Ausgabe 
23.4.1901 Drittes Blatt
 
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Nr. 94 Drittes Blatt.

151. Jahrgang.

Dienstag 23 April 1901

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MetzenerAnzeiger

General-Anzeiger v

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Stehen

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Ibrtfle für Depesch: la geifer «ehe».

Kerusprechanschluß-tt.GL.

mit einer Freiin Herrmann v. Sonnfels. Er nahm seinen Abschied und eilte nach Kvnstein zurück, nro er zu seinem Erstaunen feine erste Gemahlin noch am kleben und eben von schwerer Krankheit genesen fand. Er verließ sogleich die zweite Frau und kehrte zu der ersteren zurück. Jetzt kommt ober das Merkwürdigste an der Sache, die erste Frau bat so lange bei der geistlichen Obrigkeit, bis auch die zweite die Erlaubnis erhielt, bei ihr im Pfleahaus zu wohnen, wobei Leoprechting sein Ehrenwort gab, seiner Erstangetrauten treu zu bleiben. Beide Frauen wohnten in Eintracht nebeneinander, und als die zweite bald nach der Rückkehr einem Töchterchen das Leben schenkte, sorgte die erste für das Kind, als wäre sie die eigene Mutter, Für die Seelengröße der ersten Frau spricht, daß sie noch auf dem Totenbette ihrem Gemahl das Wort abnahm, die zweite nach ihrem Ableben wieder zu heiraten, ein Wunsch, dem der Freiherr auch nachkam. Leoprechting überlebte seine zweite Gemahlin um neun Jahre.

* I. Atherton, Zweitkommandierender der Prinz von Wales-Husaren, der jetzt in Südafrika ist, hat in London die Scheidungsklage gegen feine Frau, Mabel Luisa Atherton, anhängig gemacht. Die Klage kann ober nickt vor einigen Monaten und wird vielleicht nie zur Verhand­lung kommen, da von den Freunden des eben erst ver­heirateten Herzogs von Westminster er soll Beziehungen zu Frau Atherton gehabt haben alle möglichen Anstreng­ungen in dieser Richtung gemacht werden und Könia Ed­ward sich persönlich um eine diskrete Beilegung dieses Skandals in den blaublütigen Kreisen Eng­land s bemüht. Dem betrogenen Major Atherton ist, wie verlautet, ein Check von 40 000 Pfund angeboten worden, wenn er die Geschichte nicht verfolgen will, er hat aber das Angebot mit Entrüstung ab gelehnt. Die gesellschaftliche Stellung des Klägers als Zweitkommandierender eines der Elite-Regimenter der britischen Armee, sowie die gesell­schaftliche Stellung der beklagten Mabel Luisa Atherton, Schwester von Sir Aubrey Paul, machen diesen Prozeß zu einem Tagesereignis ersten Ranges, da die ersten Kreise der britischen Aristokratie beteiligt sind. Die Beklagte war ihrem Gatten nach Südafrika gesollt, als dessen Regiment im Korps Methuens am Modder River stand und hat dort durch ihre lästige Aufdringlichkeit den jungen Offizieren gegenüber viel Anlaß zu Redereien gegeben, was bekannt­lich einen englischen Arzt in laute Klagen über dieWeiber- £eft" im britischen Lager ausbrechen lie& Nicht bloß brachte die Sirene den Herzog von Westminster, damals noch Lord Beigrave, in ihre Netze, sondern auch andere Offi­ziere und südafrikanische Goldvarone wußte sie zu be­tören. Mit dem Major Atherton ist sie seit 1892 ver­heiratet und Mutter eines 1899 geborenen Sohnes.

Ein Mädchen, das Nadeln schluckt. Wie aus Paris berichtet wird, erregt ein fast unglaublicher patho­logischer Fall das Staunen der Aerzte. Ein junges Mädchen, das jetzt 16 Jahre alt ist^hatte sich als elfjähriges Kind damit amüsiert, Nähnadeln zu verschlucken. Die Spitzen derselben bringen jetzt allmälig durch die Haut hervor, und ein Apotheker, unter dessen Obhut das Mädchen steht, hat bereit» 120 Nadeln extrahiert. ES kommen aber jeden Augenblick noch andere zum Borschein. Unbehagen hat das Mädchen nie empfunden.

Vermischtes.

* Gin bayerischer Graf von Gleichen. Man schreibt denMünch. N. N.": Die Sage von dem gleich­zeitig mit zwei Frauen vermählten Grafen von Gleichen ist allgemein betannt. Selbst in Bayern dürften aber Wenige wissen, daß einer unserer Landsleute sich durch ein ähnliches Geschick auszeichnete. Dem damals churfürst- licheu Pflegamt Konstein bei Eichstätt stand von 1772 bis 1792 als Hauptpsleger Jakob Frhr. v. Leoprechting auf Töltsch aus einer noch heute in Bayern existierenden Fa­milie vor. 1745 hatte er sich mit einem Fräulein von Bidenfeld vermählt, zog als Offizier eines churbayerischen Kavallerie-Regiments in den Krieg und erhielt noch im Felde die Nachricht von dem Ableben ferner Gemahlin. Ehe er wieder heimkehrte schritt er zu einer neuen Ehe

Wie De Wet entwischt.

Oft fragte man sich, wenn wieder die Nachricht ein­traf, daß De Wet feinen Verfolgern entwischt war, wie er e0 anstellt, um der ungeheuren Ueberrnacht zu entgehen. Go war auch vor einigen Monaten Te Wet wieder entschlüpft, trotzdem die Engländer schon vorher Siegesberichte ge- riieldet und seine bevorstehende Gefangennahme bei Bothas- ville gemeldet hatten. Ja, sie sprachen nicht nur von einer Niederlage, sondern von einer Vernichtung De Wets, sodaß man glauben konnte, er existiere gar nicht mehr, wenn er nicht bald ein so deutliches Lebenszeichen gegeben hätte. Wie dieser vermeintliche Sieg der Engländer, dieGe- fangennahme" De Wets, feine wirkliche Rettung sich voll- Kog, giebt ein Brief des Korrespondenten der WienerNeuen Freien Presse" aus Johannesburg zu beobachten die Mög­lichkeit, der trotz aller Zensur Transvaal verlassen konnte. Dort heißt es:

Anfangs November wird De Wets Lager nordwestlich «on Krvonstad bet Rheebokfontein konstatiert. General Knox beschließt. De Wet einzuschj-ießen, und läßt drei Kolonnen konzentrisch gegen De Wets Lager vvrrücken, und zwar le Gallais von Honigspruit, de Liste von Kopses nördlich Rhe- irofter, die Kolonial-Division von derselben Aufbruchstation, doch den Gegner nördlich umgehend, um ihn vorn Vaal äbzu- schneiden. Am 3. November wird der vermeintliche Lager­platz De Wets erreicht, doch vom Gegner verlassen gefunden. Die Verfolgung wird in der Direktion auf Bothasville fort­gesetzt und am frühen Morgen des 9. November in der ^ähe dieses Ortes das Lager De Wets durch die Vorhut le Gallais entdeckt. Letztere entwickelt sich zum Gefechte, erleidet große Verluste, wird von den nachrückenden Trup­pen verstärkt, welche nach und nach das Burenlager von drei Seiten einschließen. Endlich trifft die Kolonne de Liste ein, die Einschließung des Burenlagers vollendend. Nach sechseinhalbstündigem Kampfe kapituliert dasselbe. Was finden die Sieger, welche De Wet einschließen und zur Kapi­tulation zwingen wollten und zu diesem Zweck eine kompli­zierte Operation mit bedeutenden Kräften ein geleitet hatten ? xsunbcrt Mann nach eigenen Angaben in Wirklichkeit gewiß nicht mehr als diese Zahl einschließlich der Toten und Verwundeten im Maximum, ferner sieben Kanonen ver­schiedenster Gattung, zum Teil von den Engländern erobert, für die Buren bei ihrer jetzigen Kampsesweise wertlos, weshalb sich alte Kommandos bei Beginn des kleinen Krieges von den schweren Geschützen entlastet hatten. Bei Bothasville scheint das Arsenal De Wets für die eroberten und sonst unbrauchbaren Kanonen gewesen zu sein. Beweis dessen, daß diese Geschütze in dem Gefecht gamicht zur Ver­wendung tarnen. Um welchen Preis wurde dieser Erfolg erkauft? Unter den Toten befindet sich General de Gallas, unter den Schwerverwundeten Oberst Roß. Weiter verlor die Vorhut allein vier Offiziere. Die Gesamtzahl der Toten und Verwundeten dürfte sich auf mehrere Hundert belaufen. Vergleicht man den Operationszweck des Generals Knox Vernichtung der Streitkraft De Wets mit dem erreichten Resultat dieser Operation: Gefangennahme von 1OO Mann, fa muß nach militärischen Begrifffen der europäischen Groß­mächte die ganze Unternehmung seitens der Engländer als operativ mißlungen bezeichnet werden. Worin liegt der <*ninb dieses Mißerfolges? Darin, daß Knox durch eine kleine Nachhut des abziehenden Gegners sich mit feiner ganzen Straft aufhalten ließ, statt dieselbe durch, eine Ab­teilung zu binden, mit der ganzen Kraft aber De Wet auf der Ferse zu folgen. Auf der Seite der Buren stellt sich das Gefechtsresultat folgendermaßen dar: De Wet bestimmte zur Deckung seines Abmarsches eine Nachhut von etwa 1OO Mann. Dieser gelang es, den verfolgenden, vielfach überlegenen Gegner zu binden, hierdurch für die Haupttruppe einen Zeitgewinn von sechseinhalb Stunden zu erkämpfen, welcher genügte, um dieselbe der eminenten Gefahr der Vernichtung iit entziehen. Der Kommandant der Buren-Nachhut hat seine Aufgabe vorzüglich gelöst utd wäre in jedem europäi­schen Militärstaate mit dem höchsten Orden für seinen Erfolg ausgezeichnet worden. General Knox hingegen würde in jeder Kontinental-Arniee für seinen Sieg bei Bothasville mit der nächst höheren Charge ab honores pensioniert worden fein.

Politische Tagesschau.

Tie Frage des Sommerurlaubs für Äuge­st e l k t e beginnt mit dem Nahen der besseren Jahreszeit wieder aktuell zu werden. In den englischen und amerika­nischen Geschäftshäusern, in denen gewiß stramm gearbeitet und von jeder Kraft die höchst erreichbare Leistung gefordert lmrd, gehört ein Erholungsurlaub für die Angestellten bis zum Lehrling und Packer zu den längst eingeführten Bräuchen. Bei uns in Deutschland will sich diese Praxis nur langsam einbürgern, es wird zähe an b£mAlten", Bewährten" festgehalten weil es so am bequemsten ist.Die jungen Leute haben ja die Sonn- und Feiertage zur Ausspannung", heißt es. Daß das hjnreichend wäre, um die Anstrengungen und gesundheitlichen NcuhteUe des kauf­männischen Berufs auszugleichen, besonders bei den in Kontors Beschäftigten, das wird schwerlich ein Sachver­ständiger behaupten wollen, zumal die Anforderungen des heutigen Erwerbslebens, die Hast und Unruhe der Thätigkeit in Betracht gezogen. Zu den gegenwärtig stattfindenden Ermittelungen beiKommission für Arbeiterstatistik" über die Verhältnisse der Kontorangestellten hat

der größte kaufmännische Verein Deuschlands, der Verein für Handlungskommis von 1858 in Hamburg, nach einer längeren Zuschrift an und, durch Umfragen einen inter- essanten Beitrag in Bezug auf Hamburg und Altona ge­liefert HinfickMch der Arbeitszeit kommt das Resultat dem Durchschnitt eines allgemeinen neunstündiger Normalarbeitstages ganz nahe. Von den rund 1360 Ham burger und Altonaer Bettieben, die Auskunft erteilt haben gewähren nur 500 Betriebe den Angestellten Sommerurlaub Dabei dürften gerade in Hamburg, wo gerne die über seeischen Einrichtungen adoptiert werden, die Verhältnissc noch besonders günstig liegen nach dieser Richtung hin Tie Umfrage giebt erneuten Anlaß, auf die Zweckmäßigkeit des Erholungsurlaubs hinzuweisen. Die Geschäfte, die ihr ein geführt haben zumachen" ist die Sache bei etwa- geschickter Disposition, sind von dem Erfolge sehr 6e- friedigt Es ist nicht nur menschenfreundlich, jonberr auch klug und praktisch gebandelt, denn die gefteigerh Arbeitslust und Arbeitskraft des Ausgeruhten kommt der betreffenden Geschäften zu gute.

Die Monatsschrift für Stadt und Land (früher Konser.

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und damit ist jene philosophische Richtung (die es ver. teibigen will) vernichtet. . . Wir verdammen das Duek entschieden, als dem Worte Gottes zuwider."

vative Monatsschrift) veröffentlicht folgende Erklärung: Da- Evangelisch-protsftantische Kirchenblatt brachte folgende, vor verschiedenen Zeitungen nachgedruckte Mitteilung:In bei Konservativen Monatsschrift hat ein Ungenannter ge schrieben:Es ist dasDuell ein Symbol des allen und ewig vollgültigen Opfers Jesu Christi." Und solch an Blasphemie streifende Weisheit will konservatives, recht gläubiges und alleinberechtigtes Christentum sein". Dem. gegenüber stellen wir folgendes fest: Im Augustheft bei Jahrganges 1896 der Konservattven Monatsschrift, alsc vor 4 dreiviertel Jahren, ist alsEingesandt aus berr Leserkreise" ein Aufsatz zur Duellfrage aus dem Jahre 185' wieder abgedruckt, in welchem die Geschichte der Ver. Ordnungen gegen das Duell von den Zeiten Kaiser Maxi, milians an erzählt wird Wie sich dasselbe trotzdem er- halten habe, wird dann untersucht. Unter anderem wirt angeführt, daß es selbst bei Christen in einer Art Mysticis mus Verteidigung gefunden habe. In der Beschreibung dieses Mysticismus kommt auch der oben erwähnte Sas vor, der jetzt, aus dem Zusammenhänge gerissen, geger crusgebeutet wird. Der Verfasser jenes Artikels aus dem Jahre 1857 bezeichnet seinen Standpunkt zum Tuek mit den Worten:Es ist durch Gottes Wort gerichtei

A» Stadt Md Kaad.

Gießen, den 22. April 1901.

** Ane Keldbriefpost »ich Chile geht von Berlin a» Freitag, den 26. April ab. Sie erreicht unsere Truppen etwa Anfang Juni. Diese Feldpost befördert nur Brief« und Postkarten. Schl«ßzeit für Berlin ist Freitag früh 10 Uhr.

Bi»-e», 19. April. Die hiesige Handelskammer hat an das Mnisterium in Darmstadt eine Eingabe gerichtet, die die Regierung ersucht, dem Entwürfe der Weingesetz. Kommission die Zustimmung zu versagen, vielmehr beim Bundesrate zu wirken, daß das Gesetz vom Jahre 1892 dahin abgeäudert werde, daß die Herstellung von Kunst- wein verboten, und unter Strafe gestellt wird, unter Zu­grundelegung der bekannten Mainzer Beschlüsse der Vertreter von Handelskammern, Vereinen und Verbänden. Die Han­delskammer erachtet dieses Verbot als genügende Borbeugungs­maßregel gegen Ausschreitungen, wie auch als hinreichenden Schutz für den Verzehrer.

* SRtbtt Atttteilmlgeu al Hessen ob bat RichHarstoleu. Der Direktor des Wiesbadener RefidenztheaterS will auf die Dauer von zwei Monaten im kommenden Sommer im Stadttheater zu Mainz Vorstellungen geben, und hat ein entsprechendes Gesuch an die Mainzer Stadtverwaltung ge­richtet. In Homberg a. b. Efze verstarb der lang­jährige Alterspräsident des Sommnnallandtages der Provinz Hessen Naffau Bürgermeister a. D. Wilhelm Winter. Er war seit 1852 Mitglied der 2. kurhessischen Ständekammer, seit 1881 des Kommunallandtages und seit 1890 bis zuletzt des Landes-Ausschusses.

Der Tabakbau im europäischen Rußland.

Nach dem Berichte eines landwirtschaftlichen Sachverständigen.

Der Tabakbau liegt in Rußland im allgemeinen in bett Händen von Kleinbauern; die Lage dieses Nutzzweiges & gegenwärtig recht ungünstig: am meisten werden geringe Tabake gebaut, da aber die Regierung auf edlere Tabake durch IjaTte Besteuerung der unteren Qualitäten hinarbeitek, so werden diese für die Zukunft einen schweren Stand haben.

Tie schwächeren Elemente unter den Tabakbauern wer­den den Anbau türkischer Tabake einstellen müssen, die ka­pitalkräftigeren dagegen Anbau-Verbesserungen anzustteben gezwungen sein. Äe geringeren Tabakaualitäten wird man versuchen im Auslande abzusetzen; da dieser Versuch wenig Erfolg haben wird, so werden sie vielleicht später in irgenb einer Form der Bauerntabak-Jndusttie überlassen werden. Jedenfalls dürften sich die Schwierigkeiten, mit denen der russische Tabakbauer bei dem Anbau türkischer Tabake heute zu rechnen hat, bestimmt nicht vermindern.

Der Umfang des Tabakbaues ist aus folgender Zu­sammenstellung über das letzte Jahrzehnt ersichtlich:

Ganz Rußland:

Jahr 1890

P stänker 635 524

Hektar 48505

Ernte dz von 1 ha

13,3

1891

593 793

51005

10,8

1892

670897

60070

13,0

1893

644 303

59 200

15,0

1894

597 835

52 588

13,3

1895

538532

53 240

13,2

1896

594 785

61180

13,1

1897

622 220

67180

12,0

1898

580 302

67 610

12,2

Die besseren russischen Tabake würden wesenttrch bessere wie die gegenwärtigen Preise erzielen können, roenn >er Kultur und der Bearbeitung mehr geordnetes Ver- tändnis und größere Sorgfalt zugewandt lyürbe, wenn erner überall danach gestrebt würde, die passende und