Ausgabe 
18.10.1901 Zweites Blatt
 
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Nr. 245 Zweites Blatt.

151. Jahrgang.

Freitag 18. Oktober ISO 1

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Die Siebener Familien- Dlutter werden dem An­zeiger im Wechsel mit dem »Hess, ßanbroirt* und denBlättern für hessische Volkskrmde" viermal wöchentlich bei­gelegt.

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Politische Tagesschau.

Die Kaualvorlage.

Ein gestern nachmittag bei uns eingetvoffen-es Tele­gramm meldete:

Berlin, 16. Okt. DerLvkalanzeiger" nreldet, daß neuerdings in politischen Kreisen die Wiedereinbring­ung der Kanal-Vorlage in der nächsten Tagung des Abgsordnetenhauses als wahrscheinlich bezeichnet wird. Mau will wissen, daß die Besprechung des Ministers von Thielen mit dem Präsidenten des Staatsministeriums die weitere Behandlung der Kanalvorlage sowie die sonstigen schwebenden Angelegenheiten zum Gegenstände gehabt habe, bei denen der Eisenbahnminifter beteiligt ist.

DieBerl. N. Nachr." erklären heute diese Nachricht für unzutreffend. Nach Informationen sei bisher in dieser Beziehung keine Entschließung ergangen. Gestern aber stiegen infolge jener Meldung des Berliner Sensations­blattes, dessen wichtigste Nachrichten zu allermeist am Tage darauf widerrufen werden, an der Berliner Börse die Cernentaktten erheblich im Preise. Man führte auch flugs dieeingehende Rücksprache", die nach derNordd. Alla. Ztg." Minister v. Thielen kürzlich mit Graf Bülow pflog, aus diesen Gegenstand zurück. Es ist daran festzuhälten, daß die kommende Parlamentssaison außer mit dem Zolltarif­entwurf mit keiner anderen großen Aufgabe befaßt werden soll. Zolltarif- und Kanal-Kämpfe, das wäre denn doch zu viel auf einmal auch für die thateneisrigslL Regierung. Graf Bülow wird es mit der Bemerkung des Fürsten Bis­marck halten, daß es nicht praktisch ist, zwei Hasen gleich? zertig zu jagen. '

Komtz.

Die Na^aücht, daß das Medizinalkollegium der Pro­vinz Westipreußen über den viel erörterten Konitzer Mord ein Gutachter erstattet hcü, das jeden Zweifel an dem Er­stickungstode beseitigt, mußte allenthalben Aufsehen erregen. Mit dem Gutachten ist der Mär vom Ritualmord in diesem Falle der Boden entzogen. Ter Gymnasial kann nicht von abergläubischen Juden geschilachtet sein, damit sie sein Blut erlangen, wenn er uadji der wissenschaftlichen Feststellung des Medizinalkollegiums erwürgt worden ist, was sich! ins­besondere aus der Blutüberfüllung der Lungen ergiebt. Es hat immer unbefangene Beobachter gegeben, die aus dem Thatbestand den Schluß zogen, es sei höchst wahrscheinlich Winter, der notorisch ein wüstes Leben führte, bei einem Ehebruchs oder einer ähnlichen That überrascht und iu der Erregung des Augenblicks umgebrachit worden, so daß juristisch nicht Mord, sondern Totschlag vorläge.

Zu den gestern mitgetellten Angaben über das Gut­achten wird von derOscheutschen Tagesztg." in Könitz ge- schPieben:

3m Auftrage derStaatsb. Ztg." hatte Rechts­anwalt Hahn in Charlottenburg eine Strafanzeige gegen Fleischermeister Adolf Levy, den Fleischergesellen Moritz Levy, den Schlächter Hamburger und oen Fleischermeister Josef Eisenstädt aus Prechlau als Leute, die des Mor­des an Winter verdächtig seien, bei der Staatsanwalt­schaft Fingereicht. Auf diese Ängabe ist ein Bescheid des Ersten Staatsanwalts Schjweigger in Könitz gxfolgt. Das Schriftstück prüft auf das sorgfältigste und ein­gehendste alle, auch die geringfügigsten Verdachts­momente und gelangt dann zu dem Ergebnis, daß gegen keine der bisher beschuldigten Personen ein be­gründeter Verdacht vorliegt, was von Juden wie von Christen gelte, und daß in Bezug auf die Behauptung, es läge ein sogenannter Ritualmord vor, die Ergebnisse der medizinischen und chemischen Gutcchten über die Leichenteile und die gefundenen Kleidungsstücke, eine solche Vermutung direkt auszuschließen. Damit stürzt jenes ganze Gebäude von Verdächtigungen zusammen, das durch die antisemitische Presse im allgemeinen und durch! dieStaatsb. Ztg." im besonderen aufgebaut wor­den ist Die antisemitische Presse hat unter der Be­völkerung der Konitzer Gegend eine beispiellose Ver­hetzung betrieben. Diese nahm schließlich solchen Um­fang an, daß selbst! blutige Exzesse und alsdann die die Verhängung schwerer Strafen gegen die verführten Personen die Folge waren. Aus den einzelnen Ausführ­ungen des Staatsanwalts geht hervor, in welch« fri­voler Weise harmlose Aeußcrungen mißbraucht worden ind, und wie außerdem bei weniger urteilsfähigen Per- onen sich wahre Wahnideen festgesetzt hatten, die nicht )ie geringste Stütze in den Thatsachen fanden. Nachdem mrch die ebenso eingehende, wie sorgsälttge Prüfung >er Staatsanwaltschaft der Schutt der antisemitischen Verdächtigungen, der Voreingenommenheit und des Aberglaubens hinweggeräumt worden ist, erscheint die Bahn endlich frei, um nach dem wirklichen Thäter zu forschen. Hierfür wird es von größter Bedeutung sein, daß durch! das Urteil des kgl. Medizinalkollegiums in Danzig, in Uebereinstimmung mit Berliner Autoritäten, über die. Art der That einige Klarheit geschaffen ist Tie Todesursache war Erstickung, und erst natty dem Tode fand die Zerstückelung des Leichnams zum Zweck der Beiseiteschasfung des Toten, auch die Abtrennung des Kopfes vom Rumpfe statt. Der bedauernswerte Winter ist anscheinend ein Opfer seines Lebenswandels gewor­den, und es wird sich, nunmehr daraum handeln, in einer Richstung weiter zu forschen, die Aufllärung über die Beziehungen Winters zu weiblichen Personen geben kann. Hoffentlich gelingt es der Staatsanwaltschaft, den loder die Thäter schließlich noch festzustellen, wie es gelungen ist, die Verdächtigungen gegen eine Anzahl unschuldiger Personen zu zerstteuen."

Das Medizinalkollegium der Provinz Westpreußen ist, wie folgt, zusammengesetzt: Präsident Oberpräsident

Staatsminister Dr. v. Goßter, Stellvertreter Obervräsidial- rat v. Barnekow, Mitglieder Regierungs- und Medizinal­rat Dr. Bornträger, Medizinalrat Dr. Kroemer, Prozessor Dr. Barth, Oberarzt der chirurgischen Abteilung des Stadt­lazaretts in Danzig, Professor Dr. Valentini, Chefarzt der inneren Abteilung des Diavornssen-Krankenhauses, Vete- vinärassessor Preuße, pharmazeutischer Assessor Helm. 'Daß das Medizinalkollegium jetzt endlich, gehört worden ist, wird nur bei allen unbefangenen Personen Beftiedigung erregen.

Welche Aufregung, welche Verwirrung wurde nicht in Könitz und über seine Grenzen hinaüs durch die An­nahme angerichtet, daß Winter von Juden, vielleicht gar unter Mitwirkung von Rabbinern mittelsSchächtschnitts" vom Leben zum Tode befördert worden sei! Durch! Zeit­ungen und Flugblätter, durch, Postkarten und Versamm­lungen wurde dieser Wahn genährt. Wenn aber jetzt ver­ficht wird, die Lungen seien mit Blut überfüllt und diese Thatsachie beweise genugsam, daß nicht Verblutungs-, son­dern .Erstickungstod vorliege, was soll man von Sacht- verständigen denken, die diese entscheidende Thatsache nicht beachtet oder nicht verstanden haben? Und weshalb ist das Obergutachten des Medizinalkollegiums nicht vor Jahr und Tag eingeholt worden?

Die Konitzer Vorgänge haben die Aufmerksamkeit der ganzen zivilisierten Welt gefesselt. Die Bevölkerung stand unter der Wirkung einer unheimlichen Suggestion. Die Prozesse, die sich dort, oder im Anschluß an die Konitzer Ereignisse, anoerweit, abgespielt haben oder noch schweben, füllen ein dunlles Blatt in der Geschichte eines Rechts­und Kulturstaates. Hoffentlich wird das Gutachten des Medizinal Kollegiums ehestens im Wortlaut veröffentlicht.

Chinesisches.

China verlangt die Mandschurei von Rußland zurück! So meldete uns gestern ein Telegramm. Li-Hung- Tschang hat persönlich den russischen Gesandten in Peking zweimal deswegen aufgesucht, worauf dieser vorschlug, China soll einen besonderen Gesandter zur Verhandlung über die Bedingungen der Räumung nach, Petersburg ent­senden. Daß der kluge Li-Hung-Tschang eine solche Mission ür ebenso unangenehm wie aussichtslos hält, geht aus olgendem hervor:-Hung-Tschang plant. Tschaugtschitung, einen größten Feind, mit der Mission zubetrauen". Die gemütvolle Absicht ist natürlich, den Sondergesandten mit einem eklatanten Mißerfolg beladen heimkehren zu sehen. Nach landesüblichem Brauch darf dann der arme Tschang- tschitung sich mit gnädigster Erlaubnis der Kaiserin-Witwe eigenhändig vom Leben zum Tode befördern wenn er nicht vorzieht, dem Sonnenlande fernzubleiben. Ruß­land hat sich, in der Mandschurei bereits vollkommen häus­lich eingerichtet, zu allernächst eine wirksame Steuerordnung ins Werk gesetzt, ja sogar Bestimmungen über die Kleidung chinesischer Handwerker erlassen. Es ist nicht daran zu denken, daß Rußland sich soviel Umstände und Kosten macht, ohne den festen Wlllen, das Errungene zu behalten. Umsomehr, da sich die anderen Großmächte allem Anschein nach mit der vollzogenen Thatsache abgefunden haben. Deutschland stellt sich gewiß nicht in den Weg, Frankreich wagt selbst­verständlich keine Auflehnung gegen den Verbündeten, OesterreickMngarn und Italien spielen in Ostasien eine untergeordnete Rolle, England wird durch, seine südafrika­nischen Sorgen im Zaum gehalten, und um das etwaige Mißvergnügen der Vereinigten Staaten, die trotz allem Entgegenkommen unbelohnt seitens Chinas geblieben sind, kümmert sich die russische Regierung keinen Deut. China wird die Mandschurei endgiltig aus das Verlustkonto zu schreiben habend Das ist noch viel schmerzlicher, als die Zahlung der Entschädigung an die Mächte, und aus diesem Gesichtspunkte betrachtet erscheint die Wegnahme der Mand­schurei als eine Garantie für die Erhaltung friedlicher Zustände in China, das es wohl nicht lcrcht wieder darauf ankommen läßt, daß eine Provinz zum Zweck derBeruhig­ung" von einer fremden Macht besetzt und behalten wird.

Erfreulich ist übrigens im Interesse der Besitzer chi­nesischer Schuldverschreibungen, die auch in Deutschland zahl­reich, untergebracht sind, daß England sich um eine Revision der chinesischen Zölle und Abgaben bemühen will. Eine solche Revision wird natürlich, wenn sie in geschickter Weise erfolgt und däs iist dengeborenen Kaufleuten", den Briten, schon zuzutrauen wesentlich zur Kräftigung und Ordnung der chinesischen Finanzen beitragen. Erwähnt sei, daß die Nachricht von der Revision am 16. Oktober der Öffentlichkeit durch das Reutersche Bureau übermittelt worden ist. Tags zuvor bereits, am 15. Oktober, machte sich an der Börse große Nachfrage für chinesische Anleihen geltend, die daraufhin ziemlich beträchtlich im Kurse ge­wannen. Es sind also von der betreffenden Meldung be­vorzugte Personen frühzeitig in Kenntnis gesetzt worden. Herrn Chamberlain hat man s. Z. nachgewiesen, daß er seine geschäftlichen und spekulativen Interessen sehr erfolg­reich beim südafrikanischen Kriege wahrzunehmen verstand. Auch, bei diesem nunmehr bekanntgegevenen Beschluß des Londoner Auswärtigen Amts, eine Revision der chinesischen Zölle und Abgaben herbeizuführen, ist nicht ausgeschlossen, daß dieWissenden" sich zum Trost in schweren Kciegs- zeiten einen kleinen spekulativen Fischzug gegönnt haben.

Vom Burenkriege.

Wo i st Bo t h a? Das scheinen die englischen Truppen­führer wieder einmal nicht zu wissen. Gestern wurde uns aus Durban telegraphiert, General Botha soll nordwärts nach, Pietretief marschiert sein, und die britischen Kolonnen sind noch (!!) in Berührung mit den Buren und es fin­den täglich, kleine Kämpfe statt. Andererseits wurde von dersehr kritischen" Lage des Oberbefehlshabers der Buren

und von seinerunmittelbar bevorstehenden Gefangen­nahme"' geschwefelt. Alle diese Nachrichten sind gänzlich wertlos. Auch die heutigen Meldungen sind unzuverlässig. Aus Dundee wird über London telegraphiert: Botyas Hauptarmee ist noch in der Gegend des Pongola-Bosch und der Slangapies, zweier Hügelreihen westlich von Paul Pietersdorp. Eine Anzahl Burenentkam" west- und nord­wärts über die Linie Wakkerstuoom-Pietretief mit einigen Kapkarren, aber ohne Geschütze. Man glaubte zuerst, Botha sei unter diesen; doch jetzt scheint es, daß er nur eine Strecke nach Norden ging und dann nach dem Pongola- Bosch, .zurückkehrte. In oen Slangapies-Hügeln sind viele Burenfamilien und Vorräte verborgen. Oberst Colvllle fand Pietretief leer, doch war es augenscheinlich von Buren be­setzt gewesen. Aus Durban wird telegraphiert: Die Rück­kehr der Natal-Freiwilligen wird wahrscheinlich aufge- schoben werden, da die Buren erneute Aktivität an der Grenze zeigen.

Aus alle dem geht hervor, daß Botha es vortrefflich versteht, die Engländer an der Nase herumzuführen, und sie über sich selber im Unklaren zu lassen.

Das britische Kriegsministerium veröffentlichte am letzten Donnerstag ein Telegramm Lord Kitcheners, in dem berichtet wurde, daß, das Geschütz, das vor einigen Tagen von den Buren der South African Constabulary in der Nähe von Houtkop abgenommen wurde, von der Constabu- lary unter dem Befehl von Oberst Hicks in der Nähe von Venterskroon wieder erobert wurde. Ein Reutertelegramm aus Johannesburg meldet nachträglich, daß das Geschütz wieder ausgegraben wurde.

Deutsches Reich.

Berlin, 16. Okt. Der Kaiser empfing heute den Chef des Civilkabmets v. Lucanus zum Vortrag und in dessen Gegenwatt den Staatssekretär des Auswättigen Amts Frhrn. v. Richthofen, Ministettaldirektor Dr. Althoff und Professor Dohrn aus Neapel. Zur Frühstückstafel war u. a. Reichs­kanzler Graf Bülow geladen.

Dem Reichstagsabgeordneten Dr. Lieber, der in Camberg an seinem alten Magenleiden erkrankt war, geht eS wieder etwas besser.

Der freikonseroative Landtagsabgeordnete, Fabrik­besitzer und Stadtrat Brauer in Forst i. L., Inhaber der in Zahlungsschwiettgkeiten geratenen Tuchfabrik G. Brauer, hat angeblich aus Gesundheitsrücksichten sein Mandat niedergelegt.

Die Ausfertigung des Urteils im Gum- binner Mordprozesse ist (wie uns gestern nachm. draht­lich gemeldet wurde. D. R. d. G. A.) jetzt den Angeklagten und ihren Verteidigern zugestellt worden. Das Urteil umfaßt 47, das dazugehöttge Protokoll 156 Seiten. Seit der Ver­kündung des Urteil sind mehr als sieben Wochen vergangen.

Wie dieNat.-Ztg." erfähtt, ist an hiesiger amt­licher Stelle nichts davon bekannt, daß die kolum- bische Regierung vor kurzem ein einer deutschen Firma gehörendes Schiff wegnehmen und einen Inhaber der Firma, als er Widerspruch erhob, verhaften und nach Colon abführen ließ. Weder der deutsche Konsul, noch der Gesandte haben über einen solchen Vorgang berichtet.

In der heutigen Nummer desReichsanz." wird das am 7. Sept, in Peking von den Bevollmächtigten der Mächte und der chinesischen Regierung vollzogene Schlußprotokoll in deutscher und französischer Sprache im Wortlaut veröffentlicht.

Kiel, 16. Okt. Auf Befehl des Kaisers ist für die Be­satzung der blauen Rudergig der ^Hohenzollern" (Kaisergig) ein neues Abzeichen, bestehend in einer goldenen Kaiserkrone über den gekreuzten Großadmiralsstäben, von einem Laubkranz umgeben, eingeführt worden.

Breslau, 16. Okt. Der Kaiser wird bestimmt nächsten Monat nach Breslau kommen und zwar im Anschluß an seinen Jagdbesuch beim Grafen Tiele-Winkler auf Schloß Moschen. Bei dieser Gelegenheit wird voraussichtlich auch das von Professor Schaper modellitte Denkmal des Großen Kurfürsten, das der Kaiser dem Regiment anläßlich der Enthüllung des Denkmals des Großen Kurfürsten in der Sigesallee in Berlin geschenkt hat, in Gegenwatt des Kaisers enthüllt werden.

Der aus Preußen ausgewiesene Chefredakteur der PosenerPraea," Dr. Rakowski, der sich zuletzt in Galizien aufhielt, wurde gestern hier verhaftet. Dem Bieder­mann, wurde ein Koffer mit Schriftstücken beschlagnahmt. Rakowski und Biedermann wollten die politische Wahl­agitation für Oberschlesien organisiren.

Maunhcim, 16. Okt. In der Landtagswahl erhielt Kramer (Soz.) 344, Kern (natlib.) 120 Stimmen.

Karlsruhe, 16. Okt. Auf Grund der heutigen Land- tagswahl wird die nächste 2. Kammer in Baden zusammengesetzt sein aus: 24 Nationalliberalen, 23 Zentrum, 6 Sozialdemokraten, 5 Demokraten, 2 Freisinnigen, 1 Kon­servativer, 1 Antisemit, 1 Bund der Landwitte. Der nationalliberale Kandidat in Engen (Ottendorfer) der bei der Urwahl die meisten Stimmen auf sich vereinigte, unterlag infolge von Zwistigkeiten im liberalen Lager dem Zentrums­kandidaten Goldschmidt.

Das Ministerium des Innern hat, im Hinblick auf den in einzelnen industriellen Geschäftszweigen eintretenbcn Betriebsrückgang die Veranstaltung von Erhebungen über die industrielle Lage im Großherzogthurn an-