schnittseinkommen von 27 200 Mk. eingetauscht. Drei Jahre mehr in der Advokatur würden ihm fast die Summe eingebracht haben, die eine dreiunddreißigjährige Thätigkeit vm Parlament ihm gewährte, sodaß er also selbst bei abnehmender Praxis und Straft 6 Millionen Mark für das Privilegium gezahlt hat, seinem Lande in Westminster zu Noch schlimmer ist Lord Roseberrys Rechnungsabschluß. Als Gesetzgeber hat er in zweiunddreißig Jahren em offizielles Einkommen von 352000 Mk. bezogen, also MK-^OOO Mk., was man kaum seinen T-iensten und Fähigkeiten entsprechend erachten wird. Diese beiden Poli- •}jcr 'IH? ludessen noch glücklicher als neunzehn von zwanzig ihrer Mitgesetzgeber. Das Unterhaus hat jetzt nur einen bezahlten Ministerialposteii für je fünfundzwanzig seiner ^.6,^oer, und wenn der Ertrag gleichmäßig geteilt würde, erhielte jeder jährlich 2500 Mark. Im Hausse der Lords giebt es nur eine bezahlte Stellung für je 42 Mitglieder, , s ganze Haus ein Durchschnittseinkommen von bedeutet. Rechnet man nur 20 000 Mk. jährlich iwttoenbigen Ausgaben eines Ministers, so ergiebt sich, daß vielleicht nur ein lebender Staatsmann des Unterhauses ein Durchschnitts-Nettoeinkommen von jährlich 20 000
• ousweisen kann. Während seiner dreiunddreißig- jahrigen politischen Thätigkeit hat Lord George .Hamilton ein Gesamtgehalt von 1 360 000 Mk. erhalten, d. i. ein Bruttodurchschnitt von 41 200 Mk. jährlich oder nach Abzug der für feinen Posten notwendigen Ausgaben ein Nettoeinkommen von sicherlich nicht viel über 20 000 Mk. Chamberlain war weniger günstig gestellt, denn bei fünfundzwanzigjähriger Arbeit in Westminster hat er nur 780000 Mk. oder ein jährliches Bruttoeinkommen von 31200 Mk. gehabt. Es ist also nicht übertrieben, wenn man behauptet, das Land habe seine Dienste für eine Nettobezahlung erhalten, die weniger als das Gehalt seiner jüngeren erstklassigen Sekretäre im Kolonialamt beträgt. Während einer fünfundzwanzigjährigen Dienstzeit im Oberhause hat der Marquis Ä "?^^?bvsvn nur ein offizielles Einkommen von 19 400 JJcan jährlich erhalten, natürlich mit Abrechnung seiner Einkünfte als General-Gouverneur von Kanada und Indien, rbchtniüßig nicht mit eingeschlossen werden können. Die $avrc seines parlamentarischen Amtes haben ihm 680 000 Mk. gebracht. Lord Goschen erreichte mit fast siebzehn Jahren Dienst ein Durchschnittseinkommen von 36 800 Mark für achtunddreißig Jahre politischen Lebens. Dieses Ergebnis ist von Sir Michael Hicks-Beach mit einem Durchschnitt von 39 000 Mk. für fiebenunddreißig Jahre parlamentarischen Lebens, von denen er neunzehn int Amt war, etwas überschritten worden. Lord Croß' politische Thätigkeit hat ihm ein offizielles Gesamteinkommen von 1 480 000 Mark als Ergebnis von vierunddreißig Jahren im Parlament und achtzehn Juhren als Minister gewährt. Sein Bruttoeinkommen beträgt durchschnittlich unter 34 000 Mk. jährlich. Lord Salisbury hat ungefähr 2 Millionen für ftebenundvierzig Jahre der politischen Thätigkeit und zwanzig im Amt erhalten, also 42 540 Mk. jährlich. Dieser Rekord wird aber von dem Lordkanzler weit überschritten, der in siebzehn Amtsjahren 3620000 Mk. oder das hübsche Einkommen von 150 820 Mk. für jedes seiner vierundzwanzig Jahre parlamentarischen Thätigkeit bezogen hat. Es ist zweifelhaft, ob irgend ein Politiker des vorigen Jahrhunderts Lord Halsbury finanziellen Rekord übertroffen hat. Sogar Gladstone erhielt bei zweiundsechzigjähriger parlamentarischer Thätigkeit nur 2 300 000 Mk. oder durch-- schnittlich 37 100 Mk. Interessant ist die Beobachtung, daß der erfolgreiche Staatsmann von fünf Jahren parlamentarischen Lebens immer zwei durchschnittlich im Amte zubringt. Dies ist mit geringen Veränderungen der Rekord Gladstones, des Herzogs von Devonshire, der Lords Salisbury, Croß und Goschen und Mr. Chamberlains. Sir Michael Hicks-Beach hat 51 v. H. seines parlamentarischen Lebens als Minister der Krone zugebracht und Lord Halsbury von zehn Jahren je sieben.
Eisenbahn Zeitung.
P. Gießen, 21. März. Sonderpersonenzüge, die aus Anlaß deS Osterfestes außer den sonst an Sonn- und Feiertagen zur Beförderung kommenden Zügen des Eisenbahn-DirertionSbezirks Frankfurt a. M. ab- gelaffen werden. (Arbeiterzüge, die sonst Samstags fahren, werden auch Donnerstag den 4. April, und die Arbeiterzüge, die sonst Montags fahren, werden auch Dienstag den 9. April fahren.
la. Strecke Köln-Gießen: Ab Cdln 4. und 6. April Vorzug 638 1.—4. Klaste, 2", an Gießen 7^. — Ab Cöln, 5. April, Vorzug 634, 1.—4. Klasse, 95», fährt nur bis Betzdorf, 12i» dort an. — Ab Cöln 6., 9. und 10. April Vorzug 636, 1.—4. Klasse, 12»», an Gießen 4« — Ab Cöln, 6. April, Vorzug 640, 1.—4. Klasse, 725, fährt nur bis Betzdorf, Ankunft Sb«. — Ab Cöln, 9. April, Vorzug 632, 2.-4. Klaffe, 833, Ankunft Gießen 1136.
Ib. Gießen-Cöln. Ab Gießen, 9.April, Vorzug 639, 1.—4.Kl, 1230, Ankunft in Cöln 512. — Ab Gießen, 4. und 9. April, Vorzug 643, 1.-4. Kl., 535, Ankunft Cöln 1035.
III. Strecke Frankfurt a. M.-Gieß en-Marburg (Kassel Berlin). Ab Frankfurt, 4., 6. und 9. April, Vorzug 779, 1.—4. Klasse, 2<o, an Gießen 4*7, ab Gießen 455, an Marburg 54<, an Kassel 835. _ Ab Frank furt, 3. und 4. April, Vorzug 781a, 1—4. Kl., 530, an Gießen 738. _ — Ab Frankfurt, 4. und 5. April, Vorzug 43, 1.—3. Kl, 1122, Ankunft Gießen 12£0( Abfahrt 12£2, an Kassel 2« (weiter nach Berlin). — Ab Frankfurt am 8./4., 4,/5., 5./6., 6./7. und 9./IC. April, Vorzug 771, 1.—4. Kl., 1125, Ankunft in Gießen 128, Abfahrt in Gießen 1*2, on Kassel 520. _ Gießen-Frankfurt. Ab Gießen, 4. April, Vorzug 780, 1.—4. Kl., 1150, Ankunft Frankfurt 203. _ Ab Gießen, 4., 6., 9. und 10. April, Vorzug 776, 1.-4. Kl., 5", an Frankfurt 7oi.— Ab Gießer, 4., 6. und 9. April, Personenzug 796,2.—4. Kl., ab Friedberg Sonderzug, 6^2. ab Friedberg 7«, an Frankfurt 8<2. _ Ab Gießen, 5. April, Vorzug 44, 1—3. Kl., 453, ab Friedberg 522, an Frankfurt 622. — Ab Gießen, 6, 8. und 9. April, Vorzug 778, 1.—4. Kl, 822, an Frankfurt 1022- — Ab Gießen, 9. April, Vorzug 780, 1—4. Kl., 1150, an Frankfurt 2°3.
IV. Strecke Gießen-Fulda. Ab Gießen, 4. und 6. April, Vor- zug 529, 1.—4. Kl., 5oo, an Alsfeld 6«. _ Ab Fulda, 9. und 10. April, Vorzug 528, 1.—4. Kl., 2«, an Gießen 431. aaasaSESgfr
Die Reisenden werden dringend ersucht, möglichst die Vorzüge zu benutzen, weil diese Züge auf den Abzweigungsfiationen die Anschlüsse an andere Züge sicherer erreichen, als die nachfolgenden Hauptzüge. Die Beförderung der Reisenden erfolgt zu gewöhnlichen Fahrpreisen.
Die Nachtfahrzeiten von 622 Nm. bis 522 Bm. sind durch Unterstreichung der Minutenzjsser bezeichnet.
Gerichtssaal.
Hanau, 21. März. (Strafkammer.) Der 1868 geborene Frhr. Siegmund von der Tann, Mitglied des v. d. Ta."n'schen Fideikommisses, stand heute vor der Strafkammer. Er wurde vom Schöffengericht zu HUderS wegen Hausfriedensbruchs zu 12 Mk. Geld- trafe verurteilt, legte aber gegen da« Urteil Berufung rin. Ueber das Ftdeikommtß o. d. Tann ist fett dem Jahre 1893 die Administration verhängt und der Baron Hans o. d Tann-Rathsamhausen zum Administrator bestellt. Von diesem ist der jetzige Rentmeister der v. d. Tann'schen Güter eingesetzt, der die Verwaltung führt. Der Freiherr Stegmund kam eines Tags in das Büreau des Rentmeisters und verlangte Geld. Der Rentmeister erwiderte/: er habe ihm kein Geld zu geben und forderte ihn mehrmals auf, das Büreau zu verlassen; als dies nichts fruchtete, schob er ihn hinaus und draußen mußte er gewaltsam entfernt werden. Zur Rechtfertigung seiner Berufung bringt er vor, es sei sein eigener Grund und Boden und darauf könne er kein Hausfriedensbruch begehen. Er sei „Prinzipal" und habe bas Recht, das Bureau zu betreten. Der Raum ist aber vom Administrator dem Rentmeister überwiesen und so entscheidet das Gericht, daß der Angeklagte auf die betr. Aufforderung hin das Büreau verlassen mußte. Die Berufung wird deshalb verworfen.
Ararrkerrthal, 21. März. Ein Urteil, das wohl die Aufmerk- amketl weiterer Kreise erregen dürfte, fällte die Zivilkammer deS Landgerichts. Dr. Enteneuer, Besitzer und Leiter einer Naturhetl- anstalt für Kneippkuren in Rhöndorf, war als Fahrgast des Schnell zuges Köln—Bruchsal am 2. November 1898 an dem Eisenbahn- Unfall dieses Zuges auf der pfälzischen Station Rohrbach beteiligt. Durch ben Unfall entwickelte sich bei Dr. Enteneuer ein Nervenleiden, das ihn zur Ausgabe seiner Thätigkeit zwang. Nun strengte er eine Entschädigungsklage gegen die Verwaltung der pfälz. Eisenbahnen an und das Gericht verurteilte die pfälz. Eisenbahnen an den Kläger zu zahlen 1. einen einmaligen Betrag von Mk. 100090, 2. eine jährliche Rente von Mk. 20000 und 3. einen weiteren Betraa von ungefäbr Mk 3000 für Kosten.
Jagd und Sport.
Für die Gießener internationale Hunde- a u sstellung am 12. und 13. Mai 1901 interessieren sied die weitesten Kreise, denn aus Belgien, Schweiz, Oesterreich und dem gesamten Deutschland laufen täglich Meldungen ein, sodaß Gießen unzweifelhaft stark beschickt wird. Der junge Verein mit seinem erfahrenen und thatkräftigen Vor- tande läßt es auch au nichts fehlen, um die Aussteller auf alle Vergünstigungen aufmerksam zu machen. Er wird in jeder Beziehung allen, auch finanziellen, Anforderungen gewachsen sein, sodaß Gießen nicht allein eine stark beschickte, ändern auch eine mustergiltige Ausstellung werden wird. Wie aus dem Programm zu ersehen, ist Gießen eine Verbands-Ausstellung, und werden deshalb alle im Programm angesetzten Geldpreise unter allen Umständen, ohne Rücksicht auf die Zahl der Meldungen, ausgezahlt, also nicht, wie es bei sogenannten verkappten Medaillen-Ausstellungeu der Fall ist, die Auszahlung der Geldpreise von einer gewissen Zahl Meldungen abhängig gemacht wird. Dem Komitee wurden bis jetzt ca. 60 Ehrenpreise von privater Seite und von verschiedenen Spezialklubs zur Verfügung gestellt; erner stehen noch städtische, Staats-Ehrenpreise und Vereins-Zuchtpreise re. aus, sodaß die Zahl 100 leicht erreicht werden wird. Das Komitee ist somit in der Lage, bei Verteilung der Ehrenpreise allen Rassen gerecht zu werden. Tie Veröffentlichung der Ehrenpreisliste erfolgt in einer der nächsten Nummern.
Hunde-Ausstellung. Man schreibt uns aus Berlin : Die diesjährigen Frühjahrsausstellungen werden im Zeichen der Kynologie erscheinen. Unter Vorantritt des Vereins Berliner Händler, Züchter und Liebhaber von Rassehunden zu Berlin findet in Berlin auf dem Terrain der Aktienbrauerei Friedrichshain vom 20. bis 22. April eine Ausstellung von Rassehunden statt, die sich die große nennt. In Anbetracht des Umstandes, daß die bedeutendsten kyno logischen Vereine sich der Leitung beregten Vereins unter geordnet haben, und doch für sich in ihren Kreisen wirken, ist die Gewähr für ein großes Unternehmen gegeben. Besonders sei darauf hingewiesen, daß sich diese Hundeausstellung von den landesüblichen dadurch unterscheidet, daß ein veritabler Markt mit derselben verbunden sein wird. So wird sich denn für Züchter, Liebhaber, Käufer und Verkäufer ein weites Feld der Thätigkeit eröffnen. Anmeldungen sind bis zum 10. April zu richten an den Schriftführer Paul Günther, Berlin, Johannisstr. 2, oder an M. Hornschuh, Berlin, Linienstr. 198.
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.
-k. Mainz, 21. März. In dem soeben zur Ausgabe gelangten Jahresbericht der Mainzer Handelskammer wird die allgemeine wirtschaftliche Lage des Jahres 1900 folgendermaßen geschildert: „Das Jahr 1900 hat nach einer fünfjährigen Periode starker wirtschaftlicher Aufwärtsbewegung einen Rückschlag gebracht, der, obwohl erwartet, doch durch die Plötzlichkeit seines Eintrittes überrascht hat und in seiner Ausdehnung und Tiefe zu Ende des Jahres noch nicht klar zu übersehen ist. Die Ursache des Rückschlages ist in einer durch mehrere sehr günstige Jahre hervorgerufenen Produktionsüberspaunung einer Reihe wichtiger Gewerbezweige zu erblicken, mit der eine starke Be anspruchung des Geldmarktes und eine fortgesetzte Preis fteigerung für viele Produktionsmittel, Rohstoffe und Halb, fabriiate Hand in Hand ging. Hierdurch wurden dann auf der einen Seite zwar die Unternehmungslust eingedämmt, auf der anderen Seite aber eine, teils auf Besorgnis ein tretenden Mangels, teils auf ungesunder Spekulation be Tuhende übertriebene Nachfrage nach Masfenerzeugnissen hervorgerufen, die, durch plötzliche Ereignisse in ihrem Wesen beleuchtet, nun zu einer eben so übertriebenen Zurück Haltung und zu einem Preissturz für viele Erzeugnisse wurde. Da sich dieser Umschwung nicht auf allen Gebieten gleichmäßig vollzog, vielmehr auf einzelnen Gebieten des Warenmarktes, insbesondere bezüglich der Kohlen und des Roheisens, es gelang, die Preise hochzuhalten, und da ferner langfristige Lieserungsverträge in wichtigen Rohmaterialien einzuhalten waren, so ergab sich eine sehr un gleichmäßige Lage für die verschiedenen Geschäftszweige, zu denen nun einige beispielsweise wichtige Teile der Eisen inbiiftrie infolge des Mißverhältnisses zwischen Herstellungs preisen und Fabrikatpreisen sich geradezu einer Krise aus gesetzt sehen, andere zunächst noch in verhältnismäßig günstiger Lage sich befinden. Gelingt es, hier einen Ausgleich herbeizuführen, d. h. auch den bedrohten Geschäftszweigen wieder lohnenden Absatz zu verschaffen, so kann in abseh barer Zeit die vorhandene Abschwächung überwunden wer den, andernfalls ist eine weitere Ausdehnung der rückläufigen Bewegung nicht ausgeschlossen. Die sonstigen Voraussetzungen für eine Gesundung der wirtschaftlichen Lage scheinen vorhanden zu sein, sodaß nach dieser Richtung einer Besserung besondere Schwierigkeiten nicht entgegenftetjeu dürften."
Meralur.
Die Insel der Blödsinnigen betitelt sich ein lustiges Bilderbuch, das sich schon durch diesen Titel als eine blutige Satire ankündigt. (Berlin, Lustige Blätter, Mk. 1.50). Tollheiten der Moderne besonder» auf illustrativem Gebiete, werden götzlich persifliert und karikiert. Be sonders auf die Symbolisten ist es abgesehen.
In einem nie geschauten Land
Fühlt sich der heutg'e Meister wohl,
Und was man Blödsinn einst genannt, Nennt man in Ehrfurcht heut — Symbol.
So singt einer der bösen Dichter des Buches, die Übrigens selbst kein übeles Talent verraten. Aber nicht nur die Malerei, sondern auch die Dichtkunst, die Musik, die Architektur und das Kunstgewerbe werden mit gutem Humor vrrspottet. Vereinzelte Stellen des Buches sind übrigens ungehörig.
^eifiansto,fe'Sammte*Velvets”'^' w ölilwll Blusen, Besatz liefern wir birrht an «rioatr. Man Verl. Muster unserer großen LluSwal l. von Elten & Keussen, Handlung Krefeld.
gute Wiedergabe des charakteristischen Freskokolorits auszeichnet. #
Zur Beurteilung der Einzelgemälde übergehend, erwähnen wir in erster Linie Heidels (Dresden) vorzügliches Oelgemälde „Meisterpredigt". Ein schöner Gedanke in vollendeter Ausführung: Der Gedanke nämlich, eine geistige Konzeption — hier die einer Predigt — darzustellen, sie aus einer landschaftlichen Stimmung herauswachsen zu lassen. Technisch heben wir die meisterhafte Behandlung des Vordergrundes hervor, dagegen möchten wir den Regenbogen gern missen.
Eine sehr gute Aprilstimmung hat v. Wilke (Düsseldorf) ausgestellt: „Frühling in der Eifel". Von Schick- Hards ((Stuttgart) beiden Bildern gefällt uns„Waldinneres" besser als „Säntis", dessen Sujet etwas absichtlich absichtslos gewählt scheint. „Castello die Tenno" von Löbekke (Braunschweig) ist zu dekorativ gehalten und leidet durch den Mangel an Details im Vordergrund, der auch etwas eng erscheint. Zeichnerisch und koloristisch vorzüglich ist £ V n n § (Braunschweig) „Brandung bei Nervi", oa» sich durch sehr gute Wiedergabe der feuchten, regnerischen ^.uft auszeichnet. A st u d i n (Wiesbaden) malt ausge- sprockwn dekorativ, und der dekorativen Wirkung feiner
-r ?n.nnt LeAn ivarmes, sattes Kolorit zu gute, nament- ftd) in feinen Rheinlanhfchaften Dagegen leidet darunter die realistische Wirkung, so in seinem jetzt ausgestellten Gemälde „Herbst". Das Charakteristikum einer Herbststimmung ist klare, harte Luft und daher kalte, harte Lokaltöne und klare Ferne. Astudins warmes Kolorit ist hier nicht angebracht, vor allem ist die Luft zu schwül. Daß Astudin schöne Rheinlandschaften malt, hat er uns schon besser bewiesen, als mit seinem kleinen Bild Rhens a. Rh. Sie sind seine ureigenste Domäne, und sein warmes Kolorit tragt viel bei zu oem rninenhasten (tauber, den bei ihm
elbft die Dampfschiffe an sich tragen. Wir erinnern nur an: „Bacharach vom Bismarckturm aus", an „Boppard vom Rhein aus". Daß seine SckMester viel von ihm gelernt, zeigt ihr kleines Bild: „Treidelpferde am Niederrhein". Unter zu warmem Kolorit leidet aucy der „Herbsttag" von Jörns (Charlottenburg), der eher ein Spätsommertag zu fein cheint. Letzteres gilt von dem „Herbstmorgen", den Bind e- wald-Berlin (der Reichstagsabgeordnete) ausstellt. Im übrigen beruht die sonst recht brillante Wirkung dieses großen Bildes, ebenso wie die seines auch in der Stimmung guten „Sommermorgens" auf der überaus flotten Manier dieses Künstlers. Wir wären gespannt, ihn auch auf anderen Gebieten der Malerei kennen zu lernen. Das etwas dekorativ gemalte Bild „Genuesische Fischer" von v. Kleutzen (Bordighera) zeigt gute Behandlung der bewegten Meeresoberfläche. Sonst erwähnen wir noch von landschaftlicher Oelmalerei eine gute Regenstimmung von Nikutowski (Düsseldorf): „Alte Straße in Düsseldorf" und „Straße von Venedig" von Lipps (München), das durch gute Wiedergabe des bewegten, flirrenden italienischen Straßenlebens zeigt.
Das Gebiet der Genremalerei tft sehr gut vertreten durch einige Bilder von Horn (München). Am besten gefällt uns „Lesende", das sich auch technisch durch Bravour der Pinselführung und meisterhafte Wiedergabe des hellen aber fahlen Gesamttons mittelst sehr reiner, nebeneinandergelegter Farben auszeichnet. Vorzüglich ist der habituelle, wie der mimische Ausdruck. Horns „Salome" scheint uns zu reif, und ihre Begehrlichkeit nicht bis zur tückischen Launenhaftigkeit. gesteigert. Tas Kolorit des Bildes ist uns nicht ganz verständlich. Wir meinen, lichtere, aber weniger ausgesprochene Farbentöne entsprächen mehr dem Dämmerlicht. Alle Bilder Horns überraschen durch sprechend wahren, i n - dividueNen Ausdruck, der dem eines guten Porträts
nicht nachsteht. In einer kleinen landschaftlichen Studie hat Horn den allerdings etwas billigen Beleuchtungseffekt, den die untergehende Sonne im hochstämmigen Fichtenwald macht, wirksam ausgenutzt. Das Innere einer „Pick-erei" hat Backup (Hamburg) sehr realistisch dargestellt; die etwas pofenhafte Stellung der Figur im Vordergrund vermag ben an eine Momentphvtographie erinnernden Eindruck faum zu stören, die die von jeder eklektischen Betonung freie Auffassung macht. Ein Maler, der es mit dem Realismus ernst nimmt, ist Schulderer (Frankfurt). Leider läßr er bei allem ernsten Streben nach Realismus der Technik, den Realismus der Auffassung vermissen; feine Bilder sprechen trotz sorgfältigster technischer Einzelbehandlung nickt an. Er giebt keine sich bietenden Eindrücke wieder, sondern im Atelier zusammengestellte Gruppen, wie in feinem gegenwärtig ausgestellten Bild: „Am Fischmarkt" und bart „Blumenmädchen" der vorigen Sammlung. Diese Bilder machen trotz lebender Staffage immer den Eindruck von Stillleben und können als solche nur technisches Interesse beanspruchen. Der Realismus der Technik ist verschwendet zur Darstellung eines realistischer Wirkung unfähigen, künstlich zusammengestellten Sujets. Tie bekannte 93lumen* malerin Lobedan (Berlin) stellt einen „Weißen Rosen- busch" aus, der von der landläufigen Blumenmalerei ben Vorzug impressionistisch angehauchter Darstellung hat.
Aquarelle sind nur spärlich vertreten. Wir erwähnen außer den flüchtigen Skizzen von Ismael Gentz: C. A g t he (Berlin) „Motiv aus Torbole am Gardasee" und „Motiv ans Burghausen", ersteres das bessere, und. Voß (München) „Aus Siena". Eine Reihe von schwach illuminierten Blei? stiftzeichnungen hat Frl. W e y r i ch (Mainz) ausgestellt.


