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im kleinen Sank* der Liedig-HSHe.
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(elngetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht). Carl Loos, Vorsitzender des Auffichtsrateo.
Givßev, am 16. April 1901.
Gewerbebank zn Gießen
Spazierstöcke stets Neuheiten. CasseDer Schirmfabrik Gieße«, SellerSweg 9.
Die verehrlichen Mitglieder der
Gewerbebank zu Gießen
Eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht) werden hierdurch wiederholt zu der
Montag den SÄ. April L I., abends präzis 81 /, Uhr, im Saale des Hotel Einhorn dahier ftottstndendcn
42. Keneral-Ilersammtung mit der in Nr. 87 des Gießener Anzeigers erschienenen Tages- Ordnung, welchem Blatte auch der Geschäftsbericht für 1900 beigelegen hat, freundlichst eii-geladen.
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Ducken über Bismarck.
In einem Vortrage in Wien gab der Geh. Hofrat Professor Dr. Wilhelm Oncken aus Gießen eine Schilderung des Fürsten Bismarck als Staatsmann, als Mensch und als Redner. Bismarcks Kämpfe um die starke Monarchie bildeten ein besonders interessantes Kapitel, in dem Oncken schilderte, wie Bismarck die Kaiserwahl verwirft und gegen Vie Union auftritt; denn nur die starke Monarchie vermag nach seiner Auffassung die Einheit Deutschlands zu gründen und die politische Freiheit zu wahren. Der Kampf hat siegreich geendet. In der neuen Verfassung vom Jahrs 1851 ist kein wesentliches Recht der Krone preisgegebeu und jedes Recht mit ausdrücklichen Worten festgehalten. Der Monarchie war gegeben, was sie brauchte, dem Lande aber war erspart, was es nicht hätte vertragen können — eine parlamentarische Partei-Regierung nach englischem Muster. Diese Dinge — bemerkte Oncken — sind damals von tien Liberalen nie unterschieden worden, und das ist ihre Sünde; denn Deutschland ist keine, ringsum von einem Wassergraben umgebene Insel; es hat nach allen Seiten hin offene Grenzen, die nur eine starke Monarchie zu ßchützen vermag. Bismarck war einer der Wenigen, die Vas damals schon eingesehen hatten. Aber für den neuen Verfassungsstaat brauchte man einen Monarchen, eine zum Herrschen geborene Persönlichkeit, einen wirklichen König von Gottes Gnaden. Ein solcher war Friedrich Wilhelm IV. nicht. Das wußte der König und auch Bismarck, und daher rührt es, daß Bismarck nie darnach getrachtet hatte, diesem Könige als Minister zu dienen. Wie für Moltke war für ihn der König Wilhelm der ideale Monarch der Zukunft, dem sie sich beide anschlossen mit Leib und Seele. Und wie dann nach dem Scheitern der Heeres-^ rcform Bismarck auf eigene Faust aus Paris nach Berlin kommt, bereit, ohne Budget, ohne Majorität zu regieren, und den König bewegt, den Gedanken der Abdankung aufzugeben, da wird das Bündnis zwischen dem König und bem, Minister geschlossen, das erst der Tod gelöst hat Wie oft, fuhr Oncken, nach der „N. Fr. Pr.", fort, hat man sich die Frage vorgelegt: Wo nahm Bismarck die Kraft her, der damals bereits in einem Alter stand, das andere das Greisenalter nennen. Darauf habe ich etfh. die Antwort gefunden, als es mir vergönnt war, auf Grund einer Einladung einen Tag in Varzin zu verbringen. Es war am 17. Juli 1891. Kein Mensch, der Varzin nicht mit eigenen Augen gesehen, hat eine Ahnung von der Schönheit dieser Gegend, die der baltisch-uralische Höhenzug auf dem Wege durch Hinterpommern hier um sich streut. Und gleich bei den ersten Worten, die der
Fürst mit mir sprach, hat mich ein Eindruck überwältigt, den ich kurz vorher in dem Buche eines amerikanischen Studienkollegen Bismarcks, Motley, gelesen, aber nicht verstanden hatte: die Bescheidenheit und Demut, mit der Fürst Bismarck von den großen Thaten feiner Vergangenheit gesprochen hat. Motley kann nicht genug staunen Darüber, wie dieser größte aller Deutschen ohne jedes Pathos spricht, und auch mich hat dieser Ton der Bescheidenheit außer Fassung gebracht. Zu Motley hat er gesagt: Als ich jung war, hielt ich mich für einen klugen Kerl, dem nicht leicht etwas mißlingen kann; später aber lernte ich einsehen, der Mensch kann das Schiff lenken, das auf dem Strome fährt, aber den Strom selber lenkt er nicht. Wie oft haben wir in meiner Familie über die Menschen gelacht, die mir die Gabe der Allwissenheit zu- schrieben. Wenn ich etwas aus der Geschichte gelernt habe, so ist es die Bescheidenheit. Der Fürst, sagte Professor Oncken, warnte auch mich, dem Glauben zu huldigen, daß er alles vorausgesehen, berechnet habe. Das sei irrig. Als ich kam, sagte mir Bismarck, waren die deutschen Dinge so reif, daß ein Schlag der Gerte genügte, und das eiserne Thor sprang auf. Solche Aeußerringen hat Bismarck immer da gemacht, wo jedem anderen der Rausch des Erfolges zu Kopfe gestiegen wäre. Gerade da bewahrte er seine Seelenruhe und gab den anderen das Gleichgewicht zurück, die nahe daran waren, es zu verlieren. So sprach er in Nikolsburg und Versailles, wo er zum badischen Minister sagte: „Die großen Dinge macht der Mensch nicht; das Einzige, was er kann, ist, den natürlichen Lauf der Tinge beobachten, und, was dieser zur Reife gebracht hat, zu sichern. Im übrigen ist er wie ein Forstmann, der in Geduld warten muß, bis der Wald schlagreif geworden."
Varzin war feine Freude. Jeder Baum, jede Bank, jeder Durchschlag war ihm bekannt, zu jedem der Aussichtspunkte, die er geschaffen, führte er mich, und da ward es mir klar. Hier ist der Gesundbrunnen, wo er eine ewige Jugend trinkt, in seinem Walde, unter feinen Bäumen. Hier arbeitete er noch fleißiger als in Berlin, denn — sagte er — „alle notwendigen Geschäfte verrichte ich gern, und der überflüssigen Pflichten der Repräsentation bin ich hier enthoben". Mit kindlicher Freude führte, er mich in das tiefste Dickicht des Parkes und sagte, tief aufatmend: „Hier erreicht mich keine Depesche". Aber b konnte er die oft und gern bewilligten Urlaube nur genießen in dem unerschütterlichen Bewußtsein, daß, wenn er nach Wochen nach Berlin zurückkehren werde, er auch denselben Köüi-g wieder finden werde, den er verlassen hatte, fest entschlossen, sich niemals von ihm au trennen. Auch darüber erzählte er mir eine prächtige Geschichte : „Zu Beginn des budgetlosen Regiments, 1862, wurde der König mit Briefen bestürmt, mich zu entlassen. Ich wußte von diesen Briefen, auch> woher sie kamen, und als ich eines Tages den König bat, mir Kenntnis vom Inhalt derselben zu geben, da sagte er lächelnd: „Wenn ich Ihnen alles geben wollte, was mir jeden Tag Schlechtes über Sie geschrieben wird, würde ich nicht fertig werden". Der Kaiser kannte mich als treuen Diener und ließ sich durch nichts irre machen." Und poch ein anderes glaubte ich in Varzin unter den Bäumen gefunden zu haben, die Auskunft über die Bildersprache, die Bismarcks Reden den größten Reiz verlieh Ueber feine Wortbilder und Bilderworte besteht heute schon eine ganze Sitteratur, in der man nur zu häufig dem Ausdruck „Bilderschmuck" begegnet. Davor muß gewarnt werden. Ihm war das Bild nie ein Ornament, sondern stets nur ein Mittel zur Verdeutlichung. Auch hier hat Bismarck eine besondere Mission erfüllt. Er hatte einen Sprachschatz vorgefunden, der von Denkern und Dichtern einer thatenlosen Zeit und eines beschaulichen Volkes geschaffen worden war. Diesem Sprachschatz hat er das politische Auge eingesetzt, den Wirk- lichkeitssinn und den Thatgeist. Und feine Bilder holte! er aus der Welt des Land- und Forstlebens, der ursprünglichsten Schule für den Wirklichkeitsfinn. Dort war ferne Phantasie zu Hause. Bei dieser Gelegenheit bemerkte Professor Oncken, einer der populärsten Aussprüche Bismarcks, den er im Jahre 1867 that: „Setzen wir Deutschland in den Sattel, reiten wird es schon selber". Dieser Ausspruch soll in nächster Zeit in Frankfurt am Main durch ein Denkmal plastisch dargestellt werden: eine Germania hoch zu Roß, das bereit zum Ansprung ist; Bismarck steht daneben und hat eben die Zügel des Pferdes losgelassen. Unter seinen Bäumen - so schloß Professor Oncken den Vortrag — ruht er jetzt an der Seite seiner Gattin, die ihm im Tode borangegangen, nachdem sie ein langes, gesegnetes Eheleben hindurch wie eine Priesterin über dem Heiligtum seines Hauses gewacht hatte, keiner anderen Aufgabe lebend, als dem großen Manne, der ihr Gatte war', eine schlichte deutsche Hausfrau zu fein, die ihm am häuslichen Herde jederzeit eine Stelle warm hielt, wo immer Glück und Seelenfrieden zu finden waren. Und da ruht er jetzt, wo bei jedem Gedenktage deutscher Geschichte das deutsche Volk ihn sucht und findet, wo geheimnisvolle Geisterstimmen ihm das nationale Gelübde zutragen, daß wir getreu seinem Spruche leben wollen: Patriae inser- viendo oonsumor!
des Landsturmes auf Vorzeigung einer Bescheinigung der Ortsbehörde über Zweck und Ziel der Reise. Der Ausweis erfolgt den Organen der Fahrkartenkontrolle gegenüber. Tie Bahnverwaltungen sollen für diese Leistungen durch Gewährung von Pauschsummen entschädigt werden.
§§ Die Kohlen, so schreibt man uns, werden billiger, das! Holz wird teurer. Als im vorigen Frühjahre bei den damaligen Brennholzversteigerungen die Preise ungewöhnlich in die Höhe gingen, sagte man, die hohen Kohlenpreise seien die Ursache. Die.Nichtigkeit dieser Behauptung zeigen die gegenwärtigen Brennholz- vcrsteigerungen. Hinge die Holzfrage mit der Kohlenfrage zusammen, so müßten jetzt die Holzpreise herabgehen. Statt dessen übertreffen sie aber die vorjährige schon hohe Preisstufe. 40 Mk. für vier Meter Buchenscheit und 36 Mk. für desgleichen Prügel, im Walde zu holen, das sind wirklich hohe Preise. Ter lange Nachwinter, der jetzt noch ein Heizen der Wohnstuben bedingt, hat allerdings fast gänzlich die alten Holzvorräte aufgezehrt. Tas Verlangen nach Holz ist deshalb in diesem Jahre sehr groß. Stete Nachfrage aber bringt stets hohe Preise.
W. Büdingen, 18. April. Unsere 263 Mitglieder zählende Molkereigenossenschaft hat im abgelaufenen Jähr so günstig gewirtschaftet, daß sie einen Reingewinn von 12787 Mk. 84 Pf. erzielte. Die Aktiva belaufen sich auf 112 376 Mk. 60 Pf. Tie Immobilien stehen jetzt noch nach der Abschreibung mit 46 768 Mk. 97 Pf. zu Buch, die Maschinen mit 8277 Mk. 70 Pf., die Geräte und Utensilien mit 2112 Mk. 69 Pf., Reservefond und Betriebsrücklage erreichten beide die Höhe von je 9013 Mk. 65 Pf., das Geschäftsguthaben der Genossen be- ttiuft sich auf 12 306 Mk. 50 Pf.
** Kleine Mitteilungen an8 Hessen und den Nachbarstaaten. Ja der Nähe der Zementfabrik in Weisenau ist Mittwoch nachmittag aufl bis jetzt noch unbekannten Gründen ein mit Sand beladenes Schiff nntergegangen. Die auf dem Schiffe befindlichen Leute konnten sich noch rechtzeitig retten. — Zam Fall Scherte! in Gensingen können wir eine neue Entdeckung berichten. Man konnte cS seither nicht begreifen, wie es dem Manne gelungen ist, so viel Vertrauen und Kredit zu bekommen. Nunmehr hat fich herauSgestellt, daß er unter der Adresse einer Kaffe, die er verwaltete, für mehrere Auskunftsbureaus Auskunft erteilte und so die An fragen auf sich selbst stets in der allergünstigsten Weise be antwortete.
Vermischter.
• Ihren Mann erschlagen hat die 34 Jahre alte Ehefrau Eoeline Fehse, geb. Wandtkc, in Berlin. Fehse, der bei Borsig in Tegel arbeitete, war drei Jahre jünger als seine Frau, die ihm in die vor anderthalb Jahren abgeschlossene Ehe ein jetzt 3 Jahre altes Kind mitbrachte. Während er von ArbeitS und Hausgenossen als ein ruhiger und verträglicher Mensch geschildert wird, ist seine Frau al- zänkisch und jähzornig bekannt. Die Ehe war daher nicht glücklich. Der Streit wurde oft so laut, daß er auch die Aufmerksamkeit der Nachbarn erregte. Diese hatten am Donnerstag voriger Woche gegen 6 Uhr abends, bald nach der Rückkehr Fehses von der Arbeit, den Eindruck, als ob Die Eheleute auch thätlich an einander geraten seien. Einmal war es so, als ob jemand zu Boden gefallen wäre. Eine halbe Stunde später hatten fich die Streitenden wieder vertragen. Gegen 8 Uhr ging Fehse fort, um aufl einem Geschäfte, für das feine Frau Kragen nähte, neues Materi^ zu holen. In der Stargardter Straße brach er plötzlich bewußtlos zusammen. Hilfsbereite Leute trugen ihn auf einen Hausflur und ließen ihn bann, da fein Zustand sich nicht besserte, nach dem LazarnSkrankenhaufe bringen. Dort starb er bereits um 3 Uhr morgens an den Folgen eine« Schädelbruchs, der erst durch die Aerzte festgestellt worden war. Wie die Ermittelungen ergaben, hat die Frau dem Manne mit dem Theekessel einen so wuchtigen Hieb über den Kopf versetzt, daß der Schädel brach. Frau Fehse wurde daraufhin verhaftet und in Untersuchungshaft behalten.
♦ Selbstmord eines Oberleutnants. Der in Tempelhof wohnhaft gewesene Oberleutnant der Landwehr a. D. Hermann Heß hat seinem Leben durch Erschießen ein Ende gemacht. H. hatte, nachdem er aus dem Militärdienst geschieden, in Berlin ein Künstlermagazin übernommen. Die Geschäfte nahmen indessen nicht den erhofften Aufschwung, sodaß H. in den letzten Jahren in immer größere Bedrängnis geriet, bis er schließlich zum Revolver griff. Die Kugel drang durch den Kopf und durchschlug das Fenster; sie erreichte das gegenüberliegende Haus. Der 51 Jahre alte H. hinterläßt eine Frau und erwachsene Kinder.
* Dresden, 18. April. Frau Dr. Schaumann, die „Heldin" des Dresdener Ehebruchsskandals, scheint eine nette Pflanze zu sein. Sie ist die Tochter eines Schneiders in Halle a. S., und es hat sich herausgestellt, daß stevor ihrer Ehe mit Dr. Schaumann mit einem Freiherrn in Leipzig sehr eng befreundet gewesen ist. Dr. Sämumann wußte und ahnte natürlich nichts. Der freiherrliche Briefwechsel mit der Frau ist jetzt gesunden worden -varauÄ geht hervor, daß der Freiherr die Ausstattung besorgte und ihr den Rat erteilte, den „Trotte l" zu heiraten. Auch später nach der Heirat gab er ihr briefliche Anweisungen, toie sie mit ihrem Manne umgehen solle, welche Fremdwörter sie brauchen solle, um als gebildet zu erscheinen. Außer diesem Freiherrn hatte die Frau Doktor noch, zahlreiche Liebhaber, worüber sie in ihrem Tagebuche gelvif senhafte: Buchungen machte. Auch dieses Buch ist in den Händen des Ehemanns. Ein Assessor in Leipzig, ber kleine Meyer", sandte ihr auch nach der Heirat mo natlich 60 Mark und einmal 2000 Mark. Außerdem hat sich ihretwegen unlängst ein Leutnant Großer erschossen.
• Die italienische Tingeltangel-Sängerin Ida Assiri hatte vor einigen Wochen bei einer kleinen Schäkerei ihrem Freunde, dem Geschäftsreisenden Ballarini, die Spitze ihres Sonnenschirmes in die Nase gestoßen. Ballarini erlitt eine schwere Verletzung des Gehirns, die feinen Tod herbeiführte. Fräulein Assiri hatte sich nun dieser Tage vor dem Gericht in Verona wegen fahrlässiger Tötung zu verantworten; der Gerichtshof sprach sie jedoch frei.
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