Ausgabe 
15.2.1901 Drittes Blatt
 
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9h?. 39 Drittes Blatt.

151. Jahrgang.

Freitag 15. Februar 1901

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag?.

Tie Gießener Kamillen blätter iverden den« An­zeiger im Wechsel mitHess. Landwirt" undBlätter su.' Hess Bolkskunde" vier­mal wöchentlich bcigelegt.

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GietzenerAnzeiger General-Anzeiger

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Zttteratur, Missenschast und Kutrst.

von Rotschild.Paris die Leitung des Frankfurter Hauses übernehme, bestätigt sich nicht. Es ist vielmehr bis jetzt noch keine Bestimmung in dieser Richtung getroffen.

sc. Limburga. d. L., 12. Febr. Die Quantität der W e i n c r e s c e n z im vorigen Jahre ist überall im all­gemeinen befriedigend ausgefallen Nur die hiesige Gegend zeigt ein Minus des Ertrages. So wurden in Runkel im Jahr 1900 nur 3 .Hektoliter geerntet, während das Vorjahr 22 aufwies. Hier in Limburg war der Ertrag im Jahre 1900 6 Hektoliter, im Vorjahre 12 einhalb Hektoliter.

Die frühere H rotne des Düsseldorf-Duisburger Stadtihcaters, Zoäuletn Klara Clatr, hat sich fn Magdeburg erschossen.

wtrts Wolf. Tie Feier begann um 4 Uhr, und da die Mitgliederzahl des Vereins sehr gestiegen ist, so erfreute sich die Feier eines starken Besuches. Tic Festlichkeit verlief auf das schönste. Lange wird jedem Besucher dieser Tag in Erinnerung bleiben. Dem Dirigenten Heinrich Frei ge­bührt Tank für den guten Erfolg.

w- Beuern, 12. Febr.Sind wir von der Arbeit müde, haben ivir noch Lust zum Liede", mit diesen Worten »laug die Rede des Präsidenten Schäfer am Sonntag übend, beim 32jährigen Bestehen des Gesangvereins Po l y h y in ii i a aus. Ter gefüllte Wagnersche Saal war aus Anlaß dieses Tages sehr geschmackvoll dekoriert. Es wechselten Gesänge und Theateraufführungen miteinander ab. Sehr gelungen war die heitere AlpenszeneLiesel und Seppel" oder die Reise nach Amerika von E. F. Walter. Stürmischer Beifall wurde gespendet. Ein Tänzchen bildete den Schluß.

L. Langsdorf, 12. Febr. Am Samstag hielt Obst- bautcchniker Wießner aus Friedberg in hiesigem Obst- bauvereiu einen Vortrag, der sehr interessierte. Er sprach überII n ter Pflanzung alter Bau m st ü ck e" und führte aus, daß es nutzlos sei, weun mau lückenhaft gewordene Baumstücke mit jungen Bäumen auspslanze, weil eie Wurzelnctze der Veteranen schon nach, einigen Jahren die neuen Baumgrubeu auoraubten. Zweckmäßig sei es darum, neue Baumstücke anzulegen und die gelichteten

Aus Stadt und Land.

Sießeu, 13. Februar 1901.

Gedenket der hungernden Vögel!

§ Die Anmeldungen der Lehrlinge bei der Handwerks­kammer in Darmstadt laufen immer noch zahlreich ein. Wir wollen an dieser Stelle nochmals darauf Hinweisen, daß sämtliche Lehrlinge, die eine handwerksmäßige Aus bildung erhalten, sei es in einem Handwerks- oder Fabrik betriebe, anzumelden sind. Selbstverständlich sind auch die Söhne von Meistern, die als Lehrlinge im elterlichen Ge schäfte arbeiten, anzumelden. Die Ausgabe der Formularien zu Lehrverträge wird von Anfang März an erfolgen.

. 7"^ Der Lesehalle-Verein hielt am Montag in

der Lesehalle seine Mitglieder-Versammlung ab. Aus dem vom Vor|itzeuden, Professor Tr. W e tz, erstatteten Geschäfts- l,t Egendes zu entnehmen: Tank einer streng be­obachteten Sparsamkeit und einigen größeren Schenkungen (s. u.) konnte der bedeutende Fehlbetrag, den die vor­jährige Rechnung ergeben hatte, gerade knapp gedeckt werden. Trotzdem daher für Bücheranschaffungen nur ganz geringe Mittel verwendet wurden, hatte sich doch die B ü ch e r h a l l e einer stetig wachsenden Benutzung zu er­freuen. Die Zahl der monatlich ausgeliehenen Bände beträgt augenblicklich mehr als 2000. Daß diese außer­ordentliche Arbeitslast bewältigt werden konnte, ist nur der vortrefflichen Verwaltung der Bibliothekarin, die gelegent­lich durch freiwillige Hilfskräfte unterstützt wird, zu danken. 3. "euen ^zahre soll denn auch durch vermehrte Bücher- antaufe dem gesteigerten Lesebedürfnis Rechnung getragen werden. Auch das Lesezimmer soll reichlicher ausgestattet

Die achte Generalversammlung des Bundes der Landwirte.

Fortsetzung.

Vorsitzender Dr. R o e s icke-Görsdorf: Ein Heerrufer un Streite auf der Seite des Großkapitals ist Herr Finger. Er hat von dem frevelhaften Verlangen der Agrarier gesprochen, bessere Preise zu erzielen. Es wird als berechtigt anerkannt, daß die Löhne der industriellen Arbeiter sich höher gestalten; in dem Augenblicke aber, wo der deutsche Bauer den Wunsch hegt, daß auch seine Arbeit für sich und seine helfenden Arbeiter lohnender werden möge, da ruft man ihm zu, das sei ein frevel­haftes Spiel! (Pfuirufe.)

Dr. v. Siemens wies auf die Erhöhung der Produk- twnsunkosten der Landwirte durch diese Entwickelung hin. Wir nehmen dieses unparteiische Zeugnis an! Nichts be­leuchtet besser die Gerechtigkeit unserer Forderung, als dieser gewiß unparteiische Ausspruch, daß die Landwirt- chast durch die Mitunterstützung des industriellen Auf- fckjwunges für die Industrie Opfer gebracht habe. (Sehr richtig! Lebh. Beifall.)

Was ist von den Aussprüchen wahr geblieben, die leiiierzeit bei der Einführung der Handelsverträge aethan wurden? Graf Caprivi sagte damals:Entweder müssen wir Waren ausführen ober Menschen " Um aber die Arbeit zu leisten, deren das deutsche Volk bedurfte, mußten Ar­beiter anderer Nationen hereingeführt werden So können wir denn also sehen, daß die Handelsvertrags-Politik auch aus dem Gebiete der Bevölkerung Deutschlands die natio- u^len Interessen geschädigt hat. (Lebh. Zustimmung.)

Es bedarf des festen Zusammenstehens der deutschen Bauern, des Mittelstandes/ der nationalen produktiven Ar- oett um diesen Versuchen, eine uns schädliche Handels- po ltik weiter durchzusetzcn, Widerstand zu leisten. Tes- halb rufe ich den Landwirten zu: Einigt Euch zur ge­schloffenen Vertretung Eurer gerechten Sache! (Beifall.)

Bauernstand, im weitesten Sinne verstanden, aber bildet die Grundlage des inneren Marktes. (Beifall.) Auch der Blödeste aber erkennt: wer aus Mangel an Arbeit keinen genügenden oder gar keinen Lohn erwirbt, der kann sich auch das billigste Brot nicht erstehen. (Sehr richtig!)

Welche Forderung könnte gerechter sein, als daß auch der deutsche Bauer verlangt, dem Kultur-Zustand seines Volkes entsprechend leben zu können. (Bravo!' Hierzu bedarf er solcher Preise für seine Produkte, wie sie dem Kultur-Zustande Deutschlands, nicht dem Kultur-Zustande unkultivierter Völker entsprechen. Versprechen sind uns genug gegeben worden, Thaten haben wir weniger gesehen. Jetzt wollen wir Thaten haben. (Bravo! Lebh. Beifall.)

Tie Gerechtigkeit unserer Sache giebt uns das Ver­trauen zu Gott, daß er uns helfen werde. Ein Volk das uns in seinem Blute und in seiner Thätigkeit nahe ver­wandt ist, das Burenvolk in Südafrika, hat uns in seinem gewaltigen Ringen gezeigt, was Gottvertrauen und Baucrn- zahigkeit vermag. Daß den tapferen Buren der Sieg werde das wünschen wir innigst! Wir aber wollen von ihnen lernen, tn innigster Ueberzeugung für die Gerechtigkeit unserer Sache, un festen Gottvertrauen zu kämpfen und zu streiten um die deutsche Scholle, die wir bebauen, um unsere Existenz auf ihr, unsere Heimat! Gott möge uns den L>ieg verleihen! (Lebh. Bravo! Händeklatschen und stürmischer Beifall.)

Fortsetzung folgt.

werden. An Zuwendungen, die dem Verein zu teil wurden, ist zu erwähnen, daß, wie in früheren Jahren die Stadt- verwaltting dem Verein ständig ihr hohes Interesse be­zeugt, und daß der Verein aus der Wilson-Stiftung 200 Mark, von der Spar- und Leihkasse 400 Mark, sodann 500

Mark als Ertrag der von Prof. Haupt veranstalteten aka­demischen Vorträge und 150 Mark aus dem Ergebnis eines 1 Wohlthätigkeitskonzertes erhielt. Ferner wurde der Verein mit einer Reihe von Bücherschenkungen bedacht, unter denen diejenigen des Prof. Dr. Noack ganz bedeutende zu nennen lind. Allen hochherzigen Gönnern wurde der Dank der Ver fammlung ausgesprochen. - Der Vorstand hat durch den Tod ein sehr thätiges Mitglied, Herrn Ehr. Faß, verloren. Zum Zeichen der Trauer erhebt sich die Versammlung von den Sitzen. Die sodann vorgenommene Vorstandswahl ergab Wiederwahl der seitherigen Mitglieder und Neuwahl von Prof. Dr. Noack und Dr. Fritzsche. Im engeren Vorstand übernahm Dr. Fritzsche das Amt des ersten Schriftführers an Stelle des zurückgetretenen Dr. Ebel und Reallehrer I a n n das Amt des Rechnungsführers an Stelle des Kommerzienrats Heichelheim. Schließlich wurde jber § 6 Iber Satzungen dahin abgeändert, daß künftig der Austritt aus dem Verein vor 1. Dezember anzumelden ist, widrigenfalls die Beitragspflicht für das nächste Ver­einsjahr bestehen bleibt. Wir schließen mit der Bitte,! den Lesehalle-Verein auch lünstig in feinen Bestrebungen ............... ......Hu ulc

ourctz eifrige Spenden zu unterstützen, damit er in die I Laumaniageil gut weiter zu pflegen, dann habe man hier Lage gesetzt werde, seinen großen sozialen Aufgaben gerecht I prächtig wachsende Rekruten und dort dankbar spendende zu werden. Veteranen.

D?rVerein zur Züchtung reiner Hunde- -R- Hirzenhain, 12 Febr. Heute nachmittag wurde ra||en hielt Sonntag im RestaurantHohenzollern" seine I unser langjähriger treuer Seelsorger, Pfarrer Wahi der Jahreshauptversammlung bei sehr zahlreicher Beteiligung 15 Jahre in uiiserer Gemeinde gewirkt, unter allgemeiner ab. Aus dem Berichte des Vorstandes ist das im ver-1 Beteiligung der ganzen Einwohnerschaft und der Schule gangenen Herbste abgehaltene Preis-Schliefeu besonders her-1 zur letzten Ruhe bestattet. Pfarrer Gußmaun zu Kirchberg vorzuheben Die Vorstandswahlen brachten den seitherigen I bei Gießen hielt die Leichenrede unö gab dem abgelaufenen . r.llhAweu, A. Tickore, wieder an die Spitze des Ver-1 Leben des Entschlafenen die Ueberschrift: Fromm und M,t allgemeiner Zustimmung der Versammluiig wurde! getreu! Tekanatsstellvertreter Pfarrer Fischer zu Eichel« eine Verkaufsstelle für Hundekuchen errichtet und der Firma I oorf sprach im Namen der Dekanatsgeistlichkeit. Gemeinde, »r; ^o Nächst Seltersweg, übertragen, diese erbot sich, I Gesangverein und die Schulen zu Hirzenhain und Stein- das Futter für einen sehr niedrigen Preis an die Mit-1 berg legten Kränze am Grabe nieder. Das Andenken des glreder des Vereins abzugeben. I VeDblichenen wird in der Gemeinde ein Segen bleiben.

Politische Versammlung. Am Sonntag Nachmittag! Darmstadt, 12. Febr. lieber das Ergebnis der Beweis 2Vz Uhr findet in Steins Garren eine VolkSverfamm I aufnahme in der Sache des Offenbacher Beigeord« lang statt, in der Reichstagsabgeordneter Max Lieber Ineten Wolff gegen die GesellschaftGroßes Kolleg" mann von Sonnenberg eine Rede halten wird. (SieheIerfährt man noch, daß der klägensche Vertreter um deswillen Inserat.) I auf die Vernehmung der weiteren Zeugen verzichtet habe,

k- Unsere Singvögel, diese nützlichen Insekten- das statutenwidlige Vorgehen genügend festgestellt schien, vertilger, haben jetzt eine schlimme Zeit und viele falten soll feststehen, daß zuwider den Statuten der dem auf der Kalte und dem 5Mnger zum Opfer. Mitleidige Menschen I'ie Ausschließung Wolffs gerichteten Anträge zu Grunde thun zwar ihr möglichstes, um die Not dieser Tierchen zu! Legende Thatbestand dem Beigeordneten Wolff nicht mit- c>TrLöen werden ganz besonders die geteilt wurde, sodaß dieser zu einer Widerlegung der Ver. Kinder zum Futtern der Sanger- angehalten. Aber an teidigung nicht in der Lage war den Futterplatzen müssen die Hungernden sehr vorsichtig V y,°

|eut, um nicht Beute der Katzen zu werden. Leider aber r. Alzey, 12. Febr. Tie Stadtverordneten ge- giebt es auch rohe Menschen, die diesen nützlichen Vögeln, !V?nU?tC" bln $r e r anrft?on^u(e ^ne jähr- »obald sie sich von Hunger gequält, dem Futterplatz nahen F persönliche Z u l ag e bon 200 Mark, für die Lehrer- mit Fallen, Schlingen ufw. nachstellen. Hauptsächlich !^n an der höheren Mädchenschule eine solche von stellt man dem Rotkehlchen, dem Distelfink, der Blaumeise u'ch für die Jndustrielehrerinnen eine solche

und tn erster Linie dem Blutfink nach. Gerade diese 95ögelron 100 9J2art mit 2ßirfun9 ab 1. April dieses Jahres, sind die nützlichsten Jnsektenvertilger, und kommen ohne- Frankfurt a. M., 12. Febr. Gymnafialkurse für

dies schon ziemlich selten bei uns vor. Dies hat wohl! Mädchen werden diese Ostern mit der untersten Klasse, £io0rJten 7Zei1 senien Grund darin, daß jährlich im Ober-Tertia, eröffnet. Für Latein, Deutsch und Geschichte äur Brutzeit Hunderte gefangen oder schon ist ein bewährter Altphilologe gewonnen worden, der lediglich als wei StiLTÄff'" geholt werden. Mehr an der »nstall Ihälig sein wird, während di- anderen Fächer zu Grund, und ganj be^nbe^Tieien'igen "bk b'c'i^i'efe* °OnkbeW%ICn .Stä'ten Qnbetet h'-fig" Anstalten gelehrt Kälte gefangen, unb in die überwarmen Stuben gebracht Eine beträchtliche Anzahl Schülerinnen haben sich

werden. Diese Unsitte des Vogelfangs trägt sehr zur I ^meldet. Die Nachricht, daß Baron Armand Abnahme unserer lieben Sänger bei. Wir Deutschen sollten devhalb nicht immer über den V o g e l m a ss e n m o r d der ^udeuropaer uns ereifern, sondern erst einmal bei uns der Ausrottung der Singvögel entgegenarbeiten. Tie \ bie,er Beziehung die größte Mühe: aber sobald die Kinder aus derselben entlassen sind, sehen ie das boste Beispiel einzelner Erwachsener, und gar mancher A5^bensalls em Vogelfänger, und hilft zum Schaden cev Obst und Gartenbaues an der Ausrottung mit. Orts- wlizei und Behörden, Geistliche und Lehrer sollten hier- gegen einfchreiten und solcke Vogelfänger rücksichtslos zur Anzeige bringen, denn mit Recht ruht hierauf Strafe. Auch lollten die Behörden darauf achten, daß Hecken und Ge- )ufche, tn denen die meisten Singvögel nisten, nicht zu I ehr ausgerottet werden.

* Zur Zagd auf Krähen, Raben und Dohlen ist jetzt d e teste Zeit. Die Bäume sind kahl und frei und die Krähen nester auf den Wipfeln der Eichen unserer Waldungen daher I Tt tltrfif hii> ßnefittt

deutlich sichtbar. Auch sind die Schwarztöcke jetzt regel K. Vuu u Uie

mäßig in ihrer Behausung anzutreffen, da sie nun mit dem ie Flammeris etwas zu wünschen übrig lassen. Ueberzeuge

ercUö gegen Ende des Monats beginnt das Brutgeschäft, ogfe die Kockm nicht weiß, wie leicht und schnell sich mit Mondamin Welch arge Räuber die Krähen unter den Singvögeln unb schmackhaftesten, steifen Flammeris und Nachsveifen bereuen dem Wildstande, besonders unter den junoen Häschen und elL Köchinnen behaupten, Mondamin yat einen zarten »em F-Idg-flügel sind, ist schon oft e-örtert worden, fobaJ ffÄ und sei auch zum Verdicken allen anderen A- 'UM Abschuß dieser schwarzen Gesellen allen Ernstes geraten werden kann. ArowN & ^offortS

-V-Wißmar, 12. Febr. Am Sonntag feierte hier der A T) A W T M

Gesaiigvereiu Eintracht sein Stiftungsfest, verbunden WM U «fil. IvÄ X «

mit komischen Vorträgen und Tanz im Saale des Gast-1 ist zu haben in Paketen ä 60, 30 und 15 Pfa,