Nr. 298
Erscheint tägNch MU Ausnahme des
Montags.
Die Giehener Familien, blätter werden demAn- pnger im Wechsel mit Dem .Hess. Landwirt* und den .Blättern für hessische Volkskunde* oiermal wöchentlich beigelegt.
Redaktion, Grpebittoit und Druckerei:
Schulstratze 7.
iLdresse für Depeschen: Anzeiger Gieße«.
s) ,rnsprkchanschluß Nr. 81.
Drittes Blatt.
151. Jahrgang.
Donnerstag 19. Dezember 1901
GietzenerAiWger
** General-Anzeiger v **
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen UmversitälS - Druckerei lPietsch Erben).
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Irr Kerkaus der Main-Keckaröahn.
Wir finden im „Mainz. Journ." einen längeren, diese Angelegenheit behandelnden Artikel, der nach unserem Dafürhalten manches Beachtenswerte enthält, svdaß wir ihn hier auszugsweise wiedergegeben:
Tie öffentlichen Blätter berichten, daß die preußische Regierung der hessischen einen Kaufvertrag betreffs der Main-Neckarbahn vorgelegt habe.
Mir können uns nicht denken, daß die hessische Regierung diese Bahn mit ihrem großen Verkehr aus der Hand geben und an Preußen verkaufen wolle, oder daß dile Stände des Landes gesonnen seien, oem ihre Zustimmung zu erteilen.
Eine hessische Bahn mit einem Verkehr, der nur von wenigen deutschen Bahnen erreicht oder übertroffen wird, die Main-Weserbahn, ist bereits vor Jahren an Preußen verkauft worden. Eine Notwendigkeit dafür lag richt vor. Von den großen Städten des Nordens, Hamburg, Bremen, Hannover, führt der Weg nach Frankfurt durch hessisches Gebiet. Dieses Gebiet zu umgehen, war nahezu unmöglich. Es konnte darum der Verkehr von der L'iain-Weferbahn gar nicht abgelenkt werden. Dazu kommt, daß es die hessische Regierung in der Hand hatte, bei der Konzessivnserteilung für die Frankfurt-Bebraer Bahn, die ebenfalls durch hessisches Gebiet geht, die Main-Weser- dahn vor Schädigung sicher zu stellen.
Abgesehen davon, daß damit die Anstellung vieler niederen und höheren Beamten, sowie vieles andere der eigenen Regierung des Landes verloren gegangen ist, giebt & zahlreiche Fälle, in welchen die an die Bahn grenzenden Gemeinden, wie im Augenblick wieder die Stadt Friedberg, mit der Bahnverwaltung in Verhandlungen treten Müssen. Nun wäre es doch für diese Gemeinden sicherlich wünschenswerter, mit der eigenen Regierung zu verhandeln, clls mit einer fremden. Auch darf vorausgesetzt werden, Kaß die eigene Regierung für die Landeskinder größeres Interesse habe als eine fremde. Die Verhandlungen in der Zweiten hessischen Kammer über die Errichtung einer Haltestelle in Drenheim haben ja hierüber genügend Ausschluß gegeben.
Zu dem Gesagten kommen die Erfahrungen, die das Land mit der Preußisch-Hessischen Eisenvahn- oemeinschaft gemacht hat und die doch vor weiteren Zugeständnissen an Preußen warnen müßten.
Diese Gemeinschaft hat uns die Platzkarte bei den D-Zügen gebracht, diese Bravourleistung fiskalischen Scharfsinnes. Oder sollte es nicht eine fiskalische Leistung sondergleichen sein, neben der für den Schnellzug bereits im Preise erhöhten Fahrkarte, noch eine Platzkarte sich bezahlen M lassen? Bedenkt man aber, daß es Fälle giebt, in denen Diie[e Platzkarte mehr kostet, als die Fahrkarte; dann erscheint iiieje Leistung in einem noch viel glänzenderen Lichte.
Diese Gemeinschaft hat uns die Bahnsperre gebracht mit ihren unangenehmen Folgen.
Nun denke man sich die Situation, welche bei einem Verkaufe der Main-Neckarbahn eintreten müßte.
Gesetzt, die Einwohner von Darmstadt hätten einen Wunsch über Betrieb, Fahrplan usw. der Main-Neckarbahn. Sie könnten sich nun nicht mebr an die oberste, in ihrer Stadt befindliche Behörde des Landes, auch nicht mehr an den in Darmstadt residierenden Landesherrn wenden, sondern sie müßten die Entscheidung bei einem in Frankfurt oder auch in Darmstadt wohnenden preußischen Beamten smchen. Sind das Zustände, die sich nodj mit der Selbstständigkeit eines Landes und mit der Souveränität eines Fürsten vertragen?
Denke man sich einmal, die Sache läge umgekehrt. Glaubt denn jemand, die preußische Negierung würde in
ihrem Land eine Eisenbahn an das Großherzogtum Hessen verkaufen und ihm die freie und volle Verwaltung dieser Bahn überlassen? Daß Preußen groß und Hessen klein ist, kommt für den hier betonten Gesichtspunkt nicht in Betracht.
Selbst wenn der Verlaus der Main-Neckarbahn an Preußen dem Lande einen finanziellen Gewinn brächte, was kaum anzunehmen ist, so wären die Wahrung der Selbstständigkeit des Landes und die Unabhängigkeit des Landesfürsten in seiner eigenen Residenz sicherlich Dinge, die schwerer ins Gewicht fallen müßten, als eine Summe Geldes.
Oder sollte vielleicht das Großherzogtum Hessen nicht im stände sein, den Betrieb und die Verwaltung einer Bahn, wie der Main-Neckarbahn, in der rechten Weise selbst zu handhaben? Ein solches Armutszeugnis wird doch die hessische Regierung sich und dem Lande nicht ausstellen wollen.
Auch kann man fragen, was mag wohl Preußen veranlassen, sich den Besitz dieser Bahn zu sichern? Will es etwa ein finanzielles Geschäft machen? Aber wenn ein solches zu machen ist. so möge es doch Hessen selbst machen. Oder was will Preußen sonst?
Aus Berlin wird noch gemeldet: Baden beginnt der preußisch-hessischen Eisenbahngemeinschaft in die Arme zu sinken. Der „Reichsanzeiger" meldet: „Zwischen den Regierungen von Preußen, Baden und Hessen ist ein Staatsvertrag über die Vereinfachung der Verwaltung der Main- Neckarbahn abgesch,lossen worden. Der Staatsvertrag wird den Landtagen der beteiligten Staaten zur Genehmigung vorgelegt werden." Nach der Main-Neckarbahn werden andere kommen.
Politische Tagesschau.
Der russische Hof
ist, wie wir gestern mitteilten, dieser Tage unerwartet von Zarskoje-Sselo nach Gatschina übergesiedelt. Die Thatsache befremdete, wie aus Petersburg gemeldet wird, allgemein, da zur jetzigen Jahreszeit eine so plötzliche Ortsveränderung noch niemals geschehen ist und zunächst jeder Begründung zu entbehren schien. Wie nunmehr verlautet, soll ein Bubenstück bei der Wasserleitung ausgeführt worden sein. Zarskoje-Sselo besitzt wundervolles Quellwasfer, das weit und breit bekannt ist. Aus diesen Quellen wird auch das kaiserliche Palais in Zarskoje-Sselo gespeist. Es ist nun die Entdeckung gemacht worden, daß das Leitungsrohr, das nach dem Palais führt, durchbohrt worden ist, wodurch das Wasser vollkommen unbrauchbar wurde. Man munkelt noch von schlimmeren Absichten, doch bedürfte letztere Version erst genügender Bestätigung. Einer anderen Version zufolge, die wir gestern Wiedergaben, sind in Zarskoje-Sselo durch eine Typhusepidemie gegen 100 Personen erkrankt, wonach denn die Mreise der kaiserlichen Familie sehr begreiflich wäre. Als Ursache der Epidemie wird eine Vergiftung des Wassers in den Leitungsröhren angesehen, entstanden durch die große Dürre während des letzten Sommers, worauf — so heißt es — im Herbst eine Verbindung mit einer anderen Wasserader notwendig wurde. Wie weit diese Angaben begründet sind, wird man abzuwarten haben.
Englische Bestialitäten in Südafrika.
Furchtbare Anklagen gegen die englische Armee in Südafrika werden neuerdings von den verschiedensten Seiten erhoben. Tie Anschuldigungen, die jetzt gegen die Truppen Kitcheners geschleudert werden, lassen selbst die vielseitig bezeugte Thatsache, daß die in den Konzentrationslagern zusammengepferchten Burenfrauen und -Kinder den bittersten Hungerqualen preisgegeben werden, ja dem Tode durch Entbehrungen zu Tausenden zum Opfer gefallen
sind, in den Schallen treten. Wird der britischen Armee doch vorgeworfen, daß Offiziere und Mannsck>aften die weibliche Burenbevölkerung in der brutalsten Weise mißbrauchen, ja daß fie sogar Ki. der im zartesten Alter vergewaltigen. So erzählt Tr. Vallentin, ein deutscher, der seit 1895 als Staatsbeamter in Transvaal ansässig war, geradezu empörende Bestialitäten.
Er nennt es eine „Thatsache, daß bis jetzt 30 Proz. sämtlicher Burenfrauen und -Mädchen in Transvaal und im Freistaat von britischen Offizieren und Soldaten vergewaltigt sind, darunter Mädchen von zehn Jahren".
Tie Mädchen sollen vielfache in die Soldatenlager genommen, von den Konzentrationslagern nach Pretoria usw. sogar ausgewechselt werden, sobald sie verbraucht (useleß) sind. Ein kürzlich zurückgekehrter Mitkämpfer schreibt: „Die armen Kinder können keinen Widerstand leisten. Der eigene Hunger zwingt sie und das Bewußtsein, daß die Mutter und kleinen Geschwister verhungern, wenn sie ohne Nahrungsmittel heimkehren. Ich habe viele solcher unglücklichen Ätädchen selbst von 14 Jahren gesehen, die in anderen Umständen waren; es war ein Anblick zum Steinerbarmen."
Ein anderer ehemaliger Mitkämpfer der Buren, Fred Lavelle, schildert die Borgänge aus eigener Anschauung wie folgt:
„Ich erwähne jetzt nur ein bestimmtes Lager bei Irene, etwa 9 Meilen von Pretoria. Alle weiblichen Personen von 12 Jahren aufwärts werden hierher gebracht und wieVieh zusammengetrieben. Abwechselnd werden mehrere von ihnen in kleinen Haufen nach Pretoria geschafft für unzüchtige Zwecke und werden hier unter Anwendung von Gewalt und Zwang, durch EntziehungvonNahrung und andere Torturen gefügig gemacht. In Pretoria werden sie von englischen Offizieren und Mannschaften in brutalster, unmenschlicher Weise benutzt. Diese behalten die unglücklichen Mädchen so lange dort, bis letztere thatsächlich unbrauchbar (useleß) sind. Sie lassen sie hierauf nach dem Lager bei Irene zurückbringen und sich von da frisches „Menschen- flei sch" kommen. All dieses geschieht ganz öffentlich und jedermann, Offizier und Soldat, hat Kenntnis davon. Sogar Kitchener weiß davon. Mer kein einzige«. Schritt wird gethan, um diesen schandhasten Handel mit Menschenseelen zu verbieten."
Und nicht nur die englischen Truppen, sondern auch die Kaffern sollen vielfach wehrlose Burenfrauen vergewaltigen,, wie dem „Reichsboten" kürzlich durch einen Missionar bestätigt wurde. Vallentin weist ferner darauf hin, daß fast die Sgälfte der britischen Söldner krank sei und daß ihre Opfer zum großen Teil auch noch in der ekelhaftesten Weise ver- feucht würden.____________________________________________
Gerichtssaal.
Darmstadt, 16. Dez. In der heutigen Strafkammersitzung hatte sich der 23 Jahre alte Schulverwalter Karl Becker von Dorn-Assenheim wegen Körperverletzung im Amt zu ver- antworten. Der Angeklagte hatte bei der stark besetzten zweitletzten Schülerklasse in Bieber b. Offenback) in einer Weise über Unbot- mäßigkeil zu klagen, daß er ohne Züchtigung nicht zurecht kommen konnte, obwohl die Vorschrift besteht, daß Jungen in dieser Klasse in väterlicher Weise zu behandeln und nicht körperlich zu züchtigen seien. Am 27. Juni herrschte ein Lärm, daß es ihm zu toll wurde- er gab einem Unruhsttfter, dem 8 Jahre alten Sohn des Philipp Weigel, einen Schlag mit der Hand auf das rechte Ohr, daß der Knave von der Bank flog. Durch den Luftdruck trug das Trommelfell eine Verletzung davon, die die Behandlung eines Offenbacher Spezialarztcs erforderlich erscheinen ließ und Monate zur Heilung brauchte. Der Angeklagte wurde für schuldig erkannt und in eine Geldstrafe von 25 Mt., sowie zur Zahlung einer Buße von 64 Mk* an den Vater des Knaben verurteilt.
Weihuachtslitteratur.
Hebbels Werke, neu herausgegeben von R. M- Werner. Mag man Friedrich Hebbel mit der Mehrzahl seiner Verehrer zu den großen Dramatikern zählen, oder fein Wesen und feinen Ruhm durch den Titel eines großen Aphoristen und Mvnologisten enger umgrenzen; mag man insonderheit einigen seiner lyrischen Dichtungen herz- üdje Bewunderung zollen, oder, angezogen von einem sw merkwürdigen Geistesleben, besonders den Verfasser der Tagebücher, den außerordentlich tiefgründigen Briefschreiber, zum Gegenstand des Studiums erwählen; es wird sich, von welcher Seite wir uns teilnehmend nähern, eine der bedeutsamsten Erscheinungen des 19. Jahrhunderts vor uns erheben, und wer sich der Mühe mnterzieht. ringsum alle hinleitenden Wege zu reinigen wnt> zu ebnen, und den Anblick der ganzen Gestalt uns endlich zu gewähren, der darf feinem Vorhaben allgemeine freudige Zustimmung, und den verdienten Dank gesichert glauben. Richard Maria Werner hat die umfangreiche Auf- g,abe zu der feinigen gemacht. Ich habe den fleißigen Lemberger Professor wiederholt im Weimaraner Goethe- Schiller-Archiv angetroffen, zu dessen kostbaren Schätzen amd) viel Handschriftliches von Hebbel gehört. Werner hgat sich .lange in Weimar aufgehalten, und mit unermüdlichem Eifer den dort aufgesveicherten Hebbelschen Nachlaß dürchstudiert. Die Früchte seiner jahrelangen Urbeit sind eine zweibändige Ausgabe der Briefe Hebbels, ein Nachtrag zu den von Bamberg heraus- gjegebenen Hebbelschen Briefen (B. Behrs Verlag in Berlin, Ureis 8 Ml.!; bann aber eine „historisch-kritische Ausgabe o o n sämtlichen Werken" (in demselben Werlage, pro Band 2.50 Mk.), die auf 12 Bände berechnet mmd von. der uns vorerst der erste Band vorliegt. Wir Nollen Ipffen, daß das Unternehmen die Unterstützung
des Publikums findet. Und das wird es doch wohl, denn das Gegenteil wäre so beschämend wie bedauerlich. Der erste Band bringt die Tragödien „Judith" und „Genoveva" und die Komödie „Der Diamant". Angeordnet ist die Ausgabe in der Weise, daß der klar und schön gedruckte Text, mit Verszählung, für sich allein steht und der kritische Apparat — Textgeschichtliches, Lesarten, erläuternde Anmerkungen — hinter den Text tritt. Außerdem erhält jedes Werk eine kurze Einleitung des Herausgebers, „die über Entstehung, Schicksal und Würdigung alles Unentbehrliche anführt, und etwa erforderliche Winke für die richtige Auffassung giebt". Hcedurch soll das reiche Vermächtnis des Dichters einem größeren Kreise als den Forschern und der Hebbel-Gemeinde dienen, soll ein „Mehrer dieser Gemeinde" werden, ein „Erzieher zu Hebbel" sein. Der Wirksamkeit einer historisch-kritischen Ausgabe derart weitere Grenzen zu stecken, ist aus idealen und praktischen Erwägungen rätlich, und durch das Beispiel so mancher Vorgänger empfohlen. Der gewissenhaften Mühewaltung und Sorgfalt beim Herstellen des Textes gebührt unbedingte Anerkennung. Es sind nicht nur die vorhandenen Urschriften, aus dem Besitz des Goethe- und Schiller-Archivs und sämtliche Werke, sondern zum erstenmale auch sämtliche Theaterbearbeitungen und Sousslirbücher herangezogen worden, in denen sich vielfach Aenderungen von des Dichters eigener Hand erhalten haben. So kam, um nur ein Beispiel anzuführen, für die „Judith" in Betracht: der Text von 1840, als Manuskript gedruckt; die Buchausgabe von 1841; fünfzehn handschriftliche Zettel aus den Jahren 1849—1851, Anfänge einer geplanten gründlichen Umgestaltung; die Wiener Theaterbearbeitung aus dem Archw oes ^osburglheaters uub das Hamburger Soufslcrouch, beide mit c.genyänbigen Verbesserungen und Zusätzen Hebbels; die berliner Bearbeitung; das Weimarer Soufflirbuch.
Ich zweifle nicht, daß die neue Wernersche Hebbel- Ausgabe endlich das deutsche Volk dazu bringen toirb, die still bewußte Größe von Friedrich Hebbels tiefem Dichtergeist begreifen zu lassen, ihm endlich seine Liebe zuzu- wenden, dem Sange dieses Großen zu lauschen, anstatt das Pfeifen von minderwertigen Gimpeln im deutschen Dichterwalde anzuhören und durch Zulauf zu unterstützen. Ich möchte ganz besonders auf den erstaunlich billigen Preis aufmerksam machen, der wirklich jedermann in die Lage versetzt, sich den Hebbel auf den Weihnachtstisch Jegen zu lassen. W.
Illustriertes Buch der Patiencen. Erstes Bändchen, neunte Auflage; Neue Folge, dritte Auflage. Eleganteste Ausstattung in mehrsartigem Dntck. Preis jedes Bändchens 5 Mark. Breslau. I. U. Kerns Verlag (Max Müller). Ein vornehmes, den Geist angenehm beschäftigendes, und doch, weil man keinen Gegner hat, nicht aufregendes Spiel ist das Legen von Patiencen, das schon vielen einen langen, einsamen Winterabend angenehm ausgesüllu manchem Müßigen die Zeit vertrieben und manchem Kranken leichte Zerstreuung gebracht hat. Wir möchten namentlich! unsere Leser im Vogelsberge auf die beiden Ländchen des „Illustrierten Buchs der Patiencen" aufmerksam machen, die in ihren zweimal 60 Patiencen eine so große Abwechselung bieten, sie so klar und verständlich erläutern und die Erklärung durch die rot und schwarz in den Text gedruckten Keinen Kartenbilder so deutlich veranschaulichen, daß es eine Freude ist, sich derselben beim Legen einer bekannten- oder beim Erlernen einer neuen Patience als Führer zu bedienen. Die neuen Auslagen zeichnen sich durch eine noch Zierlichere, farbige Ausstattung als die früheren aus und bilden kleine Meisterwerke der Buchoruckerkunst.


