Ausgabe 
1.8.1903 Zweites Blatt
 
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»alten u nmö glich Mache, den evangelischen Gottesdienst zu besuchen und die Wohltaten der Religion zu empfangen. Tr. Schick wurde vom Dekanat aufgefordert, Tatsachen an­zuführen, aus denen er auf ein unsittliches Verhalten des Pfarrers schließe, und gab an, daß sich der Pfarrer gegen ihn und 'seine Familie gehässig zeige, und damit die Pflichten eines Lehrers der christlichen Liebe verletze; auch beteilige er sich öfters an Zechgelagen. Wegen dieser Aeußerungen erhob der Staatsanwalt die Offizialklage gegen den Fabrikbesitzer wegen Beleidigung, die mit dessen Verurteilung zu einer Geldstrafe von 100 Mk. durch das Schöffengericht zu H e r b o r n endete. Die vom Angeklagten eingelegte Berufung jvurde von der Strafkammer des Land­gerichts zu Limburg verworfen. Zwar müsse dem An­geklagten, so hieß es in der Begrünvung, der Schutz des § 193, Wahrnehmung berechtigter Interessen, zugebilligt Merden, doch ließen die inkrimmierten Aeußerungen ihrer Form und den begleitenden Umständen nach eine belei­digende Absicht erkennen. Das hiesige Oberlandesgericht schloß sich diesen Rechtsaussührungen der Voriustanz an und verwarf die eingelegte Revision.

[] Marbur g, 31. Juli. Die Ferienkammer des hie­sigen Landgerichts beschäftigte sich heute mit einer Anklage wegen Majestätsbeleidigung gegen den Kessel­schmied Karl Ochs aus Stasfelstein in Bayern und den Instrumentenmacher Richard Backofen aus Dresden. Beide nahmen als Handwerksburschen anfangs vorigen Monats in Hardenrod bei Gladenbach in einer Backsteinfabrik Arbeit an. Gelegentlich des Nachtessens bei ihrem Arbeit­geber ließen sie sich unehrerbietige Aeußerungen gegen den Kaiser zu Schulden kommen und setzten auch am nächsten Sonntag,in der Wirtschaft dieses Gespräch fort. Durch einen Arbeiter kam die Sache zu den Ohren des Gendarmen, und so erfolgte die Verhaftung der beiden jungen Leute. Sie gaben heute zu ihrer Entschuldigung an, wegen Nicht- bezahlens ihres sauer verdienten Lohnes, den sie bis heute noch nicht .erhalten hätten, gereizt gewesen zu sein. Das Urteil lautete unter Zubilligung mildernder Umstände gegen Ochs wegen Majestütsbeleidigung in zwei Fällen auf vier Nonate und gegen Backofen auf zwei Monate Gefängnis.

Fandet und Verkehr. UotksVirtschast.

Berliner Börse vom 31. Juli 1903.

(Mitgeteilt von der Bant für Handel und Industrie, Gießen.) Privat-Diskont 3% Prozent.

Anfangs- u. Schlußkurse.

Oest. Kredit.... 208. 207.40

Deutsche Bank . . . 211.50 211.25

Darmstädter Bank

. . 136.75

136.50

Bochumer Guß .

. 180.00

179.50

Harpener Bergbau . . 179.60 179.40

Schluß-Tendenz: schwach.

Frankfurter Börse. Wochenbericht. Von Amerika lauten die Situationsberichte wieder zuversichtlicher, indessen hervor­ragende, mit den Verhältnissen in Wallstreet genau bekannte Finanz­leute versichern, daß die Zeit der dortigen Exekutionen nun doch sicherlich ihrem Ende nahe. SDlcm schenkte deshalb den dortigen leichteren Erschütterungen nur noch geringe Beachtung; vielmehr bleibt die erfreuliche Tatsache bestehen, daß unsere Spekulation nach wie vor alles zukünftige Heil in der langsamen, aber stetigen Fort- entwickelung unserer heimischen Industrie erblickt. Man hat des­halb auch die Eisen- und Kohlenwerte wiederum in den Vordergrund gezogen und haben infolge günstiger Abschlußgerüchte die Kurse Einzelner beträchtlich steigen können. Bochumer, Laura steigend; das gleiche gilt von Gelsenkirchen, Harpener, Hibernia, für welche Kauflust anhielt, obgleich nicht zu verkennen ist, daß den Verhandlungen bezüglich des Kohlensyndikats durch das Ver­halten einiger außenstehender Zechen noch manche Schwierigkeit erwächst. Bankaktien erfuhren einige Belebung, da man zu­nächst, wie sich auch aus der zuversichtlichen Auffassung der Lage bei der letzten Aufsichtsratssitzung der Reichsbank ergab, eine Ver­billigung des Geldes für den Herbst vorausfehen roUL, Es ist dies allerdings in anbetracht der Erntekäufe und der hierfür bereit zu haltenden Barmittel ein schon oft trüglich gebliebener Schluß. Deutsche Anlehen zeigten mehr Widerstandsfähigkeit. Von fremden Staatsfonds Türken Lit. C. und Türk. Lose be­vorzugt. Es wird auf die Bestrebungen, diesen bei der Unisikation eine Besserstellung einzuräumen, hingewiesen. Spanier bevorzugt. Für Argentinier und Portugiesen spekulative Meinungen vor­

herrschend. Serben recht fest. Bulgaren schwach auf politische Ver­stimmung. Mexikaner in guter Fruge. Oesterreichische Bahnen still; die parlamentarische Lage in Ungarn gebietet Zurückhaltung. Italienische Bahnen gebessert. Schiff­fahrts-Aktien in besserer Strömung. Von Industrie- Aktien Chemische Griesheim, Höchster, Albert, Aluminium steigend. Privatdiskonto 33/ie pEt.

Köln, 31. Juli. In der heutigen Sitzung des Auffichtsrats des Hörder Bergwerks- und Hüttenvereins wurde der Ab schlich von 1902/03 vorgelegt. Derselbe weist einen Brutto­gewinn von Mk. 4108 156, gegen Mk. 2 048 013 im Vorjahr auf, wovon Mk. 2 600118 gegen Mk. 2 048 013 im Vorjahr zu Ab­schreibungen verwendet werden. Der Generalversammlung der Aktionäre wird vorgeschlagen, nach Dotierung des gesetzlichen Re­servefonds und nach Deckung der vertragsmäßigen Tantiemen eine Dividende von 4 p Et. auf die Prioritätsaktien A zu ver­teilen und den Rest von Mk. 332 750 auf neue Rechnung vorzu­tragen. Die Generalversammlung soll am Montag, den 12. Oktober, mittags 12 Uhr, in Köln stattfinden. Als Nachfolger des am 30. September aus dem Hörder Bergwerks- und Hüttenverein aus- scheidenden Generaldirektors Geh. Kommerzienrats Tüll wurde das bisherige Vorstandsmitglied der Dortmund-Gronau-Enscheder Eisen­bahn-Gesellschaft, Beukenberg in Dortmund, gewählt.

Gewerkschaft Gießener Brauusteiubergwerke vormals Fernie. Der Bericht des Fernie-Werkes für Juni weist eine Ausbeute von Mk. 120 041,45 mit einem Reingewinn von Mark 40 329,60 für diesen Vorrat auf.In einer in den nächsten Tagen anberaumten, zu Köln a. Rh. stattfindenden Sitzung des Grubeu- vorstandes wird u. a. Beschluß gefaßt über den Zeitpunkt der Rückzahlung der Schuld an Fernie. Auch wird man über die geplanten Betriebsverbesserungen (direktem Eisenbahn­anschluß, elektrischer Betrieb rc.) beraten.

Markte.

Gieße«, 1. August. Marktbericht. Auf heutigemWockenmarkt kosteten: Butter pr. Pfd. 1,001,20 Mk., Hühnereier 1 St. 00 Pfg., 2 Sick. 1315 Pfg., Gänseeier 1112 Pfg., Enteneier?8 Pfg., Käse pr. Stck. 58 Pf., Käsematte 2 Stck. 56 Pfg., Erbsen pr. Liter 21 Pfg., Linsen pr. Liter 32 Pfg., Tauben pr.Paar 0,800,90Mk., Hühner pr. St. 1,302,20 Mk., Hähne pr. Stück 0,651,70 Mk., Enten pr. Stück 1,702,00 Mk., Gänse pr. Pfd. 5460 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 6878 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 6066 Pfg., Schweine­fleisch pr. Pfund 6676 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 80 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 6874 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 5674 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 8,009,00 Mk., Weißkraut per Stück 0000 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 9,0010,00 Mk., Milch per Liter 18 Pfg. Kirschen per Pfd. 3g40 Pfg., Aepfel per Pfd. 000 Pfg., ui Körben 0000 Pfg. Trauben 0000 Pfg.

Landwirtschaft.

Butzbach, 31. Juli. Die Abschätzungskommission für den durch den Hagel ungerichteten Schaden weilte vorige Woche in hiesiger Gegend. Den größten Schaden hatte der Hagel in der Gemarkung Holzheim angerichtet, manche Landwirte er­hielten bis zu 50 pEt. Entschädigung. Die Öb st aus sichten sind hier recht günstig. Die Aepfelbäume sind vielfach gestützt. Birnen und Zwetschen geraten ebenfalls gut.

Kirchliche Nachrichten.

Katholische Gemeinde.

Samstag, den 1. August 1903.

Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beichte.

Sonntag, den 2. August.

9. Sonntag nach Pfingsten.

Vormittags von 6 7» Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht.

w um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor und in derselben Austeilung der heil. Kom­munion.

um 8 Uhr: Die zweite heil. Messe.

Vormittags um 9 V, Uhr: Hochamt mit Predigt.

Nachmittags um 27, Uhr: Andacht.

Schisssnachrichten.

Norddeutscher Lloyd.

In Gießen vertreten durch Carl Loos, Kirchenplatz.

Bremen, 31. Juli. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Doppelschrauben-Postdampfer »Chemnitz", Kapitän von Letten- Petersen, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist heute 8 Uhr morgens wohlbehalten in Baltimore angekommen.

Briefkasten.

Sendungen an die Redaktion des ,,Gieß. Auz." bitten wir nicht an einen unserer Redakteure, sondern nur an die Re­daktion zu adressieren. Unser leitender Redakteur Witt ko ist bis zum 20. August v e r r e i st.

Neueste Melöunqen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

London, 1. Ang. Lord Churchill hielt gestern vor seinen Wählern eine Rede, worin er die Politik Chamberlains sch arf kritisierte. Er erklärte, daß für den Herbst Neuwahlen unabwenobar seien.

London, 1. Aug. Der König und die Königin verließen gestern Galway. Die Bevölkerung bereitete dem Königspaare einen herzlichen Abschied.

Bern, 1. Aug. Die Prinzessin von Wales ist gestern in Thun eingetroffen.

Wien, 1. Aug. Nach hier emgetrofjenen Nachrichten soll Fürst Ferdinand von Bulgarien dem Familien­rat des Hauses Koburg die Frage vorgelegt haben, ob er auf den bulgarischen Thron verzichten soll. Doch wurde be­schlossen, er solle vorläufig davon absehen.

Budapest, 1. Aug. Der Stadthauptmannschast ging aus Berlin die Meldung zu, daß der steckbrieflich verfolgte ehemalige Reichstags ab geordnete Di en es in Gesellschaft seiner Freundin nach Hamburg gereist sei. Die Ham­burger Behörde wurö-e telegraphisch um die Verhaftung Dienes ersucht.

Petersburg, 1. Aug. Nachdem Rußland das um> fangreiche Flottenprogramm von 1898, für welches 90 Mill. Rubel ausgeworfen wurden, so gut wie vollendet hat, ist nunmehr ein .neues Flottenprogramm vom Zaren bestätigt worden. Darnach sollen sechs weitere Ge­schwader-Panzer und drei g^oße Panzer­kreuzer sowie eine Reihe von Torpedobooten ge­baut werden .und bis zum Jahre 1906 fertig gestellt sein.

New-Pork, 1. August. Die Brücke über den Fluß Willamette bei Portland (Oregon), auf welcher eine große Zuschauermenge den Schwimmkünsten eines armlosen Mannes zusah, brach ein. Eine große Anzahl Personen fiel ins Wasser, 50 ertranken.

Teiephomscher Kursbericht.

Frauktart ». 1. August 1903.

372% Reichsanleihe . . 102.35 3% do. ... 91.00 37s°/o Konsole .... 102.00 3% do......90.90

3%% Heesen .... 101.20 37,56 Oberhessen . . .. 4% Oesterr. Goldrente . . 102.00 47s 56 Oesterr. fcilberrente 100.70 4% Ungar. Goldrente . . 101.10 4° Italien. Rente . . . 103.40 47,56 Portugiesen . . . 49.80 3°/, Portugiesen. .... 31.35 1% C. Türken ..... Türkenlose......131,80

4°/o Grieoh. Monopol.-Anl.. 47,56 äussere Argentiner 41.00

37a Mexikaner ... 26.75 4%% Chinesen .... 92.50 Electric, tichuckert . . . 93.70 Nordd. Lloyd . . . . 98.00

Kreditaktien ..... 207.40 Diskonto-Kommandit. . , 187.40 Darmstädter Bank . . . 136.70 Dresdener Bank .... 147.50 Berliner Handelsges, . . 154.00 Oesterr. Staatsbahn . . . 143.10 Lombarden . . . , . 17.30 Gotthardbahn.....190.70

Laurahütte......219.50

Bochum.......178.80

Harpener......179.30

Tendenz: still.

Koiisnmmin 6. G. zii Großeil-Bcht.

Sonntag den 9. August l. I., nachmittags 21/, Uhr

Generalversammlung

bei Gastwirt H. Brück.

Tagesordnung: 1. Rechnungsablage für 1902.

2. Verschiedenes. 5939

Der Vorstand:

H. Meyer I., Direktor. Karl Siegfried, Lagerhalter,

äa

5930

Familie Scholz.

Familie Glombisch.

Gießen, Breslau, den 1. August 1903.

Die Beerdigung findet Montag den 3. August, vormittags 11 Uhr, vom Portale des neuen Friedhofs aus statt.

Todes-Anzeige.

Hiermit die traurige Nachricht, daß unsere innigst geliebte, gute Mutter, Schwiegernuttter, Schwägerin und Tante

Fm Selma Jalowietzky nach langem Leiden heute sanft entschlafen ist.

Die tieftrauernden Hinterbliebenen:

Gertrud Schneider, geb. Jalowietzky.

Karl Schneider.

Bekanntmachung.

Es wird hierdurch bekannt gemacht, daß nur der Unter­zeichnete und dessen Ehefrau berechtigt sind, Gelder für die Fürstliche Kasse in Empfang zu nehmen und darüber voll­gültig zu quittieren.

Hungen, 31. Juli 1903.

Fürstl. Rendant.

Wiegmeyer. 5920 SamStag den 12. Sept. 1903 nachmittags 27, Uhr werden auf hiesigem Ortsgericht die vor dem Flamen Bechtholö, Joh. Phil, von Wismar stehenden Parzellen

(alt 43/34a) neu 26/121 892 qm

Wiese am alten Lahnfluß, (alt 46/307) neu 25/79 = 1564 qm Acker und 382 qm Wiese in der Llchtenau am. Römersloch öffentlich meistbietend versteigert.

Gießen, den 31. Juli 1903.

Großh. Ortsgericht Gießen.

5942 Gros.

Versteigerung.

Mittwoch den 5. August d. I. versteigere ich gemäß der §§ 1235 bis 1240 des bürgerl. Gesetzbuchs Schanzeustraße 18 (Zum Or­pheum) :

1. Vormittags 10 Uhr:

a. zum Wirtschaftsbetrieb ge­hörige Gegenstände als Wein-, Bier-, Champagner- rc. Gläser, Tabletten, Kassetten, Würfelbecher, Schirmständer, Huilliers, Salz- und Pfeffer-Gläser, einige Vorräte an Zigarren, Spirituosen und Wein rc.

2. Nachmittags 2 Uhr:

b. Haus- und Küchengeräte sowie Weißzeug als vollständige Betten, Tische, Stühle, Wasch- garmturen, Nachttische, Sophas, Spiegel, Nähmaschine, Schreib­tisch,Vertikow,Regulateur,Bücher­schrank, Tischdecken, Servietten, Bettvorlagen, Handtücher, Messer- putzmaschine rc. rc.

Die Versteigerung findet be­stimmt statt. 5932

Born, Gerichtsvollzieher.

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gratis!

Ziehung am 14. September d. J.

5929

erhält jeder Kunde, der bei mir

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Giessen, Mäusbnrg 12.

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Sonntag den y. August, morgens 8 Uhr.

25 Kilom&ie^Strassenrennen.

Ausgefahren werden 6 Ehrenpreise Einsatz 2 Mark. 5934

Nachmittags von 4 Uhr ab:

Großes Nabsahver-Somnrersest bei Gastwirt Stumpff, 3llt cJinÖi*. 6 Uhr: Preisvertciluug.

Meldungen sind zu richten an Herrn Georg Laug, Garbeuteich. Meldeschluß 8. August.