Ausgabe 
1.5.1903 Zweites Blatt
 
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regerrt Luitpold toastete auf König Georg und gedachte mit herzlichen Worten des mit dem Wittelsbacher Hause ver­wandten Königs des Nachbarstaates Sachsen, dankte dem König nochmals für den Besuch und schloß mit einem Hoch auf den König. König Georg dankte in sehr warmen, herzlichen Worten und sagte, es erfreute aufrichtig sein Herz, eine so liebevolle Aufnahme gefunden zu haben. Gr hoffe, Gott werd« dem Regenten noch eine lange und glückliche Regierungtzzeit gewähren. Nach den Trinksprüchen wurden die beiden Nationalhymnen gespielt. Am Abend war im Prinzregenten-Theater Galavorstellung. »Tannhäuser* gg» langte zur Aufführung.

Wahlbewegung.

Mainz, 30. April. Die uationalliberckse Partei des Wahlkreises Mainz--Oppenhelln siebt davon ab, für die Reichstagswahl einen eigenen Kandidaten aufzustellen. Es werden sich also nur gegenüberstehen: Geh, Oberpostrat Dr. König-Berün (Zentrum) und Dr. David-Mainz (s o z. - d e m.)

Ausland.

London, 30. April. (Unterhaus.) Bei Beratung der Forderung von Lstr. 6875000 für das Heer esbudge t beantragt Hoohouse (Lib.) Abstrich als Protest gegen das Dorgehen der Regierung in Svmaliland. Cranborne erwwert, wenn England seine Stellung in Somaliland aus- gete, würde seine Stellung in Abessynien ernstlich in Mit­leidenschaft gezogen werden. Tie Regierung nahm die Ope­ration nur mit großem Widerstreben vor, sie war aber unvermeidlich Der Kriegsminister erklärte, er erkenne die herzliche Mitwirkung Italiens durchaus cm. England habe aber nicht die gon^e Unterstützung erhalten, die es bezüglich Mudugs von seiten Italiens vorauszusetzen Grund hatte. Unsere Politik geht dahin, die Küstenlinie zu behaupten, und die Stämme, mit denen wir durch Verträge verbündet sind, zu schützen. Wir brachten dem Mullah schon einen schweren Schlag bei. Der Zweck der Operation ist erreicht (Gelächter aus den Bänken der Opposition.) Fernere Opera­tionen werden von den dtachrichten abhängen, die von Ge­neral Aianning eingehen werden, der jetzt in Galadi ist General Manning, Oberst Eobbe und die abessynischen Streit­kräfte stehen jetzt in günstigen Stellungen, um das Be­gonnene ourchzusühren. Nach weiterer Debatte wird der Antrag Hobhouse abgelehnt.

Haag, 30. Aprll. Bezüglich der ÄLachricht von einem Besuch des deutschen Nordseegeschwaders in holländischen und belgischen Häfen erfahren wir, daß bisher noch kein bestimmter Beschluß in dieser Sache gefaßt wurde; keinesfalls würde der Besuch, der mit der alljährlichen Fahrt nach dem Mittelmeer verbunden wird, vor dem Juni stattsinden. Im zutreffenden Falle würde es sich um Hoek van Holland, Vlissingen und Helder handeln; für Belgien käme Antwerpen in Betracht

Paris, 30. April. Gestern wurden die letzten Vor- bercitungen zum Empfang König Eduards getroffen. Tie Ordnung wird von 2000 Polizeiagenten und 3000 Muni- zipal-Gardisten aufrecht erhalten werden. Ein Rennstall­besitzer, welcher bei dem großen Nennen zwei die Namen Krügel und93ur" führende Pferde laufen lassen wollte, wurde gebeten, diese Pferde zurückzuziehen.

Marseille, 30. April. Der Admiral des ame­rikanischen Geschwaders begab sich mit den Kom­mandierenden der vier amerikanischen Schiffe an Bord der hier heute eingetrvffenenJeanne d'Arc", um den Präsi­denten Loub et zu begrüßen. Ter Admiral drückte in einer Ansprache seine Freude arls, vom Präsidenten Roose­velt beauftragt zu fein, die herzlichsten Wünsche der ameri­kanischen Vtation und des Präsidenten für die Wohlfahrt Frankreichs und das persönliche Wohlergehen Loubets zu Überbringern Präsident Loubet erwiderte, er sei tief gerührt von der Kundgebung, deren Wert Frankreich zu schätzen wissen werde. Nachdem die amerikanischen Offi­ziere die3eamte d'Arc" verlassen hatten, begab sich der Präsident an Lartd, wo er von einer großen Menschenmenge lebhaft begrüßt wurde. Loubet reifte alsdann nach Paris.

Rom, 30. April. Heute erfolgte die Abreise König Eduards ohne jedes höfische Zeremoniell. Auf bestimmten Wunsch des Königs bildeten auch die Truppen nicht wieder Spalier. Immerhin war viel Volk auf den Straßen, daS den mit dem König Wiktor Emanuel in einer einfachen Equipage nach dem Bahnhof fahrenden König Eduard freundlich begrüßte. Die ganze Ehreneskorte bestand nur aus einem Zuge Kürassiere. Laut Bericht derObservadore Romano" drückte Ztönig Eduard bei der Verabschiedung den Wunsch aus, ein Bildnis des Papstes als Andenken zu besitzen. Der Papst ließ ihm ein solches durch den Titular- erzbischof Stonor, mit Unterschrift und Datum versehen, zustellen.

Der Papst empfing heute den Erzbischof von Frei­burg, die Bischöfe von Fulda, Limburg, Rottenburg und Mainz.

3)er Ungeordnete Wolff aus Kffenbach vor den AM».

(Ausführlicher eigener Bericht.)

ed. Darmstadt, 30. April.

AuS den Ausführungen von Ministerialrat Best auf Grund der Anklageschrift geben wir die einzelnen Purrkte näher an. Erstens habe Wolff dem ÄllmenchauS-Der- waller Schiff gegenüber, mit dem er in der Unfallschutz- Ausstellung in Frankfurt a. SJJL war, unsittliche Redens­arten geführt und denselben zum Besuch einer Animier- kneipe eingeladen. Als Wolff später von Schiff einen Geld­betrag von 1000 Mk. geliehen haben wollte und dies ver­weigert wurde, stellte sich W. feindlich gegenüber Sch und suchte ihn auf alle mögliche Arten zu verleumden. Tann habe W. namhafte Beträge für bezogene Waren 12 Jahre unbezahlt gelassen, vorher l-at W. auch den Schiff ersucht, den ihm feindlichen Stadtverordneten Schneider gegen Wolff freundlicher zu stimmen. Eine von den Armenhaus schwcstern gegen Wolff eingereichde Beschwerde nannte W. elende Lügen und bezichtigte den als Zeugen auftreten­den Schiff des Meineids. Die gegenüber Schiff nun- mehr^von feiten Wolffs eingereichten Anschuldigungen, daß sich Sch gegenüber dem weiblichen Personal unsittliche An­griffe aller Art erlaubt habe, blieben nach den eingcleitcten eingehenden Untersuchungen unaufgeklärt, wenn auch ein Veracht bestehen bleibe. Ebenso ungerechtfertigt seien die schweren Anschuldigungen, welche der Beig. Wolsf gegen den Ortsgerichtssekretär Kost geschleudert hatte, st. sollte sich schwere Pflichtverletzungen haben zu Schulden tommen lassen, die sich nach dem angestellten Verfahren als un- wahr erwiesen. Dem früheren Stadtrechner Rentmeister

Kaempf habe Wolff vorgeworfen, daß er sein Vermögen nur durch seine Stellung erworben habe; den Orts- gerichtsmännern habe Wolff vorgeworfen, daß sie nur Geldmachten, dagegen hierfür nichts leisteten. Ferner habe Wolff den Oberbürgermeister Brink fälschlich beschul­digt, daß er die Stadt Offenbach sehr zum Vorteil der Ortskrankenkasse geschädigt. In ca. 29 Fallen mache dies recht große Summen aus. Als Wolff von einer Sitzung des Feldgerichts ausgeschlossen werden sollte, da er als Vertreter Offenbachs an der Sache beteiligt fei, wurde er wild, beleidigte den Vorsitzenden des Schiedsgerichts, Herrn Reg.-Rat Rach, sowie die Laridesverwaltungsbehörde in sehr ungehöriger Form und nannte dies Vorgehen eine Stänkerei", man wolle ihn nur ,chinausekeln". In wahrheitswidriger Weise habe Wolff später den Sekretär Kost als einen Verwandten von Oberbürgermeister Brink »ezeichnet, dies sei die Ursache, weshalb K. so sehr be- chützt werde. Hauptgrund der Klage sei aber in der langen kette von Beschuldigungen das Verhalten des Wolff gegen­über dem Lrankenhausdirektor Dr. Köhler, er habe diesem gegenüber alle im amtlichen Verkehr üblichen Rücksichten und Vorschriften unterlassen, und auf eine im Druck er* chienene Erklärung des Herrn Köhler in zwei weiteren Gegenerklärungen denselben in gröblicher Weise mit Angriffen, in welchen eine Menge grober Unwahrheiten enthalten seien, beleidigt. Infolge dieser Vorfälle fei Wolff aus dem KasinoGroßes Kolleg" ausgeschlossen worden. Die Tätigkeit Wolffs als Ortsgerichtsvorsteher habe die Diszivlin sehr geschädigt, denn sein Ton und Auftreten habe die Ortsgerichtsmänner zur Erklärung ver­anlaßt, daß sie ihr Amt niederlegten, wenn W. nicht seines Tienstes enthoben werde. Die Dienstentlassung Wolffs ei nicht wegen einzelner Vorkommnisse, sondern wegen eines gesamten Verhaltens erfolgt. Die Stadtverord­netenversammlung habe inzwischen eine Resolution be- chlossen, in welcher festgelegt wird, daß die Tättgkeit Wolffs )as in ihn gesetzte Vertrauen nicht gerechtfertigt habe, wie man es in der Stellung eines Beigeordneten haben müsse. Wiederholt sei Wolff für fein pflichtwidriges Verhalten disziplinarisch mit Geldstrafe belegt worden, doch habe alles nichts geholfen; man habe in einzelnen Fällen sogar Rück- icht auf die nervöse Veranlagung des Wolff genommen, onft würde er höher bestraft tvvrden sein. Schließlich habe ich W. dem Kreisamt und dem Kreisrat v. Hombergk gegen­über wiederholl grober Beleidigungen schuldig gemacht und liefern schwere Pflichtverletzungen vorgeworfen. Der Ton eines Schriftverkehrs gegenüber dem Kreisamt sei derart gewesen, daß man ihn ein stellen mußte. Der Staatsver­treter beantragt Dienstentlassung des Wolfs und Verurteil­ung desselben in die Kosten. In seinerVerteidig- ung erwiderte der Angeklagte, daß in der Sache Schiff vieles unwahr, phantastisch au»gemalt oder über­trieben und entstellt sei. Sein dem Gerichtshof vor gelegtes Sparkassenbuch beweise, daß er damals im Besitz hinreichen­der Mittel gewesener also nicht in die Lage kommen konnte, Schiff um ein Darlehen anzugehen. Auch ein Schreiben eines Herrn Schrick lege Kar, daß er auf Ersuchen Wolffs gern bereit gewesen wäre, W mll 1000 Mk. auszuhelfen. Erstaunlich sei es, daß man seine Privatverhältnisse über­haupt bei dem dienstlichen Verfahren in die Untersuchung einbeziehe. Bei allen Wahrnehmungen komme es haupt­sächlich auf die Tendenz an, und enthielten die Akten viel­fach entstellte Tatsachen In einzelnen Fällen, insbesondere in den Briefen gegenüber Streb, Köhler und dem Kreis­amt sei er jedenfalls zu weit gegangen, er habe dies auch schon bedauert, dieselben seien vielfach scharf ge­halten, doch sei er durch die Verhältnisse dazu gezwungen worden; besonders dem Kreisamt gegen­über wußte er keinen anderen Ausweg, da ihm eine Audienz bei dem Staatsminister verweigert worden sei. Hierauf wird mit Verlesung der einzelnen Akten und Be­weisstücke begonnen; es sind die ganzen Verhandlungen und Zeugenaussagen in der Anklage gegen Schiff wegen unsittlichen Verhaltens gegenüber dem Armenhauspersonal, Eotoie wegen Meineid, die beidemal zu deffen Außerver- olgungsetzung führten. Cs kommt der ganze Verkehr und as Verhältnis des Sch zu Wolff zur Sprache; die ganze ausführliche Begründung des Urteils der Staatsanwall­schaft wird ebenfalls verlesen, in deren Schluß wlld aus­drücklich ausgeführt, daß die Art und Weise des Zusamrnen- ttagens des Materials von Wolff und Rohrmann die Zeu­genaussagen wertlos mache, zudem die meisten belasten­den Zeugen unmoralisch und von zweifelhaftem Ruf seien und deren Aussagen ein Genrisch von Klatsch-Phantasie seien. Es folgen die Protokolle der von Wolff ttotz des gegenteiligen Beschlusses der Armenhaus-Kontroll-Kommis- |ion vernommenen Zeugen, Reiß, Rohrmann, der Schwestern, All usw. und die über den Leumund einzelner gegen Schiff belastend aussagender Zeuginnen, die inter­essantes Material ergeben. Zum Schluß entsteht eine leb­hafte Debatte zwischen dem Verhandlungsleiter und dem Staatsvertreter einerseits und dem Angeklagten und seinem Verteidiger andererseits. Der Verteidiger bean­tragt, alles Beweismaterial außer dem Fall Schiff aus der Verhandlung auszuscheiden, da über die übrigen Anklage­punkte nicht die nach § 19 des Disziplin ar geletzes vor­geschriebene ausführliche Voruntersuchung und ausführ­liche Information des Angellagten stattgehabt. Nachdem der Ankläger diese Ausfiihrungen ausführlich widerlegte, beschließt der Gerichtshof nach kurzer Beratung, daß über sämtliches in der Anllageschrift enthaltene Vtaterial Be­weis erhoben und die Verhandlung durchzuführen sei. Für Freitag sind 20 Zeugen geladen. Aus der heute morgen (Freitag) stattgehabten Verhandlung telegraphiert uns derselbe Korrespondent: Der heutige zweite Verhand- lungstag wird mit der Vorlesung weiterer Schriftstücke, welche die Beleidigungen des Stadtkassenrechners Kampf, der Ortsgerichtsmänner und des Regierungsrates Rach betreffen, begonnen. Auch der Fall St oft, die Differenzen mit Krankenhausdirektor Köhler, sowie die Beschwerden über den Ortslrankenkassenvorsitzenden Streb mit allen begleitenden Nebenumsländen kommen zur Vorlesung. Aus allem Material geht hervor, daß die ganzen Streitig­keiten meist durch heine Differenzen und den aufgeregten Charakter des Wolff veranlaßt sind.

Aus unö Land.

Gießen, am 1. Mai 1903.

Reichstag Skandid atu r. Die Vorstände des Nation al liberalen und deS freisinnigen Vereins der Stadt Gießen haben, wie wir hören, gestern abend den ein­stimmigen Beschluß gefaßt, dem Syndikus I. Schloß-- macher in Offenbach a. M. die Reichstagskandidatur für den Wahlkreis anzutragen. Die destnuive Zusage des Herrn Schloßmacher steht noch aus, doch nach dem bisherigen

Stande der Verhandlungen ist anzunehmen, daß die Kan­didatur binnen kurzem perfekt werden wird, sofern die noch einzu berufen de Generalversammlung der Wählerschaft sich mit ihr einverstanden erklätt. Herr Schloßmacher gehött, wie wir bereits dieser Tage andeuteten, keiner Pattei an.

L.U. Promotionen. Fm Monat Apttl 1903 wurden an der Landes-Universität promoviert:

Zum Dr. jur.:

1. Rudolf Angermeier, Gerichtsakzeffist au§ Bürstadt. Zum Dr. med.:

2. Richard Eschenauer, approbierter Arzt aus Wirges.

3. Johann Zillikens, approbierter Arzr aus Rheydt.

4. Erich E b st e i n, approbierter Arzt aus Murow.

5. Otto Mann, approbierter Arzt aus Langgöns.

6. Rudolf Dönges, approbierter Arzt au5 Friedberg.

Zum Dr. phiL:

7. Anton Schüller, Cand. chem. aus Herdecke a. d. Ruhr.

8. Albert Richard Hemmann, Cand. foreet. aus Stübnitz.

9. Karl A u s s e l d, Cand. pbil. dass, aus Schlitz.

10. Franz Bender, Oberlehrer aus GernSheim.

11. Eduard Becker, Pfarrverwalter, Repetent bei der theo­logischen Fakultät zu Gießen.

12. Friedrich Heineck, Cand. rer. nat. und Assistent am mineralogischen Institut zu Gießen.

** Personalnachrichten aus dem Bezirk der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisen­bahn-Direktion Mainz. Ter Groyh. Hess. Baurat Dittmar in Darmstadt ist zum Regierungs- und Baurat ernannt und ihm die etatsmäßige Stelle des Vorstandes der Bettiebs-Inspektion Darmstadt 3 verliehen worden. Ferner ist Baurat Simon, Vorstand der Betriebs-In­spektion in Worms, zum Regierungs- und Baurat ernannt und dem Regierungsbaumeister Priester in Darmstadt unter Ernennung zum Eisenbahn-Dauinspektor die etats- mäßige Stelle des Vorstandes der Werkstätteninspektton Darmstadt 2 verliehen worden. Ter Königl. Eisenbahn- Bauinspettor Ne ließen in Berlin ist zur Vertretung des erkrankten Vorstandes der Maschineninspektion in Darmstadt nach Darmstadt abgeordnet worden. Regier- ungsbaumeister Pfaff in Castellaun ist zum 1. Mai d. I. nach Mainz versetzt und der Eisenbahridirektion als Hilfs- arbeiter für Neubauangelegenhellen zugeteilt worden.

**Briestauben-Sport. Am Sonntag, den 3.Mai, kommt die Mitteldeutsche Reisevereinigung, zu welcher die Vereine von Frankfurt a M., Offenbach, Hanau, Aschaffen­burg, Mainz, Wiesbaden, Niederrad, Michelstadt, Tiez unb Gießen gehören, mit ca. 5000 Stück Brieftauben auf dem hiesigen Bahnhofe an, worauf die Tiere Sonntag vormittag bei günstiger Witterung in Freiheit gesetzt werden, um nach ihrem Heimatsorte zurückzu flieg en. Von hier aus schließt sich nächsten Sonntag unser Gießener Brieftauben- Klub mit seinen Tieren dem Transporte an, der bann in Zwischenräumen von je acht Tagen nach Marburg, Treysa, Eassel, Göttingen, Hannover, Lüneburg, Neumünster, Lübeck erfolgt. Tie Endtvur Woyeus (570 Klm. Luftlinie) wlld am 2. Juli erreicht. Der Transport geschieht mittelst Extra­zuges. Der jeweilige Aufflug wlld von einem den Zug begleitenden Fachmann geleitet Um den hiesigen Aufflug zu beobachten, empfiehlt es sich, sich frühzellig auf der oberen Eifenbahnbrücke einzufinoen.

** Aus dem Kreise Wetzlar, 30. April. Mit dem Beginn der wärmeren Jahreszeit beginnen auch unsere Lungen­leidenden wieder Ausschau zu halten nach geeigneten Heil- an ft alten. Wir machen daher gerade Lungenkranke deS Bürgerstandes auf eine in unserem Kreise befindliche Heil­anstalt aufmerksam. Es ist dies Dr. med. Georg Liede'S Heilanstalt Waldhof-Elgershausen, im alten Fürstentum SolmS gelegen. Die Bahnstation ist Katzenfutt an der Strecke Gießen- Köln. Wer von der bekannten Dianaburg nach der Ruine Greifenstein gewanbert ist und den allenElgershäuser Hoft^ berühtte, ist wohl schon früher über das stille Waldidyll, von hohen Tannen umschlossen, entzückt worden. Jetzt fterlich sieht der Hof etwas anders aus, da zur Heilanstalt sieden Gebäude und mehrere Hallen gehören. Sie hat eigenes elel- llisches Licht und Hochdruckwafferleitung. In neuerer Zeit ist eine Kinderabteilung eingerichtet worben. Diese entspricht sicherlich einem Bebürfnisse unserer Gegenb, inbem schwäch­liche und leicht tuberkulöse Kinder zu kürzerer und längerer Kur Aufnahme finden.

w. Friedberg, 28. April. Heute begann am hiesigen Schullehrerseminar das neue Schuljahr. Damit wurde zugleich eine Feier, die Einführung des nenen Direktors, Prof. Dr. Schäfer, verbunden. Um 11 Uhr versammelten sich die Zöglinge deS Seminars im Beisein des Lehrer­kollegiums in der Turnhalle des Seminars. Nachdem der Gesangschor der ersten Seminarklaffe den Psalm:Der Herr ist mein Hirte" vorgetragen hatte, hiell Qderschulrat Dr. Scheuermann-Darmstadt eine Ansprache. Er rühmte zu­nächst die Verdienste des langjährigen Direktors Dr. Quentell, welcher auf sein Nachsuchen vom 16. April 1903 ab m den Ruhestand versetzt worden sei. Sodann sprach Herr Oder- schulrat über die Aufgabe der Lehrerseminars und ttchtete zum Schluffe ernste Wotte an die Seminaristen. Im Namen des Lehrettollegiums begrüßte Musikdirektor Schmidt, der älteste Lehrer der Anstalt, den neuen Direktor, welcher vor 25 Jahren als Schüler des Herrn Schmidt m das Seminar eingetreten sei. Direktor Prof. Dr. Schäfer sprach Wotte des Dankes dafür, daß man ihn an die Statte seiner Jugend, an die Stelle seines Vaters berufen habe. Bekanntlich war vor Herrn Quentel Herr Schäfer, der Vater des jetzigen Direktors, langjähriger Leiter des hiesigen Lehrerseminars. Mit dem Gesang der 1. und 7. Strophe des Liedes,Wer nur den lieben Gott läßt wallen", schloß die Feier. Zu­gleich scheidet der bishettge Seminarhilfslehrer Kurz auS dem hiesigen Schuldienst. Herr Alb. Schmidt tritt an seine Stelle.

Darmstadt, 30. April. Bezüglich der Landtags­wahlen soll nach demT. T. A." ein Gerücht ver­breitet sein, daß die nationalliberale Partei der frei­sinnigen Volkspartei einen Kandidaten zugestehen wolle ober gar schon zugestanden habe. Wir sind in der Lage, dieses Gerücht für durchaus unrichtig zu erfiären. Die nationalliberale Partei .hat ihre beiden Kandidaten, Land- gerichtsrat Dr. Buff und Architekt Heinrich Müller, aufgestellt und hält an denselben fest.

0 Mainz, 30. April. Die von vielen Kreisen schon lange mit großem Interesse erwartete erste Deinver- fteigcrung der Groyh. Weinbaudomänen Verwaltung fand heute hier statt. Sie war so zahlreich von Liebhabern besucht, wie nvck kaum eine zweite Weinversteigerung hier. Das Versteigerungslokal war zum Erdrücken gefüllt und cs mußten viele Kausllebhaber sich mit einem Plätzchen in den Vorräumen begnügen. Es wurden hohe Preise er-