Nr. 215
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Zweites Blatt.
151. Jahrgang.
Freitag 13. September 1901
GietzenerAnzeiger
' General-Anzeiger "
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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nund schloß matt, wozu fehl des Kapitänlcutnant Behring. Die erste wird gebildet ungünstige, unzutreffende aus den acht großen Hochseetorpedobooten S 93 bis S 101.
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Aber schon werden, wie man uns aus Berlin, 11. September, schreibt, auch kritische Stimmen laut, die da fragen, ob „es so bleiben werde". „National-Ztg." und „Kreuz Ztg." konstatieren, daß in der sonst überwiegenden unfreundlichen Haltung der russischen Presse gegen Deutschland eine allgemein beachtete Veränderung eingetreten sei, die man nur mit Genugtuung begrüßen könne, wenn auch unter dem Vorbehalt: vorausgesept, daß es andauert ... In dieser Voraussetzung wird bereits ein leiser Zweifel ausgedrückt. Die Börse, der man ein feines Gefühl für die Politik und für das Kommende beimißt, in Berlin nicht festlich gestimmt; sie gab sich einer
Wie stattlich die Flotte ist, die an den Herbstmanövern teilnimmt, und über die die beiden Kaiser die Parade abnahmen, geht aus der beistehenden Abbildung hervor. Die Flotte, die unter dem Oberbefehl des Admirals von Köster steht, zerfällt in zwei Geschwader zu je zwei Divisionen. Chef des ersten Geschwaders ist Prinz Heinrich, der zweiten Division desselben Kontreadmiral Fischcl. Gebildet wird das erste Geschwader aus folgenden Schiffen: Kaiser Wilhelm der Große (Flaggschiff), Kaiser Barbarossa, Wprtl), Weißenburg, Brandenburg, Kürsürft Friedri' Wil-
S 101 ist- Flottillen-Flaggschiff und S 96 Flaggschiff der 2. Trvlswn. Von der zweiten Flottille ist Flaggschiff das ^rvrsionsboot D 9 und von der zweiten Division derselben D 10. Zur ersten gehören die Torpedoboote S 75, © 76, S 77, S 79, S 80, S 81, und zur zweiten,' die Torpedoboote S 82, S 83, S 84, S 85, S 86, S 87.
Auf unserer Tafel finden unsere Leser die sämtlichen urypen dargestellt. Oben sind oie Linienschiffe, deren Panzerung durch die ganz schwarz gehaltenen Teile kenntlich gemacht ist; es folgt der große Kreuzer Viktoria Luise, der, wie aus der Zeichnung ersichtlich, außer gepanzerten Geschütztürmen noch über ein Panzerdeck verfügt, welches sich über die ganze Länge des Schiffs erstreckt. Tann kommt der Typ der vier Küftendampfer Siegfried, Aegir, Hagen, Odin und die sämtlichen übrigen Schiffe der Flotte. Wie stattlich die letztere sich übrigens gestaltet, geht am besten daraus hervor, wenn man ihre gesamte Artillerie zusammenzählt. Dieselbe besteht nämlich aus insgesamt 68 Geschützen großen, 116 mittleren und 468 kleineren Kalibers. Die Besatzung der Flotte aber zählt im ganzen rund 9800 Offiziere und Mannschaften.
Entspannung zwischen den beiden Polen dieser Bündnisse eingetreten ift — Das „Neue Wiener Journal" schreibt, die Zusammenkunft beweise am deutlichsten, daß die Bürgschaften für den Frieden nicht im mindesten erschüttert seien. — Das „Extrabl." erblickt im Moment der Anwesenheit beider Reichskanzler das Zeugnis, daß beiderseits der Wunsch vorherrsche, im Interesse des Weltftiedens alle Ursachen zu Reibungen und Verstimmungen zwischen Rußland und Deutschland aus der Welt zu schaffen.
Helm. Zu diesen Linienschiffen des 1. Geschwaders tritt Auftlarungsschiffen, die aus dem großen und den kleinen Kreuzern Hel^ und Wacht besteht. Letzterer ist unmittelbar vor dem Zusammentritt der Flotte an Stelle des Schwcsterschißfts ^agd in den Geschwader-Verband eingetretcn, und st»ie b^annt, am 4. September nach einer Kollision mit dem Sachsen ge unken. Tas zweite Geschwader, gleich alls aus zwei Divisionen bestehend, wird w/n dem Vizeadmiral von Arnim befehligt, der seine Flagge auf der Baden hißt. Es setzt sich zusammen aus deu Linienschiffen der ersten Division, Baden, Sachsen, Württemberg und den vier Küstenpanzern Siegfried, Odin, Hnqen Aeair welch letztere unter dem Befehl des Kontrezümiirals von Schuckmann stehen. Dem zweiten Geschmier als Ausklärungsschiffe noch beigegeben sind die kleinen Kreuzer Nymphe, Gazelle und Niobe. Fernerhin gehören zu der Manöverflotte noch die Spezialschiffe Grille und Ziethen und der Minen-Dampfer Pelikan, sowie zwei Torpcdoboots- flottillen. Tie erste Flottille steht irnter dem Befehl des Korvetten-Kapitäns Scheer und die zweite unter dem Bc-
Bei der Mittagstafel an Bord der „Hohenzollern" saß ver Zar rechts vom Kaiser und der Großfürst Alexis links; rechts vom Zaren der Reichskanzler, gegenüber den Fürstlichkeiten Oberhofmarschall Graf v. Eulenburg mit dem Grafen Lambsdorff zur Rechten und dem Hofminister Baron Fredericks zur Linken. Tie Mittags- tafel verlief bei angeregtester Unterhaltung. Nachdem beide Karzer miteinander angestoßen hatten, trank der Zar dem Reichskanzler, dem Generalstabschef Grafen von Schlieffen, dem Grafen v. Eulenburg, sowie den Admiralen Hollmann und v. Tirpitz zu, während der Kaiser mit dem Großfürsten Alexis ein Glas leerte und dann den Grafen Lambsdorff, Baron Fredericks, Grafen Bcnckendorff und Dr. v. Hirsch durch Zutrinken auszeichnete. Die Tafel wurde aufgehoben, als Hela in Sicht kam. Bei herrlichstem Wetter, Sonnenschein und ruhiger See wurde die „Hoheu- zollern" von der Flotte mit Salut begrüßt. Die Kaiseryacht dampfte, mit der deutschen und der russischen Kaiserstandarte im Großtopp, durch die beiden Schiffslinien. Die beiden Monarchen nahmen vom Kaiserstand der „Hohen- zollern" aus die Parade über die Schiffe ab, welche über die Toppen geflaggt hatten und deren Besatzungen paradierten und beim Passieren die Fürstlichkeiten mit drei Hurras begrüßten, während die an Bord befindlichen Musikkapellen die russische Nationalhymne spielten. Tie Kaiseryachten ankerten darauf an den für sie vorgesehenen Plätzen an der Spitze der ganzen Formation. Hierauf wurden die Admirale, Kommandanten, Stabschefs und Flo- tillenchess an Bord der „Hohenzollern" zur Defiliercour befohlen.
Um halb 4 Uhr nachmittags glitt die „Hohenzollern", gefolgt von dem „Standart", der. „Svetlana" mit dem Großfürsten Alexis und dem Kreuzer „Verajak", in die von den beiden deutschen Geschwaderri gebildete Schiffsstraße hinein, unter den Klängen der russischen Hymne und drei Hurrahs. Der K a i s e r i n r u s s i s ch e r Admiralsuniform stand mit der Hand am Hut stramm hinter dem Zaren, der deutsche Admiralsuuiform trug. Tie Fahrt hinter dem zweiten und um das erste Geschwader herum währte eine halbe Stunde. Die russischen Schiffe ankern hinter dem ersten Geschwader. Der Zar besuchte nach der Meldung der Geschwaderofsiziere „Kaiser Wilhelm den Großen", „Viktoria Luise", den „Kurfürst" und „Kaiser Wilhelm den II."
In Petersburg erklingen noch immer zur Begegnung der beiden Kai) er freundliche Stimmen. In einem Artikel „Danziger Begegnung" betont die „Nowoje Wremi-" noch einmal, baß die Tanziger Begegnung und die wetteren Festlichkeiten in Paris unbedingt den europäischen Frieden zum Zie le haben. Die Begegnung zweier mächtiger Monarchen könne nicht anders gedeutet werden als ein Zeichen hoher Freundschaft und des unbedingten Verlangens, gut nachbarliche Verhältnisse zu kultivieren. Auch die „Rossija" äußert sich in ühn- Ncher Weise: Die traditionelle Freundschaft und die lang- jährlgen vcrwandtschgftlicheu Bande zwischen beiden Kaisern seien ein genügender Grund für ihre Begegnung.
In Wien wird die deutsch-russische Annäherung ebenfalls als n'este Friedensbürg) chast gewürdigt und betont, daß auch Oesterreich-Ungarn allen Grund habe, dieses neue Unterpfand der Erhaltung des Weltftiedens willkommen zu heißen. — Die „Neue Freie Presse" hebt als das charakteristisch Neue hervor, daß weder Deutschland noch Rußland aus ihren Kombinationen auszutreten brauchen, um die .beiderseitige Annäherung zu vollziehen, daß also der Zlveibund und der Dreibund weitem beziehen, daß aber eine,
Miquels Beisetzung.
Frankfurt a. M., 11. September.
Tas Leichenbegängnis des Staatsministers v. Miquel ging heute nachmittag in feierlicher Weise von statten. Im Trauerhause, Wöhlerstraße 2, versammelten sich gegen halb drei Uhr die Leidtragenden im Eckzimmer zur ebenen Erde, wo der Sarg inmitten eines Haines grüner Blattpflanzen aufgebahrt war. Tas Zimmer war schwarz ausgeschlagen. Um den Sarg herum waren die Kranzsvendcn, die überaus zahlreich eingegangen sind, niedergelegt, am Fuße des Sarges der Kranz desKaisersundderKaiserin, dessen weiße Schleifen die Initialen und Krone der Majestäten trugen. Bon anderen Traucrwidmungen bemerkte man besonders die Kränke der deutschen Botschaft in Paris mit schwarz-weiß-rotem Bande und des Hagenauer Dragonerregiments Nr. 15, dem Miquels ältester Sohn angehört. Tie Ordenskiss en mit dem Schwarzen Adler, dem Kreuz Wilhelms des Großen, dem Stefansorden und Dutzenden anderer Insignien lehnten tzegen den Unterbau des Sarges. Und damit im Raume des Toten das Abbild des Lebenden nicht fehle, grüßte von ber Kaminwand das ernste Porträt
würdig? Eine Antwort darauf giebt möglicherweise die Petersburger Meldung der „Schles. Ztg.": Finanzminifter Witte mache mit seinem Plane Ernst, eine Anleihe in Deutschland aufzunehmen. Das wäre also eine Doppel- Anleihe, da den Verbündeten Frankreich bekanntermaßen die gleichen „ernstlichen" Pläne zugedacht sind. Selbstverständlich wird die Meldung in Bezug auf Deutschland von Petersburg aus bestritten werden. Aber warten wir ab, wem die Zukunft Recht giebt. Frankreich allein kann Rußland nicht der argen Finanznot entreißen.
Die Kaiserzusammenkunst bei Hela.
Die Begegnung des deutschen Kaisers mit dem russi- fchen Zaren hat sich nunmehr vollzogen. Am Dienstag rmchmittag war die russische Kaiseryacht „Standart" mit dem Kaiser Nikolaus an Bord nach Danzig w ,®ee gegangen. Mittwoch früh wurde signalisiert, daß sie sich der Tanziger Bucht nähert. Ter Kaiser fuhr darauf auf der „Hohenzollern", der das Linienschiff „Kaiser Wilhelnt II." folgte, dem kaiserlichen Gast entgegen. Bald nach 10 Uhr vormittags kam in der Höhe von Rixhöft der „Standart" in Sicht. Auch der russische Kreuzer „Swelana" mit dem Großfürst Alexis, direkt von Petersburg kommend, wurde sichtbar. Als der „Standart" an der Längsseite der „Hohenzollern" erschien, paradierten auf den beiden Kaiseryachten die Besatzungen. Die Musikkapellen intonierten die Nationalhymne und drei Hurras zur Begrüßung wurden ausgebracht, während die Begleitschiffe Kaisersalut feuerten. Nachdem sich der zum Ehrendienst befohlene Flügeladjutant Graf v. Platen au dem „Standart" gemeldet hatte, begab sich der Zar in seiner Gig, begleitet von dem Gcneraladjutanten Prinzen Engalrtschew, Fregattenkapitän v. Heyden, Marineattache an
Beniner Botschaft, Fregattenkapitän Pauli, Flagg- offizier Prinzen Golikine, Leibarzt .Hirsch, Ministex des Auswärtigen, Grafen Lambsdorff und dem Kammerherrn Hofrat Sawinsky an Bord der „Hohenzollern". Der Kaiser erwartete seinen Gast am Fallreep. Tie beiden Kaiser begrüßten und umarmten sich h erzlichst. Tar- auf fand die Vorstellung der beiderseitigen Gefolge und der Offiziere der „Hohenzollern" statt. Die SNonarchen gingen die Fuont der Ehrenwache ab und begrüßten dar-
Bord der „Hohenzollern" eingetrosfenenGroßfürsten Alexis wärmstens, der von dem Adjutanten Fre- gattenkapitän Zuroff begleitet war. Tie Fürstlichkeiten begaben )ich hierauf auf das Promenadendeck, wo sie in eiftigem Gespräch bis zur Frühstückstafel verblieben, die bis 1 Uhr die Herrschaften mit den Gefolgen weiter vereinte.
Meldungen über McKinleys Befinden beitrugen. Im ganzen geht auch in unseren politischen Kreisen die Auffassung dahin, daß nicht zu viel von der Kaiserbegegnuna erwartet werden dürfe. Bei Monarchenzusammenkünften spielt sich alles programmmäßig ab, nichts ist improvisiert, jeder Schritts ift aus beiden Seiten genau abgemessen, und mag das glänzende Bild, das sich entfaltet, noch so sehr den Eindruck des Spontanen machen: für die beteiligten Staatsmänner giebt es keine Ueberraschung, keine„überwältigende Szene". Daß die Zusammenkunft eine „Festigung des Friedens" bedeutet, wird versichert, und man kann es gerne glauben. Was darüber hinaus erreicht wird an etwaigen Vereinbarungen und Verständigungen, die zwischen Deutschland und Rußland zunächst und haupt- ächlich handelspolitischer Natur sind, das bleibt einstweilen das Geheimnis weniger Eingeweihten. Ganz sichere Schlüsse lassen sich auch aus Trinksprüchen und sonstigen Kundgebungen nicht ziehen. Tas Beste, was sie wissen, dürfen auch die Regierungen großer Reiche den Leuten, d. h. der Öffentlichkeit, nicht sagen, wegen der Gefahr, daß andere Länder die Kenntnis zu „Gegenzügen" benutzen. Warum ist Rußland so ausnehmend liebeus-
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