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1.12.1903 Zweites Blatt
 
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Nr. 28Ä

Zweites Blatt. 153. Jahrgang

Dienstag 1. Dezember 1903

Erschein; täglich mit Ausnahme des Sonntags.

Di«Siebener ZamUieublütter- werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der hessisch- Landwirt" erscheint monatlich einmal.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Lietzen.

Ire Heutige Yummer umfaßt 10 Seite«.

Ausland.

Christiania, 30. Nov. Das Konstrtutionskomitee der Stotthing empfahl einstimmig, den Grundgesetzvorschlag be­treffend das staatsbürgerliche Stimmrecht für Frauen zu verwerfen, weil es zu wenig Erfahrungen bezüglich der Wirkungen des kommunalen Stimmrechts der Frauen gewonnen habe und weil die Forderung noch nicht unter den Stimmberechtigten einen derartigen Anschluß gefunden habe, daß die Zeit für eine solche Erweiterung des Stimmrechts als gekommen erscheine.

Brüssel, 30. Nov. Im hiesigen Volkshaus wurde gestern ein sozialistischer Agrarkongreß abgehalten. Es standen sich im Wesentlichen zwei Anschauungen gegen­über. Die einen wollten, daß die Agitation sich in erster Reihe auf die kleinen proletarischen Pächterexistenzen erstrecken, die anderen verlangten, daß man sich m erster Reihe an die eigentlichen ländlichen Handarbeiter wende. Es wurde schließ­lich eine Resolution Vanderveldes angenommen, die besagt, daß gemäß dem Klassencharakter der Sozialdemokraten die Agitation sich zuerst an die eigentlichen proletarischen land­wirtschaftlichen Handarbeiter zu wenden, daß sie aber in der Folge sich aus alle auf dem Lande unter proletarischen Be­dingungen lebende Bevölkerungsgruppen auszudehnen habe. Man beschloß, die sozialdemokratische Agitation auf dem Lande mit aller Energie zu betreiben.

Paris, 30. Nov. Gestern wurde von den Nationalisten der Jahrestag der Schlacht bei Eharnpigny gefeiert. Die Zahl der Teilnehmer war in diesem Jahre weniger groß wie sonst. Die Nationalisten veranstalteten Kundgebungen gegen die Revision des D re y fuL-Prozess es. Mehrere Redner forderten die Rückgabe von Elsaß-Lothringen.

Budapest, 30. 9tov. Die heutige Parlamentssitzung nahm einen ruhigen Verlauf. Die Erklärung Tiszas, eine Enquete von Fachmännern behufs Erweiterung des Wahlrechts einberufen zu wollen, machte bei der Oppositions­partei einen derart vorzüglichen Eindruck, daß sofort die Verhandlungen zwischen der Negierung und der Opposition wegen eines Kompromisses eingeleitet werden konnten.

Petersburg, 30. Nov. Das über das Befinden de Kaiserin ausgegebene Bulletin lautet: Gestern abend be­trug die Temperatur 37,2, heute 36,9, der Puls 64. Die Absonderung aus dem Ohr wird allmählich schwächer, die lokalen Entzündungssymptome verschwinden bedeutend. Wegen des guten allgemeinen Gesund­heitszustandes und des günstigen Verlaufs des lokalen Entzündungsprozesses wird die Veröffentlichung von Bulletins eingestellt.

5. Friedberg, 1. Dez. In der am Freitag hier stattgehabten Sitzung des Vorstandes der Sektion Oberhessen der Gesellschaft für Soziale Reform wurde außer den in unserm Bericht vom 27. v. Mts. erwähnten Gegenständen auf Anregung von verschiedenen Seiten auch die Sonntags ruheimHandelsgewerbe besprochen. Die auf eine Umfrage eingegangenen Antworten der Inter­essenten sprechen sich zum Teil gegen, zum Teil besonders die kaufmännischen Vereine, für die Ausdehnung der derzeit be­stehenden Sonntagsruhe aus. Nach Würdigung aller in Betracht kommenden Umständen kam man zu der Ansicht, daß vom wirtschaftlichen und hygienischen, insbesondere vom sittlich­ethischen Standpunkt aus die Einführung einer reichsge - setzlichen völligen Sonntagsruhe im Handels­gewerbe, von einigen notwendigen Einschränkungen in manchen technischen Betrieben abgesehen, wie sie bei vielen großen und kleinen Firmen bereits besteht, erstrebenswert fei. Da die Vorbedingungen für die gesetzliche Festlegung der völligen Sonntagsruhe zur Zeit noch nicht erfüllt seien, könne zu­nächst nur an weitere Ausdehnung der zurzeit eingeführten Sonntagsruhe gedacht werden, eine Ausdehnung, die nicht nur ohne Schädigung der Detailgeschäfte und des Groß­handels möglich, sondern u. a. noch zur Ueberbrückung von zwischen den Prinzipalen und Angestellten bestehenden sozialen Gegensätzen wünschenswert sei. Ganz besonders sei ein gleich­mäßiger Ladenschluß in allen Orten anzustreben.

Worms, 30. Nov. Als heute nachmittag ein Rei­sender aus Nürnberg den Rhein entlang gegen Bobenheim hin ging, gesellte sich, wie wir in der Franks. Ztg. lesen, ein Mann zu ihm, der ihm von trüben Lebensschicksalen erzählte und u. a. angab, er heiße Keitelbach oder Keitelmann und sei Kaufmann aus Frankfurt a. M. Als der Rei­sende sich unterwegs einmal abwandte, um eine Zigarette anzuzünden, nahm sein Begleiter einen Anlauf und sprang in den R h e i n. Ein Rettungsversuch wäre bei dem Wirbeln des Hochwassers tollkühn gewesen. Der Körper tauchte einmal noch auf, dann verschlangen ihn die Wellen.

Kolonialpost.

Alldeutsche Blätter veröffentlichen Anklage- artikel gegen den Reichskommissar Dr. Rohr­bach, die fiti), gleichzeitig gegen die deutschen Sieolungs- gesellschaften in D e u t s ch s ü d w e st a f r i k a richten und ]ich peziell mit derVerschwendung von Unsummen ür Champagner" auf Farm Hoffnung" und ähn­lichen Klatschereien befassen. W dieNat.-Ztg." hört, wer­den diese Artikel von beteiligter privater Seite mit einer* Beleidigungsklage beantwortet werden. Man wird also durch die Gerichtsverhandlung erfahren, was cs mit diesen Angriffen auf sich, hat.

Deutsches Keich.

Berkin, 30. Nov. Wie dieKreu^tg." vernimmt. Hat der Kaiser seine Absicht aufgegeben, cm den Hofiagden tn Letzling en teilzunehmeu. Der Kaiser empfing heute den Staatssekretär Frhrn. v. Richthosen und horte ।pater den Vortrag des Chefs des Zivilkabinetts! v. Luccmus. Gestern empfing der Kaiser den Reichs­kanzler und den Botschafter Frhrn. v. Äernburo. r-, ~ ^genüber den Meldungen französischer und eng­lischer Blatter, über den Gesundheitszustand des i l? erfahrt dieNat.-ZtA" von unterrichteter Seite

daß die Fv r t s chri t t e im Befinden des Kai s e r s d u r ch- weg zufriedenstellend sind. .

... T ^br Kaiser hat den von ihm angebotenen Becher für erne Jacht-Wett fahrt über den Atlantischen ?o-hre 1904 zurückgezogen, aber ihn für 1905 wieder tn Aussicht gestellt.

Ter Stellvertreter des Reichskanzlers, Graf Posa-! dowskh, gibt bekannt, daß die Eröffnung des Reichstags E 3^. Dezember, mittags 12 Uhr, im Weißen Saale des Schtoffes stattfindet. Zuvor Serben Gottesdienste in der Domtnterimskirche b^w. Hedwigskirche abgehalten.

Außer dem Abg^ Dr. Paasche präsentieren bünd- lerische Blätter noch die STbag. Frhr. v. Heyl und Graf Oriola für den zweiten Vizepräsidentenposten imReichstag.e. (Seltsam, daß die nationaMberale Partei und Presse es mit der Aufstellung von Kandidaturen noch gar nicht so eilig hat, wie dieD. Tagesztg." und Kon­sorten.)

77 Bei den heutigen Berliner Stadtverordneten- wahlen der ersten Abteilung, die sich unter überaus schwacher Beteiligung vollzogen, wurden sämtliche ausge­stellten liberalen Kandidaten gewählt.

~ Der Bundesrat überwies in seiner heutigen Sitzung die Uebersichten über die Einnahmen und Aus­gaben der Schutzgebiete für 1901 und 1902, sowie die Vorlage betreffend die Unfallversicherung der Seeschiffer den zuständigen Ausschüssen und erteilte den Ausschußbe- rrchten über die Gesetzentwürfe betreffend die Feststellung des Haushaltsetats für die Schutzgebiete auf das Rech­nungsjahr 1904, betreffend den Etat der Reichs schuld und betrefferid die Feststellung des Reichshaushalts für 1904 seine Zustimmung.

7~ Die nächste Tagung der Reichsjustizkommission zur Vorberatung einer neuen Strafprozeßordnung be- giürnt am 15. Dezember. In ihr soll der Abschnitt eines abgekürzten Verfahrens erledigt werden. Als neue Gegenstände der Tagesordnung sind die Abschnitte Haupt- verhandlung und Wiederaufnahme des Verfahrens zur Beratung gestellt. 0

.. ^tHonu, 30. Nov. Hier besichtigte Handelsminister . neue Hcmdelskammergebäude. Bei dem

MMische Tngesschml.

Der künftige Reichskanzler.

Ueber die Wahlvorgänge in dem Kreise Teltow^-Char- lottenburg uni) über das Verhalten des Mahlkommissärs Landrat v. Stubenrauch heißt es in einem Stimmungs­bild:

Schwerlich wieder wird sich ein Wahtkommissar finden, der mit solchen physischen Kräften, mit solchen Nerven, mit solcher Ruhe und doch mit

solcher Gerechtigkeit und Klugheit den Wahlakt letten wird, wie der Landratv. Stubenrauch Dar­über war unter den Wählermassen nur eine Stimme. Und welches Maß von Achtung dieser eiserne Mann den Wählermassen in diesen schweren 22 Stunden abge- rungen hat, geht wahrlich, daraus hervor, daß MH um Vs? Uhr die Sozialdemokraten dem Landrat v. Stuben­rauch ein dreifaches donnerndes Hoch ausbrachten. Ein Bauer aber meinte: Jetzt wissen wir's ganz genau, wer nach dem Grafen Bülow Reichskanzler wer­den wird! Ein anderer Konservativer griff die Aeußer- ung auf und allgemein wurde die Ansicht ausgesprochen, im Wahlkomnrissar v. Stubenrauch hat die Sozial­demokratie ihren Meister gefunden."

Graf Bülow kann also sein müdes Haupt zur Ruhe legen, fein Nachfolger ist gefunden, der eiserne Mann, in dem die Sozialdemokratie ihren Meister findet! Und wer hat chn entdeckt, daß jetzt sein Ruhm durch die Wett schallt? DasTeltower Kreisblatt".....

Aus Staöl und Kund.

Gießen, den 1. Dezember 1903.

**Salome" von Oscar Wilde. Man schreibt uns: Im Stadttheater wird am Donnerstag beit 3. d. Ai. das hochinteressante Gastspiel des BerlinerTheaters für alle Kunst" stattfinden. Der Letter dieses Theaters ist Arthur Waldemar-Toron, der Direktor des früheren Dr. Heine-Ensembles, der von feinen Gastspielen weit bekannt v/S11 einer vor ztvei Jahren erschienenen Broschüre hat Waldemar-Toron Vorschläge zur Reform der bühnentech- nrschen Umgestaltung angeregt, die so schlagend waren, daß ^rch eine Anzahl hervvrragenoer Männer aller Knnsizweige, unterstützt von einigen kunstsinnigen Groß-Kapitalisten, zur Turchführmrg dieser Vorschläge zusammenschlossen, nm das Theater für alle Kunst" zu begründen, das in kürzester Seit in Berlin zur Eröffnung kommt.Mcht in den Groß­taten einzelner, sondern in dem an gliedernden Zusammen- fluß, in dem gemeinsamen Ausbau und in der harmonischen EinfprachiZkett aller Künste kann die Kunst chre lebendige Kraft beweisen." Von diesen Grundsätzen ausgehend hat der Leiter desTheaters für alle Kunst" für das zur Aus­führung kommende Werk Oscar Wildes die szenische A.'s- ftattung von bem Bildhauer Max Kruse entiveqen lassen, die an Stelle der Kulissen plastische Bcurten, statt der Sofftten und Rampcnbeleuchtung ein alles umschließendes

ausführte, ^en verschiedensten Gebieten eingetretenen Um- ^lZungen hatten schwere Kämpfe im Wettbewerbe auch ur Altona mit sich gebracht, umsomehr, als sett dem Be­reden der Reichsversassung der benachbarten großen Hanse- tadt mrt ihrem Freihafen Bevorzugungen zuteil geworden eren^, tue Altona versagt bleiben. Neuerdings ihm in dieser Hinsicht vorgettageue Wünsche könne er nicht für unbe­rechtigt erklären. Er werde dieselben gern befürworten; denn es erscheine ihm nicht unbillig, die schwer um ihre Existenz ringenden preußischen Hasenplätze an der Nord- und Ostsee gegenüber und neiben den zweifellos um das Vordringen des deutschen Handels in fremde Weltteile hoch- verdrenten Emporien Hamburg und Bremen durch Förder- mrg des geschäftlichen Lebens in jeder Hinsicht zu stärken. Sollten wir auch ungünstigen Seiten'en t o e Qen^ -Sehen, so traue er doch auf die bewährte Elasti­zität des deutschen Kaufmannes, die bisher immer vermochte, das bestrittene Gebiet zu behaupten und sich selbst unter den schwierigsten Verhältnissen neue Wege xu eröffnen. Demgegenüber könne es nicht so 'schwer in Die Wagschale fallen, daß Deutschland erst so spät in die Reihe der Kolonialmächte ein getreten sei und deshalb auch nicht aus seinen Kolonien ähnlicbc Vorteile wie England habe ziehen können. Wenn man Die alten kaufmännischen Tugenden Hochhalte, und wenn die Regierung bestrebt bleibe, in die realen Verhältnisse von .Handel und JU- dustrie ein^nöringen, und deren Bedürfnisse immer besser zu verstehen, dann zlveifle er nicht, daß wir in der Lage Wien, unseren alten Platz zu bchauptem

München-Gladbach, 30. Nov. Auf das bei der gestrigen lAnweibungsfeier des Kaiser Fri edrich- Denkmals uno der Kaiser Friedrich-Halle an den Kaiser abgesandte'Telegramm erhielt Oberbürgermeister Piecq heute folgende telegraphische Antwort:

Ihre Meldung von der feierlichen Enthüllung des dortigen Denkmals weiland des Kaisers und Königs Fried­rich und der Einweihung der Kaiser Friedrich-Halle habe ich mich Beftiedigung entgegen genommen. Ich habe, mich gefreut, daß mein Sohn Eitel Friedrich Zeuge der patrio­tischen Gesinnung sein tonnte, aus welcher heraus die Bürgerschaft München-Gladbachs die beiden Monumente als Wahrzeichen ihres treuen Gedenkens meines in Gott ruhenden Herrn Vaters errichtete. Der Stadt München- Gladbach, insbesondere allen, welche zum. Gelingen des pietätvollen Werkes beigetrugen haben, entbiete ich meinen töiliglichen^Gruß^und Dank.

: Firmament mit leuchtendem Mond und sttahlendan Sternen - geschaffen hat. Die farbenprächtigen Kostüme und sämt­liche Requistten find nach Zeichnungen des Pros. Corinth angefertigt worden und die Musik, nach indischen Motiven

von Beermann gesetzt, sind tief heraus aus der schwülen Pracht morgenlandischer Stimmung empfunden.

** Verfolgte Diebe. Im Anschluß an die von uns gebrachte Lokalnotiz wegen der hier verübten Einbruchs­diebstähle können wir mitteilen, daß man den Tätern auf der Spur ist. Es kommen zwei Personen in Betracht.

** Der evangelische Arbeiterverein hatte am vergangenen Sonntag seinen zweiten Vortragsabend dieses Winters veranstaltet. Der angemeldete Redner, Herr B e g e- mann aus Bockenheim, war durch eingetretene Erkrankung verhindert. Dafür hielt Pfarrer Euler einen Vortrag über »das Emporwuchern des Aberglaubens im 30jährigen Kriege und das Erwachen von Glauben in den Befreiungskriegen". Der 30jährige Krieg, ursprünglich Religionskrieg, aus dem ein politischer Krieg wurde, dessen Söldnerheere auf beiden Seiten verrohten, fördette eine Menge abergläubischer Ge­bräuche, welche, wie die Reste älteren Aberglaubens, zum Teil noch heute im Gange sind. Eine Besprechung einzelner dieser Gebräuche erregte oft die Heiterkeit der Anwesenden. Besonders fesselnd war der zweite Teil des Vottrages, welcher einsetzte bei den unglücklichen wirtschaftlichen und polttischen Verhältnissen im Jahre 1812. Der Vortragende wußte mit Meisterschaft die Hauptbegebenheiten jener Zeit in kurzen Bildern vor uns lebendig werden zu lassen: vom Zug unserer Großväter unter Napoleons Fahnen nach Rußland bis dahin, wo mit Glaubensmut und begeisterter Opferwilligkeit die Be­freiung unserer Länder erwirkt wurde. Ein Rückblick in die Greuel und Drangsale früherer Kriege läßt uns Heutigen die großen Opfer für das Militärwesen leichter tragen und nicht wünschen, daß eine Regierung die Verantwortung für die entsetzlichen Folgen eines unglücklichen Krieges leicht nehmen möge.

w. Krofdvrf, 30. Nov. Zum erstenmale werden im Lause dieses Winters auch in der vereinigten Bürger­meisterei Atzbachf-Launsbach Wanderkurse über Milch Verwertung eingerichtet werden. Der Zweck- dieser Kurse ist bekannttich, unserer ländlichen Bevölkerung, namentlich den Hausfrauen und erwachsenen Mädchen, eine wirtschaftlichere, reinlichere und gewinnbringendere Art der Butter- und Käfeberettung zu zeigen. Das bisher in der hiesigen Gegend üblich gewesene Buttergewinnungsver­fahren ist das denkbar prttnitivste und fast überall in Deutschland, auch in den wirtschaftlich am meisten zurück­gebliebenen Gegenden, längst auf gegeben. Die Milch wird hier noch meistens umntttelbar nach dem Melken in engen, hohen Töpfen bis zum Gerttmen auf gestellt. Die Enttahm- ung erfolgt bei diesem Verfahren nur ganz unvolltommen und läßt einen großen Teil des Rahmgehaltes der Milche für die Butterbereitung unbenutzt. Neben diesem bedeu­tenden wirtschaftlichen Nachteile weist das Topfverfahren eine auch nach der Beschaffenheit mangelhafte Butter- Ausbeute auf. Abgesehen davon, daß der Rahm in saurem Zustande zur Butterbereitung verwendet wird, die Süß­rahmbutter aber viel feiner schmeckh kann man eine gute und haltbare Butter nicht erzielen, weil die Milche bis zum Gerinnen meist, im Wohnzimmer ober in der Küche aufbe­wahrt wird und alle verdorbene Luft und schlechten Ge­rüche aufnimmt. Me verschiedenen neueren Verfahren betonen gemeinsam eine möglichste Ausnutzung des Rahm­gehaltes der Mttch, eine appetitliche und haltbare Zube­reitung der Butter und die Verwendung süßen Rahmes zu deren Herstellung. Der erste ziveitägige Kursus ist für die Gemeinden Kinzenbach und Atzbach vorgesehen und wird am 19. und 21. Dezember im Gemeindehaus zu Atzbach ab- gehalteu werden.