Ausgabe 
18.12.1901 Drittes Blatt
 
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Mittwoch 18. Dezember 1901

Drittes Blatt

151. Jahrgang

Erscheint täglich »u Ausnahme des Diontags.

{He Giehener Zamilien. Mdtter werden dem An- seiger im Wechsel mit temHess. Landwirt* Uld denBlättern für hessische Volkskunde* iiecmol wöchentlich bei­gelegt.

äebottton, Expedttior und Druckerei:

Schulstratze 7.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.

Fernsprechanschluß Nr.51.

JMMT Ä .Ak 'V=9T A Annahme von Anzeige«

Effi zu der für den folgenden

GiehenerAnzeigers

W General-Anzeiger ** Sag»

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Aus Stadt und Land.

Siachrichten von o[(gemeinem Interesse sind uns stets wMommen und werden angemessen honoriert.

Gießen, 17. Dezember 1901.

** Anlegung des Grundbuchs. Einer Bekanntmachung im Regierungsblatt Nr. 72 zufolge ist das Grundbuch als an­gelegt anzusehen für folgende Gemarkungen Oberhesiens: Menschlirs im Amtsgerichtsbezirk Herbstein mit dem 1. Okto­ber 1901, Bauernheim im Amtsgerichtsbezirk Friedberg mit ibm L Mai 1901, Bernshausen im Amtsgerichtsbezirk Schlitz 'mit dem 1. Januar 1902, Busenborn im Amtsgerichtsbezirk Schotten mit dem 1. Oktober 1901, Hausen im AmtSgcrichts- beziirk Gießen mit dem 1. Oktober 1901, Inheiden im Amts- gemchtsbezirk Hungen mit dem 1. Oktober 1901, Lehnheim im Amtsgerichtsbezirk Grünberg mit dem 20. Dezember 1901, Mülbach im Amtsgerichtsbezirk Homberg mit dem 1. No­vember 1901, Nieder-Bessingen im Amtsgerichtsbezirk Lich mit dem 15. September 1901, Nonnenroth im Amtsgerichts- üejirk Hungen mit dem 15. Dezember 1901, Ober-Bessingen in Amtsgerichtsbezirk Lich mit dem 1. Januar 1902, Ober- Bürgern im Amtsgerichtsbezirk Butzbach mit dem 20. Dezem- ber 1901, Ober-Seibeäenrod im Amtsgerichtsbezirk Ulrichstein mit dem 15. September 1901, Ossenheim im Amtsgerichts­bezirk Friedberg mit dem L Juli 1901, Pohl-Göns im Amts- gerichtsbezirk Butzbach mit dem 1. Oktober 1901, Rupperts­burg im Amtsgerichtsbezirk Laubach mit dem 1. Oktober 1901, Schlechtenwegen im Amtsgerichtsbezirk Herbstein mit dem 1. November 1901, Unter-Schmitten im Amtsgerichts- beznrk Nidda (mit Ausnahme der Grundstücke Fl. I Nr. 832, A I Nr. 833, Fl. II Nr. 295, Fl. III Nr. 260, Fl. III Ar. 261, Fl. IV Nr. 173, Fl. IV 91r. 174, Fl. V Nr. 290, JC. VI Nr. 426, Fl. IV Nr. 427, Fl. VII Nr. 548 -}u VIII Nr. 216, Fl. IX Nr. 232, Fl. XI Nr. 226 und XI Nr. 227) mit dem 1. Dezember 1901.

** Staatsprüfung im Finanzfach. Die in Darmstadt stattgchäbte allgemeine Staatsprüfung im Fi­nanzfach, an der sich die Herren Hanack-Kirckgöns, Ploch- Gießen, Ueberle-Mainz und Wörner-Bad-Nauheim beteilig­tem hatte das Ergebnis, daß sämtliche Kandidaten bestanden.

** Organi st en gehälter in Hessen. Die äußerst geringen Organistengehälter in Hessen sollen, wie verlautet, in aller Kürze zeitgemäß geregelt werden, und zwar soll siche Erhöhung in den einzelnen Dekanaten geschehen. Der Musch der Lehrer und Organisten ist nun aber, daß die ÄeZulierung durch das Oberkonsistorium vorgenommen wird, jlutcf) soll die Auszahlung der Organistengehalter nicht durch die Kirchengemeinden, sondern aus dem Zentralkirchenfonds Mtfinden. Um nun diese wichtige Sache gleichmäßig zu zeslialten, ist von feiten einiger Lehrer ein Aufruf an die iryganijicn Hessens ergangen. Es sollen die Organisten der einzelnen Dekanate in allernächster Zeit Versammlungen ablialten, um über die Angelegenheit Beschlüsse zu fasten, tilgende Punkte sollen dabei besonders beachtet werden: i Anzahl der Gottesdienste, seitherige Vergütung und zn- kunftige Forderung; 2. Singen der Schulkinder im Gottes- bienfi und bei Leichenbegleitung; 3. Orgelspielen bei Trcm-

Weihnachtslitteratur.

Die Arche Noah. Reime für Kinder von Fritz Emily Koegel. Mit Bildern von H. Eichrodt, Otto Mntscher, A. Haueisen, F. Hein, K. Hofer, H. v. Volk- tfcmn und B. Welte. Verlag von B. G. Teubner in Leüpzig. DieArche Noah", ein Bilderbuch mit Reimen, in dem Verse und Bilder zu einer künstlerischen Einheit verschmolzen sind, bringt Kunst in einer Form, die der Lindlichen Auffassung gemäß ist, Kunst, die das Kind lieben ianiL DieArche 9Loah" ist vor allem lustig, will mit dem Heinen Volk spielen. Sie steckt voll von dem Humor, )u-n das Kindergemüt zulacht. Die Farben sind ungebrochen gno leuchten in starten Akkorden, wie es das kindliche Luge fordert, dem die feinen seltsam gemischten Nüancen unzugänglich sind. Die Künstler des Karlsruher Künftler- duades waren vor anderen geeignet, ein solches Bilderbuch ul schaffen, da sie die farbige Künstler-Lithographie am intensivsten pflegen, und da sie gewöhnt sind, gemein» iimi in einer Richtung, in einem Stil zu arbeiten; Hljer ist dieArche Noah" im Stil einheitlich, obgleich iidben Künstler mitgearbeitet haben. DieArche Noah" ist gefüllt mit Dingen und Ereignissen aus der Welt bes Kindes, mit lauter Realitäten, wie es die wirkliche Loche Noah einst auch war. Eingerechnet die Träume uni) Phantasien, die in die Well des Kindes sehr wesent­lich hineingehören. Alles ist echte Kinderkunst, und echt deutsche Kunst zugleich, da es aus dem deutschen Kinder- leb'en herausgewachfen ist. Die Maler und Dichter der A rche" sind mit den Kindern wieder Kinder geworden, i> Paradies ihrer Jugend hat sich ihnen wceder auf- oetthan. Deshalb wird auch ihr Buck den Weg zur Jugend nnoen. Daß recht viel fröhliche Kinderaugen in dieArche ptoKÜ)" hineinschauen mögen, ist unser Weihnachtswunsch.

Tiergeschichten. Im Verlage von Ernst Wun- de rlich in Leipzig erschienen vom Hamburger Jugend- jlhiiiften - Ausschuß ausgewählte, prächtige Tiergeschichten tonn Ebner-Eschenbach, Björnson, Kipling, Wtd- riam u. a- Der Preis des kleinen Merkchens beträgt nin 60 Pf. für das in Leinen gebundene 7 Bogen starke kxitinplar.

Herzblättchens Zeitvertreib", Band 46 be- Mndet von Thekla von Gumpert, herausgegeben

ungen; 4. abgelöste Aceidenzien. Auf diesen Versamm-1 lungen sollen Delegierte bestimmt werden für eine Hauptver­sammlung der Organisten der hessischen Landeskirche, die in Frankfurt a. M/ am 26. Januar 1902 ruscunrnentreten wird. Eine Vor Versammlung für die nähere und

weitere Umgebung der Stadt Mainz findet bereits am 21. Dezember, mittags 12 Uhr, im Köther Hof zu Mainz statt.

** Lehrgang in Krankenpflege. Der Vorstand des hessischen Landesvereins vom Roten Kreuz beabsichtigt unter Mitwirkung des Mice-Frauenvereins für Kranken­pflege in den Monaten Januar und Februar in Darm­stadt einen Lehrgang in Krankenpflege für solche Frauen und Jungfrauen durchzuführen, welche für den Kriegs­fall bereit sind, freiwillig die Pflege verwundeter und er­tränkter Soldaten unter dem Roten Kreuz zu übernehmen. Es sollen unter ärztlicher Leitung abends etwa 12 Lehr­stunden (je 2 wöchentlich) abgehalten werden; selbstverständ­lich wird dieser Unterricht unentgeltlich erteilt. Ter Kurs bezweckt die theoretische und praktische Heranbildung von Hilfspflegerinnen für den Kriegsfall.

** Kochkunst-Ausstellung in Mainz. In den Tagen vorn 8. bis 12. Januar 1902 findet in Mainz in den Räumen des Konzerthauses der Liedertafel eine Ausstellung für Kochkunst und verwandter Gewerbe statt. Veranstalter der Ausstellung ist derVerein der Köche, Mainz", Zweig­verein des Int. Verbandes der Köche, Sitz Frankfurt. Für ein gutes Gelingen dürfte der Vorstand des Vereins, Herr Frz. Gutmann, Küchenchef im HotelHof von Holland", Mainz, welcher auch Präsident des Ausstellungskomites ist, allein schon Garantie bieten, da derselbe eine an­gesehene Persönlichkeit auf dem Gebiete der Kockkunst ist. Die Gruppen-Einteilung der Ausstellung ist folgende: 1. Er­zeugnisse der Kochkunst, 2. Moderne Prunktafeln und Buffets, 3. Konditorei- und Bäckereiwaren, 4. Nahrungs­mittel aller Art: Fische, Fleisch, Geflügel, Wildpret, Obst und Gemüse, Mvlkereiprodukte, Delikatessen, Kolonialwaren und Konserven, ö. Diätetische Präparate, chemisch erzeugte Nahrungsmittel, 6. Getränke aller Art, 7. Kochs-Apparate aller Systeme, 8. Eisschränke und Kühlvorrichtungen, 9. Haus- Haltungs- und Küchengegenstände: Porzellan- und Glas­waren, Speisezimmer-Einrichtungen, Küchen-Einrichtungen, 10. Silber-, Alfenide, Stahl- und Nickelwaren^ll. Fachlittera- tur, 12. Erzeugnisse der Gärtnerei, die in den Rahmen der Ausstellung passen (Tafeldekorationen). Das Ehren­präsidium hat der Oberbürgermeister der Stadt Mainz Dr. G a ß n e r übernommen. Das Preisrichter-Kollegium bilden hiesige und auswärtige Fachleute von Ruf. Zur Prämi­ierung stehen eine große Anzahl von wertvollen Ehren­preisen, goldene Medaillen, silberne Medaillen und Ehren- diplöme zur Verfügung. Die Anmeldungen sind schon sehr zahlreich von Kapazitäten der Kochkunst und vielen be­achtenswerten Firmen eingelaufen. Jede Auskunft erteilt Herr Gutmann, Küchen-Ehes HotelHof von Holland" in Mainz.

)( B ü d i n g e n, 13. Dez. Von dem Ueberschußder Jubiläumsfeier des hiesigen Gymnasiums, der wesentlich durch Schenkungen erhöht wurde, soll, wie wir früher bereits mitteilten, ein Spielplatz für die Schüler des Gymnasiums beschafft werden. Gegenwärtig ist man damit beschäftigt, einen Eisplatz auf der Bruchwiese in der I Nähe der Brunostraße herzurichten. Durch die Wasserleitung

von Berta Wegner-Zell, Verlag von Carl Flem­ming, Glogau. Elegant geb- Mk. 6. In der Flut der Kinder- und Jugendbücher nimmtHerzblättchens Zeit­vertreib" noch immer einen hervorragenden Platz ein. Seit Generationen in den besten deutschen Familien des Jn- und Auslandes eingebürgert, suclsi es mit jedem neuen Bande den altbewährten Ruf aufs neue zu verdienen. Für Mädchen und Knaben von 4 bis 10 Jahren berechnet, wird cs auch von älteren Kindern noch mit Vergnügen und stutzen gelesen. Die ganz Kleinen, die noch nicht selber lesen können, haben ihre Freude an dem reichen, künstler­ischen Bilderschmuck, lernen spielend die vorgelesenen Bers­chen und Märchen, lösen leichte Rätselaufgaben und finden in müßiger Stunde unterhaltende Beschäftigung in Aus­führung der kleinen Handfertigkeiten, die jeder Band bringt.

Töchter-Album", Band 47, begründet von Thekla von Gumpert, herausgegeben von Berta Wegner- Zell, Verlag von Carl Flemming, Glogau. Elegant geb. Mk. 7,50. Unseren Heranwachsenden jungen Mädchen wird es wahrlich leicht gemacht, spielend zu lernen und Geist und Gemüt zu bilden, während sie anregende Unter­haltung finden. Man braucht nur den Inhalt des dies­jährigenTöchter-Albums" zu übersehen, um voll ehrlicher Anerkennung festzustellen, wie ernst die Herausgeberin be­strebt ist, den Jdeenkreis unserer Töchter zu erweitern und den verschiedensten Interessen reiche Nahrung zu bieten. Poesie und Prosa, biographische und geschichtliche Bei­träge, Reiseschilderungen und Kulturelles, Künst und Kunsthandarbeiten, und noch viel anderes ist in dem umfangreichen Bande zu finden, nur keine Liebes- und Heiratsgeschichten. Ausstattung und bildlicher Schmuck sind reich.

Im Verlage der G. 3 Gösch enschen Verlagshand­lung in Leipzig ist kürzlich eineDeutsche Littera- tur-Geschichte des 19. Jahrhunderts vonCarl Weitb recht" (2 Teile je 80 Pf., geb.) erschienen. Der als Lyriker und Novellist, wie auch als Litterarhiftoriker nicht unbekannte Versasfer giebt uns hier auf engem Raume deirnoch ein nahezu vollständiges Bild von unserer Nationallitteratur im letzten Jahrhundert, in sorgfältig ausgearbeiteten Charakteristiken ihrer wichtigsten Vertreter, die eine gelungene Gruppierung gesunden haben. Die

soll das beträcktliche Areal, das von einem Erddamm um­geben ist, gewassert, wodurch die Eisfläche immer wieder leicht aufgefrischt werden kann. Auch der Bürgerschaft wird die Benutzung der Eisbahn zugängig gemacht; Tageskarten zu 20 Pfg. und Dauerkarten zu 2 Mkl sollen zur Ausgabe gelangen. Schüler des Gymnasiums erhalten Dauerkarten zu 1 Mk. Gegenwärtig herrscht hier immer noch eine rege Bautätigkeit. Die Vergrößerung der Glashütte hat viele Glasarbeiter aus Schlesien und Böhmen herbeigezogen. Man hat den Lau großer Wohnhäuser in Aussicht ge­nommen, die Wohnungen für 10 bis 12 Familien enthalten sollen. Ein weiterer Zuzug von Arbeitern steht im Früh­jahr zu erwarten. Einige Wohnungen in der Stadt sind von der Direktion der Aktiengesellschaft bereits angekauft worden, um den vielen bereits zugezogenen Familien Unter- kunst zu verschaffen.

Main;, 15. Dez. Der Kirchenvorstand der Diözese Mainz hzelt gestern auch noch eine Nachmittagssitzung. In derselben kam der Vertreter des Bischofs, Domkapitular Dr. Selbst, nochmals eingehend auf die am Vormittag ge­faßten Beschlüsse zurück und gab die Erklärung ab, daß der Bischof sich mit diesen Beschlüssen nicht einverstanden erklären würde. Daraufhin folgte nun eine sehr eingehende Debatte, die an Schärfe öfters nichts zu wünschen übrig ließ. Der Kirchenvorstand aber sah sich, trotz der entschiedenen Be­schlüße, die er am Vormittag gefaßt hatte, veranlaßt, diese Beschlüsie wieder anfzuheben und nunmehr besonders auf die beschlossene Aufhebung der Stolgebühren deshalb voll­ständig Verzicht zu leisten, weil gerade dieser Beschluß bei dem Vertreter des Bischofs, Dr. Brück, die größte Beanstand­ung erfuhr. Nunmehr faßte dex Kirchenvorstand folgenden Beschluß: Der Diözesenkirchenvorstand erhöht die katholische Kirchensteuer für das Jahr 1902/1909 auf 6 Prozent; er spricht den Wunsch aus, daß die sich ergebenden Mittel wie folgt verwendet werden: 1. zur Aufbesserung der Pfarrgehalte bis zum Höchstgehalle von 3200 Mk., ohne daß die Einnahmen aus einem Nebenamt in das Stelleneinkommen des Pfarrers eingerechnet werden, 2. zur Einführung einer 6. Alterszulage von 250 Mk. bei 35 Dienstjahren, 3. zur Aufbesserung der Gehalte der Pfarrkuraten. Unter dem Vorsitze des Bei­geordneten Haffner fand gestern die Sühneverhandlung zwischen dem Stadtverordneten Dr. Rautert und dem früheren Inhaber einer Kaffee-Rösterei, Astheimer, statt. Letzterer fühlte sich bekanntlich durch den AusdruckKerl", den Dr. Rautert in einer Sitzung der Stadtverordnetenver­sammlung mit Bezug auf den Kläger gebrauchte, beleidigt. Nicht uninteressant dürfte es fein, daß sich die beiden Herren in demVorzimmer" des Sühnegerichts erst gegenseitig vor­stellten, da keiner den anderen kannte. Dr. Rautert erklärte, daß er nicht die Absicht gehabt habe, den ihm unbekannten A. zu beleidigen. A. war damit einverstanden, daß Dr. R. in der nächsten Stedtoerordnetensitzung eine Erklärung abgebe, in der dieser die ihm in der Hitze der Debatte entschlüpfte' Aeußerung bedauert uud zurücknimmt.

sechs Abschnitte find überschrieben: Der Anfang des Jahr­hunderts, Zwischen den Revolutionen, Die Rückkehr jur Form, Der poetische Realismus, Nationale Einigung und geistige Entartung, Me Modenre. Im 1. Abschnitte wird hauptsächlich die Romantik besprochen, welcher der Ver­fasser nicht zugethan ist; von ihr sondert er Heinrich von Kleist und Eichendorff. Aus dem 2. Abschnitt heben wir die treffliche Charakteristik des als Lyriker mit Goethe vergleichbaren Eduard Mörike hervor. Im 3. Abschnitt werden Emanuel Geibel, Paul Heyse u. a- gewürdigt. Der poetische Realismus, dem der 4. Abschnitt gewidmet ist, gilt dem Verfasser als der Höhepunkt des lltterarischen Schaffens; als Hauptvertreter werden Fr. Hebbel, O- Lud­wig, Herrn, Kurz, Gust. Freytag, Jer. Gotthels, Gottfr. Keller, Conr. Ferd. Meyer und Wilh. Jordan genannt, von denen Keller, am höchsten gestellt, und der alte Nibel­ungen-Jordan in sehr ausführlicher liebevoller Darlegung^ in das rechte Licht gesetzt wird. Unter den diesen poeti­schen Realisten verwandten Geistern werden Th. Storm, Fritz Reuter und Wilh. Raabe besonders eingehend und ihrer Bedeutung entsprechend behandelt. Im 5- Abschnitt wird eigentlich nur der Dramatiker Ludw. Anzengruber alsGesundgebliebener" inmitten der allgemeinen geistigen Entartung befunden. Der letzte Abschnitt zeigt uns den Verfasser als entschiedenen Gegner herModerne"; er weist auf den Einfluß eines Zola, Ibsen und Dostojewsky und nicht am wenigsten eines Nietzsche hin, kritisiert Suder­mann scharf, und läßt allenfalls noch Hauptmann gelten. Von einer künstlerischen Vertiefung in den heimatlichen Boden,' derHeimatkunst", erhofft er Gesundung unserer Litteratur. Was wir an dem Buche auszusetzen haben, ist nur geringfügig im Vergleich zu seinen Vorzügen: es steht derModerne" allzu ablehnend gegenüber, und erkennt nicht einmal ihre Bedeutung als Uebergangspoeten an. Bleibtreu, Conrad, Walloth existieren für ihn gar nicht. Darum sind u- E. die ersten Abschnitte des Merk­chens, die von schönem Ernst und warmer Vertiefung in unserer großen Tichtung zeugen, dem Schlüsse erheblich überlegen. Kein ernsthafter Leser aber wird ohne genuß­reichen Gewinn diese Litteraturgefchichte aus der Hand legen.