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30.3.1901 Zweites Blatt
 
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1 bii Lehre ne/«.

91 r. 76 Zweites Blatt.

151. Jahrgang.

Samstag 30. März 1901

Erscheint täglich mit 8u ;r.a!»nu des MonlagS.

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Umgestaltung und Vertagung des Zolltarisentwurfs um" so ist aus dem Zusammenhang unschwer der Schluß zu ziehen, daß Graf Bülow keinen Streitfall aus der Kanal­ablehnung machen und die Landwirtschaft nicht durch mindere Berücksichtigung für die Abstimmung ihrer Ver­treter büßen lassen will.Darum keine Feindschaft!" wird also zu verstehen gegeben, was sicherlich dem Führer der Kanalopposition, Graf Limburg-Stirum, recht erfreulich zu hören ist.

Berlin, 29. Marz. lieber den Einzug des Alexander- Regiments in die neue Kaserne berichtet man: "Der Kaiser Lbergab im Speisesaal des Offizierkorps das Wandgemälde, Darstellend das Alexander-Regiment am Abend der Schlacht Don St. Privat mit einer Ansprache: Auf den meisten Bildern aus der preußischen Kriegsgeschichte seien die preußi- ßchen Truppen im siegreichen Vorgehen dargestellt, wie ffie mit wuchtigem Choc die Feinde niederwarfen. Er habe!

Aber der gestrige Tag hat noch mehr des Angenehmen für die Agrarier gebracht: ein ganzes Füllhorn ist über sie ausgeschüttet worden. Im preußischen Herren Hause führte sich Graf Bülow in seiner Eigenschaft als Mi-, nisterpräsident mit zwei Reden ein. Aus der ersten Rede, die einige Enttäuschung erregte, da man sich wohl gleich die Entrollung des landwirtschaftlichen Programms des Reichskanzlers versprochen hatte, bekannte sich Graf Bülow als Gegner ministerieller Verheißungen und begnügte sich damit, um die Unterstützung,vertrauensvolle Mitwirkung" und denwertvollen Rat" des Herrenhauses zu bitten. In der zweiten Rede, im Anschluß an- eine Resolution Gra Königsmarck über die Notwendigkeit wesentlich erhöhter Ge treidezölle und möglichste Beschleunigung der Zolltarifvor­lage, kam das sehnlich Erwartete. D^r Ministerpräsident sagte die rascheste Erledigung des Zolltarifs zu freilich tonne und wolle er keinen Druck auf den Bundesrat aus- ^en unb sollte eine angemessene Erhöhung der Getreidezölle in Aussicht Die preußische R? gierung werde an diesen von ihm, Graf Bülow, entwickelten Grundsätzen festhalten. Aehnlich drückt sich die aus dem Reichskanzleramt stammende Mitteilung derNordd. Allg Ztg." aus, worauf noch hingewiesen sei: Der Reichskanzler )ei nicht geneigt, in dem ihm unterstellten Ressorts folgen- schwere Meinungsverschiedenheiten auskommen zu lassen. Ob sich das Wortfolgenschwere" auf das Schicksal der oder des Beamten bezieht, der etwa versuchte, andere Grundsätze zur Geltung zu bringen, als der Reichskanzler für richtig halt, oder ob damit die Gefahr von Differenzen für die ^ache gekennzeichnet sein soll, mag dahingestellt bleiben. Vielleicht hat Graf Bülow beides im Auge.

Ein bitterer Tropfen fällt allerdings in den Kelch der Freude, und der ist, daß der Reichskanzler den ihm durch die Resolution Graf Königsmarck zugeschobenenwesentlich gesteigerten Zollschutz" für die Landwirtschaft nicht accep- tierte, sondern lediglich, wie bei anderen Gelegenheiten, im Reichstag und im preußischen Abgeordnetenhause, eine angemessene Erhöhung der landwirtschaftlichen Zölle für nnfcphiMrtf erachtete. Die Verheißung eines

Mark-Getreidezolls läßt sich hieraus kaum entnehmen.

i Graf Solms-Laubach, daß bei Beratung des Bud- - gets in der Zweiten Kammer Abg. Weidner der Mein- h ung Ausdruck verliehen habe, daß bei Errichtung der Jung­viehweide in Wernings ca. 16000 Mk.verpulvert" 1 worden seien. Dieser Vorwurf, der gleichsam auch seinen Vater treffe, sei ungerechtfertigt und durch die Thatsachcn widerlegt worden. Weidner habe sich jedenfalls an maß­gebender Stelle nicht hinreichend informiert und setze sich dadurch dem Verdacht aus, daß er die Schwere und Trag­weite seiner Vorwürfe nicht zu beurteilen vermag.

Bei Kap. 74: Bodenmeliorations-und Wasser- 1 Versorgungswesen, wird entgegen dem Beschluß der Zweiten Kammer der Betrag von 2800 Mk. für einen dritten Bereinigungskommissar genehmigt. Bei Kap. 5: Förderung einzelner Zweige der Landwirt­schaft, stellt

Freiherr v. Hehl fest, daß man mit dem Sim men - t h a l e r Vieh schon vielfach schlechte Erfahrungen gemacht habe, und ist nicht überzeugt, daß der starke Ankauf dieser Rasse im Interesse der Züchter liege. Auch fragte er an, ob die für die Landwirtschaft aufgewendeten hohen Beträge in richtiger Weise auch im Sinne der Kleinbauern verwendet werden. Er habe schon mancherlei, für ihn allerdings nicht kontrollierbare Beschwerden hierüber gehört, worauf der Staatsminister erklärt, daß entsprechende Vorschriften über Verwendung der Gelder an die betreffenden Stellen er­gangen seien und alles geschehe, was man im Interesse einer richtigen Durchführung derselben wünschen könne.

Hier wird der von der Zweiten Kammer gestrichene Betrag von 17 320 Mk. für Errichtung einer Beschälstation, in Gießen bewilligt. Bei Kap. 82: Dampfkesselprüf­ung, nimmt

Geh. Kommerzienrat Oehler- Mainz Veranlassung, die von dem Abgeordneten Ulrich in der Zweiten Kammer gegenüber den Dampfkessel-Revisoren vorge­brachten Beschwerden entschieden zurückzuweisen. In seiner fünfzigjährigen Thätigkeit sei ihm nicht ein einziger Fall vorgekommen, in dem ein Kesseldefekd durch einen Heizer entdeckt worden sei. Zu einer Ver­staatlichung der Einrichtung, die auch in anderen Staaten gut funktioniere, liege keine Veranlassung vor.

Geh. Kommerzienrat Michel glaubt, daß eine Verstaat­lichung doch vorteilhafter sei.

Staatsminifter Rothe hält in gleicher Weise eine Bec- taatlichung des Instituts für empfehlenswert.

>zn Kap. 88: Ministerium, wird die von der Zweiten Kammer bewilligte Gehaltserhöhung des Regi- traturbeamten von 4300 Mk. auf 4600 Mk. ge^ tr ichen. In Kap. 103: Bauwesen, werden in Aus­gabe die von der Zweiten Kammer gestrichenen 2400 Mk. iir 2 Bauschreiber genehmigt. Bei Kap. 114: Ausleih- ungen und Staatsschuld, werden nach einem Bericht >es Grafen Erbach-Für st enau die zur Schuldentilgung vorgesehenen 400000 Mk. gestrichen, da die Zweite Kammer durch ihre weitgehenden Bewilligungen für Neben­

vater hat ja dem Gardekorps im Ganzen feinen Dank für das tapfere Verhalten vor dem Feinde ausgesprochen für alle seine Heldenthaten. Ich habe das feste Vertrauen, daß das Offizierkorps des Alexander-Regiments stets seinen Aus­gaben gerecht werden wird, indem es den Soldaten für den einen Moment erzieht, wenn es gilt, mit Blut undLeben die Treue zu König und Vaterland zu be­siegeln. Dies Bewußtsein verleiht Mir die Gewißheit, daß lüir trotzdem überall siegen werden, wenn wir auch von Feinden ringsum umgeben sein werden, und wir wohl mit der Minderheit gegen die Mehrheit zu kämpfen haben werden. Denn es lebt ein gewaltiger Verbündeter, das ist der alte gute Gott im Himmel, der schon seit den Zeiten des Großen Kurfürsten und des großen Königs stets auf unserer Seite war." Nach Dankesworten des Regimentskommandeurs erhob der Kaiser den Ehrenportraitmünzenbecher und hob hervor, daß auf demselben in glänzender Reche Bild an Bild eingelassen seien die Münzbilonisse der preußischen Könige und russi­schen Kaiser als der Chef des Regiments Alexander, in ihrem Beieinander das Sinnbild der alten traditionellen Beziehungen zwischen beiden Herrscherhäusern, die, soweit es an chm allein liege, stets aufrecht erhalten werden sollen- Der Kaiser schloß mit einem Hoch auf das Offizierkorps.

Zwei Ansprache« des Kaisers.

Berlin, 28. März.

Das Kaiser Alexander-Garde-Grenadier-Regiment Nr. 1 nahm in Parade-Anzug mit den historischen Grenadier- Mützen heute vormittag 11 Uhr im Lustgarten Parade-Auf­stellung. Eine Sektion holte die Fahnen aus dem Schloß. Generaloberst v. Hahnke, a la suite des Regiments, hielt «m rechten Flügel. Um 11 einhalb Uhr erschien der Kaiser zu Pferde, das Band des Schwarzen Adlerordens über dem Mantel, mit dem Feldmarschallstab, gefolgt von General v. Plessen, General v. Scholl und Oberstleutnant Freiherr v. Berg. Die Mannschaften hatten präsentiert und riefen Hurrah. Der Kaiser ritt die Front des Regiments unter den Klangen der Nationalhymne ab, und setzte sich sodann an die Spitze desselben, um es in die neue Ka­serne zu führen. Der Marsch ging über die Schloßbrücke, die Straße Unter den Linden, Charlottenstraße zur Prinz Friedrich Karlstraße. Sehr zahlreich hatte sich das Pu­blikum eingefunden und brach beim Herannahen des Kaisers in laute Hochrufe aus.

Als das Regiment auf dem Kasernenhof in einem offenen Viereck aufgestellt war, hielt der Kaiser eine An- kprache, in der er, demH. B." zufolge, das Regiment kn seinem neuen Heim begrüßte, und die Hoffnung aus­sprach, daß auch in der neuen Köserne die alten Erinner­ungen und Traditionen fortleben werden. Der Kaiser wies darauf hin, daß die neue Kaserne in der Nähe des König­lichen Schlosses stehe, und daß das Regiment dazu be­rufen sei, dem König als Leibwache zu dienen. Die bürg- und festungsartig gebaute Kaserne stehe inmitten der Stadt, zu deren Schutz, wenn es aber der Stadt ein­fallen sollte, jemals wieder sich gegen ihren Herrscher ju erheben, dann werde das Regiment mit d e m B a - jonnet die Ungehörigkeit des Volkes gegen seinen König zurückweisen. Unter Hinweis auf die ^hlachten, in denen das Regiment sein Blut für Kaiser Wilhelm I. vergossen habe, gab der Kaiser nochmals der Hoffnung Ausdruck, daß das Regiment an den alten Tra­ditionen feschalten und den alten Geist auch in der neuen Kaserne pflegen werde.

W. T. B. verbreitet folgende Fassung der kaiserlichen Ansprache nach derKreuz-Ztg.": Wie eine feste Burg rage die neue Kaserne in der nächsten Nähe des Schlosses empor, das es in erster Linie zu schützen stets bereit sein werde. Das Regiment sei berufen, gewissermaßen als Leib­wache Tag und Nacht bereit zu sein, um für den König und sein Haus, wenn es gelte, sein Leben und Blut in die Schanze zu schlagen. DieKrz.-Ztg." fährt fort, der Kaiser habe, an den Opfermut des Regiments im Jahre 1848 erinnernd, bemerkt, wenn jemals wieder in Berlin eine Zeit wie damals, eine Zeit derAuflehnunggegen den König kommen sollte, werde das Regiment alle U n b o t m ä ß i g k e i t e n und Ungehörigkeiten wider den König nachdrücklichst in die Schranken zu rück verweis en. Der Kaiser wünschte dem Regiment eine schöne Zukunft und ermahnte es zur Pflege der Erinnerung an seine früheren Chefs, nament­lich an die Zeit des großen Kaisers, zur Tapferkeit, Treue und unbedingtem Gehorsam.

DerLokalanz." berichtet:

Wie eine feste Burg ragt dieses neue schöne Regi- mentshaus in nächster Nähe meines Schlosses. Ihr seid darum gewissermaßen die Leibwache des preußischen Königs und müßt bereit sein, Tag und Nacht Euer Leben in die Schanze zu schlagen. Euer Blut zu verspritzen für Euren König! Ich bin der festen Ueberzeugeng und dessen gewiß, daß Ihr der Tra­dition und der Geschichte des Regiments entsprechend Eure Pflicht allezeit treu erfüllen werdet. Wenn jemals wieder schwere Zeiten kommen sollten, wie diejenigen, welche dieses Regiment durchgemacht hat, wenn in der Stadt sich jemals Unbotmäßigkeit gegen den König er­heben sollte, dann werden die Bajonnette der Alexander- Grenadiere die Unbotmäßigen in die Schranken zurück- weisen."

Der Regimentskommandeur Oberst v. Scheffer brachte sodann das hwch auf Seine Majestät aus. Bei dieser Feier sowie dem darauf folgenden Frühstück waren u. a. anwesend der russische Botfchgfter Graf v. Osten-Sacken, die Herren der russischen Botschaft, die Generalität, die Militärgeist­lichkeit und der Oberbürgermeister von Berlin. Nach Be­sichtigung des neuen Kasernements fand im Offizierkasino die Ueberreichung einps vom Kaiser gestifteten Gemäldes (.schlacht bei St. Privat) statt.

Ei« Freudentag der Agrarier.

Der Marmruf der bündlerischenDtsch. Tagesztg ", wonach ein Umschwung in der Regierung einzu­treten drohe in Bezug auf die Behandlung des Zoll­tarifs, und zwar in einem der Landwirtschaft ungünstigen Sinne, hat eine außerordentlich prompte Wirkung herbeigeführt. Bereits heute liegt in derNordd. Mlg. Ztg." eine Antwort vor, und zwar eine solche höchst beruhigender Art für die Agrarier. Der Reichskanzler denke nicht daran, die hochwichtige Zolltarifftage von dem Ausgange der Beratungen über die Kanalvorlage irgendwie abhängig zu machen. Von vornherein muß auffallen, daß die Zolltariffrage mit dem Beiworthochwichtig" versehen ist, während die Kanalvorlage, von der früher die offiziösen Auslassungen als demgroßen nationalen Werk" zu sprechen vflegten, ohne jede Hervorhebung genannt wird. Da über­dies dieNordd. Allg. Ztg." ausdrücklich die Behauptung bekämpft:Maßgebende Kreise gingen für den Fall der Ablehnung des Mittellandkanals mit dem Gedanken einer

Hessischer Landtag.

Krste Kammer ver Stänoe.

S. Darmstadt, 28. TOta.

Unter Vorsitz des Grafen Georg zu Schlitz erledigte das Haus heute in rasck>er Reihenfolge den ^Gesetzentwurf, bie Abänderung des Gesetzes vom 23. April 1875 über das Besteuerungsrecht der Kirchen und Religions­gemeinschaften im Sinne der Beschlüsse der ^rveite« Kammer. Auch der Hauptvoranschlag wurde rasch durch­beraten und den meisten Beschlüssen der Zweiten Kammer beigetreten. Beanstandet wurden nachstehende Petitionen: In Kap. 30: Provinzialdirektionen und Kreisämter, tu erben die von der Zweiten Kammer gestrichenen Mietentschädig­ungen an die Provinzialdirektoren in DarmsttM: und Gießen mit 2460 Mk. bewilligt. Bei Kap. 34: Arbeibsq haus Dieburg, trat man dem Beschluß der Zweiten Kammer, die Anstalt der Justizverwaltung zu unterstellen, nicht bei. In Kap. 41, Tit. 3: Fortbildungsschulen, wurden: die von der Zweiten Kammer mehrbewilligten 13000 Mk. gestrichen und 30600 Mk. bewilligt. Bei Kap 59a: Victoria-Melitta-Zentralverein zur Beschaff­ung billiger Wohnungen giebt

Freiherr v. Hehl (Worms) seiner Freude über das Wohlwollen der Regierung Ausdruck, wünscht aber noch größere Flüssigmachung von Geldern, insbesondere von feiten der Jnvalidenanstalten, zur Erbauung von Ar­beiter Wohnungen, denn gerade die jetzige Konjunktur sei durch den billigen Eisenpreis sehr günstig; auch habe er Beschwerden von Arbeitern der hessisch- preußischen Eisenbahngemeinschaft gehört, daß man gerade sie bei Besck)affung von Wohnungen so schlecht unterstütze. Auch wünsche er in Zukunft, daß derartige An­träge zu gleidjer Zeit an beide Häuser gelangen, damit sich auch die Erste Kammer mit der Frage intensiver be­schäftigen könne.

Staatsminister Rothe steht den Forderungen des Vor­redners wohlwollend gegenüber.

Ter Präsident des Finanzministeriums Gnauth ivilt entsprechend wirken.

Bei Kap. 72, Tit. 4, wird der Antrag von 3000 Mk. bewilligt, mit dem Zusatzantrag v. Hehl, daß der Betrag an alle drei Provinzen gleichmäßig zur Verteilung kommt.

Bei Kap. 73: Landwirtschaftliches Vereins- Genossenschafts- und Ausstellungswesen, er­wähnt

unbedingt geboten'

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Ichließlich siegreich zuruckzuwerfen. Mein hockyeliger Groß- zum Wort. -Vertreter der Städte