Ausgabe 
18.1.1901 Erstes Blatt
 
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ö. wurde »och t* * der Nacht verhaftet und «ach Zwingenberg eskortiert. Die Gerichtsbehörde nahm heute den Thatbeftand auf, wobei H. zugegen war. Der Thäter, wie auch der Verletzte sollen bei der That in angetrunkenem Zustand sich befunden haben. H. ist verheiratet und Vater 4 kleiner Kinder.

Main-, 16. Jan. Unter dem Vorsitz des Stadtoerord ulten St. Karl Michel wurde heute abend der Verwaltungs- rechenschaftsberickt des Bürgermeisters über daS abgelaufene Rechnungsjahr besprochen. Von den einzelnen Abteilungen gab nur das Elektrizitätswerk zu einer Besprechung Veranlassung; eS wurden kürzlich den Abnehmern von Elek­trizität die Rechnungen über die Hausanschlüffe übersandt; rS stellte sich dabei heraus, daß diese Anforderungen fast den doppelten Preis überschritten, der.ursprünglich dafür in Ansatz gebracht werden sollte. Baurat Kuhn teilt mit, daß die Anforderungen nicht zu hoch seien und den mit der Firma Schuckert abgeschlossenen Vertragsbedingungen ent sprächen. ES wird beschlossen, daß die Elektrizitäiskommission die ganze Angelegenheit noch einmal eingehend prüfen und darüber Bericht erstatten soll. Beim Stadttheater wurde sestgestellt, daß in dem abgelaufenen Jahre das Theater einen Reinübersi'chuß von Mk. 18536 gegen Mk. 11487 im Vorjahr ergeben habe.

WormS, 15. Jan. Gestern tagte imColoffeumSsaal" eine von etwa tausend Personen besuchte, von Angehörigen allerParteien einberufene DernonftrationSversammlung für die Sache der Buren. Nach verschiedenen Ansprachen und einer in ihrer Nüchternheit ergreifenden Schilderung der Nurenleiden durch den jungen Dewet, die in einem Appell an den Kaiser gipfelte, den Greueln Einhalt zu gebieten, wurde die Absendung eines Telegramms an Krüger und eine Resolution gefaßt, die den Buren Bewunderung ausdrückt, gegen die Kriegsführung Endlands protestiert und die Hoff Rung auf balbtqe Beendigung des Krieges durch eine Inter­vention der Mächte ausspricht.

Kleine Mitteilungen auS Hessen und de» Nachbarstaaten. In Nieder-Weisel feierte die goldene Hochzeit daS Ehe­paar Jakob Bill IV. In einer öffentlichen Versammlung des Goethe Bundes in Darmstadt hielt der Hofschauspieler Hicker einen Vortrag »Neber die Schauspielkunst".

Vermischtes.

* DaS furchtbare Vexierspiel iu Könitz gestaltet sich immer wunderlicher. Der jetzt gefundene dunkelblaue Snmmer-Ueberzieher war frei von Blutflecken, sauber, wie au- dem Spind genommen, und weder feucht noch bereift; : « hat also erst ganz kurze Zeit an Ort und Stelle gelegen. Der Winkel, wo der Ueberzieher gefunden wurde, ist gegen de» Schulhof hin durch einen Verschlag, der die Front der Ketirade mit dem Zaun verbindet, um Verunreinigungen vor­zubeugen, abgesperrt; er ist also völlig unzugänglich, und nur ; eine mit der Oertlichkeit des Schulhofs genau vertraute Per­sönlichkeit kann dieses Versteck gewählt haben. Gefunden wurde der Paletot, der offenbar über den Zaun ober Ver schlag geworfen worben ist, burch Kinber, bie durch Spalten zwischen den Brettern des Zauns hindurch sahen. Die Stadt Könitz ist selbstverständlich in furchtbarer Aufregung. Vielfach weiden Stimmen laut, die sich für eine Maffen-HauSsuchung erklären; so wird derOgi. Rundschau" geschrieben:Durch die neuesten Funde ist bad eine klar bewiesen, baß alle bisherigen Haus suchungeu meist bie Sache nicht im Geringsten gesörbert haben. Wäre dem von Anbeginn an geäußerten lebhaften Verlangen der Konitzer Bürger nach einer ohne Rücksicht auf Rang und Stand durchgeführten Maffen-Haussuchung nachgegeben worbe», so hätte bas doch mit einiger Wahrschein­lichkeit wenigstens auf die richtige Spur führen können. Wir verkennen das Ungewöhnliche dieses Verlangens keinen Augen­blick; wir wissen sehr wohl, daß die einschlägigen gesetzlichen Lestlmmungen einer solchen ganz allgemein durchgeführten Haussuchung entgegen stehen. Aber wir glauben, daß sich angesichts der Verhältnisse kein Konitzer Bürger gefunden hätte, der unter Berufung auf die Gesetzesvorschriften die Lugehinderte Durchsuchung seiner Räumlichkeiten verweigert

Universitäts-Nachrichten.

Aus Mainz wird geschrieben: Pcoftssor Schumacher-Karls- ruhe und Konservator Lindenschmit von Mainz haben ihr neues Amt als Direktoren des Rörrtsch Germanischen Central-Museums an- adreten. Wie aus Heidelberg gemeldet wird, hat Professor Dr. Henry Thode den Titel eines Geheimen Hofrats erhalten. Aus Marburg schreibt man: Die wissenschaftlichen Vorlesungen für Lehre, und Lehrerinnen haben hier begonnen. Die Tetlnehmerltste wies 230 Namen auf. Es spiachen hintereinander die Profrsioren v. Below, Schröder und Natorv. Aus Würzburg wird berichtet: Der a. o. Professor an der hiesigen Universität Dr. Friedrich Schenck hat den Nvf als Professor der Physiologie an die Universität Marburg an­genommen. ~

Die Zahl der Universitätslehrer betrug im Sommer temester 1900 auf 21 reichsdeutschen Universitäten mit insgesamt 34 389 Studierenden 2777, b. s. 8,08 pCt. der Studierenden, und zwar in Berlin (5105) 414, Bonn (2162) 160, Breslau (1636) 168, Erlangen (974) 67, Freiburg (1766) 118, Gießen (855) 77, Göttingen (1344) 127, Greifs­wald (808) 98, Halle (1620) 155, Heidelberg (1553) 148, Jena (758) 96, Kiel (1056) 103, Königsberg (881) 120, Leipzig (3269) 215, Marburg (1184) 101, München (4391) 202, Münster (691) 51, Rostock (495) 56, Straßburg (1145) 115, Tübingen (1544) 103 und Würzburg (1126)91. Den absolut größten Bestand an Universitätslehrern hat demnach Berlin aufzuweisen; hierauf folgen Leipzig, München, Bonn, Breslau, Halle, Heidelberg, Göttingen, Königsberg, Freiburg, Straßburg, Kiel, Tübingen, Marburg, Greifswald, Jena, Würzburg, Gießen, Erlangen, Rostock und Münster. Im Verhältnis zu der Zahl der Studierenden hat dagegen Königsberg mit 13,62 pCt. die relativ größte Zahl Universitätslehrer auf zuweisin; hieran reihen sich Jena (>2,66 pCt.), Greifswald (12,13 pCt ), Rostock (11,31 pCt.), Breslau (10,15 pCt.), Straßburg (10,04 pCt.), Kiel (9,75 pCt.), Halle (9,63 pCt.), Heidelberg (9,53 pCt.,) Göttingen (9,45 pCt.), Gießen (9,01 pCt), Marburg (8,53pCt.), Berlin (8,11 pCt.), Würzburg (8,08 pCt.), Bonn (7,40 pCt.), Münster ('.38 pCt.), Erlangen (6,88 pCt.), Freiburg (6,68 pCt.), Tübingen (6,67 pCt.), Leipzig (6,58 pCt.) und München (4,60 pCt.) Hiermit kommen nur an einer Universität mehr als 20 Studierende auf einen Dozenten, während auf der Mehrzahl (14) der Universitäten 1020 Studierende auf einen Dozenten entfallen. Be­merkenswert ist außerdem die überaus geringe relative Zahl der Universitüts lehrer auf den drei größten Universitäten (Berlin, Leipzig und München) einerseits, sowie auf den drei bayerischen Landesuniversitäten (Erlangen, München und Würzburg) andererseits.

Eine Frauen-Univers ität in Japan. Die reiche japanische Familie Mitsui hat« zur Begründung einer Frauen-Universität ein ungeheures, bet Tokio gelegenes Terrain geschenkt. Drei andere Japaner haben zusammen die Summe von 480 000 Mark zur Errichtung der Universi­tätsgebäude aufgebracht. Die Arbeiten haben schon ihren Anfang genommen; man hofft, die neue Universität im Früh­ling des Jahres 1901 eröffnen zu können. Man zählt aus sehr viele Studentinnen; viele junge Japanerinnen aus guten Familien haben auch schon in den letzten Jahren an den medizinischen und polytechnischen Kursen der Universität teilgenommen.

Gisenlttchn Zeitung.

Bieberthalbahn. Die Betriebsleitung befindet sich bekannt­lich in Fraokfurt a. M. Alle Angelegenheiten, betreffend den Be­triebsdienst 2C., als: Beschwerden, Reklamationen, Gesuche, Einlegung von Soudnzügen, Fahrplanangelegenhetten, Herst-llung von An­schlüsse u s. w, werden durch die zuständ ge BctrtebSinspektton der Allgemeinen deutschen Kleinbahn-Gesellschaft Frankfurt a. M., Mainluststrahe 13 (Vorstand und verantwo 1l cher Betriebsleiter Herr Eisenbahn-BetriebStnspektor Stütze), erledigt. Sämtliche bezüg­lichen Anträge sind dahtn zu richten. Es ist diese« im Publ'kum noch nicht genügend bekannt, und wir verfehlen nicht, um Verzögerungen zu vermeiden, hierauf aufmerksam zu machen. Die lokalen Angelegen« hüten betreffs Personen- und Güterverkehr u. 1. w. werden rach wie vor durch die der BetrtebStnspekt'on unterstellte Bahnoerwaltuog hier (K'einbshn-Station Gießen) Hammstraße, besorgt.

Familien Nachrichten.

Gestorben r Frau Elisabeths Seibel geb. Kleppner in Darmstadt. Frau Helene Haspel geb. Reichert in Mainz. Helwig Wiegand in Hersseld. Frau Dorothea Bol, geb. Glebe in Hersfeld.

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Kunst-Ausstellung. ausstellang im Turmhaus am Brand ist täglich tob 11 biß 1 Uhr mittags Ausnahme des Samstags geöffnet, Mittwochs auch noch tob 3 b» 5 Uhr nachmittags, an Bonn- und Feiertagen von 11 b« s u ununterbrochen. Eintritt für Niobtmitglieder an Werktagen w ri»' an Sonn- und Feiertagen 20 Pfg.

die erste Forderung habe zu einem strafgerichtlichen Ber­ühren gegen ihn wegen Herausforderung zum Zweikampf geführt, die letztere schwebe noch beim Ehrengericht der Stabsoffiziere, das den Ausgang des gegenwärtigen Straf­verfahrens abwarten wolle. Zu dieser Erklärung bemerkte der Vorsitzende, daß er, obwohl selbst Reserveoffizier, eK unverständlich finde, eine Forderung aufrecht zu erhalten, wenn der Geforderte eine Ehrenerklärung abgebe, also eine Beleidigung gar nicht vorliege. Man trat danach in die Verhandlung ein, die sechs Stunden in Anspruch nahm. Die Beleidigung wurde in einem vertraulichen Zirkular gefunden, das der Angeklagte als Mitglied der Vermögens- Verwaltungsstelle für Offiziere und Beamte an die Kom­manditisten dieser Vereinigung gesandt hatte und in dem behauptet wurde, daß der Direktor dev Vermögens- Verwaltungsstelle, Scheidet, ein Verwandter und früherer Prokurist des Bankiers August Sternberg, allerhand zweifelhafte Gründungen in Szene gefetzt und die Offi­ziere und Beamten, derenfinanzielle Förderung" der Verein gerade bezwecke, unter Mißbrauch der Firma des letzteren zur Beteiligung an diesen unwürdigen Geschäften aufgefordert habe. Tie einzelnen Gründungen, die der Vorsitzende bald alsblutig" bezeichnete, wurden sodann, in ein recht grelles Licht gerückt, nachdem der Direktor Scheide! darauf aufmerksam gemacht worden war, daß er seine Aussage über Fragen verweigern könne, deren Be­antwortung ihn einer strafgerichtlichen Verfolgung aus­setzen würde. Der Zeuge mußte zugeben, daß seine Gründ­ungen sämtlich nicht prosperierten; er erhoffe jedoch von der Kalibohrgesellschaft Teutonia, die vorläufig nuran schiefen Bohrungen kranke", namhaften Gewinn. Daß er die Offiziere zur Beteiligung an derart zweifelhaften Gründ­ungen aufgefordert habe, räumte er ein; diejenigen unter ihnen, die, wie festgestellt, große Summen dabei eingebüßt haben, könnten solche Verluste vertragen, weil sie reich seien. Rechtsanwalt Dr. Hoffmann legte eingehend die Gründungs­geschichte einer Serumgesellschaft dar; danach hat die Land­wirtschaftskammer der Provinz Brandenburg für das Patent Rotlaufserum die Summe von 150 000 Mk. gefordert, und dies Patent ist der dann gegründeten Gesellschaft m. b. H. für 500 000 Mk. inseriert worden, wobei den Gründern ein Profit von 250 000 Mk. in den Schoß fiel. Der Staats­anwalt hielt eine Beleidigung des Rechtsanwalts Dr. Hoff­mann, der zwar bei einer der von Scheidet gegründeten Gesellschaften alsGründer" fungiert habe, für erwiesen und beantragte eine Geldstrafe von 75 Mark. Ter Ver­treter des Angeklagten, Justizrat Dr. v. Gordon, plaidierte auf Freisprechung mit dem Hinweise, daß sein Klient sich um' feine Kameraden ein Verdienst erworben habe. Der (Gerichtshof nahm an, daß Rechtsanwalt Dr. Hoffmann bet den eigentlichen Gründungen nicht beteiligt gewesen sei; in dem durch ihn erfolgten Verkauf des Serumpatents könne selbst bei einem persönlichen Gewinne von über Hunderttausend Mark eine unehrenhafte Handlung nicht erblickt werden. Es sei aber nicht erwiesen, daß die An­griffe des Frhrn. von der Bottlenberg auch auf ihn ge­münzt gewesen feien, und diesem müsse vor allem der Schutz des § 193 Str.-G.-B. (Wahrung berechtigter Inter­essen) zugebilligt werden. . Daher sei auf Freisprechung erkannt worden.

rgtn wurde durch die irsruigrn, die glauben, m verursacht, sich so« mer Kommission vom MkindtvorstkherS sollte tnommen werden. Da tonnten nur bie mit st kommen. Filr it, eine

die zur Deäuug du ocher, tootfl 15 ander bet anhaltender Nässt oft im weiten ümkreit -öbeftcllung noch hinder« Mn tfc di-S" " n bie W «« id Dorlar, die während

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Gerichtssaal.

Eine interessante Gründungsgeschichte sowie bemerkenswerte Auslassungen über Offiziers

Kunst und Wissenschaft.

Arnold Böcklin, b.er berühmte Maler, ist am 16. d. M. in seiner Villa unterhalb Fiesole bei Florenz ge - storben. Böcklin war seit 14 Tagen infolge einer akuten Herzerkrankung leidend. Ter Tod erfolgte in Anwesenheit feiner nächsten Verwandten. Die Beerdigung soll Freitag Mittag stattfinden. Arnold Böcklin war am 16. Oktober 1827 in Basel geboren und hat in seinem langen Leben eine Reihe von Werken geschaffen, die stets zu den bedeu­tendsten gehören werden, die die Kunstgeschichte kennt. Sein phänomenaler Farbensinn und seine gewaltige Phantasie wirkten stets in wunderbarem Einklang zusammen. Böcklin war's in erster Reihe, der unsere modernen Künstler sowohl wie ein kunstfühlendes Publikum Farben in der Natur sehen lehrte, die vordem alle Welt nicht empfunden hatte. Er sättigte uns nie, er machte uns stets aufs neue hungrig. Seit man den genialen Schöpfungen Böcklins, die fast alle aus einem ganz eigenartigen lyrisch-musikalischen Natur­gefühl heraus erwachsen sind und dieses Gefühl auf den Beschauer in unvergleichlichem Maße übertragen, in werteren Kreisen vorurteilsfrei gegenübersteht, ist man zu einem be­wußten Ergreifen der künstlerischen Eindrücke gelangt, die im täglichen Leben unaufhaltsam an uns voruberzrehen. Unsere Augen halten,wie zwei gute Vorstehhunde", Wache und schauen umher, um alles Schöne in Natur und Kunst festzuhalten.

ehrenhändek gelangten vor dem Charlottenburger! Schöffengericht zur Erörterung. Es handelte sich, wie die Post" berichtet, um eine Anklage, welche die Staatsanwalt- chaft wegen öffentlicher Beleidigung des Rechtsanwalts und Notars Dr. Max Hoffmann gegen den Oberleutnant a. D. Fr hr n. von der Bottlenberg erhoben hatte. Ter Vorsitzende richtete zu Beginn der Verhandlung an den Rechtsanwalt und Reserveoffizier Dr. Hoffmann die \ Frage, ob er sich eventuell mit einer Ehrenerklärung zu rieben geben würde. Tiefer erwiderte, daß ihm persönlich an der Bestrafung des Angeklagten nichts liege, daß aber das Ehrengericht der Stabsoffiziere des Garde­korps keinen Wert auf eine Ehreuer klärun g lege, selbst wenn diese vor Gericht erfolge. Er, Hoff­mann, habe sowohl von der Bottlenberg, wie auch den Zeugen Major a. D. Scheck)e auf Pistolen gefordert;

hätte."

Ein trauriger Vorfall wird aus Straßburg gemeldet. Während des Vortrag« des Unterstaatssekretärs Petri in der Konferenz praktischer Juristen wurde ein Amts­richter plötzlich tobsüchtig und unterbrach den Redner mit den Worten:Zum Kuckuck bad verdammte Gesetzbuch!" Der Kranke wurde in die Heilanstalt Stephansfeld überführt.

* Eine Majestätsbeleidigungs- und Osfi- ilerSaffaire eigener Art hat sich dieser Tage vor dem Diener Kassationshofe abgespielt. Am 22 April |ant> int Reichenberger Stadttheater eine Festvorstellung latt. Am Schluß erschien int Hintergründe der Bühne eine Küste des Kaisers, und die Theaterkapelle spielte die Volks- bymne. Das Publikum erhob sich von den Plätzen. Ober­leutnant v. Laube bemerkte, daß in einer Loge ein junger Rann Namens Otto Feigl, der Sohn einer Reichenberger Familie, sitzen geblieben war. Als die Vorstellung zu Ende dar, traten auf dem Rathausplatze Oberleutnant v. Laube nnb Oberleutnant Karl Göbel auf Feigl zu. Es entspann sich eine Kontroverse, wobei die Offiziere den jungen Mann mit Ausdrücken:Lümmel!"Lausbub!" belegten, und v. Laube \ ibnt einen Stoß vn die Seite versetzte. Erregt rief Feigl: !! «Solche Flegeleien von Maulaffen von Offizieren gehen mich nichts an!", worauf die Offiziere Feigls Arretierung -7 Veranlaßten. Bei der Polizei erklärte Feigl neuerlich:Das Benehmen der Offiziere ist eine Flegelhaftigkeit'." Am 20. August war Feigl der Majestätsbeleidigung und der Vh'renbeleidigung angeklagt- Feigl erklärte, daß er, im Hintergründe der Loge sitzend, die Kaiserbüste gar nicht gesehen habe. Durch die beschimpfenden Aeußerungen der tffiziere gereizt, habe er deren Benehmen kritisiert. Tas lrkenntnisgericht sprach ihn von der Majestätsbeleidigung frei, da weder objektiv, noch subjektiv der Thatbeftand ge­lben fei. In der Begründung hieß es: Das Gesetz kennt leinen Bilderkultus und stempelt nicht jeden zum Ver­brecher, der sich bei einer, vor einem Kaiserbilde gelegent­lich abspielenden Huldigung Passiv verhält." Dagegen wurde peigl wegen Beleidigung der Offiziere schuldig gesprochen Inb zu 14 Tagen mit zweimaliger Einzelhaft unb Fasten

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verschärften strengen Arrestes verurteilt. Gegen diese Ver­urteilung ergriff Feigl die Nichtigkeitsbeschwerde. Der Kassationshof hob das Urteil und die Strafe auf, und verurteilte Otto Feigl unter Anwendung des außerordent­lichen Strafmilderungsrechtes nur wegen Uebertretung der Ehrenbeleidigung, begangen durch Beschimpfung, zu 100 Kronen Geldstrafe. Aus dem notwendigen Zusammenhalte der Vorgänge der Beleidigung ergebe sich, daß der An­geklagte durchaus nicht die Offiziere in ihrer Allgemein­heit beschimpfen wollte, sondern daß er Schmähungen be­ging,- indem er in Zurückweisung ihrer Aeußerungen zu weit ging.

In Arad wurde am Donnerstag die Gerichtsver­handlung wegen der Revolte von Szt.-Tamas aus einem Grunde unterbrochen, wie er in den forensischen Annalen bisher vereinzelt dasteht. Nach den Einleitungsformalirären geschah nämlich folgendes: Der Vorsitzende rief den ersten Angeklagten auf: Angeklagter. . . Hpziahh . . . HPziahh! . . . Der erste Angeklagte, der offenbar eine dunkle Ahnung hatte, daß die Sache ihn angehe, erhob sich und erwiderte prompt: Hier, Herr . . . Hpziahh . . . Einer der Richter, etwas ärger­lich und verwundert über diese sonderbare Art der Verhandlung, rief unwirsch: Ja, was soll denn ... das ... Hpziahh . . . Ein anderer Richter, auch nervös geworden über die ungewöhn liche Einleitung der Verhandlung, setzt eine hochernste Miene auf und bemerkt: Ja, meine Herren, das wird nicht.. Hpziahh ... Hpziahh . . . Und auch er nieste so mächtig, daß die Saal^ fenster erbebten. In einigen Augenblicken widerhallte der ganze Verhandlungsraum von einem spontanen Niesen, Richter, Zeugen, Geschworene, alles nieste um die Wette, kein Wort arnr zu verstehen, aber auch keinS hervorzubringen. Es er­wies sich, daß der Saal des neuen Justizpalastes so zugig sei, wie etwa die Kühlkammer einer Chokoladenfabrik, und es blieb nichts anderes übrig, als die Verhandlung zu ver­tagen.