Nr. 163
Drittes Blatt.
151. Jahrgang.
Sonntag 14. Juli 1801
«wertet «glich wM MVnch»! M IRoetegl.
Mn »eike ke Km
Kadtiekr w* „Blätter
<*N**»kN ket»
QBCt Wchnnitch b«q«Uflt.
vW««-W»r ►*« Kx»t4|tn ffi *k nafrrmrgl f*c K« ffees.*ea 1*9 rrUhrtnodea &t*ee» Ml MM 16 llhr fcl»«e*M »M < ■ hrt*eft«n< «*w*a wkr.
JTA-drtrM *x>*ition und
UMtW 1.
Amts- und Anzeigeblati für den Kreis Gießen
General-Anzeiger
gUMESL«
Sezu-»Pr«i« »mcMWA MI. 2.20, moMtl. 76 PG maBrmgrrtohn! dnrchL Lbh^«fteL<n tnertclWN, Ml. 1.90, mwatl. 6b M.
©ei PoSbezug viertel^ Mk. 2.00 ahne Bcstcü«M
Äfk e«i|<l«eit=BenRttttaeee» stellen bei An- und «uMmM nehmen AnHetaen für Me eufeentt Anz«kacr tnttew. Zetlenprets lokal 11 yM •u8»4rte 90 Ptg.
Adresse für Depesche«, Anzeiger Siehe».
Fernsprechanschluß Nr.Mu
Kolonialpost.
lieber einen blutigen Vorfall in Kam erun, von dem bis jetzt noch nichts an die Oefsentlichkeit gedrungen ist, berichtet das „Westfül. Volksbl." aus einem Privatbriefe aus Buea (Kamerun) vom 2. Juni folgendes: „Tie schwarzen Schurken haben im vorigen Monat in meiner Nähe wieder ein verruchtes Werk fertiggebracht. Len guten Bezirkshauptmann Meyer haben sie im Urwald trotz 15 Soldaten Bedeckung überfallen. Meyer erhielt einen Streifschuß an der Stirn, einen Schluß in die Oberlippe und einen in den Rücken. Ter letztere war mit Eisenstücken usw. geladen gewesen, und es haben' zwei Stücke gut durchgeschlagen bis zur vorderen Bauchwand. Sie sitzen noch in der Bauchhöhle. Meyer lebt weiter, muß aber mit dem nächsten Tampfer nach Deutschland, um dort operiert zu werden. Zwei Soldaten wurden auf der Stelle totgeschossen, ein dritter starb bald nach einer schweren Verwundung." An der Zuverlässigkeit dieser Angabe sei nicht zu zweifeln. — Es ist auffällig, daß amtlich noch nichts darüber laut geworden ist.
Tie endgiltigeAbgrenzungunsererSchutz- gebiete, die im vorigen Jahre an verschiedenen Stellen vorbereitet wurde, ist in der Hauptsache durch äußere Umstände ins Stocken geraten. Tie seit Monaten in Libreville, der Hauptstadt des französischen Kongo befindliche Kamerunkommission ist durchs Erkrankung fast aller ihrer Mitglieder zur Unthätigkeit gezwungen gewesen, und noch liegt keine Mitteilung vor, ob und wann sie nach dem Kongo, abgehen und ihre Arbeiten aufnehmen wird. Am 1. Juli sollte die von Cadiz abgegangene spanische Expedition dort eintreffen, die sich an den Grenzfestistellungen beteiligen soll. Bald muß es sich zeigen, ob nun Leben in die Sache kommt oder ob auch die Spanier dort abwarten und längere Zeit daselbst werden verweilen müssen. Schon jetzt ist der Anfang der Arbeiten fast dreiviertel Jahr über den ursprünglich beabsichtigten Zeitpunkt hinausgeschoben. Nicht viel besser ist es der Kivu- Kommission ergangen. Ter deutsche Astronom Dr. Lamp ist gestorben und die belgischen Mitglieder der gemischten Kommission sind erkrankt. Ehe nun von deutscher Seite ein Ersatz für den wissenschaftlichen Fachmann dahin gesandt wird, muß geraume Zeit vergehen, überhaupt scheint es, als ob die Arbeiten dort auch vollständig still ständen. Hatte man in Fachkreisen darauf gerechnet, daß die Aufgabe der Kommission in einem Jahre etwa gelöst sein könnte, so zieht sich dieser Schluß nunmehr viel weiter äufs Ungewisse hinaus. In Togo ist nach zwei Seiten die Festeelung der Grenzen in Aussicht genommen. Im Herbste soll eine deutsch-englische Kommission dahin abgeben, welche die örtlichen geographischen Verhältnisse im Salagagebiete und an der Küste feststellen soll. Nach, Osten hin hatte schon eine deutsche-französische Kommission in den Jahren 1899 und 1900 das Grenzgebiet nach Tahomey genau ausgenommen. Tas dabei gewonnene Material unterliegt jetzt in Paris einer Schlußberatung. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird diese nur kurz sein, und zu einem völligen Abschluß dieser Grenzfrage führen. Daraus ist klar ersichtlich, mit welchen Schwierigkeiten und Hindernissen Unternehmungen auf afrikanischem Boden zu kämpfen haben, auch wenn sie bestens vorbereitet sind.
Vermischter.
* Ein Radler von einem Tiger verfolgt. Der französische Schriftsteller, Reisende und Sportsmann H. Rosny, der von einer Reise auf der Malayischen Halbinsel soeben nach, Paris zurückgekehrt ist, erzählt von einer Begegnung, die er mit einem Tiger gehabt hat und bei der er mit Hilfe seines Rades nach, einem furchtbaren Wettrennen noch glücklich entkam, folgendes: „In Nieuwenhuys übernachtete ich auf einer Pflanzung. Am nächsten Morgen streifte ich, auf der Pflanzung umher, wobei meine Aufmerksamkeit sich, einem Rade unter einem Schuppen zuwandte. Ich konnte der Versuchung nicht widerstehen, denn seit meiner Abreise von Frankreichs hatte ich nicht geradelt. So fuhr ich, denn an dem kühlen und entzückenden Morgen zwischen Reis- und Kaffeefeldern dahin. Bald lag die
Pflanzung weit hinter mir, ich, folgte der Spur von Ochsenwagen mitten in einen Wald hinein, wo ich schließlich Halt machte. Während ich mich an der entzückenden Schönheit des Ortes erfreute, hörte ich, es in den Zweigen knacken, und ich! .bemerkte, daß etwas Massives, aber Leichtfüßiges ich, näherte. Dreißig Meter von der Stelle, an der ich aß, war ein Tiger aus dem Dschungel gebrochen. Ich wagte es nicht, ein Glied zu rühren. Um mein Zweirad zu erreichen, mußte ich« an den Weg gelangen. Dies war unmöglich, ohne die Aufmerksamkeit des Tieres zu erregen, und in zwei Sprüngen wäre es bei mir gewesen. Gleicksgiltig wandte der Tiger sich, jetzt der Tiefe des Waldes zu. Ich konnte es nicht länger ertragen, stürzte aus meinem Versteck, fiel und kletterte über die dazwischenliegenden Hindernisse, ergriff das Rad und raste dahin. Als ich in den Sattel sprang, erblickte ich zu meinem Entsetzen den großen, langen, Zum Sprunge zusammengekauerten Körper. Ich hörte den Tiger nicht weit hinter mir landen. Nach einer Minute hörte ich! einen zweiten Fall und wie es in den Zweigen und Blättern auf.dem Boden krachte. In meiner Eile war es mir natürlich, nicht gelungen, meine Füße richtig in die Pedale einzusetzen, und ich, fuhr mit den beiden Haken nach unten gekehrt. Wenn ich! ein Pedal verfehlte, war es ganz aus mit mir. Ich lehnte mich vorn über und machte mehrere lange, mächtige Vorstöße. Der vierte Satz brachte den Tiger sehr nahe. Das nächste Mal fühlte ich den Wind von seinem Fall. Eine Sekunde später berührte seine Schulter oder Tatze den Radreifen, sodaß ich eine Seitenbewegung machte. Ich dachte, daß beim nächstlen Sprung das große Tier auf meinen Schultern landen und mich zermalmen würde. Aber das war nicht der Fall. Was ich nicht mehr gefürchtet hatte, geschah nun, ich verlor ein Pedal, dann beide. Mit einiger Mühe gewann ich sie wieder, aber infolge des Aufschubs streifte noch einmal eine Tatze mein Hinterrad. In diesem Augenblick kamen wir an eine sehr schmale Brücke — zwei Bretter, die nebeneinander über einen Berieselungskanal gelegt wared. Die Räder gingen wie ein Pfeil darüber hin. Aber das entsetzliche Ding hinter mir mußte dadurch wohl etwas aufgehalten worden sein, denn ich fühlte, daß es weiter zurück war. Jetzt waren wir zwischen zwei Bananenfeldern. Ein kleiner Baum war umgehauen und von Arbeitern mit feinen Zweigen, Blättern und allem über den Weg geworfen worden. Er versperrte vollständig den Weg. Es blieb mir nur der Versuch, übrig, mit höchster Geschwindigkeit darüber zu setzen.. Ich fuhr wie toll darauf los, wurde beinahe umgeworfen, erlangte aber das Gleichgewicht wieder, fuhr weiter, erreichte einen Abhang und rollte wie eine Kanonenkugel hinunter. Bei einer Wegbiegung kamen die Gebäude der Pflanzung in Sicht. . . . Ich kann nicht sagen, wann der Tiger die tolle Jagd aufgab.' Aber als ich in die Gruppe meiner Freunde hineinschoß, siel und wieder auf die Füße sprang, ganz außer Atem und mit hervorguellenden Augen, war mein erster Instinkt, um mich! zu blicken, in dem Glauben, daß das Tier mir noch! auf den Hacken säße und uns alle vernichten wollte. Ich konnte nur stammeln: „Der Tiger, wo ist der Tiger?" Meine Freunde hatten ihn nicht gesehen, und da die erste Wegbiegung über einen Kilometer entfernt war, hatte ich, augenscheinlich schon einige Zeit lang die Wettfahrt allein gemacht." Rosny meint, er wäre wohl der einzige Mann, der je ein Wettrennen mit einem Tiger auf einem Zweirad gemacht hat. Er ist zwar sehr stolz darauf, will den Versuch, aber um keinen Preis wiederholen: „Noch eine Woche später", schließt er, „machte ich jenen Wettkampf in Träumen wieder und litt an entsetzlichem Alpdrücken, und jedes Mal wenn ich an meinem Spiegel vorbeikam, sah ich, wie ich verstört, wie ein Irrer drein- schaute."
* Ein eigenartiges französisches Volks- schau spiel. Heber einen seit undenklichen Zeiten in Burgund üblichen interessanten Brauch berichtet die „Revue universelle" in einem Aufsatz, der von den volkstümlichen Schauspielen in den französischen Landen handelt. In Alise, dem alten Alesia, bei Laumes im Kanton Senur, wird am 7. September jedes Jahres die „Tragedie de sainte Reine" aufgeführt. Ihr Inhalt ift folgender: Regina, die Tochter des Gouverneurs von Alise, ist von ihrer Amme heimlich zum Christentum bekehrt worden. Ta kommt der römische
General Olibrins von einem siegreichen Feldzug zurück und begehrt sie zur Frau, aber sie weigert sich und erklärt endlich, daß sie Christin sei. Olibrins ist aber gerade von Maximianus beauftragt, das Christentum zu unterdrücken. Regina wie alle anderen Christen werden in Alise hinter Schloß und Riegel gesetzt. Als Olibrins fein Tribunal besteigt, sieht er zu seinem Erstaunen Regina vor sich er» cheinen. Er schmäht seine Liktoren, aber Regina bekennt ihren Glauben. So läßt er sie ins Gefängnis werfen und enthaupten. Tas jetzige dreiaktige Stück stammt von einem Priester. Ihm ging ein älteres vorauf, das wieder ein von Geschlecht zu Geschlecht übertragenes antikes Possen- piel verdrängt hatte. Vom litterarischen Standpunkt ist das Drama nicht hervorragend, aber die 5000 oder 6000 Besucher hören es gern. Durch die Aufführung erst erhält das Stück einen wirklich volkstümlick-en Charakter; das Merkwürdige dabei ist, daß es ausschließlich, auch in den Männerrollen, von jungen Mädchen in Alise gespielt wird. Es ist augenscheinlich eine verhältnismäßig junge Tradition, durch die das starke Geschlecht ausge- chlossen wurde, die aus der Zeit stammen muß, als die Mysterienspiele bessere Sitten annahmen, vielleicht nach dem Beispiel, das von Mme. de Maintenon in Saint-Cyr gegeben wurde. Man begreift nun das Interesse der Bewohner von Alise an einem solchen Schauspiel. Ihre Töchter, Schwestern, Verwandten oder Nachbarinnen spielen mit, ihre Frauen und Mütter sind dabei gewesen. Die Männer beteiligen sich an der Prozession des folgenden Tages, in der das wirklich alte Fest der heiligen Regina zu erblicken ist. Tas Stück hat drei von dem, Pfarrer von Alise ausgeführte Dekorationen: die Terrasse des Gouverneurpalastes, den großen Saal desselben und das Gefängnis. Vor jedem Akt gruppieren sich die Schauspielerinnen in Bildern. Tie Rolle der Regina wird sehr begehrt, und gewöhnlich werden die Rollen lange von derselben Person behalten. Die Prozession spielt sich an den von der Legende bezeichneten Orten ab; dabei ist die Heiterkeit nicht ausgeschlossen. Tie als Gallier, römische Soldaten und Gott weiß wie kostümierten Bauern lachen zu allererst über ihre Maskerade. Der mit Purpur bekleidete Olibrins trägt einen Adjutantensäbel nach dem letzten Modell, die Liktoren halten in einer Hand das Liktoren- bündel, in der anderen einen Sonnpuschirm, und der gallische Senator zieht wohl einmal ein großes kariertes Schnupftuch aus der Tasche.
* Eine ganze Familie von Giftmischern hat die Gendarmerie in Cazma in Kroatien verhaftet und dem Gericht in Belovar eingeliefert. Am 16. Juni 1898 starb in Lipovae der Bauer Mato Bunjevae eines plötzlichen Todes. Er hatte mit seiner Gattin in Unfrieden gelebt und der Volksmund bezeichnete dieselbe als die Mörderin. Es wurden zwar gerichtliche Erhebungen angestellt, dieselben ergaben jedoch kein genügendes Material zur Anklage. Jetzt erst, nach drei Jahren, gelang es der Gendarmerie, für die Schuld der Witwe Kata Bunjevae unzweifelhafte Beweise zu finden, die zur Verhaftung der Frau führten. Ter Leichnam des Bauers wurde exhumiert und die Analyse ergab das Vorhandensein von Strychnin. In den entsetzlichen Plan waren überdies der eigene Sohn des Ermordeten, Stjepan Bunjevae, und dessen Weib Jela eingeweiht. Auch sie wurden verhaftet und stehen wegen Mordes, bezw. wegen Teilnahme an diesem Verbrechen unter Anklage.
Gesunde Kinderspeise für den Sommer.
Um die Kinder in den heißen Tagen gesund zu erhalten, achte die Mutter sorgfältig darauf, was sie essen. Speisen, die das Blut erhitzen, müssen vermieden werden; dagegen ist kühlende, erfrischende Nahrung vorzuziehen. Solche enthält ein schöner Mondamin- Milchflammeri mit gekochtem Obst als Beigabe. Für die Speisen der Kinder eignet sich Mondamin vorzüglich, da es em Produkt von bester Qualität und sorgfältigster Herstellung ist.
Brown & polfons
Mondamin
Gesetzlich geschützt seit 1884.
ßngtand in Deutschland.
Homburg, im Juli.
Am 30. Juli trifft König Eduard von England in Homburg ein.
Ter Prinz von Wales hat der Stätte, an welcher der deutsche Wald seinen ganzen reichen Zauber ausübt, das Gepräge gegeben, und, wenn Bad Homburg int Verlaufe der Zeit ein von Engländern okkupierter Boden geworden ist, so ist diese englische Eroberung in Deutschland als ein Werk des englischen Königs zu betrachten.
Tie vornehme Abgeschlossenheit Homburgs paßt für die Exklusivität des reichen Engländers; selbst die Natur verleiht-diesem Orte etwas Besonderes, sie scheint ihn mit ihren dunklen Höhenzügen förmliche ein- und abzu- schließen, es ist, als ob hier Berg und Wald einen einzigen Rahmen für ein bestimmtes Bild abgeben, das in seinen Einzelheiten saubere, freundliche Straßen und Plätze, prunkvolle Villen, elegante Hotels und bunte Gärten auf- weist. Tie Heilkraft der Homburger Quellen, so plaudert Albert Holzbock im „Berl. Lok.-Anz.", mag ja den Prinzen von Wales zuerst hierher geführt haben, aber allmählich gewann er dieses herrliche Stückchen deutscher Erde so lieb, daß er es seit drei Dezennien fast alljährlich auf» sucht. Das Bewußtsein, in der Nähe ihres zukünftigen Königs wecken zu können, mag für viele Briten der Anlaß gewesen sein, einen Teil des Sommers in Homburg
zu verleben, allein, was zuerst vielleicht Eitelkeit und Ehrgeiz verursachten, das wurde später zu einer angenehmen Gewohnheit, der man nunmehr schon des eigenen lieben Ich wegen nicht entsagen konnte. So wurde Homburg mit den Jahren eine englische Sommerkolonie, und die Homburger, die sich auf die Wahrnehmung ihrer Interessen verstehen, berücksichtigen nach jeder Richtung hin das englische Relief; hier heißt in den Geschäftsankündigungen der Friseur — Hairdresser, der Schneider — Tailor, die Buch,- handlung — Library, der Schuhmacher — Bootmaker usw.
England, England über alles! und so wunderte ich mich nicht, als ich auf dem Programm des großen Saison- Festes im Kur Hause folgendes las: „Haupt- und Schlußstück: Ein großes Salutfeuer von Granaten und Pots a feu mit Schwärmern und Goldregen; während diesem erscheint das englische Wappen mit Krone in brillantem Lichterfeuer."
In einem Bade, das ' in seiner Existenz von Ausländern und noch dazu von den in der Wahrung ihrer nationalen Eigenheiten sehr empfindlichen Engländern abhängig ift, hat der Kurdirektor ein äußerst heikles Amt. Freiherr v. Maltzahn bekleidet dieses Amt; sein vornehmes Entgegenkommen, in dem aber stets das deutsche Selbstbewußtsein gewahrt bleibt, sein taktvolles Auftreten und seine natürliche Eleganz, die den Engländern ganz^ besonders imponiert, wirken ausgleichend, geben diesem strick England in Deutschland etwas Harmonisches. Allerdings Hausen hier nicht jene Töchter und Söhne Albions, gegen
deren Unverschämtheit auf Reisen namentlich der deutsche stets scharf protestieren muß, hier wohnt und thront der reisende Engländer in gutem Sinne, der Engländer, her gern lebt, aber auch leben läßt, der fein (^ld wie ein Gentleman ausgiebt und wie ein solcher sich! betragt. Sie sind abgeschlossen, sie sind eine Welt für sich. Wer will ihnen das verwehren oder gar verübeln? Sie langweilen und sie amüsieren sich untereinander, sie haben ihre eigenen Spielplätze, auf denen sie ihre Zeit mit Lawn- Tennis oder Golf verbringen, die Vornehmsten unter ihnen haben sogar einen eigenen Golfklub gegründet, der einen ganz exklusiven Charakter trägt. Tie Mitglieder des Golfklubs haben sich, um diesem eigentlich schottifch nationalen Ballspiel abseits von denen, die nicht zu den oberen Zehntausend dieser gemeinen Welt gehören, nachgehen zu tpnnen, ihr eigenes Terrain gekauft. Ihre Mittel erlauben ihnen das. Sie haben auf diesem Terrain ihre eigenen Spielplätze an (egen und sich ein zierliches, elegantes Klubhaus erbauen lassen, das nur ihnen zugänglich ist. Tas liegt nun einmal im Blute, kommen drei Deutsche zusammen, dann gründen sie einen Gesangverein, und treffen sich drei Engländer, bann gründen sie einen Klub.
Ter Golfklub ist für die Homburger und die gewöhnlichen Badegäste ein aristokratisches Geheimnis, das hier etwas gelüftet werden soll. Sein Präsident ist der Feldmarschall Herzog von Cambridge, zu seinen Ehrenmitgliedern gehören der König von England, der Großherzog


