Ausgabe 
17.12.1901 Erstes Blatt
 
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Universitäts-Nachrichten

Zandwirtschast.

Rom, 14. Dez. In der Kammer pries Baecelli den Er- olg seiner neuen Methode zur Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche, dabei gegen die deutschen Tierärzte polemisierend, die von den italienischen lernen könnten. In Italien habe sich seine Methode erfolgreich bewährt.

Sidney, 14. Dez. Der amtliche Ackerbau-Bericht schätzt die Weizenernte in Nen-Südwales aus 19 Millionen Bushels, das ist durchschnittlich 12,8 Bushels per Acre bei einer Fläche von 1 470 400 Acres.

Spitlplan der vereinigten Frankfurter Ztadttheater. Opernhaus.

Dienstag, 17. Dez., abends 7 Uhr:Tie Entführung aus de» Serail."

Schauspielhaus.

Dienstag, 17. Dez.Flachsmann als Erzieher."

Die Tabakfchuhzolluer

haben sich im Verlaufe der nunmehr beendeten ersten Lesung der Tarisv^rlage vorsichtig zurückgehalten. Weder der bayerische Finanzmini st er v. Riedel noch dec Wormser Frhr. H e y 1 v- Herrnsheim, von welchen beiden Herren man in erster Linie ein Eingehen auf diese Frage erwarten konnte, haben in ihren Ausführungen ihren Wünschen in Bezug auf die Erhöhung des Tabarzolts Ausdruck gegeben. .Es scheint also, daß die Herren mit ihrer Anregung der Tabatfrage Anstoß erregt haben, und daß ihnen dies in der einen oder anderen Werse zu verstehen gegeben worden ist. Aber nach gewissen Anzeichen in nichtparlamentarischen Kreisen scheint man, so schreibt dieDisch,. Tabakztg.", an dem Ernst der Negierung, an der Position Tabak im Zoll­tarif nicht zu rühren, nicht zu glauben, und es ist daher recht wohl möglich, daß aus diesen Kreisen die beteiligten Reichstagsmitglieder gedrängt werden, ihre in Aussicht ge­stellte Intervention zu Gunsten eines höheren Schutzzolls für Tabak doch noch eintreten zu lassen, sei es bei der Kommissionsberatung des Zolltarifs, sei es bei der zweiten Lesung im Plenum.

Aus Stadt und Zand.

(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe:©iefc.'Anz.'* gestattet.) Gießen, den 16. Dezember 1901.

Kunst und Wissenschaft.

Paris, 15. Dez. Die Mitglieder des Komitees der Pariser Presse, welche mir der Verteilung des Osiris-Preises von lOO OOO Frcs., welcher im Jahre 19Oo zur Belohnung der schönsten Erfindung des Jahrhunderts gestiftet worden ist, werden sich denmächst versammeln, um feslzustellen, wem der Preis zuzusprechen sei. Es ist zurzeit in Aussicht genommen, den Preis dem Er- f.inder des Unterseebootes, Goubet, zuzusprechen. Goubet ist zurzeit durch Ueberanstrengung derartig erkrankt, daß er bereits feit Monaten das Bett hüten muß.

Kolorrialpoft.

Farbige Offiziere des Kolonialheeres. In unserer Schutztruppe für Ostafrika hat man, was nicht allgemein bekannt sein dürfte, auch farbige Offiziere; die Zahl derselben ist freilich nicht groß; in diesem Jahre gab es noch 12, im nächsten Jahr werden es nur noch 9 sein und schließlich werden sie wohl ganz versckMnden. Die farbigen Offiziere erhalten eine Besoldung von 1392 Rupien gleich 1950 Mark, im nächsten Jahre wird die Be­soldung etwas geringer fein und nu,r noch 1286 Rupien gleich 1800 Marr betragen. 130 farbige Unteroffiziere bienen in der Schutztruppe für Ostafrika. Jeder erhält 603 Rupien Löhnung gleich 845 Mark. Die Zahl der Gemeinen beträgt 1440; die Löhnung ist verschieden. 600 Sudanesen erhalten eine durchschnittliche Löhnung von je 398 Rupien gleiche 558 Mark. 840 Eingeborene werden mit durchschnittlich 265 Rupien gleich 372 Mark besoldet. 120 Rekruten sind noch vorhanden, sie müssen sich mit je 183 Rupien gleich 257 Mark begnügen. Da wir nun einmal bei den falrbigen Truppen sind, sei mitgeteilt, daß wir mit bejc Chinesen- Kompagnie in Kiautschou wenig Erfolg errungen haben; man wird die Versuche, die bezopften Sühne des himmlischen Reiches zu vollwertigen Soldcüen heranzubilden, aufgeben; man will aber doch nicht ganz in Kiautschou auf die Mit­wirkung der Chinesen verzichten; die Vorteile, welche die Verwendung einer Chinesen-Tmppe nach anderer Richtung hin vielleicht in Aussicht stellt, lassen es erwünscht er­scheinen, die Versuche mit den Chinesen fortzusetzen.

Die größte Sünde" von Otto Ernst, dem Ver­fasser vonFlachsmann als Erzieher", welches bereits an mehreren Bühnen aufgeführt wurde und u. a. in Frankfurt am Main demnächst zur Darstellung gelangen wird, ist auch für das hiesige Stadttheater erworben worden.

"' Krankenversicherungspflicht. Eine wich? tige, die bei Behörden und Staatsbetrieben im Ressort des Großh. Ministeriums des Innern beschäftigten Personen, darunter auch die zahlreichen Bediensteten der Landes-Uni­versität interessierende Anordnung hat das oben bezeichnete Ministerium unter dem 3. l. M. getroffen und in seinem Amtsblatt Nr. 18 v. l. I. veröffentlicht. Hierin wird bekannt gegeben, daß mit Wirkung vom 1. Januar 1902 an die Krau lenoersi cherun gspflicht auf die bei Behörden und Staats­betrieben gegen Lohn oder Gehalt beschäftigten nicht ange­stellten Personen dieses Ressorts insoweit ausgedehnt wird, als diese Personen nach der Art ihrer Beschäftigung bei staatlichen Behörden und Betriebsverwaltungen als inva­lid e n v e r s i ch e r n n g s p f l i ch t i g (s. Jnoal.-Vers.-Ges. v. 13. Juli 1899, R. G. Bl. S. 463) erachtet werden müssen, und diese Beschäftigung nicht durch die Natur ihres Gegenstandes oder im voraus durch den Arbeitsvertrag auf einen Zeitraum - von weniger als einer Woche beschränkt ist. Alle bei diesen Behörden und Staatsbetrieben bes.,!äfiigten Personen, soweit sie kraft Gesetzes über in Gemäßheit des vorerwähnten Be­schlusses der Krankenversicherungspflicht unterliegen, haben vom 1. Januar 1902 ab der staatlichen Betriebst kranken lasse an zu gehören. Staatliche Beamte, ,owcit ihr Gehalt 2000 Mk. nicht übersteigt, können zwar freiwillige Mitglieder dieser Kasse werden, doch scheint dies schon darum nicht angezeigt, weil die freiwilligen Mit­glieder die Beiträge ganz zu entrichten haben, für die betr. Beamten also verhältnismäßig hoch sind. Damit aber diese Beamten an der ärztlichen Fürsorge, welche die staatliche Betriebskrankenkasse bietet, an der Gewährung von Arznei und sonstigen Heilmitteln teiluehmen können, ist mit dieser Krankenkasse eine besondere Medizinalkasse ohne B e i t r i 11 s z w a u g verbunden. Mit dem Beitritt zur staatlichen Betriebskralitentasse i|t sodann für hie Behörden und Staatsbetriebe dieses Geschäftsbereichs der Anschluß an die B e r so r g u n g s a n sta l t für staatliche Ar­beiter verbunden, deren Aufgabe ist: Gewährung von Ruhegehältern, Fürsorge für die Witwen und Waisen der ständigen Arbeiter unb der in regelmäßiger Wiederkehr be­schäftigten Saisonarbeiter (vergl. Regbl. Nr. 24 von 1901). Für den Geschäftsbereich des Ministeriums der. Finanzen ist die staatliche Betriebskrankenkasse schon im Jahre 1900 in Wirksamkeit getreten.

** Von dem Herrn Inhaber der Firma C. Kling spor erhalten wir, unter Bezugnahme auf eine Lokalnotiz in unserer letzten Nummer, eine kurze Zuschrift, die zu veröffentlichen wir um so weniger anstehen, als uns ene Nachricht von derBetriebsvevgrößerung" aus Kreisen )er hiesigen Industrie zugegangen war unb für uns fein Anlaß vorlag, ihr irgend welchen Zweifel entgegenzubringen. Die Zuschrift lautet:

Da ein Stillschweigen meinerseits von den mir Fernerstehenden so gedeutet werden könnte, als fei ich einverstanden mit dem Inhalt des im 2. Blatt der vorigen Nummer dieser Zeitung unter der ÜberschriftBetrieos­vergrößerung" erschienenen Artikels, so erkläre ich, daß öffentliche Erörterungen über meine GesckKftsverhältnisse mir überhaupt nicht zusagen. Aufs unangenehmste aber berühren mich solche, wenn sie, wie im vorliegenden Falle, zu ganz unzuverlässigen Vergleichen führen über beit. Umfang meines Betriebes gegenüber demjenigen anderer Unternehmer der Branche hier >oder auswärts. Zwecks Richtigstellung sei noch bemerkt, daß nicht, wie im oben­genannten Blatte gesagt wurde, Bayern, sondern Baden der Sitz erwähnter Zweigfabriken ist."

st. Butzbach, 13. Dez. Gestern abend sprach im hie- igen Volksbildungsverein Frau Ottilie St e i n aus Offenbach über dieKunst im Hause". Ihre schönen Aus- ührungen gipfelten in dem Verlangen, daß im Schoße >er Familie Kunstsinn und Kunstbegeisterung geweckt unb gepflegt werben müßten. Hauptsächlich sei es bie Auf­gabe des gebübeten Mittelstandes, ben Bestrebungen ber wahren Künstler Interesse unb Unterstützung entgegenzu­bringen. Im deutschen Hause müsse bie eble Kunst eine Heimstätte finben, bie ihren Pforten unsauberen Probukten verschließe.

w N i b b a, 12. Dez. Die Generalversammlung )es Kurvereins Salzhausen fanb gestern hier statt. Die Zahl ber Mitglieber des Vereins beträgt 116. Die Rechnung ergiebt eine Einnahme von 397,05 Mk., eine Ausgabe von 350,60 Mk. Das Vermögen beträgt 403,45 Mk- Es wurde die Aufstellung einer Ruhebank an dem neu angelegten Weg Nidda Salzhausen, ferner eine Ver- chönerung des Ruheplatzes an ber Silberpappel an bem- elben Wege beschlossen. Die Regierung soll ersucht werben, >en Weg zwischen ben Wiesen und dem Niddaer Weg her- tellen unb bas neue Badehaus in die Nähe ber Salz­quellen erbauen zu lassen. Auch soll gebeten werben, Mittel für geeignete Reklame bereit zu stellen. Den größten Vorteil bei Schaffung einer eigenen Gemarkung Salzhausen hat bie Gemeinbe Kohden, zu deren Ge­markung Salzhausen früher gehörte, gehabt. Nicht blos, baß biefe eine schöne Abfindungssumme erhalten hat, sie hat auch ein Stück Walbland ein getauscht, bas, nachdem es urbar gemacht war, reichlich ohne Düngung Erträge gebracht hat, unb in ber Folge noch reichliche Erträge bringen wirb. Unb doch sind nicht alle Bewohner zu- rieden damit gewesen.

H.lede Kau trau, in deren Hände der Eiukaiii liegt, muß zugestehen, daß selten ein Artikel auf dem Weihnachtsmarkte angetroffen wird, der so gediegen, so nützlich und für Jedermann so passend ist, wie die be­währte Doerings Eulen-Seife in den ele­ganten Weihuachtö-CartonS. Diese Cartons -nthalten 3 Stück derbesten Seife der Welt", sind hochelegant ausgestattet und der Wirkung wegen, welche die sccifc auf Haut und Teint auSlibt, ein sehr willkommenes Geschenk. Wir machen Alle, die gute Einkäufe machen wollen,' auf diese praktische Äeihnachts-Beigabe aufmerksam. Doerings ^seistn-CartdnS find überall ohne Preiserhöhung erMttltch.

Ueber die polnischen Demonstrationen.

bie am Freitag in der Berliner Universität bei Beginn der Vorlesung des Pvof. Schiemann entfesselt worden sind, wird uns berichtet: Prof. Schiemann liest z. Z.Heber die polnische Frage des 19. Jahrhunderts." <^^^n in ben ersten Vorlesungen waren auffaUenb viel Polen zugegen, bie sich immer mehr verstärkten. Prof. Schiemann behandelte bie polnische Frage treu historisch, selbstverständlich aber auch in deutschnationalem Sinne unb flocht babei verschiebene persönliche Ansichten ein, bie stets bei den Polen auf Widerspruch stießen. Verhältnismäßig ruhig ging es aber immer noch zu Es gährte bereits! unter ihnen heftig, und sie beschlossen, den bei ihnen ver­haßten Dozenten zu zwingen, seine Vorlesungen abzu­brechen. Die neuliche polnische Reichstagsdebatte über Wreschen gab dazu ben Anlaß. Unzufrieden mit ihrer eigenen polnischen Fraktion, beschlossen sie, auf eigene Faust zu demonstrieren. Prof. Schiemann sollte gerade die polnische Revolution von^1830 behandeln. Geschlossen mar­schierten die polnischen Studenten heran unb nahmen bie v-orbersten fünf Bänke in Beschlag, lieber ben weiteren Verlauf der Dinge berichtet ein Augenzeuge folgendes:

Der Dozent betritt den Hörsaal. Die deutschen Kom- müitonen empfangen ihn mit Beifallstrampeln. Aber auch die Polen sind nicht faul, sie beginnen ein Scharren, Zischen, Pfeifen unb Johlen, an dem sich auch einige Damen, wahrscheinlich polnische, beteiligen. Der Dozent will sprechen, doch ber Lärm über­tönt seine Worte. Er lehnt blaß am Katheber und wartet einen Augenblick. Er setzt wieder zum Sprechen an, das­selbe Scharren unb Pfeifen. Nun wirb es ben beutschen Kommilitonen zu viel, sie beginnen als Gegenbemonstra- twn ein ungeheures Getrampel. So bauert ber £ärm 10 Minuten. Der Dozent sieht sich fassungslos ben Rummel an, er ist machtlos. Als die polnischen Demon­strationen nicht aufhören wollen, beginnt bie Situation gefährlich zu werben. Rufe wie:Ruhig!"Po- .lacken raus!"Eine Schaube für eine beutsche Uni­versität!" werden laut. Ein Pole erwidert mit:psa krew" (Bluthund). In den ersten Reihen kommt es zu persönlichen Auseinandersetzungen. Jetzt erheben sich die deutschen Studenten, ungefähr 200, unb machen Miene, thätlich vorzugehen und die Po l e n a n d i e frische Luft zu setzen. Ein herbeigerufener Auf­sichtsbeamter der Universität erscheint im Saal. Die Polen ziehen es nun vor, unter großem Lärm langfam den Saal zu räumen und die Vorlesung nimmt ohne Störung ihren Verlauf und endigt unter dröhnendem Trampeln unb Beifallsklatschen ber deut­schen Studenten.

Soweit die Darstellung des Augenzeugen. Dem Skandal irgend welche Bedeutung beizulegen, ist nicht von nöten. Wenn er zur Eindämmung unserer allzu großen Gastfreund- schaft gegen fremde Akademiker beitragen würbe, gegen bie wir uns stets, unb, wie wir glauben, als bie Ersten in ber deutschen Presse, mit Entschiedenheit geäußert haben, wäre er allerbings von großem Nutzen.

** Ausstellung. Gestern unb vorgestern fanb bie Ausstellung ber in ber Handarbeitsschule bes Fräulein Lanbmann gefertigten Gebrauchs- unb Luxusgegenstänbe statt. Eine Fülle einfacher bis zu ben kunstvollsten Sticke­reien, Holzschnitzarbeiten, Brandmalereien, Leberschnitt- unb 2eberbranbarbeitcn u. bergt mehr bot bem Auge ein ab­wechslungsreiches, interessantes Bilb, bas von großem Fleiß und Ausdauer ber Schülerinnen wie auch von ben hervorragenden Fachkemitnissen «der Leiterinnen bes In­stituts Zeugnis ablegte.

** Aus Vom

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Montag den 16. Dezember, abends 8 Uhr, im Konfirmanden» aale der Johanneskirche: Bibelstnnde. Text: Hebräerbrief, Kap. 13, von Vers 14 an das Vergängliche und Bleibende im Christenleben.

Pfarrer Dr. Naumann.

Dienstag den 17. Dezember, nachmittags 5'/, Uhr: Vereinigung der konfirmierten Mädchen der Lukasgemeinde im Schwesternhaus.

Pfarrer Euler.

Wie demElsässer" aus Rom gemeldet wird, werden die Verhandlungen über die Errichnmg einer k a t h o l ij_d) en theo­logischen Fakultät an derUniversitätStraßbura wieder aufgenoinmen. Professor Hertling, der letzten Herbst ohne besondere Besprechungen nach Rom gekonunen fei, komme diesmal mit einem Füllhorn von Versprechungen zurück. Dein Bischof von Straßburg werde ein Ausfchlußrccht gegenüber mißfälligen Kan­didaten, sowie das Recht auf Absetzung mißliebiger Lehrer zuge- stanOen, die Lehrstühle würden im kalhotischen Priesterseminar aus­gestellt und Aehnliches mehr.

Gerichtssaal.

-i- Gießen, 14. Dez. Strafkammer. Ein großer Wilderer» prozeß spielte sich heute vor den Schranken der Kammer ab. Der vielfach, auch mit Zuchthaus vorbestrafte Bruno Jockel von Hohen­fels, Wilhelm Jockel, des ersteren Bruder, und der Ferdinand Gering von Blankenhof sind beschuldigt, im Verlaufe des Jahres 1901, ins­besondere am 28. Juli 1901, an Orten, an denen sie zu jagen nicht berechtigt waren, nämlich in den Distrikten Gleicher und Hardt der Freiherrlich Riedefel'schen Waldungen, gejagt, die unbefugte Jagd auch gewerbsmäßig ausgeübt zu haben. Tie Angeklagten geben die ihnen zur Last gelegten Strasthaten nicht zu. Es erfolgt nach ihrer Vernehmung eine sehr ausgedehnte Beweisaufnahme. Es fino im Ganzen 17 Zeugen erschienen. Nach dem Schlüsse der Beweis­aufnahme beantragt die Staatsanwaltschaft Freisprechung des Gering mangels Beweises, Schuldigsprechung der beiden anderen Angeklagten,' unb zwar gegen den wegen Jagdvergehens vor- bestraften Bruno Jockel eine Gefängnisstrafe von 5 Jahren, außerdem Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte für 5 Jahre, gegen Wil­helm Jockel eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr 6 Monaten, auch die Kosten des Verfahrens unter Solidarhaft für zwei Drittel der Aus­lagen den beiden letzten Angeklagten zur Last zu fetzen. Der Vev teioigcr des Gering und Bruno Jockel beantragt Freisprechung dieser Tlngeklagten. Den gleichenAntrag stellt derVerteidiger des W. Jäckel, Nach erfolgter Beratung verkündet die Strafkammer das Urteil: Der Gering wird freigesprochen. Bauer und WUHelm Jäckel werden schuldig erkannt und ersterer in eine Gefängnis­strafe von 4 Jahren 6 Monaten, letzterer in eine solche von 8 Mo­naten, auch beide in die Kosten des Verfahrens verurteilt. Das benutzte Jagdgerät, insbesondere die beiden Gewehre werden ein» gezogen.

Leipzig, 14. Dez. Aus der Urteilsbegründung ist folgendes bervorzuheben: Nach Ansicht des Gerichtshofes erfolgte die Ver­buchung des Defizits der Hamburger Wollkämmerei im Betrage von 54o,933 Alk. in das Kontokorrentbuck), um die Uebernahme des Verlustpoftens der Kenntnis der Aktionäre zu entziehen. Hierzu kommt, daß der Posten auch nicht im Pachtverträge Erwähnung gefunden hat, obwohl er ein wesentlicher Tetl desselben war, denn )amit stand der dritte Teil des Aktienkapitals der Leipriger Woll­kämmerei auf dem Spiel. Die Angeklagten erwähnten hiervon auch nichts gegenüber dem Rechtsbeistande, Justizrat Langbein. Ferner wird das Bestehen eines neben dem Pachtvertrag noch existierenden Nebenvertrages gerügt Gegen Dffermann spricht noch, daß er jede Kenntnis von dem Nebenvertrag in Abrede stellte, obgleich er als Aufsichtsrat der Hamburger Wollkämmerer den Nebenvertrag kennen mußte.

Budapest, 14. Dez. Acht Studenten, welche an den kürzlich in Singspielhallen stattgehabten antideutschen Kundgebungen beteiligt waren, wurden heute vom Polizeigericht zu Geldbußen von bezw. 20 Kronen verurteilt. Die meisten Blätter erklären ich entschieden gegen das Vorgehen der Studenten und bezeichnen es nicht für eine würdige Aufgabe der Universitätshörer, in Nacht­lokalen und Singspielhallen moralisierende und nationale Pro­paganda zu machen.

Glatz, 14. Dez. Der wegen des Duells mit dem Leutnant Blas ko witz vorn Justerburger Kriegsgericht zu 2 Jahren F e st u n g verurteilte Oberleutnant Hildebrand hat die Strafe angetreten.

New°Aork, 14. Dez. Hier herrscht große Aufregung über den Urteilsspruch des militärischen Ehrengerichts unter Dewey gegen den Admiral S ch l e y. Das Urteil konstatiert Mangel an Entschlossenheit int Ausstichen des Feindes, Vernachlässigung des Aufklärungsdienstes, Vermeidung des Zusammentreffens mit dem Gegner unter dem falschen Vorwand, daß das Geschwader, obwohl es in Wahrheit mit Kohlen versorgt war, erst Kohlen aufnehmen müsse, ferner zeigte Scbley Mangel an Mut, weil er nicht ver­netzte, das spamsche SchiffColon" zum Sinken zu bringen und weil er im Treffen bei Santiago zur Sicherung feines Flaggschiffes dieTexas" gefährdete. Seine Berichte waren ungenau unb irre- ührenb.

Berlin, 14. Dez. Aus Anlaß der Berufung des frcutzösischen Profeffors Haauenin an die Berliner Universität soll Professor Mommsen sich einem Korrespondenten des PariserTernps" gegenüber in dem Sinne geäußert haben, eine Ernennung für eine bestimmte Zeit lasse den Launen der Ereigniffe und der Rcgierungs- gewalt viel zu viel Einfluß. Richtig ist, daß der Lehrauftrag für die neuere französische Sprache und Litteratur Herrn Hagüenin ür drei Jahre erteilt woroen ist. Dies entsprach jedoch durchaus nicht einem Verlangen der preußischen llnterrichtsverwaltung, sondern ganz im Gegenteil dem ausdrücklichen Wunsche des Be­rufenen, der aus der Erfüllung dieses Wunsches eine unumgängliche Bedingung für die Annahme des Lehrauftrags machte.

Hamburg, 14. Dez. Im Hamburger Goethebund sprach heute der Berliner Historiker Professor Lenz überrömischen I Glauben unb freie Wissenschaft". Lenz hatte S p a b n auf dessen ' Bitte der Berliner Fakultät zur Habilitation empfohlen, nachdem! Spahlt ihm versichert, daß er aufrichtig und nach bestem Wissen lehren werbe. Der Zweck feiner Ernennung zum Professor in Straßburg fei ber, den Elsässer KleruS für das Deutschtum zu ge­winnen. Tas beutsche Prosessorentum habe die Pflicht, gegen das Paktieren mit dem römischen Geiste auf den Universitäten zu pro-' 4. cLv , r Ä «stieren, damit Deutschland nicht in seiner wiffenschaftlichen Stellung

S^eaterbureau. Da§ neue Drama^uvückgehe.

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