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Stelle wirkt, hat sich mit dem berühmten Hofkapellmeister Richard Strauß verbunden. Diese beiden, nach ganz verschiedenen Richtungen hin hochbegabten Künstler, der erstere als Sänger mit blendendem Stimm-Material und größter Gestaltungskraft, der zweite, einer der bedeutendsten Kapellmeister unserer Zeit und von den jüngeren Liederkomponisten an erster Stelle mitgenannt, haben es unternommen, unter der bescheidenen Bezeichnung „Liederabend" einen Zyklus von Konzerten in den Musikstädten Deutschlands zu veranstalten. Für Gießen hat sich eine jüngere Geigenkünstlerin, eine Schülerin Joachims, Fräulein Hedwig Strache aus Berlin, zugesellt, über die in erster Linie Meister Joachim, aber auch andere sehr günstig bereits urteilten. Wir behalten uns vor, demnächst Weiteres über das Konzert zu veröffentlichen, und weisen für heute noch auf den Inseratenteil hin.
** Die Alten Herren des Vereins Deutscher Studenten in Gießen beabsichtigen, wie man uns mitteilt, am nächsten Freitagabend in Steins Saalbau eine Protestv ersamm - lung gegen die schamlosen Verunglimpfungen Chamberlains, des unwürdigsten aller lebenden Staatsmänner, zu veranstalten.
*• Hinrichtung. Wie wir hören, wird der Raubmörder Crmer am nächsten Donnerstag ftüh auf dem hiesigen Gefängnishofe hingerichtet werden.
*’ Vortrag. Dr. Ebel wird am Donnerstagnachmittag Mr Stadtverordnetensaal einen Vortrag über die Einrichtung und den Bestand des städt. Archivs halten und einzelne Gegenstände von allgemeinem Interesse unter Vorlage derselben erläutern.
** Aus dem Theaterbureau. Es sei nochmals darauf hingewiesen, daß am Mittwoch der Capus'sche Schwank „L e o n- tinens Ehemänner" zur erstmaligen Aufführung gelangt. Die Hauptrollen des Stückes liegen in den Händen des Frl. Hohenfels („Leontine"), der Herren Ramsey er („Dubois"), Schneider (Baron de la Jambierö) und Gerlach („Gri- mard").
** Für die Frauen und Kinder der Burenkämpfer gingen bei der Ortsgruppe Gießen des All-Deutschen Verbandes noch weiter ein: 70 Mk. durch Herrn Pfarrer Gombel von der ev. Gemeinde Reiskirchen, 23 Mk. von der ev. Gemeinde Burckhardsfelden als Erntedankgaben. 44 Mk. Reinertrag vom „Gadow-Jooste-Abend" in Steins Garten. 10 Alk. durch Verkauf von „Tugela-Postkarten", außerdem wurden noch 50 Exempl. von Bley, Burenkrieg a 1 Mk. verkauft, wovon der gesamte Reinertrag ebenfalls für die Opfer des Burenkrieges bestimmt ist. Mk. 19,27 vom Seltersberg-Verein. Zusammen Mk. 166,27. Weitere Gaben für die Buren nimmt die Ortsgruppe Gießen des All-Deutschen- Verbandes gerne entgegen. Dieselbe hat bisher 2286 Mk. gesammelt und an die Hauptsammelstelle nach Berlin abgeliefert. Von dort aus werden die Beträge durch Geistliche, Konsuln und andere Vertrauensmänner verteilt. Zur Linderung des furchtbaren Elends genügt die bisher zusammen- gebrachte Summe von 360 000 Mk. bei weitem nicht, weshalb weitere Gaben dringend erwünscht sind.
** Vier Jahreszeiten. Am Mittwoch finden zwei große Konzerte des Croat. Damen-Ensembles Lika statt- Heute Dienstag den 19. konzertiert die Gesellschaft von abends 8 Uhr ab im Römischen Kaiser zu Wetzlar (Vergl. Inserat.)
)( Annerod, 19. Nov- Heute vormittag wurde der 30 jährige Taglöhner Karl Römer von Allertshausen in dem Maschinen raum seines Dienstherrn Keßler hier tot aufgesunden. Zweifellos liegt Selbstmord vor- Was den Verstorbenen zu der unseligen That veranlaßt hat, ist noch nicht bekannt geworden.
fc. Nieder-Beffiugen, 18. Nov. Vor einigen Tagen fiel das dreijährige Töchterchen eines hiesigen Einwohners in die Wetter. Während die anderen Kinder dem Dorfe zuliefen, um Hilfe zu holen, blieb der fünfjährige Knabe Lutze, der mit seinem Vater aus Frankfurt a. M. zu Besuch hier weilte, allein am Ufer zurück, faßte das Mädchen beim Wiederauftauchen an den Kleidern und hielt es mit eigener Lebensgefahr so lange fest, bis Hilfe kam.
1- Geiß-Nidda, 18. Nov. Die hiesige Beigeordnetenwahl brachte für unseren seitherigen Beigeordneten eine un- liebsame^Ueberraschung. Er erhielt von 101 Abstimmenden nur 1^ Stimmen, während sein Gegenkandidat und Schwiegersohn Ludwig Lind es auf 85Stimmen brachte. Die Wahl- beteiligung betrug etwa 70 Prozent, war aber durchaus ruhig. Die Suche einiger unruhiger Geister, die gern auch eine „Partei" bilden wollten, nach einem „dritten Mann" scheiterte an dem ruhigen und versöhnlichen Sinn unserer Bürger. Dem Gewählten wurde am Abend eine Maie gesetzt.
(") Gedern, 18. Nov. Gestern nacht brach in unserem Nachbarort Merkenfritz m der Hofraite des Gastwirts Eißner Feuer aus. Der Pflichtfeuerwehr gelang es, das Feuer aus seinen Herd zu beschränken, so daß nur die Scheune niederbrannte. Der Abgebrannte soll nicht versichert fein. Sämtliche Heu- und Stroh-Vorräte sind verbrannt. Man vermutet Brandstiftung.
st. Butzbach, 18. Nov. Die Gebrüder Melchior: erwarben heute die Brauerei zur „Eule", Inhaber A. Neid- hardt, für 120 000 Mk. Inbegriffen sind Wirtschaftsräume, Hof, Brauerei, Feljenkeller und Inventar. Tie Uebergabe erfolgt am 1. Januar 1902. Damit dürfte die Melchior'sche Brauerei nut in die erste Reihe der hessischen Bierproduzenten eingetreten sein. — Im Kasino fand gestern eine hübsche Abendunterhaltung statt, in deren Verlauf zwei Einakter flott gespielt wurden.
? Butzbach, 18. Nov. Der erste Tag des Katha- .r i n e n m a r k t e s brachte unserem Städtchen sehr lebhaften Verkehr. Trotzdem waren die Einnahmen der Verkäufer auf dem Krammarkte nicht so günstig wie im Vorjahre, auch die Buden am Juxplatz erfreuten sich nur eines mäßigen Zuspruchs.
S. Darmstadt, 18. Nov. Der frühere Sparkasserechner in Offenbach a. M., der vor einigen Wochen unter Mitnahme von etwa 13000 Mk verschwunden war, hatte sich nach Amerika geflüchtet. Er wurde jedoch hier seines Geldes nicht froh; nach kurzer Zeit bekam er Heimweh und schiffte sich wieder nach Europa ein. Die heimatliche Behörde, von seinem Kommen unterrichtet, ließ ihn gestern durch einen nach Antwerpen beorderten Kriminalbeamten bei seiner Ankunft auf dem Schiffe in Empfang nehmen. Er wird heute wohl im Untersuchungsgefängnis eintreffen. — Aus der Rangierstrecke zwischen Kranichstein-Hammels- tr-.fft wurde heute der Rottenarbeiter Lau mann von der Lokomotive eines Rangierzuges erfaßt. .Es wurden ihm
beide Beine abgefahren. Nach dem städtischen Krankenhause gebracht, starb er dort bald nach seiner Ankunft. L. ist 25 Jahre alt und verheiratet.
Da r m st a d t, 18. Nov. Zu der gestern von uns wieder- gegebenen Aeußerung der „Tarmst. Ztg." bezüglich der in der letzten Zeit laut gewordenen Bemerkungen über die Groß Herzogin schreibt das ,,Tarmst. Tagebl.", das amtliche Organ des Kreises Darmstadt: Es ist gewiß bedauerlich, daß Seine Königliche Hoheit selbst die Blätter, bezw. das Publikum daran erinnern muß, daß der Landesherr dasselbe Recht für sich in Anspruch nehmen kann, wie ein Privatmann, dessen Angelegenheiten man mit mehr Rücksicht und Diskretion zu behandeln pflegt, als es in diesem Falle leider geschehen ist. Wir sind überzeugt, daß dieser hochherzige Wunsch Seiner Königlichen Hoheit überall im Lande und hoffentlich auch darüber hinaus respektiert werden wird.
Frankfurt, 18. Nov. Ter Großherzig von Hessen traf Sonntagmittag hier ein, besuchte das Priuzenpaar Friedrich Karl von Hessen am Mainkai und reiste am Nachmittag nach Darmstadt zurück.
P Garben teich, 17. Nov- Gestern wurde hier Johannes Schwarz II., Sohn unseres seitherigen Bürgermeisters, zum Beigeordneten gewählt. Als Gegenkandidat war Agent Heinrich Ruhl ausgestellt. Die Wahl verlief äußerst ruhig. Der seitherige Beigeordnete, Heinrich Kissel, ist im September zum Bürgermeister gewählt worden.
• * Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Willofs ist der 19jährige Sohn einer Familie an Typhus erkrankt. Schleckftes Trinkwasser soll die Ursache sein. — In Alsfeld hat sich ein tragischer Fall ereignet. Tie 28jährige Ehefrau des Schreinermeisters Ludwig hatte sich beim Reinigen der Wäsche die Hände wund gerieben. In die Wunden müssen Schmutzteilchen eingedrungen sein. Die Bedauernswerte erkrankte unter Erscheinungen von Blutvergiftung und ist deren Folgen erlegen.
Vermischtes.
* Köln, 18. Nov. Wie die „K. Z. aus Grevenbroich meldet, ist dort gestern vormittag ein starker Erdstoß wahrgenommen worden.
* Münster i. W., 18. Nov. Der Bäcker Weltges- Ehrenfeld, der einen Einbruch in die Muttergottes- Kapelle in Telgte verübte, wurde nebst dem Zimmermann Drees hier verhaftet.
* Leipzig, 16. Nov. Gestern nachmittag wurde im Connewitzer Holze ein Mann erschossen aufgefimden, der später als der Direktor des Zörbiger Bankvereins, Otto Gramm aus Zörbig bei Bitterfeld, erkannt wurde. Der Beweggrund der That ist unbekannt.
• Großfeuer. In der in Neufahrwasser besind- lichen Zuckerraffinerie, A.-G., brach am Montag ein Brand aus, der die riesige Fabrikanlage, die zweitgrößte dieser Art in Deutschland, vollständig in Asche legte. Der Schaden wird auf 4 Mill. Mk. taxiert, der durch 20 Gesellschaften gesichert ist. Menschenleben sind nicht zu beklagen. An den Löscharbeiten beteiligten sich außer drei Feuerwehren die Mannschaften der Kriegsschiffe „Nowik" und „Aegir" und die gesamnite Garnison von Neufahrwasser. 1200 Arbeiter sind brotlos. Die Beamtenhäuser, sowie das Kontorgebäude konnten gerettet werden. Die Bücher und die Kaffe waren während des Brandes auf dem Kriegsschiff „Aegir" unter- gebracht worden.__________________________________________
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Gießen, 19. November. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter pr. Pfund 1,10—1,20 Alk., Hühnereier pr. Stück 8 Pf., 2 Stück 00—00 Pf., Käse pr. Stück 5—8 Pf., Kasematte 2 Stück 0—0 Pfg., Erbsen pr. Liter 20 Pfg., Linsen per Liter 30 Psa., Tauben pr. Paar 0,70—1,20 Mk., Hühner pr. Stück 1,00—1,20 Äck., Hahnen pr. Stück 0,70—1,20 Mk., Enten pr. Stück 1,20—2,50 Mk., Gänse pr. Pfd. 54—64 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 66—76 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 60—64 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 64—80 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 60—66 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 50—70 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 3,00—3,50 Mk., Weißkraut per Stück 00—00 Psa., Zwiebeln pr. Zentner 4,00—5,00 Mk., Milch per Liter 18 Pfg. Aepfel per Pfd. 9—13 Pfg., in Körben 12—15 Pfg. Trauben 35—50 Pfg., Tomaten per Pfd. 18—20 Pfg.
Gerichtssaal.
Hanau, 18. Nov. Der Rendant der städtischen Sparkasse in Schlüchtern, Weitzel, wurde wegen Unterschlagung empfangener Gelder im Betrage von 40,000 Mk. innerhalb 5 Jahren vom Schwurgericht zu 1'/, Jahren Gefängnis verurtellt.
Augsburg, 18. Nov. (Prozeß Kneißl.) Bei Beginn der heutigen Verhandlung fügt der Sachverständige Assistenzarzt Dr. Brauier (einem vorgestern abgegebenen Gutachten hinzu, er wolle dasselbe nicht im Allgemeinen, sondern nur auf Kneißl angewendet wissen. Bei einer gestern slatlgehabten Besprechung mit dem Psychiater Dr. Gudden, der Kneißl am dritten Tage nach der Gefangennahme besuchte, habe Gudden sich seinem (Brausers) Gutachten ganz an- ge chlossen. Darauf wird Dr. Gudden telegraphisch als Sachverständiger geladen. Der Gerichtshof nimmt sodann den abgelehnten Antrag des Verteidigers Dr. v. Pannwitz an, Dr. Brauser über die Art der Verletzungen Kneißls zu vernebmen. Nach Dr. Brausers nunmehriger Aussage hierüber hatte Kneißl Schußwunden im linken Handgelenk, im rechten Vorderarm und in der rechten Bauchseite, letztere lebensgefährlich, während bte ersteren drei rasch heilten. Krankenschwester Adelgunde erklärt, daß Kneißl in der Klinik wiederholt bewußtlos gewesen sei und einmal einen anwesenden Besuch nicht wahrgenommen habe. Nächste Zeugin ist die Oberschwester. Sie giebt auf Beftagen des Staatsanwalts an, sie wisse nichts von einem angeblichen Liebesverhältnis Kneißl's mit einer Krankenschwester und deren Disziplinierung. Bei dieser Gelegenheit bemerkt Rechtsanwalt o. Pannwitz, daß Kneißl während seines Aufenthaltes in der Klinik von einer großen Anzahl weiblicher Personen Ansichtspostkarten, Briefe u. s. w. erhalten habe. Ein zur Zeit in Untersuchungshaft besindlicher Komplize Kneißl's, Taglöhner Voest, wird unbeeidigt vernommen und erzählt, was Kneißl ihm über die Vorgänge in Irchenbrunn berichtet hat. Kneißl habe den Flecklbauer mit Erschießen bedroht, wenn er den Gensdarmen die Thür öffne. Ein weiterer Zeuge bestätigt diese Erzählung, womit erklärt werden soll, warum Rieaer solange mit dem Oeffnen der Thür gezögert hat. Die 17jährige Zeugin Mathilde Sanner, die Geliebre Kneißl's, die von ihrer Mutter, der Wäscherin Lorenz, mitgenommen worden war, um dadurch Kneißl leichter der Polizei in die Hände zu liefern, sagt aus, sie habe Kneißl am 3. März im Merkl'schen Anwesen in Geisenhofen getroffen. Derselbe habe chr schon öfter den Vorschlag gemacht, mit ihm nach Amerika zu gehen. Als sie nun mit ihrer Mutter nach diesem Tage zu Kneißl gegangen sei, habe sie geglaubt, es handle sich um einen ähnlichen Plan; sonst wäre sie nicht mit- gegangen. Von dem Vorhaben ihrer Mutter habe sie nichts gewußt. Sie hätte auch Kneißl auf keinen Fall verraten. Ter Angeklagte habe bei der Begegnung zu ihr geäußert, die Jrchenbrunner Mordthal bereue er tief. Der Flecklbauer habe ihn schmählich verraten. Ein Einverständnis zwischen chm und dem Flecklbauern habe nicht bestanden. Stach weiteren belanglosen Zeugenaussagen kommt der Raubanfall auf den Sattler^el-ilien Dann-
ff ofer in Maisbach zur Verhandlung. Die Anklage nimmt an, datz Kneißl und Voest die Thäter seien. Kneißl selbst stellt den Raub vollständig in Abrede; auch Dannffoser vermag nicht anzugeben, ob Kneißl und Boest die Thäter seien. Der Slationskommandant Abt aus Maifach stellt fest, daß Kneißl zur Zen des Raubes sich nur eine Stunde vom Thatorl entfernt bei Bekannten aufhielt. — Heute wurde die Beweisausnahme geschloffen. Morgen sinden die Plaidoyers statt.
Krieskalten der Redaktion.
(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.)
Zwei Wettende in der Rcstanration Herbert. Die erst, Wafferleitung in der Mäusburg wurde im Jahre 1883 gelegt; sie diente aber nur zur Speisung der dort ausgestellten Venttlbrunnem
Kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinde.
Mittwoch den 20. November, abends 8 Uhr, im unteren Konfirmandensaale (Kirchslraße): Vortrag über die Mission in China. Missionar Flgd aus Frankfurt a. M.
Vortrag. Am Mittwoch deii 20. d. M., abends 8 Uhr wird Missionar F1 a d aus Franksurt a. fDL im unteren Saal des Konfirmandenhauses in der Kirchslraße einen Vortrag über die Arbeiten der Basler Mission in China halten. Herr Flad war selber jahrelang in China thätig, und gilt als genauer Kenner chinesischer Ber- hältnisse. Missionssreunde seien auch an dieser Stelle aus diesen unemgeldlich slattfindenden Vortrag aufmerksam gemacht.
"Neueste Meldungen.
Originaldrahtmeldungcn des Gießener Anzeigers.
Darmstadt, 19. Nov.') Die vor einigen Wochen mit einem Aufwand von 200000 Mk. fertiggestellte Turnhalle ist heute nacht vollständig niedergebrannt, 2 Dienst, mädchen srnd erstickt. Eia anderes brach beim Herab- springen das Rückgrat und wurde schwerverletzt vom Platze getragen. Ebenso ist ein Kellner hoffnungslos verletzt.. Die Eatstehungvursache des Feuers ist unbekannt.
Darmstadt, 19. Nov.') Ueber denBrand des Turngebäudes werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Das Gebäude, das ausgedehnte Restaurationsräume enthält, ist bis auf die Umfaffungsmauern niedergebraunt. Das Feuer soll gegen 3 Uhr auf der Bühne des Festsaales zum Ausbruch ge- kommen sein. 2 im Obergeschoß schlafende Dienstmädchen des Restaurateurs find verbrannt. Ein 3. Btädchen, das sich an einem Seil herunterzulaffen versuchte, stürzte ab und trug lebensgefährliche Verletzungen davon. Ein Kellner stürzte von der Giebelmauer herab und brach das Genick. Das Gebäude war erst am 16. Oktober in Gegenwart des Großherzogs sowie der staatlichen und städtischen Behörden eiugeweiht worden. Es war das größte derartige Gebäude des Mittelrheiu-Kreises.
London, 19. Nov. Kitchener meldet aus Pretoria vom 15. Nov.: Seit dem 7. Nov. sind nach den Berichten der einzelnen Kolonnen 43 Buren gefallen, 16 verwundet und 241 gefangen genommen worden; 6 ergaben sich. Erbeutet wurden 5650 Patronen, 164 Gewehre, 205 Wagen, 600 Pferde und 11500 Stück Vieh. Verschiedene Burenabteilungen unter Fouchs, Myburg, Malan, Hugo Lategan und Maritz wurden von dm englischen Kolonnen verfolgt.
Loudon, 19. Nov. Der Verlustliste zufolge wurden in dem Gefecht von Tweesonteiu am 14. November 1 Manu getötet, 3 Offiziere, darunter Prinz Nadziwill, sowie 5 Mann verwundet.
Washington, 19. Nov. Der Hauptpunkt, durch den fich der ueueKanalvertrag von dem alten unterscheidet, ist der, daß Großbritannien aus der gemeinsamen Gewährleistung der Neutralität des Kanals ausscheidet. Sein Handel wird dm gleichen Anteil an den Vorteilen des Kanals haben. Es wird keine unterschiedliche Behandlung zu gunsteu der amerikanischen Schiffahrt eingeführt werden.
*) Bereits auf unseren Schaukästen durch Anschlag bekannt gegeben.
S. Darmstadt, 19. Nov. Die Zweite Kammer der Stände trat heute vormittag 11 Uhr zu einer kurzen Tagung zusammen. Bor Eintritt in die Tagesordnung widmete Präsident Haas dem verstorbenen Abg. Schubarths einen ehrenden Nachruf. Das Haus erhob sich von den Sitzen. Hierauf erfolgte die Vereidigung des neu ein» tretenden Landtagsabg. Breimer - Beerfelden. Bei dem Antrag des Abg. Ulrich und Gen. auf Bereitstellung von Mitteln zur Milderung der Arbeitslosigkeit im Großherzogtum geben Staatsminister Rothe und Mi-, nisterialrat Braun die Erklärung ab, daß seitens ber. hessischen Negierung alles geschehen sei, um einer etwaigen Arbeitslosigkeit entgegentreten zu können. Insbesondere seien größere Bahnbauten und Erdarbeiten in Aussicht genommen. Soweit aus den amtlichen Berichten hervor-- gehe, könne von einem Arbeitsmangel überhaupt n-icbt gesprochen werden, besonders aber nicht von der Lano- und Forstwirtschaft. Hier trete sogar ein Arbeiter-, mangel hervor. Hierauf wird eine Reihe von Anträgen den Ausschüssen überwiesen. Nächste Sitzung morgen früh! 9 Uhr.
Halle a. d. S., 19. Nov. Die hiesige Studentenschaft protestierte gestern abend in einer stark besuchten Versammlung in schärfster Form gegen die Chamberlain'scheu Verdächtigungen der deutschen Kriegführung im Liriege mit Frankreich.
London, 19. Nov. Nach Meldungen aus Kapstadt hat Dewet mit einer Streitmacht von 6 000 Mann die Offensive ergriffen.
Rom, 19. Nov. Die hiesige Polizei nahm den ehemaligen Postbeamten Lenzi, einen Posträuber, fest und beschlagnahmte bei seinen Schwiegereltern 137,900 Lire.
Mobiliar-Versteigerung.
Donnerstag den 21. und wenn nötig Freitag den 22. November, jedesmal nachmtttags iy2 Uhr anfangend, werden in dem Hause Wilhelmstraße 22 nach verzeichnete Gegenstände gegen Barzahlung versteigert:
5 sehr gute Bettstellen mit Sprungrahmen, dreiteiliger Matratze und Keil, 1 vollständiges Bett, 1 Kinderbett, 1 Sopha mit 4 Sesseln in grünem Plüsch, diverse Sessel und Stühle, 1 Büffet, 1 Kässenschrank, 1 Vertikow, mehrere Tische, 1 Waschtisch mit Toilette- spicgel. Schränke, Nachttische, Bilder und Spiegel, Uhren, Küchengestelle, Teppiche und Vorhänge, 1 Küchenschrank mit Glasaufsatz, 1 Kindcrbadcwanne, sowie Hausund Küchengeräte aller Art.
7594 I. A.: Schneider.


