Ausgabe 
30.3.1901 Erstes Blatt
 
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Position des Reichstags - Präsidenten im vorigen Jahre während der Kämpfe nm die lex Heinze und fährt dann fort:

Graf Ballestrem ist geistig und körperlich von einer wunderbaren Leistungsfähigkeit; aber er ist doch auch nur ein Mensch, und da er damals wegen der Schwäche des er st en Vizepräsidenten und der Oppositions­stellung des zweiten Vizepräsidenten Tag für Tag die ganze furchtbare Last allem zu tragen hatte, so war die Erschöpfung auch seines großen Kraftvorrats nur eine Frage der Zeit. Jetzt ist in Hinsicht auf die künftigen Zollkämpfe die Sache durch die Berufung eines anderen zweiten Vizepräsidenten etwas gebessert. Aber angesichts des größeren Umfanges und der größeren Schwierigkeit der bevorstehenden Lage wäre es bringend zu wünschen, daß auch der erste Vizepräsident eine volle Kraft nach jeder Hinsicht darstellte. Äesen praktischen Gesichts­punkt möchten wir der konservativen Partei, die den Posten des ersten Vizepräsidenten zu stellen hat, zur rechtzeitigen Erwägung anheimgeben."

Tie konservative Partei wird also wohl oder übel au' Die Wiederwahl des Herrn v. Frege verzichten und einen geeigneteren Kandidaten präsentieren müssen.

In der Royal United Service Institution /hielt Ende Februar Kapitän Murray vom Regiment der Gordou-High- landerS einen Vortrag über Englands Nahrungsmittelzufuhr i» Kriege. Der Vortrag war vom marine-militärischen wie staatSwirtschaftlichen Standpunkte aus ungemein interessant und lehrreich. Der Vortragende versuchte an der Hand statistischer Zahlen nachzuweisen, wie bei einem Kriege Englands mit einer oder mehreren Seemächten durch Verteuerung der Lebensmittel und Stillstand von Fabriken:

a) mindestens 5000000 Einwohner, deren Einkommens­verhältnisse so bemesien find, daß sie eine Steigerung der Lebensmittelpreise um das Doppelte nicht ver­tragen können, und

b) 2 bis 3000000 Menschen, welche arbeitslos werden, sofort und ohne daß Englands Seeherrschaft schon direkt bedroht ist, der öffentlichen Wohlchätigkeit zur Last fallen,

c) daß diese Zahl auf mindestens 20000000 Köpfe stiege, wenn Englands Oberherrschaft zur See ge­brochen würde.

In einem Kriege Englands gegen eine russisch- amerikaulsche Allianz braucht letztere, um England nieder- zuzwingen, nicht viel mehr zu thun, als alle Ausfuhr von Lebensmitteln aus ihren Ländern nach England zu verbieten. In einem Kriege gegen den Zweibund Rußland-Frank- reich verbieten beide die Ausfuhr nach England und laffen durch geschickte Agenten alles in den Vereinigten Staaten vorrätige Getreide, d. h. ungefähr eine ganze Jahrespro­duktion, rechtzeitig aufkaufen, ein Verfahren, das, wie die verschiedentlichenTrusts" beweisen, in Amerika nicht die geringsten technischen Schwierigkeiten macht, vorausgesetzt, daß die Finanzen beider Staaten diesem Vorhaben gewachsen find. Auch wenn diese Operation nur zum Teil glücken sollte, so würde sie in Verbindung mit den gesteigerten Frachten schon genügen, um eine schwere Hungersnot in England Hervorzurüfen.

Bei einer deutsch.französisch-russischen Ko­alition droht England diese Gefahr in weit höherem Maße, außerdem aber wird durch das Hinzutreten der deutschen Flotte die Seeherrschaft Englands aufs ernsteste gefährdet. Es sei daher ein dringendes Erfordernis, daß England seine Flotte auf die Basis einesthree power Systems stellt, b. h. so stark macht, wie die Flotten der drei größten See­mächte zusammen. Aber auch bei einer solchen maritimen Stärke wäre eine Niederlage der englischen Flotte nicht ganz ausgeschlossen, und die Möglichkeit einesAushungerungs­krieges" bliebe immer bestehen. Kapitän Murray war da­her der Ansicht, daß England unter allen Umständen eine

Gießener Theatergemeinde zu. Wir sind uns bewußt, daß in lhm ein ernster und gewissenhafter Anhänger der Kunst von uns scheidet, dem ein fteundliches Gedenken sicher ist.

Frl. Kugler spielte den jungen Wolfgang Goethe. Die junge Dame hat in launenhaften Backsischrollen, hauptsächlich in denCircusleuten", gezeigt, was sie kann, daß sie das Zeug dazu hat, unter einer es mit ihr besonders wohl­meinenden Regie es zu etwas zu bringen. Wie Frl. Eichen­wald aber vergriff auch sie sich bei ihrem Benefiz, indem auch ihre Wahl auf eine Hosenrolle fiel. Sonderbare Schwär- merei fürs Ewig - Männliche! Der junge Wolfgang liegt Frl. K. ganz und gar fern. Gewiß, fie sah in den kurzen schwarzen Höschen, in den grauen Wadenstrümpfen, in dem koketten Spitzenjabot recht schmuck aus. Aber es fehlte ihrem Spiel Frische und Schneidigkeit, vor allem aber warme Em- pfindung. Ihre Beliebtheit beim Publikum kam in demon­strativer Weise zum Ausdruck. Kränze und kostbare Blumen­arrangements brachte man in überreicher Fülle ihr dar. Sie mögen ihr der Sporn sein zu weiterem ernstem Studium, auf daß fich ihre noch tief im Keim steckende künstlerische Veranlagung zu schöner Blüte entfalte.

Ganz vortrefflich war wieder einmal Frl. Eichenwald, die die Gretel mit drolliger Komik verkörperte. Die ge­lungenste, lustigste und erfreulichste Leistung des Abends. Ganz verfehlt war der Sergeantmajor Mack des Herrn Marntz, dessen Art von vornherein jeden humoristischen

m angemessen und würdig Herr Ramsey er

als Rat Goethe. Herr Lach mann, der für Chargen, wie den Prof. Mittler gar nicht übel veranlagt ist, beherrschte wieder, wie sonst immer, seinen Text sehr mangelhaft. Goethes Mutter war in den Händen der Frau Ernst noch weichlicher als das Gutzkow'fche Zerrbild. Mehr als traurig war die so hübsch mit einigen Zügen zu charakterisierende wackere Malergilde, die einander Haffen soll, während fie blöde die Köpfe zusammensteckte. P. W.

Irene Triesch ist in diesen Tagen mit großem Erfolg m Köln ridNora* aufgetreten

staatliche Organisation schaffen müffe, die es befähigt, mindestens zwei Jahre nämlich die Zeit, die erforderlich ist, um fich für eine geschlagene Flotte eventuell eine neue zu schaffen von den im Lande vorrätigen Nahrungsmitteln zu leben.

Diese Vorschläge, die auf die Anlegung staatlicher Ge­treidelager hinausgehen, sind ziemlich utopischer Natur, ebenso würde es für eine erheblich vermehrte eng ische Kriegsflotte an den nötigen Mannschaften im Lande fehlen, dienen doch heute schou tausende von Ausländern auf der britischen KriegS- und Handelsmarine. Auf die Besatzungen der Handelsflotte kann die Kriegsmarine im Ernstfall auch deshalb kaum zurück­greifen, da die meisten Handelsschiffe im Ausland sein werden und außerdem alle schnelleren Dampfer weiter für die Lebens­mittelzufuhr in Anspruch genommen bleiben, während die langsameren Schiffe froh sein können, wenn fie noch recht­zeitig einen englischen oder neutralen Hafen erreichen, um dort für die Dauer des Krieges zu bleiben. Alle Versuche, die englische Landwirtschaft wieder zu heben, sind heute aus­sichtslos. So bleibt England bei der Deckung seines Ge­treidebedarfes nach wie vor auf das Ausland angewiesen. Die obigen Ausführungen zeigen aber, daß man auf mili- tärischer Seite in England nicht blind ist gegen die darin liegenden Gefahren.

Degischer Landtag.

Zweite Kammer der StLade.

nn. Darmstadt, 28. März.

Die Sitzung wird um 9 ein Viertel Uhr eröffnet. Am Ministertisch: Ministerialrat Braun.

Abg. Erk tritt für eine mäßige und richtige Zoll- Politik ein. Der Standpunkt der Sozialdemokratie werde von dem Bauernstand nicht anerkannt und ihre Bestreb­ungen, den Bauer für ihre Ansichten zu gewinnen, werde an dessen gutem patriotischen Sinne scheitern. Der Bauer ei der stärkste Schutz des Staates und das stärkste Boll­werk gegen die Sozialdemokratie, an dem sie sich die Köpfe zerbrechen werde. Im Interesse des Staats liege es daher, für die Erhaltung des deutschen Bauers ein­zutreten, und bei Abschließung neuer Handelsverträge diesen Standpunkt zum Ausdruck zu bringen.

Minist.-Rat Braun stellt fest, daß die Angelegenheit elbst vor das Forum des Bundesrats gehöre. Trotzdem müsse er den Ausführungen des Dr. David in vielen Punkten widersprechen. Die Preise auf den kleinen Frucht­märkien seien für den Bauer maßgebend, und in Betracht komme, was der Bauer am Produktionsort erhalte. Auf Grund statistischen Materials könne er feststellen, daß der Kleinbauer in Hessen thatsächlich sich in der schjvierigften Lage befinde gegenüber Gewerbe, Handel und Industrie. Die Zunahme der Verarmung an Grund und Boden betrage beispielsweise in Oberhessen jährlich drei­einhalb Millionen. Die Ursache dieser Erscheinung liege in dem steten Sinken der Getreidepreise und in )er Erhöhung der Produktionskosten. Da sei es Pflicht >er Großh. Regierung, den Ursachen dieses Rückganges auf )en Grund zu gehen und dafür zu sorgen, daß der hessische Bauer wieder in den Sattel gehoben werde. Dies könne aber nur erreicht werden, wenn alle Faktoren sich in >er Ansicht vereinigten, daß nur durch eine die Notlage der Landwirtschaft berücksichtigende Zollpolitik im Deutschen Reich dem deutschen Bauer geholfen werden könne. In der Stunde der Entscheidung werde auch die hessische Regierung wissen, in welchem Lager sie zu stehen habe.

Abg. v. Brentano tritt für Erhöhung der Getreide­zölle ein, glaubt aber, daß auch dadurch ein Paradies ür den Bauer nicht geschaffen werde. Hier müsse noch mrch Gründung von Produktionsgenossenschaften und durch >ie Hebung der Viehzucht geholfen werden. Die Lehren der Sozialdemokratie seien für den Landwirt alte Geschichten ohne realen Hintergrund, mit denen der Bauer nichts an- angen könne. Ihre LosungKeine Zölle auf Getreide und Lebensmittel" sei nicht ernst zu nehmen. Wenn die Re­gierung für die richtige Erhöhung der Schutzzölle im Bundesrate eintrete, würde sie sich den Tank der Land­wirtschaft erwerben. Der Entschluß werde aber dem ganzen hessischen Volke zum Segen gereichen.

Abg. Graf Oriola bekämpft in längerer Rede die Ausführungen des Dr. David. Die Stärke der deutscheu Landwirtschaft liege in dem Körnerbau. Daneben sei aber auch die Fleischproduktion zu fördern. Dr. David wolle so billig wie möglich geliefert haben, und deshalb sei er gegen den Zoll. Was sage nun Dr. David dazu, daß z. B. die sibirische Butter heute schon im Preis mit der deutschen konkurriere, und daß für fremdes Pökelfleisch gerade die; Sozialdemokratie schwärme? Alle anderen Staaten hätten ich mit Schutzzöllen umgeben, warum sollte da Deutsch­land zurückbleiben? Erfreulich sei es, daß sich endlich ein­mal die Landwirtschaft aufraffe und für ihre Interessen eintrete. Die Zollpolitik des Reiches müsse gestärkt und nicht mrch einseitige Jnteressenwirtschaft geschwächt werden. Die Bestrebungen des sozialdemokratischenHamb. Echo", die Junker für die schlechte Lage der Landwirtschaft verant­wortlich zu machen, müsse er mit Entschiedenheit zurück­weisen. Zur Herbeiführung einer richtigen Schutzzollpolitik müsse auch jeder deutsche Bauer eintreten.

Abg. Euler stellt fest, daß die Lage der deutsck)en Industrie in den letzten Jahren nicht so rosig gewesen sei wie es den Anschein habe, da Amerika einen scharfen Kon­kurrenzkampf mit deutschen Produkten führe. Tie deutsche, Papier-Industrie und auch die Leder-Industrie habe einen schweren Kampf mit Amerika und auch mit anderen Ländern zu bestehen, sodaß auch von einer Not­lage der Industrie gesprochen werden könne. Durch geeignete Schutzzölle und Unterstützung der deutschen Zoll­politik hoffe er aber, daß Industrie und Landwirtschaft zufrieden sein werden.

Abg. Köhler- Langsdorf wendet sich in scharfer Weise gegen die Ausführungen der Abgg. David und Haas, ins­besondere gegen die Behauptungen, daß durch Erhöhung der Getreidezölle eine Verschlechterung der Lage der Industrie­arbeiter herbeigeführt werde. Die Professoren seien bei sozialen Fragen mit ihren Deduktionen immer bei der Hand. Ihre Vorschläge seien aber bei dem Bauernstand nicht durchführbar. Der eine wolle dem Bauer mit Obstbau Rübenbau oder Weinbau helfen, während der andere für Viehzucht oder sogar für Wermutbau eintrete. Dem Klein­bauer sei nur mit einer richtigen staatlichen Unterstützung zu helfen. Auch der Herrenbauer habe seine Not, weil er unter dem Arbeitermangel leide.

Abg. Dr. Gut fleisch erklärt, daß er nur das Beste für die Landwirtschaft wolle. Die gestern und auch heute gehörten Ausführungen hätten ihn aber nicht überzeugt, daß mit Erhöhung der Schutzzölle dem Bauer allein gedient sei. Seinen Ansvruch auf die bona fides lasse er sich nicht rauben, und aus diesem Grunde könne er auch nicht für den Antrag Haas-Darmstadt und Genossen stimmen.

Abg. Weidner ist für eine Erhöhung der Getreidezölle, obwohl er keine große Hoffnung auf eine Besserung der Lage der Landwirtschaft hat. Das richtige Maß bei den Zollver­handlungen zu finden, sei schwierig. Er hofft aber, daß, die Großh. Regierung das richtige treffen werde.

Die Verhandlungen werden um 1.15 Uhr geschlossen. Morgen 9 Uhr Fortsetzung der Beratungen.

Sechste evangelische Laudessynode.

(Ausführlicher Bericht.)

III.

Darmstadt, 28. Marz.

Eröffnung der Sitzung um 9 Uhr 15 Min. mit einem durch Dekan Dr. Wagner (Offenbach) gesprochenen Gebet.

Es steht zunächst zur Beratung der Voranschlag des Zentral-Kirchenfonds für die Rechnungsjahre 1901/1905. Synodale Wahl (Langen) erstattet Bericht.

Bei Pos. 1:Beitrag des Staats zu den Bedürfnissen der evangelischen Kirche", wird der auf Einstellung des Betrags von 310000 Mk. gehende Ausschußantrag einstim­mig angenommen.

Zu Punkt 2:Erträgnis des Einkommens der.evange- lischen Pfarrstellen", sprechen Wahl (Langen) und Stamm (Stockstadt). Der Antrag des Ausstosses, zu diesem Punkt 943 748 Mk. in Einnahme zu stellen, wird an­genommen.

Zu Pos. 3:Umlagen auf die evangelischen Kirchen- und Stiftungsfonds", ist beantragt, statt 25 000 Mk. den Betrag von 28 000 Mk. einzustellen. Der Antrag wird ge­nehmigt.

Pos. 4: betrifftUmlagen auf die Angehörigen der evang. Kirche". Es ist hier seitens der Mehrheit des Aus­schusses beantragt: Einstellung des Betrags von 703 753 Mark in Einnahme. Dieser Antrag wird angenommen.

Zu Pos. 5:Ueberschüsse verschiedener Stiftungsfonds", wird der Ausschußantrag, 10 000 Mk. in Erwartung einer durch Erhöhung des Zinsfußes hervorgerufenen Mehr-Ein­nahme einzusetzen, einstimmig angenommen.

Desgleichen wird auch Punkt 6:Kapitalzinsen", der Ausschußantrag auf Einstellung des vorgesehenen Betrags von 129 500 Mk. in Einnahme einstimmig angenommen.

Punkt 8:Ertrag des Gesangbuchs rc.", wird unter Beibehaltung der Ansätze des vorigen Voranschlags ange­nommen.

Pos. 9 betrifftBeitrag verschiedener Fonds zum Gehalt des Rechners". Hierzu stellt Synodale Aul der den An­trag, den unter dieser Position für den Zentral-Kirchen- fonos als Einnahme eingesetzten Betrag zur Unterstützung armer Pfarrwaisen und -Kinder zu verwenden. Ober-Kon sistorialpräsident Buchner sagt dies zu, worauf Synodale Aulber seinen Antrag zurückzieht. Hierauf nrirt> der Aus­schußantrag einstimmig angenommen; ebenso Pos. 11. Als Pos. 12 ist neu eingesetzt:Beiträge der Geistlichen zu den Gehalten der Vikare und Assistenten". Hier sind als Einnahme vorgesehen 3000 Mark. Bei der Abstimmung wird der Ausschußantrag einstimmig genehmigt.

Es folgt nun die Beratung derAusgaben" des Vor­anschlags. Pos. 1 betrifft:Kosten der Landessynode". Sy­nodale Wahl-Schlitz begründet seinen Antrag, der aus Schaffung einer Geschäftsordnung für das erweiterte Kon­sistorium geht.

Ober-Konsistorialpräsident Buchner bemerkt, daß das Ober-Konsistorium das Bedürfnis einer Geschäftsordnung anerkenne und die in seinem Antrag liegende Anregung berücksichtigen werde.

Synodale Wahl zieht seinen Antrag zurück. Die unte» dieser Position angeforderten 5000 Mk. werden sodann be­willigt.

Punkt 2 der Ausgabe betrifft:Kosten des Ober-Kon­sistoriums"; es sind hier 64 237 Mk. gefordert, deren Be­willigung vom Ausschuß beantragt wird.

Synodale Wahl-Schlitz fragt an, welche Anordnung das Kirchenregiment zu treffen gedenke, um bei der zurzeit im Gange befindlichen Neuanlegung der Grundbücher eine Schädigung der Kirchengüter zu vermeiden.

Ober-Konsistorialpräsident Buchner erklärt, daß das Oberkonsistorium in dieser Hinsicht ein Ausschreiben des Justizministeriums angeregt habe. Er hoffe jedoch, daß die Angelegenheit bald zur allgemeinen Zufriedenheit ge­regelt werde. Es hätten sich namentlich hinsichtlich der Einschreibungen der Güter der Kirchengemeinden und der sogenannten Pfründengüter, sowie auch bezüglich der Ein­tragungen der Kirchen und Pfarrhäuser Schwierigkeiten er­geben. Es werde Sorge getragen werden, daß die evan­gelische Kirche hier keine Schädigung erleide.

Synodale Brand spricht über die Stellung des Ober­konsistoriums gegenüber der Regierung und rügt, daß in vielen Fällen, namentlich bei Besetzung von Vakanzen, eine Intervention des Ministeriums stattgefunden habe. Na­mentlich habe er es unangenehm empfunden, daß das Oberkonsistvrium im Verkehr mit der Regierung eindn Mangel an Selbstbewußtsein fühlen lasse. Er empfehle hier eine etwas selbständigere Stellung. (Beifall.)

Ober-Konsistorialpräsident Buchner: Das Ober-Kon­sistorium sei bei einer Reihe von Angelegenheiten, na­mentlich bei Grunderwerb, dem Ministerium des Innern unterstellt. Bei Besetzung von Pfarrstellen werde von dem Ober-Konsistorium die vorgeschriebene Anzeige gemacht des­gleichen bei Anstellungen im Konsistorium und im Prediger- Seminar. Auch bei Pensionierungen müsse die Zustimnrung, namentlich mit Rücksicht auf die pekuniäre Seite derselben, eingeholt werden. Es handle sich jedoch in all diesen Fällen lediglich um eine Informierung darüber, daß gegen die fraglichen Personen persönliche Bedenken nicht vorliegen. Seiner Erfahrung und Ansicht nach sei die äußere Form des schriftlichen Verkehrs mit dem Ministerium, das sich übrigens im allgemeinen in der Form des Verkehrs zwischen gleichgestellten Behörden halte, von untergeord­neter Bedeutung für das wirkliche Verhältnis devselben zu einander. r.

Bei der Abstimmung werden die für bie) Position an geforderten 64 237 Mk. einstimmig bewilligt. Pos. 3. der Ausgaben betrifft Büreaukosten der Superintendenten, xie angefvrderten 926 Mk. werden einstimmig bewilligt. Desgl-