Ausgabe 
24.11.1901 Drittes Blatt
 
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Nr. L77 Drittes Blatt. 151. Jahrgang.

Sonntag 34. November 1901

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Zweite Hessische SLändeLammer.

3L Landtag. 72. Sitzung. Donnerstag, 21. Nov. 1901.

Schluß.

Ministerialrat Br ann: In formeller Beziehung habe der Präsident den Abg. Köhler gerügt- In materieller Be­ziehung sage er, daß Köhler die Dinge auf den Kopf stelle; er habe verlangt, daß er nicht ironisch sein solle und nicht feststelle, daß ein Gegensatz zwischen ihm und Weidner bestehe. Das sei nicht ironisch, und wenn es ironisch wäre, sei es nicht seine Schuld. Es sei sein Recht, die Gegensätzlichkeit festzustellen und das lasse er sich nicht nehmen.

Abg. Weidner ist nicht der Auffassung, daß die Landwirtschaftslehrer mit ihrem Studium fix und fertig fein dürften. Wolle der Landwirtschaftslehrer im Staats­dienste verwendet sein, so müsse er, wie jeder andere Beamte auch, voll und ganz seinem Beruf vorftehen können und nicht erst noch der Ausbildung bedürfen. Er wiederhole, daß es ein Unding sei, wenn die Lehrer aufs Land gingen und Zeug redeten, das niemand verstehe. In seiner vier- undzwanzigjährigen Praxis habe er sich mit den ein­schlägigen Fragen genügend beschäftigt, um ein Urteil zu haben. Er betone es, daß man im Lande mit den Vor­trägen nicht zufrieden sei, und wünsche baldige Abhilfe.

Abg. Molt Han wendet sich gegen die Regierung, die mit Kanonen nach Spatzen schieße, wenn sie sage, daß man die Qualität der Lehrer anzweifle; das thue niemand.

Abg. Köhler-Langsdorf macht daraus aufmerksam, daß man großen Wert auf Position 2 des Ausschußantrags lege. Die Regierung müsse aufgefvrdert werden, daß sie nachforsche, wo der Fehler eigentlich liege. Man komme nicht weiter, wenn man nicht von der Schule aus die Vorbildung der Bauern betreibe. Den Bauern könne man nicht durch Vorträge in 34 Stunden alles beibringen, was sie wissen müßten.

Abg. Backes stimmt dem Antrag auf Umgestaltung des landwirtschafllicheu Unterrichtswesens nicht bei, da dies einen Sprung ins Dunlle bedeute.

Abg. Häusel konstatiert mit Freuden, daß sie im Kreise Erbach mit der Thätigkeit der Landwirtschaftslehrer sehr zusmeden seien, und wünscht, daß die dort befolgten Grundsätze auch anderswo Anwendung fänden.

Es wird darauf beschlossen, drei zweite Landwirtschafts- lehrer definitiv anzustellen, der Antrag auf Umgestaltung des landwirtschafllicheu Unterrichtswesens mit 22 gegen 18 Stimmen abgelehnt und die Regierungsvorlage ange­nommen.

Rach der Pause wird Abg. Reinhart mit 28 Stimmen gegen Zinßer (15 Stimmen) zum dritten Präsidenten ge­wählt, wofür Reinhart seinen Dank ausspricht.

Dian tritt dann in die Beratung des Antrags Korell, die Fleischbeschaugesetzvorlage betr., ein-

Abg. Korell führt aus: sein Antrag sei eigenllich erledigt, nachdem das Gesetz erlassen sei. Es fei zu be­dauern, daß man sich nicht vorher zu dem Gesetz habe aussprechen können. Er wolle aber die Gelegenheit nicht unbenutzt lassen, auf die Regierung dahin zu wirken, daß die Ausführungsbestimmungen bald in Wirksamkeit treten. Es habe schon monatelang gedauert, bis das Verbot der Büchsenfleischeinfuhr erlassen worden sei. Inzwischen sei der Bedarf für das Jahr 1901 noch rasch gedeckt worden. Es bestehe auch noch keine Kontrolle für das ausländische Fleisch während das inländische Fleisch genau kontrolliert werde. Die Landwirtschaft sei durch diese Lage beunruhigt. Hätte die Regierung bezüglich der Fleischkontrolle ihre Pflicht ^erfüllt, so hätte sie von der Landbevölkerung mehr Ver­trauen geerntet. Er bitte die Regierung, auf ihren Bundes­

ratsbevollmächtigten dahin zu wirken, daß er dafür sorge, daß die Besllmmungen bald in Wirksamkeit träten. Er hoffe auch, daß die Sozialdemokraten seiner Bitte zu­stimmten.

Abg. Ulrich: Die Agrarier machten das Zutrauen zur Regierung davon abhängig, daß die Regierung ihnen die Taschen fülle. Ein Großagrarier sei noch schlimmer wie 10 Juden; sie wollten das Volk aushungern. Er habe cm sich gegen die Durchführung eines Gesetzes, welches wirklich den Schutz des Volkes wolle, nichts einzuwenden. Allein wie die Agrarier das Gesetz auffaßten, das habe man gesehen; sie wehrten sich dagegen, daß die Bestimm­ungen auch aus die Hausschlachtungen ausgedehnt würden. Das Fleisch, das sie da schlachteten, dürfe auch einmal schlecht sein. (Abg- Wolf: essen wir aber nicht!) Abg. Ulrich fortfahrend: Ja! Herr Wolf! Sie essen es nicht, aber das Gesinde muß es essen (Der Präsident schellt wieder- holt.) Die Forderung des Abg. Korell, die Sozialdemokraten sollten für sie eintreten, sei deplaziert. Sie seien nicht dazu bereit, mitzuwirken, daß das Fleisch für das arme Volk immer mehr verteuert werde. Was die Agrarier wünschten, gehe ja nur aus eine Verteuerung des Fleisches hinaus. Auch bie große Masse der Kleinbauern habe kein Fleisch mehr zu essen.

Abg. Graf Oriola: Er sei nicht darauf gefaßt ge­faßt gewesen, daß er heute eine allgemeine Zolltarif- und Fleifchschaudebatte erlebe. Er gehe auch nickst auf den Zoll­tarif näher ein; er stimme dem Ausschußantrag zu, da er es für notwendig erachte, daß mit der Ausführung des Gesetzes rasch vorgegangen werde, und zwar nicht im Interesse des Großgrundbesitzes allein, sondern der ganzen Landwirtschaft und auch der Arbeiter. Ulrich« habe über die Stellungnahme des Reichstags Aeußerungen gethan, die er nicht unwidersprochen lassen dürfe. Die Behauptung, daß nur im Interesse einer Anzahl Großgrundbesitzer vor­gegangen worden sei, fei falsch. Ulrich, und David hätten im Frühjahr hier im Haufe klargelegt, daß an der Er­haltung der Viehzucht gerade der Kleinbauer ein Interesse habe. Er verstehe nicht, wie Ulrich, heute seine Anschauung umdrehe. Wenn die Herrn Sozialdemokraten sich so als die Unterstützer des konsumierenden Volkes hinstellten und sie den Agrariern vorhielten, daß sie in Bezug auf die Hausschlachtungen eine gewisse Freiheit gewünscht hätten, so frage er, warum seien die Sozialdemokraten nicht da­gegen gewesen, als es sich darum gehandelt habe, unseren Arbeitern schlechtes Fleisch aus Amerika zu bringen? Den Sozialdemokraten sei es darauf angekommen, unsere Klein­bauern zu knebeln. Als es sich aber um die großen Fleisch-Trusts gehandelt habe, da sei chnen die doppelte Untersuchung des Fleisches nicht nötig erschienen. Sie, die Agrarier, seien der Meinung gewesen, daß, solange man dem Auslande nicht mit Entschiedenheit entgegentrete, es unrichtig sei, die eigenen Landwirte so zu knebeln. Das sollten sich die Bauern merken, die Sozialdemokraten seien bereit, den Bauern und gerade den Kleinbauern strenge Bedingungen aufzuerlegen. Es ist ein falscher Vorwurf, daß die Regierung und der Reichstag mit dem Gesetze nichts anderes bezweckt habe, als den Großagrariern zu nützen. Man habe immer nur gesagt, daß es ein hygienisches Gesetz sei. (Bravo!)

Abg. Wolf weist mit voller Entrüstung die Aus­führungen Ulrichs zurück. Dieser wisse wohl nicht, daß der Bauer mit seinem Gesinde an einem Tische esse; er habe keine blasse Ahnung von den bäuerlichen Verhält­nissen.

Abg. Korell bemerkt, daß er mit seinem Gesinde an einem Tisch zusammen esse, und daß es öfters in der Woche Fleisch gebe, obwohl er kein Großagrarier sei.

Abg. Ulrich behauptet, daß das amerikanisck)e Fleisch durchaus von guter Qualität sei; sie wendeten sich nicht dagegen, daß das Volk vor schlechtem Fleisch geschützt werde, sondern sie wendeten sich nur dagegen, daß die Fleischeinfuhr nahezu unterbunden würde.

Abg. Graf Oriola erwidert, daß die Sozialdemo- fraten im Reichstag für doppelte Fleischbeschau bei Haus- schlachtungen gestimmt hätten, und aufs eifrigste bemüht gewesen seien, der Einfuhr von Fleisch möglichst Thür und Thor zu öffnen- Er frage, ob bei dem ausländischen Fleisch die genügende Sicherheit bestehe, die Ulrich von unseren Kleinbauern verlange. Seine Erfahrungen in Amerika be­lehrten ihn eines anderen.

Nachdem Abg. Schönberger an einigen Beispielen die durchaus schlechte Qualität des amerikanisck>en Fleisches und Fettes näher dargelegt hatte und die Abgg. Wolf und Ulrich wegen des gegenseitig gebrauchten Ausdrucks Gemeinheit' sich einen Ordnungsruf zugezogen hatten, wurde beschlossen, die Regierung zu ersuchen, im Bun­desrat dafür zu wirken, daß das Fleischbeschaugesetz im vollen Umfange in Kraft tritt und die notwendigen Bun­desrats-Verordnungen so rasch wie möglich erlassen werden.

Zu dem Antrag des Abg. Dr. Frenay, die jährliche Einquartierung von Mannschaften in den um Mainz lie­genden Gemeinden betr., den dieser näher begründet, be­merkt

Staatsminister Rothe: Die Regierung habe sich um die Wünsche und die ihr zugegangenen Beschwerden nach allen Richtungen hin verwendet, und sich auch bemüht, höhere Zuschüsse für die betreffenden Gemeinden zu er­halten. Sie werde in ihren Bemühungen fortfahren, ein Erfolg aber bleibe abzuwarten. Eine Lösung werde wohl nur dann zu finden sein, wenn sich die Armee ent­schließe, einen größeren Armee-Exerzierplatz zu schaffen. Die Regierung sei auch in dieser Hinsicht bemüht gewesen, könne aber noch nicht sagen, mit welchiem Erfolg.

Abg. Wolf wünscht, daß die Magazinverpflegung anf- höre, was von Abg. Graf Oriola als nicht hierher ge­hörig bezeichnet wird. Abg. Haas-Mainz verspricht sich einen Erfolg nur vom Bau von Baracken. Es wird dann beschlossen, die Regierung zu ersuchen, bei ihren Verhand­lungen mit den Reichsbehörden daraus hinzuwirken, daß durch Erbauung von Baracken den um Mainz liegenden Ortschaften die Einquartierungslast erleichtert wird, und den betreffenden einzelnen Gemeinden die zur Verpflegung der Mannschaften erforderlichen Zuschüsse aus der Reichskasse vergütet werden.

Schluß der Sitzung einhalb 2 Uhr.

Vermischtes.

* Madrid, 21. Nov. In Coruna fand heute eine furchtbare Explosion stall, wahrend Artilleristen alte Patronen öffneten. Drei Artilleristen wurden auf der Stelle getötet, 17 tätlich verwundet.

Hongkong, 20. Nov. Heute Nachmittag stieß der deutsche DampferTaicheong" beim Verlassen des hiesigen Hafens mit einem unbekannten emlausenden Schiffe zusammen. Infolge dieser Kollision stießen zwei andere Schiffe mit dem nach Manila auslaufenden Schiffe Pella" zusammen. Das Schiff, das mit demTaicheong" zusammenstieß, sank; derTaicheong" sinkt ebenfalls. DiePella" ist schwer beschädigt. Esroerden Verluste an Mensch enleben befürchtet. Einzelhellen sind noch nicht bekannt.

Maudereien aus der Kaiserstadt.

(Nachdruck verboten.)

Konzerte und kein Ende. Halir, der Erbe Joachims Vom Ueberbretll.Krieg. Die Nachtreter Kempinski's.

Die .Hochflut auf musikalischem Gebiete nimmt in der 'Novemberwoche geradezu bedrohliche Formen an. Außer den ständigen Ko'nzerten imZoologischen Garten" und im Neuen Konzerthaus" bei dem fröhlichen Meister Einods- hofer, außer den Virtuosen-Borführungen der Konzert- direkllon Wolfs in derPhilharmonie" tritt die Sing- Akademie mit der Bach'schenTrauerode" und demDeut­schen Requiem" von Brahms auf den Plan; dasTheater des Westens" bringt die Beethoven'scheMesse" und dasTha­lia-Theater" den Mendelssohn",chenElias". .Bald hinter­her, am Montag, den 2. Dezember, dirigiert Siegfried Wagner im Berliner und Berlin-Potsdamer Wagner- Verein mit Muck zusammen ein großes Konzert mit Bruckner'scheu und Wagner'schen Kompositionen, während inzwischen Arthur Ni lisch, ErikaWedekind und wer weiß wie viele andere berühmte Namen von den Litfaß­säulen locken werden, um die musikliebenden Berliner zum Billetkaufen zu verführen. Und diese Konzertbillete sind nicht immer billig. Zwar regnet es zumal bei unbe­kannten Klavier-Virtuosen, die nur der Reklame wegen in Berlin auftreten Freikarten über Freikarten; aber bei dem Wagner-Konzert kostet der Eintritt zur Generalprobe am Lage vor der Ausführung schon 3 und 2 Mark. Das kann sich wahrlich nicht jeder leisten. In der verflossenen Woche gab auch Professor Earl Halir, der Königl. Kammer­musiker, ein Violin-Konzert mit Begleitung des Philharmo­nischen Orchesters., und entzückte durch seine wunderbare Technik, die sich mit einem seelenvollen, innigen Vortrag paart, alle Hörer, unter, denen sich neben vielen musikalischen Koryphäen .auch sein greifet* Meister Joseph Joachim

befand. Ich habe Halir den Erben Joachims genannt Er erinnert an ihn in vielen Stücken und hat zweifellos die Höhe seines Richmes noch vor sich. Das Instrument, das er spielt, i ft eine Joachim'sche Gei^e, die dieser seinem Lieblingsschüler auf Lebenszeit überwie,en hat. Darin liegt also gar eine Art materieller Erbschaft; und man kann wohl sagen, daß der Geigerkönig seine geliebte Stradivari keinen besseren Händen illerantworten konnte. Jedenfalls ist der großherzige Entschluß Joachims der fruchtlosen Ver­fügung Pagcminis vorzuziehen, der bekanntlich seine wunder­bare Geige irgend einer italienischen Stadt wenn ich nicht irre: Parma vermacht hat, wo sie unter einem Glasdache den Reisenden gezeigt wird, ohne je wieder ihren zauberischen Klang unter der Hand eines Meisters ertönen lassen zu können. Paganini war eben ein Geizkragen und das ist unser Joachim nicht; auch sein Jünger Carl Halir nicht; man sieht es ihm auf den ersten Blick an. Denn Halir hat eine respektable Leibesfülle, die zu den ätheri­schen Tonen seines Instrumentes in einem merkwürdigen Gegensatz steht, aber Zeugnis davon ab legt, wie vortrefflich man in seinem Hause zu kochen versteht. Eingeweihte versichern schmunzelnd natürlich unter Diskretion, daß der treffliche Mann daheim sogar den Geigenbogen mit dem Kochlöffel vertausche und sich symphonische -Dicht­ungen für Zunge und Gaumen komponiere, die seinen Konzerten nicht nachständen. Das ist übrigens eine Neig­ung, die er mit manchem anderen großen Mann teilt, und es ist eben durchaus nicht nötig, als Violinvirtuose so lang und mager zu sein wie weiland Louis Spohr oder gar Nicolo Paganini.

Einer der magersten Leute Berlins ist. Herr Oskar Straus, der schnell bekannt gewordene Komponist des ,Lustigen Ehemanns", der Ringelrosenkranz mit seiner Fran tanzt und sich dabei wie ein Pfau dreht. Um dieses musika­lische Ausruftmgszeichen war ein harter Kämpf entbrannt; denn Wolzv gen wollte ihn nicht sreilasfen, und Bausen­

wein, der erfolgreichste Nachtreter des Theater-Barons, hatte ihn mit der besten Soubrette Wvlzogens, der Bozena Bradsky, für seine Bühne, die unter der Flagge Detlev von Lilieukrons segell, gekapert. Natürlich wurde das Gericht angerufen, das nach verschiedentlichern Hin und Her den Streit vorläufig zu Gunsten Bausenweins entschied. Oskar Straus begleitet wieder am Alexanderplatz. Sein erstes Wiederauftreten war ein Ereignis für alle Ueberbrett- ler und heller Jubel hallte durch das noch immer vollbesetzte Haus. Es war aber auch ein Genuß, diesen längsten aller Komponisten, der in fernem Frack wie ein in die Tinte gefallener Storch aussieht, feine steifleinene Verbeugung machen zu sehen! Seine Lieder treffen sehr glücklich den fröhlichen Volkston. DerLustige Ehemann" ist ja denn auch schon richtig auf der Leierkasten-Walze. Kann man populärer werden?

Wie auf dem Gebiete des Brettl's Wolzogen Schule gemacht hat, so kann sich von den Berliner Weinwirten Kempinski rühmen, Pfadpfinder gewesen zu sein. Kem- pinskis gute und dabei billige Küche, seine in allen Preisen zu habenden Weine, sowie die für den Berliner Verkehr notwendigen kleinen Tische, an denen man zu zlvei-en oder dreien sitzen kann, haben sein Lokal schnell bekannt gemacht, sodaß man zu gewissen Zeiten thatsächlich keinen Stuhl dort bekommen kann. Eine ganze Reihe von Wein- Restaurants sind nach und nach a la Kempinski umgewandelt worden. In jüngster Zeit hat sich ihm gegenüber in der Leipziger Straße eine große MnknrrenzZur Traube" auf- gethan, die in ganz raffinierter Weise Eleganz und Behag­lichleit mit einander verbindet und das Publikum massen­weise anlockt, sodaß Hunderte wieder hinausgehen müssen, ohne Platz gefunden zu haben. Indessen ist es bei Kempinski nicht etwa leerer geworden. Und dabei klagen die Berliner über schlechte Zeiten! . . . A. R.