Ausgabe 
2.3.1903 Erstes Blatt
 
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Staaten gebunden fei Endlich ist bemerkenswert die allem Anschein nach bevorstehende Zulassung der Semi­nar-Abiturienten zum Universitätsstu­dium.

Im Ausland hat das englische Unterhaus die Heeresreformoorlage mit erheblicher Mehrheit angenommen. Es handelt sich um eine Verstärkung und um eine zweck­mäßigere Organisation des englischen Heeres nach den Lehren des südamerikanischen Krieges und dem Beispiel der kontinen­talen Staaten. Von feiten der Kriegsverwaltung wird namentlich die Einteilung des Landheeres nach einzelnen Armeekorps, ferner eine erhebliche Vermehrung der indischen Truppen befürwortet, nicht zuletzt mit Rücksicht auf die Mög­lichkeit eines kriegerischen Zusammenstoßes zwischen Rußland und England auf asiatischem Boden. Ebenso hat Oestreich- Ungarn der Erhöhung des Rekrutenkontigents definitiv zu­gestimmt. Auch Griechenland hegt militärische Reform­gedanken. Die Regierung gedenkt nach einem der Kammer vorgelegten Gesetzentwurf die Dienstzeit fortan auf 16 Mo­nate herabzusetzen, dann aber 36 000 Mann unter den Fahnen zu halten und sie in großen Manövern tunlichst für den Krieg vorzubereiten.

Was die Lage auf dem Balkan anlangt, so ist das macedonische Reformprogramm vom Sultan auf bringendes Empfehlen aller Mächte zwar angenommen wor­den, und der Sultan hat erst wieder am letzten Freitag dem üstreichischen Botschafter die strikte Durchführung der Re­formen zugesichert. Aber die revolutionären Heißsporne in Macedonien bieten den sehr ernsthaften russisch-östreichlschen Reformvorschlägen Trotz und wirken andauernd verhetzend auf die slavische Bevölkerung ein. In Erwiderung der Re­formnote verwies erst am letzten Samstag ein serbisches Blatt auf eine kürzlich durch die Blätter gegangene Mitteilung, nach der Serbien den status quo auf dem Balkan wünsche. Das Blatt protestiert energisch gegen eine derartige Behauptung. Kein Serbe könnte die Ausrechterhalung des Status quo wünschen, der gleichbedeutend sei mit dem grausamen Vernichtungskampfe, welchen fanatische Albanesen, unterstützt von den türkischen Truppen und türkischen Behörden, gegen das serbische Volk in Altserbien und Macedonien führten. Wenn Rußland den orthodoxen Brüdern helfen wolle, dürfe es ihnen nicht die Hände binden, sondern müsse zu Zwangsmaßregeln greifen, damit ernste Reformen ernstlich ausgeführt würden und der grausame Status quo für immer beseitigt werden könne. Dabei muffe ihm auch Serbien nach Kräften behilflich sein. Und inzwischen kommen immer neue Meldungen von blutigen Zu­sammenstößen zwischen türkischen Truppen mit bulgarischen Banden, in denen es nie ohne mehrere Tote abgeht. In Konstantinopel soll nach neuesten Meldungen die Be­merkung des russischen Regierungsbotenn, daß unter der Leitung der beiden Botschafter durch die beiderseitigen Konsuln eine strenge Kontrolle bezüglich der Ausführung der Reformen werde ausgeübt werden, sehr befriedigt haben, sowie die an die Balkanstaaten gerichteten Mahnungen und die Erklärung, daß Rußland keinen Tropfen Blut und nicht den geringsten Teil seiner eigenen Interessen für die Balkanstaaten opfern werde, wenn sie die Ratschläge nicht befolgen. Der russische Botschafter hat dem Sultan am letzten Samstag mitgeteilt, daß in Sofia und Belgrad er­neute Schritte wegen einer korrekten Haltung getan worden sind. Trotzdem wäre vielleicht längst schon dem gegenwärtigen immerhin noch leidlichen Zustande ein Ende mit Schrecken gemacht worden, wenn die Türkei nicht so viel besonnene Zurückhaltung bis jetzt bewahrt hätte. Mit den Türken ist aber nicht zu spaßen, wenn sie erst im Felde stehen. Das hat der Krieg mit Rußland in den 70 er Jahren des ver­gangenen Jahrhunderts und der letzte griechisch-türkische Krieg bewiesen. Mögen die Balkanländer daraus eine Lehre ziehen, ehe es zu spät ist.

Politische Tagesschau.

Zum bayerischen Ministerwechsel

spricht Harden in seinerZukunft" einige Gedanken aus, die Erwähnung verdienen. Er meint: Sollte Crailsheims Sturz wirklich einen Sieg des Partikularismus bedeuten und Bayern in Zukunft nicht mehr ein so bequemer Bundesgenosse sein, so wäre das ein Glück für das ganze Reich. Crailsheim trug die Hauptschuld an der antiberlinerischen Stimmung, die in Bayern herrschte, weil er viel zu willfährig und geneigt gewesen sei, sich Berliner Wünschen undEröffnungen" des schneidigen Grafen Monts zu fügen. Man sollte sich freuen, wenn Süddeutfchland jetzt kräftiger in die Reichs­politik eingreife und die Berliner Manager sich künftig fragen müßten, ob sie im Bundesrat nicht auf Schwierigkeiten stoßen werden.

Darin liegt jedenfalls etwas Wahres. Von Berlin aus beliebt man bisweilen, sich gegen manche Einzelstaaten Deutlichkeiten zu erlauben, die im Reichsinteresse nicht geboten sind. Das Zentrum hat es verstanden, hieraus politisches Kapital zu schlagen. Wir glauben, daß unsre nationale Einheit umso fester gegründet ist, je mehr man in Berlin lernt, den Rechten der Einzelstaaten, ihrer Fürsten und Volksvertretungen die gebührende Rlicksicht zu tragen.

Zur Reichstagswahlagitation.

Bekanntlich ist die Wahlbeteiligung im Volke noch immer nicht lebhaft genug und ein großer Teil der wahl­berechtigten Bürger verzichtet auf Stimmenabgabe, vorzüglich bei den Wählern der Ordnungsparteien. In welcher Weise sich die abgegebene Stimmenzahl auf die einzelnen Parteien verteilt und welcher Prozentsatz der Wahlberechtigten seine Stimme bei den Wahlen der jetzigen zehnten Legislatur­periode abgegeben hat, erhellt aus Nachstehendem. Demnach haben von den 11441094 wahlberechtigten Bürgern nur 7 752 693 ihrer Pflicht genügt, also 67,8 pCt., und zwar für Antisemiten (Deutsche Reformpartei, christlich-sozial) 284 250, Bayrischer Bauernbund 140 304, Bund der Land­wirte 110 389, Dänen 15 439, Deutsche Reichspartei 343 642, Elsässer 107 415, Freisinnige Vereinigung 195 682, Frei­sinnige Volkspartei 558 314, Konservative 859 222, Rational- liberale 971 302, Polen 214128, Sozialdemokraten 2 107 076, Dolkspartei 108 528, Welfen 94359, Zentrum 1455139, andere Parteien 51021, unbestimmte Parteiirellung, 92 637,

und außerdem wurden noch 13 846 zersplitterte Stimmen gezählt. Die Zahl der Abgeordneten der einzelnen Par­teien betrug z. Z. der letzten Wahl bei den Antisemiten 10, den bayrischen Bauernbündlern 4, Bund der Landwirte 3, Dänen 1, der Deutschen Reichspartei 23, den Elsässern 8, der Freisinnigen Vereinigung 12, der Freisinnigen Volks­partei 29, den Konservativen 54, den Nationalliberalen 47, den Polen 14, den Sozialdemokraten 56, der Polkspartei 8, den Welfen 9, dem Zentrum 110, den Parteilosen 14.

Es zeigt sich hierbei, daß die einzelnen Abgeordneten im Durchschnitt mit einer sehr verschiedenen Stimmenzahl gewählt worden sind. Es entfallen nämlich nach Maßgabe der oben genannten Zahlen auf die einzelnen Abgeordneten bei den verschiedenen Fraktionen folgende abgegebene Stimmen: Antisemiten 28 425, bayrischer Bauernbund 37 576, Bund der Landwirte 36 796, Dänen 15439, DeutscheReichspanei 14941, Elsässer 13 427, Freisinnige Vereinigung 16 307, Freisinnige Volkspartei 19252, Konservativen 15 911, Nationalliberalen 20 666, Polen 17 437, Sozialdemokraten 37 626, Volkspartei 13 566, Welfen 10 484, Zentrum 13 228, den Fraktionslosen 10 261. Die Wahlbeteiligung ist jedenfalls, wie die Auf­stellung zeigt, bei den Sozialdemokraten am stärksten, über doppelt so stark als der Durchschnitt bei den anderen Parteien, und es wird sich bei den neuen Reichstagswahlen zeigen, ob die Ordnungsparteien sich angesichts der stetig anwachsenden sozialdemokratischen Sttmmenzahl zu einer regeren Wahl­beteiligung entschließen können.

Aus uuO Land.

Gießen, 2. März 1903.

**Die Dame von Maxim" wird morgen, Dienstag, wieder in unserem Theater erscheinen und ihreHoppla Tollheiten vorführen, ganz wie im vorigen Jahre. Denn Frl. Hohenfels, unsere verflossene vortreffliche Charakter­darstellerin , wird dazu aus Hanau erscheinen. Feydeaus berühmter Schwank hat in Paris schon längst das zweite Tausend seiner Aufführungen überschritten, und seine ver­wegene Grazie, seine unerschöpfliche Erfindung, dieser Gipfel tollster Kombination wird auch den Benefizabend der Frau Jenny zweifellos überaus fidel gestalten. Neulich kam aus Paris die Kunde, daß der sehr stark zur Melancholie neigende Possendichter Feydeau auf den einer alternden Kokette roür»1 digen seltsamen Einfall gekommen sei, seine Gemäldesammlung unter den Hammer zu bringen, obwohl seine Tantiemen ihm jeden Luxus gestatten. Wenn wir unserer Frau Jenny wünschen, daß ihr Benefizabend sie in den Stand setzen möge, sich das wertvollste Stück der Feydeau'schen Bildersaminlung zu erstehen, so wollen wir hoffen, uns mit diesem Wunsche keiner gar zu argen Ucbertreibung schuldig zu machen. Wir wollen unsere Theaterfreunde nur an die vorzüglichste Leistung der Frau Jenny, die wackere Elster Wittichen in Hauptmanns Biberpelz" erinnern, die ihr unvergessen bleiben sollte.

t Gro ß en-Buseck, 27. Febr. In Nr. 48 wurde bereits kurz über das Gesamtresultat des hiesigen Kon­sum-Vereins während seines 20jährigen Bestehens be­richtet. Wir können anschließend heute noch folgendes nach­tragen: Der Verein wurde am 1. Februar 1883 gegründet und am gleichen Tage in diesem Jahre fand die seltene Feier des zwei Decennien umfassenden Zeitabschnittes statt. Hierzu waren die Mitglieder zahlreich erschienen und vergnügten sich bei freier Bewirtung mit Wein und einem Imbiß an einem solennen Dalle. Das Fest nahm einen ungetrübten Verlauf. Der feit Gründung dem Verein in selbstlosester Weise vorstehende Direktor Hr. Meyer be­grüßte die Versammlung und gab einen kurzen Rückblick über die Entwicklung, unter Aufforderung an die Mitglieder, zu Nutz und Frommen eines jeden der Beteiligten, alle Ver­suche aber einmütig zurückzuweisen, die etwa gegen das segenbringende Bestreben des Vereins gerichtet würden.

k- Aus dem Vogelsberg, 1. März. Im Fürstlichen Walde in Gedern wurde bei der gestrigen B erst ei gerung Buchen-Scheitholz 1. Klasse im Durchschnitt mit 5 Mk., 2. Klasse mit 3.50 Mk., Knüppel mit 3 Mk, bezahlt. Die Holzpreise sind in hiesiger Gegend im Vergleich zu denen des Vorjahres ganz erheblich zurückgegangen, entgegen den Be­richten von anderen Gegenden des Vogelsbergs. Große Ver­steigerungen stehen hier noch aus, sodaß den Bewohnern hie­siger Gegend Gelegenheit geboten ist, den Brennholzbedarf für das laufende Jahr und darüber hinaus noch zu decken. Der Rückgang der Holzpreise läßt sich nur dadurch erklären, daß keine Holzhändler von auswärts mehr zu den Versteiger­ungen kommen und der Lokalbedarf hier bald gedeckt ist.

Bingen, 1. März. Eine neue Eisenbahnwagen- und Lokomotiv-Kuppelung erweckt die Aufmerksamkeit beteiligter Kreise. Zahllos sind die Unfälle auf der Bahn, welche bei An- und Abkuppeln von Wagen dadurch entstehen, daß die Arbeiter zwischen die Wagen treten müssen, um die Kuppelung zu bewerkstelligen. Um diesen Unglücksfällen vor­zubeugen, hat man schon häufiger den Versuch gemacht, an den Wagen eine Vorrichtung anzubringen, die es ermöglicht, die Wagen von außen zu kuppeln. Die letzte dieser erfundenen Vorrichtungen scheint sich als vollkommen zu bewähren, da die Kuppelung sich von selbst spannt und auch mit Leichtig­keit wieder gelöst werden kann, was bei den bisherigen Er­findungen nicht der Fall war. Der Erfinder dieser Kuppelung, welche vom kaiserl. Patentamt am 23. Februar d. I. patentiert wurde, ist ein Studierender des Rheinischen Technikums in Bingen, Johann Reinert.

Frankfurt, 28. Febr. Bereits bei Gelegenheit der Jügel'schen Stiftung hatte der Magistrat ein Projekt aus­gearbeitet, welches der Senckenbergischen naturfor­schenden Gesellschaft und dem Physikalischen Verein die dringend nötigen vergrößerten Räume schaffen sollte. Das Projekt ist im Juni von den Stadtverordneten abgelehnt worden und die interessirten Korporationen haben nunmehr in Gemeinschaft mit dem Magistrat ein neues Projekt ausgearbeitet. Danach soll das Senckenbergischc Stift seine Grundstücke an der Stiftstraße veräußern und zwar soll die Stadt den Verkauf übeinehmen und einen Erlös von 6 280 000 Mark garantieren. Dieser Erlös wird nach den aufgestellten Berechnungen nicht ganz zu erzielen sein; die Stiftung über­nimmt aber dafür ein städtisches Grundstück an derNibe­lung en-Allee" für ihre Reiibauten und zahlt dafür 43 Jahre lang jährlich 5580 Mark an die Stadt. In reilweiser Be­richtigung des erwähnten Preises von 6 230000 Mark über­nimmt die Stiftung vor >er Stadl 1) ein städtisches Gebäude

an derViktoria-Allee" für 1530 000 Mark, 2) em für eur botanisches Institut geeignetes Terrain am Palmengarten für 50 000 Mark. Schließlich soll gemeinschaftlich von der Stadt und der Stiftung am städtischen Krankenhaus ein anatomisches Institut errichtet werden.

Frankfurt a. M., 28. Febr. Prinz Friedrich Karl von Hessen hat das Protektorat über die hier abzuhaltende 6. allgemeine Automobil-Ausstellung übernommen. Die Meldung, daß dasFrankfurter Journal" dem­nächst eingehen werde, ist, wie die Verleger heute mitteiten, unbegründet. Anläßlich des im Juni hier stattfindenden Gesangwettstreites hat der Minister verfügt, daß die­jenigen Eisenbahnbeamten und Eisenbahnarbeiter, die Gesang­vereinen angehören, welche sich mn Sängerwettstreit beteiligen, tunlichst nach Frankfurt zu beurlauben sind. Auch sei den im Arbeiterverhältnisse stehenden Eisenbahnern freie Fahrt nach und von Frankfurt, sowie der Fortbezug ihres Tagelohnes während ihres Urlaubs zum Gesangwettstteit zu bewilligen. Der Privatier Emil Harlen aus Karlsruhe verlor auf dem Wege nach dem Ostbahnhofe seine Brieftasche, welche außer Privat- und Geschäftsbriefen Wechsel in Höhe von zu­sammen Mk. 12 000 und 3000 Mk. in Papiergeld ent­hielt. Trotzdem er den Weg einigemal zurückging und Passanten fragte, konnte das Portefeuille nicht wiedererlangt werden. Die Nummern der Papierscheine hat der Verlierer sich zum Glück notiert.

Prozeß tzrner.

Leipzig, 27. Febr.

In der heutigen Beryandlung kommt ein Brief Exners an Schmidt vom April 1900 zur Sprache, in dem er eine weitere Erhöhung des Engagements, speziell der Gelder zur Auszahlung der Kasseler ^Dividende, verweigert. Exner bemerkt, er habe damals den Aufsichtsrat gewarnt, dieser habe aber seine Bedenken nicht geteilt. Das Aufsichtsrats­mitglied Schäfer habe erklärt, die paar Millionen, die nocb verlangt würden, ständen in keinem Verhältnis zu den bereits gegebenen Summen. Man dürfe jetzt nicht der Trebertrocknung die Brücke aufziehen und alles gefährden. Darauf fei Schmidt nach Leipzig gekommen und habe seine Unternehmungen in so rosigen Farben geschildert, daß Alles begeistert war. Auf eine Bemerkung des Vorsitzen­den, daß Exner Schmidt schon damals durchschaut haben mußte, und verpflichtet war, seine Warnung aufrecht zu erhalten, eventuell seine Stellung niederzulegen, erwidert Exner, er habe das Interesse der Bank nach bestem Wissen wahrgenommen, habe aber unmöglich darauf dringen können, die Beziehungen zu Kassel abzubrechen, auf die Gefahr hin, alles zu verlieren. Er fei ebenfalls von dem Gelingen der Schmidtschen Unternehmungen überzeugt, so­wie von der Begeisterung des Aufsichtsrats angesteckt ge­wesen.

Im weiteren Verlause der Verhandlung erklärt Sach­verständiger Plaut, die Bilanz der Trebergesellschaft vom 31. Marz 1900 habe geradezu ein glänzendes Ergebnis aufgewiesen, doch habe sich ein Fehlbetrag von 34y2 Mill. Mark ergeben; fast sämtliche Posten seien gefälscht gc wesen. Auf Befragen des Verteidigers Gordon erklärt Plaut, es sei richtig, daß die Trä>ergesellschast einen ständigen Bücherrevisor gehabt habe, doch seien die Fälsch­ungen, die in ganz raffinierter Weise gemacht seien, nicht herausgefunden worden. Exner behauptet hierauf entgegen den Bemerkungen Plauts, daß der Direktor der Tochter­gesellschaft in Nantes, da er sehr schnell französisch ge­sprochen habe, in der Generalversammlung von nieman­dem verstanden worden fei, er habe denselben aber gut verstanden, und dessen günstige Schilderung, als er einige Zett darauf in Nantes gewesen sei, bestätigt gefunden. Auf eine Bemerkung des Sachverständigen Bankdirektor Her­mann, daß die Leipziger Bank feine genügende Kontrolle über die Verhältnisse der einzelnen Werke ausgeübt habe, er Härt Exner, alle Geschäfte der Leipziger Bank feien von ständigen Delegierten des Auffichtsrats aufs genaueste über­wacht worden. Wenn die Aufsichtsratsmttglieder behaupten, nicht klar gesehen zu haben, müßten sie eine Binde vor den Augen gehabt haben. Die Sachverständigen erwidern hier­auf, daß die Einrichtungen bei der Bank zwar theoretisch in Ordnung waren, daß aber die Praxis manches zu wünschen übrig ließ.

In der Nachmtttagssitzung gelangt ein Brief Schmidts an Exner zur Verlesung, in dem Schmidt gegenüber den von Exner geäußerten Bedenken darauf besteht, daß die Bank, die die einzige Geldquelle der Trebergesellschaft sei, deren Kredit noch um! 4 bis 5 Millionen erhöhen müsse, um die Verschmelzung der einzelnen Tochtergesellschaften durch ein Trustkonsortium zu ermöglichen. Sonst könne die Trebergesellschaft nicht wetterarbeiten. Angesichts der großen Verbindlichkeiten seien aber die Interessen der Bank und der Trebergesellschaft vollständig illusorisch. Exner erklärt, er habe daraus bestanden, daß der verlangte Kredit nur gegen entsprechende Sicherheit gegeben werde. Ter Aufsichtsrat habe auch demgemäß beschlossen. Schmidt habe sich bereit erklärt, persönliche Sicherheit fettens seiner Aufsichtsratsmitglieder zu beschaffen.

Wetter kommt zur Sprache, daß Exner Schmidt an­zeigt, er wolle den Prokuristen Wuthe zur Bücherrevision nach Raffet schicken. Schmidt lehnte dies ab, daß sie sich dieser Revision nicht zu unterwerfen brauche. Schließlich wird erörtert, Schmidt zedierte feinen Aussichtsratsmit- gliedern für die vergäbe von Accepten 22 Millionen For­derungen an verschiedene Tochtergesellschaften. Tie For­derungen waren, wie der Sachverständige Plaut mttteilte, überhaupt nicht vorhanden. Nach einigen Verlesungen wurde bic Verhandlung auf morgen vormittag 9 Uhr vertagt.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Montag d e n 2. M ä r z:

Abends 8 Uhr: Bibelstunde im Konfirmandensaal der Kohanneskliche. 1. Johannesbries, Kap. 5, 13-?1 (Schluß): Die Hauptwahrheiten, bei denen die Gemeinde bleiben soll.

Plärrer Dr. Naumann.

Aut Wunsch von Piarrer Euler hält Psarrer_Naumann diese Bibelstunde: dafür wird ersterer die beiden nächstsolgenden hallen.

Drucksachen aller Art liefert in jeder gewünschten Aus­stattung, stilrein und preiswert die

Brühlsche Universitäts - Druckerei, Schulstr. 7