einer Vermietung nickst rentieren würde zum taxierten Preise, so komme es darauf zwar nickst an, aber die Villa in ihrer freien Lage, mit dem prachtvollen Blick, abseits dem Straßenlärm, dazu der wohlangelegte Obst­garten mit seinen ebelen Sorten, das fei etivas für einen reichen Mann, der den Pfennig nicht anzufehen brauche. Leute, die etwas von der Sache verstünden und bie An­nehmlichkeiten einer solchen Besitzung zu würbigen unb zu schätzen wüßten, solche Leute würben ben, geforberten Preis für bie Besitzung auch bezahlen unb für ihr Gelb auch nicht zu wenig bekommen.

Rechtsanwalt R ö m h e l d bemerkt, daß wohl alle dar­über einig feien, daß c5 sich hier nicht um landwirtschafk- lich benutzbares Gelände, sondern um Baugelände handele, welches seinem wahren Werte nach bezahlt werden müsse. Ob dies im geringeren oder höheren Maße zu geschehen habe, darüber herrsche Streit. Da über das Enteignungs­recht ein ausgiebiger hessischer Kommentar nicht bestehe, und ein preußischer Kommentar bereits von feinen Kol­legen herangezogen fei, so führe er noch einen badischen Kommentar über die in Frage stehende Materie an. Röm- Held verweist auf die betreffenden Stellen, welche nach Lage der Sache auf den vorliegenden Fall zutreffen sollen. Es sei außer Zweifel, daß vielleicht eine nicht beabsich­tigte, aber tatsächliche künstliche Beeinflussung, eine gewisse Preishintenanhaltung burch die Stadt Gießen für daS Gelände links der Franksurterstraße, durch, die nicht er­folgte Eröffnung als Sauquartier erfolgt sei unb zwar mit Rücksicht auf die KlinikSprojekte, Die in der Luft schwebten, und die nun praktisch geworden seien. Dieser Umstand könne nicht zu Unaunsten der Eigentümer bei der Enteignung in Betracht kommen, wohl aber müßten alle bie Momente, welche bafür sprächen, daß es sich um wertvolleres Baugelände hanoele, mehr gewürdigt werden, als die Lokalkommission dies getan habe. Herr Römhelb bittet den Provinzialausschuß, den von seinem Klienten Rosenthal für sein Gelände geforderten Preis diesem zuzubilligen.

Geh. Iustizrat Dr. Re atz, der für den Eigentümer Deidig eintritt, verweist auf seinen zur Sache einge- reichten Schriftsatz, durch den er bargelegt hat, wie nach den Bestimmungen de« Bürgerlichen Gesetzbuch- im vor­liegenden F-ail entschädigt werden müsse. Er bittet die von ihm schriftlich mcti inerte Forderung yi prüfen und auch als billig zu gewähren.

Pfarrer Tr. R c u m a x x verweist baceuf, daß die evangelische Gvrne^denrrtrerung für ihr Gelände txx ge­

wiß sehr bescheidenen Preis von 8 Mark für den Meter verlangt habe. Wenn Dauinspektor Becker darauf hinwies, daß ja nicht jeder Quadratmeter des Gelände- zwischen Klinik- und Wilhelmstraße für die Bebauung nutzbar fei, weil doch Straßen dasselbe durchqueren müssen, und daß man für das zur Straße abzutretende Gelände nur 1,20 Mark erhalte, so werfe er die Frage auf, wo das ge­schrieben stehe. Tie Kirchengemeinde habe zu ihrem Nach­teil seinerzeit, als bie Kirchrraße burchgelegt würbe, auch geglaubt, es sei so, bie Stadt brauche nicht mehr als 1,20 Mark pro Cuabratmcter für Gelänoe zu Straßenzwecken zu entschädigen. Da habe man benn nicht mehr genom­men. Ja man habe sogar noch ein paar vom Kirchen- gelänbe ^Pfarrgarten) durch die Straße obgcschnitiene Üte- ländestucke der Stadt überiajfen, natürlich auch für 1 IDuirt 12y2 Pf., unb wie wertvoll biefe Stücke geworden feien, erfehe man daraus, daß die Stadt dafür nach einigen Jahren 42 Mark für den Quadratmeter von einem Rc- llcttanten verlangt hat. Bauinfpettoc Becker meint, das Gelände, welches oben an die Klinikstraße stößt, hege unmittelbar an Staatsgelände, unb biefer würde dasselbe nie zu einer öffentlichen Straße herben. Dagegen sage er, ivenn der Staat sich weigert und die Notlvenoigkeit der Straßenanlage liegt vor, dann wirb bejfen Gemnde ebenso enteignet, wie bas Terrain eines Privatmannes enteignet wiro. Pfarrer Dr. Naumann erklärt ferner, er habe keinen Auftrag, für bad zur Enteignung vorgesehene Lanb einen Höheren Preis zu verlangen, als 8 Mark für ben Meter; wenn aber ber Provinzialausschuß bafür 10 Mark zubillige, so sei er überzeugt, Die evang. Kirchen­gemeinde werde den Mehrbetrag dankbar nehmen.

Es nehmen nacheinander noch kurz das Dort zur Ent­gegnung Iustizrat ISckel unb Bauniipektor Becker.

Iufrizcat Hirfcyhorn er Härt, wenn er wolle, tonne er über die Sache noch mehrere Stunden sprechen, er glaube aber der Sackst am besten zu dienen unb gewiß auch in aller Interesse zu handeln, wenn er sich setze unb nichts mehr sage.

Tem schließen sich bie anberen Anwälte, mit Aus­nahme bes Rechtsanioalts Katz an, ber aber nur wenige Worte noch spricht, woraus der Provinzial-Ausschuß sich zurückzieht, um nach einer halben Stui De Durch Den Ver­fitzenden, Provinzialoirektvr Tr. Breidert verkünden zu ,la|f.n, daß Das Urteil, wie schon mitgeteilt, in einer noch zu bestimmenden Sitzung verkündet werden wird.

Aus Hluöl und £unö.

Gießen, am 2. April 1903.

* * Personalien. Die LehramtSaeeessisteu Büttner zu Offenbach, Dr. Daudt zu Mainz, Glenz zu Wörrstadt, Hirsch zu Oppenheim, Knauß zu Worms, Konrad zu Dieburg, Rüssel zu Bingen und Wagner zu AlSseld wurden zu Lehramtsassesioren ernannt.

* * Abschiedsfeier für Professor LuciuS. Wie unS mitgeteilt wird, ist für den 20. April eine AbfchiebSfeier für den nach Darmstadt berufenen KreiSschulinspektor Prof. Dr. Lucius geplant.

* Bef itzwechsel. Die Bäckermeister Spieß'sch^ H o sra ite an der Neustadt ging durch Kauf für 42 000 Mk. in den Besitz des Bäckcrrneister (Sengnagel über. TaS früher A tt i g sche Haus, SelterSweg 9lr. 2, wurde vom jetzigen Besitzer Kaufmann Arnold, vorbehaltlich ber Ge­nehmigung ber Stabtverordneten-Verfamnilung für 31 000 Mark an bie Stabt Gießen verkauft. Diese ist im Besitz beS HintergebäubeS beS Besitztums, woburch dasselbe überaus wertvoll wird.

o- Grebenhain, 31. März. Die letzten Holzver­steigerungen ergaben gegenüber den früheren Versteiger­ungen ganz außergewöhnlich hohe Preise. Buchenscheitholz 1. Klaffe pro Meter 79 Mk., 11. Klaffe ber Raummeter 45 Mk., Büchenknuppel I. Klaffe pro Nieter 4.506 Mk., II. Klasse 34 Mk., Buchenreisig pro Meter 23 Mk., Buchenslöcke pro Raummeter 3.504.50 Mk. Fichtenstanim- holz kostet ber Festmetcr durchschnittlich 1822 ÜDlf. Fichten» Schichthaufen der Raummeter 56 Mk. Die beiden letzten Holzarten waren verhältnismäßig billig. ES finden später noch weitere Versteigerungen m hiesiger Oberförslcrei statt. Kaum ist bie ruchlose Tat des Raubmorbcs auf der Strohe zwischen hier und Ilbeshausen den Bewohnern unserer Gegend etwas auS dem Gedächtnis gekommen, so ist nun ivieder an diesem noch nicht lange begonnenen Bahnbau unter den aus­ländischen Arbeitern eine blutige Szene Dorgcfommcn. Einige derselben kamen in der nahe der Cbcrmalöfiraije, an der Staatsstraße zwischen hier und HartmannShain cibauten Kantine in Streit, wobei einer einem anderen mit euum Messer einen tiefen Stich in die Brust versetzte. Ter Täter entfloh in den nahen Wald. Ter Schwerverletzte mußte sich daS Meffer selbst hcrauSziehen, brach dabei die Spitze ab, welche der Arzt herauSholen mußte. Der Verletzte wurde in daS Krankenhaus nach Lauterbach verbracht. An seinem Auskommen wird sehr gezweifelt. Zivei andere Tiit« Helfer wurden in das Gefängnis nach Heibflcm verbracht.

ed. Darmstadt, 2. April. (Eigener Draht- bericht be5 Gieß. Anz.) AuS Anlaß ber 50jährigen (SrünbungSfeicr ber Dank für Handel und In« dustrie fand heute früh im Bankgebaudc em Festakt statt, in welchem der Vorsitzende dcS AiisslchtSrats, Kommerzienrat Michel-Mainz, bie zahlreich Erschienenen begrüßte, worauf Bankdirektor HarguS einen kurzen Umriß über die Grun- dungSgeschichte unb bie GeschäftSweife brachte, sowie der ver­dienstvollen Mitarbeiter gedachte. DaS GesellschastSkapital ist uon 4 Millionen Gulden im Gründungsjahre 1853 aus heute 132 Millionen Mark gestiegen. Einige Beamten wurden von der Regierung burch Ordensverleihungen ausgezeichnet. Die Bank hat der PensionSkaffe 100 000 Mk. überwiesen. Ve» tretet der Reichsbank, ber Hochschule und der Handelskammer brachten ihre Glückwünsche bar. Ferner sind zahlreiche Tcle- qramme unb Blumenspenben eingclausen. Um halb 12 Uhr sand bie große Generalversammlung statt. Diese war von 47 Mitglieder« besucht, btt 50 ISO Stimme« vertraten. Den Vorsitz führte Kommerzienrat Michel. Der Geschäftsbericht wurde erstattet unb dem Aufsichtsrat wie der Kaffe Entlastung erteilt. DerBrutto-Ucberschuß für 1902 beträgt 9 285 388 Mk. Tie Dividende wurde auf sechs Prozent festgesetzt mit 792 000 DU. Die Tantiemen an die Aufsicht-ratSmitglieder betragen 37 499 WT, bie an b« Direktoren 787 171 Mk., bie Gratifikationen an btc Beamten 186 157 Mk. Demnach verbleibt ei« tatsächlicher Ueberfchuß van 117 304 Mk. T« Zahl AufsichiHraiOmllGliaSar «uUe von 16 a-s 1< «-