Nr. 99 Erstes Blatt.
151. Jahrgang
28. April 1901
8
XL
k.
te.
tÄAehhe, Expedition und
■taHftw«- tchnistratz« 7.
a
4 Söte.frod
4
2 e
u c S
• moo ■ . 18110 • - 184 41 • ■ 14»40 ■ -18421 - 148,50 ■ - Hl 00 . ■ 11801 - .1009 . . 11210
c
s
rahitte aua pen« ,
■r-
26. W +18.H« , + WC.
M N4 volttkunkx- mk. Mf »4ch-ntUch boyteft.
P» Hv rtr kn
U tddxlnewtxe 8H«wt M »er* 10 *6r ■*»«t«H»*|ee IMtdUal
töglich Mit
•■»■•Nk M MotHoe»
Me Meßener JaMiltel* MititC werden dem >„
Giessen.
it Giessens.
heuer txport-Blere.
eobachtuuge« Siehe».
Adrefle für Depesche»! Anzeiger Lieke».
Kernsprcchanschlnß Nr. H.
s$*
*<Ä.
Vermischtes.
♦ Berlin, 24. April. Was die großstädtischen Grundstücksspekulationen einbringen, ist aus dem Werke von Dr. Paul Boigt über „Grundrente und Boden frage in Berlin und seinen Vororten" zu ersehen. Wie man weiß, stieg der Wert von Grund und Boden in Berlin und seiner Umgebung während der letzten dreißig btS vierzig Jahre riesenhaft. DaS Bestreben, Billenkolonieu für einfache Verhältnisse avzulegen, ist dadurch allenthalben vereitelt.
VejNSsprett swwfjUrt DM. 2.20, moiwtL 76 W BNt thmqfrtoN*; darch W Ibfreiefleleti awrt«^^ Mk 1.90, awnari. 65 We
6* Poftbe-Mß »tetfrfWW. SM. 2.00 t*w Beßefly*
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger v
Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen
■ etjmm fÄr Me
Gvipencr Äu^ciü<r tnigjceoL geikneivlo lokal vl
aa»»6rtf to W«
V-K-
8l86'«»»8 t.
«mt btt vv,
M kwi itaki» . . . Oete-Komman^ Eit« B»nk «lener Bank . ' ' in» Handehgee, 8rr- Btaatebahn iiardbahn
^£si^g..nS‘S^’ä,S£a-imie,¥e'«c??ßS,t 3351 iÖ 5i>‘ft j Blutm, Besatz liefern wir direkt an L rictxte.
Man Verl. Muster unserer graben Au^watzl.
„von Elten & Keussen, Handlung Krefeld.
Der in dem letzten geheimen Konsistorium zum Kardinal ernannte Fürst-Erzbischof von Prag, Frhr. Leo v. Skrbensky, ift; wie das „Wiener Tag- Matt" mitteilt, am 14. Juni 1863 geboren, also noch nicht 38 Jahre alt Im Alter von 18 Jahren war der nunmehrige Kardinal Dragoner-Offizier geworden, schied aber nach einigen Jahren als Leutnant aus der Armee wieder aus, studierte Theologie, wurde im Jahre 1890 zum Priester geweiht, im Jahre 1893 zum Kanonicus von Olmütz, im Jahre 1900 zum Fürsb-Erzbischof von Prag ernannt und im Jahre 1901 Kardinal. Wäre er Offizier geblieben, so hatte er es inzwischen bis jutn Rittmeister gebracht! Der Berufswechsel hat ihm also reiche äußere Ehren und eine glänzende Karriere gebracht. Eine gewisse Aehnlichkeit mit der Laufbahn dieses österreichisck^en Kirchenfürsten hat diejenige des 1858 geborenen elsässischen F r h r n. Franz Zorn v. Bulach Insofern ähnlich, als auch dieser Prälat sich nicht direkt dem Dienste der Kirche ge- toibmet hatte, sondern nach absolviertem Rechtsstudium als Referendar in das Auswärtige Amt des deutschen Reiches eingetreten war. In dieser bevorzugten Stellung erfreute er sich des ganz besonderen Wohlwollens des damaligen Reichskanzlers Fürsten Bismarck. Aus innerem Drange ttlrat er nach geduldiger und standhafter Ueber- windung vieler wichtiger Hindernisse, die sich ihm mit fast zwingender Gewalt entgegenstemmten, aus dem Staatsdienste aus und widmete sich dem Studium der Theologie in Straßburg, Eichstedt und Rom. Auch ihm hat der Berufswechsel reiche Befriedigung gegeben. Aeußerlich hat der Elsässer dagegen nicht die gleichen Erfolge gehabt, wie der um fünf Jahre jüngere tschechische Konfrater. Wäre Baron Franz Zorn v. Bulach im Staatsdienste geblieben, so würde er schon seit mehreren Jahren zum außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister vorgerückt sein, während er jetzt im Kirchendienste als Sekretär bei der päpstlichen Nuntiatur in Madrid steht. Noch mehr. Wie man gelesen hat, soll der 42 Jahre alte Prälat front Vatikan als „für den Posten eines Bischofs von Metz zu jung" bezeichnet worben sein, während der 37 Jahre alte Kanonicus von Olmütz für den Posten eines Fürst-Erzbischofs von Prag und der 38 jährige Fürs^Drzdischos für vir Kardinalswürde alt genug erschienen waren. Am 24. September 1842 . wurde das Bi.stum Metz zum vorletzten Male besetzt, und der Bischof — Dupont des Loges, geboren in Rennes am 11. November 1804 — war damals 37 Jahre alt, also fünf Jahre jünger, als der Baron Zorn v. Bulach jetzt ist!
•in vortreffliches Betspiel dafür, wie die Bodenpreise in die Höhe geirieveu werben, giebt die Voigtsche Berechnung dr- GesamiwerieS von Gmnd und Boden am Surfürstentamm. Vieser Gesamtwert bett eg im Jahre 1860 0,1 Million Mk., st-eg 1865 auf 1 Million, 1870 auf 2,5, 1872 auf 6.5, 1885 auf 14, 1890 auf 30, 1898 auf 50 Millionen. Rach Vollendung beS Ausbaues der Straße, wahrscheinlich 1903 dis 1904, wird der Gesamtwert 60-65 Millionen betragen. Jn etwa 40 Jahren sind am Kurfürstendamm durch eine Steigerung des Bodenwerte- nm ungefähr da» 600 fache des einen Ackerwertes private vermögen von rund 60 Millionen Mark rem aus dem N chts entstanden. Die Spekulation aber arbeitet weiter. Allenthalben, wo durch Berkehrserleich» terungen oder sonstige Anlagen neues Bangebiet erfchlosten wtrd, ist die Spekulation zur Stelle. Um so wichtiger ist es, daß endlich die Gemeinden und Städte, vor allem Berlin mit seiner Umgebung, eine vernünftige Bodenpolitik betreiben. Selbstverständlich darf auch der Staat die Spekulation nicht etwa noch unterstützen, indem er ihr Gelände überantwortet, wie den alten Botanischen Garten oder Dahlen.
* Ter Kampf gegen die Straßen schleppe ist in einen neuen Abschnitt eingetreten. Nicht mehr bloß Aerzte und andere auf die Gesundheit ihres Nächsten bedachte Menschen kämpfen gegen das Ungetüm, jetzt zieht auch schon eine Stadtverwaltung gegen die Unsitte des Schleppentragens zu Felde. Die Dresdener Stadtverord- neten haben nämlich mit 30 gegen 23 Stimmen den Rat ersucht, dahin zu wirken, daß das Schleifen und Schleppen der Frauenkleider und -Mäntel auf dem Straßenboden verboten werde. Gegen den Antrag, der in Dresden schon mehr Staub aufgewirbelt hat, als alle Schleppen der Dresdener Damenwelt zusammengenommen, wurde namentlich, aber zum Glück vergeblich, geltend gemacht, daß, die zu gewärtigenden Schleppenverordnungen den Fremdenbesuch der sich in dieser Weise nicht bevormunden lasse, fron der Kal. Haupt- und Residenzstadt ablenken würden; Dresden fei doch nun mal eine Fremdenstadt.
* Herzkrank vom vielen Lachen. Ein 13jähriges kräftiges Mädchen, das bis dahin stets gesund gewesen war, lachte an einem Abend viel über lustige Geschichten. Plötzlich verwandelte sich das anhaltende, heftige, fast krampfhafte Lachen in ein schmerzhaftes Stöhnen und Weinen, sodaß die Erzieherin Beruhigungsversuche machte. Der herbeigerusene Arzt fand die Patientin mit bleichem, verstörtem Gesicht, ängstlichem Ausdrucke und bläulichen Lippen, stöhnend und heftig nach Atem ringend, sie klagte über große Schmerzen in der Herzgegend; die HerzthätiH- feit war schwach und beschleunigt. Erst nach langer Zelt trat mit dem Fortfall der nervösen Anfälle ein normaler Herzbefund wieder ein, und auch die Erscheinungen den Herzerschlaffung hörten allmählich auf.
eng, au schmiegend, feine Form verhehlend! Und so läßt er sich Beinkleider bauen, mit denen man eigentlich aufs Trapez gehen könnte; vom Knie ab nach unten werden sie geknöpft und selbstverständlich mit Strippen unter den Sohlen festgehalten. Tas Zacket von der gleichen stumpfblauen Farbe kann man auf den Bildern der Schillhusaren sehen, nicht viel länger wie ein Bolero-Jäckchen, aber im Rücken mit kurzem Schnebbenschnitt. _ Die uniformierten Pöstkartenhändler der großen Bierpaläste und Cafes tragen diese Jacke schon lange, nur haben sie nicht die auf-- genähten Verzierungen darauf, wie sie bei modernen Damenkostümen ja schon länger Mode sind. Den edlen Tenkerkopf bedeckt ein Kalabreser, das einzig Vernünftige an dieser neuesten Narretei des „Vereins zur künstlerischen Reform der Herrenkleidung." Nur wird den meisten dieser Köpfe der Schutz gegen Sonnenstich etwas post festum kommen.
In einem bedauerlichen Gegensätze zu dieser Rührigkeit auf einem für die Allgemeinheit ziemlich gleichgiltigen Gebiete stehen die fortwährend angekündigten Maßnahmen zur Verhütung der Unfälle im Straßenverkehr. Nach wie vor herrscht an den großen Kreuzungspunkten die alte, systemlose Unsicherheit und der weniger kaltblütige oder noch zu unerfahrene Teil des Publikums, alte Mütterchen, Kindermädchen, vor allen Dingen Fremde aus kleinen Orten, fühlen sich dem Schwindel nahe, wenn sie einen solchen Platz überqueren sollen. Die Schutzleute an diesen Stellen sind vom besten Willen beseelt; aber es fehlt ihnen die ruhige Initiative, die den Londoner und New-Aorker Konstabler so schätzenswert macht. Und das liegt doch wohl an der mangelnden Schulung. Die Straßenbahnen aber fahren nach wie vor allwöchentlich erbarmungslos ihre Opfer nieder. Von den „Schutzvorrichtungen" ist immer noch nur in den Zeitungen zu lesen. Warum bildet sich nicht ein „Verein zur gründlichen Reform des Straßenverkehrs^ fragen Sie. Ach Gott, unsere Juaend hat anderes zu thun. Vom Knie bis zur Sohle sind mindestens auf jeoec Seite 15 Knöpfe! Und dann was hat dieser g^oße banausische Stratzentrubel mit „Stil" und „schönHeck zu schaffen? ...
Kerliner Kries.
(Plaudereien aus der Saiserfiadt.)
(Nachdruck verboten.)
•I wird wieder gekegelt! — Resolution der Herrenwodev. BerkedrSrefonneu »od kein — Aafaug!
Ter große Restaurationsgarteu der Union-Brauerei in -er Hasenhaide hat den ganzen verflossenen Sommer wie ein mächtiger Magnet gewirkt; konnte man doch mit einem glücklichen Kugelwurf für lumpige zwei Mark Eigentümer einer Villa mit Garten in einem der Vororte werden! Das Rollen der schweren Kugeln, auf denen Fortuna allemal dahinschwebte, aber nicht beim Vordereck launisch ab- fchwenkte, hörte den ganzen Tag nicht auf, und trotz der -hohen Gewinne heimste die Brauerei-Verwaltung einen ganz enormen Überschuß ein. Denn der lieben Kegelbrüder giebt ■ei gar viele in der Welt, und wenn auch die CJattin, Die teuere, daheim sonst nicht viel von „Gut Holz" wissen Will, eine Villa und Equipage dazu sind ganz gewaltige Lockmittel. Natürlich hat schließlich nur ein einziger den großen Wurf gethan und das Glück gehabt, wahrend die -anderen nur dazu da waren, die Kosten zu tragen, und das Unionbier zu trinken; und ich möchte nicht die Hälfte ■Alter der schmetternden Gardinenpredigten, die«bei der iheimkehr der „Pechövgel" gehalten worden sind, als Buße 5jtir alle verflossenen und zukünftigen Sünden meines Lebens ,«nhören müssen, nicht einmal von der Phonographen-Walze Worunter, obwohl das bedeutend ungefährlicher ist und wie „Knall-Effekte" dabei nur als ein zunächst unverständliches Klatschen merkbar werden. Aber die enttäuschten Ehe- tzraueu haben wenigstens den einen Trost, daß Exzellenz Miquel auf dem Posten war, und sich nachträglich von ßedem einzelnen Schub seine Prozente ausgebeten hat, nachdem ihm in aller Gemütsruhe die Erkenntnis gekommen war, daß dieser Vreiskegelci kein Merkmal der steuer- ßMichttgen „Lotteriespiele" fehle. Es hat zwar etwas lange Nesichter gegeben in der Hasen Haide, als Miquels Bote erschien und um die 16 zwei Drittel Prozent bat — aber
Politische Tagesschau.
Ueber das Befinden des irrsinnigen Königs Otto von Bayern schreibt ein Münchener Mitarbeiter der „K. Z.": Selbstverständlich weilt beständig ein Assistenzarzt bei dem Kranken. Außerdem aber wird er in 14 tägigen Zwischenräumen von Geheim rat v. Craskey, dem ersten hiesigen Irrenarzt, und wenn nötig auch von anderen Fachautoritäten, wie Geheimrat v. Ziemssen besucht. Das starke Widerstreben, das der noch immer ungewöhnlich kräftige Mann jedweder körperlichen Untersuchung entgegenstellt und die bis ins Kleinste gehende Rücksichtnahme, die man ihm zuteil werden läßt, haben bisher die sichere' Feststellung eines etwa vorhandenen organischen Leidens verhindert. Auch heute noch ist es ungewiß, ob eine Blasen-, oder, was stets als das wahrscheinlichere angesehen wurde, eine Nieren-Erkrankung vorliegt, oder ob etwa gar die 1897, 1898 und 1900 jedesmal während nur kurzer Zeit festgestellten blutigen Ausscheidungen von irgendwelcher wechpnischer Einwirkung des doch gelegenllich recht auf» tferegtert Kranken herrührten. Leute, die den König in Letzter Zeit sahen, gewannen keineswegs den Eindruck, als ob dies bejamniernswerte Leben dem Erlöschen entgegengehe. Allerdings habe der Kranke, dessen halb ergrauter, sehr langer Bart trotz aller Fürsorge der Umgebung ziemlich verwildert ist, auffallend blaß ausgesehen, was aber, ohne als Ursache ein organisches Leiden zu Hilfe zu nehmen, allein schon aus dem völligen Mangel an Bewegung und meistens auch an frischer Luft, aus der, was Schjaf und Nahrungszufuhr anbetrifft, ganz ungeregelten Lebensiveise und der ausschließlichen Be- kösttgnng mit kalten, ober kalt geivvrdenen Speisen erhärt werden könne. Es hat sich nämlich als ganz unburchfübrbar erwiesen, den König irgendwie zum sofortigen oder baldigen Genuß der ihm warm vorgesetzten Speisen zu veranlassen. Mit einer Art von Eigensinn speist er niemals, wenn die cichttge Zeit dafür da wäre, sondern ganz regellos, wie und wann er mag. Und da haben es denn die Aerzte für zweckmäßiger gehalten, ihm fron vornherein kalt zu genießende Speisen vorzusctzen, als ihn die weniger gut bekömmlichen kalt gewordenen Gerichte genießen zu lassen. Aehnlich steht es, da Zwang nicht angewendet werden darf, mit dem Niederlegen zum Schlafen und, was noch schlimmer ist, mit der für den breitschulterigen wohlbeleibten Mann koppelt notwendigen Beweaung. Das äußerste, was man in dieser Hinsicht während der letzten Zeit zu erreichen vermocht hat, war, daß der König an schönen Tagen einige Zeit aus der Terrasse seines Schlößchens sitzend verbrachte. Die früheren Wagenfahrten im Park scheinen ganz weg- gefallen zu sein. Betreffs des derzeitigen Geisteszustandes wird mir versichert, daß der König auch heute noch ihm bekannte Personen, namentlich solche, deren Züge ihm von seiner früheren Jugendzeit her erinnerlich sind, zweifellos wiedererkenne. Trotz dieser äugen scheint icl>en Erinnerungen ccher könne auch nur von lichten Augenblicken, in denen der König irgenwie klar und vernünftig zu denken, oder sich seines Zustandes bewußt zu werden vermöchte, keinesfalls die Rede fein.
|d*J. iudjl «MW«
fei
*
was half's? Und das Geschäft muß trotz dieses nachträglichen Aderlasses nicht übel gewesen fein: denn es wird in diesem Sommer wieder gekegelt in der Hasenhaide. Zwar ist's keine Villa, die dem Sieger winkt, aber doch ganz erkleckliche Geldsummen, nämlich 5000, 3000 und natürlich weniger Mark bei einem Einsatz fron Mk. 1.50. Ob freilich diesmal die Kyritzer und Treuenbrietzener wieder her dürfen, nachdem sie voriges Jahr ohne den Hausschlüssel zur neuen Billa nach „Muttem" gekommen sind, ist eine zweifelhafte Geschichte! . . .
Immerhin könnten sie, wenn ihnen auch sonst kein Gewinn beschert würde, doch die eine schwerwregende, tiefgehende und die ganze Gegenwart erschütternde Erkenntnis bei diesem Besuche Berlins erlangen, daß wir Männer bislang in Kleidern steckten, die unserm modernen Empfinden durchaus nicht angemessen waren, daß wir ganz ohne Sinn und Verstand für das Schöne in das neue große Jahrhundert hineingestolpert sind in Garderobestücken, wie sie die Kaffern meinetwegen tragen mögen, wenn die afrikanische Sonne mal streiken sollte, die aber für einen Kulturmenschen, der sich in Harmonie mit den sezessio- nistischen Linien zu setzen hat, geradezu unmöglich sind. Aha- denkt der geneigte Leser, Biedermeier-Kosttim! Vatermörder mit breiter schwarzer Binde, helles Gilet, Bein- fleiber in gelben Stulpenstiefeln, Rock mit breitem hohen Kragen, faltigen Schoß unb blanken Knöpfen! Kennen wir! — Nichts da. Du sprichst von Zeiten, die vergangen sind! Diese Biedermeier, die man in den Salons des Westens allerdings ziemlich zahlreich beobachten konnte, und durch die das Gesellschaftsbild nicht unvorteilhaft belebt wurde, sind durch den deutschen Jüngling fron anno 1901, dessen Brust fron einem unzähmbaren Ehrgeiz erfüllt ist, der sich in Gestaltung fron neuen Westen, Schlipsen und ähnlichen Großthaten Lust macht, längst überholt, und als gänzlich veraltet, unpraktisch unb dem Zeitgeist hohn- sprechend verurteilt worden. Ter deutsche Jüngling unb Manu von heute geht ganz anbers Unter den Linden spazieren. Er ist schön gewachsen; das weiß er; aber die anderen sollen es auch wissen. Darum heißt sein Kampfes- ruf, mit dem er seinem Schneider zu Leibe rückt: Alles
L


