Ausgabe 
1.4.1903 Erstes Blatt
 
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Im Anschluß an dieses Referat haben wir folgendes 311 bemerken: Der Herr Abg. Köhler-LangSdorf hat ge,lern, wie bereits in der Sitzung am 27. Februar, den Gießener Anzeiger in der Stammet zur Sprache gebracht. Am 27. Februar be­klagte er sich laut dem uns vorliegenden amtlichen Steno­gramm darüber, daß die Redaktion des Gieß. Anz. eine in der bei ihm bekannten sagen wir: originellen Tonart geschriebene Erwiderung auf Ausführiingen eines anderen hiesigen Blattes abgelehnt hatte. Der Mehrheit der Kammer dürfte eine derartige Angelegenheit höchst gleichgiltig er­scheinen und durchaus unwert zur parlamentarischen Behand­lung, und auch wir würden jene Köhler'schen Ausfälle un­beachtet gelaßen haben, wenn nicht seine gestrigen Ausführungen in der Kammer unS belehrten, daß Herr K. seine Angriffe gegen uns sich zum Sport gemacht hat. Jene von uns abgelehnte Erwiderung wimmelte nicht allein von schweren Injurien, sondern behandelte eine Angelegenheit, der wir durchaus fernstanden und deren Austragung auf einem ganz anderen Felde sich abspielte, und eS dürfte Herrn Abgeord. K. längst bekannt sein, daß die gesamte deutsche Preffe, soweit sie etwas auf sich hält, von anderen Blättern begonnene persönliche Streitigkeiten unbeachtet läßt. Herr Abg. Köhler hat den von uns abge-- lehnten Artikel, der sich auf Dinge bezog, die unserem Leserkreise zum weitaus größten Telle völlig unbe/annt waren, alsdann in der ihm nahestehenden »Volksmacht" ver­öffentlicht und der Abg. Dr. David hat in der Zweiten Kammer einige der markantesten Stellen daraus vorgelesen und unseren Parlamentariern damit ein amüsantes halbes Stündlein bereitet. Heute nun schreibt uns unser Landtags- Referent:

Herr Abg. Köhler hat seinem so unverständlichen als un­berechtigten Groll gegen mich wieder in seiner bekannten drastischen Weise Ausdruck gegeben, indem er seinen Zweifel darüber aussprach, ob »der da oben" auf der Journalisten­tribüne nicht »wieder etwas Unrichtiges" im »Gieß. Anz." gebracht habe. 9lun hat Herr Ministerialrat Becker in seiner Antwort ja keinen Zweifel darüber gelaßen, daß die in meinem Bericht über die Sitzung der Ersten Kammer vom Samstag mitgeteilten Bemerkungen tatsächlich gefallen sind. Es lag somit für Herrn Kähler »da unten" kein Grund vor, mich in der geschilderten Weise zu apostrophieren und die Aufmerksamkeit des Hauses auf meine bescheidene Person zu lenken. Das entspricht nicht den bisher üblichen parlamen­tarischen Gepflogenheiten.

grltig erklärt, so werde dadurch ein gewisses Odium auf die Lammermehrheit geworfen, das er bedauern müsse.

Abg. v. Brentano bemerkt, es sei ja zweifellos, daß bei der Wahl des Abg. Tr. Heidenreich Verstöße vorge­kommen seien, aber dieselben seien doch nicht von maß­gebendem Einfluß auf die Wahl selbst gewesen. Bei der Wahlmännerwahl in Birkenau habe es sich um eine ab­sichtliche flagrante Gesetzesverletzung gehandelt, während bei Der Wabl des Abg. Dr. Heidenreich doch nur ein Irrtum vorlag, der nicht besonders schwer ins Gewicht fallen kann. Aus Diesem Grunde habe die Minderheit des Ausschusses geglaubt, der Wahl des Aba. Dr. Heidenreich zusammen. Die Wahl des Abg. Orb aber ablehnen zu sollen. Den Freisinnigen müsse er das Kompliment machen, daß sie sich bei der Darmstädter Wahl von rein sachlichen Gesichts­punkten und nicht von Parteirucksichten haben leiten lassen. Er hoffe, daß die Parteien auch bei dieser Wahl so handeln würden.

Abg. Dr. David geht im Sinne Ulrichs auf die beiden Wahlen näher ein und sucht darzutun, daß die Gesetzes- Verletzungen bei der Wahl des Abg. Heidenreich viel größer waren, als bei der Wahl des Abg. Orb.

Nach weiteren Bemerkungen der Abg. Schlenger und Weidner legt Abg. Pennrichin sehr ausführlicher Weise den Standpuntt der Ausschußminderheit dar. Alsdann wird um Vr2 Uhr die Debatte abgebrochen.

Nächste Sitzung morgen vormittag 9 Uhr.

Im Preußischen Abgeoiduetenhause

wurde am Dienstag zunächst der Gesetzentwurf betreffend die Bewilligung werterer Staatsmittel zur Verbesser­ung der W 0 h n u n g s v e r h ä l t n i s s e von Arbei­tern, die in staatlichen Betrieben beschäftigt sind, und von gering besoldeten Staatsbeamten debattelvs in dritter Lesung angenommen. Sodann wurde der Entwurf betr. eines Ausgleichsfonds für die Eisenbahnver­waltung unverändert in dritter Lesung erledigt. Hierauf folgte die Beratung des Antrags Langerhans (Frs. Vp.) betr. Einführung der fakultativen Feuerbestatt-

doch ihr gegenüber aus dem freieren Standpunkte, auf den ihn feine größere Geisteskraft, seine tiefere Bildung und seine reichere Lebenserfahrung hoben, kein Hehl. Er sagte ihr offen, er könne nid>t alles annehmen, was in der Bibel geschrieben stehe, weil es doch immer nur Menschen feien, Die Gottes Wort darin überliefert hätten; und er wandte sich mit Festigkeit gegen den auch von Lothar Bucher bezeugtenherrnhutischen" Geist, von dem Johanna nicht ganz frei war. So warnte er sie vor der religiösen Tränenseligteit, zu der sie und Moritz Blankenburg ganz im Geiste des Pietismuseinander aufregten"; und als sie einmal erkrankte und der Vater in frommem Vertrauen auf GotteS Beistand Arzt und Arznei ablehnte, da rügte er dies Verhalten in ernsten Worten al5 unverantwortlich Gottes Hilfe entscheidet allerdings", sagte er,aber gerade er hat uns den Arzt und die Arznei gegeben, damit durch sie unS feine Hilfe zukomme, und diese in der Gestalt ab- iehnen, heißt ihn versuchen." BiSmarck fühlte sich freudig und frei in feinem wiedererrungenen Glauben, aber eS war ein männlicher, kraftvoller, großgesinnter Glaube, dessen er bedurfte, und diese Größe der Auffassung, die er gegen­über der in engerem @ei|te erzogenen Braut geltend machte, trat mit besonderem Nachdruck in der schönen Mahnung, die er im Februar 1847 an sie richtete, hervor:Wie habt Ihr dou- meist so wenig Vertrauen in Euern Glauben, und wickelt ihn sorgfältig in die Baumwolle der Abgc- fchlossenhcrt, damit km Luftzug der Welt ihn erkälte, andere aber sich an Euch ärgern und Euch für Leute auS- kchreien, die sich zu heilig dünken, um von Zöllnern re. berührt zu werden."

Sv trat Bi Sm ar ct inS öffentliche Leben hinaus als ein gefestigter Mann, der unter flaueren Stampfen seinen reli­giösen Standpunkt gefunden hatte Nicht nach äußeren Ein­flüssen oder Vorteilen hatte er dabei geschielt c» war ein Liefet Lebensbedürfnis, dem er dabei nachgab. Erst

nng. Derselbe wurde nack längerer Debatte, in welcher ein Regierungövertreter zum Anträge sprach, gegen Die Stimmen der Freisinnigen, Nationalliberalen und Frei- konservativen abgelehnt. Sodann wurden noch Peti­tionen nach den Anträgen der Kommission erledigt und hierauf die nächste Sitzung auf den 21. April anberaumt.

Also der Feuerbestattungsantrag ist in Preußen wieder einmal prompt von der konservativ-kleri­kalen Mehrheit abgelehnt worden. Aber steter Trovfen höhlt auch hier den Stein. Die Befürworter der Feuervestattung lassen nicht nach in ihrem Eifer, auf der Gegenseite ist zu bemerken, daß die Lebhaftigkeit der Abwehr von Jahr zu Jahr sich mindert. Abg. Pastor Schall von den Ston- servativen gerät zwar noch immer in Harnisch, im Zen­trum nimmt man sich nicht mehr die Mühe, führende Mit­glieder ais Redner vorzuschicken. Die Regierung beauftragte einen Kommissar damit, die Erklärung abzugeben, dem Anträge würde keinenfalls zugestimmt werden. Eine Aeußerang des Rcgicrungsvertreters über Aergerniserreg- ung durch die Feuerbestattung und Verletzung Der Gefühle bei einem großen Telle der Bevölkerung war wohl allzu pointiert und wurde in dieser Erkenntnis, nachträglich ab- geschwächt. Abg. Dr. Barth (frei). Berg.), Dr. Martens i.natlib.) und Dr. Langerhans (frei). Vp.) führten mit Sachlichkeit und Geschick alle Momente inS Feld, insbesondere auch diejenigen der öffentlichen Gesundheits­pflege, die für die Leichenverbrennung geltend zu mad}en sind. Es kennzeichnet hinreichend den Wert der Gegeneinwendungen, wenn z. B. Herr Schall den Trumpf ausspielt:Glauben Sie, daß die Würmer so dumm sind, sich über eine Leiche herzumachen und sich mit dem Leichengift zu infizieren?" Mit Witzen so billiger Art, obschon jie em großes Ergötzen weckten beiläufig: Was wird in den Parlamenten nicht belacht? sollte eine so ernste Frage denn doch nicht behandelt werden. In der Reichshaupiskadt besteht ubrigend Die Einrichtung der Feuerbestattung. Im städtischen Verbrennungsofen werden täglich Die sezierten Leichen Der Anatomie, soweit sie zu wissenschaftlichen Präparaten keine Verwendung finden, durch Feuer vernichtet. Das find dock auch Menschen. Bis­her wurde in Berlin lein Protest Dagegen erhoben, daß Die armen Seelen dieser vom Schicksal Enterbten Schaden leiden. Die Tatsache, daß Der weitaus größte Teil Der Aerzte entschieDen für Die Feuerbestattung eintritt, wird merkwürdigerweise hartnäckig ignoriert, während man in anderen Fallen Autoritäten und Sachverständigen so großen Einfluß auf Gesetzgebung und Verwaltung einräumt.

Aoiiiische Tagesschau.

Blinder Lärm.

TieNordd. Mlg. Ztg." schreibt: DerVorwärts" brüstet sich, er habe durch feine Enthüllungen über die Wahl des 17. Mai als Termin für die Reichstagswahlen Anlaß gegeben, daß der Termin auf den 16. Juni verlegt wurde. Zum Beweis für die Angabe, daß nach dem sorg­fältig geheim gehaltenen Plane Die Wähler mit Dem 17. Mai hätten überrascht werden sollen, stellt das Blatt die Be­hauptung auf, in der ersten Anweisung an die Behörden über die Aufstellung der Wählerlisten sei der 17. Mai als Wahl­termin aufgefuhrt. Das ganze Kartenhaus desVorwäüts" stürzt durch die einfache Feststellung zusammen, daß der 17. Mai niemals als Wahltermin in Betracht ge­kommen ist.

Wahrscheinlich hat sich mit dem sozialdemokratischen Zenttalorgan wieder mal jemand einen Spaß erlaubt, inbem er über den Termin der Reichstagswahlen unD die angeb- lißch Dabei beabsichtigte Ueberruuipelung allerlei Enthüll­ungen machte. Oder sollte em gutgläubiger Gcwährsniann gröblich hinters Licht geführt worden fein? Ein Sonntag als Wahltag war von vornherein fo unwahrfcheinlich wie nur möglich

Don der Marine-Artillerie.

Von besonderer Seite wird uns geschrieben:

DieNordd. Alta. Ztg." macht in einem besonderen Ar­tikel darauf aufmerksam, daß im diesjährigen Marine­etat zum ersten Male eine Fachzulage von jährlich 200 Mr. für Schützenkapitulanten vorgesehen ist. Bezweckt wird damll, artilleristisch ausgebildete Ätatrosen über ihre dreijährige Dienstpflicht hinaus auf weitere Drei Jahre dem Mar.mdcenst zu erh-Ucn.^ Di.ft Maßr gel ent­spricht« der Bedeutung, welche Die Sccheßausbaoung im Kriegsschifssdienst erlangt hak. Eine ähnliche Einrichtung findet sich, soweit bekannt, bei der russischen und engüfdjen Marine. Die damit gemachten Erfahrungen kennen zu lernen, hatte Kaiser Wil Hel m bei seiner vorjährigen Zu­sammenkunft mU dem Zaren vor Reval Gelegenheit. Die russische Schisssarttllerie Dom Beglellgeschwader des Zaren erzielte bei dem gefechtsmäßigen Schießen auf in der See befindliche bewegliche Scheiben ausgezeichnete Ergebnisse.

in dem sicheren und starken Gottglauben fand er Kraft zum Leben und Lebensfreude, und in diesem Sinne hat er wenige Jahre später in jenem herrlichen Briefe an feine Gattin aus Frankfurt am 3. Juli 1851 bekannt:Ich begreife nicht, wie ein Mensch, der über sich nachdenkt und doch von Gott nichts weig oder wissen will, sein Leben vor Verachtung und Langeweile tragen kann . . . Sollte ich jetzt leben, wie damals, ohne Golt, ohne Dich, ohne Kinder ich wägte doch in der Tat nicht, warum ich dies Leben nicht ablegen sollte, wie ein schmutziges Hemde." Zum Verständnis der polittschen Wirtsamtell Bismarcks ist Die Würdigung dieser seiner religiösen lleberzeugungen insofern von der äußersten Wichtigkeit, als durch sie überhaupt erst alles Wirken und Schaffen für ihn einen Sinn bekam und möglich wurde. Aus ihnen baute sich sein Mut, fern Ver­trauen, feine Stärke in den gewaltigen politischen Kämpfen auf, die er durchzusechten hatte. Dafür bietet sich be­sonders wertvolles Material in jenenTagebuchblättern" von Moritz Busch, die ja Dom politischen Standpunkte auS manche Anfechtung erfahren haben, die aber jedenfalls zur Darstellung und Beurteilung BiSmarckS als Menschen überaus zahlreiche und interessante Züge beibringen. So bekannte Bismarck im Quartier zu FerrisreS in Den Sep­tembertagen des Jahres 1870, daß er nicht begreife, wie man in geordneter Weife zusammenleben, das Seine tun und jedem das Seine lassen könne ohne den Glauben an eine geoffenbarte Religion, an Gott, der daS Gute will, an einen höheren Richter und an ein zukünftiges Leben; und er enumdelte, daß seine willstigsten politisu-en Ideen auS dieser religiösen Wurzel errouaj]en. AuS Religion ist er Royalist, dennwenn ich nicht auf meinen Gott rechnete, so gäbe icy gewiß nicht- auf irdische Herren", und:Wenn eS nicht göttliches Gebot ist, warum soll ich mich Denn diesen Hoyenzollern unteroronen?" AuS Rellgwn dient er Dem Staate:Warum soll ich mich an greifen und unoer-

Dielleicht ist Kaiser Wilhelm durch diese Beobachtung cm#* geregt worden zu erhöhter Fürsorge für Die Ausbildung Der deutschen SchiffSartilleristcn und oor allem für Die Scho fung bezw. Erhaltung eines geschulten Schützenperso­nals auch im Beurlaubtenstande. Darüber, daß in einer modernen Seeschlacht die Schiffsartillerie den Ausschlag giebt, sind sich alle Fachmänner einig. Die Schießleistung er deutschen Marineartillerie ist schon heute sehr beträcht­lich Das Resultat, welches beim letzten Konkurrenzkampf der Linienschiffsartillerie die Geschützmannschaft desKaiser Friedrich Hi." erzielte, war geradezu glänzend, und trug dem Batterieoffizier eine Beförderung ein. Notorisch schlechte Schießleistungen hatte die Schisssartlllerie des französischen Mittelmeeraefchwaders zu oerzeichnen. Maa zählte bei den letzten Herbstmanövem dort nur durchschnitt­lich 20 Prozent Treffer.

Aus £xtuiH uni) $mii).

Gießen, 1. April 1903.

Der Platz vor dem hiesigen Bahnhofs­gebäude hat im vorigen Jahre infolge des Umbaues eine wesentliche Umgestaltung erfahren, die für den Verkehr zweifellos von Nutzen ist. In dieser Jahreszeit allerdings, da Baum und Strauch das FrühlingSkleid anlegen, reprä­sentierte sich früher der Platz mit feinen buschigen Anlagen in lieblicherer und lockenderer Weise den Ankömmlingen. Wie man hört, wird demnächst der jetzige kahle Eindruck deS Platzes gründlich beseitigt werden, und zwar durch die An­lage eines Sprudelbrunnens, der, in der Mitte deS Platzes errichtet, fraglos eine erhebliche Verschönerung deS Platzes herbeiführen wird. Ter Plan zur Errichtung der Anlage verdankt feine Entstehung dem Umstande, daß sich in dem Stollen, der von der Lahn aus zum Zwecke der Abführung der Grundwüffer im vergangenen Jahre auf­gefahren war, geologische Merkmale gezeigt halten, die schon damals mit ziemlicher Sicherheit darauf schließen ließen, daß in verhältnismäßig geringer Tiefe ein Sprudel er- dohrt werden könne. Die Analysen der Wafferproben, die auS den Klüften des Stollens hervordrangcn, haben jetzt erst beendet werden können, und sie haben, wie wir hören, ähnliche Resultate ergeben, wie die der Mineral­quelle bei SelterS. Zur weiteren Untersuchung wurden damals bereits Flachbohrungen auSgefühtt. Die Gutachten der hervorragendsten chemischen Analytiker liegen jetzt sämtlich vor und gehen übereinstimmend dahin, daß Qualität und Quantität die außerordenllichsten Hoffnungen erfüllen werden. Wie wir hören, sollen heute nachmittag 5 Uhr in Gegenwatt einiger bedeutender Sachverständiger von auSroäctS und mehrerer Stadtverordneter die ersten Maßnahmen zur Ab­steckung des TerrainS erfolgen. Prof. Dr. Wassermeyer aus Aachen wird in einer kurzen Ansprache technische Erläuterungen geben. Die ganze Angelegenheit ist mit gutem Grunde so lange völlig geheim gehalten worden; man wollte selbstverständlich daS definitive Resultat ab* warten, um etwa unerwünschte Spekulationen nicht auf* kommen zu lasten. Jetzt besteht aber kein Zweifel mehr, daß die Anlage des Brunnens fofort von statten gehen kann. An den Kosten der ganzen Anlage werden sich, wie wir hören, auch mehrere hiesige Restaurateure beteiligen, die an der baldigen Fertigstellung der Anlage ein wesentliches Jntereste haben. Sie werden fortan auf die bequemste Art in den Stand gesetzt, natürliches Mmeralwaster ihren Gästen anzubieten, das man heute immer noch in manchen Re­staurationen unserer Stadt vermißt.

Laubach, 31. März. Der im Wahlkreise Marburg von antisemitischer Seite an Stelle deS seitherigen Vertreters im Reichstage, des Dr. Bückel, als ReichStagSkandidal aufgestellte, in Marburg wohnende Rentner Grimm, Haupt­mann a. D., war 18781880 Schüler des hiesigen Gym­nasiums; später mußte er infolge eines Sturzes vom Pferd« die militärische Laufbahn aufheben. Sollte ferne Wahl durch gehen, so wäre es neben dem ReichStagsabg. Bindewald der zweite Schüler deS Gymnasiums, der Mitglied des Reichstags sein würde.

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brossen arbeiten in dieser Welt, mich Derlegenhetten und übler Behandlung aussetzcn, wenn ich nicht das Gefühl habe, Gottes wegen meine Schuldigkeit tun zu müssen?" Religion macht ihn zum Kämpfer für daS deutsche Vater­land:Wenn ich nicht an eine göttliche Ordnung glaubte, die diese deutsche Nation zu etwas Gutem und Großem bestimmt hätte, so würde ich baS Diplomatengewerbe gleich aufgeben"; ja, ohne biesenninberooHe Basis Der Religion" wäre er, wie er m ferner Drastischen AuSDruckSweife erklärt, dem ganzen Hofe schon längst mit dem Sitzzeug ins Ge­sicht gesprungen." UnD in einer Konferenz mit JuleS Favre unD feinen Begleitern im Januar 1871 vertrat er gegenüber Dembroit du genie" daSdevoir", das fittliche Pflicht­gefühl feineVerantwortlichkeit vor Gvtt".

So fest aber BiSmarck in feinen eigenen religiösen Auffassungen stand, so duldsam war er gegen die anderer, das umsomehr, je älter und reifer er wurde.Jeder muh wissen, wie er sich am besten aufS künftige Leben vor- bereitet", äußerte er einmal mit besonderem Hinblicke auf Die Frage der Sonntagsruhe. Pharisäische Intoleranz und Selbstüberhebung lagen ihm fern, und auch hierin stimmten Denken und Leven bei ihm überein. Mitten unter Den großen Erfolgen Der deutschen Waffen sagte er :Nur Demut jährt zum Siege, Ueberhebung, Selbpüberschatzung zum Gegenteil" AIS ein zügelloser Gewaltmensch steht BiSmarck da in den Augen vieler, die ihn äußerlich beurteilen. Und wahr ist eS: Gewaltig war seine Leidenschaft, eifern sein Wille, rücksichtslos waren seine Mittel. Aber diese Wucht seiner Persönlichkeit findet ihr sittliches Gegengewicht in Dem tief religiösen Pflichtgefühl, in dessen Dienst er sich unbedingt [teilte, und Die herrische Härte seines WesenS wird gemildert durch D.e Demut, mit Der er sich vor Gott beugte und sein Schaffen und Wirken als seine» Wtlleq unD feine Fügung ansah.

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