Ausgabe 
26.6.1901 Erstes Blatt
 
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Bekanntmachung.

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Gesetzlich geschützt.

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über Psalm 98. Herrlich und in formvollendeter Sckstmc klangen die Chöre unter Mendclsohns bewährter Leitung aus ungefähr 350 Länger und Sängerinnen Munde durch das Gotteshaus, alle Besucher mächtig ergreifend. Hier wurde den Zuhörern wieder einmal recht handgreiflich zu Gemüte geführt, welchen kostbaren, edlen Schatz unser deut sches evangelisches Volk an seinen Kirchenliedern und Cho Täten hat, und daß es recht wohl der Mühe wert und eine dankbare Aufgabe ist, diesen edlen Schatz zu hegen und zu pflegen. Tas; die Chöre io tadellos gingen, wie man es feiten zu hören bekommt, ist das Verdienst der Tirigenteu der Vereine, die, wie der ErfKg zeigte, keine Mühe bei der Einübung gescheut haben, um das erreichen zu können, was erreicht worden ist. Nach Schluß des Gottesdienstes zogen die Festteilnehmer und Vereine unter Vorantritt des Mock städter Posaunenchors auf die Klippe, wo die Nachversamm­lung stattsand. Diese wurde eröffnet durch Ministerialrat Ewald, der auf den holten Protektor der hessischen Kirchen gesangvereine dem Großherzog ein dreifaches Hoch aus­brachte. Noch mancherlei Toaste wurden ausgebracht, auf den Zentralvorstand, den festgebenden Verein, auf Professor Mendelsohu, die Tirigenteu der eiiufhien Vereine, auf den Mockstädter Posaunenchor. Tazwiscyen erfreuten die Ver­sammlung die einzelnen Vereine durch Vortrag herrlick)er Lieder und die wackeren Mockstädter durch Vortrag trefflicher Musikstücke. So war unterdessen der Abend herangekommen und mahnte zum Aufbruch. Ter Abendzug entführte die Festteilnehmer, und jeder wird wohl mit dem Bewußtsein, aus unserem lieblichen Städtchen geschieden sein, ein schönes Fest hier verlebt zu haben. Möge es allen Festteilnehmern zum Segen gereichen.

K. Mainz, 24. Juni. Tas gestern nachmittag von hier nach Bingen abgegangene Schn e l l s ch i f f der Köln-Düssel­dorfer Gesellschaft, das sehr stark besetzt war, wurde in der Nähe von Geisenheim von einem schweren Gewitter und starken Sturm überrascht. Tas Schiff wurde derart von dem Sturm hin- und hergeworfen, daß eine Panik unter den Passagieren entstand, die noch dadurch ver­stärkt worden ist, daß es infolge des orkanartigen Sturmes nicht möglich war, an der Station Geisenheim zu landen und man in Bingen erst das Schiff verlassen konnte.

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Bemerkt wird, daß die Frauenkleider (Rödgener Tracht) fast noch neu und wenig getragen sind.

Gießen, den 22. Juni 1901.

Armenamt Gießen.

der von Plauen nach Eger bestimmte Schnellzug zwei bein «asernenbau in Plauen beschäftigte Arbeiter und tötete sie.

Leutnant Gustl- heißt die Novelle, die, wie aus Wien gemeldet, ihrem Verfasser Arthur Schnitzler di. OjsizierScharge gekostet hat. Als Grund des ehrenratlichen NichtersprucheS wird angegeben, daß Schnitzler durch die novellistische StudieLeutnant Gustl- der Ehre des öfter rrichtschen Offizierkorp» nahe getreten sei und daß er auf eine in heftigem und persönlichem Tone geschriebene Kritik dieser schriftstellerischen Arbeit in einem Tagesblatt nich reagiert habe. Der thatsachliche Inhalt der Studie ist in gedrängter Kürze folgender: Leutnant Gustl hat im Konzert einen Zusammenstoß mit einem energischen Zivilisten. kommt zu Beleidigungen. Der Leutnant will den Säb.l ziehen, aber der Zivilist hindert ihn daran durch überlegene Körperhaft. Leutnant Gustl verbringt eine qualvolle Nacht Wenn das Regiment von dem Vorfall erfährr, muß er qnil Heren. Eine Kugel vor den Kopf erscheint als einziger nobler Ausweg aus der Sache. Das Schicksal schenkt aber dem Leutnant Gustl eine glücklichere Lösung der Sache; den enragierten Zivilisten trifft der Schlag. Dieser Schlagex machina befreit den Leutnant Gustl ans aller Verlegenheit Niemand weiß, was geschehen ist. Der einzige Zeuge seiner Schmach ist tot; der Leutnant ist gerettet. Der Spruch erregt in Wien natürlich da« größte Aufsehen.

Vermischtes.

Erfurt, 24. Juni. Kurz nach 6 Uhr abends brach während der Verhandlung des Schwurgerichts im Saale des hiesigen Landgerichtsgrbäudes Feuer aus, dadurch, daß der Kastellan beim Anzünden der Kandelaber der Draperie zu nahe kam. In kurzer Zeit stand die Holzdecke in Flammen. Das Feuer griff mit großer Schnelligkeit um sich. Abends 81/, Uhr war der Brand bewältigt. Der Saal ist völlig ausgebrannt. Weiterer Schaden wurde nicht an« gerichtet.

* Plauen i. B., 24. Juni. Heute mittag überfuhr

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Gießen, den 10. Juni 1901.

Großh. OrtSgericht Gießen.

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Pache, ein Werk, das mit stets gleick>em Crfolge bereits mehrfach zum Vortrag gebracht worden ist.

LVallo». Am 26. Sunt friert Paul Wallot, der Erbauer de» «eichtztagsgebäudes seinen sechszigsten G.-burtStag. Dallot »st 1841 tn Oppenheim geboren und hat die Gewerbeschule in Darmstadt, das Poly- rechnlkum in Hannover, die Akademie in Berlin und die Universität tn Gießen besucht Nach Beendigung seiner Studien bereiste er Italien, England und den Orient, und ließ sich dann in Frankfurt a M nieder. Bei der Konkurrenz für das ReichStagögebäude erhielt Wallot für seinen Entwurf den ersten Preis Nachdem ihm die Ausführung de« Baue» übertragen war, siedelte Wallot nach Berlin über, und blieb dort biü nach Beendigung desselben. Gelegentlich dec Einweihung des ReichatagSge« bäudes, feiner grüßten Schöpfung, wurde er zum Geh. Baurat ernannt. 3m Jahre 1895 erhielt er einen Nuf als Professor der Kunstakademie und der technischen Hochschule nach Dresden. Au« seinem Atelier ging eine Anzahl bedeutender junger Künstler hervor.

Kunst und Wissenschaft.

Künstlerkolonie in Tarmstadt. Man schreibt uns: Für die Auswahl der in das Programm des am nächsten Mittwoch im Platanenhain der Ausstellung der Künstler-Kolonie stattfindenden Konzertes des Männerchors Humanitas auszunehmenden Chorwerke mußten zwei Ge­sichtspunkte ausschlaggebend sein; einmal sollten sie sich für den Vortrag im Freien eignen, andererseits sollten sie deni Geschmack eines großen Publikums entsprechen. In Anbetracht dieser Gründe hat der konzertgebende Verein wohl den einzig richtigen Weg damit eingcschlagen, daß er nur Chöre im Volkston zum Vortrag bringt, von denen hier nur das Volkslied:In einem kühlen Grunde", (Tas Mühlrad- sowie das in seiner drastischen Komik unwider­stehlicheI bin jüngst verwichen" von Jehngraf erwähnt seien. Cin Ehrenplatz im Programm wurde dem im Früh­jahrskonzert des Vereins erstmalig aufgeführten Chor mit Lrchester von E. Walter-Choinanus: Teutsches Flottenlied (Michel horch der Seewind pfeift) angewiesen, das aüch diesmal mit seiner prächtig frischen Harmonik und glän­zenden Instrumentation in erster Linie dank des kernigen Meistergedichtes Gottfried Schwab's denselben stürmischen Beifall finden wird, der ihm bei seiner Erstaufführung zu teil wurde. Als weitere Chornummer singt der Verein noch:Tes Liedes Heimat" für Männerchor, Orchester von

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