Ausgabe 
13.10.1901 Zweites Blatt
 
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Nr. 241 Zweites Blatt.

151. Jahrgang.

Sonntag 13. Oktober 1901

GietzenerAnzeiger

w General-Anzeiger w

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

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Politische Tagesschau.

Graf Bülow in Hubertusstock.

Graf Bülow hat sich gestern (vgl. unsere gestrigen Trahkmeldungen) zum Vortrag veim Kaiser nach Hubertusstvck begeben. Es sind wichtige Fragen, die seit dem Zarenbesuch in Danzig, bei welcher Gelegenheit der Kaiser zuletzt mit dem leitenden Staatsmanne Beratung Pflog, der Erörterung und Erledigung harren. Zunächst und haupksächli chdie endgiltige Stellungnahme zum Zoll- tarisentwurs. DasBerl. Tagebl." teilt mit, nach dem Verlaus der Verhandlungen der Bundesratsausschüsse könne mit einiger Wahrscheinlichkeit curgeniommen werden, daß der Entwurf im allgemeinen seine Gestalt wenig verändern, und daß das Plettum des Bundesrats auch dem Doppel- taris für Getreide seine Zustimmung geben werde. Wir sind der Meinung, daß wohl erst in Hubertusstock die Würfel über den Doppeltarif fallen, soweit das Votum der preußi­schen Regierung in Bezug auf diesen viel erörterten Punkt -in Betracht kommt. Noch, immer hat die von derFranks. Ztg." verbreitete angebliche Aeu^ruug des KaisersDer Mindestlaris ist Unsinn, Bülow ist übrigens derselben Mein­ung", lerne amtliche oder halbamtliche Widerlegung erfahren. Man wird also mit besonderer Spannung das entscheidende Wort nach der Besprechung zwischen Kaiser uhb Kanzler zu erwarten haben. Das eine jedenfalls rst unbestreitbar, vast innerhalb der Regierungen die Zahl oer Doppeltarif- Gegner gewachsen ist, seitdem so nachdrückliche Protestkund­gebungen aus Industrie- und Handelskreisen die Festlegung von Getreide-Mindestzöllen als ernste Gefährdung neuer Handelsverträge bezeichnet haben. Und selbst die Stimmung derjenigen Mitglieder der Reichs-Regierung, die von vorn­herein den 'Toppeltärifzur Beruhigung der Landwirt- schast" empfahlen, soll, wie man wissen will, einigermaßen kühler geworden seül. Wir halten es unter diesen Umständen 'für nicht außerhalb der Möglichkeit liegend, daß in Huber­tusstock eine Wendung vorbereitet wird, mit dem Effekt, haft' die preußische Regierung im Plenum des Bundesrats gecstn den Doppeltarif stimmt, und daß sich andere Regier­ungen dieser Auffassung anschließen, wodurch der Doppel­tarif bereits im Bundesrat zu Fall käme. Mit der Rücksicht­nahme auf starke öffentliche Kundgebungen wurde ja s. Z. auch die Absetzung des'preußischen Schulgesetzentwurfs mo- tiviert. Ohne dies ist es mindestens zweifelhaft, daß der Reichstag dem Doppeltarif zustzimmt.

Ist Gras Bülow nochder Mann des Kaisers^ Die Grenzboten" kündigten kürzlich eine Kanzlerkrisis an. Auch! dieVoss. Ztg." schreibt:Aus den Dhatsachen, wie sie sich dem unbefangenen Beobachter darbieten, kann aller­dings gefolgert werden, daß die Stellung des Reichs­kanzlers nicht so fest, ist, wie er wünschen möchte. . . . Wir bezweifeln, daß Graf Bülow seine Zusagen cm die Agrarier mit Zustimmung des Herrschers gethan hat." Die letz­tere Annahme ist nicht eben wahrscheinlich, denn ein so vorsichtiger Staatsmann wie Graf Bülow wird gewiß nicht versäumt haben, sich völlige Klarheit zu verschaffen, wie weit der Kaiser die Forderungen der Landwirtschaft für berechtigt hält. Es steht fest, daß Graf Bülow niemals den Doppeltarif für Getreide öffentlich zugesagt, niemals sich, allen parlamentarischen Kreuzverhören zum Trotz, auf be­stimmte Zollsätze hat festnageln lassen. Mithin würde nichts im Wege sein, wenn die Beratung in Hubertusstock zu dem Schluß gelangen sollte, es sei vorzuziehen, den Doppel­tarif fallen zu lassen. Allerdings hätte Graf Bülow den Sturm" der Agrarier auf sich zu nehmen. Aber ein Sturm ist in dieser Sache unvermeidlich wenn nicht von rechts, dann von links. Da ein so hoch angesehener Mann wie Mg. Graf Kanitz, die wirtschaftspolitische Autorität der Konservativen, freimütig geäußert hat, er vermöge dem Doppeltarif keinen Geschmack abzugewinnen, so ist es am Ende nicht gar zu scharf zu beurteilen, wenn auch in der Regierung hier die Geschmacksrichtungen verschieden sind.

Zu dem Uebcrfall deutscher Matrosen in Puerto Cabello (vgl. unsere gestrigen Auslands-Meld­ungen) meldet uns heute W. T. B.:

Ein Trupp venezolanischer Polizisten, die als solche nicht kenntlich waren, versuchten am Sonntagabend in Puerto Cabello zwei Unteroffiziere von S. M. S.Vineta" fest zunehm en. Die Unteroffiziere, die sich keiner Schuld bewußt waren, setzten sich zur Wehr, wurden mit Säb elhieb en verwundet, entrissen in der Notwehr den angreifenden Polizisten die Säbel und ver­teidigten sich damit. Sie wurden schließlich überwäl­tigt und zum Verbinden chrer Wunden auf einen in der Mhe befindlichen deutschen Handelsdampfer gebracht. Auf diesem Wege wurden sie von einem Volkshaufen, in dem sich auch Polizisten und Zollsoldaten befanden, weiter angegriffen. Auf die Offiziere des deutschen Handelsdampfers wurden Schüsse abgegeben. Zum Schutz des Dampfers schickte oer Kommandant S. M. S. Vineta" 30 Mann an Bord. Die Regierung in Caracas hat bei dem deutschen Vertreter wegen angeblicher GebietK- verletzung Beschwerde geführt. Die Beschwerde ist vor­läufig mit einer Richtigstellung des Kommandanten S. M. S.Vineta" unter Vorbehalt deutscher Anträge auf Be­strafung der Schuldigen und Genugthuung zurückgewiesen worden.

Diese Vorfälle, die sich gewissenmaßen unter den Ka­nonen des deutschen Kriegsschiffes abspielten, lassen er­kennen, welcher Unverfrorenheiten die Beamtenschaft und die Bevölkerung in den verlodderten spanischs-amerikanischen Staaten fähig sind. Schon der Umstand, daß die venezola­nische Regierung den Deutschen Gebietsverletzung vorwirft, ist nicht geeignet, an eine ernstliche Schuld der Deutschen glauben zu machen. Man kennt derartige Manöver, bin... die die Revolte auf das diplomatische Gebiet hinübergespielt

werden soll, von Port-au-Prince (Hayti) her. Der Ver­dacht, als hätten die Deutschen in irgend einer Art gegen Venezuela demonstriert und so für Columbia, das mit Venezuela halb und halb im Kriege liegt, Partei er­griffen, ist ohne weiteres von der Hand zu weisen. Tenn die an Land beurlaubten, übrigens unbewaffneten Marine­mannschaften haben sich streng nach der Instruktion zu richten, und diese macht selbstverständlich ein absolut neu­trales Verhalten zur Pflicht. Der Zwischenfall wird ein für Venezuela wenig erfreuliches Nachspiel haben, und, was Deutschland anbetrifft, voraussichtlich zur dauernden Stationierung von mehreren Kriegsschiffen der Kreuzer Falke" tritt, wie wir schon meldeten, bereits am 15. ds. Mts. die Ausreise an in den mittelamerikanischen Ge- wässern führen.______________f

Bom Burenkriege.

Der Gouverneur der Kapkolonie hat eine Proklamation erlassen, nach der in den Distrckten Elliot und Talanga in Tembuland und Maclear, Mount Fletcher und Matatiele in Ost-Griqualand ähnliche Bestimmungen zur Anwendung ge­langen, wie in den Distrikten, in denen das Kriegsrecht ver­kündet ist: die Verwaltung verbleibt indessen den Civil- behürden. Das ist ein Zeichen der erhöhten Besorgnis der britischen Behörden.

Das Gefecht, das am Sonntag mit Bothas, auf 2000 Mann geschätzter Streitmacht stattfand, dauerte den ganzen Tag über. Schließlich räumten, so meldet Reuter, die Buren ihre Stellung und zogen sich in nördlicher Richtung auf den Baviaanfluß zurück. Das ist die großartig vorher ausposaunteVernichtung" des Bothaschen Häufleins! Botha verständigte übrigens Lord Kitchener, daß er die Erschießung des Staatsanwalts Broek- man seinerseits mit Repressalien beantworten werde.

Präsident Krüger beabsichtigt, nach Meldungen aus dem Haag, wegen englischer Truppenwerbungen im Luxem­burgischen und in Deutsch-Lochringen bei der deutschen Re- gierung zu protestieren.________________________________________

Deutsches Keich.

Berlin, 11. Okt. Der Kaiser hateiner 2lnzahl von kleinen Landwirten des Kreises Colmar in Posen eine unverhoffte Freude bereitet. Er hat ohne nach voraufgegangener Prü­fung angeordnet, daß von den 260 Pächtern der königl. Herrschaft Margoninsdorf, welche einen Pachtzins von ins­gesamt 15 832 Rck. zu erlegen haben, 238 Personen ein be­deutender Pachtnachlaß zugestanden wurde, der sich auf durch­schnittlich 54 Prozent beläuft. Den Anlaß zu dieser Ver- günsügung boten die schlechten diesjährigen Ernteergebnisse.

* In der gestrigen geheimen Sitzung der Stadt­verordneten wurde beschlossen, der Kaiserin in diesem Jahre zu ihrem bevorstehenden Geburtstage keine Adresse zu übersenden.

Der Magistrat hat heute nach langen Erörterungen beschlossen, die Märchenbrunnen-Angelegencheit noch­mals der Kunstdeputation zur Aeußerung vorzulegen, und zwar, ob unter Aufrechterhaltung der Grundidee, wie sie vorliege, Abänderungen, wie der Kaiser sie gewünscht hat, möglich sind.

Tie Bundesrat saus schlisse haben bisher in drei Sitzungen über den Zolltarif beraten. Nach dem Verlauf der Verhandlungen könne man, wie dasBerl. Tagebl." hört, mit einiger Wahrscheinlichkeit annchmen, daß von kleinen Aenderungen bei einzelnen Positionen natür­lich abgesehen der Entwurf im allgemeinen seine Gestalt weni^verändern wird. Wie die Stimmung in Bundesratsneisen jetzt ist, darf weiter heut schon mit einiger Sicherheit die Vermutung ausgesprochen werden, daß auch das Plenum des Bundesrats, das voraussichilich in den ersten Tagen des November sich mit dem Zolltarif beschäftigen dürfte, ebenfalls keine grundsätzlichen Aenderungen desselben beschließen und auch oem Doppeltarif für Getreide seine Zustimmung geben werde.

In einem hiesigen Montagsblatte war ohne Namens­nennung ein bekannter einflußreicher freisinniger Stadt­verordneter betrügerischer und unehrenhafter Handlungen im Geschäftsleben und des Mißbrauchs seines Einflusses als Stadtverordneter beschuldigt worden. Auf Ersuchen des Stadtverordnetenvorstehers hat der Re­dakteur des Blattes den Stadtverordneten Leopold Jacobi als denjenigen bezeichnet, dem die Angriffe gelten. Jacobi erließ nun eine Erklärung, daß er sofort die notwendigen Schritte ergriffen habe, damit in gerichtlicher Verhandlung die völlige Unwahrheit der gegen ihn ausgesprochenen Ver­leumdungen dargethan werde.

Die agrarischeDtsche. Tagesztg." schreibt in einem längeren Artikel:

Tabaksteuer und Biersteuer, deren Erhöhung immer und immer wieder vorgeschlagen worden ist, sino recht wenig volkstümlich. Es würde sich zwar über eine andere Gestaltung, insbesondere eine Staffelung der Brau­steuer, reden lassen, aber wenn diese Staffelung, wie wir fordern, eine Entlastung der mittleren und kleineren Brauereien herbeiführen soll, dann wird die Steuer­änderung keine sehr erheblichen .Mehrerträge 6ieten können. Ob der Tabak no ch m e h r bluten könne, darf min­destens als zweifelhaft bezeichnet werden.

Breslau, 11 .Okt. Im weiteren Verlaufe der Gene­ralversammlung des Evangelischen Bundes sprach Professor D. Mirbt (Marburg) über denTolcranzantrag" des Zentrums, dessen Ablehnung im Reichstag er erhofft. Zum Schluß wurde folgende Resolution angenommen:Tie

XIV. Generalversammlung des evangelischen Bundes spricht ihre dankbare Freude über den gesegneten Fortgang der evangelischen Bewegung in Oesterreich aus, ruft unser evan­gelisches Volk zu wachsender Opferfreudigkeit auf, damit alle Mitarbeiter in zuversichtlicher Hoffnung und ausharrender Treue das Werk weiter fördern können. Sie sendet den evangelischen Gemeinden in Oesterreich, den berufenen Hütern und Trägern des Evangeliums, herzlichen Gruß und Segenswunsch, daß auch! die Arbeit ihrer Vertreter! in der bald tagenden Generalsynode zu neuer Hebung und Stärkung der evangelischen Kirche gereiche. Endlich erhebt sie lauten Widerspruch gegen die übliche römische Ver­dächtigung, daß die tief religiös gewordene Bewegung antiösterreichisch^ undantidynastisch' sei und bedauert lebhaft die fanatische Bekämpfung, die in Oesterreich schon zu blutigen Angriffen geführt hat." Auf das Begrüßungs- telegramm an den Kaiser war folgende Antwort einge­troffen:Seine Majestät der Kaiser und König lassen für das an denselben gesandte Begrüßungstelegramm der Gene­ralversammlung des evangelischen Bundes bestens danken, v. Lucanus." .#

Dresden, 11. Okt. Bei den heute stattgehabten Er­gänzungswahlen zur zweiten Ständekammer wurden gewählt: 20 Konservative, ein Mitglied des Bundes der Landwirte, 7 Nationalliberale und 2 Fortschrittler.

Ausland.

Paris, 11. Okt. Der Gouverneur von Jndochina hat an den Minister des Aeußern Delcasse das Ersuchen ge­richtet, die französische Attssion, die in den nächsten Tagen nach China abgehen sollte, vorläufig noch zurückzuhalten, da große Gefahr vorhanden sei, daß die Missionsmit­glieder ermordet werden könnten. Die Mission wird also

erst später abreisen.

Petersburg, 11. Okt. Ein Privattelegramm der Nowoje Wremja" äußert sich! zum Tso de des Emirs von Afghanistan dahin, dieser würde wahrscheinlich Wirren Hervorrufen. Habibullah Khan könne darauf rechnen, von Rußland wie von England als Emir anerkannt zu werden. Falls Habibullah genötigt sei, mit anderen Prätendenten zu kämpfen, würde England ihn gewiß unter­stützen. Britische Truppen würden in Afghanistan einrücken und das werde dann Rußland veranlassen, seine Maßregeln zu ergreifen. Das Blatt bedauert, daß Rußland in Kabul keinen Vertreter habe, man daher über Vorgänge in der afghanischen Residenz völlig im Unklaren sei. Rußland müsse, schließt das Blatt, sich zu einem aktiven Vorgehen bereit halten und sich nicht nur auf die abwartende Haltung beschränken. Auch andere Blätter halten es für möglich, daß die englische Regierung den Tod des Emirs zu neuen Unternehmungen in Afghanistan benutzen werde. Auch die russische Diplomatie müsse sich auf solche vorberetten. Der Umstand, daß Abdurrahman von England Subsidien bezog und mit England ein Sonderabkommen traf, wird als eine offene Verletzung der Verträge mit Rußland und als Ver­letzung der russischen Interessen bezeichnet.

Peking, 11. Okt. Ter Streit hinsichtlich der Zahl­ung des Oktrois seitens der fremden Kaufleute scheint in­folge einer Uebereilung entstanden zu sein. In der Aus­lassung eines fremden Hauses, welches in ausgedehnten Handelsbeziehungen zu Chinesen steht, wurde gegen die Oktroi mit der Angabe Einspruch erhoben, daß seine Waren

zum Gebrauche der Gesandtschaften bestimmt seien. Prinz Tsching erwiderte, die von den Gesandtschaften gewünsch ten Waren könnten von Um en ja aus den Verttagshäfen bezogen werden und wären dann nicht zollpflichtig.

Schwurgericht.

(Fortsetzung aus dem ersten Blatt.)

Die Zeugin Frau Chr. Knoll wohnt neben Schnei­ders und ist mit der Angeklagten befreundet gewesen. Die alte Frau Schneider habe ihr oft geklagt, daß sie sehr schleicht behandelt werde und auch recht kärglich und knapp zu essen erhalte. Besonders hat sie gejammert, daß die eigenen Enkel ihr eine garstige Behandlung zu teil werden lassen . D-ie Zeugin war die erste, welcher die kleine Rosa Mitteilung von dem Tode der alten Frau machte, sie hat jedoch die blutige Stätte nicht eher betreten, als bis Bürger­meister und Polizeidiener dort waren. Tie Lage der Leiche machte keineswegs den Eindruck, als habe die Tote Selbst­mord verübt .Frau Knoll ist der Ansicht, hätte das am Abend im Bett gelegene Messer bereits ftüher dort gelegen, es wäre ihr nicht entgangen.

Bürgermeister Nagel-Stammheim hat nichts von schleckter Behandlung der alten Frau gehört. Er will weder behaupten, daß das befleckte Messer, das man am Abend im Bette fand, früher darin gelegen hat und kann auch nicht das Gegenteil behaupten. Er wlll sich! darüber, ob Selbstmord oder ein Verbrechen begangen fei, keine Gedanken gemacht haben, umso weniger, als am Tage des Ablebens der alten Frau das Gericht an Ort und Stelle gewesen sei, Für eine Leich en wache hat er nicht gesorgt.

Eine ganze Reihe von Zeugen bestätigt, daß die Tote sich oft über schlechte Behandlung und knappes Essen be­klagt und mit Selbstmordgedanken nie getragen hat. Zeugin Frau Reichold hat den Eindruck gehabt, als wenn die alte Frau einen Todeskampf nicht durchgemacht hätte. Frau Reichold bekundet, mehrere verdächtige Reden der Schneider- schen Kinder gehört zu haben, die geeignet sind, besonders die Mutter zu belasten.

Der Landwirt Müller von Stammheim und dessen Frau, bei denen August. Schneider in Dienst ist, erklären, derselbe sei gegen 6 Uhr am Tage der That nach Hause ge­kommen. Ihnen sei es so vorgekommen, als wenn der Bursche am Abend ein verändertes Wesen an den Tag gelegt habe, er sei nicht so vergnügt gewesen wie sonst, habe starr