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13.11.1901 Drittes Blatt
 
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Nr. 267 Drittes Blatt.

151. Jahrgang.

Mittwoch 13. November 1901

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener Zamilien- blätter werden dem An­zeiger im Wechsel mit dem »Hess. Landwirt" und den »Blättern für hessische Volkskunde" o lermai w ochentUchbei- gelegt.

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Annahme von Anzeigen zu der für den folgenden Tag erscheinenden Nr. bis vormittags 10 Uhr. Alle Anzeigen-Vermitt- lungsstellen des In- und Auslandes nehmen An­zeigen entgegen.

Zeilenpreis: lokal 12Pft auswärts 20 Psg.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Universitäts - Druckerei (Pietsch Erben).

Verantwortlich sür den allgemeinen Seil: P. Wlttko; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

Raubmörder Matthias Kneißl vor den Geschworenen.

Augsburg, 9. Nov.

Mit einem Prozesse, dessen Gegenstand eine Räuber- geschichte ist, wie man sie wohl in den Abruzzen und Ibaner bergen, nicht aber inr Deutschen Reiche am Anfang des 20. Jahrhunderts für möglich halten würde, nimmt die gegenwürtig hier tagende Schwurgerichtsperiode in der kommenden Woche ihren Abschluß. Vom 14. bis 16. d. M. wird sich Matthias Kneißl, gewöhnlich im VolK- mundeKneißlhias" aber auchSchochjenmühlhiasl" ge­nannt, derneue bayerische Hiesel", gemeinsam mit einem feiner Helfer, demFlecklb entern" Michael Rieger von ,'rchenbrunu toegen seiner Jiaub- und Mordthaten vor 1 -ericht zu verantworten haben. Monatelang hatte der ge- nirchtete Räuber im Dachauer Moos, unmittelbar vor den 5 ßoren der Landeshauptstadt München, die Gegend un- jicyer machen können, mehrere Gendarmen waren ihm bei den Verfolgungen zum Opfer gefallen, bis es endlich im März d. I. gelang, Kneißl in Geisenhofen, wo er auf einem . auorngehöft Unterschlupf gefunden hatte, zu umzingeln mtb in schwer verwundetem Zustand festzunehmen. Matthias Kneißl stammt aus einer alten berüchtigten Verbrecher­und Räuberfamilie. Sein Vater, der Schochenmüller am Lteindlbach bei Sülzmoos und seine Brüder lagen ebenso Ivie Matthias Kneißl ständig mit den Behörden und Stras- zesetzen in Konflikt. Ein Oheim Kneißls war der berüchtigte »iäuberhauptmann Paseolini, der vor 30 Jahren an der i piße einer wohlorganisierten Räuberbande dieselbe Gegend, die man jetzt hier allgemein als dasKneißlgebiet" be- -cichnet, unsicher gemacht hatte, und 1871 in einem Kampf mit Gendarmen und Militär in der Nähe der Ortschaft Hohenried getötet worden war.

Matthias Kneißl, der jetzt im 25. Lebensjahr steht, 'ec ist am 12. Mai 1875 in Unterweikertshofen, Bezirk Tachau, geboren), war bereits clls 16 jähriger Bursche .jegcn zahlreicher, mit seinem älteren Bruder gemein» ichastlich ausgeubter Räubereien ins Gefängnis gekommen.

Unter seinen Raub- und Mordthaten der letzten Zeit (st besonders bekannt geworden die am 30. Nov- v. I. er^ folgte Erschießung des Gendarmeric-Kommartdanten Brand- , .taier und des Gendarmen Schindler. Von nun ab wurde die Verfolgung Kneißls mit noch größerem Eifer vor­genommen. Das gesamteKneißlgebiet wurde von einem , >rnierungskordon umgeben. Einige Tage lang seit der Llutthctt fehlte jede Spur von dem Räuber. In der Nacht c?om 2. zum 3. Dezember klopfte Kneißl in dem kleinen Städtchen Bruck einem wegen Wilderns vorbestraften schreiner, den er im Gefängnis kennen gelernt hatte, ent und ließ sich von ihm Speisen und einige Maß Bier geben. Als sich der Mann aber unter einem Vorwande v ntfernte, utn die Polizei zu benachrichtigen, schöpfte der tiiäubcr Argwohn und flüchtete schleunigst.

Am 6. D^ember überfiel Kneißl den Sattlergesellen Teitz aus der Landstraße in der Nähe von Maisach und beraubte ihn seiner Barschaft von 25 Mark. In derselben Weise, tote bei dem Schreiner in Bruck, machte Kneißl an den verschiedensten Orten Einkehr und erzwang sich, wenn man nicht bereitwillig entgegenkam, mit der Flinte in der Hand Lebensrnittel. Sv zog sich die vergebliche Ver- ,olgung den ganzen Winter hin; um Kneißl hatte sich schon ein Kreis von Sagen gesponnen. In der Bevölkerung, die in gewissen Kreisen in Kneißl eine Art von Helden erblickte, sagte man sich schadenfroh:Den bekommen sie doch nicht!" Zuletzt fehlte überhaupt von chm jede Spur.

Ta wurde die Gendarmerie am 2. März benach- cichtigt, daß Kneißl sich auf dem Auerbacher-Anwesen in Geisenhofen verborgen Halle. Telegraphisch wurde von allen Seiten Gendarmerie hinbeordert und dann das Grundstück von 25 Gendarmen umzingell, sodaß ein Entrinnen un­möglich war. Da Kneißl nicht freiwillig herauskam, wurde das Gebäude von allen Seiten beschossen. Die Furcht vor kneißl war aber so groß, daß man nicht vorzuoehen wagte. Erst als sich nichts regte, stürmte man, nach etwa ein­stündiger Beschießung, das Gehöft. Man fand Kneißl in einer Ecke eures lleinen Zimmers, von wo aus er auf die eindringenden Gendarmen einen Schuß abgab, jedoch ohne zu treffen. Es wurde nun auch auf ihn geschossen. Ein Schuß ging ihm in den Unterleib, ein zweiter zer­schmetterte ihm den rechten Oberarm und ein dritter das linke Handgelenk, sodaß er so elend zugerichtet war, daß man ein Aufkommen für unmöglich hielt. 'Die Vorgänge haben s. Z. vielen Anlaß zur Kritik gegeben und dürften auch in der Verhandlung nicht unerörtert bleiben. Der ärzt­lichen Kunst ist es aber schließlich nach monatelanger Be­handlung gelungen, Kneißl wieder so well herzustellen, daß er dem Henker überliefert werden kann. Zunächst hat er am Donnerstag und folgende Tage seine Aburteilung wegen zweier Verbrechen des Mordes und zweier Verbrechen des versuchten Mordes vor dem Augsburger Schwurgericht zu erwarten.

Der zwelle Angeklagte, Michael Rieger, der sogenannte Fleck lbauer", ist der Teilnahme an zwei Verbrechen des Mordes beschuldigt. Die Verteidigung Kneißls führt Rechtsanwalt Dr. v. Pcmnewitz, einer der bekanntesten Ver­teidiger Münchens.

Aus Stadt und Sand.

Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert.

Gießen, 12. November 1901.

** Alpenverein. Um das Interesse au der Hoch­gebirgswelt und die Lttst zu alpiner Bethätigung zu wecken und wach zu erhalten, wird wohl in allen Ortsgruppen des großen Alpenvereins die Gepftogenheit geübt, daß die­jenigen Mitglieder, denen es vergönnt war, im Hochgebirge

zu wandern, über das Erschaute und Erlebte den Vereins­genossen an den Sitzungsabenden des Winters einen Be­richt erstatten, zugleich eine wllllommene Gelegenheit für manche, um eigene Erinnerungen aus früherer Zeit durch diese Schilderungen wieder lebendig werden zu lassen, für andere, um aus den Erfahrungen bewährter Touristen prak- ttsche Winke für zukünfttge Reisen zu schöpfen. Sv konnten dte zur letzten Monatsversammlung erschienenen Mitglieder der Sektion Gießen den Bericht ihres Vorsitzenden, des Stadtbaurats Schmandt, entgegennehmen über dies­jährige Hochtouren im Rhätikon, Fervall und in den Oetz- thaler Alpen. Bon Nenzing an der Arlbergbahn führt das nach Süden sich öffneitbe malerische Ga m p e r to nat h al nach bem mmitten desNenzinger Himmels" reizenb ge­legenen St. Rochus. Aus kühn angelegtem Alpenvereins­steig geht es enrpor zu ben Felsllippen bes Panüler Sch rosen, bann hinüber über bie breite Eisfläche bes Branbener Ferners, an dessen Seite steil ansteigend bie Seesaplana, viel gerühmt wegen ihrer kann: über­troffenen Fernsicht, ihr trotziges Felsenhaupt bis zur Höhe von 2969 Mtr. erhebt. Der Abstieg vom Gipfel wirb zum L ü n e r See genommen, mit bem sich nur toeitige Gebirgsseen an Eigenartigkeit ber Seenerie vergleichen bürfen. Nach kurzer Rast in der Douglashütte folgen wir der Wanderung weiter abwärts durch bas Branbener Tbal nach Blu d en z. Von hier bringt uns bie Eisenbahn durch ben 10 Km. langen Arlbergtunnel nach bem ersten Tiroler Dorfe St. An ton im Rosannathal. Die alte, einst so wichtige Poststraße über ben Arlberg liegt seit der Durchbohrung des Berges ganz vereinsamt; gleichwohl wlld nicht unterlassen, eine Nachmittagswanderung bis hinauf zunt Hospiz zu unter­nehmen. Die durch das ALoosthal aufwärts zur Darm­städter Hütte unternommene Tour wlld leider durch die Ungunst des Wetters sehr stark beeinträchtigt, ebenso der lieber gang über das im Neuschnee liegende Kuchen- jioch (2806 Meter) zur Konstanzer Hütte, weshalb denn auch bald die Rückkehr nad), St. An ton erfolgt. Zur Königin der Oetzthaler Eisriesen, zur Wlldspitze mit ihrem schlanken Doppelgipsel (3774 Meter), sollte die letzte der geschilderten Touren gelellen. Von Landeck das Ober­innthal auswärts gelangt man bald an jene Stelle, wo der Strom eine einsame Felsenenge durckbricht, zur denkwür­digen Pontlatz brücke, an der in oen Jahren 1703 und 1809 furchtbare Kämpfe von den Tllolern gefochten wurden, um sich der fremden Eindringlinge zu erwehren. Bei dem Dorfe Prutz münbet in den Inn der Faggenbach, dessen Thal, das Kannser Thal, als eines ber schönsten Hvchalpenthäler gepriesen wirb. Das obere Enbe bes Thales wirb beherrscht von ber größten Gletschermasse Tirols, ber 11 Km. langen Eis wüste bes Gepatschferners, mit ber herrlichen Weißseespitze im Hintergrunbe. Das an seinem Fuße gelegene Gepatschhaus ber Sektion Frank­furt a. M. bietet bequeme Unterkunft. Von hier führt ein Alpenvereinsweg über bas Oelgrubenjoch (3013 Meter) hinab zu ber nicht minder gastlichen Taschachhütte, gleichfalls Eigentum ber Frankfurter Schtoestersektion. Diese Hütte zum Ausgangspunkt einer Wildspitzbesteigung zu wählen, kann wegen ber wellen Entfernung bei ber Unsicher­heit ber Witterungsverhältnisse in der Hochgebllgsregwn, zur Nachahmung nicht empfohlen werben. Denn gestaltete sich schon in ber Frühe ber lieber gang über bie völlig zer­klüftete unb ausgeaperte Zunge des T a s ch ach ferner^' recht unbehaglich, so erschwerte der mit dem Steigen des Tagesgestirns immer weicher werdende tiefe Schnee unb bie beständig zunehmenben Nebel ben weiteren Aufstieg immer mehr unb nötigten schließlich kurz vor Erreichung bes Gipfels zur Umkehr. Doch entschäbigte in etwas bie Wan- bentng zur Braunschweiger Hütte, inbem sie vom Mittelbergjoch (3171 Meter) aus einerseits ben zer- llüsteten Ta schachfern er, anberfells ben mäch»- tigen Mittelb er g fe rner in seiner ganzen Aus- behnung unb unbeschreiblichenPracht zeigte. An bie an­mutige Kraxelei über bas Pitzthaler Iöchl schließt sich ber Abstieg über ben interessanten Rettenbachferner. Das eigenmächtige Verschwinben des treulosen Bergstockes in bläulich schimmernder Gletscherspalle kann leicht verschmerzt werden, denn bald nimmt das in lieb­licher Thalmulde an der Oetzthaler Ache gelegene Sölden ben Wanberer aus. Die nächste Sektionstour (Vetzberg- Jsselscheib-Schlucht-Hvheysolms-Wetzlar) finbet am 17. b. M. statt. Die Tellnehmer marschieren um 8 Uhr von ber Lahn­brücke ab.

k. Lollar, 10. Nov. Der Sekretär der Handelskammer Hanau, Stoller, hielt heute nachmittag im Gasthaus zur Traube auf Einladung des Ottsgewerbevereins einen Vortrag über den neuen Zolltarifentwurf. Der Redner giug aus von historischen Thaisachen. Ein neuer Zolltarif könne nur auf Grund der in Aussicht stehenden Handelsvetträge aufgestellt werden; er hob dabei hervor, wie man die Frage vom wirtschaftlichen auf das politische Gebiet hinüberspielen wolle. Bei seinen Ausführungen führte er besonders die Meinung des Freiherrn von der Golz, Professors an der Landwittschaftsakademie Poppelsdorf, an, die sich mit seinen Ansichten decke. Zum Schlüsse zeigte der Vortragende an einzelnen Beispielen, wie die Erhöhung des Zolles gehand­habt werden solle. Der Vorllag fand leider nur spärliche Zuhörer.

* Kleine Mitteilungen aus Heffen und den Nachbarstaaten. Wie uns mttgeteilt wird, ist der allgemeine und ärztliche Bericht über das 1. Betriebsjahr (1. Dfober 1900/01) der Hessischen Epileptischen AnstaltVictoria-Melita-Stist" zu Nieder-Ramstadt bei Darmstadt im Druck erschienen und wlld Interessenten auf Verlangen gern unentgeltlich von dem Inspektor der Anstalt zugeschickt. Der Besllebungen zur

Erhallung des in rasch fortschreitendem Verfall begriffenem Wetzlarer Domes ist von uns schon mehrfach gedacht wor­den. Jetzt erläßt der unlängst gegründete Wetzlarer Dombau­verein einen Aufruf, der sich an alle Freunde des historisch bedeutsamen Bauwerkes wendet.

Vermischtes.

* Gumbinnen, 10. Nov. Zu einer ttef erschütternden Trauerfeier gestaltete sich das Begräbnis des im Duell gefallenen Leutnants Blaskowitz. Die Leiche war in der Leichenhalle des hiesigen Friedhofes aufgebahtt. Bald nach Beendigung der Feier in der Leichenhalle, wo Divi­sionspfarrer Pätzold die Leiche eingesegnet hatte, wurde der Sarg von Unteroffizieren des 147. Regiments auf die Bahre gesetzt, und langsam setzte sich der Zug unter Vorantritt der Füsllier-Kapelle zu dem kurzen Gange zum Grabe unter den Klängen des ChoralsJesus meine Zuversicht" in Bewegung. Hinter dem Musikkorps trugen Unteroffiziere eine außerordent­liche Fülle von prächtigen Kränzen und Blumengewinden, ein letztes Liebes- und Achtungszeichen der Freunde, der Be­kannten und Vorgesetzten des so jäh aus dem Leben Ge­rissenen. Dann kam der Metallsarg, hinter ihm der Vater, die Geschwister, die Braut und dann die anderen zahlreichen Leidtragenden, Generalmajor Stamm und Generalmajor Gronau-Insterburg, das gesamte Gunrbinner Ossiziettorps, das Dffizierkorps des 147. Regiments und einige Offiziere anderer Regimenter. Totenstille herrscht. Der strömende Regen hat aufgehört. Im freundlichen Blau zeigt sich ein Sttjck des Himmels. Der Sarg wird von den Unter­offizieren von der Bahre gehoben und zur Gruft getragen unter den markerschütternden Wehlauten der Braut. Kein Auge bleibt llocken, so tief ergriffen ist alles van dem Schmerz, dem ttagischen Geschick der jungen Dame, die am Freitag, am Tage des Polterabends, noch mit ihrem von Lebenskraft sttotzenden Bräutigam zusammen war, die am vergangenen Samstag mit ihm vor den Altar zu treten gedachte und die nun anstatt dessen vier Tage später an der Gruft des Bräutigams steht I Und die lautlose Spannung bleibt. Denn es sind tief erschütternde, zu Herzen gehende Worte, die Superintendent Gemmel am offenen Grab dem Toten zu Ehren, den Hinterbliebenen zum Trost spricht. Anklagend er­hebt er seine Stimme gegen das Duellwesen, dessen Dpfer der Heimgegangene geworden. Jede Sünde erfordere eine Sühne. Aber hier, bei dem Verstorbenen, sei die Schuld doch wahrlich viel zu gering, um eine solche Sühne zu ver­langen, die so viel Jammer und Elend erzeugte. Den nächsten Leidtragenden könne er wohl schmerzlich die Hand drücken, er könne mit ihnen meinen; aber menschliche Worte des Trostes finde er in diesem großen Jammer nicht. Trost allem liege in dem Glauben an Jesus Christus, der uns 'ine Gewißheit des ewigen Lebens giebt. Als nach dem Geöet und dem Choralgesang des Männerchors der Lehrer des Kllchspiels Walterkehmen, in dem der Vater des Verstorbenen als Geist­licher thätig ist, die Erdschollen dumpf auf den Sarg fallen, verfällt die Braut in einen Schreikrampf, der die Herzen aller erbeben macht. Drei Salven von einem Zug des 33. Regi­ments wurden noch über das Grab gefeuert, dann war die erschütternde Feier zu Ende.

Gerichtssaai.

** Frankfurt a. M., 10. Nov. Großes Aufsehen erregte s. Zt. die zur öffentlichen Kenntnis gelangte Thatsache, daß ein hiesiges Palmengarten-Restaurant minderwertiges, von Fulda eingeschmuggeltes Fleisch venvendet werde. Als den Lieferanten hatte dieFrkf. Ztg." damals den Dber- meister der Fuldaer Fleischerinnung Schwarz bezeichnet, während es in Wirklichkeit ein Verwandter von ihm war. Dbcrmeifter Schwarz strengte gegen den Redakteur derF»Z." Listowsky eine Beleidigungsklage an, die aber sowohl vom Schöffen­gericht wie von der Strafkammer kostenfällig abgewiesen wurde, da Listowsky in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt habe. Das Dberlandesgericht faffierte jedoch das Urteil und verwies die Sache zur nochmaligen Verhandlung an die Strafkammer zurück. Diese verurteilte jetzt Listowsky zu 100 Mk. Geldstrafe.

Darmstadt, 8. Noo. Wie weit nach unserem jetzigen bürger­lichen Recht die Haftung des Ticrbesitzers geht, zeigt deutlich ein heute vor den: Amtsgericht II hier verhandelter Streit­fall: Ein Pfungstädter Arzt fuhr mit einem Benzinmotorwagen an einer Ntühle vorbei, aus welcher ein kleiner Hund hervorivrang. Der Hund geriet in das linke vordere Wagenrad, der Insasse ver­lor die Leitung der Lenkstange und wurde herausgeschleudert, das Fahrzeug selbst erheblich beschädiat. Nach § 833 des B.G.B. werden vom Halter des Hundes die nicht unbedeutenden Neparaturkosten des Wagens gefordert, denn wer ein Tier hält, ist verpflichtet, dem Verletzten den durch die Beschädigung erwachsenen Schaden zu er­setzen, ohne Rücksicht darauf, ob ihn ein Verschulden trifft oder nicht.

Glciwitz, 9. Nov. Nach zweitägiger Verhandlung vor dem Schwurgericht wurde heute über sieben Personen das Urteil gefallt, welche wegen Bethätigung an den Ausschreitlmgen verhaftet und angeklagt worden waren, bie am 27. Juli vor den Ünldschinsky- werken stattgefunden hatten. Zwei Angeklagte wurden srcigesprochen, ein Angeklagte als Rädelsführer wegen Aufruhr zu anderthalb Jahren Zuchthaus und drei Angeklagte zu einem bis anderthalb Jahren Gefängnis verurteilt. Ein Angeklagter wurde wegen Widerstandes zu zwei Monat Gefängnis verurteilt.