Ausgabe 
2.4.1903 Erstes Blatt
 
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währt werde.

Schluß folgt.

bei

Aus und Land.

Gießen, am 2. April 1903.

** Ernannt wurde der Steuerkommissariatsassistent ... dem Steuerkommissariat Worms, Regierungsaftessor Gustav Pflug zum Bezirkskasseasftstenten bei der Bezirks-

kasse Mainz II.

** Erledigte Stellen. Die Stelle des Kontroll­beamten der Lokallassestellen des Bezirks Darmstadt I; die Stelle des Steuerkommissariatsassistenten bei dem Steuer­kommissariat Worms.

** Ern Unfall ereignete sich vorgestern mittag auf dem Braun st einberg wer vorm. Fernie. Zwei Leute verunglückten dadurcb, daß ein eiserner Rollwagen auf sie stürzte. Der eine, der ledige Arbeiter Müller-Duten­hofen, mußte wegen Scbenkelbrucys in die Klinik verbracht werden, der andere, im Rücken verletzte Woller-Kl.-Linden ist Vater einer kinderreichen Familie.

- Oeffentliche Lesehalle. Im März wurden 2147 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Litteratur 654, Zeitschriften 553, Jugendschriftcn 309, Litteraturgeschichte 18, Dichtungen 40, Länder- und Völker­kunde 57, Kulturgeschichte 27, Geschichte und Biographien 124, Naturwissenschaft und Technologie 114, Seewesen 8, Haus­wirtschaft 2, Philosophie und Religion 12, SraatSwisien- schäft 11, Fremdsprachliches 11 Bände. Nach auswärts kamen 108 Bände. Beachtenswert für die Benutzer der Bibliothek ist folgende Aenderung der Ausgabestunden: vom 15. ?lpril bis 1. Oktober ist Montag und Mittwoch von 79 Uhr abends geöffnet (statt von 68). Freitag und SamStag bleiben die Stunden wie bisher.

v. Von der Jagd. Die Schonzeit für Enten hat bereits am 1. März begonnen. Sonst haben unsere Auer- Birkfasanen, Truthähne, Trappen, Schnepfcnarten, Brachvögel und alles übrige gesetzlich geschützte Wild Schonzeit. Heber- Haupt keine Schonzeit hat bet uns: Schwarzwild, männliches Edel- und Damwild, alles Raubzeug, wilde Kaninchen, wilde Tauben, alles Wüd, welches tm Groß Herzogtum oder in deffen nächster Umgebung nicht setzt oder nistet. Ter Dachs ist von dem Raubzeug ausgenommen und hat vom 15. Februar bis 15. Mai Schonzeit, die zeitweise besonders aufgehoben werden kann. In einigen Gebietsteilen OberheffenS haben auf Grund besonders erteilter Erlaubnis die Jagdbestände das Recht, biß zum 1. April Enten zu schießen. _ DreS ist aber nur bei den an Preußen angrenzenden Gewässern gestattet, weil in Preußen die Schonzeit erst am 1. April beginnt. In der Ausdehnung der Schußzeit biS zum 1. April liegt eine empfindliche Schädigung der Jagd, da die Enten bereut am Brüten sind und die Jungen m wenigen Tagen Voraussicht» lich auSschlüpfen werden. Gin waidgerechter Jäger wird da­her trotz der ihm vielleicht erteilten Erlaubnis von dem Schießen der Enten absehen.

§ O r i e b e l, 1. Aprtt. Degen des kürzlichen Cranbel in der Hofraite unseres Mitbürgers Bär, sonne einer vor mehreren Wochen versuchten Brandlegung fanden wieder­holt gerichtliche Verhöre hier statt, die sich auch auf die Ermittlung der Verfasser von Brandbriefen erstreckten, die seinerzeit hier gefunden worden sind. 69 wäre sehr zu wünschen, daß der aber die Täter bezw. Drohbriefschreiber entdeck würden, darutt ihNeu daS Handwerk gelegt werben kann.

() Friedberg, 1. April. Au der am IS. Juli, de» iKebeuktag dar Siiegierüänuig, ftLttsiubeubarr Stieger-

berücksichtigen, daß ein großer Teil der Eigentümer durch das im Besitz des Staates befindliche Gelände an_ bei Klinikstraße, das, falls die Kliniken dort nicht hinkärnen, sicher als Schutzzone für die jetzt schon bestehenden Kliniken liegen bleiben müßten, von der Verbindung mit der Kltnik- straße abgcschnitten seien. Herr Becker erklärt, er erachte es ür notwendig, auf den freihändigen Geländeerwerb von iZrof. Boström mit wenigen Worten einzugchen, weil man es 0 hingestellt habe, als sei Prof. Boström, weil er Staats­beamter sei, für sein abgetretenes Gelände ein zu hoher Preis bezahlt worden. Man habe diese Erwerbung machen müssen, weil man möglichst bald eine Zufahrt zur Bau­telle nötig hatte, auch hätte man darauf gerechnet, früher mit dem Bau einen Anfang machen zu können. Professor Boström habe «bdä Gelände ungern hergegeben, er hatte einen Garten dort, an dem er seine Freude hatte Dieser Umstand führte dazu, dem Eigentümer einen gewissen Afsek- tionswert zu bezahlen. Ties tue und könne der Staat auch tun bei freihändigen Verkäufen, bei Enteignungen ober könne davon keine Rede sein. Man hoffte auch anfangs mit dem Herrn Gabriel auf einen Verkauf sich zu einigen. Gewiß wäre es dem Staat hierbei aus einige tausend Mark mehr ober w niger nicht angekommen, aber bei dessen Forderung wäre jede Vereinbarung von von h nin aussi^tslos g - toejen. a,er merkantile Wert des Gabrielschen Hauses ohne Gelände sei keine 27 000 Ml., es sei auch zu den Zinsen dieser Summe sicher nicht zu vermieten. Wie Architekt Meyer ein 30jähriges Bauwesen, wie das von Gabriel, ebenso hoch bewerten will, wie ein neues Haus, begreife er nicht. Lauinspektor Becker verweist darauf, daß die Balserstiftung und Gails Erben großen Vorteil von den zu errichten­den Kliniken haben, weil voraussichttich die Straße durch Boströms Garten als öffeittliche Straße sehr bald frei ge­geben würde. Tann liege deren Gelände an der Straße und könne bebaut werden. Planks Gelände habe erst durch die kommende Klinik höheren Wert erhalten, und es gehe nicht an, daß der Eigentümer einen Vorteil aus diesem Umstand ziehen wolle.

Justizrat Hirschhorn, der Vertreter der Balserstift­ung, von Gails Erben und Rentter Schwan, nimmt hierauf das Wort und erklärt, das nachträgliche Gutachten der Lokal- lommission sei rechtlich ganz ohne Bedeutung. Zuvörderst müsse er protestieren gegen die Darstellung des Herrn Bau- inspektor Becker, wie wenn hier in der Verhandlung von ihm oder einem seiner Kollegen der Verkauf Boström in illoyaler Weise gegen den Staat ausHeschlachtet worden wäre. Nein, er wiederhole, daß man der Ansicht sei: Boström und Haubach haben für ihr Gelände viel zu wenig bekommen vom Staat. Man wolle den wahren Wert, und das sei mehr als Doström und Haubach erhalten. Sein Kollege Jöckel hätte nicht mit den ältesten Entscheidungen des Reichs­gerichts kommen sollen, sondern mit den neuesten und aller- neuesten, die nach Lage der Verhältnisse zu Gunsten der Eigentümer im vorliegenden Falle sprechen. Wegen der Entschädigung der Bäume auf dem Gelände wolle er kein Wort verlieren. Die Frage fei für den Provinzialausschuß tägliches Drpt, es komme ja alle paar Wochen vor, daß eine Entschädigung für Bäume vom Puovinzialausschpß ge-

Zentrums, der Nationalliberalen, der Reichspartei in die Wagschale, vollkommen ausreichend für die Bildung einer Mehrheit auf die Regierungsvorlagen. Nach alledem ist es begreiflich, daß die leitenden Stellen gelassen darauf Verzicht leisten, den gereichtenstarken Arm" anzunehmen. Es wird nicht als ein nationales Unglück betrachtet, sollte der nächste Reichstag ein etwas anderes Gesicht zeigen, in dem die Freunde der Landwirtschaft in verminderter Zahl, die Freunde der Handelsverträge, der Industrie in vermehrter Zahl zur Stelle sind. Gras Bülow wußte, was er tat, als er die Sicherung des Wahlverfahrens zugestand. Und es hat Wahrscheinlichkeit, wovon man zurzeit in politischen Kreisen sprechen hört, daß demnächst eine be­sondere Anweisung an die Beamten ergehen werde, alles zu vermeiden, was als eine Einflußübung auf die Wahlen gedeutet werden könnte.

Enteignung des Klinißgeläudes vor dem Srovitizial-Ausschuß.

Fortsetzung.

Dauinspektor Becker verweist darauf, daß der Staat bereits über 33000 Quadratmeter des zu den Kliniken nötigen Geländes, also die größere Hälfte, in Besitz und diese freihändig von 12 Eigentümern zu dem angemef|cnen Wert von 5 Mk. pro Meter erworben habe. Alle die in der Ver­handlung zum Vergleich herangezogenen Geländeerwerb­ungen passen nicht zum Vergleich mit dem Terrain, welches zur Enteignung stthe, viel geeigneter zu einer Parallele mit demselben sei das Geläiwe hinter der Cholera-Baracke von Georg Simon und Carl Plank, das die Stadt gekauft und mit 2 Mk. pro Meter bezahlt hat. Eine weitere wich- tige für die Preisbewertung sei der Umstand, daß die Stadt­verordnetenversammlung in der Sitzung vom 31. Mai 1900 das fragt Gelände zu ö Mk. pro Quadratmeter bewertet und demgemäß die Abtretung der boriigcn städtischen Par­zellen zu diesem Preise dem Staat abgetreten fribc.

Die Behauptung, daß der Platz zwi,chen Wilhelm- und Klinikstraße der öfjentliä-en Bebauung wegen der Älimfen entzogen worden wäre, sei eine toiuiürlid)e, durch nichts bemic)ene und gerechtfertigte Behauptung. Die Stadt Meßen habe gar keine Veranlassung, nachdem die Stephans- mark uni) demiüichst wohl aitch die Schwarzlacb der Be­bauung eröffnet wurden, im Interesse einzelner Leute über den SclterSberg teure Strafen anzulegen und damit den Stadtsäckel zu belasten. Man tue auf der Jenseite immer so, als ob das Gelände, welches für die Äünikn bestimmt ist, das einzige Baugelände für Gießen sei, und dem sei doch nicht so. Tie Eigentümer berücksichtigen gar nicht, daß der Staat ihnen jeben Quadratmeter mit o Mr bezahle. Würden aber dort zwischen Klinik und Wilhelmstraße Straßen an­gelegt, um das Qklänbe der Bebauung zu erschließen, so entfiele etwa ein Sechstel der ganzen Fläche auf Straßen- gelände, wofür die Stadt etwas mehr als 1 Mk. pro Quadrat­meter bezahle, ziehe man dies in Rücksicht, so fei der wirklich zugebilligte Preis des Staates nichr 5 Mk., sondern 5.60 bis 5.70 Mk. pro Quadratmeter. Die Eigentümer sollten svch aber auch bedenken, daß kein Mensch wissen könne, wie die Straßen dereinst einmal gelegt würden uub daß daher jeder von ihnen da» Risiko trage, mit dem garten ober größten Teil seine» Geländes in die Straße zu füllen und dann ein schlrch^ Geschäft zu machen. U sei fern« zu

politische Tagesschau.

Die Frauenfrage im würtembergischen Landtag.

Tie einhellige Stellungnahme der Stuttgarter Abgeord­netenkammer zu der Petttion einer Doktorin Fräulein T r. Breiti nger wird man ihr zum Ruhme anrechnen dürfen. Tie Petentin hat mit einer seltenen Energie und Zähigkeit von der Voltsschule, die sie noch mit 30 Jahren besuchte, durch ein Lehrerinnenseminar, durch Privatstu- dium im Lateinischen und ourch Besuch der Universität Bern sich bis tuntDr. meb." hindurchgedrungen. Nun möchte sie in Württemberg, dem Lande ihrer Tätigkeit sie prak­tiziert in Eßlingen noch die ordnungsgemäße ärztliche Staatsprüfung ablegen. Aber der Reichskanzler erlaubt es nicht, obgleich die württembergischen Minister des Innern und des Kirchen- und Schulwesens sich für diese Erlaubnis verwendet haben. Da nämlich der Studiengang der Dame, die übrigens schon im 52. Lebensjahre steht, nicht den alten Traditionen entspricht, so kann nur der Reichskanzler du Dispensation erteilen. Einhellig hat sich die Abgeordneten­kammer zu gunften der Dame ausgesprochen, die mit einer ungewöhnlichen Energie sich in den Dienst der Frauenwelt stellen möchte; und ebenso sympathisch hat sie sich prinzipiell dahingehend geäußert, daß mit alten Vorurteilen aufge­räumt und den Kauen besonders der Zugang zum ärzt­lichen Berufe gewährt werden müßte.

Heer und Flotte.

Berlin, 1. April. Die Feier des 50jährigen Dienstjubiläums des Chefs des Generalstabes Grafen Schlieffen begann heute früh mit einem Ständchen dreier Militärkapellen. s2ün Vormittag versammelten sich im Bibliothekzimmer des Generalstabes die hiesigen General- stabsosfiziere, die Chefs der Generalstabe der sämtlichen deutschen Armeekorps und Gouvernements, Abordnungen des bayrischen und sächsischen Generalstabes, ferner Feld­marschall Graf Waldersee. Um 10y2 Uhr erschien der Kaiser mit den Herren des Hauptquartiers. Der Kaiser begrüßte die Versammelten. Hierauf trat Graf Schliessen ein. Der Kaiser hielt eine kurze Ansprache an den Jubilar, indem er dessen Verdienste um die Armee in warmen Worten hervorhob und ankündigte, daß er ihm das Groß­komturkreuz des Hausordens von Hohen- zollern mit der Kette verleche. Oberquartiermeister General Deseler hielt ebenfalls eine Ansprache. Graf Schliessen dankte mit einem Hurra auf den Kaiser, der Kaiser brachte ein Hurra auf den Grafen Schliessen aus. Später besichtigte der Kaiser das in einer Ecke der Bibliothek aufgestellte Geschenk der General- stabsofsiziere, eine Nachbildung des Uphuesschen Mottke- standbildes in Marmor. Sodann verabschiedete sich der Kaiser, und nun begann ein ununterbrochener Strom von Gratulanten, Abordnungen der Regimenter und Cffißiere aller Waffengattungen. Heute abend sand in der Kriegs­akademie ein Diner zu Ehren des Jubilars statt.

Der Oberst z. D. Hermann von Petersdorfs auf Schloß Geilnau bei Balduinstein a. d. Lahn feierte sein 50jähriges Militärdienstjubiläum. Er trat 1853 beim Regiment 21 (jetzt Regiment v. Borcke in Thorn) ein, machte mit dem Regiment 31 (jetzt Regiment Graf Bose in Altona) beide Feldzüge mit und erwarb sich das eiserne Kreuz erster Klasse bei Evinay vor Paris. Die Gattin des Jubilars ist eine Tochter des verstorbenen Dich? ter» von Badenstedt.

DenkmalSeuthüllung werden auch die ehemaligen hessischen Jäger, welche vor dem Feldzug hier garnisoniert waren, eingeladen werden. Die letzte Zusammenkunft der Jäger fand hier 1897 statt. Tie Kapelle der Hanauer Ulanen wird konzertieren. Einen Selb st Mordversuch ver­übte ein aus dem hiesigen Bersorgungshaus ins Provin- zial-Siechenhaus in Gießen überwiesener älterer Kranker; er brachte sich Schnittwunden am Halse bei und liegt schwerverletzt im Hospital. Sieben Sieche sind von hier nach Gießen übergesiedelt. Die feierliche Entlassung der Kandidaten des hiesigen evang. Predlgerserninars inbet nächsten Samstag oormutag statt. Sechs Herren werden entlassen werden. T-er Vors chu ß- und Kreditverein erzielte für den Februar eine Gesamt­einnahme von 418145 Mk.

-o- Rodheim a. d. Bieber, 1. ApriL Heute sind es 25 Jahre, daß Lehrer Höhn an der hiesigen Schule wirkt, und Lehrer Heymann versieht bereits seit 31 Jahren in hiesiger Gemeinde sein Amt. Beiden verdienten Lehrern wurde tn Gegenwart des Schulvorstandes und des Lehrerkollegiums des Kirchspiels durch den Üreisschul-Jw spektor Dank und Segenswunsch ausgesprochen. Bürger­meister Bechtold überreichte den beiden zerren entsprechende Geschenke der Gemeinde.

w. Wetzlar, 1. April. Die seit 1879 geplante Vereinigung der Landgemeinde Niedergirmes mit der Stadt Wetzlar trat mit dem heutigen Tage in Kraft. Ter Regierungspräsident hat zugleich angeordnet, daß Nieder­girmes von heute ab den Namen Weylar-Niedergtrmes zu führen hat. Nach der Etatsaufstellung wird die Ein- ivohuerzahl unserer Stadt darurch auf 11233 steigen. Eine bedeutsame Aenderung tritt auch in Detug auf unser Stadtverordnetenkollegium ein, indem die Zahl seiner Mit­glieder von 18 auf 24 erhöht wird. Das Vermögen, welches Niedergirmes der Stadt Wetzlar zubringt, beläuft sich auf 160 000 Mk., tue Abfindungssumme, welche die in ihrem Bestand verringerte Landbürgermeisterei Aßlar von der Stadt erhält, ist auf 140000 Mk. bemessen.

Vermischtes.

* Königsberg t. Pr., 1. April. Ucber die bereit- kurz erwähnte furchtbare Bluttat, die sich in der Nacht vom Samstag zum Sonntag hier zugetragen, berichtet die Königsb. Hart. 3tg/ folgendes: Die verwitwete Frau Oberstleutnant Lina Grapow hat zweifellos in einem Anfall geistiger Störung ihrem 10 Jahre alten Sohne, ihrem 4 Jahre alten Töchterchen und schließlich sich selbst mit einem Rasiermesser den Hals abgeschnitten. Alle drei wurden Sonntag vormittag tot aufgefuxben. Frau Oberstleutnant Grapow war 37 Jahre alt, fcu onn vor etwa zwei Jahren erfolgten Tode ihres Gemahls, mit dem sie in glücklichster Ehr gelebt hatte, etwas schwermütig. Sie lebte in durchaus geordneten Verhältnissen. Nahrungssorgen können unter keinen Umständen als Motiv angenommen werden. Nachdem die Mutter ihre Kinder durch Durchschneiden deS Halses getötet hatte, trug sie beide in em Bett, bedeckte bie Leichen und setzte sich bann völlig angekleidet zu Füßen deS Bettes auf einen Stuhl. In dieser Stellung hat bie Un­glückliche sich in gleicher Weise wie die Kinder getötet Rian and sie hintenüber über das Bett gesunken. Ter tätliche Schnitt war mit solcher Gewalt gefühtt, daß die Klinge deS Messers verbogen und von dem Heft ein Teil der Schale ab­gesprungen war. In zwei EouoettS, die Frau G. vor der Tat auf den Tisch gelegt hatte, fand sich der auf den Tag abgezählte Lohn für das Mädchen und für das Kmderftäulein vor, auf einem besonderen Zettel bat sie, über ihre Tat mög­lichst Stillschweigen zu bewahren, ohne jedoch auch dabei irgendwelches Motiv anzugeben, und endlich sand man noch in einigen Gläsern Gift bereitgestellt, vermutlich für den Fall, wenn das Meffer nicht das ersehnte Resuttat bewirkt hätte.

* Ostende, 1. April. In der Nähe von Zeebrugge sind Teile eines Ostender Fischerbootes, welches feit dem 24. März überfällig war, an Land gespült worden. Tie fünf Mann der Besatzung scheinen umgel ommen zu sein.

* Nizza, 1. April. Heute vormittag fuhr bei dem Automobilturbinenrennen Graf Sborowski gegen einen Felsen und wurde mit zerschelltem Schädel tot auf­gehoben. Auch sein Chauffeur wurde verletzt.

* Las er ta, 1. April. Gestern abend wütete in der Gemeinde Grazzanise em schrecklicher Orkan. Ter auf den Feldern und in den Wohnstätten angerichtete Lchaden ist sehr bedeutend. Drei Personen sind getötet, mehrer? verletzt.

An den Folgen eine- HundebisseS gestorben ist auf Gut Duren bürg in Westfalen der Prof. Dr. Grote- meyer, der bei dem kürzlich Heimgegangenen Abgeordneten Frhrn. 0. Heereman die Funktionen emeS HauSgeiflUchen auS- Qbte. Der 78jährige Greis war vor einiger Zeit von einem Lchoßhündchen in das Bein gebissen worden; die ursprüng­lich ganz unbedeutende Wunde verursachte schon nach wenigen Tagen unter starker Anschwellung deS betroffenen Körper­teils eine Blutvergiftung, welcher der Bedauernswerte jetzt erlegen ist.

Gegen eine Kaution von 200 000 Mk. wurde m Hamburg der Tabakmakler, Kaufmann Querner. der vor einiger Zett in Begleitung seiner Frau von dort fiüchtete und auf Grund eines hinter ihm erlassenen Steck­briefes in Kopenhagen verhaftet und nach Hamburg zurück- tranSporkiett worden war, auS der Untersuchungshaft ent­laßen. Duemet wird der fortgesetzten Untreue gegen seine Kommittenten, die Fttma Otten u. Co. m Bahrn, beschul­digt; ei soll sich hierbei um eine Gesamtsumme von nahezu 750 000 Mk. handeln. Gr ist infolge dieser Anschuldigung bereite durch Beschluß bei Börsen-Sbrengerichte auf sechs Monate vom Besuche der Börse auigeschloffen worden. Bei seiner un Hotel .PhSnix' in Kopenhagen erfolgten Ver­haftung sand man im Reisekoffer bei Flüchtigen Geld und Wertpapiere von rund ewier viertel Million Mark vor, während seine Frau die Summe wen 50 000 Mk. in Papier­geld in ihrer Taille eingenäht bei sich trug. Diese Gelder bezeichnete Cuerner bei seiner Vernehmung als sein redit- mäßiges Eigentum.

Ein Dorf durch Feuer zerstört. DaS Dors Befände m der spanische« Pcowinz Leon »nrde von einet furchtbaren Feueitedrunst tzenngcsncht. 32 Häuser und 41 Bieh- (lalle sind emgeäschert wordon. meisten Einwohner haben ihre ganze Habe »eilace«.