taten Züemsfen-München, welcher ausführte, daß Virchow ein leuchtendes Vorbild methodischer Arbeit, ein racher de !bvonce der Wissenschaft sei. Der italienische Professor Bae- ,celli überbringt in lateinischer Ansprache die Glückwünsche 'des' italienischen Königs und der Regierung und überreichst Die goldene Porträtsmedaille des Königs, sowie ein Ge- imälde , die medizinischen Koryphäen Morgagni und Virchow, ivou einem Genius überschwebt, darstellend. Baccelli wurde jioft vom Beifall unterbrochen und am Schluffe stürmisch be- -glückwünscht. Für das Abgeordnetenhaus sprach der zweite ^Vizepräsident Dr. Krause und erinnerte, daß Virchow ifaft 40 Jahre der Volksvertretung angehöre. Namens der 'Akademie der Wissenschaften sprach V a h l e n und Namens !der Berliner Universität Harnack. Dann wurden die telegraphischen Glückwünsche der Prinzessin Therese von Bayern, !des Herzogs Johann Albrecht von Mecklenburg und des ^deutschen Reichskanzlers verlesen. Das Telegramm des letzteren lautet:
„Hubertus stock, 12. Oktober. Zu Ihrem Ehrentage bitte ich Sie, unter so vielen wohlverdienten Huldigungen auch meine von Herzen kommenden Glückwünsche freundlich entgegen zu nehmen. Oft habe ich mich! im Auslande mit Stolz am Ruhme eines unserer größten Forscher erfreuen dürfen und mit den Gebildeten aller Länder blicke ich heute bewundernd auf die gewaltige Arbeit zurück, die Sie zur Ehre des deutschen Namens zum Wohle der leiderchen Menschheit vollbracht haben. Mögen Sie in frischer Rüstigkeit noch viele Jahre der Wissenschaft und unserer dankbaren Verehrung erhalten bleiben."
.Hierauf kamen die wissenschaftlichen Anstalten zu Wort und weiterhin erschienen die städtischen Behörden auf dem Man, als erste Magistrat und Stadtverordnete von Berlin. Oberbürgermeister Kirschner gab Kenntnis davon, daß das (neue Krankenhaus im Norden Berlins den Namen seines großen Ehrenbürgers tragen werde. Ferner hat der Magistrat 100 000 Mark für die Rudolf -Virchow-Stiftung beigesteuert. Ihren „größten Sohn" ^beglückwünschte die pommersche Stadt Schivelbein. In langer Reihe nahten nunmehr, die gelehrten Gesellschaften an ihrer ^Spitze die Berliner medizinische Gesellschaft, deren Vor- fitzender Virchow seit Jahren ist.
Namens der Berliner medizinischen Gesellschaft gratulierte Professor von Bergmann, Namens anderer Berliner ärztlicher Vereinigungen Professor von Leyden, für die deutsche ärztliche Gesellschaft Heubncr. Es folgten die Vertreter fremder wissenschaftlicher Körperschaften. Es sprachen für Dänemark Salomonfen, für Belgien Heymans, für Frankreich Cornil, welcher Virchows Schöpfung der Zellularpathologie und seine Verdienste um die Hygiene pries. Sodann sprach, stürmisch begrüßt, Lord Sister, der eine Adresse der London Royal Society überreichte, Virchows gigantische Geisteskraft, Verdienste um die Menschheit, sowie seinen bewundernswerten Charakter hervorhob und eine frohe Feier des 90. Geburtstages wünschte. Ferner sprach Sir Felix Semon-London, sowie Senator Marogliano-Genua. Hoftat Foldt-Wien überreichte ebenfalls eine kunstvolle Adresse. Weiter sprachen Pertik für Ungarn, Raptschewski für Rußland, Honda für Japan und Recklingshausen-Straßburg im Namen der früheren und jetzigen Assistenten und Schüler Virchows. Nach Mitternacht dankte Professor Fränkel den Erschienenen und brachte ein Hoch auf Virchow aus. Mit Fanfarenklängen schloß um 1 Uhr die Feier.^
Fr-auksurt a M., 13. Okt. Eine Virchow-Feier verunstaltete gestern abend der Verein der Fortschritts-Partei. Der erste Festredner, Professor Dr. Flesch, feierte Virchow als Mediziner, während Justizrat Dr. Meyer den Jubilar als Politiker schilderte. Auf Anregung des Vorsitzenden, Landtagsabgeiordneten Funck, wurde ein Glückwunsch-Telegramm an Virchow ab gesandt.
Amsterdam, 12. Okt. Unter dem Vorsitz! des Rektor maguifteus, Professors Pel, fand heute zu Ehren Virchows in der Aula der Universität eine zahlreich besuchte Festsitzung statt, bei der Professor Rosenstein-Leyden die Fest- rebe hielt.
Moskau, 12. Okt. Stadthauptmann Fürst Galitzin beglückwünschte im Namen der städtischen Verwaltung den Professor Virchow. Auch die Aerzte sandten ihm ihre Glückwünsche. — „Birschewija Wjedomosti" nennen in ihrem Leit- ;artitel den morgigen Tag ein internationales Jübiläums- isest der gesamten Kulturwelt, ein Symbol der Einigung der Völker im Kampfe für die Wahrheit und für das Wohl der Menschheit.
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Folgende Angaben über die Familie Virchows dürften von Interesse sein:
Am 24. August 1899 feierte Virchow seine goldene Hoch* zeit. Die Gattin des greisen Gelehrten entstammt einer Ulten Berliner Aerztefamilie. Ihr Großvater war Stadt- wundarzt in Berlin, ihr Vater ein bekannter Frauenarzt. kDr .Karl dRayer, der das Verdienst für sich in Anspruch! inehmen durfte, einer der Begründer der modernen Frauenheilkunde gewesen zu sein. Zuerst Hilssarzt an der Berliner Frauenklinik, richtete er eine Poliklinik eigens für kranke 'Frauen ein, die erste ihrer Art in Berlin. Unter seiner Leitung stund lange Zeit die Berliner Gesellschaft für Frauenheilkunde, in welcher der junge Virchow einzelne seiner 'grundlegenden Studien, wie diejenige über die Bleichsucht, vortrug . Es dauerte einige Zeit, ehe der junge Gelehrte die geliebte Braut heimsühren durfte; erst seine Anstellung 'als ordentlicher Professor an der Würzburger Universität 'ermöglichte die Verwirklichuna seines Herzenswunsches. Der Ehe entsprossen sechs Kinder, drei Söhne und drei Töchter. Von den drei Söhnen haben zwei, gleich ihrem großen Vater, ihren Wirkungskreis in Berlin gefunden. Der eine, Dr. Hans Virck)ow, ist außerordentlicher Professor -der Anatomie an der Berliner Universität und Lehrer für plastische Anatomie an derKunstakademie. Der andere, Dr. Karl Virchow, ist Chemiker; er hat sich erfolgreich mit Studien zur Nahrungsmittelchemie beschäftigt. Der jüngste Söhn endlich ist Hofgärtner auf Schloß Wilhelmshöhe. Von den drei Töchtern Virchows sind zwei Professorenfrauen. Die eine hat den Prager Anatomen Rabl, die andere den Straßburger Germanisten Henning zum Gemahl. Die dritte Tochter ist unverheiratet geblieben; sie lebt im Hause der Eltern, ist die treue Stütze ihres betagten Vaters und begleitet ihn fast stets auf seinen Reisen.
Virchows Humor hat einen gewissen sarkastischen Zug. Ms einst ein junger Mediziner träumerisch in das Grün des 'Charite-Gartens blickte, bemerkte Virchow: „Wir treiben hier Pathologie und nicht BotanikI" Einmal sprach er vom Bau der Leber und meinte dabei, daß ihm regelmäßig eine Gewebsart genannt werde, die in der Leber vorhanden sein solle. „Ich gebe Ihnen aber drei Mark", rief Virchow mit erhobener Stimme, „wenn Sie mir dies Gewebe nachweisen chollen". Als sich bei diesem Anerbieten schallendes Gelächter
erhob, setzte er trocken hinzu: „Lachen Sie nicht, drei Mark sind für mich eine große Summe! Gelegentlich verpflanzt der Professor auch parlamentarische Wendungen in den Hörsaal. Wenn et sein lolleg ausfallen läßt, so spricht er von „vertagen" und nach den Ferien will er seine Zuhörer „wieder einberufen". Als ihn bei einer seiner chronischen Verspätungen das übliche Scharren empfing, ersuchte er die „Herren von der rechten Seite", jene Begrüßung doch lieber einzustellen. Ein ander Mal glättete er die Sturrneswogen mit den kurzen, hastig hervorgestoßenen Worten: „Meine Herren, ich bitte zu berück- ichtigen, daß das Gebäude aus Holz ist und nicht vet- ichert!"
Rudolf.Virchows erste Liebe.
Unter diesem Titel steuert Sigmar Mehring folgendes Gedicht zur Virchowfeier bei:
Mit heit'rer oder feierlicher Miene Betritt heut' mancher ^Deines Heims Kabine
Der Spree-Athener naht, der Gallier, Der Bürger Schivelbeins, der Beduine, Ter Geiftesadel Nordamerikas,
Das Volk aus Oberschlesiens Kohlenmine. Es fliegen Grüße auf dem Draht Dir zu Und Ehrengaben auf der Eisenschiene.
Die Würdenträger aller Stände nah'n, Der Wissenschaft erles'ne Paladine,
Die Finder und die Führer hohen Ziel's Und auch die Meister praktischer Routine, —
Die sternbelad'nen Edelherrn des Staats.
Die Sklaven und Gebieter der Maschine.
Dir glänzt die goldgestickte Uniform, Dir jubelt zu der Träger der Pantine.
Hier grüßt Dich ein Gebilde uns'rer Zeit, Ein Fund dort vorgeschichtlicher Ruine, —
Ein prähistorischer Schädelknochen da, Hier die arzneistudierende Blondine.
Und weise lächelnd nimmst Tu alle auf. Was aber thätest Tu, wenn — ich erschiene'?
Ich, die einst Deinen Ruhm befestigt hat. Das Forscherrenommee, das Dir verlieh'ne!
Ich, die Du suchtest mit begier’gem Blick, Wie ’n Leckermäulchen schmatzt nach der Rosine —
Der Du mit allen Mitteln nachgestellt. Wie je ein Schwärmer seiner Kolombine!
Erbleiche nicht! Ich will Dir heut' nicht nah'n. Ich, die als falsche Schlange arg Verschrie'ne, Ich bleibe fern und kaps'le still mich ein,
Ich, Deine kleine niedliche
Trichine.
Politische Tagesschau.
Ein Irrtum des Kaisers?
Don wissenschaftlicher Seite wird folgendes mitgeteilt: Nach Mitteilung des Magistrats-Berichterstatters soll der Kaiser den Oberbürgermeister von Berlin zur Verbindung der beiden Siemensschen Linien Unter den Linden „Lift s" (Hebewerke) empfohlen haben, wie der Monarch ölche schon an anderen Orten gesehen habe und welche sehr wohl zum „Herablassen- und Wiederherauf (?) Befördern" eines oder mehrerer Straßenbahnwagen zu benutzen seien. Tie Richtigkeit dieser Meldung vorausgesetzt, befindet sich' )er Kaiser im Irrtum: es giebt nirgends „Lifts", welche besetzte Personenwagen auf- und abbewegen, schon aus dem Grunde, weil nirgends ein Bedürfnis vorliegt, zu solch kostspieligen Kunststücken zu greisen. Tie Hebewerke, welche hei uns und an vielen anderen Orten im Gebrauch sind, dienen lediglich dem Gütertransport, Schiffszwecken rc. So ist hier in Berlin seit etwa 20 Jahren am Anhalter Bahnhof ein Hebewerk im Gebrauch, mittels dessen Lokomotiven und Güterwagen auf die Ladegeleise, die den Hafenplatz kreuzen, herabgelassen bezw. von diesen zu dem Bahnplanum emporgebracht werden, ferner wären die Schiffshebewerke zu erwähnen, wie ein solches z. B. in Henrichenburg bei Dortmund zur Ersparung von Schleusen im Kanal angelegt worden ist: dasselbe befördert gleichzeitig zwei ganze Schiffe vom Oberwasser zum Unterwasser und umgekehrt. Vermutlich haben dem Kaiser die Lifts der Londoner Untergrundbahn vorgeschwebt, das sind aber Personen-Aufzüge von größeren Dimensionen (50 Personen); diese dienen lediglich dazu, die Passagiere der Untergrundbahn nach und von den durchschnittlich etwa 15 Meter unter der Straßenoberfläche liegenden Tunnelbahnfteigen zu befördern; die Betriebsmittel, Lokomotiven und Wagen, gelangen vom Betriebsbahnhöfe Stockwell auf einer 1:3 einyalb geneigten Ebene in den Tunnel hinab. Tie „Lifts" haben also lediglich den Zweck, den Fahrgästen das Treppensteigen zu ersparen. Eine solche Anlage wäre für den vorgedachten Zweck nur möglich', wenn die Passagiere in der Mittel- und Behrenstiraße ausstiegen, mittels Lifts in den Tunnel hinabgelassen und mittels eines im „Linden"-Tunnel beständig hin- und herfahrenden Wagens weiterbefördert würden. Ein so umständlicher und zeitraubender Betrieb ist hier natürlich völlig ausgeschlossen. Es könnte sich nur fragen, ob man „Lifts" von noch größeren Dimensionen! baut, bei denen ein oder zwei besetzte Wagen durch Senkung der Plattform aus die Geleise der Tunnelstrecke hinabgelassen bezw. in derselben Weise emporgehoben werden können. 'Tie technische Ausführbarkeit einer solchen Anlage steht außer Frage;'allein, abgesehen davon, daß derartige Hebewerke sehr ko/lspielig sind, verbieten sich dieselben im Straßenbetrieb schon durch den großen Zeitverlust. 'Tie Senkung der Wagen auf die Tunnelsohle, etwa vier einen halben Meter unter Pflasteroberkante, würde sehr langsam und vorsichtig ausgeführt werden müssen, ebenso die Hebung der Wagen auf das oberirdische Geleis; eine dichte Wagenfolge wäre also nicht zu erzielen. Dazu kommt, daß eine solche Anlage, wie oben bemerkt, im regelmäßigen Bahnbetriebe noch nirgends erprobt ist.
Schulden machen!
In unserer Nr. 239 gaben wir die offiziöse Nachrich wieder, daß in diesem Jahre das Reich nicht mehr mit neuen Anleihen hervortreten würde.
Es ist unbedingt richtig, daß Länder wie Portugal, Spanien, Türkei, Griechenland und finanziell ähnlich situierte Staaten, sich vor der Aufnahme neuer Anleihen zu hüten haben. Alle diese Staaten müssen ihr Hauptaugenmerk darauf richten, ihre Finanzen in Ordnung zu bringen. Man hört denn auch immer wieder von allerlei Finanzprojekten solcher Länder. Aber am letzten Ende sind das immer Finanzkunststücke, die über die augenblicklich besonders schwierige Lage hinweghelfen sollen. Die dauernde Kalamität bleibt. Durch Experimente lassen sich chronische Finanzverlegenheiten eines Landes nicht beseitigen. Hier kann wirkliche Besserung nur dadurch geschaffen werden, daß das Volk und der Staat größte Spar
samkeit üben und unter schärfster Anspannung aller Kräfte die natürlichen Hilfsmittel des Landes entwickeln. Das beste Beispiel für eine selche Finanz- und Wirtschaftspolitik bieten Mexiko und Italien.
Anders liegen die Tinge bei Ländern mit geordneten! Verhältnissen. Natürlich wird auch hier mit der Aufnahme von Anleihen vorsichtig verfahren werden müssen. Marr unterscheidet zwischen Anleihen zu „produktiven" und solchen zu „unproduktiven" Zwecken. Unproduktive Anleihen lassen ich auch in den geordnetsten Staatswesen nicht vermeiden, hierzu rechnet man Anleihen für Heer und Flotte. Vor olchen Anleihen hat man allgemein eine Abneigung, und es ist gut, wenn die Volksvertretung bei unproduktiven Anleihen den Daumen auf den Beutel hält.
Ein Uebermah ist natürliche auch bei produktiven Anleihen vom Uebel. Wenn zur Ausführung öffentlicher Arbeiten kolossale Beträge von Anleihen ausgenommen werden, bann gerät das Wirtschaftsleben in eine ungesunde Ueberspannung, die sich schwer rächt. Auch darf nicht außer Acht gelassen werden, daß Anleihen verzinst werden müssen, und daß die Zinsen durch Steuern aufzubringen sind.
Im ganzen aber hat eine besonnene Anleihepolitik eines inanziell geordneten Staates nicht nur feine Bedenken, andern sogar Vorzüge. Es giebt zahllose kleine und mittlere Sparer, die bei bescheidenen Zinsen eine absolut sichere Anlage haben wollen. Es müssen gewaltige Summen von Stiftungen, Kirchen, Körperschaften, Versicherungsanstalten usw. in durchaus sicheren Werten angelegt werden. Für dieses Anlagebedürfnis muß der Staat sorgen. Als nach Einheimsung der französischen Kriegskontribution der preu- zische Finanzminister große Summen von Staatsanleihen kündigte, wußten die Leute nicht, was sie anfangen sollten mit ihrem Gelde. Um doch einen Zinsgenuß zu bekommen, legten sie es in Jndustriewerten an. So stossen der Industrie enorme Summen zu. Diese unverhältnismäßige Alimentierung führte zur Uebcrtreibung der Konjunktur, die in dem bekannten Krack) auslief. Als im vorigen Jahve die Krisis ausbrach, war das Kapital ftoh, in Staatsund Kommunalfonds Unterkunft finden zu können. Ohne diese Fonds hätte das Kapital tot dagelegen. Und wenn es an der hinreichenden Anlagemöglichkeit in einheimi-» chen Fonds fehlt, greift das Publikum zu ausländischen. Nun giebt es auch! unter diesen gediegene und sichere Pa- jiere, aber es ist doch! immer besser, daß wir unser Ka- ;itat zur Entwicklung der inländischen Produktivkräfte verwenden, obwohl es ja auch seine Vorzüge hat, sich durch das Kapital fremde Länder tributpflichtig zu machen.
Gegen die Zunahme der Verschuldung der Gemeinden wurde namentlich im vorigen Jahre viel geeifert. Es versteht sich von selbst, daß in unseren Gemeinden nichts Finanzzustände einreißen dürfen, wie z. B. in Italien. Aber olche Gefahren werden durch das strenge Aufsichtsrecht ber Regierung verhütet. Unter biefen Um stäuben barf man )ie Befriedigung bes Anleihebeoarfs ber Gemeinben mit Wohlwollen betrachten. Tie von ber Stabt Gießen aufgenommenen Anleihen bienen fast burchweg produktiven Zwecken. Es werben von bem Erlöse die öffentlichen Bauten ausgeführt, so unsere leider immer noch auf sich warten lassende Kanalisation, das Elektrizitätswerk, über das z. Z., mannigfache Klagen laut werden, die aber wohl mit der Zeit, durch, Abstellung erster, schwer vermeidlicher liebet» stände, verstummen werden, der Schulhausbau rc. Ferner dienen sie zur unvermeidlichen Tilgung älterer Schulden.
Die beste Garantie, daß die mit den Anleihen über*' nommenen Verpflichtungen erfüllt werden, liegt in ber Rechtlichkeit unb Tüchtigkeit der stäbtischen Verwaltung. Zu bem erfreulichen Aufschwünge unserer Stadt hat die vorsichtige Anleihepolitik der Gemeinde nicht wenig beige*. tragen.
Aus Stadt und Sand.
Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden angemeffeu honoriert.
Gießen, den 14. Oktober.
•* Von der zweiteu Kammer. Der Bericht des Ersten Llusschusses über die Regierungsvorlage betr.: 1. Nachweisungen über die Einnahmen und Ausgaben an Domanial- und Staatsvcrmögen und über die Verwendung ber bewilligten Staatsgelder für die Finanzperiode 1894/97 nebst 67 Anlagen und den von den Großh. Ministerien bezw. der Oberrechnungkammer gegebenen Erläuterungen; 2. eine Bemerkung der Großh. Oberrechnungskammer zu den vorerwähnten Nachweisungen; 3. die aus den Rechnungen des Fonds zur Ergänzung des Familieneigentums des Großh. Hauses für 1894/97 gefertigten Nachweisungen und die hierzu gegebenen Erläuterungen —, ist soeben erschienen. Wir werden erschienen. Wir werden darüber noch ausführlich berichten. — Der unermüdliche Abg. Köhler-Langsdorf hat einen Antrag auf Vergütung der Ortsgerichtsdiener für Mühewaltung bei Einlage des Grundbuchs eingebracht, und schreibt dazu folgendes: „Bei Anlegung des Grundbuchs beziehen Grundbuchrichter und Sekretäre die ihnen zustehenden sehr beträchtlichen Diäten, die sehr namhafte Zuschüsse zu deren Gehalte abgeben. Nicht so diejenigen Ortsgerichtsdiener, die in anderen Gemeiüden die Bestellungen an die dort wohnhaften Forensen ber in Anlage des Grundbuchs begriffenen Gemeinden zu vollziehen haben. Manche Ortsgerichtsdiener haben in solcher Weise oft Hunderte von Ladungen zuzustellen unb die richtige Erledigung zu bezeugen. Sie sind für den richtigen Vollzug auf ihren Diensteid verpflichtet, werden bei der geringsten Verfehlung in Strafe genommen, und erhalten dennoch für alles dies — nicht die mindeste Vergüümg. Eine Aenderung ist hier sehr am Platz und eilt sehr! Ich frage hierdurch: Ist die Großh. Regierung bereit, hierin alsbald Wandel zu schaffen?" — Die Petitions-Kommission der landwirtsch. Bezirksversammlung zu Langwadcn bittet, die Kammer wolle bei der Regierung dahin wirken, daß diese der Einführung einer staatlichen Hagelversicherung für das Großherzogtum Hessen näher trete oder doch wenigstens, wie es in Baden und Württemberg geschehen ist, den Abschluß eines bezüglichen Vertrags mit einer Versicherungsgesellschaft ins Auge fasse, damit so den Landleuten die Versicherung gegen Hagelschaden nahe gelegt und erleichtert werde. — Eine Vorstellung der Großh. Wagenwärter bei der Main- Neckar-Bahn, betrifft die Verbesserung ihrer Emkommensvcr- hältniffe. — Der Verband deutscher Musikwerke- und Auto- maten-Händler und --Fabrikanten in Leipzig rc. bittet, die Ständekammer wolle eine Revision des Gesetzes vom 12. Aug. 1899 vornehmen und die Bestenerung der mechanischen Musikwerke auf heben, auch Vorkehrungen treffen, daß die Spielzeit für dieselben einheitlich geregelt und nur inso-


