Ausgabe 
24.11.1901 Erstes Blatt
 
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Nr. 277

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Die Gießener ZamMen- blätter werden dem An­zeiger im Wechsel mit demHess. Landwirt" und denBlättern für hessische Volkskunde" Viermal wöchentlich bei­gelegt.

Redaktion, Expedition und Druckerei:

Schul st raße 7.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Gictzeu.

Fcrnsprcchanschluß Nr.bl.

Erstes Blatt.

151. Jahrgang.

Sonntag 24. November 1901

sietzenerAnzeiger

General-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Annahme von Anzeigen zu der für den folgenden Tag erscheinenden Nr, bis vormittags 10 Uhr. Alle Anzeigen-Vermitt- lungsstcllen des In- und Auslandes nehmen An­zeigen entgegen.

Zeilenpreis: lokal 12Pf^ auswärts 20 Pfg.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Universitäts - Druckerei (Pietsch Erben).

Verantwortlich sür den allgemeinen Teil: P. Wittko; sür den An­zeigenteil: Hans Beck.

Bekanntmachung.

Montag den 25. November 1901 bleibt aus Anlaß der Allerhöchsten Geburtstagsfeier das Ortsgericht Gießen geschlossen.

Gießen, den 23. November 1901.

Großh. Ortsgericht Gießen.

Gros.

Bekanntmachung.

Der Austrieb von Pieh zu dem am 26. und 27. ds. Ms. stattfindenden Viehmarkt beginnt vormittags um 8 Uhr.

Gießen, 21. November 1901.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Hechler.

Frotestversammlung gegen die Schmähungen ßhamöerlains.

D. Gießen, 22. November.

Eine nach Hunderten zählende Versammlung von Studenten und Bürgern unserer Vaterstadt hatte sich gestern abend in Steins Saalbau auf Einladung der Alten Herren des V. D- St. zusammengefunden, um die bekannten Chamberlainschen Unterstellungen zurückzuweisen. Unter den Erschienenen sahen wir auch mehrere Uni­versitätslehrer, so den Rektor Prof. Dr. Hansen, Geh. Justizrat Prof. Dr. Schmidt, Prof. Dr. Heimburger, Prof. Dr. Sommer, Geheimrat Prof- Dr. Oncken.

Als erster Redner ergriff das Wort Amtsanwalt M ah r aus Offenbach. Seit jener Rede Chamberlains, so führte er aus, ist es unruhig geworden in dem deutschen Volk. Eine Entrüstungsbewegung hat sich erhoben, immer mehr an­schwellend von Gau zu Gau. Freilich fehlen auch die Gleichf- giltigen nicht, die nicht verstehen wollen oder können, daß man sich über die Aeußerungen eines Chamberlain erregen kann und öffentlich dagegen protestiert. Ganz vortrefflich zeichnet diese Stimmung ein Gedicht imKladderadatsch", das mit den Worten schließt:Dir Jammerkerl, was bist Du schlapp." Mer .ihre Zahl ist Gott sei Dank gering. Leider gehört der Vorstand des deutschen Kriegerbundes zu ihnen, der öffentlich von Kundgebungen abmahnt. Wir sollen schweigen! Sind wir thatsächlW in ein derartiges Knecht­schaftsverhältnis yi England geraten, daß wir es nicht mehr wagen können, diese Frechheiten zurückzuweisen? Daß wir vereinzelt einer drohenden Koalition Frankreichs, Eng­lands und Rußlands gegenüb ersteh en würden? Diese Ge­danken zu denken verbietet uns die Achtung vor dem Leiter unserer äußeren Politik. Unser Volk hat erwiesen, daß es schweigen kann, wenn es nötig ist. Trotzdem es in seiner Mehrzahl mit seinen Wünschen auf Seiten des heldenhaften Burenvolkcs steht, hat es niemals versucht, die Regierung zum Eingreifen zu zwingen. Hier aber handelt es sich um eine Frage des nationalen Stolzes. Unsere nationale Ehre «ist angegriffen durch jene Beschimpfungen. So knechtisch sollten wir denken, um da zu schweigen? Nein. Wir denken, wie unsere Dichter singen:Der Cwtt, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte"' undNichtswürdig ist die Nation, die nicht alles freudig setzt an ihre Ehre". Wir haben gewartet, ob nicht unsere Reichsregierung Front da­gegen machen würde. Wir warteten vergebens- So hat das Volk selbst das Wort ergriffen. Chamberlain hat durch seinen Sekretär eine Erklärung zu seiner Edinburger Rede abgeben lassen. Nun hat auch die Reichsregierung ihr

Schweigen gebrochen. (Der Redner verlieft den in unserer gestrigen Nummer veröffentlichten offiziösen Artikel der Nvrdd. Allg. Ztg." sowie die bekannte Zuschrift des Sekre­tärs Chamberlains an Marriner. Vergl. unsere Nr. 275, 2. Bl.) Damit kann die Sache für die beleidigte Armee, für die beleidigte Ehre unseres Volkes nicht abgethan sein. Der Ton dieser Erklärung ist durchaus würdig der G>in- burger Rede Chamberlains. Ist das eine Abschwächung der Edinburger Beleidigungen, ein Widerruf? Nein, das ist eine neue dem deutschen Volk mit Hohnlächeln ins Gesicht geschleuderte Beschimpfung. Alle jene Tausende, die, in ihrem heißesten Gefühl gekränkt, ihrer Entrüstung Ausdruck gaben, sie sind nach dieser Erklärung nicht vernünftige Männer, sondern unvernünftige Kinder, sie tragen öffent­lich Gefühle zur Schau, die sie in Wahrheit nickst fühlen, sie heucheln Entrüstung. Da kann uns die Aengsllichkeit jenes Befchwichtigungsartikels nicht genügen. Noch ist in aller Erinnerung, welche Gemeinheiten und Schandthaten zur Zeit der chinesischen Wirren die Engländer unseren tapferen Ehinakriegern andichteten, wie sie den Grafen Waldersee lächerlich zu machen versuchtem Noch in diesem Monat hat dieTimes" gewagt, die deutschen Soldaten in China zu verdächtigen. (Der Redner verliest den bekannten Ar­tikel.) Unter solchen Umständen können wir nicht schweigen- Es soll und wird und muß die Protestbewegung gegen Chamberlain ihren Fortgang nehmen. Nachdem der Redner den Anwesenden für ihr zahlreiches Erscheinen gedankt und sie willkommen geheißen hat, schließt er mit einem Hoch auf den Kaiser, in das die Versammelten be­geistert einstimmten.

Nach ihm betrat, von lautem Beifall begrüßt, Geheim­rat Prof. Dr. Oncken die Rednerbühne. Aus seiner oft von Bravorufen unterbrochenen, die Erbärmlichkeit Cham­berlains in der treffendsten Weise illustrierenden Rede sei folgendes hervorgehoben: Der Versuch, den Chamberlain am 25. Oktober gegen uns und unsere Kriegführung im Jahre 1870/71 sich gestattete, ist nicht mehr, wie man unter Stu­denten sagt, eine Rempelei, sondern eine Rüpelei gewesen. U. a. wird als Grund, Kundgebungen in dieser Sache zu vermeiden, angeführt, daß es gelte, die Empfindlichkeit des mächtigen England zu schonen. Womit hätte es das verdient, wenn wir allem die letzten Jahre befragen, und uns vergegenwärtigen, was uns da alles geboten wurde! Denken wir nur an den Uebersall von Samoa und Upolu. Es war das ein Rechts- und Friedensbruch, begangen an uns und den Samoanern. Denken wir nur an die Ende 1899 beschlagnahmten Reichspostdampfer. Das war eine Bru­talität, von der wir nicht glaubten, daß sie uns noch ein­mal geboten werden würde. Unvergeßlich ist doch auch der Kriegslärm aus den Jahren 1896/97 in der englischen Presse. Die zwei ältesten, angesehensten Wochenschriften Eng­lands haben Kriegsartikel gegen uns veröffentlicht, in denen rücksichtslos ein Krieg mit uns gefordert wurde, ein Ver­nichtungskrieg im strengsten Sinne des Worts. Warum? Wegen des Geschäfts, weil wir England unbequem wurden. Das sofortige Ausrücken der englischen Flotte wurde da verlangt, ein Treibjagdmachen auf die deutsche Handels­flotte in allen Meeren, ihre Verbringung nach englischen Häfen, das Ausrücken der großen Panzerschiffe nach unserer Küste, die Schleifung unseres Nord-Ostsee-Kanals, um die erstarkende Weltmacht zurückzuwersen um ein Weltalter. Das ist damals in Deutschland kaum beachtet worden. Erst Jahre später haben wir aus Uebersetzungen jener Artikel erfahren, mit welchen feuergefährlichen Gedanken sich das englische Geschäft damals bereits vertraut mackste. Wir haben nickst einmal Anlaß daraus genommen, öffentlich Verwahrung

dagegen einzulegen. Wie ganz anders jetzt! Hier liegt in der That eine Frivolität ohne Beispiel vor. Ihr Urheber verrät eine bodenlose Unwissenheit. Es ist notwendig, auf dieses dicke Trommelfell einen Eindruck hervorzubringen. Dieser Engländer kennt uns nicht. Er soll uns kennen lernen, ein deutsches Wort muß mit ihm gesprochen werden. Wir haben es hier mit einem Menschen zu thun, der uns in der schnödesten Weise die schmählichsten Beleidigungen vor­geworfen hat. Diese dürfen wir nicht auf uns ruhen lassen- (Geheimrat Oncken verliest die bekannte Chamberlainsche Auslassung.) Es ist nicht mit wenigen Worten zu sagen, was an Beleidigungen in seiner Aeußerung steckt. Wir Deutsche sind offenbar die allein Gemeinten. Der Vorstoß gegen uns wird dadurch nickst verzeihlicher, daß noch Die Russen, Franzosen und Oesterreicher angedeutet sind. Denn sie sind nur genannt, um das wahre Angriffsziel zu verschleiern. Wir sind die einzigen, die mit Nachdruck sich über die Grausamkeit und Barbarei dieser Kriegführung geäußert haben. Wir müssen die Chamberlainsche Stritt t unseres heiligen Krieges so nennen wir ihn, so haben wir ihn genannt, so werden wir ihn nennen und niemals aus­hören, ihn so zu nennen mit aller Kraft zurückweisen. Wer die Zeit nach .dem Kriege vergleicht und beobachtet, wie edle Menschen, darunter ein Landsmann Chamberlains, die gegen die Deutschen erhobenen Beschuldigungen zurück­wiesen, der erstaunt darüber, daß es heute einen englischen Minister giebt, der von diesen Vorgängen nichts weiß. Wir verlangen nicht, daß er unsere Litteratur kennt, aber das verlangen wir, daß er seine eigene Litteratur kennt.

Bis Sedan hat England unbedingt auf unserer Seite gestanden; da aber trat eine Wendung ein, und in die englische Presse kam jetzt eine Richtung, die uns beschuldigte, daß wir aus Verteidigern die Angreifer geworden seien, daß wir weiter kämpften, um eines Raubes, um Elsaß- Oothringens, willen. Da machte es sich ein Engländer, das Parlamentsmitglied Sinclair, zur Aufgabe, auf dem Kriegsschauplatz allen diesen Anklagen nachtzugehen. Er be­suchte die Schlachtfelder und Quartiere und befragte die Leute. Das Ergebnis legte er in einem dem deutschen Volke gewidmeten BucheDer deutsch-französische Krieg" nieder. Danach fallen sämtliche Anklagen Chamber­lains in nichts zusammen. Noch ein anderes Buch, der englischen Litteratur möchte idji Chamberlain zum Studium empfehlen; es istDas kaiserliche Deutschland" von Sidney Whitman. Dieses Buch bereitet Chamberlain noch viel schmerzlichere und belehrendere Enttäuschungen als das erst­genannte. Besonders lehrreich wäre für ihn das Kapitel über die deutsche Armee. Da würde er diese kennen lernen; da könnte er eine Ahnung^ bekommen von dem Stolz der deutschen Waffen, der sittlichen Größe unserer Armee, von all den Merkmalen tiefer geistiger Ueberlegenheit, die durch die allgemeine Dienstpflicht und Schulpflicht geschaffen wird. Ein solcher Mann hat nicht das Reckst, über solche Dinge mitzureden. (Der Redner verliest einige Stellen aus dem angeführten Buche.) Die Einführung der allgemeinenDienst- pflicht in England wäre ein kostbares Heilmittel gegen all die Irrtümer und schiefen Meinungen in England. In seiner abgeschlossenen Lage liegt der Abgrund, der uns scheidet, der Grund, weshalb die Engländer nicht fähig sind, der deutschen Armee gerecht zu werden, weshalb sie fort und fort oie Vorstellungen, die sie von ihrer gemieteten Soldateska, wo sie berechtigt sind, dahin übertragen, wo sie nicht berechtigt sind.

Der Redner erzählt nun von der freiwilligen, jedem ohne Unterschied der Nation gewidmeten Liebesthätig- k ei t, die auch in Gießen sofort nach der Mobilmachung

Feuilleton.

** Kunstausstellung. Seit Kurzem sind nun wieder die Pforten unserer Kunsthalle im Turmhaus am Brand geöffnet und ein Besuch ist jedem Kunstliebenden zu empfehlen, denn ein solches Unternehmen braucht die thätigste Mithilfe und regste Stütze des Publckums, um etwas leisten zu fönneiu Mit unermüdlichem Fleiß ist man bestrebt, nur Gutes und Bedeutendes zu bieten. Zurzeit sindet man wohl in der Aus­stellung so ziemlich alles, was zu malerischem Vorwurf ge­wählt zu werden pflegt, jedoch von sehr verschiedenen Quali­täten. Auf dem Gebiete der Landschaft ist wohl das Beste geleistet worden. Vor allem möchten wir C. Walter aus Karlsruhe, mit seinen, in satten Farben gehaltenen warm- tönigen stimmungsvollen BildernOberbayerischer Bauernhof" undEin altes deutsches Nest", erwähnen. Recht kräftig und frisch wirkt auch dasTorfstück" von R. Ränderer, München. Ferner sehen wir zwei feinfarbige Landschaften von A. Loehr, Haubüttel,Das alte Haus" undVorfrühling", benannt. In R. Scholz, der vier Landschaften und zwei Porträts ausgestellt hat, tritt uns ein bedeutendes Talent entgegen, nur sind seine Werke untereinander allezu gleichwertig. Sie vermögen trotz ihrer korrekten und bestimmten Art nicht zu erwärmen. Am ansprechendsten ist wohlSt. Valentin auf der Haide", doch liegt auch über diesem Bild ein Hauch eisiger Kälte und Farbe. Seine Porträts haben einen etwas 'wärmeren Ton und vermögen deshalb ungleich mehr zu wirken. Ein prächtiges Stückchen exotischen Charakters bringt uns 'M. Kuhnert in seinem BildAuf der Lauer". Der zum .Sprung bereite Tiger ist voll Leben und Bewegung. F. v. Kleudgen, Bordighera, führt uns mit seinen Seestücken, Das Grundnetz" undSeeschlange" betitelt, in das Reich der Phantasie. Es.w ll uns. aberscheinen, als wenn der Künstler auf dem Boden der Wirklichkeit mehr Glück haben würde.

Die Spukgestalten lassen an ihrer Glaubhaftigkeit recht zweifeln. An Genrebildern sehen wir eine ganze Reihe von I. Klein­schmidt, Kaffel. Leider hat der Maler anscheinend durch die Maffe wirken wollen, aber die Quantität hat doch noch niemals die Qualität ersetzen können. Ein sehr stimmungs­volles Interieur,In der Sakristei" benannt, bringt R. Lipps, München. F. Bühring, München, ist mit zwei Bildern, Bei der Arbeit" undBlumenstand" vertreten. Wenn der Künstler sich nur an Stillleben und Blumen halten wollte, könnte er wohl Hervorragendes leisten. Das Figürliche ge­lingt ihm weit weniger gut. Erwähnen wir nun noch einige feine Blumen- und Früchtestücke, besonders Sofie Ley, Karls­ruhe, mitHerbstlaub", E. Schuberg, Karlsruhe, mit Mohn, M. Kowarzik, Gießen, mit Aprikosen und Trauben, so haben wir wohl auf das Beste aufmerksam gemacht. Nicht vergeßen wollen wir noch eine Anzahl hübscher Oel- und Aquarellstudien von H. Dietz, Darmstadt.

** Kammermusik. Trotz verschiedener gleichzeitiger Ver­anstaltungen hatte sich gestern zu dem ersten dieswinterlichen Kammermusik-Abend unseres Klavier-Trios Trautmann- Rebner-Hegar ein zahlreiches Publikum in der großen Aula der Universität versammelt, das die Darbietungen des beliebten Künstler-Ensembles mit gespannter Aufmerksamkeit entgegen nahm. Die erste Nummer des interessanten Pro­gramms bildete das Trio in B-moll (opus 5) von Voll­mann, eine in großem Stil angelegte Tonschöpfung, in der wir hohe Vollendung in der Form, vornehme Erfindung und geschmackvolle Instrumentation, die die Klangschönheiten der einzelnen Instrumente zu voller Geltung kommen läßt, als die Hauptvorzüge bezeichnen möchten. Die Wiedergabe durch die Herren Trautmann, Redner und Hegar war ausgezeichnet, und der reichlich gespendete Beifall wohl verdient. Das zweite Hauptwerk des Abends war Beethovens erstes Klaoier- trio in Es-dur, das nach der im allgemeinen schweren Kost

des Abends eine wohlthuende Schlußnummer bildete und ganz besonders herzlichen Beifall fand. Die gefälligen Weisen dieses Erstlingswerkes des unvergeßlichen Altmeisters, fanden aber auch eine Wiedergabe, wie man sie selten zu hören bekommt, da das Werk meist nur noch in Privatkreisen und von Dllettanten gespielt wird. Herr Jo­hannes Hegar zeigte sich in den Variationen über einHündi­sches Thema" von Bernhard Scholz, in denen auch der Klavierpart große Schwierigkeiten enthält, als der gediegene Künstler von feinem Geschmack und zuverlässiger Technik, den wir stets in ihm geschätzt haben und erntete mit seinem Vor­trag viel Anerkennung. Zwischen den einzelnen Jnstrumental- werken sang der Banstonist Herr Hans Schröder aus Karls­ruhe Lieder von Schubert, Brahms und Beethoven, mit denen er zwar den Beweis erbrachte, daß es ihm nicht an stimm­lichem Wohllaut fehlt, daß er aber in Bezug auf Deutlich­keit der Aussprache und namentlich in der Tongebung noch nicht auf der Höhe steht; das häusige Vibrieren der Stimme wirkte auf die Dauer störend. Seine Vortragsweise 'fand namentlich in den Liedern von Brahms und Beethoven vielen Beifall, sodaß er sich noch zu einer Zugabe entschließen mußte. Es war ein schöner, genußreicher Abend, den die Herren geboten haben, und wir sind überzeugt, daß jeder Konzert-Besucher gern daran zurück denken wird. Pr.

* Das Volkskonzert vom 18. ds. Mts. wird imHeff.-- Naff. Volksbl." folgendermaßen besprochen:

Der 18. November mar nicht nur für unseren Arbeiterverein, sondern and) für weitere Kreise Gießens von großer BedeMung. Fand doch an ihm das zweite Vollskonzert diesmal ein Orchester­konzert statt, unter einer Beteiligung von über 800 Personen. Das Konzert wurde unter Leitung des Großh. Universitätsmusik­direktors Trautmann von dem hiesigen Konzertverein gegeben, der damit den Beweis gebracht hat, daß es nicht nur sein Zweck ist, den oberen Zehntausend künstlerischen Genuß darzubieten, sondern .and) die breiteren Schichten der BevölterimA, die nicht im stände sind, hohe Eintrittspreise zu erlegen, in die Schönheiten einer guten