Ausgabe 
2.2.1903 Erstes Blatt
 
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r. Friedberg, 1. Febr. D i e

Pfarrer Euler.

Telephonischer Kursbericht«

. . 103.05

4'/,% äussere Argentinier

ein äußerst nüchterner eine Wittwe mit fünf

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40/ Italien. Rente 4>s% Portugiesen tO/ i'ortiigiestu. .

0. Türken Türkenloae . . . 4°/o Orieoh. Monopol

in deut Artikel eine Beschintpsung des Judentums als ReligionS- geselljchaft zu finben fei. Hier handele |id) um ein lediglich zu Agitarions- und Hctzzwccken aue Phrasen, Sätzen und Zitaten zu- sammengestickteS Zeitungsprodukt. Die Saatsantvaltschaft habe sich nicht auf das Gntachreit des Prof. Strack berufen, denn nach ihrer Meinung sc: die Abenteuerlichkeit des wahnwitzigen Ge­dankens des Ritualinordeä als gerichtsbckaulil 511 betrachten. Zum Ueberfluß habe Prof. Strack auch heute wieder begutachtet, daß das heutige Judentuln von solchen Satzungen nichts wisse; es sei

() Großen-Bujecr, 1. Febr. Don einem schweren Un glücrsf all wurde am Samstag nachmittag die Fa­milie des Maurers Iah. Schneider betroffen. Am Abend brachte man ihr den Vater Von sieben unmündigen Kindern, t 0 t nach Hause. Wegen ungünstiger Witterung hatte er die Arbeit als Maurer einsteilen müssen. Da ihm die Er­nährung seiner Kinder am Herzen lag, so griff er zu dem chweren Beruf des Fichtenzapfenbrechens. Durch einen Sturz vom Baum zog er sich schwere innere Ver- letzuiigert zu. Seine Nebenarbeiter brachten ihn sofort auf einem Magen nach Hause, unterwegs gab er indes seinen Geist aus. Von anderer Seite wird uns noch mitgeteilt, daß ein Bruder des Verunglückten Vor einigen Fahren an demselben Datum auf ähnliche Weise verunglückte und verstarb.

». Garbenteich, 1. Febr. Der Dienslknecht Johannes

Johanneskirche. Text: Psalm 12.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Montag den 2. Februar:

Abends 8 Uhr: Bibelstunde im llonsirrnandensaal der

Maurermeister W. Schepp von Saasen, bann kommt der Fuhrunternehmer Albert Nübsamen-Gicßen. Es hat sich auch u. a. die Gießener Omnibus-Gesellschaft bei dieser Submission beteiligt.

* Das große Konzert, das am Sonntagnachmittag von unserer Regimentskapelle im Philosophenwald- Restaurant veranstaltet war, hatte trotz des nicht gerade sehr freundlichen Wetters und vornehmlich trotz des nichts weniger als reinlichen Wiesenweges eine außerordentlich starke An­ziehungskraft auf bas Publikum ausgeübt. In seinen ein­zelnen Nummern, die sich zumeist aus Dpemftücfen, Märschen und Tänzen zusammensetzten, gab der.Spielplan", wie unser Dlusikdirektor Krauße als guter Deutscher sagt, wieder den besten Beweis von der Tüchtigkeit unserer Militärmusiker. Die zahlreichen Zuhörer, die alle drei Räume des Wiesen- rvaldhauses voll besetzt hielten, befanden sich in gehobener und angeregter Stimmung und zeichneten die meisten Nummern mit so starkem Beifall aus, namenllich aber die melodienreiche Einleitungsmusik zum poesievollen »Glöckchen des Eremiten", die auch ganz vortrefflich gespielt wurde, daß der Spielplan freigiebigst fast um die Doppelzahl seiner vorgesehenen Num­mern erweitert wurde und statt einem Dutzend annähernd besten zwei brachte. Der Posaunist Herr TrinkS zeigte sich wieder einmal als ein Meister seines Jnstrmnents, dem er Töne von wohliger Weichheit und Süße entlockte. Vielen Beifall fand natürlich auch der Melodienkranz aus den »Geisha" und der ihnen nachfolgende zugegebene lustige Niggersang.

** Extra-Konzert am Sonntag, den 8. Febr., im Klubsaal. Alle musikalischen Unternehmungen, die außerhalb des Rahmens des Konzerwereins a6 gehalten werden, stoßen aus große Schwierigkeiten, und es müssen schon hervorragende Gäste sein, die das Wagnis eines Be­suches bei uns ausführen können. Um solche handelt es sich aber im vorliegenden Falle tatsächlich, und es würde nicht in dem Sinne dieser Künstler sein, wenn wir für sie mit rasselnder Werbetrommel durch das Land zögen. Darum wollen wir nur darauf Hinweisen, daß die Sängerin des Abends, Frau Rückbeil-Hiller, uns schon oft mit ihrer schönen Künst erfreute. Als Fräulein Emma Hiller hat sie oftmals als Oratorien- und Lieder-Sängerin unter größtem Beifall im Konzertverein mitgewirkt, später auch mit ihrem Gatten Herrn Rückbeil gemeinsam. Letzterer ist freilich erst einmal bei uns gewesen, er hat sich aber hierbei sofort als ein höchst beachtenswerter Geiger gezeigt. Herr Ernst H. Sei ff ar dt, der den Par. am Klavier über­nommen hat, wirkt als Professor der Musik am Konser­vatorium in Stuttgart. Mag sein Ruf als Pianist noch nicht bis zu uns gedrungen sein, so wird jeder Musikalischer ihn als Komponisten schon kennen gelernt haben. Seiffardt hat eine Reihe bedeutender Ehor- und Zustrumentalwerke geschrieben, darunter den Schicksalsgesang, dessen Widmung Johannes Brahms annahm. Sein Hauptwerk aber, welches ihn mit einem Male bekannt, fast tonnte man sagen, be­rühmt machte, ist die Konzert-KantateAus Deutsch­lands großer Zeith die in wenigen Jahren 50 Auf­führungen erlebte und überall Aussehen erregte. Wir wieder­holen, aus eine solche Künstlerschar mel/r als diesen Hin­weis zu bringen, halten wir für nnailgebracht, ste ver­dienen es Vollauf, für ihre Darbietungen einen vollzähligen Hörerkreis zu sinden.

** Messerstecherei. Am 31. Januar gerieten in äner Wirtschaft in der Bahnhofstraße hier zwei Apfelsinen­händler nach einem Wortwechsel in Streitigkeiten, wobei der eine angeblich durch ein scharfes Instrument eine Verletzung an dem einen Auge erlitt. Anzeige wurde erhoben.

ot blieb. Schneider diente bereits resp. dessen Schwiegervater und war

3 J/o Mexikaner . . 4i/2yö Chinesen . . . Electric, bohuckert . . Nordd. Lloyd . .

Kreditaktieri . . .

Diskonto-Kominandit. . Darmstädter Bank . . Dresdener Bank . . . Beniner Handelsges.

Oesterr. Staatabahn . . Lombarden . . . . Gotthardbahn . . . . Lauraüütte.....

Bochum ...... Harpener.....

Tendenz: feit.

19i3

. 26.00

. 93.20

. 88.50 . 97.50 . 222.00 . 199.00 . 141.75 . 151.20 . 163.50 . 160.10 . 16.00 181.50

. 217.60 . 183.80 . 174.50

3% Obcrhossen . .

4% Oesterr. Goldrente .

LU. Promotionen. Im Monat Januar 1903 wurden an der Landes-Universität promoviert: 1. Wilhelm Herz­berger, approbierter Arzt ans Reinheim. 2. Hugo Stammen, approbierter Arzt aus Krefeld, 3. Waldemar Stade, appro­bierter Arzt aus Gießen, 4. Kurt Becker, cand. ch^in. aus Barmen, 5. Jakob Forssell, cand. ehern, aus Stockholm, 6. Georg Hellwig, Oberzollinspektor und Negierungsassessor in Harburg a. d. E. Zum 50jährigen Doktorjubiläum wurde erneuert das Diplom als Doktor der Medizin: 1. dem Kgl. Hofrat Georg Freiherr v. Liebig, Badearzt in Reichenhall, 2. dem Großh. Kreisarzt Ludwig Leonhard Wehsarg in Egelsbach.

"Zur Abschiedsfeier unseres seitherigen Negiments- kommandeurs Obersten v. Dewitz fand am Samstagabend un Offtzierskasino ein Essen statt, an dem sich außer dem Ofstzierkorps der Rektor der Landesuniversität, die Professoren Hansen und Biermer, Landgerichtspräsident Kullmann, Ober- Staatsanwalt Theobald, Beigeordneter Georgi, die Stadt­verordneten Einmelius, Kirch und Keller, Regierungsrat Wagner und Kreisamtmann Kranzbühler, foiuie Freunde des Scheidenden, welche unserer Bürgerschaft angehören, be­teiligten.

L.v. Personalien. (Eig. Dcahtberichi.) Durch Ent­schließung des Ministeriums des Innern sind die Gerichts- aeeessisten Dr. Ernst Goertz-Friedberg, und Arnold Jrhr. Ged ult von Junge nfeld-Gießen zu Regierungsassessoren, dyrch Entschließung des Ministeriums der Justiz sind die Gerichtsaceessisten Wilhelm Bechstein-Friedberg, Fischer- Beerfelden, Ernst M e n d e-Gießen, Hermann G u n b r u m-Als- felb, Hermann Waltz-Offenbach, und Dr. Fr. Wepl-Wieseck zu Gerichtsassefforen ernannt worden.

Submissions-Resultate der Angebote für Fuhr- leistungen für das städtische Gas- und Wasserwett: Im Ganzen waren 17 Offerten eingegangen, welche am Samstag Vormittag geöffnet wurden. Die Forderungen, von denen wir nur die niedrigste und die höchste mitteilen, betrugen pro 10 000 Küo für Kohlen 7.50 Mk. 10 Mk., für Koaks 8 Mk. 12 Mk., für Teer 8 Mk. 15 Mk., für Anuno- niakwaffer 8 Mk. 16 Mk., für eiserne Röhren 8 Mk 14.50 Mk. Durchschnittlich am niedrigsten Fordernder war

Frankfurt a. Ä., 2. Februar

** Diebstahl. Am 31. Januar, nachmittags gegen 6 Uhr, entwendete ein zugereister Handwertsbursche, angeblich em Schuhmacher, während er die Absicht hatte, zu betteln, aus der Wohnung eines hiesigen Schuhmachermeisters, in die er sich eingeschlichen hatte, aus einem unverschlossenen Zimmer eme silberne Damenuhr und entfernte sich damit, wurde jedoch am Bahnhofe noch im letzten Augenblick durch die Schutz­mannschaft verhaftet. Die Uhr hatte er un letzten Moment unter einer Bank im Wartesaal, auf der er saß, versteckt.

** Grober Unfug. In vergangener Nacht wurde an einer Wirtschaft des Kanzleibergs em Fenster in mutwilliger Weise von einem vorübergehenden Passanten zertrümmert. Der Täter, der ergriffen wurde, ist angezeigt.

Schneider von hier stürzte am Freitag in der Scheune des Gastwirtes Bender zu Dorfgill so unglücklich, daß er sofort 20 Jahre bei Bender

Reichsanleihe do.

Konsuls . do . .

Hessen

. 93.05 . 102.90 . 93.10 . 101.20 . 100.50 . 103.50

41 Oesterr. bilberrento 101.20 4% Ungar. Goldrente . . 102.10

Studierenden der Gewerbe-Akademie besuchen seit gestern wieder die Vor- lesungen. Wie verlautet, hat die Aufsichtsbehörde den Kon- likt teilweise beigelegt, doch dauern die Verhandlungen noch fort. DieNachahmung des studentischen Lebens' hatte einen olchen Umfang angenommen, daß die wissenschaftlichen Leistungen und dadurch der gute Ruf des noch jungen In­stituts unbedingt leiden mußten. Bürgermeister Stahl, der am 16. Januar die Bestätigung der Regierung erhielt,

wird am 6. ober 7. Februar fein Amt antreten.

(:) Krofdorf, 1. Febr. Tie vereinigte Bürger- m elfter ei Atzb ach-Launsbach hatte bekanntlich dies­mal drei anstatt wie bisher zwei Mitglieder für den Kreistag zu wählen. Als neues Mitglied für die hiesige Büraermeisterei wurde der Gemeindevorsteher Pfeiffer Von "hier gewählt. Für die Bürgermeisterei Launsbach wurde au stelle des Gemeindevorstehers zu Odenhausen Euler der Geuieindevorsteher P a u s ch - Wißmar gewählt. Als drittes Mitglied fungiert Schultheis Loh-Dutenhofen. Da keine Einsprüche gegen diese Wahlen erhoben tvurden, so hat der Kreistag in diesen Tagen dazu seine Genehmig-

. . 104.10

. . 52.00

. . 32.90

. 30 90

. . 137.20

-Anl. 45.90

Neueste Meldungen.

Origirraldrahtmeldungeu des Gießener- Anzeigers«

Berlin, 2. Febr. Generalleutnant z. D. V. Bumke, zuletzt Inspekteur der 3. Jngenieurrnspetriou, ist hier ge- 10 r b e n. Die verhaftete Gräfin Wesierska- K w i l e ck a hat erneut gegen eine sehr hohe Kaution chre Haftentlassung beantragt. Dem Antrag ist jedoch wegen Fluchtverdachts und wegen Besorgnis der Verdunkelung des Tatbestandes nicht stattgegeben worden. Die .Verhaftete be­freitet jede Schuld und behauptet vor dem Untersuchungs- richter den Beweis, daß der Knabe ihr leibliches Kind ei, führen zu können. In dem zu erwartenden Prozeß werden auch medizinische Autoritäten zu Wort gelangen, da die Gräfin als gewichtiges Entlastungsmoment die an­geblich sehr deutliche Aehrckichkeit Misck)en chr und dem Kinde anführt. Im Bürgersaale des Rathauses fand gestern ein Von der Schiller-Theatergesellschaft veranstal­teter Paul Heyse-Abend statt, der dadurch ein be- onderes Interesse erhielt, daß zunr Schluß Szenen aus dem 3. Akt des verbotenen DramasMaria von Mag­dala" zur Vorlesung gelangten. Die Szenen machten einen überaus tiefen und ergreifenden Eindruck auf das zahlreich erschienene Publikum.

Breslau, 2. Febr. Im Gewerkschastshause fand der 10. Provinzial-Parteitag. der sozialdemokratischen Par­tei Schlesiens statt. Anwesend waren 27 Delegierte aus 21 Orten Schlesiens. Außerdem nahmen mehrere sozial, demokratische Reichstagsabgeordnete an den Beratungen teil. Der Abg. Bernstein teilte mit, in Legierungskreisen verlaute, daß der Termin für die Reichstags- wahlen wahrscheinlich in den Monat Mai fallen werde. Es gelangte eine Resolution zur Annahme, in der betont lvird, daß die schlesische Sozialdemokratie entsprechend dem Beschlüsse der Gesamtpartei mit aller Energie cm den kom­menden Landtagsmahlen sich zu beteiligen gedenkt. Der nächste Parteitag soll in Liegnitz stattftnden.

Mannheim, 2. Febr. Die Angestellten der hiesigen Wach- und Schließgesellschaft streiken, weil die Gesell- schäft nicht in der Lage ist, die Gehälter ons^uzahlen. Nur vier Wächter sind noch im Dienst.

Wien, 2. Febr. In dem Vororte Hietzing vertvimbete der Inhaber einer Wirtschaft, namens Herzog, die Aur»- verwalterin Schöndörfer durch R e v 0 L V e r j d) ü |)e )chtver und entleibte sich darauf selbst. Beweggrund zur Tat war, daß er aus Veranlassung der Verwallerm die Wohn- ungs-Wndigung erhalten hatte. .

Newyork, 2. Febr. DerSun" druckt seine Ver­wunderung darüber aus, daß man in Berlin nicht ver­stehen wolle, daß Denkmäler von Monarchen da- selbst unbeliebt seien. Die Statue Ai on r 0 s wurde Den Berlinern ebensowenig konvenieren. Die Denkmals- Idee sollte ruhig einschlafen. DerSun" fpiegett an­scheinend die Stimmung der Regierungskrene wre^r.

Caracas, 2. Febr. Große Aufregung herrscht unter den hiesigen Fremden. Die Mitglieder der ftaiAOftschen, amerikanischen und spanischen sivLontc haben Sersamm- lunaen abgehalten, um gegen bic Forderungen ihrer Re­gierungen zu protestieren. Sie sandten ^legramme an die­selben mit der Bitte, chre Rechte geltend zu machen, ohne ihre Staatsangehörigen in Venezuela in Gefahr zu bringen. Ein deutsches Kriegsschiff, anscheinend der Kreuzer Falke", macht augeirblicklich Sondierungen bei Maracaibo in der Nähe der Lagune.

und fleißiger Mann. Er hinterläßt erwachsenen Kindern.

Märkte.

fc. Frankfurt a. M., 2. Febr. (Orig^Telear. desGießen. Anz.") Amlliche Notierungen der heutigen Frucht markt preise. Weizen All. 16.0000.00, Kur-hessischer Alk. 16.0000.00, La Plata Alk. 17.5018.00, Kansas Mk. 17.5018.00, Roggen (hiesiger) Mark 14.5000.00, Gerste (Wetterauer) Mk. 15.2516.50, Franken- selber Mk. 00,00-00.00, Hafer Mk. 14.7515.00, Mais AU. 14.2514^0, Weizenmehl 0 Mk. 25.5026.00, 2. Qualität Mk. 23.50

bis AU. 24.00, 3. Qualität AU. 21.5022.00, Roggenmehl 0 Mk. 23.0023.75, 1. Qualität Mk. 21.7522.25, Weizenkleie Mk. 9.00 bis Mk. 9.25, rltoqqenkleie Mk. 9.5010.00, Maiskeime AU. 10.00 bis Mk. 10.25' Franken, Pfälzer, Rieb AU. 00.00004)0. Alles per 100 Kg. ab hier.

fc. Fraulsnrt a. M., 2. Febr. (Telegr. Orig.-Bericht des »Gieß. Anz/). Amtliche 9lotterungen der heuttgen Viehmarkt- preise. Zum Lerkause standen: 447 Ochsen, 154 aus Oest­reich, 43 Bullen, 0 aus Oestreich, 680 Kühe^ Fersen, Sttere und Rinder, 0 aus Oestreich, 291 Kälber, 217 Schafe und Hämmel, 1300 Schweine, 2 Ziegen, 0 Ziegen-, 0 Schaslämmer. Bezahlt wurde sur 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen l.Qualttät6869 AU^ 2. Qual. 6365 Mk., 3. Qual. 5961Mk.; Bullen l.Qual. 61 bis 63 Mk., 2. Qual. 5759 Mk.; Kühe 1. Qual. 6162 Alk., 2. Qual. 5657 AU., 3. Qual. 4547 All, 4. Qual. 4042 All., 5. Qual. 0000 Mk. Kälber: 1. Qualität 7880 Psg., Lebendgewicht 4748 Pft 2. Qual. 7073 Psa., Lebendgewicht 4143 Psg., Schlacht­gewicht 6063 Psg., Schafe: l.Qual. Schlachtgewicht 6870 Psg., L Qual. 6264 Psg., 3. Qual. 0000 Psg.; Schweine 1. Qual. 6200»Pfg., Lebendgew. 49 Psg.. 2. Qual. 6061 Psg., Lebendgewicht 4800 Psg., 3. Qual. 0000 Psg., Lebendgewicht 0000 Psg. Geschäft: bei Hornvieh schleppend, bei Kleinvieh gut.

Berlin, 1. Febr. Der schon mehrfach vertagte Prozeß gegen den Redakteur derStaatsbürgerzeitung" Dr. Böckler und den Schriststeller Paul Koch beschäftigte gestern wieder die Zweite Strafkammer des Landgerichts I. Seitens der Staatsanwaltschaft war Professor Dr. Strack als Sachverständiger geladen, die Ver­teidiger hatten den Professor Eduard König-Bonn, Pfarrer Krösell und Professor Smcnd-Göltingen geladen, von d^nen nur der letzt­genannte erschienen war. Beide Angeklagte wurden wegen Be­schimpfung der j ü d i s ch e n e l i g i 0 n s g e s e l l s ch a f zur Verantwortung gezogen. TieSiaatsb.-Ztg." hatte eine Um frage über den Blutmord veranstaltet und in ihrer Stunimer vom 22. September 1901 einen daraus bezüglichen Artikel Kochs ver- öfsenllicht, der die Grundlage der Anklage bildet. In dem Artikel ivird des längeren unter Berufung auf den Talmud und die An­sicht gelehrter Talmudsorscher ausgeführt, daß die Juden sich ver- geblicu gegen die Behauptung, daß sie Ritualmorde begehen, wehren. Tie Antlagebehördc sieht in diesem Arttkel eine Beschimpfung der jüdischen Religion, insbesondere erblickt sie diese m dem Vorwurf als solchenr, daß der Blutritus bei den Juden religiöses Gesetz sei. Die Anklage stützt sich and) auf die schwer beschimp,enden Worte, die in deni Artikel angewandt worden, wieBlutdurir der Asiaten", staatlich anertüfMte Religiotisgemeinschasl, deren Mitglieder von Religionswegcn zu Mördern werden müssen" x. Professor Dr. Strack äußert sich in einem ausführlichen wissenschaftlichen Vortrag. Seine Ausführungen gipfeln darin, daß daß gegenwärtige Juden­tum von Riti-.almord schlechterdings nichts weiß. Was der Arttkel vom Reform- und 9tiehtreformjubentum sage, sei sehr unwisseii- schaftlick,; hier handele es sich darum, daß das gegemvärtige Juden­tum mit solchen Dingen nichts zu tun habe. Rack; Schluß der Beiveisauiiiahme führte StaatSanwallschaftsrat Schmidt aus, daß

ja auch ganz unmöglich und nur eine Halluzination, daß eine feit 1840 politisch anerkannte Religionsgesellschast derartige Satzungen habe. Der Staatsanwalt beantrag le gegen Dr. Böckler zusätzlich 3 Monate, gegen Koch 6 Monate Gefängnis. Der Gerichtshof be­schloß, die Sache gegen den Angeklagten Böckler zu vertagen, um zum nächsten Termin den Chefredakteur Dr. Backler von der ,.Staatsbürgerzeitung" und den Berichterstatter Tahsel zu laden. Im übrigen wurde in dem beanstandeten Artikel eine Beleidigung der jüdischen Religionsgesellschaft gesunden und Koch zu einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten verurteilt.

Die im Dnellprozetz Ruff-Reiß eingelegte Revision ist von der Staatsanwaltschast in Karlsruhe zurückgezogev worden.

ung erteilt.

Mainz, 1. Febr. Der Bureaudiener eines hiesigen Geschäftes hatte gestern abend eine Nota in ein Hans der Augustinerslraße zu tragen. Beim Verlassen der Wohnung glitt der Diener auf einer der ausgetretenen Stiege aus und stürzte die ganzeTreppe hinab. Ohnmächtig und mit verschiedenen Verletzungen wurde der Verunglückte ausge- funben und mußte mit einem Wagen nach seiner Wohnung gefahren werden. Heute vormittag 8 Uhr stürzte am neuen Brückenbau auf der Ingelheimer Aue ein Zimmer­mann mehrere Meter hoch hinab. Lebensgefährlich verletzt wurde er ins Hospital verbracht.

Bingerbrück, 30. Jan. Ein Unglück, wie es in hiesiger Gegend seit langer Zeit nicht vorkam, bei dem, soviel bis jetzt festgestellt werden Sonnte, drei Menschenleben ju gründe gingen, ist gestern abend 8 Uhr in einer Brann- steinzeche des nahen Waldalgeshenn vorgefommen. In einem Schachte der GrubeAmalienhvhe", welcher etwa 130 Meter tief ist, hatten die Vorgleute mehrere Gerüste aufgeschlagen, aiq denen an dem Ansmanem des Schachtes gearbeitet wurde. Ans bis jetzt unbekannt gebliebener Ur­sache, wahrscheinlich lueit das Gerüst nicht fest genug war, brach nun plötzlich der obere Teil desselben und stürzte mit drei Arbeitern in die Tiefe. Ein Steiger, der sich noch auf demselben befand, konnte sich an einem Seile retten. Die drei, welche abgestürzt sind, sind sämtlich tot, einer derselben ist verschüttet, die Leichen der beiden an­deren Konnten eingebracht werden. Die Namen der beiden letzteren sind Georg Beier aus Schweppenhausen und Jvse Wolf aus Rümmelsheim, der Verschüttete ist der Arbeiter Josef Uhl aus Rümmelsheim. Unterhalb des zusammen- gestürzieti Gerüstes befanden sich noch arbeitende Leute, doch tonnten dieselben noch nicht ans dem Schachte, sodaß bis jetzt n.^t festgestellt werden tonnte, ob noch weitere Verluste an Menschenleben zu beklagen sind.

W. Hanau, 1. Febr. Die 600-Jahrfeier der Stadt Hanau wurde heute morgen durch Glockengeläute von allen Kirchen der Stadt eingeleitet. Vormittags fanden Festgottesdienste statt. Abends wurden in den vier größten Sälen der Stadt Kommerse abgehalten, bei denen die ein­zelnen Festredner auf die Bedeutung der vor 600 Jahren erfolgten Verleihung der Stadtrechte hinwiesen. Für morgen sind Schulfeiern, akademischer Festakt und Fackelzug vor­gesehen. ____________________________

Wieder ein Ritualnwrdprozeß.

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