Ausgabe 
1.5.1903 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

I.Mai 1903

153. Jahrgang

Erstes Blatt

wohlgeneigter

der

den

Kolitische Tagesschau.

Handschreibea des Kaisers au deu Flotteuvereiu.

soll ich. Was muß ich?" Das praktische Büchlein, dessen Inhalt, Fingerzeige, und Nebenerwerbe für Ntanner und für Frauen, reichhaltig ist, wirb für viele ein wertvoller Wegweiser und Ratgeber sein, die ihre Einnahmen ver­größern möchten. Der Preis des Buches betragt 1 Mk.

Mit den Lieferungen 81 bis 35 liegt nunmehr das votts- tümliche Prachtmert: »Die Völker der Erde", eine Schilderung der Lebensweise, der Sitten, Gebräuche, Feste und Zeremonien oller lebenden Völker von Dr. Kurt Lampert (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt- abgeschlossen vor. Die Schlußlieferungen führen uns zunäch'l aus den Hässlichen Boden Italiens und weiter nach Frankreich, Spanien und Portugal. Aus die Schilderung der Be­völkerung'von Oesterreich-Ungarn mit Einschluss von Bosnien und der Herzegowina folgen die Bewohner Serbiens, Bulgariens, Rumäniens mid Griechenlands als die letzten Zweige der europäischen Dolkersamilie. Die schlußkapuel umiassen die Volksstamme der Neuen Welt im arktijSen Amerika und Grönland, RorD-, Mittel- und Cüdarneiüa. Dar Werk verdient die wärmste Empfehlung, denn es stellt eine Vollerkunde für jedermann dar, die m durchaus allgemein verständlicher und anziehender Form alle Ergebnisse der neuesten Forschung den weitesten Kreisen zugänglich macht. Einen befonberen Vorzug bildet die reiche illustrative Auspattung mit 780 Abbildungen (zum Teil m prächtigem Farbendruck), die insofern wohl einzigartig dasteht, als die Bilder allem Anscheine nach aus- nahmelos nach photographischen Ausnahmen hergesiellt und Darum von größter llmmnelbaiicit und Treue sind. Die Ausstattung ist vornehm und gediegen, so daß der Preis von 6u Pfennig für dis Lie'erung als sehr billig zu bezeichnen ist. Es fei noch daraus hingewieien, daß in unmittelbarem Anschluß an diesen Hausschatz Der Völkertunde, der Cie L Abteilung des Sammelwerkes v2ie Erde in Einzeldarstellungen" bildet, als dessen 1L Abteilung eine genaue nach den gleichen Grundsätzen geschriebene und ausgestattete neue Naturgeschichte des Tierreichs im gleichen Verlag erscheint: ,£ie Tiere der rd vo: Üro'. or Dr .. Marshall, :nu mehr als

-H Dem Leben, davon 25 ganzseitige Farben- Drude (50 Lieferungen a 60 Piq.). Tie erste Lieierung isl durch jede Lortlmentsbuchhandlung zur Ansicht zu erhallen.

Nr. 101

rfftetnt ILgllch außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hesfilchen Eanbmlrt die Lietzener Familien- blitler viermal m der Woche beiqeiegt Rotanonsdruck a. Ver­lag bet vtü h l'fchen llnivetl.-vuch- u. Siein- bcuderti (Pietsch Erben) Redaktion, ErvediNo« und Druckerei:

Echulftratze 7.

ADresse für Depeschen: Anzeiger »irben.

gfmiprrd)anldilu64h.5L

voll folgt.

Was muß man vom Okkultismus wissen? von Hans Merlin. Ein populär gehaltenes Buch, bad sich mit der Frage: Was man vom Okkultismus wissen muß, beschäftigt, isl im gegenlärtigen Augenblicke aktuell, die Verhandlung gegen das sog.Blumenmebium" Anna Rothe hat bis in die breitesten Massen der Bevölkerung das DortOttullismus" geschleudert. Tas bei Hugo Stei- niy Verlag Berlin SD. 12 soeben erschienene Buch giebt in allgemein faßlicher Darstellung eine Erklärung darüber, wasOkkultismus" überhaupt ist. Tie einzelnen Kapitel umfassen: Einführung in den Okkultismus Das ist Okkultismus Tas Gebiet des Ltkultismus Spiritis­mus Telepathie und Telenergie Psychometrie Theurgie Astrologie Wahrsagen und Hellsagen Schwarze Magie Rerromantie Okkulte Naturwissen­schaft Okluite Heiliunde Otkulie Kosmogonie Sie erlangt man okkulte Kräfte? Anleitung zu okkulten Ueo- ungen Schulen des Ottullismus Strafbarkeit des Oklultismus Tas Buc_; kostet 1 t.

Wodurch und wie verschafft in an s i ch einen Nebenerwerb ? Wegweiser für ftdcn, der smit und ohne Fachtenntnisse eine Nebeneinnaym^ verschaffen will, von I. G- Obst, ist ein neuer Band der SammlungWas

Wilhelm.

Berlin im Schloß, den 27. April 1903."

Tao Präsidium des Deutschen Flottenvereins trat unter dem Vorsitz des Fürsten zu Salm-Horstmar in Berlin zu einer Sitzung zusammen, an der Admiral Hollmann, Frei- Herr v.>orlemer, General Menges, Kommerzienrat Ra- venö, Geheimrat BuÄey, Herr v. Bressensdorf und Baurat Kyllmann teilnahmen. Der Bayerische Landesverband war durch den Generalkonsul v. Lldenbourg vertreten, während Freiherr o. Würtzburg durch Krankheit verhindert wurde, nach Berlin zu Lammen. Aus den Beratungen dürfte es von allgemeinem Interesse fern, daß in Ausführung eines

Beschlusses der Hauptversammlung das Präsidium des Deutschen FlottenvereinS bestimmt hat, vom L Januar 1904 aE der unter dem Probektorat des Prinzen und der Prin­zessin Heinrich von Preußen stehenden GesellschaftSer­ina n ns haus für Unteroffiziere und Mannschaften der Kaiserlichen Marine" jährlich einen Beitrag von 16 000 ML zuzuwenoen Auch mit dem VereinSeemaiinsheim", dessen von Kommerzienrat Tannenbaum aufgefefrte neue Sapiung umfangreiche Betätigung auf dem Gebiete der Seewohl- fahrrsp siege in Aussict-t nimmt, soll ein ähnliches AbLammen getroffen werden

Heer und Flotte.

Wien, 30. April. Der Erzherzog Josef Ferdi» nanb, der seit zwei Jahren als Major dem in Salzburg stationierten Jägerregiment angehört, wurde unter Beförder­ung zum Oberstleutnant zu einem in Laibach stationierten Regiment versetzt. Wie das .Deutsche Volksblatt' aus informierten Kreisen erfahren haben will, sei diese Versetzung trotz der Beförderung eine strafweise und habe ihren Grund im Verhalten deS Erzherzogs gegenüber der Aristokratie und dem Hof. Der Erzherzog verkehre nur in bürgerlichen Kreisen und meide alle aristokratischen Picknicks. Zu den von ihm veranstalteten Abenden lade er nur bürgerliche Offiziere. Auch nehme man ihm den freundschaftlichen Verkehr mit einer bürgerlichen Beamtenfamille Übel, deren häufiger Be­such offenkundig der Tochter gelte. Der Erzherzog Josef Fer- dmand ist ein Bruder deS ehemaligen Erzherzogs Lepold Ferdinand, des jetzigen Leopold Wölfling.

Aus Hladt und Land.

Gießen, 1. Mai 1908.

- Zur Bataillonsbesichtigung ist gestern abend auch Divisionskommandeur Generalleutnant Excell. Freiherr von Gall in unserer Stadt eingetroffen. Se. Exc. und auch der Brigadekommandeur Generalmajor Graf v. K a n i tz haben im Hotel ,Großherzog von Hessen* Quartier ge­nommen. ,

** Konkurrenzeröffuuugen. Erledigt sind: die L unb 2. Lehrerstelle an der Getneindeschule zu Gedern, beide Stellen sind mit evangelischen Lehrern zu besetzen und dem Fürsben von Stolberg-Werniberode-Gedern steht das Präsentationsrecht für sie zu; mit jeder von ihnen ist die Hälfte des Organistendienstes verbunden, die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende 1. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Grüningen, mit der Stelle ist Organiftendienst verbunden; dem Ortsvorstande zu Grüningen steht das Präsentationsrecht für sie zu, sämllich mit dem gesetzlichen, nacb dem Dienstalter sich bemessen­den Gehalt.

- Jubiläum. Heute find 26 Jahre verflossen, daß Herr Karl Schmidt, m der Sandgaffe wohnhaft, den Beruf als Dienstmann antrat.

** Aus dem Theaterburean. Heute Freitag: Boccaccio. Am morgigen Samsttag findet, um den Wünschen eines großen Tetls des hiestgen Publikums ent­gegenzukommen, eine Bolksoorstellung zu billigen Preisen statt und zwar wird dieFledermaus' ge­geben. Die Direktion macht aber ausdrücklich darauf auf­merksam, daß eine zweite Voiesvorstellung nicht stack- finden kann. DaS Operettengastspiel ist mit so hohen Kosten verknüpft, daß die Tirektion bei billigeren Preisen unmöglich aus die Kosten kommen kann. Sonntag findet auf allgemeinen Wunsch die Meile, aber unwiderruflich letzte Aufführung der Geisha" statt. Montag wird

Feuilleton.

Wahrheit. Roman von Emile Zola. 2 Bände. Geheftet 6 Mk. (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt.) Noch einmal, ehe der Tod ihm die Feder aus der yand nahm, hat der große Meister des Naturalismus ein Merk ge­schaffen, das zu den standard-works der modernen Welt­literatur gehört und ein außerordentliches literarisches Er­eignis genannt zu werden verdient. Ter Dreysus- Af faire, in die Zola mit seinem flammendenaccuse einbegriffen, hat der Dichter die Hauptmomente der Hmid- lung entnommen und sie zu einem Kriminalroman größten Stiles verflochten, der sich allerdings nicht wie in der Wirk­lichkeit in militärischer Umgebung, sondern im Lebens- und Wirkungskreise der Geistlichkeit und des Lehrerstandc-, ab- fDielt Wir begegnen hier fast allen Hauptfiguren und Ereignissen derAffaire", und es bildet einen ganz beson­deren Reiz der Lektüre, im einzelnen zu verfolgen, wie sämrfsinnig und kunstvoll der Dichter die vielfältigen Ge­stalten uni) Episoden des großen Tramas kunftlcriich zu verwerten und dem von ihm konstruierten Parallelfall an- rupassen verstanden hat. Wohl noch nie war ein Roman ä cU des allgemeinen Interesses der Zeckgencyftn,o B^er wie Wahrheit", weil jeder gebildete ZettungÄeser den Schlüssel dazu besitzt. Doch es war dem Dichter nicht bloß um eine dichterische Rekapitulation gefchrchtlicher eigniife zu tun; diese dienen ihm vie.mehr ah? Mittel zu einem höheren Zweck. Wie er seinerzeit als Men,ch durch die Tat mutvoll die Sache der Wahrheit verfochten hatte, so tritt er hier als Dichter mit der Kraft .eines Wortes )ur oirt Wahrheit in die Schranken und preist sie als das ljea*]ie ^beal, dem die Menschheit überhaupt und seui eigenes Volt im besonderen nachzustreben habe, um |id? auf eine höhere Stufe der Sittlichkeit emporzu,chwmgen o* zeugt vrn dem Scharfblick Zotas fttr eine der bebeut)am|ten

monatlich 75 oiettrl- fäbrtidj Mt. ÄJO; Durch Adholt- u. Zweigstellen monQlltd) 65 Pf.; Durch Die Post Mk. 2. vierlel- jäbrL auSfchl. Bestellg.

do« Hnjelge« ür Die lageinummet bis xwrmuiag* 10 Uhr. Setlmprtt«: lokal ll'Ot, au* wärt» 80 Plg.

Vera»twortlich für Den poltL unb aflgem. Teil: P. Btttlo: tüx ,6taDt und tianb* unb .GeNchtSfaal^: August Götz; für Den An- zetgentell: Han« veck.

Aeichstags-tznde.

Unser parlamentarischer Mitarbeiter schreibt unterm 30. April:

Nichts konnte den Zustand der Auflösung, in dem sich der alte Reichstag seit einiger Zeit befand, mehr kenn- yidynen, als die Tatsache, daß heute vor Beginn der letzten Sitzung im Saale lebljafic und langwierige Verhandlungen zwischen L^rtreteru des Zentrums und der Sozialdemo- Iralie im Beisein des Präsidenten Graf Bollestrem statt- fanben, und zwar über das die heutige Verabschiedung der Krankenkaisennovelle in -weiter und dritter Lesung ermöglichende, verftüht alsfertig" bezeichnete Kompro­miß. DaS Zentrum mußte sich zu wesentlichen Kon­zessionen an die äußerste Linke verftehen, weil diese an­ders von dem Antrag auf namentlidje Abstimmung nicht Abstand nehmen wollte, der bei der notorischen Bcschluß- unsähigkeit zum Scheitern des sozialvvlitijch« Verbesser­ungen beziveckenden Gesetzes geführt gaben würde. Tie äußerste Linke setzte ihren Willen durch, well die meisten Abgeordneten auf ihre Eigenschaft als Mitglieder dieses dem Tode geweihten Reichstags keinen Wert mehr legen, sondern in der Wahlagitation ihre ganze Kraft der Er­langung der Mitgliedschaft am neuen Reick)stag widmen. Leuchtend ist der Stern dieses Reichstags also nicht nieder- gegangen, aber er hat doch ein beträchtliche- Maß gesetz­geberischer Arbeit überstrahlt. Ein Parlament, das eine Militarvorlage, zwei Flottengesetze, ein gutes Stück Sozial- Politik und den Zolltarif fertigstellte, hat sich immerhin Verdienste ums Vaterland erworben. Der Nachruf, der diesem ReiclZötag zuteil werden wird, dürfte also wohl freunblicher ausfalleu, als eS der Ruf war, in den das Parlament zeiUvellig geriet, so zurzeft der Kampfe um die lex Heintze und der Obstruktionsstürme beim Zolltarif. ES warc unbegründet und ungerecht, dem alten Reichstag alle- Schlechte nachsagen und dem neuen alles Gute prophezeien zu wollen. . . .

Der letzte Arbeitstag des Reichstags brachte eine Doppclsitzung. In der ersten Sitzung wurde die zweite Lesung und in der letzten die dritte Lesung der Kranken- kassennovelle erledigt. Da durch das zwischen dem So- zialpolitiker des Zentrums, dem Äbg. Trimborn, und dem Abg. Singer (Soz.) vereinbarte Kompromiß die materiellen Schwierigkeiten behoben waren, war in der Sache selbst wenig noch zu sagen. Aber man hatte noch anderes auf dem Herzen. Abg. Trimborn wies in nicht mißzu- vcrstchelwer Absicht auf die durch die Tiätenlosigkeit ver- -uldete Beschlußunfähigleit des Reichstags hin ein Wink an bie Regierung, den neuen Reichstag mit Tage­geldern auözustatten. Und Abg. Dr. Arendt (Rp.) hielt eine regelrea>te Wahlrede geacn dievölkeroerderbenbe" Sozialdemokratie und gegen diebiefe Gefahr nicht wür­digende, sich in Schweigen hüllenbe oder Entgegenkommen bezeigende" Regierung. Dieser von der Rechten mit de­monstrativem Beifall, von der Linken mit Protesrrufen begleitete Hinweis auf die ausgebliebene Wahlparole fand in der Debatte natürlich entsprechenden Wiberball, blieb aber auf die Vertreter der Regierung ohne besonderen Eindruck, obgleich Dr. Arendt mit größtmöglicher Stimm- haft sprach und sich direkt zum Regierungstisch hin- wenbete. Graf Posadowsky hatte den Saal verlassen, er wurde indessen von einem seiner Räte schleunigst wieder berbeigeholt Der Staatssekretär verwahrte die Regierung kurz aber pointiert lebißlich gegen den Vorwurf, mit­schuldig zu fein, daß in der Kranlenkassenfrage die Sozial- demokiatie dem Reichstag ihre» Willen aufzwuigen könne. Die Regierung trage mit Ruhe bie volle Verantwortung füt ihr Verhalten. Aus dieser rtuseinandersetzung zu olaern wie ein Rebner der Linken es tat, daß das Tisch­tuch zimschen der Regierung unb bei Rechten zerschnitten

Vereins, Fürsten zu Salm-Horstmar über den Verlauf der in Münck)cii stattgchabten Hauptversammlung hat der Kaiser an diesen nachftcHenbcs Handschreiben geruhtet:

Hocl)geborener Fürst! Es war mir eine besondere Freude, aus Euerer Liebden Schreiben vom 9. April d. I. zu ersehen, welch glänzenden unb patriotischen Verlaus die dies).ihrige Hauvwerstmimlung des Deutschen F-lotten- Vereins in Alünchen baut der gnädigen Teilnahme Seiner Königlichen Hoheit des Prinz-Regenten Luitpold von Bayern unb mehrerer Prinzen des Königlich Bayerischen Hauses genommen, unb welch gastliche Ausnahme die bayerische Haupt- unb Residenzstadt dem Flotten-Berein gewahrt hat. Auch hat mich der von dem Geh. Oüyt Professor Dr. von Heigel bei dieser Gclegenh.it gehaltene Vortrag über die geschichtliche Entwickelung der deutschen Seentacht, der wcseMlich z.u dem Gelingen des Festes beigetragen hat, lebhaft interessiert. Indem ich Eurer Liebden meinen wärmsten Dank ausspreche, wünsche ich der treuen Arbeit des Deutschen Flollenvereins in allen seinen Gliedern auch ferner seaensreichen Erfolg. Ich verbleibe Euerer Liebden

MeheimAnzeiger

w Eeneral-Anzelger u

Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen

sei, geht wohl zu weck. Aber eS beftebt ohne Zweifel eine Spannung, unb ben Konservativen ist dabei nicht ganz geheuer zu Mut.

Im Parkeck ging allgemach das große Abschiednehmen in Szene. Herzhafte Händedrücke, hoffnungsvolle Wünsche auf Wiedersehen im Herbst, trostreick-er Zuspruch Kollegen gegenüber, bie von Zweifeln in ihre Wi^berwahl erfüllt hab, satirisclie Bemerkungen auS bem gegnerischen Lager all' das spielte sich unter beträchtlichem Geräusch ab. Je näher aber der Sitzungsschluß heranrückte, bestomehr flaute bas Privatgespräch ab. Es griff baS Gefühl ber Erwartung Platz. Aller Augen waren auf die Bundesestradc gerichtet. Wird der Reichskanzler der Allerhöchsten Bot­schaft einige auf die Neuwahlen bezügliche Worte hin­auf ü gen? Ein Spötter reagierte auf diese in der Luft liegende Frage mit der Prophezeiung, Graf Bülow werde mck einem ftilminanten Zitat auf den Plan treten. In Wirklichkeit tarn es so: Nachdem das Krankenkasiengefetz in der Gesamtabstimmung angenommen war bie letzte soziale Tat des allen Reichstags!, erschien Graf Bülow, freundlich lächelnd. Er öffnete bie bekannte rote Mappe, verlas die den Schluß des Reichstags votierenbe Mer- höchste Botschaft bie Sozialdemokraten hatten sich» wie stets, entfernt, unb schwieg. Es bleibt also beim Schweigen der Regierung. Graf Ballestrem widmete dem Reichstag einen Abschieds grüß, Abg. v. 9larmann (ko ns.) stattete namens des Hauses dem Präsidenten für seine Geschäftsführung den Dank ab, die drei Kaiser Hochs brausten durch den Saal der Reichstag hacke aufgehört zu sein.

Fragen des Kulturlebens, daß er bie Aufgabe, den Sinn für die Wahrheck zu schürfen und auszubckben, vor allem ... Schicke zuweisen will und mit gewaltiger Beredsam- keck dafür ein tritt, daß die Schule im Staatsorganismus bevorzugtesten Platz erhalle. Der Roman i|t sowohl als dichterische Schöpfung wie als kulturhistorisches Doku­ment von dauerndem Wert und wirb lange Zeck das all­gemeine Interesse fefthallen. Ein besonderes 2o6 ver­dient die von L. Rosenzweig herrührende Uebersetzung, die Zolas krafivollln, aber oft ungefügigen Stil in meister­hafter Weise nriebergiebt und den feuftten Nuancen des Ge­dankens wie des Ausdrucks ebenso getreu wie Verständnis­