zirm Oberlehrer an dem Gymnasium und der Realschule au Worms, der Oberlehrer in Wimpfen Dr. Noll rum Oberlehrer an der höheren Madcbenschule und an oem Lehrerinnen-Seminar zu Mainz, der Oberlehrer zu Als- feld Schmitt zum Oberlehrer an der Oberrealschule zu Offenbach, der Oberlehrer zu Buhbach Professor Storck zum Oberlehrer an dem Realgymnasium und der Realschule zu Gießen, der Oberlehrer zu Worms Professor Beith zum Oberlehrer an der Oberrealschule zu Darmstadt, der Oberlehrer zu Pfungstadt Rektor Wahl zum Oberlehrer an der Realschule zu Michelstadt, der Oberlehrer in Darmstadt Professor Walger zum Oberlehrer au Darmstadt, der Oberlehrer zu Darmstadt Professor Weyell zum Oberlehrer an der Oberrealschule zu Darmstadt, der Oberlehrer zu Bingen Zimmer zum Oberlehrer an dem Realgymnasium zu Darmstadt, der Lehramtsassessor Franz aus Gießen zum Oberlehrer an der Real- und Landwirtschaftsschule zu Groß-Umsladt, der Lehramtsassessor Görtz aus Mainz zum Oberlehrer an dem Realgymnasium und der Oberrealschule zu Mainz, der Lehramtsassessor Hertsch aus Gießen zum Oberlehrer an dem Gymnasium und der Realschule zu Worms, der provisorische Lehrer zu Büdingen Kraft aus Gießen zum Oberlehrer an dieser Anstalt, der Lehramtsassessor Müller aus Gießen zum Oberlehrer an der Realschule und dem Progymnaslum zu Bingen, der Lehramtsassessor Nenn stiel aus Gießen zum Oberlehrer an der Realschule und dem Progymnasium zu Alzey, der Lehramtsassessor Ploch aus Darmstadt zum Oberlehrer an der Realschule zu Alsfeld, der Lehramtsassessor Dr. Rausch aus Friedberg zum Oberlehrer an der höheren Bürgerschule zu Schotten und zum Leiter derselben mit dem Amtstitel „Ziektvr", der Lehramtsassessor Reinig aus Offenbach zum Oberlehrer an der Realschule zu Butzbach, der Lehramtsassessor Rohr aus Heidesheim zum Oberlehrer an dem Realgymnasium und der Oberrealschule zu Mainz, der Lehramtsassessor Spiegel aus Michelstadt zum Oberlehrer an der Realschule zu OpDen- heim, der Lehramtsassessor Voll Hardt aus Dornoerg zum Oberlehrer an der höheren Bürgerschule zu Wöllstein und zum Leiter derselben mit dem Amtstitel „Rektor, der Lehramtsassessor Weißer aus Diainz zum Oberlehrer an dem Realgymnasium und der Oberrealschule zu Mainz, der Oberlehrer zu Bingen Professor Erckmann zum Oberlehrer an der Augustinerschule (Gymnasium und Realschule) zu Friedbera, der Lehramtsasses,or Set- nius aus Ueberau zum Oberlehrer an der Höheren Bür- gerschule zu Grünberg und zum Leiter derselben mit em Amtstitel „Rektor, der Lehramlsassessor Fuhry aus Hochheim bei Worms zum Oberlehrer an der Realschule und dem Progymnasium zu Bmgen, der Kreisassistenzarzt bei dem Äreisgesundyeitsamt Gießen Dr. Ko Niger zum Kreisarzt des Kreisgesundheitsamts Schotten, der zweite Kreisassistenzarzt bei dem Kreis- Gesundheitsamt Gießen Dr. Bötticher zum ersten Kreisassistenzarzt bei diesem Kre^sgesundhertsamt, der Setter der Lungenheilanstalt zu Obertaufungen Dr. Theod. Curschmann zum zweiten Kreisassislenzarzt bei dem Kreisgejundl-eitsamt Gießen, Landgerichtsrat Fabri- cius in Mainz zum Vorsitzenden, der Landgerichltsrat Psannmüller in Mainz zum ersten Stellvertreter des Vorsitzenden und der Laltdgertästsrat N e e s in Matnz zum zweiten Stellvertreter des Vorsitzenden der Kammer für Handelssachen in Mainz für die noch übrige Dauer der -Geichüjtsperiode 1901/03 bestellt. Ernannt wurde ferner der Kanzleiwärter im nördlichen Kollegienhause Sva- mer zu Darmstadt zum Miniiteriallanzleidiener bei dem Ministerium der Finanzen.
•• Bürgermeister-Versammlung. Infolge Einladung des Herrn ProoinzialdirektorS Dr. Breidert fand am 26. d. M. im hiesigen Kreisamte eine Versammlung der Bürgermeister auö dem Kreise Gießen von Gemeinden mit über 1000 Einwohnern statt. Der aus Darmstadt erschienene Landeswohnungsinspektor G r e tz s ch e l erläuterte in eingehendem Vortrage das neue Wohnungsfürsorgegesetz und die Ausführung desselben sowohl in der Richtung einer Durchführung der Wohnungsinspektion, als auch einer positiven Wohnungsfürsorge durch Erstellung billiger Kleinwohnungen durch die Gemeinden oder gemeinnützige Bauvereine. Er wies gleichzeitig darauf hin, daß die Landeskredilkasse in Darmstadt durch Gesetz vom 6. Angust 1902 ermächtigt worden sei, ihre Mittel, soweit dieselben hierzu verfügbar sind, dem gemeinnützigen Wohnungsbau zu billigem Zinsfüße zur Verfügung zu stellen. An den Vortrag knüpfte sich eine längere Debatte. Provinzialdirektor Dr. Breidert erklärte, er sei der Ansicht, daß es nicht erforderlich sei, die Säckel der Gemeinden in Anspruch zu nehmen, und bezeichnete eS als wünschenswert, daß auch die Gemeinderäte über die Angelegenheit im Sinne des Vortrags unterrichtet werden möchten, da dieselben hierdurch eher für eine Förderung der gemeinnützigen Bautätigkeit zu gewinnen seien. Er werde deshalb in Aussicht nehmen, zu geeigneter Jahreszeit eine Versammlung der Gemeinderäte anzuberaumen und zu derselben wieder den Landeswohnungsinspcttor einzuladen. Von einigen Bürgger- meistcrn wurde bestätigt, daß allerdings Mißstände im Wohnungsivesen herrschen und ein Einschreiten auf Grund bes Gesetzes notwendig sei. Der Bürgermeister von Ltch hält die Gründung gemeinnütziger Bauvereine in den einzelnen Gemeinden für empfehlenswert, damit gute und billige Kleinwohnungen geschaffen werden und die Gemeinden dadurch die Möglichkeit erhalten, schlechte Quartiere leer zu stellen oder zu beseitigen. Kommerzienrat EmmeliuS, Vorstandsmitglied deS hessischen ZentralveremS für Errichtung billiger Wohnungen, empsiehlt ebenfalls warm die Gründung gemeinnütziger Bauvereine, Material an Statuten, Bauplänen u. f. w. stelle die Geschäftsstelle des genannten Vereins in Darmstadt gern zur Verfügung. Herr Rendant Doering schilden die Tätigkeit des hiesigen Bauoereins, er hebt hervor, daß der Verein mit seinen Mietern gute Erfahrungen gemacht habe, die Mieten gingen pünktlich ein, auch sorge der Verein dafür, daß in den Häusern Ordnung und Sauberkeit herrsche. — Hierauf hielt der Direktor der Landes-Hypothekenbank, Dr. Fresenius aus Darmstadt einen auSführltchen Vortrag über Wesen und Zweck der genannten Bank. Eine längere Besprechung konnte sich an diesen Vortrag in Anbetracht der vorgerückten Zeit nicht mehr anknüpfen, der Herr Provinzial- direktor stellte in Aussicht, daß auch dieses Thema später noch «Detter erörtert werden solle.
D. U. Promotion. Im Monat März 1903 wurden an der Landes-Universttät promoviert: zum Dr. jur.: Wilhelm Wehner, Gerichtsaccessist auS Gießen; zum l)r. med.: Ludwig Wißmann. approbierter Arzt aus
Darmstadt; zum Dr. phiL: Philip Ely Robinson, cand. rDr. nat. auS Sewickley; Wilhelm Gruninger, LehramtSaeceffist auS Butzbach Theodor Wiese, Königl. Bergreferendar auS Minden L W.; Gustav Schöner, Pfarrer in Eschenrod.
— Johannette Lein. Das Begräbn iS der Dichterin fand gestern nachmittag um 5 Uhr statt. Vom Häuschen der Verstorbenen in der Kleinen Mühlgaffe auS bewegte sich ein kleiner Leichenzug auf den Friedhof, wo Pfarrer Scheunemann eine schöne, schlichte Grabrede hielt, die an die Bedeutung und daS Wesen der Verstorbenen am besten anklang. — Von Angehörigen der Verstorbenen erfuhren wir noch folgendes: Der verewigten Dichterin war bald nach Herausgabe ihrer Gedichte in ihrem hessischen Vaterlande eine zweifache Ehrung zuteil geworden. S. K. H. der Groß Herzog ließ ihr zur Feier ihreS 80. Geburtstages seine Glückwünsche aussprechen. Dem Schreiben war eine ansehnliche Geldspende beigefügt. Das Großh. Ministerium des Innern hatte verfügt, daß der Dichterin aus dem Fonds für Kunst und Wiffenschaft alljährlich die Summe von 300 Mt. ausbezahlt wurde. Der hessische Staat ist also, wie wir sehen, der Stadt Hamburg, die unlängst dem Dichter Falke einen Ehrensold verwilligt hat, mit rühmenswertem Beispiel vorangegangen. — Zu unserem gestrigen Nekrolog teilt uns Herr Alfred Bock mit, daß die Gedichte von Johannette Lein getreu nach dem Original von ihm herausgegeben und nur einige von ihnen im Einverständnis mit der Dichterin gekürzt worden sind.
— Die diesjährige Spielzeit des Stadt- theaterS ist gestern abend mit einer Wiederholung der »Flotten Weiber' sang- und klanglos zu Ende gegangen. Die zweifellos höchst verdienstvolle Direktion Kruse hat nun also ihr Szepter niedergelegt, wir werden aber kurz nach Ostern aufs neue Gelegenheit finden, ihr zu begegnen, und da wird man es dann wohl, wenn's ans definitive Scheiden geht, nicht an Zeichen herzlicher Anerkennung und Dankes fehlen lasten. — Die scheidenden Mitglieder der Kruse'schen Theater - Gesellschaft werden morgen, am 2. April, noch ein »Buntes THeater" auf eigenes Risiko unter Leitung des Herrn H. Ramseyer veranstalten. Zur Aufführung gelangen unter anderem die Lustspiele »Der Giftmischer", »Jochen Päsel, was bist Du für'n Esel" und »Der Nachbar", eine Tragikomödie. Dazu kommen GesangSoorträge und Rezitationen in bunter Abwechslung, Piöcen in der höheren Salonmagie rc. — also ein sehr reichhaltiges, amüsantes Programm. Auch dieser Abend wird gewiß reich sein an manigfachen Ovationen für die wackere Künstlerschaar, die sich demnächst wohl in alle Winde zerstreuen wird.
• * Operetten-Nachsaison im Stadttheater. Unserem musikliebenden Publikum stehen im April besondere künstlerische Genüste bevor. Direktor Kruse hat das gesamte Operetten-Ensemble des Elbinger Stadttheaters zu einem mehrwöchentlichen Gastspiel gewonnen. Die Operettensaison wird am Ostermontag, den 13. Zlpril, mit Suppö's »Boccacio" ihren Anfang nehmen. Darauf folgt am Dienstag, den 14. April als erste Novität »Wiener Blut", daS letzte Werk des genialen Johann Strauß, das am »Theater deS Westens" zu Berlin mit glänzendem Erfolge über 300 mal in Szene ging. Ferner sind von Novitäten »Ziehrers »Landstreicher", Strauß' »Waldmeister", Reinhardts »Süße Mädel" und das reizende Ballet »Die Puppenfee" m Aussicht genommen. Von älteren Werken sollen »Zigeuner- baron", »Fledermaus", »Bettelstudent', »Vogelhändler", »Girofle-Girosla", »Schöne Helena", »Orpheus in der Unterwelt", »Lustige Krieg", »Mikado" und »Geisha" zur Ausführung gelangen. — Das Ensemble gastierte letzten Winter mit größtem Erfolge in Königsberg, Danzig, Tilsit usw. und eS wurden sowohl die vorzüglichen Leistungen wie die glänzende Ausstattung gerühmt. Von Solisten erwähnen wir die Damen Stöger (erste Sängerin), Bartl und Schredt (Soubretten) und die Herren Sommer und Nolte (Tenoristen), Ganzert (Komiker) und vor allem Herrn Registeur Bruck. — Dutzendbillets sind von heute ab bei Herrn Challier zu haben. Mit Sicherheit darf man wohl annehmen, daß unser kunstliebendes Publikum das Unternehmen mit Freuden begrüßen und es nach besten Kräften unterstützen wird.
* * Ehrung. In diesem Winter waren es 10 Jahre, daß die hiesige Gewerbeschule unter der Leitung des tznupt- lehrers Traber reorganisiert ist. Aus diesem Anlaß haben die Schüler der Anstalt gestern eine Gedenktafel getoiomet, welche bei Malermeister Hirz, Seltersweg, ausgestellt ist. Angefertigt ist dieselbe von einem Schüler der zweiten Klasse unter Anleitung des Architekten Demmer. Sie giebt ein beredtes Zeugnis von den. gediegenen Leistungen der Schule und dem harmonischen Zusammenwirken von Lehrern und Schülern unter der bewährten jetzigen Leitung.
* * D i e er st en Birnenblüten s.nd auch in diesem Jahre wieder am Spalierobstbaum auf dem Hofe deS Weinhändlers August Schwan am Seltersweg zu sehen. Der betreffende Daum steht allerdings überaus günstig und geschützt , Im Garten des Herrn Schwan ist übrigens auch ein Aprikosenbaum bereits in voller Dlütenpracht.
-o- Grün berg, 1. April. Gestern wurde die Tochter einer hiesigen Bürgerfamilie in Untersuchungshaft genommen. ES soll sich, dem Vernehmen nach, um eine versuchte Verleitung zum Meineid handeln. — Der hiesige gemischte Chor gab am Sonntag abend ein sehr zahlreich besuchtes Konzert in der Turnhalle. DaS reichhaltige Programm bestand in Ehorgesängen und Soli, welchen am Schluffe cm gut gegebenes Singspiel »Reisebekanntschaften" (mit Musil von Abt) folgte. Sämtliche Aufführungen erfreuten sich ungeteilten Beifalls.
Butzbach, 31. März. Wie die „B. Ztg." nritteilt, wird in den nächsten Tagen mit den Erdarbeiten für die Butzbach-Licher Bahn begonnen. Zu diesem Zwecke sind bereits vereinzelte italienische Arbeiter hier einge- trossen und es werden in den nächsten Tagen noch eine große Anzahl hier erwartet. Ter F-irma Sinn in Gießen ist ein großer Teil dec vergebenen Arbeiten übertragen worden.
(?) Selters (Hessen), 30. März. Heute wurde die am 21. Marr erbohrte neue Sool-Ouelle durch den Großh. Cberbcrgrat Tr. CheliuS au5 Darmstadt einer FundeSbesichtigung unterzogen. DaS Spcudel-D^h^loch hat bereits eine ansehnliche Tiefe erreicht und, da der Wasser- auftrieb mit starker Kohlensäureenuvicklung konstant geblieben ist, wird die Arbeit hierfelbst alS beendet anaeicAen.
Es soll nunmehr die Arbeit in dem großen Bohrloch auf dem Kirschcnkamp, daS bereits über 80 Meter niedergebrachL war, und wegen FelseinstnrzeS unterbrochen werden mußte- wieder in Angriff genommen werden.
Darmstadt, 31. Marz. Seine Königliche Hoheit der Großherzog sind gestern abend in Genua wohlbehalten eingetroffen, werden daselbst biS Donnerstag verweilen und Freitag, 3. April, hier eintreffen. (D. Ztg.)
Darmstadt, 30. März. Die Antiduell-Liga hat hier eine Ortsgruppe gegründet, die die Provinz Starkenburg mit umfassen soll. Es ist bereits eine größere Zahl Herren aus den Kreisen der Juristen, Philologen und Aerzte beigetreten. Ten Vorsitz hat Graf Adalbert zu Erbach-Fürstenau übernommen, als dessen Stellvertreter figuriert Dr. med. und Stadtverordneter Kolb-Darmstadt.
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• Berlin, 1. April. Wegen Versuchs des Gatten- mordes wurde in Schöneberg der Photograph Fischer verhaftet. Er gestand ein, daß er feiner Frau längere Zeit Jodkali im Morgenkaffee beibrachte, um sie langsam zu töten. — Tas Blumenrnedium Anna Rothe hat auf die Einlegung der Revision verzichtet.
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W. (Stehen, 31. Mörz. (Strafkammer.) Heute ver» bandelte die Strafkammer in der für Jägerkreise höchst wichtigen Strafsache gegen den in Diensten des Herrn o. Rabenau stehenden Oberförster 9L von Londorf wegen Jagdvergehen. Ter Forstmann war s. Z. vom Schöffengericht Gießen zu einer Gelbslraie von 10 Mark verurteilt worden, weil er ein Reh auf v. Rabenau scheu Jagdgebiet krairk geschoben und bann, nachdem eS über die Grenze gegangen war, seinen Hund von der Leine losmachte, aus die Fährte des Wildes setzte, sodaß das Tier in em sremdeS Jagdgebiet daS Wild verfolgte, würgte und dann au dem Jäger zurück- schleifte. (Wir berichteten s. Z. über die Verhandlung vor^ dem Schössengerlcht) Oberförster N. wiederholte heule vor der Stras- fanuner, was er bei der Verhandlung erster Instanz bereits erklärt hatte, man sei in Jägerkreisen allgemein der Ansicht; daß seine Handlungsweise im vorliegenden Falte legal sei, er stützte sich dabei aus den Artikel 21, Abs. 2 deS Hess. Jagdgesetzes vom Jahre 18ö8, welches vom Reichsgesege in bieiem Punkte nicht ausgehoben sei. Tas was er getan und wie er gehandelt, würde von allen Jägern der Rabenau befolgt und Niemand habe darin bisher em Jagdvergehen erblickt. Tie Strafkammer verkannte nicht, daß im vorliegenden Fall der § 292 des Strafgesetzbuches verletzt ist, und daß daS Heff. Jagdrecht den Angeklagten itraiirei mache, denn der Art. 8 desselben verbiete die Wildfolge oder Jagdiolge. Ter Artikel 21 des Heff. Jagrechtes habe höchstens eine zivil-prozessuale Bedeutung. Es sei dieser Artikel auch nur so zu verstehen: der Hund, aus der Jagd begriffen, alfo im Jageuer, veriotgt auf eigenem Jagdgebiet seines Herrn angeschosjenes Wild über die Grenze. Der Gerichishos kam aber trotzdem zur Freisprechung mt vorliegenden Fall, roeil dem Angeklagten die Rechtswidrigkeit seines Handelns bei Begehung der Tat gefehlt habe. T»e Beweis- ausnahme habe dargetan, daß im oortregenden Fall der gute Gtaube den Jäger beieelt habe. Hierzu komme, daß, besonders in der Rabenau, vielfach die Jäger der irrigen Ansicht seien, es bestehe bei uns in Hessen noch Wildfolge. — Weiter verhandelte die Kammer gegen den noch nicht ganz 17 Jahre alten Metzgerlehrling Karl K. von Birklar, zuletzt beim 'Meister Schneider in Butzbach tätig, wegen Brandstiftungooersuches. Ter Angeklagte ist gelten big. Weil ihn sein Lehrherr wegen einer begangenen Unregelmäßigkeit habe entlassen wollen, habe er bic Absicht gehabt, bemselben einen Schaben zuznsügen. Zu biesem Zweck sei er abends in den Vorraum zum PfeideslaU gegangen und habe dort liegendes Stroh angesteckt, um dadurch den Stall mcderzu- bvennen. Ter Knecht kam gerade dazu, als die Flamme empor- Iböerte, und so konnte zum Glück diese erstickt weiden, wobei der Angeklagte geholfen hat. R. gesteht, noch an demselben Abend von dem Sohn des Meisters eme gehörige Tracht Prügel belouunen zu haben für seine srevelhaste Tat. Ter Gerichtshof bejahte bie Frage, ob der übrigens wegen TiebstahlS mit einem VerwciS schon vor- bestraite junge Bursche die nötige Erkenntnis der Straibarteit seiner Handlung besessen habe und erkannte auf 3 'Monate Gefängnis, dabei strafmildernd berücksichtigend, daß erstens der Angeklagte noch sehr jung ist und zweitens eme schlechte Erziehung bekommen hat. — Teni Sandgriibenbesitzer Theodor Ai. von Schwalheim wird zur Last gelegt, daß er durch Fahrlässigkeit vermöge seines Berufes den Tod eines Aienschen verschuldet habe. Ai. betreibt in der Nähe seiner Heimat die Gewinnung von weißem Sand, wozu ihm eme Sandkaute sogenannter Tagbau und ein unkeriidischer Bau (Schacht von dem Stollen in« Gebirg getrieben worden, zur Verfügung stand. Im Atonal Oktober wurde dem Angeklagten m Gegenwart feiner beiden Arbeiter von dem die Aufsicht führenden Beaniten die weitere Sandgewinming in den unnterirb »scheu Stollen untersagt, weil bas Gebirge bebenkiiche Risse auiioied unb baS Arbeiten unter Tag für bie Arbeiter gefährlich werben konnte. 8 Wochen später gingen bie beiben Arbeiter beS Angeklagten doch wieder in die Stollen, der Letztere kam dazu unö_ ermaünte bie Leute zur Vorsicht, er wies sie zwar an, in ber eanbfaute unb nicht in Sanb zu graben, verhielt sich aber im Uebtigen pahto unb verhuiberte nicht bas Weiterschaffen unter Tag. Hierbei sanb ber ca. 60 jährige Sanbgräber burch Verschütten icinen Tod. «ter Gerichtshof faßte bie Sache um besmillen sehr milbe auf, weil ber um sein Leben gekommene Kühl nicht ganz unverfdiulbet seinen Tob gefunden. Tieseni war bas Verbot des Aufsichtsbeaniieu, die Stollen zu betreten, bekannt, er hat diesem zuwider qehaiidelt. Aber auch der Angeklagte hat sahrläffig gehandelt, weil er unterlassen hat, dem Verbot Geltung zu oerschageir. Er hätte Den schacht als den Eingang zu dem Stollen abjchlteßen konneii unb den Schlüssel zu sich stecken müflcn, dann wäre eS dem Verungiückren nicht möglich gewesen, unter Tag zu arbeiten. ES mußte datier der Angeklagte wegen fahrläffiger Tötung au, f^runb des § 222 deS Str.-G. mit 1 Monat Gefängnis bestraft werden. Der Staatsanwalt hatte im vorliegenden Fall 4 Monate beantragt.
PartS, 31. März. Tie Verhandlungen gegen Ehabaneix, den Mörder des Worrnfer Dr. C r 6 c n ft e i n, wurden gestern nachmittaa vor dem Schivurgericht fortgesetzt. Eine Reihe von Zeugeii bestätigte, daß der Angeklagte un Ganzen stets cm zurückgezogenes Leben geführt hat. Aus den Aiis|agcn von zwo Bankbeamten geht klar hervor, daß er jein f lern cd ererbtes unb bei e,ncc Bank deponiertes Kapital nahezu amgebraucht hatte, als er zinn Derbrechen schritt. Eine andere Reihe von Zeugen, zunieist angesehene Pariser Aerzte, welche Lrdenstein seit Jahren a!4 ^rcund mit) Kollegen kannten, schildern daS Privatleben des Ermordeten alS das klarste und am besten geordnete, daS man sich denken tonne. Nach ihren einmütigen Eingaben sind die von Ehabaneir gegen den Ermordeten erhobenen Änschuldigungen ooUftänbig aus Der Lust gegriffen. Der größte Test der Sitzung war ausgelüllt mit der Vernehmung der GerichtSärzte, welche Ehabaneir auf feinen Geisteszustand hin untersuchten unb beobachtet haben. \oic kommen zu bem Schluß, baß Ehabaneix vollkommen zurechnungsfähig ist und sich jetzt burch Simulation von Geistesgestörtheit zu retten versucht. Der Verteidiger des Angeklagten bemühte stcti vergebens, den Sachverständigen da? geringste Zugeständnis cuiev verminderten Zurechnungsfähigkeit herauszuwcken. DaS Schwurgericht verurteilte beuteEhabaneix zu lebenslänglicher Zwangsarbeit. Dem Briider dcS Ermordeten, der 1-rmaitlagc eingelegt batte, um den von Ehabaneix auf sein Opfer geworfenen Verdacht eines unlauteren Lebenswandels zu entkräften, wurde der Form . .'.'ber em ^clbrimcbäoigima zu erkannt.
Ziiiirict uuö Verkehr. Vmkvwirlschäst.
Berliner Vörfe'vom 31. Mar; 1003. (Alltgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gi^en.) Nachdem Bankaktien sich eme Zeit lang nur immer der allgemeinen Tendenz zo^entb anschloffen, übernahmen dieselben heute plötzlich bie sühreube stell-


