Nr. 27»
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Drittes Blatt. 151. Jahrgang.
Mittwoch 27. November 1901
GiehenerAnzeiaer
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Aas Zl chsseuchengesctz in der deutschen Armee.*)
Bon Oberst a. D. Spohr in Meßen.
Die rote Ruhr ist eine schwere Darm- und Turch- fall-^rankhort und steht der Cholera sehr nahe. Ein svge- nannter spezifischer Bacillus kommt bei ihr nicht vor, den Vielfeihgeu, fälschlich als Verursacher der Cholera angesehenen Kommabaottlus ausgenommen, dessen gänzlich nirnigeiiibi Ansteckungskraft ich schon beleuchtete. Auck) sonst hat dre rote Ruhr nichts Ansteckendes, ebensowenig wie die Cholera, aber wohl mit dieser das gemein, daß sie auf ganz ähnlichen Ursachen: schlechtem Trinkwasser, schädlichen Spots en und betranken beruht, sich epidemisch ausbreitet, in deut Maße, wie diese Ursachen aus viele Menschen gleich- ze-itig einwirken, und verschwindet, wenn man diese Ursachen beseitigt. Daß nicht alle von denselben Ursachen be- !Ue Personen von derselben Krankheit ergriffen werden, beruht auf der größeren Widerstandskraft der gesund blei- oenden, wobei auch deren größere Vorsicht gegenüber den Ursachen in Berracht kommt. Von Ansteckung ist dabei so wenig di.- Rede, wie wenn von zehn heute ein Zechgelage seierndeir Personen morgen neun Katzenjammer haben, währncd i in kräftigerer und vorsichtigerer Zechgenosse von dresern betarmren Hebel unberührt bleibt. Wer würde an nnen ansteckenden Katzen jammerbacillus glauben?
Doch ein schlagendes Beispiel aus der Kriegserfahrung wird die Sache ganz klarstellen. Als die damals unter meinem Komulando stehende 2. kombinierte hessischeFestungs- artillcrreabieckung 9bc. 11 in der zweiten Hälfte des September 187U in Sedan einrückte, um die Artilleriekriegsbesatzung dieser Festung zu bilden, fing nach 4 bis 5 Tagen die rote Ruhr au, unter der Abteilung, wie in der übrigen Besatzung, stark um sich zu greifen. Ich! war anfangs mit der Armierung der Festung und anderen wichtigen Dienst- geschästen Tag und Nacht so in Anspruch! genommen, daß ich die Sache den beiden bei der Abteilung befindlichen jungen Aerzten überlassen mußte. Als sich aber die Kranken rapide verinehrten, und ich nach einigen weiteren Tagen aus dem Rapport ersah, daß ich fast 25 Prozent (nahezu 200 Mann von 800) bei der Abteilung hatte, ließ ich mir die Herren zu einer eingehenden Unterredung kommen. Sie geständen, daß sie zwar die üblichen Medikamente, munent- lick, auch Opium, in den größten Dosen angewendet, jedoch meist mir negativem Erfolge. Die Krankheit verschlimmere sich und breite sich, weiter aus. Ich machte ihnen dann andere naturgemäße Vorschläge. Obenan stand dabei die Beseitigung der Ursachen: Verbot des Trinkens ungekochten Wassers, weil dasselbe durch die mit Leichen angefüllte Maas in allen Brunnen verpestet Ivar — als Getränk wurde nur sehr dünner kalter Kaffee, der mit Wasser aus den verhältnismäßig besten Brunnen gekocht war, gestattet —, Verbot des französischen, durch seine Gerbsäure schädlichen, übrigens auch, vielfach gefälschten Rotweines. Dreie Maßregeln galten ausnahmslos, auch für alle Gefunden. Die Sttanken wurden mit feuchten, zwei-- bis dreifach mit Wolle umwickelten Leibbinden, sowie mit großen und kleinen Klistieren von abgekochtem, mäßig kühlem Wasser, bei annähernd vegetarischer Diät, kurz ganz ähnlich, wie meine Cholerakranken 1866, behandelt.
Der Erfolg war vorzüglich. Die Krankheit nahm so schnell ab, als sie sich anfangs ausgebreitet hatte. Als ich nach einigen Wochen, gegen Mitte Oktober, zur Belagerung von Verdun mit der Abteilung abrückte, ließ ich nur einen einzigen an der Ruhr Erkrankten im Lazarett in Sedan zurück. Auch dieser genas und wurde mir nach etwa vierzehn Tagen nachgesendet. Gestorben war von allen Erkrankten niemand. Das war die Folge der Beseitigung der Ursachen und einer einfachen naturgemäßen Behandlung ohne Med Ramente. Was wäre aber wohl aus der Sache geworden, hätte man erst nach einem Bacillus forschen tvollen? Oder wie wäre eine Isolierung der zahlreichen Kranken in der engen Festung ausführbar gewesen?
Und wie steht es mit dem Typhus? Freillch, hier will der Haupt sch üler Kochs, Professor G a f f ky, einen spezifischen Bacillus gefunden haben. Doch glauben an diesen, als Ursache des Typhus, denkende Aerzte überhaupt nicht. In vielen Typhusleichen ist er gar nicht zu finden, bei Lebenden läßt er sich kaum nachweisen, da nach, Gaffky, dem Finder oder Erfinder, sein Hauptsitz in der Vttlz sein soll. Bei der jetzt in Gelscniirchen herrschenden großen Typhusepidemie berichteten frei!ich hellsehende Zeitungsschreiber, daß man chn im Wafserleitungswasser gefunden, und andere sogar, daß man dieses „desinfiziert" habe. Die erstere, geradezu sensationelle Entdeckung des aller Wahrscheinlichkeit nach überhaupt nicht existierenden Bacillus im Wasserleitungswasser widerlegte der Kreisphysikus, der authentisch erklärte, daß das Wasser der Leitung sowohl von organischen wie cheinip um Verunreinigungen völlig frei sei. Wie sich aber die geistvollen Zeitungsschreiber die „Desinfizierung" einer ' n > i.ung Vörstetten : ob durch Karbol, Jodoform, Sublimat oder sonst welche Gifte, oder mtttels Durchführung durch einen Dampfkessel, das müssen sie selbst ihren Lesern erklären.
Vernünftig beobachtende Aerzte haben bisher den Typhus stets auf fehlerhafte und unzureichende Ernährung, schlechte Getränke — wobei nicht nur Wasser, sondern auch schlecht vergorene Biere und nicht zum wenigsten Branntweine, in Betracht kommen —, schlechte feuchte Wohnungen, übermäßige Strapazen u. s. tu. zurückgeführt. 1870/71 trat der Typhus in den französischen Festungen sowohl, wie in den lange andauernden Standlagern der Belagerungsarmeen vor Metz, Verdun, Thionvllle, Mezieres, Paris auf. Die Kranken wurden mit guter Unterkunft, guter Kosy frischer Lust und kaltem Wasser mll bestem Erfolge in
*) Wir geben im Vorstehenden den zweiten Aufsatz des Herrn Oberst a. D. Spohr über das Reichsseuchengesetz aus der „Straßb. Posll wieder.
vielen Lazaretten behandelt. Das Lazarett der 14. Division in Guignicourt behandelte in dieser Weise viele Typhuskranke ausnahmslos mit bestem Erfolge in kältester Winterszeit (Dezember 1870 und Januar 1871). Im Lazarett zu Amiens aber fand ich zwei Musketiere, denen man beide Füße amputiert hatte, tveil sie — sicherlich infolge der Behandlung mit heißen Bädern — in Fäulnis übergegangen waren.
Daß man aber an Ansteckung durch die Typhuskranken gar nicht dachte, beweist am besten der Umstand, daß dieselben gar nicht isoliert, sondern mitten unter anderen Mauken, Verwundeten usw. behandelt wurden. „Angesteckt" wurde auch in der Thal niemand.
Und nun auch die vielberufenen Pocken, gegen die ja der famose Jenuersche Impfschutz fort und fort seine negative Kraft beweist. Welcher Truppenteil der deutschen gut durch- impften Armee wäre wohl 1870/71 von ihnen ganz verschont geblieben? Ich kenne keinen. Hauptsächlich traten sie wieder in den Festungen und in den Standlagern der Belagerungstorps vor denselben, später besonders bei den Gefangenentransporten, kurz überall da auf, wo die Sebstvergiftung durch Auswurfftvffe von Haut und Lungen durch enge Zusammenpferchung vieler Menschen und großen Mangel an Beweglichkeit herbeigeführt wurde.
Auch meine Abteilung blieb nicht ganz verschont. In Evigny vor Mezieres erkrankte der, fünfmal mit Erfolg geimpfte, Adjutant der Abteilung, Leutnant Sch., mit mir auf einer 4 Meter im Quadrat großen Stube zusammen- toohnend, an starken, Gesicht, Brust, Unterleib und Oberschenkel einnehmenden Pocken. Ist es nicht auffalend, daß dieser so oft geschützte, übrigens kränkliche und luftscheue Offizier den einzigen Pockenfall, in meiner zur Hälfte aus Landwehr 2. Aufgebots, also sehr lange „nicht geschützten", d. h. nicht geimpften Leuten bestehenden Abteilung lieferte? Ist es nicht noch merkwürdiger, daß er unter meiner alleinigen Behandlung mit feuchten Packungen, Abreibungen, Klystieren bei 18 bis 20 Grad Kälte und vielfach geöffneten Fenstern binnen 10 Tagen völlig genas? Und ist es nicht am allermerkwürdigsten, daß ich, der niemals geschützte, wiederum, wie immer bei Behandlung von Pockenkranken, völlig verschont blieb?
Wie ich nach der Einnahme von Mezieres mit drei Kompagnien meiner Abteillmg in das als Pockennest verrufene Mohon einrückte, dort mit meinen Offizieren die während der langen Belagerung als Pockenlazarett benutzte Mairie bezog, meine Offiziere und Leute aber vor allen Pockenerkrankungen, an denen auch viele französische Einwohner darniederlagen, dadurch schützte, daß ich die nur halb durch das Bombardement zerstörte Bierbrauerei zu einem Wannenbade einrichten ließ, habe ich schon öfter in der Litteratur erzählt und brauche ich daher hier nur zu erwähnen.
Tie Pocken sind, wie Rötheln, Masern und Scharlach, Folgen von Selbstvergiftung des Organismus durch Einatmung gasiger Auswurfssdoffe und werden daneben durch Unreinlichkeit und unzweckmäßige, zu stickstoffreiche und selbst mit Auswurfstoffen durchsetzte Nahrung begünstigt. Prof. Peter (Paris) beschuldigte die übermäßige Fleischnahrung von stark strapezierten Armeen sowohl als Mitursache von Typhus wie Pocken.
Die in den Pocken auftretenden Eokken als Ursache derselben anzuklagen, haben selbst die fanattschsten Bacillenverehrer noch nicht gewagt. Was die so viel beschuldigte Ansteckungsgefahr der Pocken anbelangt, so ist seftzustellen, daß dieselben durch Berührung von Person zu Person sich nicht fortpflanzen. Zuzugeben ist, daß das ständige Einatmen der Ausdünstung Pockenkranker in geschlossenen Räumen den Ausbruch der Krankheit bei bis dahin gefunden Personen Hervorrufen kann. Das weist auf Anwendung beständiger Lüftung in Pockenlazaretten hin, womit man auch die beste Erfahrung gemacht: hat.
Kurz, die hier besprochenen, so viel verlästerten Krankheiten haben alte ihre natürlichen, im Frieden jedenfalls leicht zu beseitigenden Ursachen. Tie Beseitigung derselben spielt bei ihrer Heilung bte Hauptrolle, keineswegs die Bacillenjagd. Letztere ist nicht nur fruchtlos, sondern begünstigt auch die schädliche und in ihren Konsequenzen grqdezu inhumane und grausame Ansteckungsfurcht. Diese vermehrt durchaus nicht die angeftrebte Autorität der Sanitätsbehörden, sondern sie vernichtet bei zunehmender Erkenntnis der Bevölkerung gradezu das Ansehen der Wissenschaft und der sich auf sie stützenden Staatsbehörden.
Das ist das bei den jetzt hinsichtlich der Armee getroffenen Maßregeln am meisten zu Bedauernde.
Indessen, die deutsche Armee steht nicht unter dem Seuchengesetz, sondern nur unter ihrem allerhöchsten Kriegsherrn, Sr. Majestät dem Kaiser und König! Sollte dieser geruhen, an Stelle aller jener kostspieligen und weithin Furcht verbreitenden Maßregeln die Entlassung aller gesund befundenen Leute des Heeres, allenfalls nach Verabreichung eines warmen Bades mit kühler Abgießung, und die naturgemäße Behandlung aller wirklich Kranken mit Luft, Wasser, Dampf, Sonnenschein usw. ohne Medikamente usw. zu befehlen, so würde dieses Experimentum e contrarüs, d. h. entgegengesetzt den bisherigen Impf- und Tuberkulinexperi- menten, nicht nur der Armee, sondern der gesamten Bevölkerung des deutschen Reiches zu gute Kimmen.
Ich sagte einst: „Fällt die Schutzpockenimpfung in der deuffchen Armee, so fällt sie in der ganzen Welt!" und ich sage heute: „Fällt die Bacillen fürcht in der deutschen Armee, so fällt sie in der ganzen Welt!"
Der Poftetat für 1902.
Im Postetat für 1902 werden an neuen Beamtenstellen u. a. verlangt: zehn Stetten für Posträte, 100 Hilfsrefe- rentenstetten bei den Ober-Postdirektionen; hierin liegt ein Stück der so lange und heiß umstrittenen Reform der höheren Postbeamtenlaufbahn und ein gewisser Ersatz für
den vergeblich erstrebten Postassessor. Weiter verlangt: 14 Stellen für Vorsteher von Poft- und Telegraphenämtern 1. Klasse, 183 Stellen für Post- und Telegrapheuinspektoren bei den Verkehrsämtern, 43 Stellen für Post- und Tele- graphenamtskassierer und 51 Stellen für Ober-Post- und Ober-Telegraphensekretäre, unter Einziehung von 51 Sekretärstellen, 4000 Stellen für Post- und Telegraphenassistenten, davon 100 infolge Umwandlung einer entsprechenden Zahl von Sekretär stellen, ' 9- Stellen für Lagerverwalter, 172 Stellen für Post- und Telegraphengehilfinnen, 3200 Stellen für Unterbeamte im inneren Dienste, 8 Stellen für Postschaffner beim Post-Zeitungsamte in Berlin, 400 Stellen für Landbriefträger rc. Die Schaffung von Post- und Telegrapheninspektor stell en bei den größeren Verkehrsämtern ist ebensalls ein Stück Personalresorm. Ihre Thätigkeit erstreckt sich darauf, die überlasteten Post- nun Telegravhendirektoren bei der Leitung des Amtes und der Aufrechterhaltung der Dienstzucht, bei der Vornahme der Kontrollen, bei Aufdeckung und Beseitigung von Mängeln im Betriebsdienste, bei Anpassung der Betriebseinrlcht- ungen an die örtlichen Verhältnisse und Bedürfnisse sowie bei Führung von Untersuchungen von den neuen Inspektoren wirksamer als bisher unlerstützt werden können. Die Inspektoren bei den Verkehrsämtern sollen ebenso wie die Hilfsreserenten aus der Klasse der Beamten, welche die höhere Verwaltungsprüfung für Post und Telegraphie be-= standen haben, entnommen werden.
Aus Statt uni» Land.
Gießen, den 26. November 1901.
♦* Buff (Gießen)-Strauß-Konzert (am Mittwoch den 4. Dezember). Der Leipziger Mufikkritiker Eugen Segnitz schrieb im „Leipz. Tagebl.":
Rich. Voß sagt einmal von der Seele, „sie war auch einmal jung und fröhlich und kraftvoll, ein Gesäß, das bereit stand, alles in sich aufzunehmen, was schön war und herrlich und groß, um dann mit seinem Inhalte durstige Menschen zu erquicken, zu laben". So ist es auch mit der Straußscheu Lyrik bestellt. Es läßt sich schwer im Rahmen eines Referates zum Ausdruck bringen, eine wie tiefe, reine und wahre Empfindung er in feinen hierher gehörigen Kompositionen aufgehäuft hat, wie , wundervoll er es versteht, dem Dichter auf den weitesten Pfaden zu folgen, für dasjenige ein Dolmetscher zu sein, was sich eben in Worten nicht fassen läßt. Gerade in letzterer Hinsicht zeigt sich der gemütstiefe und geistreiche Tondichter in seiner ganzen Straft, indem er den dichterischen Gedanken in sich aufnimmt und denselben in die ihm allein eigene Sprache umsetzt. Es findet so eine derartig intensive Vermischung von Wort und Ton statt, daß man ganz unmerklich zu der Anschauung gelangt, daß nur so und nicht anders das eben gehörte Lied in Musik hätte gesetzt werden können. Es ist eine geheimnisvolle Gabe, jene herzbewegenden Accente und Tondichtungen zu finden, welche, scheinbar der Modulation der Sprache abgelauscht, uns in die Tiefen individuellen Empfindens hinabschauen lassen. Daß Richard Strauß gar nicht so melodiearm ist, wie von mancher Seite oft behauptet wird, geigte der Kreis von vierzehn Liedern. Hier war eine Melodik, die vieles, sehr vieles der neueren Erscheinungen völlig verdunkelt, hier war eine frisch quellende, reiche Erfindung, um deren Versiegen einem nicht bange zu werden braucht. Aber eines ist zuzugeben: „An Richard Strauß' Tonsprack)e muß man sich gewöhnen." Genie, wie er ist, geht er seiner Zeit weit voraus, und giebt auch den chm willig Folgenden wohl manches Rätsel auf. Auch ein anderes tonimi hinzu, es ist nicht leicht zu behalten. Es hilft nichts, wenn in der Kunst des Lernens kein Ende ist, so gilt das vom Künsller wie vom Laien. Auch der letztere muß mitgehen und fortgesetzt bestrebt sein, einem echten, großen Komponisten — und das ist Richard Strauß — reines Interesse und aufrichtige Bereitwilligkeit entgegen zu bringen. Die Zuhörer begleiteten die Vorträge beider Herren mit einer, jeden Künsller anregenden schönen Begeisterung, die sich auch in Kranzspenden kundgab. Herrn Meßen verdankte der Konzertgast das erhebende Gefühl, daß an diesem Abende es nicht eigentlich der Person, sondern vielmehr der Sache, also der sinnst, gegolten habe. Und das ist in unseren Tagen ein sehr großes Verdienst. Ter Sänger war ganz vorzüglich disponiert und wußte durch seine temperamentvolle Interpretation der Straußschen Tondichtungen zu faszinieren.
** Lamborg-Konzert (am Mittwoch den 27. November in Steins Saal). Der „Köln. Ztg." entnehmen wir folgenden Bericht:
Herr O. Lamborg brachte nahezu zwei Stunden hindurch eine Heiterkeit zu Wege, die sich immer wieder in Lachsalven und lauten Beifallsspenden und Rufen bekundete, und doch mufjte jeder gestehen, daß der Vortragende ein tüchtiger Klavcerttinstler und musikalisch hoch beanlagt ist, und daß er, wenn er sein Wissen und Können in erster Weise verwerten wollte, auch wirkliche Kunstgenüsse zu bieten vermöchte. Die „musikalische Familie",, in der jedes Mitglied singt und Stlabier spielt, eine köstliche musikalische Burleske, machte den Anfang. Dann folgte eine prächtige Varia.' ton über eine Anzahl vom Publikum genannter Melodien. Erstaunlich war ein Melodienspiel aus den verschiedensten Opern, welche im schnellsten Teinpo von der Zuhörerschaft genannt, ebenso schnell ohne Anstoß über das Pcano dahingleitete, Lieder in österreichischer Mundart, ein unomisches Opernfinale, in welchem Herr Lamborg sämtliche Sänger und Sängerinnen, sogar den Chor darstellte, eine musikalische Illustration zu Schillers Handschuh, Spielereien auf dem Klavier und ein Pianist der Zukunft — das alles waren so köstliche Gaben, daß die Heiterkeit erst endete, als die letzten Töne verkl ' i waren.


