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20.1.1901 Erstes Blatt
 
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Litteratur.

Ha « erkings Werke. Volksausgabe in 4 Bänden. Ausgewählt und hcrausgegeben von Dr. Michael M. Raben- kechner. Mit einem Geleitwort von Peter Rosegger. Voll­ständig in 35 Lieferungen zu je 50 Pfg. Hamburg, Verlags­anstalt und Druckerei, A.-G. (Dornt. I. F. Richter). Die 4.-9. Lieferung bringen denKönig von Sion", dieses zweite Hauptwerk des Dichters. Während die ersten Liefer­ungen dem Leser in dem farbenprächtigen epischen Bilde Ahasver in Rom" ein Stück klassisches Altertum schilderten, Aihrt ihm derKönig von Sion" die dunkle, bizarre und vocb tragisch-romantische Geschichtsepisode aus dem Refor- maNonszeitalter, die Wiedertäuferbewegung in Münster, vor. Auf das geschichtliche Reis pfropft des Dichters Geist und Phantasie eine ideale Blüte. Der Held der Dichtung ist Jan von Leyden, der König der Wiedertäufer, ein be­geisterter Jüngling, bestrebt den sionischen Gedanken, der noch die Geisteskämpfe der Folgezeit beherrschen sollte, ins Leben einzuführen, Lust und Tugend zu vereinigen, und die zu edlerem Dasein gereifte Menschheit aus den Banden dunkler Umschränkung zu erlösen, wie er im 5. Gesänge lagt.

/, Eine Stätte dem Glücke Unter den Menschen, und Allem, was schön und edel auf Erden!

Witt ich bereiten ein Eden für Seel' und Sinne!"

Doch sein Wirken und Streben ist vergebens; das Reich des Wahren, Schönen, Guten, das gesuchte Eldorado, ist «den nicht möglich, wäre es vielleicht nur bann, wenn nur Menschenpaare lebten, wie Jan und Hilla. Für seinen Famv- kismus, für die Ausschreitungen und Sünden seiner An­hänger büßt der Held der Dichtung, aber nicht im Käfig am Turme zu Münster, sondern durch den selbst gewählten Tod; er stürzt sich in sein Schwert, nachdem er seine Schein­königin, den schönen Dämon Divara, vom Felsen gestürzt hat. Es ist überflüssig, das Werk ausführlicher zu be- -prechen, auf die prächtigen Sck)ilderungen, auf die fast dra­matisch wirkende Komposition hinzuweisen. Den Freunden und Verehrern Hamerlings wird das Werk von besonderem Interesse sein, da es dasjenige ist, in dem das seelische Em­pfinden, die geheimsten Antipathien und Sympathien des Dichters, trotz der Objektivität des Stoffes, am deutlichsten .zutage treten. In Lieferung 3 beginnt die philosophische DichtungH o m u n c u l u s".

Auszug aus den Staudesamtsregistern der Stadt Gießen.

Vlafgebotr.

Januar 12. Georg Friedrich Christian Christ, Ackermann in Zangen« selbold mit Anna Schulz daselbst. 14. Philipp August Störkch Stattons arbeitet in Fauerbach mit Anna Elisabethe Weimann in Offenheim. Adolf Maria Wilhelm Mauö, -Tierarzt in Guntersblum mit Elisabethe Sertha Christine gen. Ella Jamin in W esbaden. Emil Richard Behrenz, Kaufmann dahier mit Johanna Anna Margarethe Stein zu Frankfurt e. M. 15. Karl Otto Staub, Schmied zu FramerSbach mit Mathilde Wetteskind in Rengersbrunn. 17. Heinrich Keßler, Möbeltransporteur dahier mit Elisabethe Magdalene Margarethe Luise Marie Merkel Hierselbst. 18. Her­mann Fran) GroS, G-richtsass ffor zu Alsfeld mit Elisabeth Wehner Hierselbst.

«heschlietzrmgea.

Januar 12. Heinrich Koch, Knecht dahier mit Margarethe Hofmann Hierselbst. Friedrich Ernst Schiffner, Knecht dahier mit Marie Ruppe! Hierselbst.

fttbotetu«

Janunr 7. Dem Taglöhner Georg Prinz eine Tochter, Marie. 8. Dem Elsendreher Heinrich Babel eine Tochter, Katharine. Dem Feld, webet Karl Ritter eine Tochter, Ottilie Marie Minna Philippine. 11. Dem Metzger und Wirt Heinrich Rausch eine Tochter. Dem Packer Heinrich Arnold eine Tochter, Lisette Elrse. Dem Profeffor Dr. Johannes Bier- mann eine Tochter. 12. Dem Dachdecker Hermann Meier Zwtllingskinder, ein Sohn Heinrich Karl und eine Tochter Margarethe Christiane Marie. 13. Dem Fuhrknecht Karl Konrad Schneider eine Tochter. 14. Dem Schmied Theodor Stein ein Sohn. Dem Fabrikanten Karl Schneider ein totgeborener Knabe. 17. Dem Rangiermeister Karl Hermann ein Sohn

«estorderre.

Januar 18. Christian Zimmer, 52 Jahre alt, Kupferschmied dahier. Otto Karl Johannes Emil Born, 10 Monate alt, Sohn von Viehhändler Karl Johannes Born dahier. Lina Steinmüller, 8'/, Jahr alt, Tochter von Maurer Ludwig Steinmüller zu Rodheim a. d. B. 14. Friedrich Heinrich Meier, 1 Jahr alt, Sohn von Dachdecker Hermann Meier dahier. Hugo Klicks, 37 Jahre alt, Etsenbahntelegraphist dahier.

Kriefkasten der Redaktion.

H. Die Denkschrift betrtffcnb die Entwickelung des Kiautschow Gebiets in der Zett vom Oktober 1899 btS Oktober 1900 ist erschienen bei Dietrich Reimer, Berlin S.W., Wtlhelwstr. 29. Preis 5 Mk.

G. DiePrüfungen der Finanzbeamten2. Kategorie werden künftighin je nach Bedarf abgehalten; die letzte hat im November 1900 stattgesunden. Mit Rücksicht auf die große Beteiligung wird wohl vor Beginn des Jahres 1903 eine solche Prüfung nicht mehr abgehalten werden. Veröffentlichung erfolgt vorher.

Zeuge. ' In 8 2 »bs. i der Sebühren»Ordnunz für Zeugen und- Sachverständige In der Fassung vom 20. Mai 1898 findet sich folgende Bestimmung : .Personen, die durch gemeine Handarbeit, Handwerksarbett oder geringeren Gewerbebetrieb ihren Unterhalt suchen oder sich in gleiche« Verhältnissen mit solchen Personen befinden, erhalten die nach dem ge­ringsten Satze zu bemeffrade Entschädigung (dies ist 10 Pfg. für jede an< gefangene Stunde der erforderlichen Zeitversäumnis) auch bann, wenn die Versäumnis eine« Erwerbes nicht stattgefunden hatu Außerdem erhält b<r Zeuge, der über 2 Kilometer von der Grrichtvstelle en'fernt wohnt nnd nicht Fahrgelegenheit benutzen muß oder darf, 5 Pfg. pro Kilometer deS Hin und Rückwegs als Reiseentschädioung.

Wetterbericht. Die allgemeine Wetterlage hat auch heute keine Aenderung erfahren. Hoher Druck mit einem Kern über Deutschland neb Oesterreich beherrscht noch ganz Zentral Europa, während eine Depressiv« sich auf den äußersten Nordwesten beschränkt. Die Luftdruckunterschiede sind daher allenthalben gering. In Deutschland hält das ruhige, teils heitere, teils nebelige Frofiwetter an. Strenge Kälte herrscht besonders über Ostbayern und Böhmen. Voraussichtliche Witterung: nächst noch keine Aenderung des herrschenden Witterungscharatters.

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