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22.5.1901 Drittes Blatt
 
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181. Jahrgang

Mittwoch SS. Mai 1901

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General-Anzeiger

g--^a, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Giehen

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*) Romagnoli scheint noch nicht gefaßt worden ZN sein.

dem von ihr dem her­auf

vereinigt mit dem Vorzüge der Billigkeit den einfacher Bauart und mässigen Ge­wichtes. oooooooooo

Die Blickensderfer Schreibmaschine

No. 5 M. 175-, No. 7 M. 225.-

Mehrmals habe Romagnoli eingeschriebene Briefe post­lagernd erhalten, so auch einen am 16. März, den er in Gegenwart von Caceres öffnete, um nach Kenntnisnahme des Inhalts in lauten Juoel auszubrechen. Caceres be­hauptet, Einsicht in den Zettel genommen zu haben, dessen lurzer Inhalt wie folgt lautete (in spanischer Sprache?): Lieber Genosse! Dir ist der Augenblick gekommen, Deine

Tamastläufer hasten. Und da sie auch eine Reihe bekannten Schriftstellern und Künstlern zu den bei regelmäßig Geladenen zählt, so haben diese auch auf Tamaststreifen ihre gesellig-poetischen Talente nicht gessen und hier und da, außer ihrem Namen ein

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Nach den Geheimatten der argentinischen Polizei.

Katalog und Vorführung durch die

Brühlsche Druckerei, Giessen, Schulstrasse 7.

führen, auf diesen weißen Tischtäufer schreiben und stickte diese Unterschrift mit feiner Hand genau nach, sodaß die Namensauwgraphen ihrer Tafelrunde dauernd auf

Nrrmischtks.

* Eine neue Mode ist von einer Berliner Dame für ihre kleineren und größeren Tischgesellschaften erfunden worden. Man kennt die feinen buntgestickten Tischläufer, die über die Tafeltücher gelegt werden und den anmutigen Eindruck Hervorrufen, als seien lebende Blumen auf die weißen Damasttück)er verstreut worden, die man ja auch selbst als Tafelschmuck anwendet. Die genannte Dame, ein Talent der häuslichen Geselligkeit, die einer intimen Mittagstafel mit besonderem Geschick zu präsidieren versteht, hat nun einen einfachen, weißen Tischläufer ohne Blumen­muster mit feiner Hand in eine Art von Autographen­sammlung verwandelt. Sie ließ, ihre Gäste nacheinander ihren Namenszug, wie sie ihn gewohnheitsmäßig aus-

Meratur, Wissenschaft und Kunst.

Im Berlage der Hofbuchhandlung von Karl Siegismund in Berlin erschien: Stecherts Armee- Einteilung und Quartier-Liste des deutschen Reichsheeres und der Kaiserlichen Marine. 336. Ausgabe. 42. Jahrgang. Nach amtlichen Quellen bearbeitet und herausgegeben von der Redaktion des Deutschen Soldaten­hortes. Einzelpreis 80 Pfg. Die seit 42 Jahren regelmäßig erscheinende Armee-Liste enthält eine tabellarische und sehr deutschen Armee mit namentlicher Angabe der Chefs (In­haber), Kommandeure und Standorte, sowie kurze Uni­form-Beschreibungen und Abbildungen der Regiments- Namenszüge, ferner die Personalien der Kriegsministerien und höheren Militär-Behördcm, die Generalsbäbe, Inspek­tionen, Gouvernements und Kommandanturen, Erziehungs­und Bildungswesen, Verwaltungsbehörden; ferner die Land­wehr- und Territorialbezirke, ein Verzeichnis sämtlicher Truppenteile nach Waffengattung und Nummernfolge und ein alphabetisches Verzeichnis der Garnisonen mit Armee­korps-Zugehörigkeit. Die AbteilungKaiserliche Marine" ent­hält die Personalien des Reichsmarine-Amtes, die Ober­kommandos und Inspektionen, die Küstenbezirke, Verwal­tungsbehörden, Schutztruppen für die Kolonien, das ost­asiatische Expeditionskorps und eine genaue Liste Sr. Maj. Kriegsschiffe nebst. Deplacement und Pferdekräften. Für den praktischen Gebrauch aller Behörden, Polizei- und Ge­meinde-Verwaltungen, besonders für alle Beamten mili­tärischer Bureaux ist dieses altbewährte Armee-Schema ein unentbehrliches Hilfsmittel. Hinsichtlich der höheren Chargen bietet es einen sehr brauchbaren Ersatz der großen, sehr viel teureren Rangliste; es ergänzt dieselbe durch die Sächsischen und Bayerischen Truppenteile, welche die Rangliste nicht enthält.

Tie Gesellschaft", die bekannte moderne Halb Monatsschrift, erscheint mit ihrem ersten Aprilheft zum ersten Male unter dem neuen Herausgeber Tr. Arthur Seidl am Orte München. Tie Schriftleitung giebt zu An fang unter dem TitelWiederkehr des Gleichen? Zur Einführung", die Ziele der neuenGesellschaft" kund. Ter erste ArtikelKamerun oder Kiautschou"?, hinter dessen pseudonymem VerfasserTolytropos" sich (nach einer Fuß­note der Schriftleitung) ein berufener Sachverständiger unserer Kolonialpolitik und gewiegter Kenner der ein schlägigen lokalen Verhältnisse birgt, führt uns auf ein Streitgebiet des praktischen Lebens. In des Kölner Otto

Tinerfreuden hinweisendes Wort in Vers und Prosa in dies neuartige Autographenalbum gesttftet. Tie erfindungs­reiche Dame besitzt bereits eine Reihe von derartigen Läufern, aber die Krone dieses gestickten Handschriftenschatzes ist die Schilderung eines besonders denkwürdigen und an­regenden Mahles, von dem jedes Gericht von den Anwesen­den nfit einigen lustigen Reimpaaren glossiert wurde, die von denFeenhänden" der Hausherrin wie Scribe sagt in ganz feiner Stickerei in den Handschriften nachgezogen wurden. Aber mit dem Stolz und dem Ehrgeiz einer eckst en spürsinnigen Sammlerin betrachtet die Erfinderin dieses auwgraphischen Tischläufers diesepoetischf-estthetischen Er­güsse ihrer Autoren" ausschließlich als ihr Eigentum und verwehrt den vielen Bittstellern die Abschristnahme davon. So dürfen wir nur diesen Hinweis auf die interessante Neuerung veröffentlichen, bis vielleicht nach Jahren die Dame sich, entschließt, ihresämtlichen gestickten Werke, nach bekannten Auwren", selbst herauszugeben.

Tirektor Heller selbst ausdrücklich betont, nicht um die Heilung eines absolut blinden Menschen, sondern um die heilvädagogische Ausbildung eines erheblich eingeschränkten Sehfeldes, das dem Kinde vorher nicht zum Bewußtsein gekommen war. Tie Beobachtungen und Erfahrungen einer 28jährigen Praxis als Heilpädagoge haben Tirektor Heller in der Blindenschule wiederholt veranlaßt, bei erheblichen Sehresten das Gesicht gleichzeitig mit dem Tastsinn in An­spruch zu nehmen. In dem vorliegenden Falle handelt es sich,, was bisher nicht gelungen ist, um einen erfolgreichen Versuch, einem nicht sehenden Kinde den Elementarunter­richt von vornherein und ausschließlich durch den Gesichts­sinn zu erteilen. Charakteristische Kopfbewegungen, die besonders am Beginne des pädagogischen Verfahrens zu beobachten waren, lassen die erzielten Erfolge durch eine zweckmäßige Benutzung eines erheblich eingeengten Seh­feldes erklären: gründliche Untersuchungen haben aber auch jichergestellt, daß das Kind sich dieses Sehfeldes nicht be­wußt war, es von selbst nicht zur Benutzung brachte, und es auch ferner nicht benutzt hätte, und daß dieses Bewußt- ssein uno die daraus resultierende Fähigkeit zur Ver­wendung erst durch die herlpädagogische Einwirkung und Hebung hervorgerufen wurde. Tiefe Thatsache bezeichnet die psychologische Seite des Falles. Direktor Heller berich­tet über die von ihm angewandte Methode: Zuerst wurde in einem völlig verdunkelten Raume ein Lichtkreis er­zeugt, die Lokalisation desselben geübt und in diesen Licht­kreis gelegte, vorher betastete Gegenstände durch das Auge unterschieden. Derselbe Vorgang wurde im verdunkelten Raum unter auffallendem Lichte wiederholt. Tie durch transparente Gläser vermittelten Farben wurden von dem Kinde zunächst alsanderes Licht" bezeichnet. Durch Namengebung lernte es die Farben als solche kennen. Tie Unterscheidung geometrischer Formen führte zu der von Buchstaben und Zifferzeichen. Auf der zweiten Stufe des Unterrichts fiel die vorhergehende Betastung der Gegenstände gänzlich und für immer weg und gegenwärtig ist das Kind nach einem Unterricht von 14 Monaten im stände, im Tageslicht oder bei künstlicher Beleuchtung in stetig zu­nehmender Entfernung ohne erheblichere Kopfbewegung mit freiem Auge zu lesen, Farben, Formen und Gegenstände zu erkennen, zu lokalisieren und zu unterscheiden. Ta bei vielen sogenannten Blinden das Nichtsehvermögen auf die­let b en Ursachen zurückzuführen fein dürfte, wie in dem vorliegenden Falle, so ist zu hoffen, daß eine große ?Zahl derselben nach der neuen Lehrmethode Direktor Hellers nunmehr das Sehen wieder erlangen können.

o, Buenos-Ayres, 22. April.

Aus der zweitgrößten Stadt Argentiniens, Rosario, dem bedeutenden Handelsplatz am Paranafluß in der Pro- ötnA Santa Fe, soll Mitte März ein Mordbube nach Deutsch­land gereist sein mit der ausgesprochenen Absicht, unserem Kaiser einen vergifteten Dolch in den Hals zu stoßen. So lautet die vor wenigen Tagen hier zur Ver­öffentlichung gelangte Schreckensnachricht, die jedoch weit weniger Beachtung fand als anzunehmen war, weil die Persönlichkeit, durch welche die Anzeige erfolgte, einen durchaus ungünstigen Eindruck hervorbringt. Ihrem Berichterstatter liegt eine beglaubigte Abschrift der be­treffenden Geheimatten vor, aus der sich nachstehend ge­schilderter Sachverhalt ergiebt.

Ein Mann von zweifelhaftem Charakter machte der Geheimpolizei von Rosario die Mitteilung, in dem kleinen Gasthaus, in dem er wohne, sei vor kurzem ein junger, von der Stadt Santafe kommender Italiener eingezogen, dessen Auftreten und Benebmen Verdacht erregen müsse. Der Angeber, Caceres mit Namen, wurde darauf mit der Ueberwachung des Verdächtigen beauftragt. Er gebahrte sich demselben gegenüber als begeisterter Anarchist und verstand nach und nach sich so in sein Vertrauen zu drängen, daß Rodolfo Romagnoli ihm erzählte, die in Newyort bezw. Patterson tagende oberste Leitung der An­archisten hätte das Los entscheiden lassen über die Reihen­folge der vorzunehmenden E r m o r d u n g e n v o n K a i s e r Wilhelm, Zar Nikolaus, Königin Elena von Italien und Graf von Turin, und daß das Los unfern Kaiser als ersten bezeichnet habe. Nun soll Romagnoli sich weiter geäußert haben bleibe noch zu bestimmen, welcher der Genossen den Blutauftrag zu erfüllen habe; es seien im ganzen 72 Genossen in das sogenannte Blutbuch eingetragen, welche die Verpflichtung über­nommen hätten, derartigen Befehlen ohne Zögern nach- zutommen, und da auch er (Romagnoli) sich eingeschrieben habe, so sei er berechtigt, die frohe Erwartung zu hegen, daß man feine Dienste bezw. seinen Dolch in Anspruch nehmen werde; er wünsche nichts sehnlicher, denn Märtyrer der guten Sache zu werden, in der Gewißheit, daß bald schon die dankbare Nachwelt ihm dann Denkmäler errichten ivürde.

Pflicht zu erfüllen, Du hast geschworen und mußt jetzt gehorchen. Reise nachAninamela"". Als Unterschrift habe ein rotes Kreuz mit schwarzem Mittelpunkt im schwarzen Kreis gedient. Romagnoli, der sich als Rodolfo Romanini in der Gastwirtschaft einführte, ließ sich auch Carlo oder Rodolfo Andriani nennen und gab als Geburtsort einen Dorort von Rom an; er ist ein nicht ungebildeter junger, lediger Mann von 23 Jahren, der aber 4 ober 5 Jahre jünger aussieht, seines Zeichens ist er Schuhmacher, ar­beitete aber nicht in diesem Fache, seiner Angabe nach soll er von der anarchistischen Oberleitung einen Warte­gehalt von monatlich 90 Pesos gleich 160 Reichsmark beziehen.

Das ist ein Auszug, der Inhalt der in den Akten niedergelegten Erklärungen des Caceres, die zweifellos viele llebertreibungen enthalten. Wie dem auch sei, Thatsache bleibt, daß Romagnoli, trotz polizeilicher Ueberwachung, plötzlich aus Rosario verschwand. Da der mit der lieber wachung betraute Polizeibeamte ihn nicht mehr aufzu­finden vermochte, beschloß die Behörde, sich mit dem deut­schen Konsul in Rosario in Verbindung zu setzen. Dieser, Herr Tietjen, gab natürlich sofort die Erklärung ab, er werde für alle erforderlichen Auslagen aufkommen, worauf­hin sowohl der Polizeibeamte, als auch der mehr er­wähnte Caceres sich nach Buenos-Ayres begaben, um die Abfahrt der Europadampfer zu überwachen. Hier suchte der Beamte den deutschen Geschäftsträger, Freiherrn von Werthern auf, der sich mit ihm zuerst auf die italienische, dann auf die französische Gesandtschaft begab, um deren Mitwirkung zu sichern, für den Fall, daß Romagnoli sich auf einem italienischen ober einem französischen Dampfer einschiffen wolle ober bereits eingeschifft habe. Die be­treffenden Bemühungen waren jedoch erfolglos und es stellte sich heraus, daß Romagnoli bereits abgereift war, wie jetzt verlautet, mit dem Norddeutschen Lloyddampser Halle", der dieser Tage in Antwerpen eintreffen wird.

Die deutsche Polizei, die natürlich von dem Sachver­halt in Kenntnis gesetzt wurde, wird ja wohl volle Klar­heit in die Angelegenheit bringen*),und zu der Ueberzeugung gelangen, daß die Polizeibehörde von Rosario bezw. der oberste Beamte, Herr Octavio Grandoli, gefe Politico (also Landrat oder richtiger Präfekt) des Stadt- und Landkreises Rosario der Provinz Santa Fe, es weder an gutem Willen noch an regem Eifer hat fehlen lassen in dieser Sache, die ja von so außerordentlich schweren Folgen nicht nur für Deutschland, sondern für die ganze Menschheit hätte aus­fallen können.

Reuter Essay überEdmond Rostand" tritt die Vergleichung des Romanticismus der dreißiger Jahre mit der Neuroman­tik unserer Tage bemerkenswert hervor. In demSym­phonisches" betiteltem Abschnitt aus seinem lyrischen Eyklus Neues Leben" begrüßt man ein Zeugnis der Weltauffassung des Züricher Dichters Karl Henckell. Berlin ist vertreten durch den scharfsinnigen Wilhelm Bölsche (Friedrichshagen), derEine Lanze für den Vers im Drama" bricht. Es folgen P. N. Coßmann mit dem MärchenVom häßlichen Prinzen" und zwei Münchner Lyriker: Richard Braungart (Nacht") und Philipp Witkop (An meine Heimat"). Unter der Rubrik Münchner Nettologe" weiht Wilhelm Weigand dem kürzlich geschiedenen Adolf Bayersdorfer, dem Kunstgelehrten, einen Nachruf, und der Herausgeber behandelt imFall Siegfried Wagner" Jung-Siegfrieds neue Ci)erHerzog Wildsang" und die Vorgänge bei der Erstaufführung im Münchner Hof­theater.

Der Allgemeinedeutsche Verein für Schul­gesundheitspflege hält feine zweite Jahresversamm lung am Freitag den 31. Mai in Wiesbaden ab. Auf der Tagesordnung stehen Vorträge über die neue preußische Schulreform in Beziehung zur Schulhygiene, Einführung einer einheitlichen Schreib- und Druckschrift, die schulhygie­nischen Einrichtungen der Stadt Wiesbaden, Schulhygiene und Schwindsuchtsbekämpfung.

DieNeue Musik -Zeitung, illusttiertes Familien­blatt (Verlag von Karl Grüninger in Stuttgart), hat längst ausgedehnt Verbreitung gefunden. Auch das letzte Quartal bringt wieder eine Fülle interessanten Stoffes aus allen einschlägigen Gebieten, Biographisches von Virtuosen, Sängern und Sängerinnen mit deren treuen Porträts, anziehend geschriebene Gedenkblätter über berühmte Ton­dichter, fachwissenschaftliche Abhandlungen und allgemein interessierende Aufsätze verschiedenster Art aus den ersten Federn, noch nicht veröffentlichte Briefe R. Schumanns, spannende Erzählungen, reizende Plaudereien und Humo­resken, Besprechungen und Winke über Novitäten des Mu­sikalien- und Büchermarktes, Berichte über neue Darbiet­ungen im Opernhaus und Konzertsaal, Notizen aus dem Musikleben der Gegenwart, allerlei Feuilletonistisches aus dem Künstlerleben, auserlesene Texte für Liederkomponisten, künstlerisch ausgeführte Illustrationen, endlich 24 Seiten Musikbeilagen.

Heilversuche an einem blinden Knaben, die der Leiter der BlindenanstaltHohe Warte" in Wien, Direktor Heller, angestellt hat, haben bedeutendes Auf­sehen erregt In dem besagten Falle handelt es sich, wie